Refa
13.04.05, 23:53
Historiker sollen Massaker untersuchen
13. Apr 22:19
Recep Tayyip Erdogan
Foto: dpa
Die Türkei will die gewaltsame Vertreibung und Ermordung der Armenier im Ersten Weltkrieg nicht als Völkermord gewertet wissen. Sie schlägt eine Historiker-Kommission vor.
Die Türkei hat 90 Jahre nach dem Beginn der gewaltsamen Vertreibung der Armenier im Ersten Weltkrieg an die Parlamente in Deutschland und anderen Ländern appelliert, die Gräueltaten nicht als Völkermord zu werten.
«Alle diese Anträge verletzen uns«, sagte der türkische Außenminister Abdullah Gül am Mittwoch in einer Debatte der Nationalversammlung in Ankara. Parlamente seien als Einrichtungen ungeeignet, ein Urteil über geschichtliche Ereignisse zu fällen. «Die Geschichte können nur Historiker beurteilen.»
In einer Entschließung forderte das Parlament Armenien zur Einrichtung einer gemeinsamen Historiker-Kommission auf, die «unbegrenzt» in den nationalen Archiven recherchieren und ihr Ergebnis der internationalen Öffentlichkeit bekannt geben solle. Hierfür sei die Kooperationsbereitschaft der armenischen Regierung «Bedingung». Alle Länder, die eine Aussöhnung zwischen Armenien und der Türkei wünschten, sollten diesen Vorschlag unterstützen.
Einseitige Initiativen ausländischer Parlamente leisteten «keinerlei positiven Beitrag» zur Zukunft der türkisch-armenischen Beziehungen, sagte Gül. Er bezog sich dabei auch auf den Antrag der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, den diese zum 90. Jahrestag der Vorkommnisse eingebracht hat. In dem Antrag vom 22. Februar heißt es, am 24. April 1915 «wurde auf Befehl der das Osmanische Reich lenkenden jungtürkischen Bewegung die armenische politische und kulturelle Elite Istanbuls verhaftet und ins Landesinnere verschleppt, wo deren größter Teil ermordet wurde».
Dabei seien 1,2 bis 1,5 Millionen Armenier getötet worden. Die Republik Türkei als Rechtsnachfolgerin des Osmanischen Reichs bestreite bis heute, dass diese Vorgänge geplant und die verübten Massaker gewollt gewesen seien. «Diese ablehnende Haltung steht im Widerspruch zu der Idee der Versöhnung, die die Wertegemeinschaft der Europäischen Union leitet, deren Mitgliedschaft die Türkei anstrebt», heißt es weiter in dem Unions-Antrag. Dieser hatte in Ankara für große Verärgerung gesorgt.
Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan plädierte für mehr Offenheit im Streit um die Massaker an den Armeniern. «Wer die Geschichte mit Vorurteilen betrachtet, den können wir nicht ernst nehmen», sagte Erdogan vor der Parlamentsdebatte. In der Geschichte der Türkei gebe es kein Kapitel, «dessen wir uns schämen, das wir verdrängen, vergessen oder vertuschen müssten», meinte Erdogan. «Wir haben keinerlei Komplexe gegenüber unserer Geschichte.» Niemand habe die Macht, «die Geschichte der Türkei mit Lügen zu füllen». Erdogan sagte, dass die türkischen Aufzeichnungen allen zur Verfügung stünden, die «nach der Wahrheit in der Geschichte suchen».
Quelle:
http://www.netzeitung.de/ausland/333961.html
13. Apr 22:19
Recep Tayyip Erdogan
Foto: dpa
Die Türkei will die gewaltsame Vertreibung und Ermordung der Armenier im Ersten Weltkrieg nicht als Völkermord gewertet wissen. Sie schlägt eine Historiker-Kommission vor.
Die Türkei hat 90 Jahre nach dem Beginn der gewaltsamen Vertreibung der Armenier im Ersten Weltkrieg an die Parlamente in Deutschland und anderen Ländern appelliert, die Gräueltaten nicht als Völkermord zu werten.
«Alle diese Anträge verletzen uns«, sagte der türkische Außenminister Abdullah Gül am Mittwoch in einer Debatte der Nationalversammlung in Ankara. Parlamente seien als Einrichtungen ungeeignet, ein Urteil über geschichtliche Ereignisse zu fällen. «Die Geschichte können nur Historiker beurteilen.»
In einer Entschließung forderte das Parlament Armenien zur Einrichtung einer gemeinsamen Historiker-Kommission auf, die «unbegrenzt» in den nationalen Archiven recherchieren und ihr Ergebnis der internationalen Öffentlichkeit bekannt geben solle. Hierfür sei die Kooperationsbereitschaft der armenischen Regierung «Bedingung». Alle Länder, die eine Aussöhnung zwischen Armenien und der Türkei wünschten, sollten diesen Vorschlag unterstützen.
Einseitige Initiativen ausländischer Parlamente leisteten «keinerlei positiven Beitrag» zur Zukunft der türkisch-armenischen Beziehungen, sagte Gül. Er bezog sich dabei auch auf den Antrag der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, den diese zum 90. Jahrestag der Vorkommnisse eingebracht hat. In dem Antrag vom 22. Februar heißt es, am 24. April 1915 «wurde auf Befehl der das Osmanische Reich lenkenden jungtürkischen Bewegung die armenische politische und kulturelle Elite Istanbuls verhaftet und ins Landesinnere verschleppt, wo deren größter Teil ermordet wurde».
Dabei seien 1,2 bis 1,5 Millionen Armenier getötet worden. Die Republik Türkei als Rechtsnachfolgerin des Osmanischen Reichs bestreite bis heute, dass diese Vorgänge geplant und die verübten Massaker gewollt gewesen seien. «Diese ablehnende Haltung steht im Widerspruch zu der Idee der Versöhnung, die die Wertegemeinschaft der Europäischen Union leitet, deren Mitgliedschaft die Türkei anstrebt», heißt es weiter in dem Unions-Antrag. Dieser hatte in Ankara für große Verärgerung gesorgt.
Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan plädierte für mehr Offenheit im Streit um die Massaker an den Armeniern. «Wer die Geschichte mit Vorurteilen betrachtet, den können wir nicht ernst nehmen», sagte Erdogan vor der Parlamentsdebatte. In der Geschichte der Türkei gebe es kein Kapitel, «dessen wir uns schämen, das wir verdrängen, vergessen oder vertuschen müssten», meinte Erdogan. «Wir haben keinerlei Komplexe gegenüber unserer Geschichte.» Niemand habe die Macht, «die Geschichte der Türkei mit Lügen zu füllen». Erdogan sagte, dass die türkischen Aufzeichnungen allen zur Verfügung stünden, die «nach der Wahrheit in der Geschichte suchen».
Quelle:
http://www.netzeitung.de/ausland/333961.html