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zübeyde
02.05.06, 22:35
d.radio.de

02.05.2006 · 09:10 Uhr

http://www.dradio.de/images/21282/landscape/133,0/ (http://www.dradio.de/dlf/sendungen/europaheute/496019/bilder/image_main/)


"Wen es stört, in Frankreich zu leben, der sollte das Land, das er nicht mag, verlassen," meint Innenminister Nicolas Sarkozy. (Bild: AP)
Frankreich im Streit um seine Immigranten

Regierung Villepin will Einwanderungsgesetze verschärfen

Erst die umstrittene Lockerung des Kündigungsschutzes, jetzt die Verschärfung des Einwanderungsrechts: Frankreich sucht eine angemessene Antwort auf die Unruhen des vergangenen Jahres, als sich der Frust der Immigranten der zweiten Generation Luft machte. Doch auch dieser Gesetzentwurf, der es Zuwanderern schwerer machen soll, ins Land zu kommen, stößt auf Widerstand. Christoph Heinemann berichtet.




Aus den Krawallen im vergangenen Herbst, als Randalierer aus den überwiegend von Einwanderern bewohnten Vorstädten tausende Autos in Brand steckten und Schulen, Kindergärten und Geschäfte verwüsteten, folgt für Innenminister Nicolas Sarkozy vor allem eins: "Wen es stört, in Frankreich zu leben, der sollte das Land, das er nicht mag, verlassen".

Frankreich müsse die Zuwanderung künftig stärker im eigenen Interesse steuern, meint Sarkozy. Sein Gesetzentwurf, über den die Nationalversammlung ab heute debattiert, diene dem Ziel einer ausgewählten Einwanderung und keiner, die man einfach erleiden müsse. Diese Formulierung stößt auch bei Parteifreunden des Ministers auf Ablehnung. Jean-Louis Debré, der Präsident des Nationaversammlung, meint:
Ich mag diese Sätze nicht, und ich möchte die Menschen nicht verletzen. Das bringt nichts. Ich laufe weder der extremen Linken noch den Rechtsextremisten hinterher.

Und auch die Kirchen wehren sich gegen den Geist des Geseztes: Olivier de Berrenger, der Bischof von St. Denis im Nordosten von Paris, einer Region mit einem besonders hohen Anteil arabisch- und afrikanischstämmiger Einwohner, kritisiert Sarkozys Formulierung einer erlittenen Zuwanderung:

Wenn man das schon so bezeichnet, dann ist das beleidigend für die Einwanderer, die auf unserem Boden leben und arbeiten und für diejenigen, die schon seit langem an unsere Tür klopfen. Diese Formulierung besagt, dass sie unerwünscht sind.

Der Gesetzentwurf sieht vor, dass künftig gut ausgebildete Arbeitskräfte bevorzugt werden sollen. Deren Zuzug soll erleichtert, während die Einwanderung gering Qualifizierter eingeschränkt werden soll. Sarkozy plant außerdem, die Frist für den Familiennachzug zu verlängern. Bisher konnten Angehörige von in Frankreich ansässigen Ausländern nach einem Jahr nachgeholt werden, in Zukunft, dies plant der Minister, erst nach 18 Monaten. Zudem müssen ausreichende Einnahmen nachgewiesen werden. Um Scheinehen zu bekämpfen, kann eine Aufenthaltsgenehmigung für ausländische Ehepartner erst drei Jahre nach der Heirat erteilt werden. Voraussetzung für einen legalen Aufenthalt wird künftig ein "Aufnahme- und Integrationsvertrag", der Staatsbürgerunterricht und Französischkurse vorsieht.

Wenn man den Familiennachzug erschwere, werde dies vermehrte illegale Einwanderung zur Folge haben, meint der ehemalige Premierminister Laurent Fabius von der Sozialistischen Partei und vermutet, Sarkozy wolle mit Blick auf die Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr seine Erfolgsaussichten verbessern und die Krise um den Erstanstellungsvertrag CPE in Vergessenheit geraten lassen.

Auf wirtschafltichem und sozialem Gebiet steckt die bürgerlicher Rechte und Herr Sarkozy in Schwierigkeiten. Deshalb setzen sie jetzt alles auf das Thema Einwanderung. Vor allem Herr Sarkozy will dieses Thema nutzen, um sich der extremen Rechten anzunähern.

Die französische Debatte um die Einwanderungspolitik wird seit den Krawallen im Herbst eindringlicher geführt. Nach Poizeiangaben stammten die meisten der jugendlichen Randalierer aus maghrebinischen oder afrikanischen Einwandererfamilien.

Einwanderung und Integration könne man nicht länger getrennt behandeln, unterstreicht Eric Raoult, Abgeordneter der Regierungspartei UMP des Pariser Vorstadt-Departements Seine Saint Denis:

Angesichts der Wahlerfolge des rechtspopulistischen Front National solle man zuerst die Integration derjenigen regeln, die hier sind.





http://www.dradio.de/dlf/sendungen/europaheute/496019/

Sahika26
02.05.06, 22:38
Europa ist nur noch auf dem Abstiegstreppchen...., wie ein Prof. heute so schön sagte: Das wird nix mehr mit den Europäern.

zübeyde
02.05.06, 22:44
Europa ist nur noch auf dem Abstiegstreppchen...., wie ein Prof. heute so schön sagte: Das wird nix mehr mit den Europäern.


Ich sehe es auch so.

Allerdings wäre mir wohler dabei, wenn es der EU besser gehen würde. Immer wenns in Europa schlecht läuft, krallen sie woanders ein. Meine Vorurteile :).

Das mit Frankreich ist schon heftig. Man weiß schon gar nicht mehr, wieviel die noch bewältigen müssen. Nicht einfach mit denen. Hoffentlich fällt ihnen was gutes ein für ihre innere Sicherheit und Stabilität. Mal demonstrieren die Studenten, dann die Einwanderer, dann kommen die Geister von Gestern. Und ein Sarkozy, der nicht mehr ganz normal zu sein scheint.

Mirage
03.05.06, 22:35
Und ein Sarkozy, der nicht mehr ganz normal zu sein scheint.
Und der offensichtlich ganz vergessen hat, wo seine Wurzel liegen!
Vater: Pal Nagy Bosca y Sarközy, geboren 1928 aus ungarischem Adel. Mal heißt es aus verarmtem Adel mal aus dem Hochadel. Flüchtete 1944 vor den anrückenden Sowjets zuerst nach Deutschland und verpflichtete sich dann bei der französischen Fremdenlegionen. (Warum muß ich an dieser Stelle daran denken, dass die Fremdenlegion vielen Nazis und Kollaborateuren zu einer neuen Identität verhalf?). 1948 wurde er als dienstunfähig unter dem Namen Paul Sarkozy entlassen, was ihm einen Einsatz in Indochina ersparte.
1949 heiratete er eine Französin, Andrée Mallah, Tochter eines Arztes jüdischer Herkunft, wie es offiziell heißt. Bénédict Mallah, der Großvater von Sarkozy, ist zum Katholizismus übergetreten, als er eine Französin heiratete. Er ist aber als Mallah, Aron Benico 1890 in Saloniki geboren und zuerst aufgewachsen. Also ein osmanischer Staatsbürger, da seine Vorfahren, mindestens seit Anfang des 19. Jahrhunderts aus Saloniki waren.
Ob vielleicht entfernte Verwandte von Sarkozy heute in der Türkei zu finden sind?:cool:

zübeyde
03.05.06, 22:46
Und der offensichtlich ganz vergessen hat, wo seine Wurzel liegen!
Vater: Pal Nagy Bosca y Sarközy, geboren 1928 aus ungarischem Adel. Mal heißt es aus verarmtem Adel mal aus dem Hochadel. Flüchtete 1944 vor den anrückenden Sowjets zuerst nach Deutschland und verpflichtete sich dann bei der französischen Fremdenlegionen. (Warum muß ich an dieser Stelle daran denken, dass die Fremdenlegion vielen Nazis und Kollaborateuren zu einer neuen Identität verhalf?). 1948 wurde er als dienstunfähig unter dem Namen Paul Sarkozy entlassen, was ihm einen Einsatz in Indochina ersparte.
1949 heiratete er eine Französin, Andrée Mallah, Tochter eines Arztes jüdischer Herkunft, wie es offiziell heißt. Bénédict Mallah, der Großvater von Sarkozy, ist zum Katholizismus übergetreten, als einer Französin heiratete. Er ist aber als Mallah, Aron Benico 1890 in Saloniki geboren und zuerst aufgewachsen. Also ein osmanischer Staatsbürger, da seine Vorfahren, mindestens seit Anfang des 19. Jahrhunderts aus Saloniki waren.
Ob vielleicht entfernte Verwandte von Sarkozy heute in der Türkei zu finden sind?:cool:


Vielen Dank Mirage. Deine Informationen sind sehr interessant. Ich wußte ein bißchen über seine Biografie, aber längst nicht so im Detail.

Sarkozy ist mein Lieblingspolitiker in Europa. Vielleicht zieht uns ja was an. :brüll:. Aber im Ernst, er ist als Innenminister doch wirklich nicht geeignet. Er vergißt wohl tatsächlich seine Wurzeln. Wirklich sehr interessant .....

DeLaHoya
03.05.06, 22:51
http://www.dradio.de/images/21282/landscape/133,0/ (http://www.dradio.de/dlf/sendungen/europaheute/496019/bilder/image_main/)

Seit ehrlich: die Ähnlichkeit ist doch verblüffend!

http://rsb.info.nih.gov/ij/images/clown.jpg

zübeyde
03.05.06, 23:00
Seit ehrlich: die Ähnlichkeit ist doch verblüffend!

http://rsb.info.nih.gov/ij/images/clown.jpg



BINGO !
Aber im Herzen ist der Clown mir lieber DeLaHoya ! :buuh:

Kontra
03.05.06, 23:02
@Mirage

Dass Sarkozy selber ein Weinwanderungskind ist stimmt. Sein Vater war aus Ungarn und floh vor den Kommunisten und seine Mutter ist eine jüdische Griechin und floh vor den Nazis.
Sarkozy selbst hat eine spanische Lebensgefährtin deren Eltern wegen dem Diktator Franco aus Spanien fliehen musste.

Mirage
03.05.06, 23:39
@Mirage

Dass Sarkozy selber ein Weinwanderungskind ist stimmt. Sein Vater war aus Ungarn und floh vor den Kommunisten und seine Mutter ist eine jüdische Griechin und floh vor den Nazis.
Sarkozy selbst hat eine spanische Lebensgefährtin deren Eltern wegen dem Diktator Franco aus Spanien fliehen musste.
Schöne Märchen!
Warum floh ein 16 Jähriger vor den Kommunisten? Spielt da vielleicht die Haltung des ungarischen Adels während des Horty-Regime, Verbündete der Nazi, eine Rolle?
Die Mutter von Sarkozy kann auf keinen Fall eine jüdische Griechin sein, die vor den Nazis floh. Wohin hätte sie denn damals während des 2. Weltkriegs fliehen sollen? Höchstens in die Türkei und sicherlich nicht nach Frankreich. Sie ist in den 1920er Jahre geboren und war Katholikin und Jurastudentin, als sie Paul Sarkozy gehieratet hat. Ihr Vater, Bénédict bzw. Aron Benico Mallah hat selbst eine Französin geheiratet und ist dabei zum Katholizismus übergetreten. Außer seinem Vater, der 1913 in Saloniki gestorben ist, sind alle seine Geschwister und seine Mutter um diese Zeit nach Frankreich emigriert. Die meisten sind dann auch in Frankreich gestorben. Zwei seiner Geschwister sind dann später nach Argentinien emigriert.
http://www.amarfamily.org/getperson.php?personID=10059I&tree=Amar1

Kontra
04.05.06, 11:28
Schöne Märchen!
Warum floh ein 16 Jähriger vor den Kommunisten? Spielt da vielleicht die Haltung des ungarischen Adels während des Horty-Regime, Verbündete der Nazi, eine Rolle?
Die Mutter von Sarkozy kann auf keinen Fall eine jüdische Griechin sein, die vor den Nazis floh. Wohin hätte sie denn damals während des 2. Weltkriegs fliehen sollen? Höchstens in die Türkei und sicherlich nicht nach Frankreich. Sie ist in den 1920er Jahre geboren und war Katholikin und Jurastudentin, als sie Paul Sarkozy gehieratet hat. Ihr Vater, Bénédict bzw. Aron Benico Mallah hat selbst eine Französin geheiratet und ist dabei zum Katholizismus übergetreten. Außer seinem Vater, der 1913 in Saloniki gestorben ist, sind alle seine Geschwister und seine Mutter um diese Zeit nach Frankreich emigriert. Die meisten sind dann auch in Frankreich gestorben. Zwei seiner Geschwister sind dann später nach Argentinien emigriert.
http://www.amarfamily.org/getperson.php?personID=10059I&tree=Amar1

Mirage, Herr Sarkozy hat seine Herkunft selbst im TV so geschildert. Sein Vater ist mit den Großeltern geflüchtet. Seine Mutter hat nicht in Griechenland gelebt sondern in Alexandria (Ägypten) , dort hat vor dem zweiten Weltkrieg eine sehr große griechische Gemeinde gelebt, genauso wie im Libanon. Und sie ist mit ihren Eltern von dort nach FR geflohen vor wem auch immer. Und warum sollte Herr Sarkozy das falsch schildern.??

Mirage
04.05.06, 18:12
Mirage, Herr Sarkozy hat seine Herkunft selbst im TV so geschildert. Sein Vater ist mit den Großeltern geflüchtet. Seine Mutter hat nicht in Griechenland gelebt sondern in Alexandria (Ägypten) , dort hat vor dem zweiten Weltkrieg eine sehr große griechische Gemeinde gelebt, genauso wie im Libanon. Und sie ist mit ihren Eltern von dort nach FR geflohen vor wem auch immer. Und warum sollte Herr Sarkozy das falsch schildern.??
Mag sein, dass Sarkozy das so oder so ähnlich im TV geschildert hat. Dann scheint er sich zu widersprechen, oder wie soll man diese Meldung verstehen:

Jewish Holocaust victims of the Greek city of Thessaloniki on Sunday, in the framework of the annual commemorations events.
Sarkozy’s maternal grandfather Benedict Mallah was a Sephardic Jew from Thessaloniki, who immigrated to France in the early 20th century.
In his message Sarkozy, a candidate for the 2007 presidential election, said that “we owe it to all those destroyed lives to remember them as I owe it to my grand father’s family.”
http://www.ejpress.org/article/5486

Hier die Meldung zu diesem Thema auf der Homepage der griechischen Botschaft in Paris unter dem 26/01/2006:
http://www.amb-grece.fr/politique_etrangere/relations_france-grece.htm
und hier die Meldung auf der Homepage des französischen Konsulats in Saloniki mit dem Text von Sarkozy (Zitat: das bin ich der Familie meines Großvaters schuldig).http://www.consulfrance-salonique.org/actualites/israelite2006/israelite.htm#fr

Es wäre übrigens nicht das erste Mal, dass französische Politiker ihre Biographie verschönern bzw. dem Zeitgeist - erst recht vor Wahlen – anpassen. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie Michel Debré (der Vater der Verfassung) immer bemüht war, als tiefgläubiger, praktizierender Katholik zu gelten und seine jüdische Wurzel zu verstuschen, wohl wissend, dass die archives départementales des Herkunftsorts seines Vaters (zufällig ist es auch meines) 1940 so gut wie vollständig abgebrannt sind. Bei seinem Sohn Jean-Louis Debré, dem Präsidenten des Parlaments, ist es genau umgekehrt. Er weist oft und gerne auf seine jüdischen Wurzel hin.


Sarkozy selbst hat eine spanische Lebensgefährtin deren Eltern wegen dem Diktator Franco aus Spanien fliehen musste.
Welche Lebensgefährtin meinst Du denn?
- seine erste Frau Marie-Dominique Culioli aus Korsika, die nach der Scheidung auf Korsika gezogen ist. Oder
- seine Noch-Ehefrau, Cecilia Ciganer Albeniz, Tochter eines russischen Emigranten und einer Spanierin, verwandt mit dem spanischen Komponist Isaac Albeniz, der sich Ende des 19. Jahrhunderts in Frankreich niederließ. Oder
- sein Zwischenspiel 2005 mit der Jounalistin Anne Fulda, deren Familie aus Rumänien stammt.

deryatulga
04.05.06, 18:29
Mag sein, dass Sarkozy das so oder so ähnlich im TV geschildert hat. Dann scheint er sich zu widersprechen, oder wie soll man diese Meldung verstehen:

.................
Welche Lebensgefährtin meinst Du denn?
- seine erste Frau Marie-Dominique Culioli aus Korsika, die nach der Scheidung auf Korsika gezogen ist. Oder
- seine Noch-Ehefrau, Cecilia Ciganer Albeniz, Tochter eines russischen Emigranten und einer Spanierin, verwandt mit dem spanischen Komponist Isaac Albeniz, der sich Ende des 19. Jahrhunderts in Frankreich niederließ. Oder
- sein Zwischenspiel 2005 mit der Jounalistin Anne Fulda, deren Familie aus Rumänien stammt.

Mirage, du magst deinen künftigen Präsidenten wohl nicht!

Mirage
04.05.06, 23:22
Mirage, du magst deinen künftigen Präsidenten wohl nicht!
Stimmt, ich kann diesen Kerl mit dem unschuldigen Dackelblcik und seiner populistischen, demagogischen und opportunistischen Politik wahrlich nur schwer ausstehen!

Evliya
04.05.06, 23:26
Stimmt, ich kann diesen Kerl mit dem unschuldigen Dackelblcik und seiner populistischen, demagogischen und opportunistischen Politik wahrlich nur schwer ausstehen!

Ich kann die Fresse von Sarkozy nicht mehr sehen!

Mirage
04.05.06, 23:31
Ich kann die Fresse von Sarkozy nicht mehr sehen!
Ich eigentlich auch nicht! Ich wollte es bloß nicht so krass ausdrücken!

Evliya
04.05.06, 23:35
Ich eigentlich auch nicht! Ich wollte es bloß nicht so krass ausdrücken!

Normalerweise gehört das auch nicht zu meinem Wortschatz, aber bei diesem gefährlichen Demagogen sollte man vielleicht auf eine andere Wortschöpfung zurückgreifen. Der Sarkozy sieht manchmal aus wie ein schlechter Kasper.

zübeyde
04.05.06, 23:47
Normalerweise gehört das auch nicht zu meinem Wortschatz, aber bei diesem gefährlichen Demagogen sollte man vielleicht auf eine andere Wortschöpfung zurückgreifen. Der Sarkozy sieht manchmal aus wie ein schlechter Kasper.


Er ist zudem auch ein guter Freund unserer Frau Kanzlerin. Auf gleicher Wellenlänge, was Einwandererpolitik angeht. Wir kennen ja die Aussagen auch von unserem Innenminister Schäuble.

Mirage
04.05.06, 23:58
Er ist zudem auch ein guter Freund unserer Frau Kanzlerin. Auf gleicher Wellenlänge, was Einwandererpolitik angeht. Wir kennen ja die Aussagen auch von unserem Innenminister Schäuble.
Und das ist es, was mir Angst macht. Wenn man sieht, welches Gedankengut inzwischen in Frankreich salonfähig geworden ist, und es wird noch offener, wenn Sarkozy und seine Leute an die Macht kommen, ist dann damit zu rechnen, dass viele deutsche Politiker keine Hemmungen mehr haben werden.

zübeyde
05.05.06, 00:05
Und das ist es, was mir Angst macht. Wenn man sieht, welches Gedankengut inzwischen in Frankreich salonfähig geworden ist, und es wird noch offener, wenn Sarkozy und seine Leute an die Macht kommen, ist dann damit zu rechnen, dass viele deutsche Politiker keine Hemmungen mehr haben werden.


Mirage,

die EU-Länder verfolgen eine einheitliche Einwanderungs- und Einbürgerungspolitik. Deshalb sind sie ja die EU. Aber besonders die Linie Frankreich - Deutschland - Niederlande ist sehr auffallend und besorgniserregend.

Und ein Sarkozy, der seine eigenen Menschen, für die er Minister ist, als Gesindel und Abschaum bezeichnet, hat menschlich nicht das Zeug dazu, noch zu regieren. Diese beiden Wörter muß man sich mal einige Minuten lang nur anschauen, nicht einmal aussprechen. Dann weiß man, wieviel Verachtung er einfach für "Menschen" hat. Wen will er denn überhaupt regieren ? Gesindels und Abschaum ?

Sowas an politischer Persönlichkeit hätte ich nicht einmal Frankreich zugetraut. Und jetzt sollen diese Gesindels und Abschaums noch "Frankreich lieben oder gehen". Herrlich !

Evliya
05.05.06, 00:05
Er ist zudem auch ein guter Freund unserer Frau Kanzlerin. Auf gleicher Wellenlänge, was Einwandererpolitik angeht. Wir kennen ja die Aussagen auch von unserem Innenminister Schäuble.

Zübeyde, da haben sich wahrscheinlich zwei getroffen, die es miteinander gut können. Vor allem sind sich beide über die gemeinsame Ablehnung eines EU-Beitritts der Türkei so zusagen blind einig. Den Schäuble nimmt doch eh keiner mehr wirklich ernst.

yokyav
05.05.06, 00:06
Und das ist es, was mir Angst macht. Wenn man sieht, welches Gedankengut inzwischen in Frankreich salonfähig geworden ist, und es wird noch offener, wenn Sarkozy und seine Leute an die Macht kommen, ist dann damit zu rechnen, dass viele deutsche Politiker keine Hemmungen mehr haben werden.

Vielleicht hat es auch was Gutes! Auf diese Weise erkennen womöglich, insbesondere in der Türkei, möchtegern Intellektuelle, daß im Westen nicht alles so rosig ist wie es scheint und die Realität nichts mit der Theorie zu tun hat.

Evliya
05.05.06, 00:20
Vielleicht hat es auch was Gutes! Auf diese Weise erkennen womöglich, insbesondere in der Türkei, möchtegern Intellektuelle, daß im Westen nicht alles so rosig ist wie es scheint und die Realität nichts mit der Theorie zu tun hat.

Vor allem die Sorte von - wie es dertli abi sagen würde - Intellektuellen, die nichts anderes im Sinn haben als sich bei französischen Wein und gutem Essen am Seine-Ufer den Bauch voll zu schlagen. Diese Herren haben es ja nicht nötig sich mit den wirklichen Problemen dieser Welt auseinander zu setzen. Die würden sich mit Sicherheit auch nie in die Vororte von Paris oder einer anderen französischen Stadt verirren, denn das passt nicht in das Weltbild dieser Leute.

Mirage
05.05.06, 00:27
Mirage,

die EU-Länder verfolgen eine einheitliche Einwanderungs- und Einbürgerungspolitik. Deshalb sind sie ja die EU. Aber besonders die Linie Frankreich - Deutschland - Niederlande ist sehr auffallend und besorgniserregend.

Und ein Sarkozy, der seine eigenen Menschen, für die er Minister ist, als Gesindel und Abschaum bezeichnet, hat menschlich nicht das Zeug dazu, noch zu regieren.
Völlig einverstanden. Gleichzeitig ist es aber auch das, was Sarkozy als Präsident gefährlich und beängstigend macht. Denn die derzeitige Verfassung gibt dem Präsidenten sehr viel Macht und es gibt einige Artikel, die sehr wohl zu einer diktatorischen Regentschaft führen können. Und die Art und Weise, wie er seine "Leute" auswählt, läßt nichts gutes ahnen.


Sowas an politischer Persönlichkeit hätte ich nicht einmal Frankreich zugetraut.
Versuche Dich etwas mit der Vichy-Regierung während des 2. Weltkriegs vertraut zu machen. Vom Wortschatz her gibt es viele Parallelen, nur die Adressaten sind jetzt andere.


Und jetzt sollen diese Gesindels und Abschaums noch "Frankreich lieben oder gehen". Herrlich ! Und etwas schwierig, wenn man Franzose ist!

zübeyde
05.05.06, 00:39
Mirage,

Vielen Dank für die Infos. Über Vichy werde ich mich noch näher befassen müssen. Ich habe über die Zeit nicht wirklich viel Wissen. Mehr Informationen genereller Natur.

Aber Du bist ja in der Hinsicht die beste Info-Quelle. Vielen Dank. :)

Mirage
05.05.06, 00:43
Mirage,

Vielen Dank für die Infos. Über Vichy werde ich mich noch näher befassen müssen. Ich habe über die Zeit nicht wirklich viel Wissen. Mehr Informationen genereller Natur.

Aber Du bist ja in der Hinsicht die beste Info-Quelle. Vielen Dank. :)
Gerne geschehen. Ich lerne auch sehr viel hier! :)

zübeyde
05.05.06, 00:47
Gerne geschehen. Ich lerne auch sehr viel hier! :)


dito :)

toygun
06.05.06, 01:14
Kritiker nennen Sarkozys Einwanderungsgesetz unchristlich
-Frankreichs Innenminister wirbt für strengere Regeln bei der Immigration
-Paris debattiert über Forderung nach Vaterlandsliebe



http://www.n-tv.de/img/600509_src_path.jpghttp://www.n-tv.de/img/600509_src_path.jpg
http://www.n-tv.de/img/600509_src_path.jpghttp://www.n-tv.de/img/600509_src_path.jpg

von Jochen Hehn (http://www.welt.de/data/2006/05/04/881960.html)

Paris - Nach dem blamablen Scheitern ihrer Arbeitsmarktreform hofft die französische Regierung nun darauf, mit der Reform des Einwanderungsgesetzes zumindest einen Teil des verlorenen Vertrauens zurückzugewinnen.


Doch schon im Vorfeld der parlamentarischen Debatte, die in dieser Woche begann, war das von Innenminister Nicolas Sarkozy ausgearbeitete Reformgesetz bei Kirchen, Menschenrechtsorganisationen und Linksparteien auf scharfen Widerspruch gestoßen. Die geplanten Regelungen, die weg von einer "zu lange erduldeten Einwanderung" hin zu einer "selektiven Einwanderung" führen sollen, seien "absolut unchristlich" und verstießen gegen die Menschenwürde, erklärte der französische Primas und Erzbischof von Lyon, Philippe Kardinal Barbarin. Die oppositionelle Sozialistische Partei (PS) unterstellt dem Innenminister sogar, die Sprachregelung der rechtsextremen und fremdenfeindlichen Nationalen Front (FN) von Jean-Marie Le Pen übernommen zu haben. Im privaten Fernsehsender TF1 wies Sarkozy diesen Vorwurf als unbegründet zurück: "Wenn Le Pen sagt: "Die Sonne ist gelb", muß ich dann sagen, daß sie blau ist?"


Den Vergleich mit Le Pen hatte Sarkozy mit seiner Aussage provoziert, daß diejenigen Ausländer, die Frankreich nicht liebten, doch bitte auch so frei sein sollten, das Land zu verlassen. In fast demselben Wortlaut hatte es früher auch schon der Chef der Nationalen Front formuliert. Die erste Pflicht eines von Frankreich aufgenommenen Ausländers müsse es sein, das Land zu lieben, zumindest aber zu respektieren, bekräftigte Sarkozy im TF1 seine Absicht, Beleidigungen der Republik und der französischen Staatsbürger nicht zu tolerieren. Wer in Frankreich leben wolle, müsse begreifen, daß er sich in einer Demokratie aufhalte, daß die Presse auch das Recht habe, religiöse Karikaturen zu veröffentlichen und daß in Ausweispapieren keine Fotos erlaubt seien, die Frauen verschleiert zeigten.


Nach dem neuen Prinzip der "selektiven Einwanderung" sollen künftig vorrangig gutausgebildete Fachkräfte nach Frankreich einwandern können und dort vor allem in Bereichen arbeiten können, in denen es an Arbeitskräften mangelt. Deutlich erschwert werden soll die Einwanderung für ungelernte Arbeitskräfte, aber auch die Familienzusammenführung. Um Angehörige nachkommen zu lassen, muß ein Ausländer künftig über einen entsprechend großen Wohnraum und ein ausreichendes Einkommen verfügen. Dies muß aus eigenständiger Arbeit erwirtschaftet werden und darf nicht aus Sozialhilfe bestehen.


Ausländische Ehegatten von Franzosen sollen erst nach drei statt bisher zwei Jahren eine für zehn Jahre gültige Aufenthaltserlaubnis erhalten. Scharf bekämpft werden sollen künftig die Mehrfachehen, von denen es in Frankreich schätzungsweise 300 000 gibt. Völlig entfallen wird laut Gesetz die Möglichkeit, daß ein Einwanderer, der seit mindestens zehn Jahren ohne Unterbrechung in Frankreich gelebt hat, seinen Aufenthaltsstatus legalisieren lassen kann. Attraktiver soll Frankreich hingegen für ausländische Elitestudenten werden. Doch müssen sie nach Abschluß ihres Studiums in ihre Heimatländer zurückkehren, um sicherzustellen, daß diese nicht ihre Eliten verlieren. Festhalten will Sarkozy an der Praxis, jährlich 25 000 illegale Einwanderer in ihre Heimatländer zurückbringen zu lassen.


Angesichts der Kritik hat Nicolas Sarkozy sich grundsätzlich bereit erklärt, Veränderungen an seinem Gesetzestext zuzulassen. "Es ist meine Konzeption von einem Dialog", niemals einen Gesetzestext im Parlament mit der Vorgabe einzubringen, ihn unverändert anzunehmen oder abzulehnen, erklärte er mit deutlicher Anspielung auf Premierminister Dominique de Villepin, der seine Arbeitsmarktreform mit dem umstrittenen Ersteinstellungsvertrag CPE im Hauruckverfahren durchs Parlament geboxt hatte.

Galore
06.05.06, 12:06
Der französische Innenminister und Chef der bürgerlichen Regierungspartei Union für eine Volksbewegung (UMP), Nicolas Sarkozy, hat ein neues Gesetz zur Bekämpfung und Vorbeugung der Jugendkriminalität angekündigt.

Man müsse die französische Gesetzgebung zur Jugendkriminalität aus dem Jahr 1945 neu schreiben, denn diese sei für die Jugend der Nachkriegszeit geschaffen worden und heute nicht mehr angebracht, sagte Sarkozy gestern bei einer Pressekonferenz in der Pariser Vorstadt Evry. Dort war vergangenen Sonntag bei der Auseinandersetzung zweier Jugendbanden ein 16-Jähriger niedergestochen worden.

"Eltern gesetzlich verfolgen"

Die Sanktion müsse "eine Form der Erziehung" sein. "Die Eltern, die nicht auf ihre Kinder achten, sollten gesetzlich verfolgt werden", meinte Sarkozy und stellte auch eine Pflicht für die Schulen in Aussicht, die Eltern oder die Verwaltung davon zu informieren, wenn gewisse Jugendliche nur selten zu Schule kommen. Das Schwänzen sei "der Vorraum zur Kriminalität", meinte der Minister.

Unter den künftigen Maßnahmen nannte Sarkozy die Entfernung der Jugendlichen mit einem "kriminellen Risiko" aus ihrem Wohnviertel beziehungsweise deren psychologische Beobachtung. Überdies sieht das Gesetz, das am 10. Mai im Parlament eingebracht werden soll, auch die Pflicht für Jungkriminelle vor, den angerichteten Schaden wieder gutzumachen. Das könne durch gemeinnützige Arbeit oder durch ein Praktikum in der Berufswelt erfolgen.

Zur Bekämpfung der Abwesenheit vom Schulunterricht ist vorgesehen, dass die Eltern der betreffenden Schüler keine Sozialgelder mehr erhalten.

verda
06.05.06, 22:44
Fransa'da Türk gençlerine yapılan silahlı saldırı protesto edildi...
http://www.jurnalturk.com/foto/0.gif
Fransa'nın iç bölgelerindeki Nevers kentinde geçen hafta sonu Türk gençlerine yapılan silahlı saldırı, bugün kentte düzenlenen bir gösteri yürüyüşüyle protesto edildi.
Gösteriye, Fransa'nın şans eşitliğinden sorumlu Devlet Bakanı Aziz Begag, kentin Belediye Başkanı ve aynı zamanda Sosyalist Parti senatörü Didier Boulaud'nun da aralarında olduğu yaklaşık 5 bin kişi katıldı.
Fransa'daki ırkçılıkla mücadele derneklerinin temsilcilerinin de yoğun destek verdiği gösteri yürüyüşünde, ''Herkes için adalet'', ''Irkçılığa hayır'', ''Ayrımcılığa hayır'' yazan pankartlar taşındı.
Hafta sonunda diskotek görevlilerinin açtığı ateş sonucu biri ağır olmak üzere 3 Türk genci yaralanmıştı. Saldırının ardından pazar ve pazartesi akşamı çıkan olaylarda yaklaşık 15 araç ateşe verilirken, birçok dükkan ve kültür merkezine molotofkokteyli atılmıştı. Türk gençlerine silahlı saldırıda bulunmaktan gözaltına alınan ve haklarında ''adam öldürmeye teşebbüs'' suçlamasıyla dava açılan iki diskotek görevlisinin tutuklanarak cezaevine gönderildiği bildirilmişti.
Olaylar, bir Türk ve iki Arap gencin kasabadaki diskoya alınmaması üzerine başlamış, bir boks maçından dönen, Arap ve Türk gençlerinin çoğunlukta olduğu yaklaşık 15 kişilik grup, olay yerindeki tartışmayı görünce diskotek önünde durmuş, görgü tanıklarından alınan bilgiye göre, diskotek görevlileri, bu yeni gelen grubun da tartışmaya katılacağını düşünerek, kalabalığın üzerine ateş açmıştı.
Açılan ateşte başından vurularak ağır yaralanan 24 yaşındaki Tuncelili Haydar Yıldız bitkisel hayata girmişti.
Clermont-Ferrand kentindeki hastaneye kaldırılan gencin, beyin ölümünün gerçekleştiği ve yaşam ünitesine bağlandığı belirtilirken, kurtulma şansını çok az olduğu bildiriliyor.
Böbreklerine kurşun isabet eden 25 yaşındaki Kayserili Murat Şahin'in tedavisiyse hastanede sürüyor. Önceki gün iç kanama geçiren Şahin'in ikinci kez ameliyata alındığı ve hayati tehlikeyi atlattığı bildirildi.
Elinden yaralanan Metin Dikyar adlı gençse tedavisinin ardından taburcu edilmişti.
Kentteki vali, belediye başkanı ve emniyet müdürü, olaylar üzerine, dernek ve sivil topum örgütleri temsilcileriyle bir araya gelmiş, Türkiye'nin Paris Konsolosluğu'nda yetkililerle birlikte Türk dernek temsilcilerinin de katıldığı toplantıda, gerginliğin giderilmesi yönünde alınacak önlemler tartışılmıştı.

06.05.2006 - 17:57 (http://www.politikcity.de/forum/)
http://www.jurnalturk.com/detay.gur?@=266069&c_id=130

zübeyde
18.05.06, 01:30
nachrichten.ch
18.05.2006

http://www.nachrichten.ch/detail/241945.htm



Verschärftes Ausländerrecht in Frankreich
http://www.nachrichten.ch/img/1x1transp.gif

Paris -

Mit den Stimmen der UMP-Mehrheitsfraktion und einiger Liberaler hat die französische Nationalversammlung das umstrittene Gesetz zur Verschärfung des Einwanderungsrechts verabschiedet.

Die Neuregelung sieht unter anderem eine Art Green Card für qualifizierte Arbeitnehmer und Erleichterungen für ausländische Studenten vor. Die Hürden für Familiennachzug werden erhöht, der Kampf gegen Scheinheiraten und illegale Einwanderung verstärkt. Einwanderer, die dauerhaft in Frankreich leben wollen, müssen einen «Aufnahme- und Integrationsvertrag» unterzeichnen. Er sieht Staatsbürgerunterricht und Französischkurse vor, die bislang freiwillig sind.

Gesetz für rechtsextreme Wähler?

Das Gesetzespaket von Innenminister Nicolas Sarkozy bedarf nach dem Votum in der Nationalversammlung im Eilverfahren noch der Zustimmung durch den Senat.
http://www.nachrichten.ch/img/1x1transp.gif

http://www.nachrichten.ch/img/1x1transp.gif
Nicolas Sarkozy: «Wir haben gezeigt, dass Einwanderung nicht tabu ist.»

http://www.nachrichten.ch/img/1x1transp.gif
Dort ist die Debatte für den 6. und 7. Juni angesetzt. Zum Abschluss der Parlamentsdebatte beglückwünschte Sarkozy das bürgerlichen Regierungslager, dem es «zur Ehre» gereiche, das Vorhaben ein Jahr vor den Wahlen auf den Weg gebracht zu haben. «Wir haben gezeigt, dass Einwanderung nicht tabu ist», sagte der Minister im Plenum und wies Kritik zurück, mit der Reform rechtsextreme Wähler ansprechen zu wollen. Niemand in der Nationalversammlung habe eine «Null-Einwanderung und die Zurückweisung von Ausländern» verlangt.

karasevda75
14.09.06, 19:39
Türken in Deutschland, Nordafrikaner in Frankreich: zwei verschiedene Integrationsmodelle der muslimischen Minderheit...









von Mélodie Beaujeu, übersetzung von Johanna Heinen

Vielleicht sind Sie schon einmal durch Kreuzberg mit seinem Landwehrkanal, seinem türkischen Markt, seinen zahlreichen Dönerläden, kurz gesagt durch das "kleine Istanbul von Berlin" spazieren gegangen. Im Vergleich zu Algeriern in Sarcelles oder Saint-Denis, zwei kleinen Vororten, fernab des brodelnden Zentrums der Metropole Paris, scheinen die Türken inmitten Berlins ihren Platz gefunden zu haben und bilden dort eine eigene Gemeinschaft. Auf den ersten Blick könnte man sagen, dass sich Frankreich von Deutschland hinsichtlich dessen offensichtlich wesentlich besser gelungenen Integrationsmodells inspirieren lassen sollte.
Allerdings würde man dabei Gefahr laufen, sich zu voreilig einem so genannten "Europtimismus" hinzugeben: Denn das Integrationsmodell eines Landes ist nicht ohne weiteres auf die Gesellschaft eines anderen Landes und dessen Integrationsprozesse übertragbar. Zudem ist aufgrund der exotisch anmutenden Atmosphäre in Kreuzberg noch lange nicht gesagt, dass das deutsche Integrationsmodell wirklich Vorzeigecharakter besitzt. Deshalb werden wir zunächst einmal das deutsche Integrationsmodell muslimischer Minderheiten, genauer gesagt, der in Deutschland lebenden Türken untersuchen.
Kann man überhaupt von einer gelungenen Integration der Türken in die deutsche Gesellschaft sprechen allein aufgrund der Tatsache, dass deren Kultur in der Öffentlichkeit präsent ist und gelebt wird?
Laut der Studie der Stiftung Zentrum für Türkeistudien "Die Wirtschaftskraft der türkischen Selbständigen" hat sich die Anzahl türkischstämmiger Unternehmer deutschlandweit im Zeitraum von 1985 bis 2000 von 22000 auf 59500 sogar rapide erhöht, was für die gelungene Integration spricht. Dennoch macht dieser nur einem sehr geringen Anteil der in Deutschland lebenden Türken aus. Angesichts der hohen Arbeitslosenzahlen dieser Volksgruppe von 20,2 Prozent der aktiven Bevölkerungsschicht und dem hohen Prozentsatz von 58,3 an jungen türkischen ungelernten Arbeitskräften zwischen 15 und 18 Jahren, ist das Argument, die türkische Bevölkerung sei besonders gut in die deutsche Gesellschaft integriert, höchst strittig.
Laut der Statistik "Daten und Fakten zur Ausländersituation", welche im Februar des vergangenen Jahres von der Bundesbeauftragten für Integration veröffentlicht wurde, ist der türkische Anteil fünfmal höher als der an jungen deutschen ungelernten Arbeitskräften. Hinzu kommt, dass laut des Sprechers des Berliner Forschungszentrums, Ali Yumusak, "die Deutschen und die Türken immer noch in zwei verschiedenen Welten leben". Die Daten in dem Buch "das Schicksal der Immigranten" von Emmanuel Todd scheinen Yumusaks Eindruck zu bestätigen: Die Anzahl der Eheschließungen zwischen Deutschen und Türken ist weitaus niedriger als die zwischen Algerien und Franzosen. Demzufolge stieg die Geburtenrate von Kindern mit türkischem Vater und deutscher Mutter im Zeitraum von 1975 bis 1990 von einem auf nur 4,4 Prozent, während die Geburtenrate von Kinder mit algerischem Vater und französischer Mutter im gleichen Zeitraum von 12,5 auf 19,5 Prozent kletterte. Gleichermaßen stieg die Geburtenrate von Kindern mit türkischer Mutter und deutschem Vater von 0,5 auf 1,2 Prozent, während sich die Geburtenrate von Kindern mit algerischer Mutter und nicht-algerischem Vaters oder allein stehender Mutter von 6,2 auf 27,5 Prozent erhöhte.
Die Frage bleibt also offen: Kann man wirklich von Integration sprechen, wenn zwei Gemeinschaften nebeneinander leben, weitgehend aber keinen Kontakt zueinander haben? Es handelt sichbei den Türken in Deutschland und den Algerien in Frankreich also nicht um die Unterscheidung zwischen einem besseren oder besser gelungenen und einem schlechteren Integrationsmodell, sondern bei beiden um unterschiedliche gesellschaftliche Missstände – denn eine wirkliche Integration hat bislang bei keinem der beiden stattgefunden.
Die Geschichte der muslimischen Minderheiten in beiden Ländern hat jedoch ganz ähnlich angefangen: In den 60er-Jahren, der Zeit der großen Nachfrage nach Arbeitskräften in den westeuropäischen Industrien, kam es zu den ersten Einwanderungswellen von Türken nach Deutschland und von Algeriern nach Frankreich. Damals hatten die Immigranten vor, höchstens ein paar Jahre lang in Deutschland, beziehungsweise Frankreich, als Arbeitskräfte zu leben. Mit dem ersparten Geld wollten sie sich nach ihrer Rückkehr in der Heimat eine neue Existenz aufbauen.
Doch es kam alles ganz anders: Weder hatten die Immigranten damals mit den Massenentlassungen in ihrem Gastland noch mit den politischen Unruhen in ihrer Heimat gerechnet. Infolge der Massenentlassungen konnte das erhoffte Kapital nicht zusammengespart werden und aufgrund der politischen Unruhen blieben sie bis auf weiteres erst einmal in der Fremde, wohin ihnen ihre Familien Mitte der 70er-Jahre folgten. Aus dieser Anfangszeit ist nur noch das damalige Vorhaben vieler Immigranten, "nach Hause zurückzukehren" übrig geblieben, sowie das allgemeine Bild der Türken aus deutscher Sicht und das der Algerier aus französischer Sicht, wenn auch in viel geringerem Maße ausgeprägt, als "Gäste auf Zeit".

Integrationsprozess Algerischer Immigranten


Allerdings ist trotz der Gemeinsamkeiten ein wesentlicher Unterschied zubetonen: Im Gegensatz zu Frankreich war Deutschland bereits seit 1918 keine Kolonialmacht mehr. Infolgedessen ist Deutschland mit der Türkei auch nicht im Sinne von Mutterland und ehemaliger Kolonie geschichtlich oder kulturell verbunden, was bei Franzosen und Algeriern hingegen der Fall ist. Aus diesem Blickwinkel betrachtet kann der Integrationsprozess algerischer Immigranten in die französische Gesellschaft als wesentlich schwieriger und schmerzhafter beurteilt werden, als dies bei den in Deutschland lebender Türken der Fall ist.
Im Gegensatz zu Letzteren wurden die Algerier, da sie aus einem ehemaligem französischen Verwaltungsgebiet stammten, vor die Wahl gestellt, entweder gänzlich auf ihre Nationalität zu verzichten und Franzosen zu werden oder sich "für immer als Fremde" zu betrachten. Im Sinne des französischen republikanischen Prinzips kommt heutzutage der Bedeutung von Integration die der "Anpassung" gleich. Die jüngsten hitzigen Debatten um die Einführung eines Kopftuch-Verbots zeugen von der gespannten Lage zwischen Franzosen und algerischen Einwanderern, deren Ursprünge noch bis in die heutige Gesellschaft wirken und in ihr sichtbar sind. Diese Gründe reichen jedoch noch nicht aus, um aus dem deutschen Modell ein Vorbild für die Integrationsprozesse der muslimischen Minderheit in Frankreich zu machen.
Das Nebeneinanderleben von Türken und Deutschen ist geschichtlich von relativer Gleichgültigkeit geprägt. Angesichts der Tatsache, dass Deutschland mit 8,9 Prozent einen der größten Volksanteile an Immigranten aufzuweisen hat, wundert man sich über die Standhaftigkeit einiger konservativer Politiker, mit der diese im Laufe der vergangenen Jahre immer wieder behaupteten, was wie ein Paradox erscheint: "Die Bundesrepublik Deutschland ist kein Einwanderungsland." Diese Äußerung, welche hartnäckig alle statistisch erfassten Tatsachen verleugnet, kann auf zweierlei Weisen erklärt werden: Aufgrund der Tatsache, dass die Immigranten als Gastarbeiter ins Land kamen, beruht ihre Anwesenheit und die ihrer Familien auf ihrer individuellen Entscheidung und liegt somit nicht in der Verantwortung der Behörden des Gastlandes.

Andererseits, so heißt es, spiele die Immigration der Gastarbeiter, gemessen mit anderen geschichtlichen Ereignissen in Deutschland, für die allgemeine deutsche Bewusstseinsbildung keine große Rolle. In anderen Worten: Im Gegensatz zum Verhältnis, welches einst zwischen Franzosen und Algerien bestand und immer noch besteht, haben die Deutschen keine emotionale Bindung zu den Türken, womit man versucht, ihre soziale und politische Gleichgültigkeit gegenüber den Türken in Deutschland zu rechtfertigen.



Ende des Integrationsprozesses?

Aufgrund der Ereignisse des Zweiten Weltkrieges stand die Frage nach der Integration von Immigranten aus den osteuropäischen Ländern, wie Polen, in die BRD stets im Vordergrund. Hinzu kam die Wiedervereinigung Deutschlands 1989/90, die Ali Yumusak sogar als das Ende des Integrationsprozesses der Türken in die deutsche Gesellschaft betrachtet. Durch die starke Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt, die nach der Wiedervereinigung besonders im Gebiet der ehemaligen DDR aufkam, stellte der Mauerfall in den Augen vieler Ostdeutscher, die um ihre eigene Existenz fürchteten, die Aufforderung an die Türken und andere Immigranten dar, Deutschland zu verlassen. Traurigerweise kam es dabei zu vielen ausländerfeindlichen Übergriffen.
Unsere zwei großen europäischen Integrationsmodelle, wobei sich das eine durch Anpassung und das andere durch Gleichgültigkeit kennzeichnet, sind also beide letztendlich nicht besonders zufrieden stellend. Hinzu kommen eine aufstrebend islamistische und eine antiislamische Bewegung, welche sich innerhalb der vergangenen Jahre in beiden Ländern bemerkbar machten. Als Ursache dafür können eine Reaktion gegen die amerikanische Politik im Irak und die Auseinandersetzungen im Nah-Ost-Konflikt einerseits, und die Angst vor Terroranschlägen des islamistischen Netzwerks Al-Quaida andererseits, genannt werden.
Gleichzeitig erscheint der Gedanke eines europäischen Integrationsmodells für eine gemeinsame Lösung durch die starken nationalen Eigenheiten und Unterschiede als recht unwahrscheinlich. Jedoch entwickelten sich zahlreiche Initiativen in den vergangenen Jahren, die alles andere als unbedeutend sind. Neben verschiedenen kulturellen Zentren und Vereinigungen sind es auch interessante Eigeninitiativen wie die deutsche Fernsehsendung von Kaya Yanar "Was guckst du?", die gleichermaßen großen Erfolg bei Türken wie auch bei Deutschen verzeichnet.
Das Prinzip von Kaya Yanar ist einfach zu verstehen: Es geht darum, Menschen über das eigentlich schwierige Thema, dem "Leben in der kulturellen Vielfalt" zum Lachen zu bringen. Mit diesem Ziel und einer großen Portion Selbstironie, liebvoll und ohne dabei zu verletzen, imitiert der türkisch-arabische Künstler in seiner Show anhand von Sketchen und Nachahmungen die typischen Wesenzüge seiner Landsleute in Deutschland und spielt dabei mit den Nationalitäten.
Die Wirtschaftskraft der türkischen Selbständigen



Was den wirtschaftlichen Aspekt angeht, muss zudem gesagt werden, dass die Türken Deutschland weitaus mehr als nur Döner zu bieten haben. Was Letzteres betrifft, ist es ebenfalls falsch zu glauben, dass die Türken ihre Waren nur an andere Türken verkaufen. Im Gegenteil: Laut einer Studie der Stiftung Zentrum für Türkeistudien namens "Die Wirtschaftskraft der türkischen Selbständigen" vom Juli 2003, verkaufen 48 Prozent der türkischen Händler in Deutschland den Großteil ihrer Waren an deutsche Kunden. Dies bedeutet, dass die türkischen Unternehmer nicht nur ihre eigene Existenz in Deutschland sichern wollen, sondern dass sie in bedeutungsvoller Weise am wirtschaftlichen Leben des Landes teilnehmen.
Wichtig ist auch die Tatsache, dass viele türkische Unternehmer nicht nur in Deutschland, sondern auch in ihr Heimatland investieren. Sie sind also nicht nur an den deutschen Markt gut angepasst, sondern bilden zudem eine Brücke zwischen den beiden Ländern. Ein Eintritt der Türkei in die EU würde die wirtschaftlichen Beziehungen der beiden Länder sicherlich noch verstärken. Auch auf politischer Ebene würde dies für die Integration der in Deutschland lebenden Türken von Bedeutung sein. Als Mitglieder der EU, würden sich diese vermutlich mehr am deutschen politischen Leben beteiligen und umgekehrt auch mehr Beachtung von den deutschen Politikern erhalten. Kürzliche Aussagen von Politikern wie die des Ex-Generalsekretärs der SPD, Olaf Scholz, gehen jedenfalls in diese Richtung.
Wie bereits angedeutet, handelt es sich bei den Algeriern in Frankreich und den Türken in Deutschland um zwei verschiedene Gruppen von muslimischen Minderheiten inmitten zweier ganz unterschiedlicher Integrationsmodelle, wodurch der Begriff der Integration also mehrere Bedeutungen erhält. Infolgedessen muss die Integrationspolitik den Gegebenheiten eines jeden Landes angepasst werden, daher kann Deutschland auch keinesfalls als ein Vorzeigemodell für Frankreich gelten. Jedoch könnte, wie bereits erläutert, ein Beitritt der Türkei in die EU für ein besseres gegenseitiges Verständigung zwischen Deutschen und Türken beitragen. Dies könnte sich auch positiv auf das Verständnis in anderen Gesellschaften zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen innerhalb Europas auswirken.
Daher würde ich den Gedanken einer "Europäischen Perspektive", im Zusammenhang mit einem Beitritt der Türkei in die EU, dem Gedanken eines "Europäischen Integrationsmodells muslimischer Minderheiten" vorziehen, da sich Letzteres durch nationale Besonderheiten und Unterschiede nur schwer verwirklichen lässt.



http://www.europress.de/europress.php/cat/28/aid/969/title/Tuerken_in_Deutschland,_Nordaf rikaner_in_Frankreich:_zwei_ve rschiedene_Integrationsmodelle _der_muslimischen_Minderheit.. .

Mirage
15.09.06, 22:21
Die Geschichte der muslimischen Minderheiten in beiden Ländern hat jedoch ganz ähnlich angefangen: In den 60er-Jahren, der Zeit der großen Nachfrage nach Arbeitskräften in den westeuropäischen Industrien, kam es zu den ersten Einwanderungswellen von Türken nach Deutschland und von Algeriern nach Frankreich. ...
Es ist aber schon Humbug zu meinen, die ersten Einwanderungswellen von Algeriern nach Frankreich hätten erst in den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts stattgefunden.
Im Grunde genommen fing die Migration, wenn auch in an sich nicht nennenswertem Maße, unmittelbar nach der Kolonisierung an. Die Einwanderung im Zuge der Nachfrage nach Arbeitskräften begann schon im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts und dauerte mit Höhen und Tiefen je nach wirtschaftlicher aber auch politischer Lage bis zum Anwerbestop zwischen Frankreich und Algerien 1974.
Bis zum ersten Weltkrieg war die Immigration aus Algerien noch sehr gering, da die Bergwerke und die Industrie die Arbeitskräfte eher aus europäischen Regionen (Belgier, Italiener, Spanier, Polen) holten. Die Betriebe griffen aber gerne auf algerische Arbeiter zurück, um die Streikenden zu ersetzen.
Abgesehen von dem Einsatz algerischen Arbeiter während des 1. Weltkrieges fand die erste größere Einwanderungswelle aus Algerien in den 20er- und 30er-Jahren statt. Frankreich brauchte viele Arbeitskräfte, um einerseits die zerstörten Regionen im Osten und Norden wieder aufzubauen und andererseits die Industrie am Laufen zu halten. Durch die Kriegsverluste aber auch die schon seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts sinkenden Geburtenrate gab es einen enormen Bedarf an Arbeitskräfte. Frankreich war zwischen 1921 und 1931 das Land mit der höchsten Einwanderungsrate, noch vor den USA, hatte 1939 aber immer noch etwas weniger Einwohner als 1914.
Viele dieser Einwanderer sind in Frankreich geblieben, hatten ihre Familie im „Bled“ zurückgelassen oder später gegründet, holten ggf. ihre Söhne nach. Manche gründeten in Frankreich eine Familie.
Ähnlich ging es unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg weiter, in viel größeren Maßen und diesmal mit der Möglichkeit, unter bestimmten Bedingungen die Familie mitzunehmen. Dennoch blieb die algerische Einwanderung bis Ende der 60-er Jahre zum größten Teil eine rein Männer-Einwanderung, abgesehen von den Harki-Familien, die mit der Unabhängigkeit nach Frankreich flüchteten.
Seit 1974 gibt es wie gesagt einen Anwerbestop und die Immigration findet vor allem im Rahmen der Familienzusammenführung statt. Allerdings geht die algerische Gemeinschaft in Frankreich zurück. Vor einigen Tagen las ich in der algerischen Zeitung El Watan, daß die Anzahl der Rückkehrer in den letzten Jahren zugenommen hat, von ca. 2600 1998 auf jetzt 5.000 bis 6.000 pro Jahr.




Allerdings ist trotz der Gemeinsamkeiten ein wesentlicher Unterschied zubetonen: Im Gegensatz zu Frankreich war Deutschland bereits seit 1918 keine Kolonialmacht mehr....
und verglichen mit Frankreich und England war Deutschland unter den Kolonialmächten doch nur ein Zwerg, da die deutschen Bestrebungen erst spät aufkamen und nur von kurzer Dauer waren.




Aus diesem Blickwinkel betrachtet kann der Integrationsprozess algerischer Immigranten in die französische Gesellschaft als wesentlich schwieriger und schmerzhafter beurteilt werden, als dies bei den in Deutschland lebender Türken der Fall ist....
Man könnte aber auch genau umgekehrt argumentieren und meinen, dass der Integrationsprozess einer an Frankreich seit Generationen „gewöhnten“ sozusagen „vorintegrierten“ Gemeinschaft - speziell was die Sprache angeht – einfacher sein könnte.



Die jüngsten hitzigen Debatten um die Einführung eines Kopftuch-Verbots zeugen von der gespannten Lage zwischen Franzosen und algerischen Einwanderern, deren Ursprünge noch bis in die heutige Gesellschaft wirken und in ihr sichtbar sind....
Diese Debatte um das Kopftuch-Verbot wurde m.E. von radikalen Elementen beider Seiten bewusst aufgebauscht. Das Gesetz über ein Kopftuch-Verbot an Schulen war keineswegs notwendig, es sei denn man wollte als Politiker seine Duftmarken anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Trennung von Staat und Kirchen hinterlassen, denn seit 1936 gibt es ganz klare, eindeutige Dienstanweisungen, die jegliche religiöse sowie politische Zeichen und Propaganda an Schulen verbieten. Allerdings wurden diese Regelungen ab Ende der 60-er Jahren immer mehr verweichlicht bis die Polemik entflammte. Merkwürdigerweise kam es nicht zu einer solchen Aufregung, als ab den 70-er Jahren radikale Schüler jüdischen Glaubens mit Kippa zum Unterricht kamen!



Wie bereits angedeutet, handelt es sich bei den Algeriern in Frankreich und den Türken in Deutschland um zwei verschiedene Gruppen von muslimischen Minderheiten inmitten zweier ganz unterschiedlicher Integrationsmodelle, wodurch der Begriff der Integration also mehrere Bedeutungen erhält. Infolgedessen muss die Integrationspolitik den Gegebenheiten eines jeden Landes angepasst werden, daher kann Deutschland auch keinesfalls als ein Vorzeigemodell für Frankreich gelten. Jedoch könnte, wie bereits erläutert, ein Beitritt der Türkei in die EU für ein besseres gegenseitiges Verständigung zwischen Deutschen und Türken beitragen. Dies könnte sich auch positiv auf das Verständnis in anderen Gesellschaften zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen innerhalb Europas auswirken.
Daher würde ich den Gedanken einer "Europäischen Perspektive", im Zusammenhang mit einem Beitritt der Türkei in die EU, dem Gedanken eines "Europäischen Integrationsmodells muslimischer Minderheiten" vorziehen, da sich Letzteres durch nationale Besonderheiten und Unterschiede nur schwer verwirklichen lässt.

Im Groben und ganzen stimme ich dieser Schlusspassage zu, vermisse jedoch für die Minderheiten die gleiche Unterscheidung, die den Aufnahmengesellschaften zugestanden wird. Genauso wie man selbstverständlich über die nationalen Besonderheiten und Unterschiede zwischen zwei christlichen Ländern spricht, sollte dies in eindeutigerer Weise ebenfalls für die Minderheiten geschehen. Denn eine türkische und eine algerische Minderheit hat zwar die gleiche Religion, jedoch einen ganz anderen, kaum gleichzusetzenden, kulturellen und vor allem historischen Hintergrund.

Mirage
25.09.06, 22:25
Die Umfrage, die Vorurteile und vorgefasste Meinungen auf dem Kopf stellt.

Wie leben die Muslimen in Frankreich ihren Islam aus? Welches Verhalten haben sie gegenüber Modernität und Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau? Wie praktizieren sie ihre Religion und wie empfinden sie ihr Leben innerhalb der französischen Republik?

Diese Fragen und auch andere wurden im Rahmen einer für die katholische Wochenzeitschrift „La Vie“ exklusiven Umfrage einige Tage vor Beginn des Ramadans und eine Woche nach der durch den Papst ausgelösten Polemik über den Islam gestellt. Auf die Frage, ob die Muslimen so sehr ihre Religion praktizieren, antworteten 88% der Befragten mit ja. Dabei ist der Ramadan die Zeit, in der die moslemische Frömmigkeit ihren höchsten Stand erreicht. 43% der Muslimen in Frankreich beten 5 mal am Tag, 48% bei den Frauen. 20% sagen, den Koran einmal in der Woche zu lesen, während nur 17% zum Freitagsgebet in die Moschee gehen. Die Umfrage zeigt, dass die Muslimen viel regelmäßiger ins Gotteshaus gehen als die Katholiken, bei denen lediglich 16% nur einmal im Monat in die Kirche gehen. Bei der Analyse dieser Zahlen meint Philippe Yacine Demaison, Mitglied des Weisenrates der muslimischen Pfadfinder Frankreichs, dass „das Verhältnis zwischen Islam und Moschee ein anderes ist als zwischen Christentum und Kirche. Im Islam kann man zu Hause beten.“ Eine Möglichkeit, die übrigens vermehrt in Anspruch genommen wird, um bestimmte Gebetshäuser, die zur politischen Streit zwischen verschieden Vereinen geworden sind, zu meiden.

In einer pluralistischen Gesellschaft leben.
Auf die Frage „bilden die Muslime eine eigene Gemeinschaft (Parallelgesellschaft)?“ räumt die Umfrage zahlreiche fest verankerte Vorurteile aus. Nicht nur dass die Muslime an den Werten der Republik festhalten, 46% können sich vorstellen, dass ein Muslim zum Katholizismus konvertiert, 23 % sind damit voll einverstanden, 45 % dagegen. Es ist aber nicht alles. Laut Umfrage finden 63% des Muslimen normal, dass eine Muslime einen Nicht-Muslimen heiratet. 41% sind damit voll einverstanden, 26% dagegen. Der Islamwissenschaftler Eric Younès Geoffroy meint, dass „die Muslimen in Frankreich bereit sind, ihre Sicht über das, was bisher als Grundsätze galt, wie Mischehen und Konvertierung, zu ändern“. Er fügt hinzu: “diese Bürger sind sich bewusst in einer pluralistischen Gesellschaft zu leben und haben den Wunsch nach einem staatsbürgerlicheren Islam im Einklang mit unseren europäischen Kulturen“. Auf die Frage „lehnen die Muslimen den Laizismus ab“ ist die Antwort heftig, da 94% den Laizismus befürworten, 79% stehen sogar voll hinter dem Laizismus. Für Dounia Bouzar, Anthropologin und früheres Mitglied des französischen Rates der Muslimen (CFCM) zeigen diese Zahlen „den Willen der jungen Generation, durch den Islam an die modernen sog. universellen Werte der Nicht-Muslimen anzuknüpfen. Es ist eine Art Aktualisierung einer Religion, die immer durch die Erfahrungen der Menschen sowie durch die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritte vorangekommen ist“. Die durch das Gesetz von 1905 verankerte Trennung zwischen Staat und Kirchen hat ebenfalls noch Zukunft, da 73% der Befragten eine Trennung zwischen Staat und Kirchen befürworten, 21% sind dagegen. Auf die Frage, ob die Muslimen gegen die Gleichberechtigung der Geschlechter sind, sprachen sich insgesamt 91% der Befragen dafür oder eher dafür, 76% eindeutig dafür. Dieses Ergebnis hebt sich grundlegend von den durch bestimmte ausländerfeindliche Kreise in Frankreich verbreiteten Meinungen ab, wonach die Muslime in Frankreich jegliche Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern ablehnen und die Männer ständig Gewalt gegen die Frauen ausüben. Die Umfrage sagt allerdings das Gegenteil, 78% der Befragten lehnen Gewalt im allgemeinen und insbesondere die Steinigung der Ehebrecherinnen im Islam ab. Dalil Boubakeur, Rektor der Pariser Moschee, ist von dem Verhalten der französischen Muslimen angenehm überrascht und meint, dass „die neue Generation kein falsches Spiel spielt sondern das Bild eines gefestigten Französischseins und eines ruhigen Islams vermittelt“.

Yacine Farah
http://www.elwatan.com/spip.php?page=article&id_article=50723

Dieser Artikel aus der algerischen Zeitung El Watan bezieht sich auf die Umfrage der katholischen Zeitschrift La Vie. Leider ist die Umfrage nicht auf der webseite von La Vie verfügbar. Denn ich hatte am Freitag morgen im französischen Radio einige Zahlen aufgeschnapt und habe sie anders in Erinnerung als hier dargestellt. Vielleicht habe ich mich auch verhört.
Diese Zahlen sind auf alle Fälle sehr erfreulich und widersprechen manch einem Politiker!

KökBöri
05.10.06, 15:54
Hundert Beamte für eine Festnahme - Bewohner geschlagen

Paris - Bereits am Mittwoch hat ein Großeinsatz der französischen Polizei in einem Pariser Vorort hat wegen gewaltsamer Übergriffe Empörung bei den dortigen Bewohnern ausgelöst. Rund hundert Beamte stürmten am Mittwoch im Morgengrauen mehrere Wohnungen in Les Mureaux westlich der Hauptstadt, um mutmaßliche Teilnehmer von Angriffen auf Polizisten vom Sonntag zu fassen.


Bei der Aktion, an deren Ende eine einzige Festnahme stand, seien er und sein Bruder von den Polizisten auf den Boden geworfen und mit Füßen getreten worden, erzählte der 17-jährige Adama. Er hatte einen Bluterguss im Gesicht, der angeblich von einem Schlagstock stammte. Ähnliche Anschuldigungen gab es von anderen Familien aus dem Sozialwohnungsviertel, bei denen es "irrtümlich" Hausdurchsuchungen gab.
Untersuchung zu dem Einsatz angekündig
Die Polizei hatte die Aktion auf der Suche nach fünf Verdächtigen gestartet. Sie sollen an den Angriffen auf Beamte vom Sonntag teilngenommen haben, bei denen ein Polizeiauto in Flammen aufging und sieben Polizisten verletzt worden waren. Presse und Rundfunk waren von der Durchsuchungsaktion am Mittwoch in der "Cité des Musiciens" verständigt worden, die vor knapp einem Jahr ein Brennpunkt bei den Vorstadtunruhen in Frankreich gewesen war. Die Polizeiführung im Département Yvelines kündigte eine Untersuchung des Einsatzes an. (APA) derStandart.at


ich hoffe mal das jetzt keiner die polizei eines EU-landes beschuldigt und anklagt,den dort gibt es ja angeblich demokratie.

Karl
05.10.06, 16:14
In diesem Jahr sind schon über 2000 Polizisten in Frankreich verletzt worden, und fast immer in den Vorstädten. Kein Wunder, dass sie die Nerven verlieren.

KökBöri
05.10.06, 16:22
In diesem Jahr sind schon über 2000 Polizisten in Frankreich verletzt worden, und fast immer in den Vorstädten. Kein Wunder, dass sie die Nerven verlieren.


genau das ist das,in der türkei werden auch polizeibeamte verletzt z.b bei demos und wenn sie dann bisschen grober werden,heult die eu auf (menscherechte uns so bla bla halt)

warum misst man immer mit zweierlei?

emire
05.10.06, 16:29
genau das ist das,in der türkei werden auch polizeibeamte verletzt z.b bei demos und wenn sie dann bisschen grober werden,heult die eu auf (menscherechte uns so bla bla halt)

warum misst man immer mit zweierlei?


Bei gleichem Einsatz der Polizei in beiden Ländern:

Französische Polizei =Mißhandelt (EU-Mitglied)

Türkische Polizei =Foltert (Kein Mitglied)

zübeyde
17.11.06, 10:12
"Dummheit, die sich nicht mehr reparieren lässt..."

Schwestern und Mütter der selbst ernannten "racaille" schreiben aus ihrer Sicht über das Leben in den französischen "Banlieues"

In Paris ließen Jugendliche die Fahrgäste aussteigen, bevor sie einen Linienbus in Brand setzten, in der wilden Hafenstadt Marseille warfen Jungen ohne Rücksicht auf Verluste einen Brandsatz durch das Fenster in den Bus hinein. Eine 26-Jährige liegt mit starken Verbrennungen im Krankenhaus. Einer der Verhafteten ist 15 Jahre alt. Wozu das alles? Was soll das? Wie sehen die Schwestern und Mütter der selbst ernannten "racaille" ("Gesindel") die Lage, fragte Kerstin Kellermann in Marseille nach.

"Ich habe den Ursprung des Wortes banlieue entdeckt:

Ort der Verbannung (lieu de bannissement) und sogar im Wörterbuch selbst steht 'Verursacher sozialer Probleme'! Ich werde dieses Wort nie wieder benützen. Es ist furchtbar. Ort der Verbannung, das zeigt wirklich den Ausschluss des Teiles der französischen Gesellschaft, der in diesen Vierteln lebt und absichtlich zur Seite gestellt wird, weil er anders ist: Fremde, Immigranten, Kinder von Immigranten und Arme", schreibt eine junge Frau in der Broschüre "Aimer, demain/Lieben, morgen" der "Groupe de Parole de Filles". Und weiter: "Genauso schlimm ist es, dass sich die Jungen im Viertel damit rühmen 'racaille', also Gesindel, Pack, Ausschuss oder Schund, zu sein! Was nach dem Wörterbuch 'verachteter Pöbel' bedeutet."

"Dieser Weg bringt nichts"

Seit 2003 existiert die "Groupe de Parole de Filles", eine starke Gruppe der Stimme von Mädchen und jungen Frauen maghrebinischer Herkunft, die sich in Publikationen ihren Emotionen stellt. Während sich Jungengruppen nach außen abreagieren und abenteuerlustig ihre Wut ausleben, versuchen die Mädchen ihre Balance schreibend in sich selbst zu finden. "Das, was in unserem Viertel passiert ist, die verbrannten Autos, das war nur aus Gründen der Solidarität. Wenn ich ein Junge wäre, hätte ich es auch getan. Frankreich verstößt seine Jugend, in dem es sie in bestimmte Viertel einsperrt. Wir sind Frankreich völlig egal.

Es ist unmöglich eine Arbeit zu finden, sogar wenn man studiert hat, aber eine Araberin ist. Wenn man immer zurück gewiesen wird, ist es klar, dass man sich beschwert. Aber wir wagen es nicht unsere Klage zu stark zu formulieren, denn schließlich wollen wir ja diese Arbeit." Das Mädchen zitiert die Rap-Band Sniper, die bereits 1999 meinte, "Der einzige Weg, dass sie auf uns hören werden, ist der Autos zu verbrennen" und auch "Dieser Weg bringt nichts, aber was für eine Wahl haben wir?" Sie beschreibt, wie ihr die Tränen aufsteigen, wenn sie den Namen eines Jugendlichen, der in ihrem Viertel gestorben ist, an die Wände gesprüht sieht. Um den Toten gleich darauf direkt anzusprechen: "Wem dient das, wenn du nicht redest?

Wenn du niemanden um Hilfe bittest? Wem dient das, wenn du alles im Grunde deines Herzens versteckst? All dieser Hass und dass du ihn eingeschlossen hast in dir, hat in Wirklichkeit zu deinem Tod geführt! Ich sage mir: Scheiße! Warum hast du das getan? Du hättest das vermeiden können! Du hast die einzige Dummheit gemacht, die sich nicht mehr reparieren lässt." Wahrscheinlich handelt es sich hier um einen der beiden Jungen, die sich auf der Flucht vor der Polizei in einem Trafo versteckten und verbrannten. Die junge Frau selbst mag es nicht, für ein Opfer der Umstände gehalten zu werden, wie sie schreibt.

"Ich hasse es, wenn man in meinem Namen redet. Ich habe selbst einen Mund. Ich kann mich ganz alleine ausdrücken. Aber manchmal bin ich blockiert. Es ist der Zorn, der mich blockiert."

"Ihre Familie ist traurig"

In einer der kleinen Städte in der Nähe von Marseille, in der nur Einwanderer leben, gibt es neuerdings die "Groupe de Parole de Femmes", die Gruppe der Mütter der Mädchen der "Groupe de Parole de Filles", die in Alphabetisierungskursen Französisch schreiben und lesen lernen und ebenfalls publizieren. "Aimer. Il faut donner le courage aux enfants/Lieben.

Man muss den Kindern Mut geben" nennt sich die Broschüre, die all denen gewidmet ist, "die ein Kind verloren haben". "Es ist schwer für die Mamas der Jungen, die verhaftet wurden. Jeder hat die gleiche Meinung über die verbrannten Autos", schreibt eine der Mütter im "Atelier der Alphabetisierung". "Es ist nicht gerecht, es ist nicht fair. Und dahinter steht das Bild, dass diese Leute arabisch sind. Unsere Kinder haben nicht die gleichen Rechte wie die Franzosen."

Ihre Tochter suche seit zwei Jahren Arbeit. Sie sei noch kaum am Ausgang einer Firma angelangt, da würfen die Chefs schon ihren Lebenslauf in den Papierkorb. "Die Aufstände haben mit der Religion nichts zu tun", meint sie und: "Es gibt nicht nur Araber, die Autos anzünden, es sind genauso Franzosen dabei. Die Jugendlichen haben alle das gleiche Problem: Sie finden keine Arbeit. Im Fernsehen zeigen sie uns nur Araber, daher wird das vermischt. Das macht Angst, was da draußen passiert. Allen. Jungen, die irgendetwas anstellen, und am Ende eingesperrt sind oder in ihre Länder zurück geschickt werden. Gefängnis oder Ausweisung bringen nichts in Ordnung. Ihre Familie ist traurig. Das ändert nichts." Diese Mutter meint, es wäre besser, Demonstrationen zu veranstalten, um gegen den Rassismus zu kämpfen, als Autos anzuzünden, während in allen großen Städten die Gewalt zu nehme: "Die Jungen, sie sind alle Franzosen, es gibt keinen Unterschied. Die Kinder, die hier geboren sind, sollten die gleichen Rechte wie alle anderen haben. Mein Sohn, er fühlt sich französisch."

Eine andere Mutter schreibt ebenfalls in einem Kommentar: "Wir sind vielleicht woanders geboren, aber unsere Kinder kamen hier auf die Welt. Sie sind keine Fremden. Unsere Kinder sind Franzosen."

Gehört die Straße den Jungs?

Warum gibt es in Afrika eine starke Bewegung mit vielen Projekten im Bereich Straßen- oder Flüchtlingsmädchen, die auf das Besetzen des öffentlichen Raumes abzielen, und in den Zielländern der Migrantinnen nur brave Projekte, die allein den institutionalisierten Raum erschließen wollen? Das stimmt so nicht, widerspricht Emma, ein Mädchen der "Groupe de Parole de Filles" aus Pierrelatte bei Marseille. Es gibt die Bewegung "Ni Putes, ni Soumises" ("Keine Huren, keine Unterworfenen"), die im Februar 2003 gegründet wurde, nachdem die 19-jährige Sohane in Vitry sur Seine verbrannt worden war. Es folgte damals der Marsch der Frauen gegen die Ghettos und für Gleichberechtigung. Außerdem ziehe die "Karawane für die Rechte der Frauen" jedes Jahr von Marokko, Algerien und Tunesien aus durch Frankreich und berate in einem Berberinnenzelt an öffentlichen Plätzen die Migrantinnen. "Jetzt gibt es uns", lachen die Mädchen.

"Wir sind ein Pool des Widerstandes hier. Aber wir sind nicht auf der Straße, das stimmt."

"Du ziehst dich zurück"

"In Frankreich gibt es das Gesetz, das soziale System", sagt Emma. "In den afrikanischen Ländern gibt es gesetzesmäßig noch viel zu tun. Tunesien nimmt sich ein Beispiel an Frankreich und die Frauen haben dort mehr Rechte erhalten, zumindest in der Hauptstadt." "Die Realität in Pierrelatte im alltäglichen Leben, sieht aber so aus, dass ihr die Straße nicht benützt", behauptet die Bibliothekarin und Lehrerin Cecile Moulain. "Es ist nicht so leicht sich draußen aufzuhalten, mit den ganzen Jungengruppen, die herum hängen. Ihr seid nur wenig draußen." "Wir haben immer alle gemeinsam auf den Straßen gespielt", sagt Karima. "Aber mit der Pubertät, wenn du eine junge Frau wirst, ändert sich die Einstellung der Jungs dir gegenüber, du kannst nicht mehr so einfach herum laufen und dich amüsieren. Du bist nicht mehr so locker." "Immer beobachtet dich wer und du verschwindest aus dem öffentlichen Raum. Du ziehst dich zurück", sagt Leila leise.

"Nur hier in der Bibliothek in der Gruppe oder zu Hause in meinem Zimmer habe ich Platz. Aber jetzt haben wir Freitag Nachmittag einen Saal im sozialen Zentrum für uns gemietet. Da machen wir, was wir wollen."

Selbstständig leben

"Mädchen, die abends fort gehen, kriegen einen schlechten Ruf", erzählt eine junge Frau an einer Bushaltestelle in Marseille, die aus ihrem maghrebinischen Viertel im Norden in den Süden gekommen ist, um zum Friseur zu gehen. "Wir gehen abends nicht raus. Es ist zu gefährlich. Abends sind nur Jungen in der Metro." Die Sonne scheint und das Meer leuchtet hinter ihrem Rücken, die Szene wirkt äußerst friedlich. Ihre Freundin, die die gleichen riesigen runden Ohrringe aus Silber trägt, schaut in die Zukunft: "Ich will Führerschein machen und Krankenschwester werden. Ich werde selbstständig leben.

Bei uns gibt es keine Zwangsehen mehr, das ist vorbei. Unsere Leute wollen das nicht."


http://diestandard.at/?url=/?id=2648831

Laudazio
19.11.06, 10:43
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23839/1.html

Knallt es genau zum Jahrestag wieder?

Bernard Schmid 27.10.2006

Zur "Unterschichtsrevolte" in Frankreich
"Alles Gute zum Geburtstag, liebe Riots...!" Genau ein Jahr nach dem Ausbruch der Unruhen in den französischen Trabantenstädten, die am Abend des 27. Oktober 2005 in Clichy-sous-Bois ihren Anfang nahmen, beherrscht eine angespannte Erwartung die französischen Medien. Wird es zum ersten Jahrestag, pünktlich, wieder losgehen? Am Ende könnten sie das Ereignis herbeischreiben oder durch äußerst geballtes Auftreten von Fernsehkameras herbeisuggerieren.

[...]

Offenkundige Lügen

Aber es waren vor allem auch die offenkundigen Lügen, die hoch- und höchstrangige Staatsvertreter noch Tage nach dem Todeszeitpunkt von Bouna und Zyed öffentlich verbreiteten, die beträchtlich zur Eskalation beitrugen. Die Wochenzeitung Le Canard enchaîné fasst in ihrer aktuellen Ausgabe unter dem Titel "Révisons Clichy "(Gehen wir Clichy noch mal durch) zusammen :

Kinder oder Gangster?

Bouna war nicht polizeibekannt. Zyed war nicht "im Jahr 2005 wegen Raubes aufgefallen", wie (Innenminister) Sarkozy wörtlich behauptete. Nach einem Streit mit einem anderen Jugendlichen um ein Fahrrad hatte sein Vater einen Sozialarbeiter eingeschaltet, der einen positiven Bericht über ihn abgab.

- An jenem Tag kamen sie von einem Einbruch zurück, behauptete (Premierminister) de Villepin. Originalton: "Es handelt sich nach mir vorliegenden Informationen um Einbrecher, die am Werk waren."

Falsch: Sie kamen von einem Fußballspiel zurück, mit ihren Freunden, insgesamt zehn (Jugendliche).

- Es wurde behauptet, dass sie gesehen worden seien, wie sie eine Hütte auf einer Baustelle aufbrachen.

Falsch. Eine Person hat das Kommissariat angerufen und behauptet, es könne sein, dass die Jugendlichen sich an der Hütte auf der Baustelle zu schaffen machen würden. Aber, so der Rechtsanwalt Jean-Paul Mignard, das Ermittlungsverfahren hat ergeben, dass es keinerlei Einbruchsversuch gegeben hat, nicht einmal die kleinste Sachbeschädigung. Die Jugendlichen hatten schlicht und einfach Fußball gespielt.

(Anm. des Verf.: Die fragliche Baustelle liegt auf einem Brachgelände an der Stadtgrenze von Livry-Gargan und Clichy-sous-Bois. Die Jugendlichen durchquerten die paar hundert Meter Brachgelände, weil es sich um den mit Abstand kürzesten Rückweg nach Clichy handelte. Nach ihrem Tod betrachteten sich Reporter von 'Le Parisien' und 'Libération' die angebliche Baustelle. Sie fanden nichts als ein paar Rohre, die an einer Stelle am Boden herumlagen, wo aber seit längerem nicht gearbeitet worden war. Ende der Anm.)

- Warum also sind sie weggelaufen, als die Polizisten ankamen?

Sobald sie eintrafen, nahmen die Polizisten sechs von den Jugendlichen fest. Sie wurden später freigelassen. Die anderen flohen, weil sie minderjährig waren und ihre Papiere nicht bei sich hatten. Sie fürchteten eine Festnahme, auf die mehrere Stunden auf der Wache folgen würden. Dabei kamen sie von einem Fußballspiel, hatten Durst und aufgrund des Ramadan tagsüber nichts gegessen. Es ist ganz einfach: Sie hatten Lust, nach Hause zu kommen.

- Aber niemand hat sie verfolgt! Sarkozy jedenfalls hat am Tag danach auf TF1 (Anm.: dem Fernsehsender mit der höchsten Einschaltquote) behauptet: "Die Polizisten haben diese Jugendlichen nicht verfolgt."

Falsch. Sie wurden durch mindestens vier Mannschaften von Polizisten verfolgt, von denen manche Flashballs (Anm.: Gewehre, aus denen Gummigeschosse verschossen werden und mit denen Sarkozy die Polizei in den Trabantenstädten seit 2002 ausgerüstet hat) trugen. Sie wurden erst in einem Wäldchen (Anm: auf dem Brachgelände) umstellt, dann auf einem Friedhofsgelände, das direkt neben dem Trafohäuschen von EDF (Electricité de France) liegt. Aus diesem Grund sind Bouna, Zyed und Mühittin über den Absperrzaun und dann über die hohe (Anm.: circa 3,50 m hohe) Umfassungsmauer des Umspannhäuschens geklettert, um sich zu verstecken.

- Die Polizisten wussten nichts davon.

Doch, sie wussten es. Aufzeichnung aus dem Polizeifunk von 17.36Uhr: "Die beiden Individuen sind verortet worden und sind dabei, zu überklettern, um auf das EDF-Gelände zu gehen. Man müsste Verstärkung herholen, damit man ein bisschen das Viertel umstellen kann, sie werden wohl wieder rauskommen." Dann, eine Minute später, ein anderer Beamter, der sich der Gefahr wohl bewusst ist: "Gleichzeitig, wenn sie auf dem EDF-Gelände bleiben, dann verwette ich nicht viel auf ihre Haut."

Dem ist nicht mehr viel hinzuzufügen. Gegen 18 Uhr wurde ein örtlicher Stromausfall vermeldet, der zeitlich mit dem Tod der beiden Jugendlichen Bouna und Zyed zusammenfiel. Der dritte erlitt schwere Verbrennungen. Die Polizei hatte nichts unternommen, um die gegenwärtige Gefahr abzustellen, beispielsweise durch einen simplen Telefonanruf bei Electricité de France.

Ferner muss berücksichtigt werden, welche vorausgegangenen Erfahrungen offenkundig das Bild der Polizei in den Köpfen dieser Jugendlichen beeinflusst haben -- aufgrund dessen sie es für dringend angeraten hielten, bei deren Ankunft davon zu laufen.
[...]

Freitag
19.11.06, 12:54
genau das ist das,in der türkei werden auch polizeibeamte verletzt z.b bei demos und wenn sie dann bisschen grober werden,heult die eu auf (menscherechte uns so bla bla halt)

warum misst man immer mit zweierlei?

Ja, warum? Als türkische Polizisten bei einer Kundgebung zum Frauentag in Istanbul am Boden liegende Demonstrantinnen getreten und mit Schlagstöcken verprügelt haben, sind eben die Nerven durchgegangen. Langweiliges Menschenrechts-Blabla. Ich frag mich, mit welchem Maßstab Du gemessen hättest, wenn die Bullen im Wrangelkiez die beiden 12 jähren Räuber so behandelt hätten, anstatt ihnen nur Handschellen anzulegen?

Ingolstädter
19.11.06, 13:44
d.radio.de

02.05.2006 · 09:10 Uhr

http://www.dradio.de/images/21282/landscape/133,0/ (http://www.dradio.de/dlf/sendungen/europaheute/496019/bilder/image_main/)


"Wen es stört, in Frankreich zu leben, der sollte das Land, das er nicht mag, verlassen," meint Innenminister Nicolas Sarkozy.

[...]

Frankreich müsse die Zuwanderung künftig stärker im eigenen Interesse steuern, meint Sarkozy.

[...]

Der Gesetzentwurf sieht vor, dass künftig gut ausgebildete Arbeitskräfte bevorzugt werden sollen. Deren Zuzug soll erleichtert, während die Einwanderung gering Qualifizierter eingeschränkt werden soll. Sarkozy plant außerdem, die Frist für den Familiennachzug zu verlängern

dieser sarkozy ist nach meinem geschmack. er will das beste für frankreich. ich hoffe für frankreich und europa, dass er die wahlen gewinnt.


Und der offensichtlich ganz vergessen hat, wo seine Wurzel liegen!
Vater: Pal Nagy Bosca y Sarközy, geboren 1928 aus ungarischem Adel. Mal heißt es aus verarmtem Adel mal aus dem Hochadel. Flüchtete 1944 vor den anrückenden Sowjets zuerst nach Deutschland und verpflichtete sich dann bei der französischen Fremdenlegionen. (Warum muß ich an dieser Stelle daran denken, dass die Fremdenlegion vielen Nazis und Kollaborateuren zu einer neuen Identität verhalf?). 1948 wurde er als dienstunfähig unter dem Namen Paul Sarkozy entlassen, was ihm einen Einsatz in Indochina ersparte.
1949 heiratete er eine Französin, Andrée Mallah, Tochter eines Arztes jüdischer Herkunft, wie es offiziell heißt. Bénédict Mallah, der Großvater von Sarkozy, ist zum Katholizismus übergetreten, als er eine Französin heiratete. Er ist aber als Mallah, Aron Benico 1890 in Saloniki geboren und zuerst aufgewachsen. Also ein osmanischer Staatsbürger, da seine Vorfahren, mindestens seit Anfang des 19. Jahrhunderts aus Saloniki waren.
Ob vielleicht entfernte Verwandte von Sarkozy heute in der Türkei zu finden sind?:cool:

es ist doch völlig egal wo er seine wurzeln hat. er ist überzeugter patriotischer franzose. er WILL franzose sein und er WILL dass es frankreich gut ist.
das ist mir 1000-mal lieber als ein "blutsfranzose" der will dass frankreich stirbt oder von ausländern überschwemmt wird..

Ingolstädter
19.11.06, 13:48
genau das ist das,in der türkei werden auch polizeibeamte verletzt z.b bei demos und wenn sie dann bisschen grober werden,heult die eu auf (menscherechte uns so bla bla halt)

das wollen wir schon differenzieren:

die euopäischen ->gutmenschen<- heulen auf, nicht die eu!

Mirage
19.11.06, 18:22
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23839/1.html
Vielen Dank Laudzio für diesen sehr guten, empfehlenswerten Artikel. Auf einem Blick ist all das angeführt, was ich in den letzen 12 Monaten gelesen, gehört oder gesehen habe. Vor allem die Manipulationen seitens des Innenministeriums und seines Chefs Sarkozy!
Gerade unseren deutschen Freunden, die der Meinung sind, besser zu wissen, wie es in den französischen Banlieues zugeht, empfehle ich dringend diesen wenn auch etwas langen Artikel. Es lohnt sich wirklich, vorausgesetzt, man ist bereit seine vorgefaßte Meinung in Frage zu stellen.

Mirage
19.11.06, 18:29
ein "blutsfranzose" ..
Was ist denn das für eine Gattung?
Wo kann ich mehr darüber erfahren, im Zoo oder im anthropologischen Museum?

Ingolstädter
21.11.06, 20:16
Was ist denn das für eine Gattung?
Wo kann ich mehr darüber erfahren, im Zoo oder im anthropologischen Museum?

blutsfranzose = jemand der in frankreich seine wurzeln hat. ich habe das auch nur erwähnt, weil du auf den nicht-französischen wurzeln von sakozy herumgeritten bist.