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DeLaHoya
15.04.05, 23:31
Aserbaidschan vor der Revolution?

Die Spannung steigt in Baku: Nach dem Mord am Journalisten Elmar Huseynov und der erfolgreichen Revolution in Kiew formiert sich mit „YOX“ eine oppositionelle Jugendbewegung nach dem Vorbild der ukrainischen „PORA“.

“Werden die kommenden Parlamentswahlen seitens der Regierung gefĂ€lscht, schließe ich ein revolutionĂ€res Szenario nicht aus,“ behauptet Isa Gambar, Chef einer der größten Oppositionsparteien in Aserbaidschan. WĂ€hrend Vertreter Opposition eine Revolution nach einem georgisch-ukrainischen Muster bereits in naher Zukunft fĂŒr möglich halten, wird sie von Vertretern der Aliyev-Nomenklatura als hypothetisch bezeichnet. „Eine Revolution in Aserbaidschan ist unmöglich“ so der aserbaidschanische PrĂ€sident Ilham Aliyev, der vor etwa siebzehn Monaten seinen Vater im Amt des PrĂ€sidenten abgelöst hat. Das Land werde rasch Fortschritte machen, behauptet Aydin Mirsasade, fĂŒhrenden FunktionĂ€r der PrĂ€sidentenpartei „Neues Aserbaidschan“. Das mache eine Revolution in Aserbaidschan nicht nötig


Journalistenmord

Angesichts der miserablen wirtschaftlichen Situation Aserbaidschans, der hohen Arbeitslosenraten und einer voranschreitenden Korruption scheint dieser Standpunkt absurd. Die manipulierten PrĂ€sidentschaftswahlen von 2003 und die anschließende massive Verfolgung Oppositioneller haben der Entwicklung der Demokratie einen schweren Schlag versetzt. ÜberfĂ€lle auf kritische Journalisten gehören seit einigen Jahren zum bitteren Alltag der Presse. Der Chefredakteur des einflussreichsten Oppositionsblatts „Yeni Musavat“ Rauf Arifoglu hat aufgrund der Anschuldigungen „die Unruhen in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku nach den PrĂ€sidentschaftswahlen 2003 mit angestiftet zu haben“ fast achtzehn Monate im GefĂ€ngnis verbracht. Erst im MĂ€rz 2005 wurde er auf Druck des Europarats freigelassen. Tragischer ist die Situation um die kritische russischsprachige Wochenzeitschrift „Monitor“. Korruption, Menschenrechtsverletzungen und der Machtkampf innerhalb des herrschenden Klans gehören zu den Schwerpunkten der Zeitung, weswegen zahlreiche Gerichtsverfahren gegen die Journalisten des Blatts angestrengt wurden. Allen Schikanen und Drohungen zum Trotz setzten die Redakteure von Monitor ihre Arbeit fort. Am 2. MĂ€rz 2005 wurde Chefredakteur Elmar Huseynov vor seiner HaustĂŒr brutal ermordet. Dies lĂ€sst nur gewagt von Pressefreiheit in Aserbaidschan sprechen.

Die Opposition schließt sich zusammen

Die zehnjĂ€hrige PrĂ€sidentschaft von Gejdar Aliyev von 1993 bis 2003 war durch eine starke Zentralisierung der Macht gekennzeichnet. Gleichwohl konnte sich eine unabhĂ€ngige Presse etablieren. Doch seitdem sein Sohn Ilham im Oktober 2003 an die Macht kam, gerieten die Opposition und die unabhĂ€ngige Presse in die schwierigste Lage seit dem Erlangen der UnabhĂ€ngigkeit 1991. Ein unselbstĂ€ndiges Parlament, dessen Abgeordneten zum ĂŒberwiegenden Teil der PrĂ€sidentenpartei „Neues Aserbaidschan“ angehören und die de-facto der Exekutive unterstellte Judikative verhindern jegliche Demokratisierungsversuche im Land. Sowohl das Schewarnadse-Georgien, die Kutschma-Ukraine alsauch das Akajew-Kirgisien – drei ehemalige Sowjetrepubliken, die in jĂŒngerer Zeit revolutionĂ€re UmwĂ€lzungen erlebten – waren Staaten mit mehr bĂŒrgerlichen Freiheiten als das Aserbaidschan von heute. Die Ausgangssituation der demokratischen KrĂ€fte ist ungleich schwieriger, zumal sie bis vor kurzem heillos zersplittert waren. Doch die aserbaidschanische Opposition scheint aus den vergangenen Wahlen gelernt zu haben. Die FĂŒhrungskrĂ€fte der drei größten Oppositionsparteien “Musavat“, “Volksfront/Reformatoren“ und “Demokratische Partei Aserbaidschans“ haben sich fĂŒr die GrĂŒndung eines einheitlichen Wahlblocks in den anstehenden Parlamentswahlen im Herbst 2005 ausgesprochen.

Eine neue „PORA“?

Hoffnung auf VerĂ€nderung in Aserbaidschan gibt auch die neue Protestbewegung der aserbaidschanischen Jugend namens „YOX“ (aserbaidschanisch fĂŒr „nein“), die ihren Platz in den Reihen anderer junger Demokratiebewegungen wie der georgischen KMARA und der ukrainischen PORA findet. „Wir kĂ€mpfen fĂŒr einen demokratischen Machtwechsel und protestieren gegen das bestehende korrupte Regime in Aserbaidschan,“ so beschreibt Razi Nurullayev, der Chefideologe von “YOX“ die Ziele seiner Organisation, die zurzeit mehrere Tausende junge Aserbaidschaner und Aserbaidschanerinnen in ihren Reihen vereinigt. Die PopularitĂ€t der gewaltfreien Bewegung steigt sowohl in Aserbaidschan, als auch unter den aserbaidschanischen Studenten im Ausland. “YOX“ unterhĂ€lt einen regen Kontakt zu den Schwesterorganisationen im Nachbarland Georgien und in der Ukraine.

FĂŒr die Zukunft der jungen Demokratiebewegung in Aserbaidschan sind die Reaktionen der westlichen Demokratien von entscheidender Bedeutung. Die Begnadigung von 114 politischen Gefangenen durch PrĂ€sident Ilham Aliyevs am 20. MĂ€rz 2005 war nach Meinung vieler Aserbaidschaner dem permanenten und sich in der letzten Zeit intensivierenden Druck des Europarats zu verdanken. Dies verstĂ€rkt die Hoffnungen der Opposition auf einen baldigen Siegeszug der Demokratie in Aserbaidschan. Von den EuropĂ€ern erwartet die Bevölkerung Nachhaltigkeit und Stringenz im Menschenrechtsdialog mit der aserbaidschanischen StaatsfĂŒhrung.

Quelle Café Babel

DeLaHoya
15.04.05, 23:33
Und hier die offizelle bzw. prorussische Version:

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In Aserbaidschan gibt es keine Bedingungen fĂŒr Revolutionen

In Aserbaidschan gibt es keine Voraussetzungen fĂŒr irgendwelche „bunten Revolutionen" wie in Kirgisien oder in Georgien. Das erklĂ€rte der aserbaidschanische Außenminister, Elmar Mamedjarow, bei einem Treffen mit russischen Journalisten in Islamabad.

Er weilt in Pakistan als Mitglied einer Delegation, die den PrÀsidenten Aserbaidschans, Ilcham Alijew, wÀhrend seines offiziellen Besuches in der pakistanischen Hauptstadt begleitet.

„Wir erinnern uns daran, wie die Klassiker des Marxismus-Leninismus uns beigebracht haben, dass eine revolutionĂ€re Situation dann entsteht, wenn die Oberen nicht mehr fĂŒhren können, und die Massen die bestehende Macht nicht mehr wollen. All das ist in Aserbaidschan nicht zu beobachten", sagte Mamedjarow.

Er hob auch hervor, dass Baku die guten Beziehungen mit Russland ausgestaltet. Seiner Meinung nach seien regionale BĂŒndnisse wie die GUUAM (Georgien, Ukraine, Usbekistan, Aserbaidschan und Moldawien) kein Gegengewicht zur GUS. Eher ergĂ€nzen sie diese.

„Wir schauen die ganze Zeit auf die Vergangenheit, auf die Jalta-Konferenz, zurĂŒck. Aber die Zeiten haben sich geĂ€ndert. Die Welt hat sich geĂ€ndert. Heute gibt es in der Welt ganz andere Herausforderungen", sagte Mamedjarow.

Auf die Verhandlungen des pakistanischen und des aserbaidschanischen PrĂ€sidenten eingehend, teilte er mit, dass die Seiten einen großen Kreis von Fragen, darunter die Entwicklung der bilateralen wirtschaftlichen Zusammenarbeit, Probleme des Kampfes gegen den Terrorismus, die Situation in der Region und die UNO-Reform, besprochen haben.

Auf eine Frage der RIA Nowosti, ob es bei den Verhandlungen um die militĂ€rtechnische Zusammenarbeit zwischen beiden LĂ€ndern gegangen sei, antwortete Mamedjarow: „Die Seiten gaben ihre Absicht bekannt, auch im Verteidigungsbereich zusammenzuarbeiten. Aber vorlĂ€ufig wird die Verteidigungsthematik im Allgemeinen behandelt, und es gibt keine konkreten Entscheidungen."

Wie der Minister sagte, unterstĂŒtze Aserbaidschan die BemĂŒhungen Pakistans um den Kampf gegen den Terrorismus. „Seit dem ersten Tag unterstĂŒtzten wir diesen Kampf, weil Aserbaidschan selbst ein Opfer des Terrors wurde. In der kurzen Zeit unserer UnabhĂ€ngigkeit ĂŒberlebten wir 32 TerroranschlĂ€ge. Etwa 2000 Menschen kamen ums Leben", sagte er.

Ihm zufolge unterstĂŒtze Pakistan Baku in der Bergkarabach-Frage und bei der Erhaltung der territorialen IntegritĂ€t der Aserbaidschanischen Republik. Baku begrĂŒĂŸe seinerseits die Entwicklung des indisch-pakistanischen Dialogs zum Kaschmir-Problem. Beide Seiten seien ĂŒberzeugt, dass man solche Probleme auf friedlichem Wege lösen mĂŒsse, sagte Mamedjarow.

Zu der Frage der RIA Nowosti nach den PrioritĂ€ten der aserbaidschanisch-pakistanischen wirtschaftlichen Zusammenarbeit sagte er, dass Pakistan seine Absicht bekannt gegeben hatte, sich dem Transportkorridor Europa-Kaukasus-Asien anzuschließen. Damit bekommen pakistanische Produzenten einen direkten Zugang zu den europĂ€ischen LĂ€ndern.

„Baku unterstĂŒtzt das Streben Islamabads, sich diesem Korridor anzuschließen", sagte er.

Dem aserbaidschanischen Außenminister zufolge besprachen die Seiten auch eine mögliche Erhöhung des Außenhandelsumsatzes und kamen ĂŒberein, in der nĂ€chsten Zeit eine direkte Fluglinie Baku-Karatschi einzurichten. Sie erörterten auch die Zusammenarbeit in Tourismus und Kultur. (RIA)

Quelle Russland Online

Gök Türk
15.04.05, 23:47
Na das ist ja mal ne gute Nachricht. Ich hoffe, dass sich die Revolution in Aserbaidschan ereigenen wird! Der russische Einfluss in den tĂŒrkischen Staaten soll endlich beendet werden und es sollen demokratische VerhĂ€ltnisse her.
Falls Aliyev bei den nĂ€chsten Wahlen erneut "gewĂ€hlt" werden sollte, halte ich eine Revolution fĂŒr sehr warscheinlich. Das Volk hat diese russischen Köter endlich leid. Sie sollen weg! Ich hoffe, dass diese Ereignisse auch in die anderen tĂŒrkischen Staaten folgen werden. In TĂŒrkmenistan ist eine Wahl fĂŒr 2009 angesetzt worden, wo die Pro-Russen bestimmt nicht mit zu grpßer UNterstĂŒtzung rechnen werden dĂŒrfen!

Demokratisch ausgerichtete Regierungen könnten eine bessere Zusammenarbeit mit der TĂŒrkei ermöglichen.
Ich hoffa das beste fĂŒr Aserbaidschan und natĂŒrlich auch fĂŒr die anderen tĂŒrkischen Staaten.

AGM
16.04.05, 14:42
Na das ist ja mal ne gute Nachricht. Ich hoffe, dass sich die Revolution in Aserbaidschan ereigenen wird! Der russische Einfluss in den tĂŒrkischen Staaten soll endlich beendet werden und es sollen demokratische VerhĂ€ltnisse her.

100% Zustimm.

Die gleichen Interessen teilt auch die USA.