DeLaHoya
16.04.05, 22:18
Zeitenwende auf Zypern
(Die Presse) 16.04.2005
Versöhnung. Gespräche über die Wiedervereinigung der geteilten Insel könnten weitergehen.
Nikosia (keet, ag.). Auf Zypern vollzieht sich in diesen Tagen eine Art Zeitenwende. Der langjährige Volksgruppenführer der türkischen Zyprioten, Rauf Denktasch, wird bei den Präsidentenwahlen in der international nicht anerkannten Türkischen Republik Nordzypern (KKTC) am Sonntag nicht mehr antreten. Denktasch ist einer der härtesten Verfechter der nur von der Türkei anerkannten Republik. Er sieht eine Einigung mit den Griechen noch immer als Verrat an seinem Staat an.
Unterdessen erklärte der griechisch-zypriotische Präsident Tassos Papadopoulos in einem Fernsehinterview seine Bereitschaft zu einer Wiederaufnahme der Gespräche über die geteilte Inselrepublik. Papadopoulos deutete an, dass ein Kompromiss mit den Vereinten Nationen über die Wiederaufnahme gefunden werden könnte. Einen Zeitpunkt könne er aber noch nicht nennen.
Die Gespräche waren vor einem Jahr gescheitert, als die griechischen Zyprioten den UN-Plan zur Wiedervereinigung in einem Referendum abgelehnt hatten. Die UNO will die Verhandlungen nur dann wieder aufnehmen, wenn die griechische Seite schriftlich vorlegt, welche Änderungen sie am Plan verlangt.
Damals fiel auch die Vorentscheidung über die türkisch-zypriotische Präsidentschaft: Während Papadopoulos bei dem Referendum die Mehrheit der Griechen hinter sich hatte, stimmten die Türken mit Regierungschef Mehmet Ali Talat und gegen Denktasch für den Plan.
Der 80-jährige Denktasch geht nun aus der wohl richtigen Einsicht, dass er nicht mehr gewählt werden würde. Die Jungen stehen hinter Talat von der Republikanischen Türkischen Partei. Der Regierungschef der Türkischen Republik Nordzypern verspricht seinen Wählern, sie nach Europa zu führen.
Denktasch meinte dagegen, sein isolierter Staat, der der Jugend keine Perspektiven eröffnen kann, garantiere wenigstens, dass die Türken nicht wieder in den Zustand einer Minderheit in einem von Griechen beherrschten Zypern fallen. Die Jahre haben Denktasch weder seine quirlige Lebendigkeit geraubt, noch seine Ansichten geändert.
Denktasch ist so lange in der Politik Zyperns aktiv gewesen, dass die internationale Presse für ihn längst einen eigenen Begriff gefunden hat: der türkische Volksgruppenführer. Dieser Ausdruck wird sich auf seinen mutmaßlichen Nachfolger Talat kaum übertragen lassen. Der Staat, den Denktasch gegründet hat, wird wohl nie internationale Anerkennung finden. Nach dem Plan der Vereinten Nationen würde er aber als Teilstaat in eine neue Republik Zypern eingehen.
Quelle
(Die Presse) 16.04.2005
Versöhnung. Gespräche über die Wiedervereinigung der geteilten Insel könnten weitergehen.
Nikosia (keet, ag.). Auf Zypern vollzieht sich in diesen Tagen eine Art Zeitenwende. Der langjährige Volksgruppenführer der türkischen Zyprioten, Rauf Denktasch, wird bei den Präsidentenwahlen in der international nicht anerkannten Türkischen Republik Nordzypern (KKTC) am Sonntag nicht mehr antreten. Denktasch ist einer der härtesten Verfechter der nur von der Türkei anerkannten Republik. Er sieht eine Einigung mit den Griechen noch immer als Verrat an seinem Staat an.
Unterdessen erklärte der griechisch-zypriotische Präsident Tassos Papadopoulos in einem Fernsehinterview seine Bereitschaft zu einer Wiederaufnahme der Gespräche über die geteilte Inselrepublik. Papadopoulos deutete an, dass ein Kompromiss mit den Vereinten Nationen über die Wiederaufnahme gefunden werden könnte. Einen Zeitpunkt könne er aber noch nicht nennen.
Die Gespräche waren vor einem Jahr gescheitert, als die griechischen Zyprioten den UN-Plan zur Wiedervereinigung in einem Referendum abgelehnt hatten. Die UNO will die Verhandlungen nur dann wieder aufnehmen, wenn die griechische Seite schriftlich vorlegt, welche Änderungen sie am Plan verlangt.
Damals fiel auch die Vorentscheidung über die türkisch-zypriotische Präsidentschaft: Während Papadopoulos bei dem Referendum die Mehrheit der Griechen hinter sich hatte, stimmten die Türken mit Regierungschef Mehmet Ali Talat und gegen Denktasch für den Plan.
Der 80-jährige Denktasch geht nun aus der wohl richtigen Einsicht, dass er nicht mehr gewählt werden würde. Die Jungen stehen hinter Talat von der Republikanischen Türkischen Partei. Der Regierungschef der Türkischen Republik Nordzypern verspricht seinen Wählern, sie nach Europa zu führen.
Denktasch meinte dagegen, sein isolierter Staat, der der Jugend keine Perspektiven eröffnen kann, garantiere wenigstens, dass die Türken nicht wieder in den Zustand einer Minderheit in einem von Griechen beherrschten Zypern fallen. Die Jahre haben Denktasch weder seine quirlige Lebendigkeit geraubt, noch seine Ansichten geändert.
Denktasch ist so lange in der Politik Zyperns aktiv gewesen, dass die internationale Presse für ihn längst einen eigenen Begriff gefunden hat: der türkische Volksgruppenführer. Dieser Ausdruck wird sich auf seinen mutmaßlichen Nachfolger Talat kaum übertragen lassen. Der Staat, den Denktasch gegründet hat, wird wohl nie internationale Anerkennung finden. Nach dem Plan der Vereinten Nationen würde er aber als Teilstaat in eine neue Republik Zypern eingehen.
Quelle