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DeLaHoya
17.04.05, 18:49
Iran: Schlaflos in Teheran

Alkohol, Sex und Internet: Die Teheraner Jugend versteht es, dem Alltag des islamischen Gottesstaates zu entfliehen.

Infolge eines Hirnschlags kann Arash Nuri* nur langsam sprechen. Seinen Worten verleiht das umso größeren Nachdruck: „Wenn ich könnte, würde ich meinen Sohn Sohrab* sofort ins Ausland schicken“, sagt der 67-Jährige, „denn es wird noch lange dauern, bis wir frei sind.“ Nuri sitzt in seiner Wohnung im vorwiegend von der Mittel- und Oberschicht bewohnten Norden Teherans, umgeben von unzähligen Stühlen und Polstermöbeln („Für die Familienfeste“, lächelt er entschuldigend). Durch die Fenster dringt nur wenig Licht - die Sonne verliert viel Kraft bei dem Versuch, den Smogschild über der 15-Millionen-Metropole zu durchdringen. In knappen Sätzen macht der ehemalige Oberst der Armee des Schahs seiner Verbitterung über die „abergläubischen Mullahs“ Luft, die den Iran seit mehr als zwei Jahrzehnten beherrschen. In seinem Schoß liegt das Jahrbuch der Teheraner Militärakademie von 1960, in dem Nuri fast jeden zweiten seiner Kameraden mit einem säuberlichen „X“ gekennzeichnet hat - „X“ für Tod durch Erschießungskommando.


Arash Nuris Sohn Sohrab sitzt seinem Vater gegenüber und lauscht respektvoll. Er ist einen Tag nach der Ausrufung der Islamischen Republik Iran durch Ayatollah Khomeini, am 1. April 1979, geboren. Als Kind der Revolution hat Sohrab, so wie zwei Drittel seiner Landsleute, nie etwas anderes erlebt als den real existierenden Islamismus. Er kennt den Iran nur als Land, in dem erzkonservative Kleriker der Gesellschaft ihre Moralvorstellungen diktieren und stets die Sittenwächter mit ihren Peitschen drohen, als Staat, in dem Alkohol, Tanz, westliche Musik und westliches Fernsehen verboten sind, und als Regime, in dem Mädchen Kopftücher tragen müssen und man sie nur treffen darf, wenn man mit ihnen verwandt oder verheiratet ist. In den Worten von US-Außenministerin Condoleezza Rice: Sohrab kennt den Iran nur als „Vorposten der Tyrannei“.


MTV. „Ich will eigentlich nicht von hier weggehen“, gesteht der langhaarige Webdesigner, dessen Gesicht von einem Verkehrsunfall auf Teherans chaotischen Straßen vernarbt ist, wenig später auf dem Dach des Hauses. Er hantiert an einer von elf illegalen Satellitenschüsseln, die nach Europa, in den arabischen Raum und in Richtung Los Angeles mit seiner großen Gemeinde von Exiliranern ausgerichtet sind. Doch er findet nicht heraus, warum MTV seit ein paar Stunden nicht funktioniert. „Ich kann hier alles haben, was ich will“, sagt Sohrab. Und wer ihn ein wenig begleitet, erfährt, was er damit meint.


Am Abend schwillt der Autoverkehr auf den breiten Alleen im Norden der Stadt noch einmal an. Mit heruntergekurbelten Fenstern und zwei Freunden an Bord fährt Sohrab scheinbar ziellos immer wieder dieselbe Strecke auf und ab, vorbei an Märtyrer verherrlichenden Wandgemälden und rasch hingesprühten Marilyn-Manson-Graffitis. Eine Hand voll anderer Autos mit männlicher Besatzung, aus denen Technomusik schallt, tut das Gleiche. Willkommen in Teherans Aufrisszone. Plötzlich bricht hektische Aktivität aus: Ein Auto mit Frauen! Vier aufreizend geschminkte Mädchen fahren vorbei, in eng geschnittenen Jeansjacken und mit Sonnenbrillen in den Haaren. Das bunte Kopftuch liegt quer über dem Hinterkopf und lässt den Blick auf wallende Haare, dunkle Zöpfe oder gar blonde Dreadlocks frei. Autos wenden, Fahrbahnen werden gekreuzt, Konkurrenten ausgebremst, Lichtzeichen gegeben - alles möglichst ohne das Aufsehen der Sittenpolizisten in ihren Wägen mit dem grünen Querstreifen zu erregen. Entschieden ist das seltsame Spiel, wenn zwei einander gefallende Fahrzeugbesatzungen kurz nebeneinander zum Stehen kommen. Dann fliegen kleine Zettel mit Handynummern durch die offenen Fenster, und sofort setzen sich die Autos wieder in Bewegung - die Sittenpolizei hat nichts gesehen. Phase zwei kann beginnen: der Telefonflirt.


An diesem Abend scheinen Sohrab und Co glücklos zu bleiben. Doch dann meldet sich ein Freund per Telefon: Er hat ein paar Mädchen kennen gelernt und veranstaltet eine kleine Party - nur der Alkohol fehle noch. Das Problem ist rasch gelöst: Illegal importierten Wodka Marke „Absolut“ verkauft der Fleischer des Viertels unter der Hand. Billiger, aber wenig schmackhaft ist der selbst gebrannte Traubenschnaps im Plastikkanister, den ein Bekannter frei Haus liefert. Alkohol und MP3s aus dem Internet sorgen bei den acht Gästen in der Privatwohnung für Stimmung, und schon bald verschwindet das erste Pärchen im Nebenzimmer. Die rigiden Moralvorstellungen der Mullahs scheinen hier keine Spuren hinterlassen zu haben, ganz im Gegenteil. „Ich schätze, dass achtzig Prozent der Mädchen hier im Norden Teherans keine Jungfrauen mehr sind“, lacht Sohrab. „Mit dem Islam kann hier fast niemand etwas anfangen.“ Das gilt zunehmend für den ganzen Iran: Laut Umfragen beten und fasten nur noch 25 Prozent der Iraner, unter den Studenten sind es gar nur 14 Prozent - deutlich weniger als im säkularen Nachbarland Türkei.


Gefängnis. Die Spiele der Jugendlichen sind freilich riskant, wie Sohrab selbst erfahren musste. „Vor drei Jahren saß ich mit einem Mädchen im Auto, das ich gerade kennen gelernt hatte, und fuhr in ein Planquadrat der Sittenpolizei“, erzählt er. Ausgerechnet der Teheraner Polizeichef persönlich blickte durchs Seitenfenster ins Wageninnere. Sohrab fand sich in Untersuchungshaft wieder, es drohte die Zwangsverheiratung für den Fall, dass seine Bekanntschaft keine Jungfrau mehr war. „Es war lustig im Gefängnis“, erinnert sich Sohrab. „Gegen ein bisschen Geld öffnete der Wärter die Zelltüren, besorgte mir und den anderen Häftlingen Zigaretten und ließ uns sogar Tischtennis spielen!“ Nach drei Tagen war der Spuk vorbei, die Jungfräulichkeit des Mädchens war bestätigt. „Wahrscheinlich haben ihre Eltern den Amtsarzt bestochen“, vermutet Sohrab, der mit einer Geldstrafe davonkam. „Hier im Iran kann man jeden kaufen, und es wird immer billiger!“ bestätigt einer seiner Freunde.


Die Episode hat Sohrab dennoch vorsichtiger gemacht. Inzwischen ist zu seinem Glück ein Paralleluniversum entstanden, in dem es weniger gefährlich ist, sich zu bewegen, und in dem die iranische Jugend den Mullahs immer einen Schritt voraus ist. Sie hat die reale Welt, in der die grünen Polizeistreifen herrschen, verlassen und ein neues Territorium in Besitz genommen: den Cyberspace. In kaum einem anderen Land ist die Jugend per Modem und Telefonleitung derart massenhaft ins Internet übersiedelt wie im Iran. Nächtelang bevölkert sie die Chaträume, um hemmungslos zu kommunizieren, zu flirten und sich über Webcams zu zeigen. Fast 65.000 Iraner führen ein so genanntes Weblog, ein Online-Tagebuch, und machen Persisch damit zur vierthäufigsten Sprache unter den Weblogs der Welt. Und es sind nicht nur Sohrab und seine Freunde aus dem westlich orientierten Norden Teherans, die das neu entstandene Land - „Weblogestan“ heißt es in der Sprache der persischen Internauten - bewohnen. Seine Bevölkerung reicht von Mohammad Ali Abtahi, einem ehemaligen Vizepräsidenten der Islamischen Republik, der seine Handyfotos aus den Zirkeln der Macht online stellt, bis zu Ali Reza Ebrahimi, dem Neffen eines konservativen Metallhändlers vom Teheraner Basar.


Virtuelles Leben. Ali Reza Ebrahimi sitzt bei Pizza und Pommes frites im Burger Teen, dem Fast-Food-Laden seiner Wahl im Stadtzentrum. „Normalerweise gehe ich nach der Arbeit im Basar gleich ins Internet und bleibe dort bis spätnachts“, erklärt der 27-Jährige, die Freisprechanlage seines Handys noch ans Ohr geklemmt. „Meine Freunde sagen, der Computer ist meine Frau“, lacht er. Ebrahimi sammelt Internetbekanntschaften wie andere Leute Briefmarken: Über den ganzen Erdball reiche sein Freundeskreis schon, erzählt er stolz. Er träumt davon, auch real reisen zu können. „Mein Cousin fährt jetzt nach Mekka, aber ich kann mir das nicht leisten. Ich würde gern Paris und Rom sehen.“ In seinem Weblog, das täglich hunderte Besucher anzieht, veröffentlicht Ebrahimi hauptsächlich religiöse Gedichte. „Den jungen Leuten wird die Religion hier aufgezwängt, und das wollen sie nicht. Mit meinen Texten will ich ihnen einen persönlichen Zugang bieten.“


Den Mullahs blieben die Aktivitäten der Jugend im Internet natürlich nicht lange verborgen. Sie versuchen, auch im Cyberspace die Freiräume einzuengen. Inzwischen terrorisieren die paramilitärischen Schlägertrupps der Revolutionswächter zwar nur noch selten die zahlreichen kleinen Firmen, die Internetzugang anbieten. Dafür wird diesen monatlich eine Liste mit erotischen und politischen Websites übermittelt, die sie für ihre Kunden auf immer zu sperren haben. Fast 300 sind es im April, www.iransecularsociety.com (http://www.iransecularsociety.com/) findet sich da direkt neben www.iran (http://www.iran/) gayhome. com. Nur kurz getroffen hat die jungen Iraner jüngst die Blockade von Orkut, dem Flirtnetzwerk von Google, in dem sie hinter Amerikanern und Brasilianern die größte Gruppe stellen. Denn in Weblogestan haben sie Heimvorteil, die Mullahs hinken immer einen Schritt hinterher: „Im Internet können sie keine Gesetze machen. Wir wissen alle, wie man die Sperren umgeht“, triumphiert Ebrahimi. Das ständige Katz-und-Maus-Spiel sorgt dafür, dass die große iranische Internet-Community stets an der Vorderfront der technischen Revolution steht und mit den neuesten Tools und der aktuellsten Software agiert.


Auch die politische Opposition nützt den Cyberspace für sich. Vor allem für junge regimekritische Journalisten wie die 24-jährige Mahshid Taheri* gehört es zum guten Ton, neben dem Tagesjob bei einem Printmedium abends einen Weblog-Eintrag zu machen und dort Recherchen zu veröffentlichen, die der Arbeitgeber nicht zu drucken wagt. Zu einem Treffen ist Taheri nur in einer Privatwohnung bereit, keine Fotos, keine Namen, lautet die Bedingung. Ungeschminkt und mit eckiger Brille wirkt sie ungleich ernsthafter als die durchgestylten jungen Frauen mit operierten Nasen, die hier im Norden Teherans das Straßenbild prägen. Mit Gleichgesinnten begann sie 2001 das erste Online-Magazin des Iran zu veröffentlichen. „Die rote Linie, die man bei politischen Artikeln nicht übertreten darf, lag zu Beginn im Internet anderswo als im Printjournalismus, wir hatten mehr Freiheit“, erzählt sie. Doch diese Phase währte nur kurz. Die Mullahs begannen, den Bloggern genau auf die flinken Finger zu schauen. Im vergangenen August begnügten sie sich dann nicht mehr mit dem Errichten virtueller Wände, sondern schlugen in der realen Welt zu. Elf Blogger, darunter Taheris Kollege Babak Ghafouri-Azar, verschwanden in den Verliesen des Regimes. Ghafouri-Azars Vergehen: ein Interview mit oppositionellen Bloggern im Exil. „Daraufhin haben wir unser Online-Magazin sofort eingestellt. Sie wollten uns Angst machen, und das haben sie geschafft“, sagt Taheri.


Ghafouri-Azar kam nach zwei Monaten Einzelhaft bei grellem Licht wieder frei - unter anderem deswegen, weil die iranische Blogger-Community einen Hilferuf lancierte, der auch in internationalen Medien Widerhall fand. Doch der Sturm ist noch nicht vorüber: Die Gerichtsverfahren folgen erst, einige Blogger sind noch in Haft, ein anderer wurde in erster Instanz bereits zu 14 Jahren Haft verurteilt. „Nur wenn alles gut ausgeht, gehen wir wieder online“, meint Taheri. Ihre Hoffnungen darauf sind freilich gering, vor allem weil die Reformbewegung um Präsident Mohammad Khatami gescheitert ist. Sie selbst will sobald wie möglich in die USA auswandern. „Hier gibt es überhaupt keine Perspektive“, sagt sie und lacht dabei laut auf, wie um dem Satz seine deprimierende Schwere zu nehmen. „Vor uns liegt nur Nebel.“ Von einer Revolution gegen die Mullahs, wie sie sich US-Präsident Bush von der iranischen Jugend wünscht, hält sie nichts: „Wir sind die Kinder einer Revolution. Wir haben gesehen, wozu so etwas führt.“

Von Sebastian Heinzel

http://www.profil.at/index.html?/articles/0515/560/109937.shtml

DeLaHoya
05.06.05, 10:52
Sodom und Gomorrha im persischen Gottestaat!

Gök Türk
24.09.05, 20:18
Die Situation ist schon erbärmlich!

DeLaHoya
24.09.05, 20:37
„Ich schätze, dass achtzig Prozent der Mädchen hier im Norden Teherans keine Jungfrauen mehr sind“

Ich glaube, ich wandere aus... Perserinnen, ich komme!

LAZ
24.09.05, 20:53
Ich glaube, ich wandere aus... Perserinnen, ich komme!Hat sich das nicht gut genug rumgesprochen? Iran das nächste Thailand...mal sehen ob Deutsche auch dahin für Bumbstourismus fahren werden:D

Gökcen
24.09.05, 20:54
jetzt sagt nicht das ihr das nicht gewusst habt?habt ihr keine perser im umkreis?ich hab genug gehabt und weiss von den mädels wies bei denen so läuft..sind stammgäste vor der hochzeit beim onkel doktor..pervers

sunx1569
24.09.05, 21:59
ich kenne auch persische Frauen, aber ich finde das sind schöne Frauen. ;)

und zu den Stammgästen, da gibt es auch genug türkische Mädels.

Gökcen
24.09.05, 22:00
ich kenne auch persische Frauen, aber ich finde das sind schöne Frauen. ;)

und zu den Stammgästen, da gibt es auch genug türkische Mädels.


ja und die sind genauso schlimm:) aber bei perserinnen sind superkrass

Detan
25.09.05, 17:07
Am Abend schwillt der Autoverkehr auf den breiten Alleen im Norden der Stadt noch einmal an. Mit heruntergekurbelten Fenstern und zwei Freunden an Bord fährt Sohrab scheinbar ziellos immer wieder dieselbe Strecke auf und ab, vorbei an Märtyrer verherrlichenden Wandgemälden und rasch hingesprühten Marilyn-Manson-Graffitis. Eine Hand voll anderer Autos mit männlicher Besatzung, aus denen Technomusik schallt, tut das Gleiche. Willkommen in Teherans Aufrisszone. Plötzlich bricht hektische Aktivität aus: Ein Auto mit Frauen! Vier aufreizend geschminkte Mädchen fahren vorbei, in eng geschnittenen Jeansjacken und mit Sonnenbrillen in den Haaren. Das bunte Kopftuch liegt quer über dem Hinterkopf und lässt den Blick auf wallende Haare, dunkle Zöpfe oder gar blonde Dreadlocks frei. Autos wenden, Fahrbahnen werden gekreuzt, Konkurrenten ausgebremst, Lichtzeichen gegeben - alles möglichst ohne das Aufsehen der Sittenpolizisten in ihren Wägen mit dem grünen Querstreifen zu erregen. Entschieden ist das seltsame Spiel, wenn zwei einander gefallende Fahrzeugbesatzungen kurz nebeneinander zum Stehen kommen. Dann fliegen kleine Zettel mit Handynummern durch die offenen Fenster, und sofort setzen sich die Autos wieder in Bewegung - die Sittenpolizei hat nichts gesehen. Phase zwei kann beginnen: der Telefonflirt.



:D:D
Das Klingt ja so als würden sie harte Drogen verkaufen.

Detan
25.09.05, 17:13
ich hab genug gehabt und weiss von den mädels wies bei denen so läuft..sind stammgäste vor der hochzeit beim onkel doktor..pervers

Ist ja krass! Das ist ja genauso schlimm, wie wenn man am Tacho eines Autos Manipuliert. Man denkt man bekommt einen Neuwagen und in wirklichkeit hat der schon 200.000 auf dem Buckel.:p

Perserinnen kenne ich nur vom Urlaub in Mersin oder Anamur. Am Flughafen sind sie alle noch verhüllt, aber am Strand............:eek: