Karl
03.06.06, 18:37
Gewalt von türkischen Jungen nimmt zu
von Cordula Tutt und Friederike von Tiesenhausen, Berlin
Vor allem türkische Jugendliche werden nach einer umfassenden Schülerbefragung häufig gewalttätig. Türkischstämmige Jungen fielen durch Schlägereien und andere Gewalt auf, heißt es einer noch unveröffentlichten Studie des früheren niedersächsischen Justizministers Christian Pfeiffer, die der FTD vorliegt.
Sie seien viermal häufiger Täter bei Gewalt unter Schülern als dem Bevölkerungsanteil entspreche. Insgesamt sei aber Gewalt unter Schülern seit 1998 zurückgegangen.
Die Befunde schüren die Debatte über die Integration von Problemschülern aus Einwandererfamilien. Am Montag streckte ein zwölfjähriger Berliner Grundschüler eine Lehrerin mit einem Faustschlag nieder. Der Junge schlug die 62-Jährige, als sie Streit zwischen Schülern einer Grundschule und eines Gymnasiums schlichten wollte, die einen Schulhof teilen. Die Lehrerin war für einige Zeit nicht ansprechbar und musste ambulant behandelt werden. Der polizeibekannte Junge wurde seinem Vater übergeben.
Die Studie von Pfeiffers Kriminologischem Forschungsinstitut Niedersachsen basiert auf der Befragung von rund 14.000 Neuntklässlern und knapp 6000 Viertklässlern in Westdeutschland. Sie zeigt auch, wie die Integration vieler Zuwanderer fehlschlägt. Konflikte an Schulen brächen häufig zwischen Kindern verschiedener Herkunft aus. Das gelte für 60 Prozent der Gewalttaten. "Der häufigste Konflikttyp ist zwischen einem deutschen Opfer und einem nichtdeutschen Täter", heißt es.
Gewalt geht zurück
Im Vergleich zu früheren Studien sei Gewalt an Schulen insgesamt zurückgegangen. "Es überwiegen die positiven Entwicklungen", so der Bericht. Allerdings seien Gewalt und Isolierung unter Zuwandererkindern aus der Türkei und Südeuropa gestiegen.
Pfeiffer und seine Mitautoren machen für schlechte Schulleistungen und die Gewalt von Jugendlichen aus Einwandererfamilien zuerst deren private Lage verantwortlich. Sie stammten eher aus sozial schwachen Familien und hingen häufig einer Machokultur an. Türkische Jugendliche würden 3,5-mal häufiger von Eltern misshandelt als deutsche.
"Nichtdeutsche Kinder sind nicht per se gewalttätiger; sie werden nur häufiger von ihren Eltern gezüchtigt oder misshandelt, sie haben häufiger einen altersunangemessenen Umgang mit Medien, sie haben schlechtere Schulnoten, und sie werden deutlich häufiger in Klassen mit einem erhöhten Migrantenanteil unterrichtet", heißt es. Es gelte die Faustregel: "In Klassen mit hohem Ausländer- und Jungenanteil wird das Kind öfter dazu veranlasst, zu Gewalt zu greifen."
Schwierige Situation an Hauptschulen
Sehr schwierig seien die Voraussetzungen der Hauptschüler. Mehr als ein Viertel hätten mindestens eine Gewalttat aus dem letzten Jahr eingeräumt. Zugleich seien an Hauptschulen nur noch knapp 44 Prozent der Schüler deutscher Herkunft. Mehr als ein Fünftel der Eltern bezögen Sozialhilfe oder seien arbeitslos. Viele ausländische Jungen an Hauptschulen unterstützten zudem Aussagen, wonach Männer Gewalt zum Erhalt der Familienehre ausüben dürften.
Integration sei schwerer, wenn es viele Zuwanderer gebe: "In Gebieten mit hohem Anteil an Türken ist das Erziehungsverhalten weit stärker durch Gewalt geprägt als in Gebieten mit niedrigem Anteil."
Als Ergebnis der Studie schlägt Pfeiffer vor, Familienbetreuer bereits zu Schwangeren aus schwierigen sozialen Verhältnissen zu schicken. Kinder sollten dann möglichst so auf Kindergärten verteilt werden, dass Zuwandererkinder nicht unter sich blieben. Studenten sollten, gefördert von Kommunen, Nachhilfe für Zuwandererkinder kostenlos anbieten.
http://www.ftd.de/politik/deutschland/78027.html
von Cordula Tutt und Friederike von Tiesenhausen, Berlin
Vor allem türkische Jugendliche werden nach einer umfassenden Schülerbefragung häufig gewalttätig. Türkischstämmige Jungen fielen durch Schlägereien und andere Gewalt auf, heißt es einer noch unveröffentlichten Studie des früheren niedersächsischen Justizministers Christian Pfeiffer, die der FTD vorliegt.
Sie seien viermal häufiger Täter bei Gewalt unter Schülern als dem Bevölkerungsanteil entspreche. Insgesamt sei aber Gewalt unter Schülern seit 1998 zurückgegangen.
Die Befunde schüren die Debatte über die Integration von Problemschülern aus Einwandererfamilien. Am Montag streckte ein zwölfjähriger Berliner Grundschüler eine Lehrerin mit einem Faustschlag nieder. Der Junge schlug die 62-Jährige, als sie Streit zwischen Schülern einer Grundschule und eines Gymnasiums schlichten wollte, die einen Schulhof teilen. Die Lehrerin war für einige Zeit nicht ansprechbar und musste ambulant behandelt werden. Der polizeibekannte Junge wurde seinem Vater übergeben.
Die Studie von Pfeiffers Kriminologischem Forschungsinstitut Niedersachsen basiert auf der Befragung von rund 14.000 Neuntklässlern und knapp 6000 Viertklässlern in Westdeutschland. Sie zeigt auch, wie die Integration vieler Zuwanderer fehlschlägt. Konflikte an Schulen brächen häufig zwischen Kindern verschiedener Herkunft aus. Das gelte für 60 Prozent der Gewalttaten. "Der häufigste Konflikttyp ist zwischen einem deutschen Opfer und einem nichtdeutschen Täter", heißt es.
Gewalt geht zurück
Im Vergleich zu früheren Studien sei Gewalt an Schulen insgesamt zurückgegangen. "Es überwiegen die positiven Entwicklungen", so der Bericht. Allerdings seien Gewalt und Isolierung unter Zuwandererkindern aus der Türkei und Südeuropa gestiegen.
Pfeiffer und seine Mitautoren machen für schlechte Schulleistungen und die Gewalt von Jugendlichen aus Einwandererfamilien zuerst deren private Lage verantwortlich. Sie stammten eher aus sozial schwachen Familien und hingen häufig einer Machokultur an. Türkische Jugendliche würden 3,5-mal häufiger von Eltern misshandelt als deutsche.
"Nichtdeutsche Kinder sind nicht per se gewalttätiger; sie werden nur häufiger von ihren Eltern gezüchtigt oder misshandelt, sie haben häufiger einen altersunangemessenen Umgang mit Medien, sie haben schlechtere Schulnoten, und sie werden deutlich häufiger in Klassen mit einem erhöhten Migrantenanteil unterrichtet", heißt es. Es gelte die Faustregel: "In Klassen mit hohem Ausländer- und Jungenanteil wird das Kind öfter dazu veranlasst, zu Gewalt zu greifen."
Schwierige Situation an Hauptschulen
Sehr schwierig seien die Voraussetzungen der Hauptschüler. Mehr als ein Viertel hätten mindestens eine Gewalttat aus dem letzten Jahr eingeräumt. Zugleich seien an Hauptschulen nur noch knapp 44 Prozent der Schüler deutscher Herkunft. Mehr als ein Fünftel der Eltern bezögen Sozialhilfe oder seien arbeitslos. Viele ausländische Jungen an Hauptschulen unterstützten zudem Aussagen, wonach Männer Gewalt zum Erhalt der Familienehre ausüben dürften.
Integration sei schwerer, wenn es viele Zuwanderer gebe: "In Gebieten mit hohem Anteil an Türken ist das Erziehungsverhalten weit stärker durch Gewalt geprägt als in Gebieten mit niedrigem Anteil."
Als Ergebnis der Studie schlägt Pfeiffer vor, Familienbetreuer bereits zu Schwangeren aus schwierigen sozialen Verhältnissen zu schicken. Kinder sollten dann möglichst so auf Kindergärten verteilt werden, dass Zuwandererkinder nicht unter sich blieben. Studenten sollten, gefördert von Kommunen, Nachhilfe für Zuwandererkinder kostenlos anbieten.
http://www.ftd.de/politik/deutschland/78027.html