Manastirli Hamdi
04.06.06, 19:23
Aus dem BILGI-Verteiler.
Hüseyin Bagci: "Türkei ist Viagra für Europa!"
Der ehemalige Staatssekretär und Merkel-Biograf Prof. Dr. Langguth, der Direktor des Zentrums für Türkeistudien Prof. Dr. Faruk Sen (ZFT) und der Politologe Prof. Dr. Hüseyin Bagci von der Middleeast University of Ankara (METU) diskutierten kontrovers über dden Fortgang der deutsch-türkischen Beziehungen seit dem Antritt der neuen Bundesregierung im Hinblick auf die von der Türkei anvsierte EU-Mitgliedschaft und die Lage der Deutschlandtürken.
Eingeladen hatte zu dieser als Ausklang der Bonner Europawochen im Dies
Academicus der Universität Bonn unter dem Titel "Angela Merkel - ein
Wendepunkt in den deutsch-türkischen Bezieheungen?" veranstalteten und
entprechend gut besuchten Podiumsdiskussion der von Banu Avuk, Ikbal Kilic, Elvin Türk und Neylan Paker als Vortsandsmitgliedern geleitete Türkische Akademiker(Innen) Bund Bonn (www.tabb-bonn.de (http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?DEST=http%3A%2F%2Fwww% 2Etabb%2Dbonn%2Ede)).
Die von der TABB-Vorsitzenden Banu Avuk mit dem Hinweis auf die
interessierte Aufmerksamkeit auf die Verlautbarungen von Frau Angela Merkel auf dem vergangenen Berliner Deutsch-Türkischen Wirtschaftsgipfel Berliner und der Frage nach der "Kontinuiät in der deutschen Türkeipolitik" unter der Großen Koalitionsregierung eingeführte und anschließend vom Lehrbeauftragten des Seminars Politische Wissenschaft Dr. Siebo Janssen moderierte Veranstaltung stieß auf reges überregionales Interesse.
Denn im Publikum waren neben zahlreichen AkademikerInnen und Studierenden sowie Bonner BesucherInnen auch Angehörige und VertreterInnen der Kölner und Düsseldorfer Studierendenvereine, der Türkisch-Deutschen Plattform, des Bundesverbands der Türkischen Studierendenvereine und der Türkischen Gemeinde in Deutschland sowie des Kölner Generalkonsulats vertreten. Nachdem die eingeladenen Diskutanten nahezu einhellig feststellten, dass sich die neue Bundesregierung unter Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel an bestehende Verträge halten werde und möglicherweise gewisse Änderungen allenfalls innerhalb des von den Abmachungen gesteckten Rahmens gemacht werden, leitete die Diskussion in die von den Rednern eingeschätzte Chance des EU-Beitritts der Türkei über.
Während der Beitrittsbefürworter Prof. Hüseyin Bagci mit dem erheiternden
Spruch "Die Türkei ist Viagra für Europa" rhetorisch gekonnt auf das
demografische und wirtschaftliche Potenzial der Türken anspielte, hegte sein Diskussionspartner Prof. Langguth unter Einräumung von der türkischen Regierung getätigter Reformen mit dem Hinweis auf Demokratiedefizite in dem Bereich Religionsfreiheit für griechische oder protestantisch-deutsche Nichtmuslime in Istanbul trotzdem große Zweifel an der Reife der Türkei.
Kritische Fragen und Kommentare einiger Zuhörer, die mehr über die
Leitmotive der Urheber und Fragesteller als die Adressaten aussagten,
offenbarten die hierzulande in der Medien- und politischen Meinungslandschaft vorherrschende kritische Distanz zur Türkei und den Türken.
Der deutsch-türkische Forscher Prof. Faruk Sen lenkte nach seiner Warnung vor einer die Integration und Wahrnehmung der Muslime schädigenden europaweiten Islamophobie den Blickpunkt der Aufmerksamkeit auf die gegen die Türkei gehegte doppelte Moral im Hinblick auf die sowohl von einigen Zuschauern als auch seines deutschen Diskussionsgegners geäußerte angebliche fragwürdige Haltung der Türken in Bezug auf die Zypern- und Minderheitenfrage. Nicht die Türkei oder die von Ankara anerkannte Türkische Republik Nordzypern, sondern gerade die inselgriechische Administration von Südzypern ("Republik Zypern") haben mit ihrer Ablehnung des UN-Annan-Friedensplanes die Zypern-Gespräche trotz der EU-freundlichen und konstruktiven Votums und Haltung der Zyperntürken in die Sackgasse geführt. Sens Hinweis auf die bedenkliche Lage der von Griechenland nur als Muslime betrachteten türkischen Minderheit in Westthrakien (Nordgriechenland) und die Andeutung auf das Prinzip der Gegenseitigkeit im Hinblick auf die davon abhängige Situation der griechischen Minderheit in der Türkei klärte türkeikritische Zuhörer auf.
Prof. Bagci lud das Publikum dazu ein, die im türkischen Kollektivgedächtnis
und in der Mentalität zugrunde liegenden türkische Wahrnehmungs- und
Deutungsmuster sowie Normalitätsfolien zu berücksichtigen, um deren
Sensibilitäten in Bezug auf die PKK-, Armenier- oder Zypernfrage zumindest
nachzuvollziehen. Langguths Bedenken an die prekäre Nachbarschaft der EU im Falle eines Türkei-Beitritts mit dem Iran, Irak oder Syrien wurde von einem Zuschauer mit der Gegenfrage nach einem Perspektivenwechsel zu streuen versucht, wonach gerade diese Nahostländer durch einen türkischen Beitritt die friedens- und fortschrittsstiftende Ausstrahlungswirkung ihres neuen und großen Nachbarn Europa zu spüren bekommen könnten.
Alle Diskussionspartner schienen darin überein zu stimmen, dass die
Zustimmung der türkischen Bevölkerung für einen EU-Beitritt aus
Unsicherheiten und sicherheitspolitischen Bedenken sinken würde. In diese
Richtung abzielende Fragen einiger türkischer Besucher nach einer
geopolitischen Alternative der Türkei zur EU in Eurasien ("Schanghai-Pakt")
wurden von dem Vorsitzenden der EU-Akademie Prof. Hüseyin Bagci mit dem Hinweis "Was will ich mit dem Vogel auf dem Dach, wenn ich den Spatz in der Hand halte?" als eine für die Türken zumindest momentan unrealistische und entlegene Perspektive abgetan.
Der Autor hat aber zu viele Druckfehler, habe einige entfernt.
Hüseyin Bagci: "Türkei ist Viagra für Europa!"
Der ehemalige Staatssekretär und Merkel-Biograf Prof. Dr. Langguth, der Direktor des Zentrums für Türkeistudien Prof. Dr. Faruk Sen (ZFT) und der Politologe Prof. Dr. Hüseyin Bagci von der Middleeast University of Ankara (METU) diskutierten kontrovers über dden Fortgang der deutsch-türkischen Beziehungen seit dem Antritt der neuen Bundesregierung im Hinblick auf die von der Türkei anvsierte EU-Mitgliedschaft und die Lage der Deutschlandtürken.
Eingeladen hatte zu dieser als Ausklang der Bonner Europawochen im Dies
Academicus der Universität Bonn unter dem Titel "Angela Merkel - ein
Wendepunkt in den deutsch-türkischen Bezieheungen?" veranstalteten und
entprechend gut besuchten Podiumsdiskussion der von Banu Avuk, Ikbal Kilic, Elvin Türk und Neylan Paker als Vortsandsmitgliedern geleitete Türkische Akademiker(Innen) Bund Bonn (www.tabb-bonn.de (http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?DEST=http%3A%2F%2Fwww% 2Etabb%2Dbonn%2Ede)).
Die von der TABB-Vorsitzenden Banu Avuk mit dem Hinweis auf die
interessierte Aufmerksamkeit auf die Verlautbarungen von Frau Angela Merkel auf dem vergangenen Berliner Deutsch-Türkischen Wirtschaftsgipfel Berliner und der Frage nach der "Kontinuiät in der deutschen Türkeipolitik" unter der Großen Koalitionsregierung eingeführte und anschließend vom Lehrbeauftragten des Seminars Politische Wissenschaft Dr. Siebo Janssen moderierte Veranstaltung stieß auf reges überregionales Interesse.
Denn im Publikum waren neben zahlreichen AkademikerInnen und Studierenden sowie Bonner BesucherInnen auch Angehörige und VertreterInnen der Kölner und Düsseldorfer Studierendenvereine, der Türkisch-Deutschen Plattform, des Bundesverbands der Türkischen Studierendenvereine und der Türkischen Gemeinde in Deutschland sowie des Kölner Generalkonsulats vertreten. Nachdem die eingeladenen Diskutanten nahezu einhellig feststellten, dass sich die neue Bundesregierung unter Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel an bestehende Verträge halten werde und möglicherweise gewisse Änderungen allenfalls innerhalb des von den Abmachungen gesteckten Rahmens gemacht werden, leitete die Diskussion in die von den Rednern eingeschätzte Chance des EU-Beitritts der Türkei über.
Während der Beitrittsbefürworter Prof. Hüseyin Bagci mit dem erheiternden
Spruch "Die Türkei ist Viagra für Europa" rhetorisch gekonnt auf das
demografische und wirtschaftliche Potenzial der Türken anspielte, hegte sein Diskussionspartner Prof. Langguth unter Einräumung von der türkischen Regierung getätigter Reformen mit dem Hinweis auf Demokratiedefizite in dem Bereich Religionsfreiheit für griechische oder protestantisch-deutsche Nichtmuslime in Istanbul trotzdem große Zweifel an der Reife der Türkei.
Kritische Fragen und Kommentare einiger Zuhörer, die mehr über die
Leitmotive der Urheber und Fragesteller als die Adressaten aussagten,
offenbarten die hierzulande in der Medien- und politischen Meinungslandschaft vorherrschende kritische Distanz zur Türkei und den Türken.
Der deutsch-türkische Forscher Prof. Faruk Sen lenkte nach seiner Warnung vor einer die Integration und Wahrnehmung der Muslime schädigenden europaweiten Islamophobie den Blickpunkt der Aufmerksamkeit auf die gegen die Türkei gehegte doppelte Moral im Hinblick auf die sowohl von einigen Zuschauern als auch seines deutschen Diskussionsgegners geäußerte angebliche fragwürdige Haltung der Türken in Bezug auf die Zypern- und Minderheitenfrage. Nicht die Türkei oder die von Ankara anerkannte Türkische Republik Nordzypern, sondern gerade die inselgriechische Administration von Südzypern ("Republik Zypern") haben mit ihrer Ablehnung des UN-Annan-Friedensplanes die Zypern-Gespräche trotz der EU-freundlichen und konstruktiven Votums und Haltung der Zyperntürken in die Sackgasse geführt. Sens Hinweis auf die bedenkliche Lage der von Griechenland nur als Muslime betrachteten türkischen Minderheit in Westthrakien (Nordgriechenland) und die Andeutung auf das Prinzip der Gegenseitigkeit im Hinblick auf die davon abhängige Situation der griechischen Minderheit in der Türkei klärte türkeikritische Zuhörer auf.
Prof. Bagci lud das Publikum dazu ein, die im türkischen Kollektivgedächtnis
und in der Mentalität zugrunde liegenden türkische Wahrnehmungs- und
Deutungsmuster sowie Normalitätsfolien zu berücksichtigen, um deren
Sensibilitäten in Bezug auf die PKK-, Armenier- oder Zypernfrage zumindest
nachzuvollziehen. Langguths Bedenken an die prekäre Nachbarschaft der EU im Falle eines Türkei-Beitritts mit dem Iran, Irak oder Syrien wurde von einem Zuschauer mit der Gegenfrage nach einem Perspektivenwechsel zu streuen versucht, wonach gerade diese Nahostländer durch einen türkischen Beitritt die friedens- und fortschrittsstiftende Ausstrahlungswirkung ihres neuen und großen Nachbarn Europa zu spüren bekommen könnten.
Alle Diskussionspartner schienen darin überein zu stimmen, dass die
Zustimmung der türkischen Bevölkerung für einen EU-Beitritt aus
Unsicherheiten und sicherheitspolitischen Bedenken sinken würde. In diese
Richtung abzielende Fragen einiger türkischer Besucher nach einer
geopolitischen Alternative der Türkei zur EU in Eurasien ("Schanghai-Pakt")
wurden von dem Vorsitzenden der EU-Akademie Prof. Hüseyin Bagci mit dem Hinweis "Was will ich mit dem Vogel auf dem Dach, wenn ich den Spatz in der Hand halte?" als eine für die Türken zumindest momentan unrealistische und entlegene Perspektive abgetan.
Der Autor hat aber zu viele Druckfehler, habe einige entfernt.