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KingTurek
24.04.05, 00:31
HINTERGRUND: Blutspur durch ein Jahrhundert

Alljährlich am 24. April gedenken die Armenier der Verfolgung ihrer Vorfahren, die 1915 mit der Verhaftung und Ermordung von 200 Intellektuellen, Politikern und Geschäftsleuten in Konstantinopel begonnen hatte. Aber erst zum 90. Jahrestag schlägt das Thema hohe Wellen.
Nicht nur die Zahlen sind strittig: Waren es 600 000 oder 800 000 Armenier, die in den Jahren 1915 bis 1923 im Osmanischen Reich ums Leben kamen, wie es in vorsichtigen Schätzungen heißt? Waren es gar 1,5 Millionen, die dem "ersten organisierten Völkermord im 20. Jahrhundert" zum Opfer fielen, wie armenische Historiker meinen? Oder ist der "angebliche Genozid eine armenische Lüge", wie der türkische Historiker Yusuf Halacoglu sagt? Fünf Königreiche haben die Armenier während der zurückliegenden 2500 Jahre erlebt, aber auch ein Jahrtausend Fremdherrschaft. Ihr Siedlungsgebiet zwischen dem östlichen Anatolien, dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer lag im Schnittpunkt der Invasionsrouten. Nach den Assyrern kamen die Perser, dann Alexander der Große, nach ihm die Römer. Dann fiel Armenien unter das Regiment des Gottesstaates Byzanz, wurde hernach von Arabern erobert, bevor es sich 1514 die Osmanen einverleibten. Als Anfang des 19. Jahrhunderts der lange Zerfallsprozess des Osmanenreiches einsetzte, verschärfte sich der Konflikt mit den Armeniern, die nach Selbstbestimmung strebten, während die jungtürkische Bewegung einen ethnisch homogenen Nationalstaat propagierte. Im September 1895 besetzten armenische Separatisten die Ottomanische Bank in Konstantinopel, nahmen Geiseln und drohten, das Gebäude in die Luft zu sprengen. Diese Revolte markiert den Beginn der armenischen Tragödie. Soldaten des Sultan beendeten die Besetzung mit einem Blutbad. In den Wochen und Monaten hernach wurden mindestens 200 000 Armenier in Konstantinopel, an der Schwarzmeerküste und in Ostanatolien Opfer von Massenverfolgungen. Mit dem Eintritt des Osmanischen Reiches in den Ersten Weltkrieg an der Seite Deutschlands und Österreich-Ungarns sahen sich die Armenier, die den Herrschern in Konstantinopel als Schützlinge und Verbündete Russlands galten, wachsenden Verfolgungen ausgesetzt. Die Pogrome gipfelten 1915 in der vom osmanischen Innenminister Talaat angeordneten Deportation hunderttausender Armenier aus Ostanatolien nach Syrien und Mesopotamien. Es waren Todesmärsche in die Wüste. Die meisten Gefangenen wurden unterwegs massakriert oder verhungerten. "Die Armenier haben sich auf Kosten der Türkei bereichert", rechtfertigte sich Innenminister Talaat, "Sie waren es, die den Russen im Kaukasus geholfen haben". Der Waffenbruder Deutschland schwieg zu den Massakern. Zwar drängten deutsche Diplomaten, dem Morden ein Ende zu setzen. Aber die Regierung in Berlin wollte die verbündete Türkei um jeden Preis an ihrer Seite halten, "gleichgültig, ob darüber Armenier zugrunde gehen oder nicht", wie Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg feststellte. Innenminister Talaat wurde nach der Ausrufung der Republik 1923 als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilt - in Abwesenheit: Er war nach Berlin geflohen, wo er unter falschem Namen lebte. Am 15. März 1921 wurde er dort von einer armenischen Geheimorganisation aufgespürt und erschossen. Die Blutspur des Genozids zieht sich durch das ganze 20. Jahrhundert. Konspirative Organisationen wie die "Armenische Geheimarmee" oder das "Gerechtigkeitskommando für den armenischen Völkermord" versuchten in den 70er und 80er Jahren mit blutigen Terrorakten die Erinnerung an die Tragödie wach zu halten und Rache zu nehmen. Mehr als 20 türkische Diplomaten in einem Dutzend Ländern fielen Mordanschlägen armenischer Terroristen zum Opfer. Der armenischen Sache erwiesen diese Bluttaten keinen guten Dienst. Eine vorurteilsfreie Diskussion des Themas in der Türkei wurde dadurch erst recht erstickt.
GERD HÖHLER, ANKARA

http://www.hz-online.de/index.php?mode=full&cat=16&minDate=&begin=0&id=118756

dertli4u
24.04.05, 00:36
aha

bu gerd höhler artik ankaradan mi yaziyor.

bu adam senelerce atinada oturdu ve türkiyenin aleyhinde yazdi..simdi ankarada... :think: