DeLaHoya
20.06.06, 23:09
Zivile Opfer im Ersten Weltkrieg
armenianquestion.org (http://www.armenianquestion.org/page.php?modul=Article&op=read&nid=651&rub=30&sort=0)
Nabi Yücel
Der Erste Weltkrieg wird heute als Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts angesehen. Denn er richtete in den Jahren 1914-1918 grenzenlose Verwüstungen an. Nicht nur die kriegerischen Auseinadersetzungen an den Frontabschnitten zwischen den verfeindeten Armeen waren grausam, sondern auch Übergriffe auf Zivilisten in der West- und Ostfront sowie in jenen Abschnitten, die schon eingenommen waren und erbitterten Widerstand der Partisanen oder zivilen Milizen zur Folge hatte. Nach der Haager-Landskriegsordnung wurden diese Zivilisten, Milizen und Partisanen als Kriegsmacht angesehen und bekämpft.
"[...]Die Bevölkerung hat sich geradezu teuflisch, um nicht zu sagen viehisch benommen, nicht ein Haar besser als die Kosaken. Sie haben Verwundete gequält, erschlagen, Ärzte, Lazarettpersonal umgebracht... man sagte mir aber, dass mein Regiment fortgesetzt hier und dort aus den Häusern angeschossen worden ist. Schließlich beschloss der Bataillons-Kommandeur, ein Exempel zu statuieren und befahl mir, eine größere Anzahl wehrfähiger Männer erschießen zu lassen...
Ich habe befohlen, auf Zivilisten, die dort am Boden lagen, aber anscheinend noch nicht tot waren, zu schießen um ihnen sozusagen den Gnadenschuss geben zu lassen...
... ich ließ die gefangenen Einwohner und französischen Soldaten, im Ganzen 100 Mann, niederschießen, das Dorf in Brand schießen.
... die männlichen Einwohner wurden standrechtlich erschossen. Dass von meinem Bataillon beim Straßenkampf ein Mann verwundet oder gar getötet worden wäre, habe ich nicht gesehen. Dagegen sah ich mindestens 180 Leichen erschossener Franktireurs auf der Straße liegen[…]"
... notiert Wilhelm II. am 9. August 1914 nach dem völkerrechtswidrigen Einmarsch der deutschen Truppen in Belgien. Was war der Grund dieser Gemetzel?
"[…]Ihr Belgier habt unseren Soldaten die Nasen, Ohren, Augen und Finger abgeschnitten. Dafür werdet ihr erschossen[…]"
... soll ein deutscher deutschen Offiziers laut einem späteren belgischen Untersuchungsbericht gerufen haben. Die Propagandatätigkeit beider Kriegslager hatte sich diese Gräueltaten zu eigen gemacht und warf dem Gegner vor, das Völkerrecht zu missachten, gleichzeitig aber spornte man auch die eigene Zivilbevölkerung damit auf, moralische und materielle Hilfe zu leisten. Agenten, Spione und jene die beschuldigt wurden, aber auch Intellektuelle, durch kurze Kriegsprozesse erhängt, erschossen oder in Massen verhaftet. Die Lage verschärfte sich, als die Fronten zum Stillstand kamen und keiner der Parteien einen Erfolg aufweisen konnte. Inhaftierte, Kriegsgefangene wurden zur Schau gestellt, um die Moral der Gegner zu untergraben und der eigenen Bevölkerung die Unfähigkeit jener zur Schau zu stellen. Stellenweise beschuldigten sich die Kriegsgegner gegenseitig mit Vorwürfen, aller Art: Massenvergewaltigungen, Kindstötungen und Verbrennen von Zivilisten in abgeschlossenen Räumen.
http://www.armenianquestion.org/hochverrat.jpg
http://www.armenianquestion.org/hochverrat1.jpg
Die Historiker Kramer und Horne weisen nach, dass die Regierungen der alliierten Länder Berichte von Vertriebenen über Gräueltaten wie etwa die Legende der Kinder mit den abgehackten Händen als Metapher deutscher "Schrecklichkeit" in einer bis dahin einmaligen Propagandakampagne um die Meinung der neutralen Staaten nutzten. Die "Schlacht" um die Deutung der Invasionsereignisse avancierte zu einer der "Kardinalfragen des Krieges", und sie überdauerte sein Ende. Sie wurde nicht nur in offiziellen Untersuchungsberichten, während der Kriegsverbrecherprozesse und den Friedensverhandlungen ausgetragen, sondern bestimmte auch den Intellektuellendiskurs und die Meinungsbildung der Nachkriegsgesellschaften in den beteiligten Ländern.
http://www.armenianquestion.org/hochverrat4.jpg
armenianquestion.org (http://www.armenianquestion.org/page.php?modul=Article&op=read&nid=651&rub=30&sort=0)
Nabi Yücel
Der Erste Weltkrieg wird heute als Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts angesehen. Denn er richtete in den Jahren 1914-1918 grenzenlose Verwüstungen an. Nicht nur die kriegerischen Auseinadersetzungen an den Frontabschnitten zwischen den verfeindeten Armeen waren grausam, sondern auch Übergriffe auf Zivilisten in der West- und Ostfront sowie in jenen Abschnitten, die schon eingenommen waren und erbitterten Widerstand der Partisanen oder zivilen Milizen zur Folge hatte. Nach der Haager-Landskriegsordnung wurden diese Zivilisten, Milizen und Partisanen als Kriegsmacht angesehen und bekämpft.
"[...]Die Bevölkerung hat sich geradezu teuflisch, um nicht zu sagen viehisch benommen, nicht ein Haar besser als die Kosaken. Sie haben Verwundete gequält, erschlagen, Ärzte, Lazarettpersonal umgebracht... man sagte mir aber, dass mein Regiment fortgesetzt hier und dort aus den Häusern angeschossen worden ist. Schließlich beschloss der Bataillons-Kommandeur, ein Exempel zu statuieren und befahl mir, eine größere Anzahl wehrfähiger Männer erschießen zu lassen...
Ich habe befohlen, auf Zivilisten, die dort am Boden lagen, aber anscheinend noch nicht tot waren, zu schießen um ihnen sozusagen den Gnadenschuss geben zu lassen...
... ich ließ die gefangenen Einwohner und französischen Soldaten, im Ganzen 100 Mann, niederschießen, das Dorf in Brand schießen.
... die männlichen Einwohner wurden standrechtlich erschossen. Dass von meinem Bataillon beim Straßenkampf ein Mann verwundet oder gar getötet worden wäre, habe ich nicht gesehen. Dagegen sah ich mindestens 180 Leichen erschossener Franktireurs auf der Straße liegen[…]"
... notiert Wilhelm II. am 9. August 1914 nach dem völkerrechtswidrigen Einmarsch der deutschen Truppen in Belgien. Was war der Grund dieser Gemetzel?
"[…]Ihr Belgier habt unseren Soldaten die Nasen, Ohren, Augen und Finger abgeschnitten. Dafür werdet ihr erschossen[…]"
... soll ein deutscher deutschen Offiziers laut einem späteren belgischen Untersuchungsbericht gerufen haben. Die Propagandatätigkeit beider Kriegslager hatte sich diese Gräueltaten zu eigen gemacht und warf dem Gegner vor, das Völkerrecht zu missachten, gleichzeitig aber spornte man auch die eigene Zivilbevölkerung damit auf, moralische und materielle Hilfe zu leisten. Agenten, Spione und jene die beschuldigt wurden, aber auch Intellektuelle, durch kurze Kriegsprozesse erhängt, erschossen oder in Massen verhaftet. Die Lage verschärfte sich, als die Fronten zum Stillstand kamen und keiner der Parteien einen Erfolg aufweisen konnte. Inhaftierte, Kriegsgefangene wurden zur Schau gestellt, um die Moral der Gegner zu untergraben und der eigenen Bevölkerung die Unfähigkeit jener zur Schau zu stellen. Stellenweise beschuldigten sich die Kriegsgegner gegenseitig mit Vorwürfen, aller Art: Massenvergewaltigungen, Kindstötungen und Verbrennen von Zivilisten in abgeschlossenen Räumen.
http://www.armenianquestion.org/hochverrat.jpg
http://www.armenianquestion.org/hochverrat1.jpg
Die Historiker Kramer und Horne weisen nach, dass die Regierungen der alliierten Länder Berichte von Vertriebenen über Gräueltaten wie etwa die Legende der Kinder mit den abgehackten Händen als Metapher deutscher "Schrecklichkeit" in einer bis dahin einmaligen Propagandakampagne um die Meinung der neutralen Staaten nutzten. Die "Schlacht" um die Deutung der Invasionsereignisse avancierte zu einer der "Kardinalfragen des Krieges", und sie überdauerte sein Ende. Sie wurde nicht nur in offiziellen Untersuchungsberichten, während der Kriegsverbrecherprozesse und den Friedensverhandlungen ausgetragen, sondern bestimmte auch den Intellektuellendiskurs und die Meinungsbildung der Nachkriegsgesellschaften in den beteiligten Ländern.
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