Istanbuler
30.04.05, 08:39
"Ich habe einen türkischen Chef" – Deutsche in türkischen Firmen
"Freitags hab ich mehr Ruhe im Büro. Da sind meine Kollegen beim Freitagsgebet", sagt Simone Fischer. Sie arbeitet in der Buchhaltung einer türkisch geführten Firma in Offenbach. Sie hat 20 Kollegen, nur fünf davon haben einen deutschen Paß.
Meistens sind Familienangehörige angestellt
Deutsche, die in Deutschland bei türkischen Unternehmen arbeiten, gibt es viele. Von Fremdheit, Parallelgesellschaft oder religiösen Konflikten erzählen sie kaum. Eher von Sprachgewirr, lockerer Atmosphäre oder ganz normalem Streß mit den Kollegen.
Von den rund 300.000 Arbeitsplätzen, die türkisch-stämmige Unternehmen in Deutschland bieten, sind die meisten für Familienangehörige oder andere Landsleute reserviert. Doch je mehr sich die Unternehmer aus ihrem Nischenmarkt herauswagen, also ins Wirtschaftsleben jenseits von Dönerimbiss, Änderungsschneiderei oder dem Obst- und Gemüsehandel, umso mehr fragen sie nach deutschem Personal.
In den Städten haben sich Finanzdienstleister, Unternehmensberater, Ärzte oder Rechtsanwälte etabliert. Während ein türkisches Unternehmen im Lebensmittelhandel oder in der Gastronomie nur begrenzt expandiert, entwickelt sich in anderen Branchen durchaus Wachstum.
Mavi: Jeans für den gehobenen Einzelhandel
Die Firma Mavi in Dietzenbach bei Frankfurt vertreibt Jeans. Ein unauffälliger Bürobau im Gewerbegebiet, ein freundlicher Empfangsraum mit Getränkebar, und helle Büroräume mit durchsichtigen Wänden. Jeder sieht hier jedem bei der Arbeit zu. "Natürlich haben wir auch deutsche Mitarbeiter", sagt Geschäftsführer Serdar Mazmanouglou – wieviele genau, das scheint ihm eine nebensächliche Frage.
Mavi schneidert Jeans für den gehobenen Einzelhandel. Aus Dietzenbach steuert Serdar Mazmanouglou mit seinem Partner den Markt in den deutschsprachigen Ländern, auch in Polen, Ungarn und Benelux. Die Dietzenbacher sind zwar eine Tochter des türkischen Textilkonzerns, dem größten türkischen Jeansanbieter, so der Chef, aber Serdar Mazamnouglou sieht sich als deutscher Unternehmer. Klar. Denn er ist ja Deutscher.
Von Riccardo Mastrocola
Manuskript-Nr. 05-051
http://www.hr-online.de/website/specials/wissen/index.jsp?rubrik=6952&key=standard_document_5604972
"Freitags hab ich mehr Ruhe im Büro. Da sind meine Kollegen beim Freitagsgebet", sagt Simone Fischer. Sie arbeitet in der Buchhaltung einer türkisch geführten Firma in Offenbach. Sie hat 20 Kollegen, nur fünf davon haben einen deutschen Paß.
Meistens sind Familienangehörige angestellt
Deutsche, die in Deutschland bei türkischen Unternehmen arbeiten, gibt es viele. Von Fremdheit, Parallelgesellschaft oder religiösen Konflikten erzählen sie kaum. Eher von Sprachgewirr, lockerer Atmosphäre oder ganz normalem Streß mit den Kollegen.
Von den rund 300.000 Arbeitsplätzen, die türkisch-stämmige Unternehmen in Deutschland bieten, sind die meisten für Familienangehörige oder andere Landsleute reserviert. Doch je mehr sich die Unternehmer aus ihrem Nischenmarkt herauswagen, also ins Wirtschaftsleben jenseits von Dönerimbiss, Änderungsschneiderei oder dem Obst- und Gemüsehandel, umso mehr fragen sie nach deutschem Personal.
In den Städten haben sich Finanzdienstleister, Unternehmensberater, Ärzte oder Rechtsanwälte etabliert. Während ein türkisches Unternehmen im Lebensmittelhandel oder in der Gastronomie nur begrenzt expandiert, entwickelt sich in anderen Branchen durchaus Wachstum.
Mavi: Jeans für den gehobenen Einzelhandel
Die Firma Mavi in Dietzenbach bei Frankfurt vertreibt Jeans. Ein unauffälliger Bürobau im Gewerbegebiet, ein freundlicher Empfangsraum mit Getränkebar, und helle Büroräume mit durchsichtigen Wänden. Jeder sieht hier jedem bei der Arbeit zu. "Natürlich haben wir auch deutsche Mitarbeiter", sagt Geschäftsführer Serdar Mazmanouglou – wieviele genau, das scheint ihm eine nebensächliche Frage.
Mavi schneidert Jeans für den gehobenen Einzelhandel. Aus Dietzenbach steuert Serdar Mazmanouglou mit seinem Partner den Markt in den deutschsprachigen Ländern, auch in Polen, Ungarn und Benelux. Die Dietzenbacher sind zwar eine Tochter des türkischen Textilkonzerns, dem größten türkischen Jeansanbieter, so der Chef, aber Serdar Mazamnouglou sieht sich als deutscher Unternehmer. Klar. Denn er ist ja Deutscher.
Von Riccardo Mastrocola
Manuskript-Nr. 05-051
http://www.hr-online.de/website/specials/wissen/index.jsp?rubrik=6952&key=standard_document_5604972