Kurtoglu1919
16.04.10, 23:46
:nurdinilu:
Ich habe heute angefangen das Buch "Warum tötest du Zaid" zu lesen, ein Buch das die Verbrechen der Amerikaner im Irak schildert. Dabei bin ich auf Bilder des Genozids an den Algeriern gestossen. Ich war wirklich schockiert von diesen ekelerregenden und menschenverachtenden Taten der Franzosen, es war nicht einfach sich diese Bilder anzuschauen. Enthauptete Menschen, gereihte Köpfe, Mishandelte Frauen etc.
Keine Sau interessiert sich für diese Verbrechen, nirgends kann man über diese Schandtaten lesen. Stolz zeigen die Bastarde die Häupter der geköpften Menschen, posieren neben der gerade vergewaltigten Frau.
Es ist beschämend zu sehen, dass die "freie" deutsche Presselandschaft sich mit keinem Wort diesem Genozid widmet.
Hier ist ein Film über den Völkermord an den Algeriern.
http://www.youtube.com/watch?v=Cz5RgR46nLI&feature=player_embedded#!
Slm nemrut Kardesim!
Arkadas sen benim Düsüncelerimi mi okuyorsun???
Gönüller Bir galiba:nurdinilu:
neden?!( Ich schreib auf deutsch weiter)
Also, ich habe vor vielen Jahren ein sehr Gutes Buch gelesen, nun weiss ich das es ein sehr Linkes Buch Politisch gesehen ist, deshalb habe ich mir schon seit ein paar Tagen gedanken gemacht wie ich denn die Richtigen Worte wähle damit auch ihr mich nicht falsch versteht, was natürlich bei so manchen meiner Landsleute gleich oder oft mit Abneigung begrüsst wird, jedoch Empfehle ich es jeden ohne aus Ihnen Linke machen zuwollen, der gedanke liegt mir fern, jedoch ist in diesem Buch auf eine total rein nackte Analytische weise, die Mechanismen des Imperialismus aufgezeigt anhand des Algerien Krieges,
der "Autor Franz Fanon-Die Verdammten dieser Erde", ein Arzt der die Zeit nicht mit kriegsgeschichten oder so schildert, nein es ist etwa die Aufzeichnung eines Kapitalistischen Tagebuchs, eine Art Roadmap für die Installierung von Marionettenregimen und die Vorgehensweise, mehr noch es ist ein muss für Linke und Rechte!
Vergesst die beispiele wie Che gevara und so das ist nebensächlich, weil Atatürk dem kann keiner das Wasser reichen.
Ein Muss für jeden Türken, der National denkt ob rechts oder links!!!
Danke nemrut das Du das Thema unbewusst angesprochen hast:aferinbe:
Denkt mal nach!
Wer Jean Paul Satre mag hat ein hier ein fast 30 Seitenlanges Vorwort!
Saygilar
Theorie und Bedeutung
Fanons Werke sind Ergebnis und Theoretisierung seiner politischen sowie psychiatrischen Praxis. David Caute hat in seinem Fanon-Porträt den Versuch unternommen, in Anlehnung an die Entwicklung des Denkens bei Karl Marx und den Kategorien von Hegel, drei Phasen des Fanonschen Schaffens zu unterscheiden: „[D]em Menschen, der sich seiner Selbstentfremdung bewusst wird“ (verdeutlicht durch die Schrift Schwarze Haut, weiße Masken, die 1952 erschien), „dem freien Bürger Algeriens“ (Fanons Teilnahme an der algerischen Revolution und deren theoretische Betrachtung in Im fünften Jahr der algerischen Revolution, erschienen 1959) und „dem sozialistischen Revolutionär“ (dessen Ideen sich in Die Verdammten dieser Erde, seinem letzten Werk, finden).
Fanon setzt sich in seinem ersten größeren Werk noch stark mit den Schriften verschiedener Philosophen (u.a. Marx, Nietzsche, Hegel oder Jaspers) und Psychoanalytiker (u.a. Freud, Jung und Adler) auseinander und ist stark beeinflusst von Jean-Paul Sartre, Merleau-Ponty und der existentialistisch-phänomenologischen Strömung in Frankreich. Später wird er seine eigene Theorie ausbilden und in den Vordergrund stellen (in Die Verdammten dieser Erde finden sich kaum noch Verweise auf politische und philosophische Strömungen, wenn auch die Einflüsse auf Fanons Denken noch deutlich sichtbar sind). [B]Sein zentrales Thema bleibt die Analyse und Überwindung von Rassismus und Kolonialismus, doch die Behandlung dieser Phänomene ändert sich in Fanons Denken durch seine aktive Teilnahme am algerischen Bürgerkrieg und seine politischen Erfahrungen.
Die Verdammten dieser Erde
Fanons Hauptwerk erschien Anfang Dezember 1961, wenige Tage später verstarb er an den Folgen einer Leukämieerkrankung in Bethesda (Maryland) bei Washington, D.C. . Die Verdammten dieser Erde ist sein nachhaltigstes und berühmtestes Werk und fasst seine Erfahrungen, Ideen und politischen Analysen zum Kampf gegen den Kolonialismus und Imperialismus zusammen. Von Jean-Paul Sartre, mit dem Fanon Zeit seiner politischen Aktivität in Diskussion stand, stammt das berühmte Vorwort.
Ähnlich wie Che Guevara, der 1965 in den Kongo ging, um die kubanische Revolution zu „exportieren“, setzt auch Fanon ab dem Jahr 1958 auf die gesamtafrikanische Perspektive, um die antikoloniale Bewegung in den verschiedenen Ländern miteinander zu verbinden. Als Repräsentant der Provisorischen Regierung Algeriens besucht er unter anderem Ghana, Liberia und den Senegal, um den Aufbau der unabhängigen afrikanischen Staaten zu beobachten und die dortigen Führer für eine gemeinsame Organisation der afrikanischen Nationen zu gewinnen. Dazu finden auch Kongresse in Tunis statt, die Fanon mitorganisiert. Sehr bald wird ihm aber klar, dass der revolutionäre Elan in den unabhängig gewordenen Ländern zugunsten von Arrangements mit den ehemaligen Kolonialmächten und der einheimischen Bourgeoisie am Erlöschen ist. Diese Einsicht und die zunehmende Distanz zur Spitze der FLN prägen wesentliche Teile seines letzten Buches: Fanon entwirft darin die Vision einer sozialistischen Revolution in Afrika, die sich auch gegen die neuen, „einheimischen“ Regierungen richtet.
Als Ausgangspunkt seiner Analyse in Die Verdammten dieser Erde wählt Fanon die Situation der kolonialen Gewalt und die Gegengewalt der Unterdrückten in den kolonisierten Ländern. Auf diese einleitenden Passagen beziehen sich viele seiner späteren Kritiker, die ihm vor allem „Gewaltverherrlichung“ vorwerfen. Letztlich geht es Fanon aber um die konkrete Beziehung zwischen Kolonialherren und Kolonisierten, die sich immer in einer gewalttätigen Unterjochung ausdrückt, deren Folgen seit Jahrhunderten auf Geist und Körper der Unterdrückten eingewirkt haben. Die Dekolonisation ist nach Fanon ein Prozess, der aus dem „Ding“ wieder einen Menschen macht, der sich selber als „absolut gesetzte Eigenart“ konstituiert und der mit Hilfe der Gewalt sich von seiner Entfremdung und Unterordnung befreit. Einerseits ist hier der Einfluss des Existenzialismus auf Fanons Denken immer noch zu spüren; aber auch seine wiederkehrende psychologische Sichtweise des „Eingeborenen“ wird deutlich, wenn er von „angestauter Libido“ und Ersatzhandlungen spricht, die die verhinderte Aggression des Kolonisierten „entladen“. Auch dient für Fanon die Gewalt dazu, die Nation zu konstituieren, die einzelnen Individuen in ihrem Kampf miteinander zu verbinden. An dieser kollektiven Befreiungsanstrengung nehmen aber nicht alle Kolonisierten teil: So definiert Fanon die Rolle der einheimischen Bourgeoisie als kompromissbereiter Partner der Kolonialmacht und die Nationalistischen Parteien als ihren politischen Ausdruck. Auch das städtische Proletariat in der „Dritten Welt“ gilt Fanon als rückständig und privilegiert gegenüber der ländlichen Bevölkerung. Revolutionäre Tendenzen entwickeln für ihn einzig und allein die bäuerlichen Massen und die Pflicht der Intellektuellen besteht für Fanon darin, sich ihnen anzuschließen. Er bricht aber auch mit jener traditionellen marxistischen Linken, wenn er dezidiert das „Lumpenproletariat“ (Arbeitslose, Slumbewohner) neben der ländlichen Schicht als Träger der Revolution ausmacht.
Den „politischen Parteien“, die mit den privilegierten Teilen der kolonialisierten Bevölkerung verbunden sind, erteilt Fanon eine Absage. Für ihn muss sich die Organisation der Revolution erst im bewaffneten Kampf bilden und eine Führung hervorbringen, die die Gewalt zur Machteroberung lenkt.
Den Rahmen des Dekolonisationsprozesses steckt für Fanon die Nation ab. Das sich entwickelnde kollektive Bewusstsein des unterdrückten Volkes ist Fanon auch immer ein nationales Bewusstsein, das er gegenüber den feudalen Regionalismen und dem rassistischen Stammesdenken abgrenzt. Fanons Idee der afrikanischen Nationen hat sich in der Praxis jedoch nicht bewährt (und ethnische Konflikte sind heute noch in fast jedem Land Afrikas vorhanden). Denn die Grenzen in Afrika wurden von den Kolonialmächten gezogen und die entstehenden unabhängigen Nationen hielten fast immer an dieser willkürlichen Einteilung fest. Dieser Aspekt wird von Fanon in seiner Beurteilung der Nation als Keim für eine sozialistische Gesellschaft aber nicht behandelt.
Während Fanons frühere Schriften auch für ein europäisches Publikum verfasst wurden, so ist sein letztes Werk einzig an die „Verdammten dieser Erde“ gerichtet, deren Bezeichnung der ersten Strophe der Internationale entnommen ist. Fanon wendet sich in seinem revolutionären Bestreben endgültig ab von der europäischen Arbeiterklasse und den westlichen linken Intellektuellen als Verbündeten für die Befreiung der kolonisierten Länder. Er setzt seine Hoffnungen auf den gewaltsamen Aufstand
http://de.wikipedia.org/wiki/Frantz_Fanon
http://www.amazon.de/Verdammten-dieser-Erde-suhrkamp-taschenbuch/dp/3518371681
Frantz Fanon (1961). Über Gewalt.
In Die Verdammten dieser Erde.
Frantz Fanon (1925-1961), 1925 auf Martinique geboren, hat in Frankreich Philosophie und Medizin studiert. 1953 ging er als Arzt nach Algerien. Drei Jahre später trat er der algerischen "Nationalen Befreiungsfront" bei. 1961 erschien sein Buch "Die Verdammten dieser Erde".
Die von den Kolonisierten bewohnte Zone ist der von den Kolonialherren bewohnten Zone nicht komplementär. Die beiden Zonen stehen im Gegensatz zueinander, aber nicht im Dienste einer höheren Einheit. Beherrscht von einer rein aristotelischen Logik, gehorchen sie dem Prinzip des gegenseitigen sich Ausschließens: es gibt keine mögliche Versöhnung, eines der beiden Glieder ist zuviel. Die Stadt des Kolonialherrn ist eine stabile Stadt, ganz aus Stein und Eisen. Es ist eine erleuchtete, asphaltierte Stadt, in der die Mülleimer immer von unbekannten, nie gesehenen, nicht einmal erträumten Resten überquellen. Die Füße des Kolonialherrn sind niemals sichtbar, außer vielleicht am Meer, aber man kommt niemals nah genug an sie heran. Von soliden Schuhen geschütze Füße, während die Straßen ihrer Städte sauber, glatt, ohne Löcher, ohne Steine sind. Die Stadt des Kolonialherrn ist eine gemästete, faule Stadt, ihr Bauch ist ständig voll von guten Dingen. Die Stadt des Kolonialherrn ist eine Stadt von Weißen, von Ausländern.
Die Stadt des Kolonisierten, oder zumindest die Eingeborenenstadt, das Negerdorf, die Medina, das Reservat, ist ein schlecht berufener Ort, von schlecht berufenen Menschen bevölkert. Man wird dort irgendwo, irgendwie geboren. Man stirbt dort irgendwie, an irgendwas. Es ist eine Welt ohne Zwischenräume, die Menschen sitzen hier einer auf dem anderen, die Hütten eine auf der andern. Die Stadt des Kolonisierten ist eine ausgehungerte Stadt, ausgehungert nach Brot, Fleisch, Schuhen, Kohle, Licht. Die Stadt des Kolonisierten ist eine niedergekauerte Stadt, eine Stadt auf Knien, eine hingelümmelte Stadt...
Frantz Fanon. Die Verdammten dieser Erde.
Frankfurt am Main, 1966, S. 32.
Die Beziehung zwischen dem Kolonialherrn und dem Kolonisierten ist eine Massenbeziehung. Der Zahl setzt der Kolonialherr seine Stärke entgegen. Der Kolonialherr ist ein Exibitionist. Sein Sicherheitsbedürfnis führt ihn dazu, den Kolonisierten mit lauter Stimme daran zu erinnern: "Der Herr hier bin ich." Der Kolonialherr hält beim Kolonisierten eine Wut aufrecht, die er am Ausbrechen hindert. Der Kolonisierte ist in die engen Maschen des Kolonialismus eingezwängt. Aber wir haben gesehen, dass der Kolonialherr nur eine Pseudo-Versteinerung erreicht. Die Muskelspannung des Kolonisierten befreit sich periodisch in blutigen Explosionen: Stammesfehden, Cof-Kämpfe, in denen sich ganze Gruppen von Einheimischen aufreiben, und Schlägereien zwischen einzelnen. Auf der individuellen Stufe findet man eine wahre Negation des gesunden Menschenverstandes. Während der Kolonialherr oder der Polizist den Kolonisierten den ganzen Tag lang ungestraft schlagen, beschimpfen, auf die Knie zwingen kann, wird derselbe Kolonisierte beim geringsten feindlichen oder aggressiven Blick eines anderen Kolonisierten sein Messer ziehen. Denn die letzte Zuflucht des Kolonisierten besteht darin, seine Würde gegenüber seinesgleichen zu verteidigen. In den Stammesfehden leben die alten, in das kollektive Gedächtnis eingegangenen Ressentiments wieder auf. Der Kolonisierte stüzt sich mit Haut und Haaren in derartige Racheakte und will sich dadurch einreden, dass der Kolonialismus nicht existiere, dass alles so geblieben sei wie früher, dass seine Geschichte einfach weitergehe. Wir haben es hier eindeutig mit einer kollektiven Form von Ersatzhandlungen zu tun. Brüder vergießen ihr Blut, als verhülfe ihnen ein solches Handeln dazu, das wahre Hindernis zu übersehen, die wahre Entscheidung zu vertagen, die auf nichts anderes hinauslaufen kann als auf den bewaffneten Kampf gegen den Kolonialismus...
Frantz Fanon. Die Verdammten dieser Erde.
Frankfurt am Main, 1966, S. 45.
Frantz Fanon. Über Gewalt. In Die Verdammten dieser Erde. Frankfurt am Main, 1966, S. 32/45. Online im Internet: URL: http://www.hyperghetto.de/texts/fanon/ueber_gewalt/ [Stand 16. April 2010]
Philipp Dorestal
Aktuelle Beiträge der Autorin / des Autors
Die größte Gefahr für die innere Sicherheit der USA
Apostel der Gewalt oder revolutionärer Humanist?
ak - analyse & kritik
[B]Krise, Protest und die radikale LinkeApostel der Gewalt oder revolutionärer Humanist?
Zur Aktualität von Frantz Fanon anlässlich seines 80. Geburtstages
Philipp Dorestal in ak - analyse & kritik
Als Frantz Fanon den französischen Philosophen Jean-Paul Sartre im Juli 1961 um ein Vorwort für sein Buch "Die Verdammten dieser Erde" bat, ahnte er wohl nicht, welches Eigenleben Sartres ...
... Einleitung entwickeln würde. Denn der dort zu findende berühmt-berüchtigte Satz: "Einen Europäer erschlagen, heißt zwei Fliegen mit einer Klappe treffen" wurde künftig mit dem Namen Fanon assoziiert. Damit war die Interpretationslinie für die zukünftige Rezeption dieses Werkes vorgegeben. Viele LeserInnen begnügten sich mit der Lektüre des Vorwortes und konsultierten allenfalls noch das erste Kapitel "Von der Gewalt", und somit schien die Message klar zu sein: Fanon liefere eine Apologie der Gewalt. Frantz Fanon wird am 20. Juli 1925 auf der französischen Überseeinsel Martinique geboren. Im Lycée trifft er auf Aimé Césaire, einen der Begründer der Négritude, der Fanons theoretische Entwicklung stark beeinflusst. 1947 beginnt Fanon in Lyon Medizin zu studieren, findet aber neben seinen Pflichtveranstaltungen noch die Zeit, sich intensiv mit dem französischen Existenzialismus Maurice Merlau-Pontys und vor allem Jean-Paul Sartres auseinander zu setzen. 1952, ein Jahr nach Erlangung seiner Doktorwürde, veröffentlicht er sein erstes Buch "Schwarze Haut, weiße Masken", eine "Soziodiagnose" der antillanischen Entfremdung. Fanon spezialisiert sich daraufhin auf Psychiatrie und nimmt, nachdem er ein einjähriges Praktikum absolviert hat, 1953 in der französischen Kolonie Algerien eine Stelle als Chef der psychiatrischen Klinik in Blida-Joinville in der Nähe von Algier an.
Ein Vorwort mit Folgen
Im Dezember 1954 beginnt der Algerienkrieg. Die französische Armee versucht in dessen Verlauf mit extremer Brutalität die Unabhängigkeitsbestrebungen der algerischen Bevölkerung zu unterdrücken. Bis zur Proklamation der Unabhängigkeit am 3. Juli 1962 werden ungefähr eine Million AlgerierInnen und auf französischer Seite um die 27.000 Menschen getötet. Fanon sieht sich unmittelbar mit den Kriegsauswirkungen konfrontiert. Als Psychiater behandelt er Folteropfer. Er schließt sich der algerischen Befreiungsbewegung FLN an und versteckt gefolterte FLN-Kämpfer vor der französischen Armee. 1956 beschließt er angesichts des immer weiter eskalierenden Krieges aus Protest seine Stelle zu kündigen und begibt sich nach Tunis, wo er neben seiner Tätigkeit als Arzt auch Redakteur der FLN-Zeitung El Moudjahid ist. Darüber hinaus vertritt er die FLN auf internationalen Tagungen so erfolgreich, dass er mehrere Male Ziel von Mordversuchen wird, denen er jedes Mal nur knapp entkommt. Ende 1960 wird bei Fanon Leukämie diagnostiziert. Fanon beginnt im Sommer 1961 wie ein Besessener an "Die Verdammten dieser Erde" zu arbeiten und stellt dieses Buch innerhalb von zwei Monaten fertig. Am 3. Dezember kann Fanon noch die ersten Druckexemplare begutachten, erliegt aber drei Tage später seiner Krankheit. In "Schwarze Haut, weiße Masken" versucht Fanon mit Hilfe einer originellen Kombination von Psychoanalyse, Existenzphilosophie, Literatur sowie autobiografischen Überlegungen die durch eine rassistische Gesellschaft hervorgerufenen Phänomene der Entfremdung schwarzer Menschen auf den Antillen zu fassen. Insbesondere aus Sartres Hauptwerk "Das Sein und das Nichts" erhält Fanon wichtige Impulse für seine eigene Fragestellung. In diesem Buch entwickelt Sartre seine Phänomenologie des Blickes. Analog dazu spricht Fanon davon, dass in einer von rassistischen Denkmustern durchzogenen Gesellschaftsformation Schwarze durch den Blick der Weißen oftmals zu einem Objekt gemacht werden. Der rassistische Blick ist von Stereotypen über Schwarze so determiniert, dass deren Subjektstatus quasi negiert und sie auf ihre Physiognomie reduziert werden. Der Begründer der Cultural Studies Stuart Hall fasst diesen Prozess sehr eloquent zusammen, wenn er schreibt: "Fanons ,Neger` ist nicht nur gefangen, fixiert, entleert und zum explodieren gebracht in der fetischistischen und stereotypisierten Dialektik des ,Blicks` vom Platz des Anderen aus; sondern er/sie wird - hat kein anderes Selbst als - dieses Selbst-als-zum-Anderen-gemachte." (1) Der rassistische Blick ist also ein Produkt des Kolonialismus und von diesem ideologisch kontaminiert: Die Kolonialherrschaft degradiert Sklaven auf die Ausübung von körperlichen Tätigkeiten und ihnen werden positive Attribute wie intellektuelle Kapazität, "Zivilisation" etc. abgesprochen. Der schwarze Mensch ist für den Rassisten bloßer Körper, weil jener nur als Körper die Legitimation der kolonialen Unterdrückung gewährleistet: Nur ein Wesen, dessen Bestimmung als sich in der Verrichtung manueller Tätigkeiten erschöpfend fantasiert wird, kann ohne moralische Widersprüche vom Sklavenhalter in Unfreiheit und brutaler Unterdrückung gehalten werden. Fanon erhält auch einige Anregungen von der berühmten Herr-Knecht-Dialektik aus Hegels "Phänomenologie des Geistes", kritisiert jedoch, dass dieses Schema die koloniale Ausbeutungsbeziehung zwischen Kolonisator und Kolonialisiertem nur unzureichend wiedergibt. Während Hegel glaubt, das Herr-Knecht-Verhältnis als gegenseitigen Kampf des jeweiligen Bewusstseins um Anerkennung fassen zu können, entgegnet Fanon: "Für Hegel gibt es Reziprozität; hier (in der kolonialen Gesellschaft) lacht der Herr über das Bewusstsein des Sklaven. Was er vom Sklaven will, ist nicht Anerkennung, sondern Arbeit." (2) Hier wird die asymmetrische Beziehung zwischen Herr und Sklave benannt, die sich subtiler in postkolonialen Gesellschaften fortsetzt. Dies lässt sich wiederum am rassistischen Blick festmachen: Der schwarze Mensch erscheint aus der Perspektive des Weißen als minderwertig, aber umgekehrt ist der Weiße mit seinen "Errungenschaften" Zivilisation, Kultur, kurz Intellekt, nachahmenswert. Deshalb spricht Fanon davon, dass der schwarze Mensch in eine neurotische Situation geworfen wird, wenn er in einer weißen Gesellschaft lebt, die deren Überlegenheit gegenüber der schwarzen Bevölkerung proklamiert.
Schwarze Haut, weiße Masken
Auf Martinique, das überwiegend von Schwarzen bewohnt wird, sind diese Menschen in der Schule und im kulturellen Leben immer wieder mit der Tatsache konfrontiert, dass die weiße europäische Kultur als erstrebenswert gilt, während das afrikanische Erbe der AntillanerInnen als primitiv abqualifiziert wird. Will die schwarze Person also als gebildet und kultiviert gelten, muss sie sich - metaphorisch gesprochen - eine weiße Maske aufsetzen. Das Verlangen, die positiven Attribute der weißen Kultur zu adaptieren, geht einher mit der Übernahme des Deutungsmusters von der Unzivilisiertheit der afrikanischen Gesellschaften. Als Antwort auf diese Abwertung versuchte die so genannte Négritude-Bewegung in den 1940er und 1950er Jahren die Existenz einer schwarzen Geschichte und Zivilisation herauszustellen. Fanon sah sich in "Schwarze Haut, weiße Masken" gleichwohl zu einer Kritik dieser maßgeblich von seinem früheren Lehrer Aimé Césaire und dem späteren Präsidenten vom Senegal, Léopold Senghor, geprägten Strömung veranlasst. Zwar hält er das Bedürfnis, für die Herausbildung eines schwarzen Selbstbewusstseins die positiven Aspekte afrikanischer Kulturen in den Fokus zu nehmen, für durchaus legitim. Er merkt jedoch gleichzeitig an, dass die Négritude lediglich die Vorzeichen in dem binären Schema weiß = zivilisiert, schwarz = primitiv umkehrt und in einem zu kritisierenden Manichäismus verhaftet bleibt. Die Rückkehr zu den alten afrikanischen Traditionen ist für Fanon ebenso wenig ein Ausweg wie die gewaltsame Anwendung des europäischen Entwicklungsmodells auf den afrikanischen Kontinent durch den Kolonialismus. "Schwarze Haut, weiße Masken" ist ein in weiten Strecken brillanter Text, enthält allerdings auch einige problematische Passagen. Während Fanon außerordentlich scharfsinnig die rassistische Konstruktion des schwarzen Mannes als äquivalent mit den biologischen Attributen kleines Gehirn, großer Penis, kurz intellektuell minderwertig und sexuell hyperpotent analysiert, reproduziert er bei der Darstellung der Situation schwarzer Frauen teilweise sexistische Stereotype. In Fanons letztem Werk "Die Verdammten dieser Erde" spiegeln sich seine Erfahrungen als Arzt inmitten des Algerienkrieges ebenso wider wie die Anfang der 1960er Jahre immer weiter fortschreitende Dekolonisation des afrikanischen Kontinents. Es ist deshalb auch wenig verwunderlich, dass die Rolle der Gewalt als zentrales Thema den ganzen Text von Fanon durchzieht. Er versucht Gewalt als kathartischen, d.h. der Selbstreinigung dienenden Prozess zu fassen, der quasi unerlässlich und positiv zu bewerten sei, damit das kolonialisierte Subjekt seinem Status als subaltern entkommen kann. Die psychischen und vor allem physischen Schäden, die das "kolonialisierte Ding" durch den Kolonialherren erlitten hat, kompensiert es mit Gewalt: "Der kolonialisierte Mensch befreit sich in der Gewalt und durch sie. Diese Praxis klärt den Handelnden auf, weil sie ihm Mittel und Zweck zeigt." (3) Es muss hier aber ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass diese therapeutische Funktion der Gewalt von Fanon nur als Gegengewalt der Kolonialisierten gefasst wird. Sie ist nicht an sich zu bejahen, sondern nur in einer bestimmten historisch-konkreten Situation als legitim anzusehen.
Die Verdammten dieser Erde
Fanon formuliert dies an einer späteren Stelle im Buch ganz explizit: "Wenn wir das algerische Beispiel gewählt haben, so nicht, um unser Volk zu glorifizieren, sondern um die Bedeutung zu zeigen, die der Kampf, den es geführt hat, für seinen Bewusstseinsprozess hatte. Es ist klar, dass andere Völker auf anderen Wegen zu dem gleichen Ergebnis gekommen sind. In Algerien war, wie man heute weiß, die Kraftprobe unvermeidlich, aber andere Gebiete kamen durch ihren politischen Kampf und die Aufklärungsarbeit der Partei ihrer Völker zu den gleichen Ergebnissen." (4) Die Kolonialisierten sind demnach im Kolonialismus durch die Unterdrückung und Gewalt quasi entsubjektiviert worden. Die Gegengewalt der zum Objekt verkümmerten Kolonialisierten bedeutet, dass sich diese durch Selbstorganisation, Widerstand und Gewalt (auch im symbolischen Sinne) zuallererst wieder zu Subjekten konstituieren. Solche Passagen sowie die Fallbeispiele im Kapitel "Kolonialkrieg und psychische Störungen", wo Fanon die pathologischen Folgen exzessiver Gewaltanwendung schildert, lassen sich also schwerlich mit dem gern kolportierten Bild des Gewaltpredigers Fanon vereinbaren. Interessanterweise zeichnet sich in der Beschäftigung mit Fanon in den letzten Jahren die Tendenz ab, sich wieder stärker mit dessen Erstlingswerk auseinander zu setzen. Während in den 1960er und 1970er Jahren noch der Verfasser der "Verdammten dieser Erde" als Ikone der antikolonialen Befreiungsbewegungen gefeiert wurde, waren seine frühen Schriften so gut wie unbekannt. Im Zuge der Etablierung der so genannten Postcolonial Studies vor allem in den USA Anfang der 1990er Jahre wendet man sich nun hingegen wieder vermehrt "Schwarze Haut, weiße Masken" zu, wobei Fanon dabei häufig als Poststrukturalist avant la lettre gelesen wird, der schon sehr früh eine Dekonstruktion binärer Ordnungen betrieben hätte. Gegen die extremen VertreterInnen beider Interpretationsrichtungen ist der legitime Einwand erhoben worden, Fanon aus seinem historischen Kontext zu reißen. Weder ist "Die Verdammten dieser Erde" eine Beschreibung der kurz bevorstehenden Revolution der Afro-AmerikanerInnen in den USA, wie das der Black- Power-Aktivist Stokeley Carmichael zu glauben schien, noch ist "Schwarze Haut, weiße Masken" von einem "schwarzen Lacan" verfasst worden, wie das der Nestor der Postcolonial Studies, Homi Bhabha, nahe legt. An Stelle dieser strikten Grenzziehung zwischen "frühem" und "späten" Fanon wäre zu wünschen, dass die künftige Rezeption sich wieder stärker auf die theoretischen Kontinuitäten innerhalb des Werkes dieses brillanten Denkers besinnen würde. Philipp Dorestal Anmerkungen: 1) Im Original: "but he/she becomes - has no other self than - this Self-as-Othered." Stuart Hall: The After-life of Frantz Fanon, in: Alan Read (Hg.): The Fact of Blackness. Frantz Fanon and Visual Representation, London/Seattle 1996, S. 17 2) Frantz Fanon: Schwarze Haut, Weiße Masken, Frankfurt/M. 1980, S. 157 3) Frantz Fanon: Die Verdammten dieser Erde, Frankfurt/M. 1981, S. 72 4) ebd. S. 164 ak - analyse + kritik - Zeitung für linke Debatte und Praxis/Nr. 496/17.6.2005
19.07.2005
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Gesellschaft Politik
http://www.linksnet.de/de/artikel/19252
:nurdinilu:
Slm nemrut Kardesim!
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neden?!( Ich schreib auf deutsch weiter)
Also, ich habe vor vielen Jahren ein sehr Gutes Buch gelesen, nun weiss ich das es ein sehr Linkes Buch Politisch gesehen ist, deshalb habe ich mir schon seit ein paar Tagen gedanken gemacht wie ich denn die Richtigen Worte wähle damit auch ihr mich nicht falsch versteht, was natürlich bei so manchen meiner Landsleute gleich oder oft mit Abneigung begrüsst wird, jedoch Empfehle ich es jeden ohne aus Ihnen Linke machen zuwollen, der gedanke liegt mir fern, jedoch ist in diesem Buch auf eine total rein nackte Analytische weise, die Mechanismen des Imperialismus aufgezeigt anhand des Algerien Krieges,
der "Autor Franz Fanon-Die Verdammten dieser Erde", ein Arzt der die Zeit nicht mit kriegsgeschichten oder so schildert, nein es ist etwa die Aufzeichnung eines Kapitalistischen Tagebuchs, eine Art Roadmap für die Installierung von Marionettenregimen und die Vorgehensweise, mehr noch es ist ein muss für Linke und Rechte!
Vergesst die beispiele wie Che gevara und so das ist nebensächlich, weil Atatürk dem kann keiner das Wasser reichen.
Ein Muss für jeden Türken, der National denkt ob rechts oder links!!!
Danke nemrut das Du das Thema unbewusst angesprochen hast:aferinbe:
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Wer Jean Paul Satre mag hat ein hier ein fast 30 Seitenlanges Vorwort!
Saygilar
Theorie und Bedeutung
Fanons Werke sind Ergebnis und Theoretisierung seiner politischen sowie psychiatrischen Praxis. David Caute hat in seinem Fanon-Porträt den Versuch unternommen, in Anlehnung an die Entwicklung des Denkens bei Karl Marx und den Kategorien von Hegel, drei Phasen des Fanonschen Schaffens zu unterscheiden: „[D]em Menschen, der sich seiner Selbstentfremdung bewusst wird“ (verdeutlicht durch die Schrift Schwarze Haut, weiße Masken, die 1952 erschien), „dem freien Bürger Algeriens“ (Fanons Teilnahme an der algerischen Revolution und deren theoretische Betrachtung in Im fünften Jahr der algerischen Revolution, erschienen 1959) und „dem sozialistischen Revolutionär“ (dessen Ideen sich in Die Verdammten dieser Erde, seinem letzten Werk, finden).
Fanon setzt sich in seinem ersten größeren Werk noch stark mit den Schriften verschiedener Philosophen (u.a. Marx, Nietzsche, Hegel oder Jaspers) und Psychoanalytiker (u.a. Freud, Jung und Adler) auseinander und ist stark beeinflusst von Jean-Paul Sartre, Merleau-Ponty und der existentialistisch-phänomenologischen Strömung in Frankreich. Später wird er seine eigene Theorie ausbilden und in den Vordergrund stellen (in Die Verdammten dieser Erde finden sich kaum noch Verweise auf politische und philosophische Strömungen, wenn auch die Einflüsse auf Fanons Denken noch deutlich sichtbar sind). [B]Sein zentrales Thema bleibt die Analyse und Überwindung von Rassismus und Kolonialismus, doch die Behandlung dieser Phänomene ändert sich in Fanons Denken durch seine aktive Teilnahme am algerischen Bürgerkrieg und seine politischen Erfahrungen.
Gesellschaft Politik
http://www.linksnet.de/de/artikel/19252
Danke für die Blumen Kardes,
momentan muss ich einige andere Lektüren durcharbeiten aber wenn ich die Zeit finde, werde ich mich dem widmen.