yücel
15.05.05, 17:35
Hallo Leute,
wie die Tageschau.de mit Ihren Forenregeln umgeht um so die "Türken" unter Kontrolle zu halten (Ihre Argumente die erdrückend sind) hier ein Beispiel:
Dieses Spiel geht seit einigen Wochen so, während des 24.April.2005 war es noch schlimmer.
Ein User hat dies bemängelt: Autor des Threads "Cem Özgönül"
Folgenden Beitrag wollte ich gestern Abend und heute in jeweils drei Teilen einstellen. Keine Chance.
"Die Vorstellung, die Osmanen hätten die Armenier größtenteils massakriert und vernichtet, geht in der Hauptsache auf Berichte und Einschätzungen des Hoch- und Spätsommers 1915 zurück. Die diesbezüglichen schriftlich abgebildeten Gräuelszenarien, häufig verbreitet durch amerikanische und deutsche Missionare und von deren Konsuln aus zweiter oder dritter Hand in offiziellen Berichten aufbereitet, würden ganze Bände füllen, wollte man sie alle zusammenfassen und publizieren. Bereitwillig und häufig unkritisch wurden diese Horrorszenarien alsbald im Ausland publik gemacht, so daß sich in weiten Teilen der westlichen Öffentlichkeit der Glaube an eine weitreichende Vernichtung der Armenier bis in unsere Zeit als Allgemeingut etablierte. Wichtig ist an dieser Stelle das Wissen um folgendes Detail: Die Annahme der Vernichtung gründete sich - sowohl was ihre qualitative, als auch ihre quantitative Dimension anbelangt - nicht auf positiven Daten, sondern resultierte aus einer Subtraktionsrechnung. Wenn am Punkt A eine geschätzte Zahl x Armenier auf den Marsch geschickt wurde und am Punkt C ein Quantum von y Armeniern ankam, errechnete man aus x minus y die Zahl der angenommenen Toten am Punkt B. Aus dieser angenommenen Zahl der Getöteten folgerte man auf die qualitativen Zusammenhänge - sprich auf eine regierungsseitig geplante und organisierte Vernichtungsmaßnahme. Denn, so die Überzeugung, eine Vernichtung von einer derart weitreichenden Dimension könne unmöglich ohne Zustimmung und Billigung der Regierung geschehen. Deshalb wurden alle gegenteiligen Beteuerungen der Jungtürken mit einem extremen Mißtrauen aufgenommen.
Kaum jemand stellt allerdings heute die Frage danach, wie sich diejenigen Kreise, die maßgeblichen Anteil an der öffentlichen Verbreitung dieser Vorstellung hatten, später in nichtöffentlichen und internen Korrespondenzen äußerten. Wer sich dieser Frage annimmt, wird auf eine erstaunliche Diskrepanz zwischen zeitnahen öffentlichen Stellungnahmen und Äußerungen zum einen, und jenen mit einem gewissen zeitlichen Abstand ergangenen internen Einschätzungen und Stellungnahmen zum anderen stoßen. Als Beispiel sei hier ein Brief des Vorstandes der "Deutsch-Armenischen Gesellschaft" an den Reichskanzler angeführt. Die unter der Leitung von Johannes Lepsius stehende DAG, die bei Zeiten einen ganz wesentlichen Anteil an der Verbreitung der Vorstellung von der Vernichtung des armenischen Volkes hatte - und zwar weltweit - schreibt in diesem besagten Brief vom 06. Januar 1918 - also im letzten Kriegsjahr und gut eineinhalb Jahre nach der vermeintlichen Vernichtung großer Teile der osmanischen Armenier - folgendes:
Zitat:
"[…]Die unterzeichnete Deutsch-Armenische Gesellschaft bittet, Eurer Excelllenz Folgendes vortragen zu dürfen: Bei den jetzt im Gange befindlichen Friedensverhandlungen ist von russischer Seite die Bereitwilligkeit angesprochen worden, unter bestimmten Voraussetzungen die russischen Truppen aus dem besetzten türkischen Gebiet in Asien zurückzuziehen. Es handelt sich dabei in der Hauptsache um ein bedeutendes Stück von Türkisch-Armenien. Aus diesem Gebiet wurden während des Krieges die Armenier zum Teil durch die türkische Regierung deportiert, zum Teil haben sie sich über die russische Grenze nach dem Kaukasus gerettet. Beim Einrücken der Russen floh dann die mohammedanische Bevölkerung nach Westen und Süden und die geflüchteten Armenier kehrten vielfach zurück. Gegenwärtig sind dort Mohammedaner, wenn überhaupt, so nur in unbedeutender Zahl vorhanden.[…]"
Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes, Türkei 183, Mikrofiche-Nr. 7172
Was von Seiten der armenophilen DAG verharmlosend als „Flucht der Mohammedaner nach Westen und Süden“ beschrieben wird, schildert Edgar Anders, der frühere deutsche Vizekonsul in Erzurum in Anlehnung an den Kriegskorrespondenten Ernest Simais vom Figaro in einem Bericht vom 10. April 1918 übrigens wie folgt:
Zitat:
"Im Dezember v.J. erfuhr ich von dem in der Zitadelle in Tiflis wegen Spionageverdachts gefangenen belgischen Journalisten Ernest Simais, Kriegsberichterstatter des Figaro folgendes: Im Juli 1916 sei der französische Journalist Henry Barby (Verfasser des aufsehenerregenden Buches „Dans les pays des horreurs“) mit dem Ansuchen an ihn herangetreten, im Figaro einen Artikel über die an den Armeniern verübten Greueltaten zu schreiben. Simais entgegenete ihm, daß er nirgends solche Greuel beobachtet habe, dagegen sei er Augenzeuge, daß die armenischen Drujinen seinerzeit bei dem Vormarsch der Russen auf Bitlis und Soutsch-Bulak hinter der russischen Front die wehrlosen Einwohner der islamitischen Dörfer erbarmungslos niedergemacht hätten. Barby versuchte nochmals Simais zu dem gewünschten Artikel mit dem Hinweis zu veranlassen, daß ein Honorar von 40000 Frank für einen kurzen Artikel doch nicht zu verachten sei, worauf Simais erklärte, daß seine Feder nicht käuflich sei. Bald darauf wurde er infolge armenischer Intrigen wegen Spionageverdachts verhaftet und unschädlich gemacht. Wie Simais authentisch feststellte, hat Barby niemals einen Fuß aus Tiflis gesetzt. Sein ganzes Buch basiert lediglich auf den Angaben des Portiers vom Hotel d’Orient Tiflis.[...]"
Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes, Türkei 183, Mikrofiche-Nr. 7175
Beiläufig erhält man durchaus auch eine Idee davon, wie solche Gräuelberichte mitunter zustande gekommen sind.
Im weiteren heißt es in dem vorzitierten Brief der DAG:
Zitat:
"Die Wünsche der Armenier gehen auf innere Autonomie, Selbstverwaltung der 6 armenischen Provinzen (…). Wie bereits betont, sind die Provinzen jetzt von Mohammedanern größtenteils entleert; die Armenier, die nach Russland geflüchtet waren, bilden jetzt auch in diesen Gegenden, wo es früher keine armenische Mehrheit gab, die Mehrzahl der Einwohner. Die Frage der Autonomie ist daher erheblich leichter lösbar als früher.[…]“
Diesen letzten Abschnitt kann man eigentlich gar nicht deutlich genug hervorheben. Diejenigen, die heutzutage einen vermeintlichen Völkermord an den Armeniern suggerieren wollen, dürften in große Erklärungsnöte kommen, wenn sie plausibel darlegen wollen, wie sich folgendes Kuriosum erklären läßt: Dasjenige Volk, dem im Rahmen des Mythos eines Völkermordes die Täterrolle zugeschrieben wird, war kurz vor Beendigung des Krieges aus seinen angestammten Siedlungsgebieten fast vollständig vertrieben worden, während dasjenige Volk, daß bereits zwei Jahre vorher angeblich größtenteils vernichtet worden sein soll, nun sogar in solchen Provinzen die Mehrheit stellte, in denen sie vorher eine Minderheit bildeten.
Doch wie erklärt sich dieses Kuriosum? Zurück zur im ersten Teil erwähnten Subtraktionsrechnung: Im Sommer 1915 wurden die Berichte über vermeintliche Massaker an Armeniern immer lauter. Das Augenmerk konzentrierte sich dabei auf ein bestimmtes, nur sehr schwer zugängliches Gebiet, welches südlich von Erzincan liegt und von den sogenannten „Dersim-Kurden“ besiedelt wird (heute Tunceli). Diese Region war wie ein Bermudadreieck. Wer da reinging, kam nicht mehr raus. Sämtliche Armenier, die von der Schwarzmeerküste, Erzurum und Erzincan aus kommend, in Richtung Süden zogen, mussten durch diese Region. Manche spekulierten darauf, daß die jungtürkische Regierung die Leute in dieser Region massakrieren ließ, andere wiederum machten marodierende Kurdenbanden für die vermeintlichen Massaker verantwortlich. Die Berichte hierüber – dies sei hier kurz angemerkt – waren so konkret, daß sogar der jungtürkische Innenminister Talaat Pascha (damals noch bey) ihnen glauben schenkte und in mehreren Telegrammen die zuständigen Behörden der Region dazu aufforderte, wirksamere Schutzmaßnahmen für die Umzusiedelnden zu treffen.
Erst Jahre später stellte sich heraus, was wirklich mit den Leuten geschehen war. In einer eher unscheinbaren Passage eines deutschen Botschaftsberichtes vom August 1918 lesen wir folgenden Wortlaut:
Zitat:
"Interessant ist, dass in dem Gebiet der Derssimkurden (...) sicherlich nicht aus Liebe zu den Christen, sondern aus Hass gegen die Türken, gerade dieser Kurdenstamm grosse Scharen von Armeniern durch sein Gebiet sicher hindurch leitete und über die russische Grenze brachte. Allerdings hat jetzt leider dieses Entgegenkommen aufgehört, seitdem die Derssimleute nicht mehr die Russen als Deckung im Rücken haben [...]."
Das wiederum macht Sinn und gibt eine schlüssige Erklärung für das systematische Streuen von Massakergerüchten im Jahre 1915: Wenn eine Gruppe von Menschen auf dem Weg von A nach C an einem Punkt B einfach verschwindet, bedarf es hierfür einer plausiblen Erklärung. Will man diesen systematischen Fluchtweg auf russisches Territorium weitestgehend geheim halten, ist es naheliegend zu verbreiten, die Menschen würden an diesem unzugänglichen Punkt B massakriert. Dies war sowohl den Armeniern als auch der zeitgenössischen Ententepropaganda von großem Nutzen. Wohlgemerkt, wir reden hier vom Verbleib mehrerer hunderttausend Menschen, über deren gewaltsamen Tod im Jahre 1915 Spekulationen angestellt wurden, die aber in Wahrheit im russischen Kaukasus waren und – wie oben gesehen – mit den russischen Truppen zurückkamen und ihrerseits Muslime massakrierten und vertrieben."
wie die Tageschau.de mit Ihren Forenregeln umgeht um so die "Türken" unter Kontrolle zu halten (Ihre Argumente die erdrückend sind) hier ein Beispiel:
Dieses Spiel geht seit einigen Wochen so, während des 24.April.2005 war es noch schlimmer.
Ein User hat dies bemängelt: Autor des Threads "Cem Özgönül"
Folgenden Beitrag wollte ich gestern Abend und heute in jeweils drei Teilen einstellen. Keine Chance.
"Die Vorstellung, die Osmanen hätten die Armenier größtenteils massakriert und vernichtet, geht in der Hauptsache auf Berichte und Einschätzungen des Hoch- und Spätsommers 1915 zurück. Die diesbezüglichen schriftlich abgebildeten Gräuelszenarien, häufig verbreitet durch amerikanische und deutsche Missionare und von deren Konsuln aus zweiter oder dritter Hand in offiziellen Berichten aufbereitet, würden ganze Bände füllen, wollte man sie alle zusammenfassen und publizieren. Bereitwillig und häufig unkritisch wurden diese Horrorszenarien alsbald im Ausland publik gemacht, so daß sich in weiten Teilen der westlichen Öffentlichkeit der Glaube an eine weitreichende Vernichtung der Armenier bis in unsere Zeit als Allgemeingut etablierte. Wichtig ist an dieser Stelle das Wissen um folgendes Detail: Die Annahme der Vernichtung gründete sich - sowohl was ihre qualitative, als auch ihre quantitative Dimension anbelangt - nicht auf positiven Daten, sondern resultierte aus einer Subtraktionsrechnung. Wenn am Punkt A eine geschätzte Zahl x Armenier auf den Marsch geschickt wurde und am Punkt C ein Quantum von y Armeniern ankam, errechnete man aus x minus y die Zahl der angenommenen Toten am Punkt B. Aus dieser angenommenen Zahl der Getöteten folgerte man auf die qualitativen Zusammenhänge - sprich auf eine regierungsseitig geplante und organisierte Vernichtungsmaßnahme. Denn, so die Überzeugung, eine Vernichtung von einer derart weitreichenden Dimension könne unmöglich ohne Zustimmung und Billigung der Regierung geschehen. Deshalb wurden alle gegenteiligen Beteuerungen der Jungtürken mit einem extremen Mißtrauen aufgenommen.
Kaum jemand stellt allerdings heute die Frage danach, wie sich diejenigen Kreise, die maßgeblichen Anteil an der öffentlichen Verbreitung dieser Vorstellung hatten, später in nichtöffentlichen und internen Korrespondenzen äußerten. Wer sich dieser Frage annimmt, wird auf eine erstaunliche Diskrepanz zwischen zeitnahen öffentlichen Stellungnahmen und Äußerungen zum einen, und jenen mit einem gewissen zeitlichen Abstand ergangenen internen Einschätzungen und Stellungnahmen zum anderen stoßen. Als Beispiel sei hier ein Brief des Vorstandes der "Deutsch-Armenischen Gesellschaft" an den Reichskanzler angeführt. Die unter der Leitung von Johannes Lepsius stehende DAG, die bei Zeiten einen ganz wesentlichen Anteil an der Verbreitung der Vorstellung von der Vernichtung des armenischen Volkes hatte - und zwar weltweit - schreibt in diesem besagten Brief vom 06. Januar 1918 - also im letzten Kriegsjahr und gut eineinhalb Jahre nach der vermeintlichen Vernichtung großer Teile der osmanischen Armenier - folgendes:
Zitat:
"[…]Die unterzeichnete Deutsch-Armenische Gesellschaft bittet, Eurer Excelllenz Folgendes vortragen zu dürfen: Bei den jetzt im Gange befindlichen Friedensverhandlungen ist von russischer Seite die Bereitwilligkeit angesprochen worden, unter bestimmten Voraussetzungen die russischen Truppen aus dem besetzten türkischen Gebiet in Asien zurückzuziehen. Es handelt sich dabei in der Hauptsache um ein bedeutendes Stück von Türkisch-Armenien. Aus diesem Gebiet wurden während des Krieges die Armenier zum Teil durch die türkische Regierung deportiert, zum Teil haben sie sich über die russische Grenze nach dem Kaukasus gerettet. Beim Einrücken der Russen floh dann die mohammedanische Bevölkerung nach Westen und Süden und die geflüchteten Armenier kehrten vielfach zurück. Gegenwärtig sind dort Mohammedaner, wenn überhaupt, so nur in unbedeutender Zahl vorhanden.[…]"
Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes, Türkei 183, Mikrofiche-Nr. 7172
Was von Seiten der armenophilen DAG verharmlosend als „Flucht der Mohammedaner nach Westen und Süden“ beschrieben wird, schildert Edgar Anders, der frühere deutsche Vizekonsul in Erzurum in Anlehnung an den Kriegskorrespondenten Ernest Simais vom Figaro in einem Bericht vom 10. April 1918 übrigens wie folgt:
Zitat:
"Im Dezember v.J. erfuhr ich von dem in der Zitadelle in Tiflis wegen Spionageverdachts gefangenen belgischen Journalisten Ernest Simais, Kriegsberichterstatter des Figaro folgendes: Im Juli 1916 sei der französische Journalist Henry Barby (Verfasser des aufsehenerregenden Buches „Dans les pays des horreurs“) mit dem Ansuchen an ihn herangetreten, im Figaro einen Artikel über die an den Armeniern verübten Greueltaten zu schreiben. Simais entgegenete ihm, daß er nirgends solche Greuel beobachtet habe, dagegen sei er Augenzeuge, daß die armenischen Drujinen seinerzeit bei dem Vormarsch der Russen auf Bitlis und Soutsch-Bulak hinter der russischen Front die wehrlosen Einwohner der islamitischen Dörfer erbarmungslos niedergemacht hätten. Barby versuchte nochmals Simais zu dem gewünschten Artikel mit dem Hinweis zu veranlassen, daß ein Honorar von 40000 Frank für einen kurzen Artikel doch nicht zu verachten sei, worauf Simais erklärte, daß seine Feder nicht käuflich sei. Bald darauf wurde er infolge armenischer Intrigen wegen Spionageverdachts verhaftet und unschädlich gemacht. Wie Simais authentisch feststellte, hat Barby niemals einen Fuß aus Tiflis gesetzt. Sein ganzes Buch basiert lediglich auf den Angaben des Portiers vom Hotel d’Orient Tiflis.[...]"
Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes, Türkei 183, Mikrofiche-Nr. 7175
Beiläufig erhält man durchaus auch eine Idee davon, wie solche Gräuelberichte mitunter zustande gekommen sind.
Im weiteren heißt es in dem vorzitierten Brief der DAG:
Zitat:
"Die Wünsche der Armenier gehen auf innere Autonomie, Selbstverwaltung der 6 armenischen Provinzen (…). Wie bereits betont, sind die Provinzen jetzt von Mohammedanern größtenteils entleert; die Armenier, die nach Russland geflüchtet waren, bilden jetzt auch in diesen Gegenden, wo es früher keine armenische Mehrheit gab, die Mehrzahl der Einwohner. Die Frage der Autonomie ist daher erheblich leichter lösbar als früher.[…]“
Diesen letzten Abschnitt kann man eigentlich gar nicht deutlich genug hervorheben. Diejenigen, die heutzutage einen vermeintlichen Völkermord an den Armeniern suggerieren wollen, dürften in große Erklärungsnöte kommen, wenn sie plausibel darlegen wollen, wie sich folgendes Kuriosum erklären läßt: Dasjenige Volk, dem im Rahmen des Mythos eines Völkermordes die Täterrolle zugeschrieben wird, war kurz vor Beendigung des Krieges aus seinen angestammten Siedlungsgebieten fast vollständig vertrieben worden, während dasjenige Volk, daß bereits zwei Jahre vorher angeblich größtenteils vernichtet worden sein soll, nun sogar in solchen Provinzen die Mehrheit stellte, in denen sie vorher eine Minderheit bildeten.
Doch wie erklärt sich dieses Kuriosum? Zurück zur im ersten Teil erwähnten Subtraktionsrechnung: Im Sommer 1915 wurden die Berichte über vermeintliche Massaker an Armeniern immer lauter. Das Augenmerk konzentrierte sich dabei auf ein bestimmtes, nur sehr schwer zugängliches Gebiet, welches südlich von Erzincan liegt und von den sogenannten „Dersim-Kurden“ besiedelt wird (heute Tunceli). Diese Region war wie ein Bermudadreieck. Wer da reinging, kam nicht mehr raus. Sämtliche Armenier, die von der Schwarzmeerküste, Erzurum und Erzincan aus kommend, in Richtung Süden zogen, mussten durch diese Region. Manche spekulierten darauf, daß die jungtürkische Regierung die Leute in dieser Region massakrieren ließ, andere wiederum machten marodierende Kurdenbanden für die vermeintlichen Massaker verantwortlich. Die Berichte hierüber – dies sei hier kurz angemerkt – waren so konkret, daß sogar der jungtürkische Innenminister Talaat Pascha (damals noch bey) ihnen glauben schenkte und in mehreren Telegrammen die zuständigen Behörden der Region dazu aufforderte, wirksamere Schutzmaßnahmen für die Umzusiedelnden zu treffen.
Erst Jahre später stellte sich heraus, was wirklich mit den Leuten geschehen war. In einer eher unscheinbaren Passage eines deutschen Botschaftsberichtes vom August 1918 lesen wir folgenden Wortlaut:
Zitat:
"Interessant ist, dass in dem Gebiet der Derssimkurden (...) sicherlich nicht aus Liebe zu den Christen, sondern aus Hass gegen die Türken, gerade dieser Kurdenstamm grosse Scharen von Armeniern durch sein Gebiet sicher hindurch leitete und über die russische Grenze brachte. Allerdings hat jetzt leider dieses Entgegenkommen aufgehört, seitdem die Derssimleute nicht mehr die Russen als Deckung im Rücken haben [...]."
Das wiederum macht Sinn und gibt eine schlüssige Erklärung für das systematische Streuen von Massakergerüchten im Jahre 1915: Wenn eine Gruppe von Menschen auf dem Weg von A nach C an einem Punkt B einfach verschwindet, bedarf es hierfür einer plausiblen Erklärung. Will man diesen systematischen Fluchtweg auf russisches Territorium weitestgehend geheim halten, ist es naheliegend zu verbreiten, die Menschen würden an diesem unzugänglichen Punkt B massakriert. Dies war sowohl den Armeniern als auch der zeitgenössischen Ententepropaganda von großem Nutzen. Wohlgemerkt, wir reden hier vom Verbleib mehrerer hunderttausend Menschen, über deren gewaltsamen Tod im Jahre 1915 Spekulationen angestellt wurden, die aber in Wahrheit im russischen Kaukasus waren und – wie oben gesehen – mit den russischen Truppen zurückkamen und ihrerseits Muslime massakrierten und vertrieben."