Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Chancengleichheit?
karasevda75
09.03.07, 19:09
BIM 108/2006 - Berliner Infodienst Migration vom 20.11.2006
Willkommen in der Sackgasse - viele Zuwanderer-Kinder auf Sonderschule
Sonia Mikich: "Sind Ausländerkinder dumm? Oder werden sie dumm gemacht? Klingt gemein, liebe Zuschauer, aber jetzt sehen Sie die Geschichte der Sonderschülerin Naomi. Kein Einzelfall, wie Isabel Schayani und Gregor Popp zeigen. Und das ist wirklich gemein!"
Sie schreibt zügig, fast ohne Fehler. Naomi ist 13 Jahre, aufgeweckt und na klar, mitten in der Pubertät. In die 8. Klasse einer Sonderschule für Lernbehinderte geht sie. Neuerdings wird die Schule eleganter mit "Förderschule" umschrieben. Naomi soll lernbehindert sein.
Reporterin: "Und wie viel Sprachen kannst du?"
Naomi: "Eigentlich drei."
Reporterin: "Und welche sind das?"
Naomi: "Also Französisch, meine Muttersprache und Deutsch. Englisch kann ich nur ein bisschen."
Reporterin: "Und hilft dir das in der Sonderschule?"
Naomi: "Was?"
Reporterin: "Dass du so viel Sprachen kannst!"
Naomi: "Wen interessiert das da? Gar keinen!"
Französisch, Kongolesisch und Deutsch. Auf der Sonderschule soll sie besonders gefördert werden. Doch ein psychologisches Gutachten vom Sommer rät etwas ganz anderes.
Naomi gehört auf eine Hauptschule, nicht auf die Sonderschule.
Zitat (Quelle: Dr. F. Müller, Köln): "Ein weiterer Verbleib auf der Sonderschule wird aus unserer Sicht das Wohl des Kindes weiter schädigen."
Im Klartext: Sie soll von der Schule runter. Ihr Gutachter erstellt seit Jahren solche Expertisen und erlebt verdächtig oft das gleiche.
Dr. Frank Müller, Kinder- und Jugendpsychiater: "Naomi ist in dieser Hinsicht kein Einzelfall. Wir haben oft ... das Problem bei Migrantenkindern, dass bei diesen Patienten die psychische Situation zu wenig berücksichtigt wird."
Überproportional viele Kinder von Einwanderern gehen auf die Sonderschule für Lernbehinderte. Und es werden mehr. "Lernbehindert" ist ein schwammiger Begriff, mit dem man in Deutschland über 200.000 Schüler "besonders fördert". In kleinen Klassen, auf niedrigem Lernniveau. Naomi zeigt uns, was sie in diesem Schuljahr in Mathe durchgenommen hat:
Naomi: "Achthundert geteilt durch zwei. Das mein' ich, das macht man in der dritten Klasse, aber nicht in der achten Klasse. Oder solche Aufgaben. Ich mein', das sind alles einfache Aufgaben. Für mich eigentlich ist das nicht geeignet, weil ich kann diese Aufgaben." Achthundert geteilt durch zwei.
Vormittags ist Naomi öfter unterfordert. Nachmittags loggt sie sich dann in ihre Welt ein und chattet mit ihren Klassenkameraden. Fast keiner von ihnen ist deutsch. Ausländerkinder sind an der Sonderschule für Lernbehinderte deutlich überrepräsentiert. Ihr Anteil ist doppelt so hoch, wie der der Deutschen, gemessen an allen Schülern. Wie kann das sein? Sind ausländische Kinder einfach dümmer? Magna Becker kennt die Zahlen. Sie ist als Schulamtsdirektorin in Köln für alle Sonderschulen der Stadt zuständig.
Magna Becker, Schulamtsdirektorin, Stadt Köln: "Ich kann nicht wirklich begründen, warum mehr Kinder mit Migrationshintergrund an der "Förderschule Lernen" sind als Kinder mit Deutsch als Erstsprache."
Reporterin: "Das ist ja bisschen wenig."
Magna Becker, Schulamtsdirektorin, Stadt Köln: "Ja. Das ist sicher richtig, aber wo soll ich diese Erklärung hernehmen? Aus den einzelnen Gutachten kann ich es nicht bestimmen."
Es gibt durchaus Erklärungen, warum Kinder wie Naomi, und seit dem Sommer auch ihr kleiner Bruder, so schnell auf der Sonderschule landen. Die letzte Bundesregierung nennt einen, ganz unumwunden: Zitat (Quelle: Ausländerbericht 2005): "Mangelnde und fehlende Deutschkenntnisse werden häufig zu generellen Lernschwierigkeiten umdefiniert ..."
Aus gesund mach krank. Außerdem hat nicht jeder Lehrer Zeit, sich auch noch um die Probleme zu Hause zu kümmern. Und dann landen die Kinder ganz fix auf der Sonderschule. Nur, Naomis IQ ist eben durchschnittlich hoch und der Gutachter empfiehlt heute, dass sie auf die Regelschule gehört. Aber was macht die Schulbehörde? Sie lässt testen, ob Naomi nicht besser auf eine andere Form der Sonderschule wechseln sollte und zwar auf eine für Erziehungsschwierige, die so genannte "E-Schule".
Dr. Frank Müller, Kinder- und Jugendpsychiater: "Das ist insofern verwunderlich, weil die E-Schule eine Schule für erziehungsschwierige Kinder ist, also mit Verhaltensstörungen, Sozialverhaltensstörungen, Dissozialität, das hier aus meiner Sicht nicht gegeben ist."
Naomi: "Die meisten Kinder, sage ich jetzt wirklich, die meisten Kinder aus der Schule, die sind nicht dumm. Es gab bestimmt schon mal in der Grundschule ein paar Schwierigkeiten, die die hatten, aber ... anstatt dass man den Kindern zum Beispiel Nachhilfe zu geben, damit die das mal ein bisschen lernen, bei denen direkt: Sonderschule! Ab in der Sonderschule, das ist das Beste für dich!"
In die Sackgasse gefördert. Wer einmal auf der Sonderschule ist, bleibt auch da. Nur 1,45 Prozent schaffen es, wieder auf eine Regelschule zu wechseln. Also fast niemand. Was kommt nach der Schule?
Naomi erkundigt sich beim Arbeitsamt.
Naomi: "Hallo, ich habe mal 'ne Frage. Wenn man einen Sonderschulabschluss hat, wohin muss man dann gehen?"
Angestellte beim Arbeitsamt: "Ja, es ist so, dass wir Berufsberater haben, die für diesen Bereich zuständig sind. Das sind extra Berufsberater, die sich auf Rehabilitanten spezialisiert ..."
Kurze Übersetzung: Rehabilitanten sind behinderte Menschen, die anders behandelt werden sollen, damit sie eine Chance haben. Erst werden die Kinder selektiert, dann etikettiert und als junge Menschen wieder rehabilitiert. Das ist das Ergebnis der "Förderung". Gleiche Chancen für Einwandererkinder wie Naomi? Vielleicht in der Theorie.
Reporterin: "Was fällt Ihnen denn zu dem hehren Begriff Chancengleichheit ein?"
Magna Becker, Schulamtsdirektorin, Stadt Köln: " ... Tja ... Chancengleichheit für wen? Unter welchen Bedingungen?
Sicherlich ist es so, dass ... Chancengleichheit für verschiedene Bevölkerungsgruppen nur schwer herzustellen ist."
aus: MONITOR vom 16.11.2006 (Bericht: Gregor Popp, Isabel Schayani)
Link: www.wdr.de/tv/monitor/beitrag.phtml?bid=845&sid=154 (http://www.wdr.de/tv/monitor/beitrag.phtml?bid=845&sid=154)
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Diesen Text wollte ich eigentlich wesentlich früher posten, ich kam aber nicht dazu...genau über dieses Thema müssten wir uns eigentlich unterhalten und nicht um die Qualitäten einer Kekilli.
Chancengleicheit ist nicht im mindesten realisiert in einem europäischen Land, wie Deutschland... was wird eigentlich dagegen getan... ich meine jetzt nicht nur von der Regierung, sondern von uns selbst...
wie könnten wir unseren Kindern helfen, nicht in diese Fallen zu tappen?
Es ist in der regel ein rein gesellschaftliches Problem. Chancengleichheit sollte schon im Kindergarten anfangen und sich dann über die Schule bis zu den Hochschulen fortsetzen. Es ist doch ein irrsinn, erst wie in Deutschland, in der Regel am Ende der Schulzeit anzusetzen, dann festzustellen das praktisch alle Haupt und Sonderschüler schlicht weg keine Arbeitsmarktchancen haben und dann in Aktionismus zu verfallen.
Wo doch der einzige Rohstoff den Deutschland zu bieten hat die BILDUNG ist.
Es ist in der regel ein rein gesellschaftliches Problem. Chancengleichheit sollte schon im Kindergarten anfangen und sich dann über die Schule bis zu den Hochschulen fortsetzen. Es ist doch ein irrsinn, erst wie in Deutschland, in der Regel am Ende der Schulzeit anzusetzen, dann festzustellen das praktisch alle Haupt und Sonderschüler schlicht weg keine Arbeitsmarktchancen haben und dann in Aktionismus zu verfallen.
Wo doch der einzige Rohstoff den Deutschland zu bieten hat die BILDUNG ist.
Chancengleichheit hört sich toll an, ist aber utopisch und wird es immer bleiben überall. Oder denkt ihr in der Türkei haben alle Kinder die gleiche Chancen? Ich kenne kein Land wo es so ist.
Chancengleichheit hört sich toll an, ist aber utopisch und wird es immer bleiben überall. Oder denkt ihr in der Türkei haben alle Kinder die gleiche Chancen? Ich kenne kein Land wo es so ist.
stimmt, ich kenne es auch nicht in DE, wo türkische kinder die gleiche chance haben, schon komisch...:rolleyes:
Chancengleichheit hört sich toll an, ist aber utopisch und wird es immer bleiben überall. Oder denkt ihr in der Türkei haben alle Kinder die gleiche Chancen? Ich kenne kein Land wo es so ist.
Was heißt hört sich toll an.
1. Ein Land wie Deutschland muß es sich einfach leisten wollen, das selbe gilt für die Türkei (es sollte eigentlich für jedes Land gelten was seine Kinder liebt).
2. Wieso Utopisch?
stimmt, ich kenne es auch nicht in DE, wo türkische kinder die gleiche chance haben, schon komisch...:rolleyes:
Es geht hier doch nicht nur um Türken, es sollte für jeden und alle gelten.
Es geht hier doch nicht nur um Türken, es sollte für jeden und alle gelten.
genau das ist ja auch der punkt, ich gebe dem thread noch paar beiträge, dann heisst es :" in der türkei....die türken...." usw .....
;) gerne wird abgewälzt auf kosten anderer..
genau das ist ja auch der punkt, ich gebe dem thread noch paar beiträge, dann heisst es :" in der türkei....die türken...." usw .....
;) gerne wird abgewälzt auf kosten anderer..
????????? logik nicht verstanden
karasevda75
09.03.07, 22:07
Chancengleichheit hört sich toll an, ist aber utopisch und wird es immer bleiben überall. Oder denkt ihr in der Türkei haben alle Kinder die gleiche Chancen? Ich kenne kein Land wo es so ist.
genausowenig, wie die Chancen der Kinder der Unterschicht gleich zu setzen sind, mit denen der Ober- und Mittelschicht...
aber was könnten wir konkret dafür tun, dass es besser wird?
karasevda75
09.03.07, 22:15
Ich denke so blauäugig, dass wir erwarten können, dass der Staat das Geld dafür locker machen wird, sollte man nicht sein.
Ich könnte mir zum Beispiel gut vorstellen, bei GAZI, YAYLA und AKBAS Müzik Sponsoren zu finden, um diese Kinders Heimatnah durch Schüler, die schon weiter sind in Form von Workshops zu unterstützen...schließlich sind die Eltern deren Kunden...
Auch wäre es günstig Sozialarbeiter mit Migrationshintergrund am besten ehrenamtlich, wenn nicht , dann finanziert durch Spenden einzuschalten, wenn es Probleme in der Schule gibt oder das Kind herabgestuft werden soll...
was könnte man noch tun?
ayyıldız66
09.03.07, 22:20
Manchmal reichen zwei motivierende Wörter vollkommen aus, um die Schüler wieder zu beleben. Es ist eine andere Atmosphäre, wenn türkische Schüler ständig mit dem statistischen Vergleich zwischen der Türkei und Deutschland mit ihrer Herkunft diskriminiert werden.
genausowenig, wie die Chancen der Kinder der Unterschicht gleich zu setzen sind, mit denen der Ober- und Mittelschicht...
aber was könnten wir konkret dafür tun, dass es besser wird?
die Gesellschaft hier ist einfach noch nicht so weit, sprich ihr geht es noch nicht dreckig genug. Bestes Beispiel das Land Hessen was die Hauptschulen gedenkt abzuschaffen u. dem elend einen anderen Namen verpassen will. Es hat einfach keiner Interesse daran, wirklich Geld in Bildung zu investieren.
Jeder einzelne für sich kann nur versuchen seinem Kind die beste Ausbildung zu ermöglichen. Eine Gesellschaft die so überaltert ist beschäftigt sich nur noch mit dem Renteneintrittsalter und der dann kommenden Pflegeversicherung. Traurig aber so scheint es nun mal sein...In dieser Beziehung ist Deutschland nur zu bedauern.
Mangelnde und fehlende Deutschkenntnisse
Welche Ursache auch sonst. Alles auf den Staat oder "Diskriminierung" zu schieben ist zu kurz gedacht.
Kindergartenpflicht ab dem vierten Lebensjahr inklusive Deutschkursen. Da ja auch deutsche Kinder aus den unteren Schichten immer schlechter Deutsch sprechen, schadet das niemandem.
Ich denke so blauäugig, dass wir erwarten können, dass der Staat das Geld dafür locker machen wird, sollte man nicht sein.
Ich könnte mir zum Beispiel gut vorstellen, bei GAZI, YAYLA und AKBAS Müzik Sponsoren zu finden, um diese Kinders Heimatnah durch Schüler, die schon weiter sind in Form von Workshops zu unterstützen...schließlich sind die Eltern deren Kunden...
Auch wäre es günstig Sozialarbeiter mit Migrationshintergrund am besten ehrenamtlich, wenn nicht , dann finanziert durch Spenden einzuschalten, wenn es Probleme in der Schule gibt oder das Kind herabgestuft werden soll...
was könnte man noch tun?
so eine aktion kann man nur begrüßen karasevda, aber wie könnte man an die herrschaften drankommen? sie anschreiben ihnen das konzept unterbreiten und abwarten.........türk danis dedigimiz kurumlar, bugüne ne dek ne yaptilar gladbach´da biliyonmu? bi mok yapmadilar, aldiklari paralari ceplerine attilar ve
tr´de kendilerine yazlik üstüne yazlik yaptirdilar, türk usulü almanlara kazik attilar.....:( milletin gözlerini boyadilar, ayda bi kere eglence düzenlendi, ondan baska da bi mok olmadi......halka hizmet etmekdense suratlarina tükereyim!
falls es zu solch einem workshop kommen sollte, bin ich bereit ehrenamtlich was beizutragen! bin dabei keine frage ;)
karasevda75
09.03.07, 22:29
Welche Ursache auch sonst. Alles auf den Staat oder "Diskriminierung" zu schieben ist zu kurz gedacht.
Kindergartenpflicht ab dem vierten Lebensjahr inklusive Deutschkursen. Da ja auch deutsche Kinder aus den unteren Schichten immer schlechter Deutsch sprechen, schadet das niemandem.
ich meinte eigentlich nicht, was kann der Staat tun, sondern was können wir tun, wir die Migranten....ich habe ja schon mal einige Vorschläge aufgeschrieben... was gibt es da noch, was könnte man noch versuchen?
Deutschkurse sind gut, aber es gibt nicht für jedes Kind einen Platz...und dennoch muss es einigermaßen Deutsch können, um in diesem System zu überleben
Ich denke so blauäugig, dass wir erwarten können, dass der Staat das Geld dafür locker machen wird, sollte man nicht sein.
Ich könnte mir zum Beispiel gut vorstellen, bei GAZI, YAYLA und AKBAS Müzik Sponsoren zu finden, um diese Kinders Heimatnah durch Schüler, die schon weiter sind in Form von Workshops zu unterstützen...schließlich sind die Eltern deren Kunden...
Auch wäre es günstig Sozialarbeiter mit Migrationshintergrund am besten ehrenamtlich, wenn nicht , dann finanziert durch Spenden einzuschalten, wenn es Probleme in der Schule gibt oder das Kind herabgestuft werden soll...
was könnte man noch tun?
@Karasevda
so wie ich das schon mitgekriegt habe, werden meistens Kinder herabgestuft die auffällig sind; und die Lehrer nicht damit umzugehen wissen, meiner Meinung nach.
Das Beispiel von dir am Angang mit dem Mädchen Naomi ist bestimmt auch so ein Fall. Sie ist aus dem Kongo. Im Kongo ist Bürgerkrieg. So ein Erlebnis muss erst mal ein Kind verarbeiten, das geht nicht so einfach. Kinder und Eltern aus solchen Ländern sind traumatisiert.
Dann Kinder aus zerütteten Ehen. Kinder denen die Eltern nicht bei den Hausaufgaben helfen können. Kinder die in schlechten Wohnverhältnissen leben ,z.B. 6 köpfige Familie in einer zwei-Zimmer-Wohnung an einer Hauptverkehrsstraße. Wie soll sich da ein Kind konzentrieren können. Kinder die nicht gelernt haben sich zu artikulieren sondern nur Gewalt zuhause erfahren haben usw.
Ich denke man muss genauer hinsehen um welche Kinder es sich da handelt. Eigentlich wäre eine Einzelbetreuung für jedes Kind notwendig. Das ist aber utopisch.
ayyıldız66
09.03.07, 22:29
Welche Ursache auch sonst. Alles auf den Staat oder "Diskriminierung" zu schieben ist zu kurz gedacht.
Kindergartenpflicht ab dem vierten Lebensjahr inklusive Deutschkursen. Da ja auch deutsche Kinder aus den unteren Schichten immer schlechter Deutsch sprechen, schadet das niemandem. Alles auf die mangelnde und fehlende Deutschkenntnisse zu schieben, ist krank. Mich interessiert es auch nicht, wenn Deutschland Probleme mit den niedrigen Sozialbeiträgen hat.
ayyıldız66
09.03.07, 22:31
@hallo Es geht um die Migranten, und nicht jeder Migrant kommt aus dem Katastrophengebiet oder aus einer zerrütteten Familie.
Ich denke so blauäugig, dass wir erwarten können, dass der Staat das Geld dafür locker machen wird, sollte man nicht sein.
Ich könnte mir zum Beispiel gut vorstellen, bei GAZI, YAYLA und AKBAS Müzik Sponsoren zu finden, um diese Kinders Heimatnah durch Schüler, die schon weiter sind in Form von Workshops zu unterstützen...schließlich sind die Eltern deren Kunden...
Auch wäre es günstig Sozialarbeiter mit Migrationshintergrund am besten ehrenamtlich, wenn nicht , dann finanziert durch Spenden einzuschalten, wenn es Probleme in der Schule gibt oder das Kind herabgestuft werden soll...
was könnte man noch tun?
Wievielen kann man denn damit helfen? Es müßte im großen Stil passieren u. das funktioniert nur über Proteste, Streiks,Demonstartionen. Aufmerksamkeit erzeugen ist das einzige mittel, denn diese finanziellen Mittel und die Manpower die du dazu brauchst (u. zwar für eine lange Zeit) wird du nur schwerlich bekommen.
karasevda75
09.03.07, 22:33
so eine aktion kann man nur begrüßen karasevda, aber wie könnte man an die herrschaften drankommen? sie anschreiben ihnen das konzept unterbreiten und abwarten.........türk danis dedigimiz kurumlar, bugüne ne dek ne yaptilar gladbach´da biliyonmu? bi mok yapmadilar, aldiklari paralari ceplerine attilar ve
tr´de kendilerine yazlik üstüne yazlik yaptirdilar, türk usulü almanlara kazik attilar.....:( milletin gözlerini boyadilar, ayda bi kere eglence düzenlendi, ondan baska da bi mok olmadi......halka hizmet etmekdense suratlarina tükereyim!
falls es zu solch einem workshop kommen sollte, bin ich bereit ehrenamtlich was beizutragen! bin dabei keine frage ;)
dir wäre dann aber schon klar, dass dies bedeuten würde weniger Freizeit und keine Bezahlung?
Ich finde auch Türkdanis ist mehr ein aufgestülptes Konstrukt aus der Türkei, mich würden eher die zweiten und nächsten Generationen interessieren, die als Lehrerinnen in der Hauptschule oder Grundschule tätig sind, die jetzt in der Materie sind...mich würden die Kita-Mitarbeiter interessieren, die einen Migrationshintergrund haben...
mit denen könnte man arbeiten... es gibt in allen Bundesländern solche Programme, die nur regional angewendet werden... mich würden diese interessieren.
karasevda75
09.03.07, 22:39
@Karasevda
so wie ich das schon mitgekriegt habe, werden meistens Kinder herabgestuft die auffällig sind; und die Lehrer nicht damit umzugehen wissen, meiner Meinung nach.
Das Beispiel von dir am Angang mit dem Mädchen Naomi ist bestimmt auch so ein Fall. Sie ist aus dem Kongo. Im Kongo ist Bürgerkrieg. So ein Erlebnis muss erst mal ein Kind verarbeiten, das geht nicht so einfach. Kinder und Eltern aus solchen Ländern sind traumatisiert.
Dann Kinder aus zerütteten Ehen. Kinder denen die Eltern nicht bei den Hausaufgaben helfen können. Kinder die in schlechten Wohnverhältnissen leben ,z.B. 6 köpfige Familie in einer zwei-Zimmer-Wohnung an einer Hauptverkehrsstraße. Wie soll sich da ein Kind konzentrieren können. Kinder die nicht gelernt haben sich zu artikulieren sondern nur Gewalt zuhause erfahren haben usw.
Ich denke man muss genauer hinsehen um welche Kinder es sich da handelt. Eigentlich wäre eine Einzelbetreuung für jedes Kind notwendig. Das ist aber utopisch.
so ist das in den Fällen, die ich beruflich mitbekomme, nicht gewesen...
das waren ausnahmslos sehr besorgte Eltern, die besorgt um ihre Schützlinge zu mir kamen und um Rat fragten, die wirkten auch nicht gewalttätig, mal abgesehen davon bin ich selber in einer 2 Zimmerwohnung aufgewachsen und trotzdem was geworden ohne irgendeine Betreuung...
ich erlebe sehr oft Eltern, die überfordert sind, die ihren Kindern nicht bei den Hausaufgaben helfen können... da ist auch mangelnde Kontrolle der Hausaufgaben nicht weit....zumal die Kinder, wie alle Kinder tricksen
mir fehlte auch beim nachtelefonieren in der Schule, das Kämpfen um ein Kind, ich finde diese Kinder werden zu schnell aufgegeben...
da stelle ich mir Hilfsstrukturen vor, die aber ehrenamtlich und nicht staatlich getragen werden müssen.
dir wäre dann aber schon klar, dass dies bedeuten würde weniger Freizeit und keine Bezahlung?
Ich finde auch Türkdanis ist mehr ein aufgestülptes Konstrukt aus der Türkei, mich würden eher die zweiten und nächsten Generationen interessieren, die als Lehrerinnen in der Hauptschule oder Grundschule tätig sind, die jetzt in der Materie sind...mich würden die Kita-Mitarbeiter interessieren, die einen Migrationshintergrund haben...
mit denen könnte man arbeiten... es gibt in allen Bundesländern solche Programme, die nur regional angewendet werden... mich würden diese interessieren.
keine sorge sevda, hab dessöfteren ehrenamtlich hier und da mit angepackt ;)
und an einem solchen projekt welches du ansprichst, wäre ich sehr interessiert, und wenn man unterstützen und menschen aus miseren "raushelfen" kann, warum nicht?
eine helfende hand ist vieles wert als geld ;)
halt mich bitte auf´m laufenden oder aber wir bequatschen das ma bei einer tasse cay :D
karasevda75
09.03.07, 22:44
keine sorge sevda, hab dessöfteren ehrenamtlich hier und da mit angepackt ;)
und an einem solchen projekt welches du ansprichst, wäre ich sehr interessiert, und wenn man unterstützen und menschen aus miseren "raushelfen" kann, warum nicht?
eine helfende hand ist vieles wert als geld ;)
halt mich bitte auf´m laufenden oder aber wir bequatschen das ma bei einer tasse cay :D
hey ich arbeite dran :lach: du weisst, bei mir muss alles gleichzeitig sein.
Da kann ich nur folgendes sagen:
Das deutsche Schulsystem ist sehr sehr selektiv, im negativen Sinne...Eine Fehlentscheidung des Lehrers und der Schüler muss härter an seiner Schulkarriere kämpfen als andere Kinder..
- Chancenverteilung in der Bildungsexpansion
Die Wahrscheinlichkeit, zu einer dieser beiden hier gegenübergestellten bzw. zu den dazwischen rangierenden Gruppen zu gehören, ist keineswegs für alle Teilgruppen der Gesellschaft gleich. Das damit angesprochene Ausmaß von Gleichheit und Ungleichheit lässt sich unter Bezug auf eine ‚Kunstfigur’ beschreiben. Früher galt das ‚katholische Arbeitermädchen vom Lande’ gleichsam als Inkarnation aller denkbaren Ungleichheiten im Bildungssystem. Es sollte auf vier Ungleichheiten aufmerksam machen
- konfessionelle
- schichtspezifische
- geschlechtsspezifische
- regionale Unterschiede
Die Entwicklungen in diesen vier Feldern sind seither sehr unterschiedlich verlaufen. Im Vorgriff lässt sich feststellen, dass konfessionsspezifische Ungleichheit völlig an Bedeutung verloren hat, während die Ungleichheit zwischen deutschen Kindern und Kindern fremder Ethnien zu einem neuen und bedeutenden Element gesellschaftlicher Ungleichheit geworden ist.
- Andauernde Ungleichheit zwischen den sozialen Schichten
Dem Anspruch des demokratischen Sozialstaates, jedem seiner Mitglieder unabhängig von seiner Herkunft gleiche Lebenschancen zu bieten, stand die gesicherte Feststellung einer schichtspezifischen Zuteilung von Bildungs- und damit Lebenschancen entgegen. Diese Ungleichheit ist auch Ende der achtziger Jahre, also fünfundzwanzig Jahre nach Beginn der Reformdebatte, erheblich. Repräsentative Daten liefern – mit zahlreichen Einschränkungen
- die Mikrozensusauswertungen (im Folgenden werden die der Jahre 1987, 1989 und 1998 herangezogen)
- das sozioökonomische Panel
- die Sozialerhebungen des Deutschen Studentenwerkes
- das von ‚Infratest Burke Sozialforschung‘ erstellte Berichtssystem Weiterbildung
- neuerdings die PISA-Studie
- Zum Elementarbereich:
Die Auswertung des Mikrozensus’ 2000 zeigt für Deutschland, dass es bei der Beteiligung am Kindergarten und am Hort keine starken schichtspezifischen Ausdifferenzierungen gibt.
- Zum Sekundarbereich I:
1989 wurde im Rahmen der Mikrozensus-Befragung zum letzten Mal erfragt, welche Bildungswege der Sekundarstufe I Jugendliche im entsprechenden Alter besuchen. Die Befunde weisen auf eine damals noch sehr ausgeprägte schichtspezifische Verteilung der Bildungschancen hin:
- So besuchten nur 11% der Kinder aus Arbeiterfamilien ein Gymnasium (gesamte Bevölkerung 29%) gegenüber 58% der Kinder aus Beamtenfamilien.
- Bei der Realschule dagegen entspricht die Beteiligungsquote der Arbeiterkinder mit 26% in etwa der der Gesamtpopulation (26%).
- Zur Hauptschule wechseln nur 13% der Beamten-, aber 58% aller Arbeiterkinder.
Es wäre mehr als voreilig, die gemessenen schichtspezifischen Ausprägungen bei der Bildungsbeteiligung aus der ökonomischen Lage der jeweiligen Familien zu erklären. Eine ältere Auswertung des Mikrozensus’ 1987 hat gezeigt, dass innerhalb vergleichbarer Einkommensgruppen die Bildungsbeteiligung mit der Stellung des Berufs des Familienvorstandes variiert: In jeder der drei bei der Untersuchung ausgewählten Einkommensgruppen ist die Bildungsbeteiligung der Arbeiterkinder deutlich geringer als die der Kinder aus Angestellten- und Beamtenfamilien.
Dass es sich bei den Daten vom Ende der achtziger Jahre nicht um längst überholte Werte handelt, lässt sich mit Hilfe einer Auswertung des sozioökonomischen Panels belegen. Diese Daten, die sich auf Durchschnittswerte der Jahre 1986 bis 1996 beziehen, bestätigen die Ergebnisse des Mikrozensus 1989: Beim Gymnasium etwa findet sich eine Spannweite, die von 17% bei den Arbeiterkindern bis hin zu 74% bei den Kindern von Beschäftigten im öffentlichen Dienst reicht. Auch hier bietet sich bei der Hauptschule das umgekehrte Bild.
Dass die schichtspezifische Ausprägung der Bildungsbeteiligung kein unveränderbarer Tatbestand sein muss, belegt die Ende 2000 vorgelegte PISA-Studie. Bei den 15-Jährigen findet sich in jedem der 31 Länder ein unverkennbarer Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft und den individuell erreichten Testleistungen. In keinem ist dieser Zusammenhang aber so eng wie in Deutschland.
Die Autoren der deutschen PISA-Studie machen für das schichtspezifische Auseinanderklaffen der Testleistungen auch die deutsche Schulstruktur mit ihrer frühen Aufteilung der Schülerinnen und Schüler auf unterschiedliche Schultypen verantwortlich.
- Zum Sekundarbereich II:
Da der Mikrozensus im Bereich der Sekundarstufe II die Beteiligung an unterschiedlichen Bildungswegen weiterhin abfragt, lässt er sich hier auch wieder mit aktuellen Daten heranziehen. Sie belegen, dass 1998 auf der einen Seite 22% der Arbeiterkinder, aber 64% der Beamtenkinder in den zur Fachhochschulreife oder zur allgemeinen Hochschulreife führenden Bildungswegen lernten.
- Zum Hochschulbereich:
Die Schichtspezifik der Bildungsbeteiligung der Oberstufe setzt sich ungebrochen beim Zugang zu Fachhochschulen und Universitäten fort. Die Daten zur Bildungsbeteiligung der 19- bis 24 Jährigen, die in der 16. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes dokumentiert sind, belegen dies eindringlich: Während 2000 von den Beamtenkindern 54% Universitäten und weitere 19% Fachhochschulen besuchten, fanden im gleichen Jahr nur jeweils 6% der Arbeiterkinder den Weg zu Fachhochschulen und Universitäten. Daten zu schichtspezifischen Hochschulabschlussquoten liegen bedauerlicherweise nicht vor.
- Zum Bereich der Weiterbildung:
Ein weiteres und was die Stufen des Bildungssystems angeht letztes Mal finden wir das nun schon vertraute Muster schichtspezifischer Bildungsbeteiligung im Bereich der Weiterbildung. Eine Analyse dieses Bereichs zeigt, dass 1997 hinsichtlich der Beteiligung an der allgemeinen ebenso wie an der beruflichen Weiterbildung die schon bekannte Stufung von der Gruppe der Arbeiter (40%) über die der Selbständigen (55%) und Angestellten (63%) hin zu der der Beamten (72%) zu verzeichnen ist. Auffallend daran ist, dass diese Weiterbildungsbeteiligung auf einem sehr hohen Niveau stattfindet und dass die schichtspezifischen Unterschiede gegenüber denen in den allgemein bildenden Schulen und in den Hochschulen erkennbar schwächer ausgeprägt sind.
- Zu beruflichen Karriereaussichten:
In einer neueren Untersuchung haben die Darmstädter Soziologen Hartmann und Kopp den weiteren Berufsweg von 6.500 promovierten Ingenieuren, Juristen und Wirtschaftswissenschaftlern verfolgt. Für diese Untersuchung wurden zur Bestimmung der sozialen Herkunft der Promovierten drei Untergruppen gebildet. Das Untersuchungsergebnis ist ernüchternd:
In Führungspositionen von Unternehmen waren aus den untersuchten Promotionsjahrgängen aus der Gruppe derer mit der sozialen Herkunft
- ‚Arbeiterklasse/Mittelschicht‘ 9%
- ‚gehobenes Bürgertum‘ 13%
- ‚Großbürgertum‘ 19% gelangt
Betrachtet man nur die Führungspositionen in Spitzenunternehmen, so fällt die herkunftsspezifische Verteilung noch deutlicher aus:
- 2% aus der Gruppe ‚Arbeiterklasse/Mittelschichten‘
- 4% aus dem ‚gehobenen Bürgertum‘
- 6% aus dem ‚Großbürgertum‘
Während die Chancen von Kindern aus dem ‚Großbürgertum‘, in diese Positionen zu gelangen, in den 50ger Jahren noch 1,9 mal so hoch waren wie die Chancen der Kinder aus der ‚Arbeiterklasse/Mittelschicht‘, waren ihre Chancen Mitte der siebziger Jahre fünfmal höher.
-
- Die neuen Benachteiligten: Die Kinder der Arbeitsmigranten
Seit dem Ende der sechziger und frühen siebziger Jahre hat sich eine zusätzliche Gruppe gebildet, die im Schulsystem insgesamt benachteiligt ist: Dies sind die etwa 1,16 Millionen ausländischen Kinder und Jugendlichen (2000), die 9% aller Schülerinnen und Schüler in Deutschlands Schulen stellen. Sie sind überproportional in Sonder- und Hauptschulen und unterproportional in Realschulen und Gymnasien vertreten.
Das Ausmaß ihrer ungleichen Bildungsbeteiligung drückt sich in den von ihnen erreichten Schulabschlüssen aus: 2000 erreichten 18% von ihnen keinen Schulabschluss (Deutsche: 9%), 42% erreichten einen Hauptschulabschluss (Deutsche: 29%), 32% einen mittleren Abschluss (Deutsche: 50%) und 13% die allgemeine oder die Fachhochschulreife (Deutsche: 40%).
Dieses Zurückbleiben beim Erlangen von Schulabschlüssen führt zu dem bereits beschriebenen hohen Anteil junger Ausländer ohne abgeschlossene Berufsausbildung.
Eine weitere Analyse der Bildungsbeteiligung und der schulischen Erfolge der Kinder von Arbeitsmigranten bietet die PISA-Studie. Für alle Kompetenzbereiche ergab sich, dass Jugendliche ohne Migrationsgeschichte und Jugendliche mit einem in Deutschland geborenen Elternteil in ihren Schulleistungen kaum zu unterscheiden sind, dass aber Jugendliche, deren Eltern beide außerhalb Deutschlands zur Welt gekommen sind, dramatisch schlechtere Leistungen erbringen.
- Die Folgen: Bildungsbeteiligung und Lebenschancen
Innerhalb der Expansion der Bildungsbeteiligung ist es nur teilweise gelungen, dem im Grundgesetz verankerten Chancengleichheitsgebot nachzukommen. Die so offensichtlich ungleiche Verteilung von Bildungschancen trägt in einem erheblichen Umfang zu einer ungleichen Verteilung von Lebenschancen bei und bestimmt somit den weiteren Lebensweg. Dies soll exemplarisch für die Bereiche
- ‚Bildungsteilhabe und Erwerbsarbeit’
- ‚Bildungsteilhabe und Orientierungsvermögen’ gezeigt werden.
Die Auswirkungen eines ‚hohen’ Schulabschlusses für die Teilhabe am Erwerbsleben sind unverkennbar: Sie zeigen sich beim Eintritt in eine Berufsausbildung, bei der Teilhabe an Erwerbsarbeit und beim erzielbaren Einkommen. Gerade in Phasen des Ausbildungsplatzmangels wird deutlich, wie stark die Chancen, einen Ausbildungsplatz zu erhalten, mit dem erworbenen Schulabschluss zusammenhängen.
So erhielt Ende der 1990er Jahre von den Schulabsolventen ohne Schulabschluss lediglich ein Sechstel einen Ausbildungsplatz.
1998 betrug die Arbeitslosenquote in Deutschland insgesamt 11%. In der Gruppe der Erwerbstätigen ohne formalen Berufsbildungsabschluss lag sie dagegen bei 26%, bei den Erwerbstätigen mit Hochschulabschluss dagegen bei ‚nur’ 3%.
Schließlich schlagen sich Schul- und Berufsausbildung im erzielbaren Einkommen nieder.
Die Folgen ungleicher Bildungsbeteiligung bleiben aber keineswegs auf den ökonomischen Bereich beschränkt. Die Teilhabe an Bildung stellt den Einzelnen kognitive Kompetenzen zur Verfügung, die auch als Orientierungswissen in einem komplexer werdenden Alltag von hoher Bedeutung sind. Dies soll mit drei Beispielen belegt werden:
Im Verlauf der Bildungsexpansion konnte die Bildungsbeteiligung der Mädchen drastisch gesteigert werden. Dies hat zu einer Stärkung ihrer individuellen Orientierungsmöglichkeiten beigetragen.
Ähnlich deutlich wirkt sich die gesteigerte Bildungsbeteiligung im Gesundheitsbereich aus. Das im Bildungssystem erworbene kulturelle Kapital wirkt sich unmittelbar als Wissen über Gesundheitsrisiken und als Kompetenz, gesundheitsbewusst zu leben, direkt aus. Höhere Bildung ermöglicht so insgesamt eine gesundheitsgerechtere Lebensführung. Nach Untersuchungen aus Frankreich liegt die künftige Lebenserwartung eines 35-jährigen Professors fast neun Jahre über der eines gleichaltrigen Hilfsarbeiters.
Auch im Bereich der politischen Partizipation verweisen empirische Befunde auf einen unübersehbaren Zusammenhang zwischen z. B. politischem Interesse und individuell erreichten Bildungsabschlüssen. Das politische Interesse über 18-Jährige steigt mit der Höhe des Schulabschlusses.
hey ich arbeite dran :lach: du weisst, bei mir muss alles gleichzeitig sein.
Karasevda jeder dem Kinder wichtig sind kann da mithelfen, und den Staat sollte man außen vor lassen. Mein Mutter hilft einem italienischen Kind zur Zeit bei den Hausaufgaben. Find ich toll.
karasevda75
09.03.07, 22:57
Da kann ich nur folgendes sagen:
Das deutsche Schulsystem ist sehr sehr selektiv, im negativen Sinne...Eine Fehlentscheidung des Lehrers und der Schüler muss härter an seiner Schulkarriere kämpfen als andere Kinder..
gökcen, wenn ich mir diese Palette ansehe, muss ich wohl ein Weltwunder gewesen sein...ich finde es sehr schade, dass es so ist, aber ich möchte nicht mehr nur zusehen...
früher als ich noch Schülerin war, gabe ich Kindern aus der nachbarschaft Nachhilfeunterricht, ich habe die kleinen richtig gequält, bis sie vor ihren Heften einschliefen...aber sie sind jetzt alle Studenten geworden... obwohl die Lehrer ihnen allesamt gesat hatten, dass man doch auch in einem Lehrberuf glücklich werden kann und doch nicht jeder studieren muss...
mir hatten meine Lehrer damals andere Dinge gesagt, sie hatten sogar meine Eltern zu Hause besucht, als die mich in die Türkei schicken wollten in ein Internat...
die haben damals tatsächlich um mich gekämpft, auch ich habe damals als Nachhilfelehrerin, um meine Schüler gekämpft und sehe jetzt wie gut das damals war.
aber, ich wünsche mir eine weniger punktuell gestrickte Hilfe, am besten koordiniert in zusammenarbeitetenden Vereinen in allen Bundesländern
so dass diese Kinder wirklich eine echte Chance bekommen...
auch wenn es sicher nicht gleich überall ziehen wird, müssen wir irgendwo einen Anfang wagen, sonst werden diese Generationen verschwendet...
deryatulga
09.03.07, 23:08
gökcen, wenn ich mir diese Palette ansehe, muss ich wohl ein Weltwunder gewesen sein..
Das bist du auch, keine falsche Bescheidenheit!:aferin:
Ich denke so blauäugig, dass wir erwarten können, dass der Staat das Geld dafür locker machen wird, sollte man nicht sein.
Ich könnte mir zum Beispiel gut vorstellen, bei GAZI, YAYLA und AKBAS Müzik Sponsoren zu finden, um diese Kinders Heimatnah durch Schüler, die schon weiter sind in Form von Workshops zu unterstützen...schließlich sind die Eltern deren Kunden...
Auch wäre es günstig Sozialarbeiter mit Migrationshintergrund am besten ehrenamtlich, wenn nicht , dann finanziert durch Spenden einzuschalten, wenn es Probleme in der Schule gibt oder das Kind herabgestuft werden soll...
was könnte man noch tun?
so im bypass mein Senf...
Eigeninitiative der Eltern ist auch gefragt, immer auf staatlichen Orga`s und Unterstützung zu warten, rufen oder hoffen, bringt den Kindern nichts..
ich würde es ungefähr so privat organisieren
die betroffenen Eltern einer Stadt/Landkreises treffen sich alle auf einem Meeting und erarbeiten einen Plan, suchen jemanden der die Orga übernimmt um evtl. gemeinsame Programme zum Nutzen der Kinder zu erstellen.
Bei dem Plan geht es darum, was jeder tun kann ohne daß er sein normales Leben hergeben muß, also Selbsthilfe im vernünftigen Rahmen...da braucht man am Start keinen Sozialarbeiter für...
dann wenn man sich einig ist, macht man an einen Nachmittag am Wochenende ein paar Stunden mit den betroffenen unterforderten Kindern checkups, dazu lädt man am besten eine namhafte Kinderpsychologin, die Bildzeitung, SAT 1 und andere Medien ein....thematisiert das Ganze an konret sichtbaren unterforderten Kindern.
Politiker müssen sich selbst einladen wenn sie mithelfen wollen....^^ Spaß
beiseite, man verschickt natürlich auch Einladungen an Verantwortliche des Landesschulamts....
natürlich kann bei so etwas jeder mithelfen, dem Kinder nahe stehen!
Jedes Kind, das in einer Förderschule unterfordert wird, ist zuviel!
@komiker: Ich hoffe du überschätzt die Eltern nicht.
karasevda75
10.03.07, 12:54
genau das ist es tatsächlich, ich erlebe Eltern größtenteils völlig überfordert und denke nicht, dass die Eltern die richtigen Ansprechpartner eines solchen Projektes sind...denn wenn sie das davor schon gekonnt hätten, dann gäbe es diese Probleme nicht...
ich denke da eher an Schüler aus der Oberstufe von Gymnasien, Fachhochschulen, Studenten...angehende oder schon aktive Sozialarbeiter, weil ohne die fast nix mehr geht...erst als meine Sozialarbeiter-Kollegin sich darum persönlich kümmerte, gingen die Türen an Ämtern oft auf für die Eltern...
alles gar nicht so einfach...
eger sonderschule olayini elle alacak olursak , bence bu zadece bilincli almanyanin politikasinin bir parcasi.
özelliklede (benim düsüncem) türk cocuklarin ,genclerin berli bir eytim seviyesine gelmemeleri icin,almanlardan ve ab ülkelerdeki cocuklarda daha geri kalmalarini saglamak icin bir uygulama olarak görüyorum !
bunu ben kendim sahit oldum uni lerde de gördüm. bir türk cok iyi bir notlarla ne yazsik ki uni ye giremiyor ,ama daha kötü notlara sahip olan bir alman,avrupali uniye gire biliyor !
berlinde ne yazikki bu "sonderschule " olayi ilerlemis durumda ve okula yazilan cocuklarin ( türk ) her ikisinden biri sonderschuleye gönderiliyor, ugrasmamak icin , ilgilenmemek icin .
orda kendi kaderlerine terk edilmis ve hic bir zamanda bir is piyasazinda sanslari olmayacak ( ausnahmeler haric elbet )
bu yüzden berlinde özel türk okulu kuruldu , durumu iyi olan ailleler cocuklarini gönderiyor ama olmayanlarinki mahlum !
bu isin caresi ap acik ortada bence , almanyada tamamen umdenken yapilmasi gerekir , artik türklerin 3 hatta 4 kusagin da var oldugunu ve böyle politiklarla , uygulamalarla türklerin ilerlemesini engeliyemiyeceklerini kabülenmeleri gerekir .
bu olay böyle devam etdikce daha nice zekali ve verimli cocuklarimiz bir hic ugruna yanacaklar, bu yanlis politikalarin kurbani olacaklar !
yalniz beni sasirtan baska bir olay daha var , oda hic bir türk kökenli alman politikacilarin bu konuya deyinmemesi ! ( ben duymadim hic , duyan var ise beni aydinlatsin bu konuda )
bir alman ögretmen bir alman politikaci ( az sayidada olsa )daha aktif bu konuda , ama fazla aktif olundugunda sonuc yine mahlum, ayak kaydirilir is biter !
bir alman cocuk konusamadiginda almancayi , özel sprachschule ye gönderilliyor , wo spezialisten sind. ama bir türk cocugu almancayi konusamadiginda hemen sonderschule ye , sizce neden ?
türkyeden almanya zamaninda isci sinifinda insanlar istedi, keine fachkräfte ! ( ausnahmeler haric ) ve bu olayi bir sekilde devam uyguluyorlar !
saygilarimla
deryatulga
10.03.07, 16:20
35 Yildan fazla oluyor, bu Sonderschule olayini simdi ölmüs olan taninmis bir Türk gazetecisine anlatarak olayi kamuoyuna yansitmasini istemistim. Adamin cevabi: "Secmezler mi Ecevit'i, oh olsun, sürünsünler!" Ecevit sonra bir degil, bir kac defa dümenin basina gecti, Sonderschülerlerin sayisi da arttikca artti. Ne diyelim simdi?
genau das ist es tatsächlich, ich erlebe Eltern größtenteils völlig überfordert und denke nicht, dass die Eltern die richtigen Ansprechpartner eines solchen Projektes sind...denn wenn sie das davor schon gekonnt hätten, dann gäbe es diese Probleme nicht...
ich denke da eher an Schüler aus der Oberstufe von Gymnasien, Fachhochschulen, Studenten...angehende oder schon aktive Sozialarbeiter, weil ohne die fast nix mehr geht...erst als meine Sozialarbeiter-Kollegin sich darum persönlich kümmerte, gingen die Türen an Ämtern oft auf für die Eltern...
alles gar nicht so einfach...
Wie alt sind die Eltern denn? Ich dachte an Gleichbehandlung und Gleichberechtigung nicht nur für die Kinder, auch
für die Eltern
damit sie die Chance haben mitzumachen, muß man sich bemühen sie einzubeziehen und zwar primär!
Ich meine, die sind doch noch keine 50 Jahre die Eltern mit 12 jährigen Kindern, viele der Eltern sind doch gerade mal um die 30 Jahre?
Eure Vorschläge sind mit Sicherheit durchdachter als mein bypass, aber ich bekomme eine Gänsehaut beim Gedanken so etwas liefe an den Eltern vorbei
übrigens, ist ja auch mit hochbegabten Kindern so, man muß als Eltern wirklich aufpassen, daß über die Kinder nicht einfach von staatlich zertifizierten Berufsgruppen verfügt wird !
karasevda75
10.03.07, 20:19
Wie alt sind die Eltern denn? Ich dachte an Gleichbehandlung und Gleichberechtigung nicht nur für die Kinder, auch
für die Eltern
damit sie die Chance haben mitzumachen, muß man sich bemühen sie einzubeziehen und zwar primär!
Ich meine, die sind doch noch keine 50 Jahre die Eltern mit 12 jährigen Kindern, viele der Eltern sind doch gerade mal um die 30 Jahre?
Eure Vorschläge sind mit Sicherheit durchdachter als mein bypass, aber ich bekomme eine Gänsehaut beim Gedanken so etwas liefe an den Eltern vorbei
übrigens, ist ja auch mit hochbegabten Kindern so, man muß als Eltern wirklich aufpassen, daß über die Kinder nicht einfach von staatlich zertifizierten Berufsgruppen verfügt wird !
nicht an ihnen vorbei, sondern so dass man die eltern abholt, wo sie eben stehen und nicht mit "normalen" forderungen überfordert.
nicht an ihnen vorbei, sondern so dass man die eltern abholt, wo sie eben stehen und nicht mit "normalen" forderungen überfordert.
klar, Du mußt das besser wissen, Du hast verstanden um was es mir geht.
Ich habe auch nur reflektiert und nicht den Beitrag studiert, einfach die ersten Gedanken raus als Elternteil eines schwierigen Kindes, meiner ist zwar nicht Förderschul-gefährdet aber trotzdem muß ich wachsam sein.
klar, Du mußt das besser wissen, Du hast verstanden um was es mir geht.
Ich habe auch nur reflektiert und nicht den Beitrag studiert, einfach die ersten Gedanken raus als Elternteil eines schwierigen Kindes, meiner ist zwar nicht Förderschul-gefährdet aber trotzdem muß ich wachsam sein.
Hallo Komiker,
bist Du männlich/weiblich? Vom Nick her kann ich das nicht beurteilen:)
"Schwieriges Kind" erinnert mich gerade an die Aussage meiner Mutter/ihrer Freundin in Bezug auf mich früher....
Gehe doch mit Deinem Sohn in eine Familientherapie - nur als Denkanstoß.
Gruß
Ich war letzte Woche auf dieser Veranstaltung (http://www.politikcity.de/forum/showthread.php?p=299550&highlight=Murat+Vural#post2995 50). Eine kleine, ca. 60 Teilnehmer, aber feine und sehr interessante Veranstaltung. Das zu über 90% deutsche Publikum bestand bis auf zwei, drei Ausnahmen nicht aus „Hochnäsigen“, sondern aus Leuten, die sich meist aus beruflichen Gründen wirklich Gedanken machen, wie die Situation verbessert werden kann und die sich manchmal fragen, warum ihre eigentlich gut gemeinte Aktionen ggf. ins Gegenteil umschlagen.
Die Antwort hat m.E. Murat Vural gegeben, als er das Problem des Respektschaffens zwischen Schülern und den für seinen Vereinen tätigen Lehrkräften erklärte. Stehen sich in den ersten Stunden Kinder ausländischer Herkunft und deutsche „Lehrer“ gegenüber, klappt es nicht. Sind jedoch Schüler und Lehrer gleicher Herkunft, entsteht dieses Respektverhältnis und besteht weiterhin, wenn andere Nationalitäten sowohl bei den Schülern als auch bei den Lehrern dazu kommen.
Murat Vural und der für Pressearbeit zuständige Vereinsmitglied Erkan (sorry ich habe mir den Nachnamen nicht gemerkt) erzählten zunächst von ihren schwierigen Schullaufbahnen. Um so bemerkenswerter ist es, dass beide heute Akademiker sind, Murat Vural promoviert zur Zeit im Fach Elektroingenieur.
Anschließend schilderte Murat Vural mit viel Leidenschaft die Arbeit und Ziele seines Vereins, wie die Idee gekommen ist, mit welchen Hürde er am Anfang und immer noch zu kämpfen hat, welche Visionen er hat. Ihm ist wichtig, den heutigen Kindern nicht nur Bildung sondern auch die Wichtigkeit von Bildung beizubringen, denn sie sind die Eltern von morgen. Das Einbinden der Eltern dieser Kinder ist zwar in seinen Augen erstrebenswert, jedoch nicht das Hauptziel. Das alles kann man aber am besten auf der Homepage des Vereins nachlesen: http://www.ibfs-ev.org/index.php?option=com_frontpage&Itemid=1 (http://www.ibfs-ev.org/index.php?option=com_frontpage&Itemid=1)
Anfangs war keine Schule an sein Konzept interessiert, so dass die ersten Nachhilfestunden mit ein paar Schülern in den Moscheenräumen stattfanden. Erst als es innerhalb von 2-3 Monaten 30 Schüler wurden, zeigte sich eine Schule bereit, Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Inzwischen kooperieren 7 Schulen mit dem Verein, wobei man für den Gewinn einer neuen Schule mit 9 bis 12 Monaten rechnen muss.
Während und nach der Veranstaltung dachte ich oft an die Frage von Karasevda „wie könnten wir unseren Kindern helfen, nicht in diese Fallen zu tappen?“, und auch daran, dass man nicht immer vom neuen das Rad erfinden muss! Warum nicht von der Erfahrung des IBFS profitieren, um bekannte Klippen umzuschiffen, denn es gibt bei solchen Projekten bekanntlich noch genügend.
Hier noch einen Artikel über Murat Vural und seinem Verein:
"Es ist so vieles möglich"
Für Murat ist Bildung für alle das Wichtigste
Von Stephanie Lachnit
"Es genügt nicht, den Politikern einen Brief zu schreiben", findet Murat Vural. Also packte er selbst an und gründete den Interkulturellen Bildungs- und Förderverein für Schüler und Studenten, kurz IBFS. Denn "Bildung ist die Voraussetzung für eine gelingende Integration", so der 31-jährige Diplom-Ingenieur aus Bochum. "Mir ist wichtig, dass alle die selben Startchancen bekommen."
"Wir haben 15 Millionen Migranten in Deutschland. Das ist Potential."
42 Prozent der Migranten machen den Hauptschulabschluss, nur neun Prozent das Abitur. Für die meisten Kinder aus Einwandererfamilien versperren meist schlechte Deutschnoten den erfolgreichen Schulweg. Murat selbst hat es von der Hauptschule aufs Gymnasium geschafft, weil er eifrig war, hat Abitur gemacht, studiert und steht jetzt kurz vor seinem Doktortitel in Plasmatechnik. "Trotz meines Migrationshintergrundes habe ich promoviert. Das zeigt doch, was alles in Deutschland möglich ist."
Seine Überzeugung motivierte Murat Vural vor drei Jahren dazu, den Verein zu gründen. Die Idee: Nachhilfeunterricht auf Augenhöhe, Nachhilfeunterricht von Migranten für Migranten. "Wir sind keine Lehrer. Wir sind Ersatzbrüder und Ersatzschwestern für die Kinder", erklärt Murat das Prinzip. Zu den Nachhilfestunden sind Exkursionen gekommen, werden Elternabende angeboten und sogar Vorträge an Unis gehalten. "Es gibt 15 Millionen Migranten in Deutschland. Das kann man doch nutzen, da ist Potential", meint er. Mittlerweile hat der Vereine Ausmaße eines mittelständischen Unternehmens angenommen. "Wir betreuen heute 200 Kinder an fünf Schulen in Castrop-Rauxel, Bochum und Schwerte und mit insgesamt 75 ehrenamtlichen Helfen", zählt Murat stolz auf. Und das Interesse am IBFS wächst und wächst. Herne und Gelsenkirchen kommen noch diesen Monat dazu.
Montag, 12. Februar 2007:
Dreisatzrechnen in Castrop-Rauxel
10 Euro für 16 Unterrichststunden Nachilfe im Monat
Heute ist ein typischer Montag für Murat. Der Terminplan ist voll, der Tag lang. Von 17 bis 21 Uhr wird er in der Janusz-Korczak-Gesamtschule in Castrop-Rauxel sitzen und Mathe-Nachhilfe geben. Innerhalb der vier Abendstunden werden insgesamt 80 Schüler aller Klassenstufen zur Nachhilfe kommen - wie jeden Montag und Donnerstag. "Wir machen aber keinen klassischen Unterricht. Wir helfen, wo sie uns brauchen", erklärt Murat. Das kann eine eins-zu-eins-Betreuung in Dreisatzrechnen sein oder Deutschnachhilfe für eine Gruppe von 30 Sechs- und Siebtklässlern.
Ausgezeichnet!
Der IBFS wird im Januar 2007 bei der Aktion "Deutschland - Land der Ideen" ausgezeichnet. Außerdem bekommt der Verein den "Start Social"-Preis der Bundesrepublik, und Murat Vural wird von der Organisation Ashoka zum Sozialunternehmer Deutschlands ernannt.
Die Gesamtschule in Castrop-Rauxel war die erste Projektschule des IBFS, gestartet vor zweieinhalb Jahren. Die Bilanz kann sich sehen lassen. "Klar, die Noten werden besser. Aber für mich ist wichtiger, dass die Kinder gerne zur Schule gehen. Sie bauen Blockaden ab, weil ihre Sprache besser wird und sie sehen, dass sie Fortschritte machen. Sie geben nicht mehr auf", fasst Murat zusammen. Auch die Eltern sehen, dass die Kinder erfolgreich sind und beginnen sogar, Zeit und Geld für die Bildung ihrer Kinder zu investieren. Das war am Anfang nicht der Fall. "Durch unser Coaching werden die Kinder motivierter, selbstsicherer und aktiv", so Murat, und selbst die Eltern merken, dass es Sinn machen, ihre Kinder zu fördern.
Als Vereinsvorstand hätte er wohl genug Orgakram zu erledigen, Vorträge zu halten, neue Anfragen von Schulen oder Projektideen zu planen. "Aber das Wichtigste ist, dass ich mit der Basis noch Verbindung habe, dass ich alle Namen der Kinder kenne, meiner Kinder." Ein TV-Team des WDR wird heute auch zu Gast sein. "Toll, dass so viele Menschen Interesse an unserer Arbeit haben", freut sich Murat.
Dienstag: 13. Februar 2007
Vom Schreibtisch zum Kurs zum Einzelunterricht...
Heute Vormittag hat Murat Zeit für Schreibkram. Er sitzt in seinem Büro an der Ruhr-Uni Bochum, denn diese erlaubt ihm ganz offiziell, sich neben seiner Doktorarbeit auch um den Verein zu kümmern. Also werden Anrufe angenommen, wenn Rektoren Fragen haben, wenn Schüler nochmal ganz persönlich Hilfe brauchen oder wenn sich Unis oder Kinderärzte melden, die gerne mit dem IBFS arbeiten möchte.
"Die Schüler kommen gerne zur Nachhilfe. Sie haben Spaß am Lernen."
Ab 15:30 Uhr wird er sich dann um die Prüfungsvorbereitung an der Schillerschule in Castrop-Rauxel kümmern. "Sie wollten gerne, dass ich für sie da bin, weil sie ein bisschen Angst vor der Prüfung haben", sagt Murat. In zwei Monaten steht sie an, die Matheprüfung und seit vier Monaten wird schon nachgeholt und aufgeholt, was bisher auf der Strecke blieb. "Ich machen einen Intensivkurs für die Acht. Und wir kommen gut voran. Eine aus der Gruppe war zuletzt sogar Klassenbeste in der Matheklausur", erzählt Murat. Aber viel wichtiger ist ihm, dass die Schüler gerne lernen und bezielt Hilfe bekommen. Das kann dann auch ein offenes Ohr bei Prüfungsangst sein. "Ich erkläre, mache Übungen und ich erziehe sie auch zu Respekt gegenüber den anderen. Bei kleinen Klassen ist das natürlich auch einfacher, ganz individuell auf die Schüler einzugehen", weiß Murat.
Und bevor Murat dann gegen zehn zuhause auf dem Sofa relaxen kann, steht noch das Treffen mit dem Intergrationsrat Castrop-Rauxel an und danach zwei Stunden Einzelunterricht für einen Fünftklässler. "Er braucht unbedingt zusätzliche Mathehilfe. Er hat mich extra darum gebeten, weil er unsicher ist und kurz vor einer Klausur steht", erzählt Murat, "alles konstenlos." Das betont er, denn die Kosten sind für viele Eltern ein wichtiges Thema.
Mittwoch, 14. Februar 2007:
"Immer mehr wollen uns"
Murat (4.v.r.): "Insgesamt sind wir schon 75 Ehrenamtliche."
Der Dienstag war sehr lang, aber erfolgreich für den IBFS. "Ich konnte auch eine seit acht Monaten geplante Zusammenarbeit in Gelsenkirchen auf den Weg bringen", freut sich Murat. Morgen wird es endlich die Infoveranstaltung geben. Fast zwei Dutzend Abiturienten haben Lust, im IBFS-Projekt "Schüler helfen Schülern" mitzumachen. "Das ist was ganz Neues. Bevor wir überhaupt in der Schule aktiv sind, zeigen sich schon Leute interessiert." Auch in Herne wird es bald IBFS-Nachhilfestunden geben. Auch hier wird seit Monaten verhandelt, geplant, koordiniert. "Im Schnitt braucht es gut neun Monate von der Kontaktaufnahme der Schule bis zur ersten Nachhilfestunde. Dazwischen stehen sechs bis acht Termine vom Rektorentreffen, über Elternabende, Lehrerkonferenzen bis zum ersten Termin mit den Schülern", erklärt Murat.
In der Prüfungsvorbereitung gestern Abend wurden dann die letzten Klausurergebnisse besprochen. "Einer hatte einen Blackout. Ich frage dann: 'Hast du schlecht geschlafen?' oder 'Hast du nicht genug gelernt?' Ich will, dass sie selbst draufkommen, wo sie sich noch verbessern können oder Fehler gemacht haben." Murat schafft Raum zur Selbsterkenntnis, serviert keine Lösungen auf dem Tablett. "Ich muss mehr Testaufgaben geben", so sein Fazit.
Heute um 11 Uhr bekommt Murat Besuch von einer Wissenschaftlerin, die die Arbeit des IBFS analysieren möchte. Um 14 Uhr trifft er sich mit einem neuen Ehrenamtlichen und wird ihn aufklären, welche Aufgaben ihn erwarten. "Der Mann hat zu mir gesagt: 'Ich wollte immer die Welt verbessern. Jetzt weiß ich, was ich tun kann'", erzählt Murat vom ersten Telefonat. Danach kommt ein alter Freund aus der Grundschule. "Er will auch einsteigen, hat mich in der Zeitung gesehen", lacht Murat. Von 18 bis 22 Uhr dann noch los zur Vorstandssitzung in Bochum. "Wir werden die ersten Entwürfe unserer Info-Flyer bekommen", sagt er, "die gehen an Unis, Lehrer, Eltern, Schüler, in verschiedenen Sprachen." Auch auf türkisch, denn schließlich ist es erst mal wichtig, alle Eltern und Schüler zu erreichen.
Donnerstag, 15. Februar 2007:
Netzwerke bauen
"Die Großen helfen den Kleinen."
Als Social Entrepreneur wird Murat von der Ashoka gefördert, einer Organisation die soziale Einrichtungen finanziell und mit Know-How unterstützt. Er bekommt dadurch auch die Möglichkeit, zweimal im Monat konstenlos bei McKinsey Tipps zur Unternehmensführung einzuholen. Heute will Murat versuchen, den ersten Termin festzuklopfen.
Ab 11 Uhr setzt er sich dann mit einigen Helfern zusammen. Es sollen Projektanträge an große Stiftungen formuliert werden. "Wichtig ist mir dabei, dass wir uns zwar um finanzielle Mittel bewerben, dabei aber frei bleiben in der Gestaltung unserer Arbeit", erklärt Murat. Sie werden zu Zehnt zusammensitzen. Mechatroniker, Diplom-Ingenieure, Betriebswirtschaftler, alles Ehrenamtliche aus dem IBFS. "Anfangs waren wir ein, zwei Leute. Jetzt kommen immer mehr auch in die Arbeitsgruppen. Das ist sinnvoll, denn so lernen sich alle kennen und können sich austauschen."
Ab vier wird Murat an der Gesamtschule Berger Feld Gelsenkirchen über die Arbeit des Vereins berichten. "Dort ziehen wir das Projekt 'Schüler helfen Schülern' auf. Wir nutzen dabei die Stärken der Abiturienten und setzen sie als Nachhilfelehrer für die unteren Klassen ein", erklärt Murat das Prinzip. Die zwei Dutzend Abiturienten helfen also den Kleinen und bekommen im Gegenzug dazu Nachhilfe von einem Lehrer. "Bezahlen müssen sie nichts dafür. Sie helfen und bekommen dafür Hilfe. Das ist etwas völlig anderes, als einfach nur Nachhilfe zu bekommen," sagt Murat. In Castrop-Rauxel läuft das Projekt 'Schüler helfen Schülern' bereits. "Zehn ShSler sind für die Kleinen bis zur Sechsten da. Die zweite Generation des IBFS quasi", lacht Murat.
Viel Zeit bleibt in Gelsenkirchen aber nicht, denn ab 17 Uhr wird Murat an der Janusz-Korczak-Gesamtschule in Castrop-Rauxel erwartet, erst Mathenachhilfe, dann Matheintensivkurs. Gegen neun ist er zuhause.
Freitag, 16. Februar 2007:
"Wir wollen kopiert werden"
Für mehr Zukunft
Eine Woche geht zuende. Wie immer ist viel passiert, hat sich viel bewegt. "Vor drei Jahren hätte ich nie gedacht, dass wir heute hier stehen", meint Murat. "Warum habe ich das gestartet? Ich habe studiert, promoviert. Ich habe heute ein Türschild in der Uni. Ja, ich habe was erreicht. Und ich bin der erste in meiner Familie, der einen akademischen Grad hat", erzählt Murat.
Doch wenn er nach Hause fährt und die Kinder in seiner Straße sieht, sieht, wie sie leben, und ahnt, dass sie nur schwer etwas erreichen werden, dann will er das verändert sehen. "Es kann nicht sein, dass das so bleibt. Aber wir alle müssen mit anpacken", fordert er. Und seine Rechnung klinkt simpel: Wenn jeder seinem Nächsten hilft, dann lassen sich Kreise schließen, dann wirkt sich dies letztlich auch auf die Kinder in seiner Straße aus. "Ich tue das für mich, für meine Kinder, für meine Nachbarschaft", erklärt Murat seine Motivation.
Und so versteht sich der IBFS als Türöffner. "Wir helfen an Grundschulen, Sonderschulen, Gymnasien. Im IBFS helfen Juristen, BWLer, Mediziner, Pädagogen. Das sind unterschiedliche Menschen, von unterschiedliche Nationalität, aus unterschiedlichen Städten und Schulen in unterschiedlichem Alter. Aber alle kommen zusammen und helfen sich gegenseitig. Das funktioniert,“ erklärt er und es ist das entscheidende Prinzip des Vereins.
"Und ich wünsche mir, dass wir kopiert werden. Dass Wettbewerb erzeugt wird. Dass unsere Kunden das Beste bekommen. Und unsere Kunden sind die Kinder." Und daran arbeite er täglich: Der Verein wächst, die Idee begeistert und das Konzept wird langsam bis über den Sektor hinaus bekannt. "Ich will daran arbeiten, dass diese Wünsche wahr werden. Ich sehe ja, dass jeden Tag ein Stück wahr wird. Und es ist ein wunderbares Gefühl, wenn man morgens aufsteht."
http://www.einslive.de/magazin/aktionen/wichtig/portraet/murat.jsp (http://www.einslive.de/magazin/aktionen/wichtig/portraet/murat.jsp)
Hallo! Hier hat gerade ein user diesen link reingestellt (siehe unten) und da war wirklich ein sehr toller Kommentar der zur "Integrationsdebatte" und somit "Chancengleichheit" passt. Dieser Beitrag ist wirklich sehr lesenswert und lang. Aber es lohnt sich für alle die am Thema interessiert sind.
Das Wort „Integration“ ist gegenwärtig in aller Munde. Ausländer, die sich integrieren sollen, nicht wollen oder sich sogar desintegrieren. Streng genommen bedeutet doch Integration, dass sich eine Gruppe von Menschen einer anderen Gruppe anschließt, sich anpasst oder ein Teil dieser bestehenden Gruppe wird.
Es bedeutet aber auch, dass die herrschende Gesellschaft eine „Integration“ wünscht oder gar zulässt. Die ersten Ausländer, die vor 40 Jahren nach Deutschland zum Arbeiten einwanderten, konnten keine passende und integrationsbereite Schicht vorfinden. Die direkte Nahtstelle zur deutschen Gesellschaft, gegeben durch gemeinsame Arbeitsplätze und Wohnsiedlungen, die deutsche Arbeiterschaft, strebte zu Recht nach sozialem Aufstieg und war ohne politische Unterstützung kaum in der Lage diese Integration zu leisten.
C.A.N.3 | 01. April 2007, 17:04 Uhr
Die Gastarbeiter wurden als Erfüllungsgehilfen des deutschen Wirtschaftswunders unverzichtbar und trotzdem blieben sie lange Zeit geisterhaft unbemerkt. Die Integration wurde nicht berücksichtigt, weil eine dauerhafte Einbürgerung in die deutsche Gesellschaft nicht beabsichtigt war.
Aus dieser ungeplanten Migration der „Gastarbeiter“ sind fernab jeglicher politischer Thematisierung mittlerweile mehrere Generationen hervorgegangen. Neben der ersten türkischen Einwanderergeneration, die sich zum Teil bereits im Rentenalter befindet, trägt die zweite Generation ebenfalls ihren Beitrag zum Sozialstaat Deutschland, während ihre Kinder, die bereits die dritte Generation der Migration darstellen, die Schule besuchen
C.A.N.3 | 01. April 2007, 17:05 Uhr
Eine Lösung aus diesem Teufelskreis kann kein kurzfristiger Aktionismus sein. Bekannte Phänomene der Ghettoisierung sollten durch geplante Durch- und Vermischung in Schulen und Wohngebieten gefördert werden. Eine frühe Einbindung der Jugendlichen in die deutsche gesellschaftliche Vielfalt ist unerlässlich. Aber auch muss sich in der deutschen Gesellschaft das aktive Verlangen einer wirklichen „Einbürgerung“ der langjährigen Mitmenschen formieren.
Besonders in der aktuellen wirtschaftlichen Situation, wo der Wettbewerb der Menschen untereinander dominiert, sollte mit viel Fingerspitzengefühl und Kompromissbereitschaft agiert werden. Bedeutet Integration Zufriedenheit, dann brauchen die Menschen und vor allem die Jugendlichen Vertrauen, Sicherheit, Arbeit und Zukunftsperspektive.
C.A.N.3 | 01. April 2007, 17:06 Uhr
Dieser Problematik muss sich der Erziehungs- und Bildungsbereich stellen, will man die Vielzahl der heute etwa 2,5 Millionen in Deutschland lebenden Türken nicht in das dauerhafte soziale Abseits stellen.Durch eine Befragung vieler türkischer Kinder wurde festgestellt, dass sie in der Schule mit folgenden Aussagen und Verhaltensweisen konfrontiert sind: „Ihr habt hier nichts verloren!” „Türken gehören in die Mülltonne.” „Kauf dir eine Tüte Deutsch!” „Ohne Türken hier zu leben wäre schön.” „Scheißtürken!” „Türken nehmen unsere Arbeitsplätze weg."
Eine deutsche Schülerin erklärt: „Ich wollte meine türkische Freundin besuchen. Meine deutschen Freundinnen sagten mir darauf: „Dann gehörst du auch zu den Asylanten!" „Wenn irgendetwas beschmiert oder dreckig gemacht wird, werden sofort die Türken beschuldigt." „Bei einem Elternsprechtag haben wir uns zehn Minuten verspätet. Darauf sagte der Lehrer: ,Alle Türken sind so. Er hat uns einfach beleidigt.’“ Einige deutsche Mädchen fragten: „Wird dein Vater deinen Ehemann auswählen? Zwingt dich dein Vater ein Kopftuch zu tragen?"
C.A.N.3 | 01. April 2007, 17:07 Uhr
„Einige deutsche Lehrer beantworten Fragen der Deutschen freundlich, aber auf die Fragen der Türken reagieren sie schreiend. Auf unsere Frage sagen sie: ,Das habe ich schon erklärt. Du sollst aufpassen!’"
Die Konsequenz solcher Äußerungen: Türkische Schüler fühlen sich von ihren deutschen Mitschülern und Lehrern missverstanden und sind verunsichert. Erschwerend kommen ihre oft nur mangelhaften Kenntnisse der eigenen Kultur, Religion, Muttersprache und Geschichte hinzu. Sie sind desorientiert, weil sie zwischen zwei Kulturen leben, sich aber keiner zugehörig fühlen.
Diese Konflikte mit der eigenen Identität können von der Familie meist nicht ausreichend aufgefangen werden: Viele türkische Eltern stammen aus ländlichen Gebieten der Türkei und verfügen nur über geringe Kenntnisse ihrer eigenen Kultur, Religion und Geschichte. Sie beherrschen die deutsche Sprache schlechter als ihre Kinder und können sie nicht bei den Hausaufgaben unterstützen. Zudem bestehen nicht selten innerhalb der Familie Generationenkonflikte im kulturellen und sozialen Bereich. Sie entstehen vor allem aus der Konfrontation der traditionellen familiären Atmosphäre sowie den einheimischen gesellschaftlichen Werten mit den deutschen Lebensformen und Verhaltensmustern.
C.A.N.3 | 01. April 2007, 17:08 Uhr
Diese Identitätsproblematik sowie das Gefühl, von deutschen Mitschülern nicht akzeptiert und verstanden zu werden, resultiert nicht selten in einem paradoxen Verhalten: Trotz des Wunsches dazu zu gehören, entwickeln sie ein verstärktes türkisches Nationalbewusstsein (Ist dies Ausdruck von Desintegrationsproblematik?).
Um sich zu schützen, entwickeln türkische Schüler immer häufiger eine antideutsche Haltung. Sie bilden Banden mit teilweise illegalen Tendenzen, um sich gegenüber ihrem deutschen Umfeld abzugrenzen und eine Scheinsicherheit aufzubauen. Auch entwickeln sie eine Lebensklugkeit, die als Überlebensstrategie – nicht Lebensstrategie – genutzt wird.
Diese Verhaltensweisen sind das Resultat von Defiziten der familiären und gesellschaftlichen Erziehung. Es handelt sich hierbei um ein Kernproblem, das spätere Konfliktsituationen hervorruft, fördert und im Extremfall nicht mehr zu kontrollieren ist. Meiner Meinung nach fangen die ersten Konfrontationen, die das Miteinander und den gegenseitigen Respekt verletzen und schlechte Erfahrungen und Vorurteile fördern, bereits im Kindergarten an.
C.A.N.3 | 01. April 2007, 17:08 Uhr
Daher ist eine engere Zusammenarbeit von deutschen und türkischen Eltern (und auch der Lehrkörper?) in den Bildungsinstitutionen unverzichtbar. Auch sollen die Konflikte zwischen Türken und Deutschen an Schulen offen diskutiert werden. Verantwortliche (wer ist das konkret?) müssen eine geeignete Plattform für den Dialog etablieren. Nur so besteht die Chance für ein gemeinschaftliches Miteinander mit weniger Missverständnissen und Vorurteilen.
Es ist wichtig, Unterschiede in Kultur und Religion mit Interesse und Offenheit wahrzunehmen. Respekt vor der anderen Kultur, Religion und Mentalität sollte in jedem Unterricht thematisiert werden. Auch die Bedeutung des Dialogs und der Toleranz muss den Schülern vermittelt werden.
Als einer der Hauptgründe für die Schwierigkeiten bei der Integration der Gruppe der MigrantInnen aus der Türkei wird immer wieder die Religion genannt. Doch gerade in dieser Bevölkerungsgruppe ist ganz unübersehbar, dass ein nicht geringer Teil der MigrantInnen keinerlei Verbindung zum Islam hat.
C.A.N.3 | 01. April 2007, 17:08 Uhr
Der überwiegende Teil der MigrantInnen aus der Türkei identifiziert sich nicht mit dem Islam, auch wenn sie sich zum Islam bekennen. Welche Ziele verfolgt man, wenn trotzdem die Diskussion so pauschalisiert geführt wird, als seien alle Probleme der MigrantInnen aus der Türkei nur im Zusammenhang mit dem Islam zu sehen?
Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass es in bezug auf die Integration viele Probleme gibt, die schon seit langem bekannt sind und die derzeit zur Panikmache missbraucht werden. Eine Gesellschaft, in der es ein wirkliches Miteinander und kein Nebeneinander von Einheimischen und Zugewanderten gibt, braucht als Grundlage eine gemeinsame Sprache.
Insofern ist die Tatsache, dass weite Teile der MigrantInnen die deutsche Sprache nur ungenügend beherrschen, eines der größten Hindernisse für eine erfolgreiche Integration. Somit kann der Integrationsprozess von vielen MigrantInnen selbst aus Mangel an Sprachkompetenz, nicht positiv beeinflusst werden. Aber es gibt auch andere Faktoren, die die Integration behindern, zum Beispiel die Konzentration der MigrantInnen auf bestimmte Stadtteile, so dass die Tendenz sich von der Mehrheitsgesellschaft abzugrenzen, verstärkt wird.
C.A.N.3 | 01. April 2007, 17:09 Uhr
Auch ein hoher Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund in bestimmten Klassen und Schulen wirkt sich ganz eindeutig negativ auf ein organisches Zusammenwachsen von In- und Ausländern aus.
Unstrittig ist auch, dass MigrantInnen die Kultur, die positiven und fortschrittlichen Werte einer Gesellschaft kennen lernen und als ihre eigenen akzeptieren und verstehen müssen, um sich wirklich integrieren zu können. Und sie müssen die Chance haben, am kulturellen und gesellschaftlichen Leben dieses Landes aktiv teilhaben zu können – egal ob Frau oder Mann, ob Jung oder Alt.
Unserer Meinung nach ist es nicht hinnehmbar, dass unter dem Mäntelchen von Tradition, Gebräuchen und Sitten rückwärtsgewandte Beziehungen gestärkt werden. Weiterhin ist es nicht hinnehmbar, dass der religiöse Glaube, der ja etwas Privates sein sollte, von bestimmten Organisation in der Gesellschaft benutzt wird, um das gesellschaftliche Leben zu organisieren. Wir wollen nicht, dass in Koran-Kursen mit oder ohne staatliche Unterstützung mittelalterliche und mystische Auffassungen in die Köpfe von Kindern gezwängt werden. Die Religion darf nicht politisch missbraucht werden – auch nicht im Namen der Demokratie!
C.A.N.3 | 01. April 2007, 17:09 Uhr
Unser Ziel, die das Motto: „Nicht nebeneinander - miteinander leben“ als Grundparole angenommen hat, akzeptiert nicht die Abkapselung von den hier lebenden Migranten von der deutschen Gesellschaft und die Schaffung einer Parallelgesellschaft.
Eine Politik in diesem falschen Kontext würde dazu führen, dass die MigrantInnen unter sich bleiben und ohne Bezug zur deutschen Gesellschaft leben. Auch in der Zukunft werden wir diese Politik bekämpfen, die die Unterschiede hervorhebt, Vorurteile bekräftigt und die religiös, fanatische Tendenzen unterstützt.
Zwei Punkte wollen wir in diesem Zusammenhang hervorheben:
Erstens, auch wenn die Schwarzseher dieser Gesellschaft das Gegenteil behaupten: Die Integration ist nicht gescheitert! Es gibt zwar graue Schatten, aber die Zukunft ist keinesfalls schwarz. Trotz der Schwierigkeiten, die wir in den letzten 40 Jahren hatten, gibt es vieles, was wir – In- und Ausländer – gemeinsam teilen und meistern. Das heißt aber auch, dass wir auf die Erfahrungen der vergangenen 40 Jahre immer wieder zurückgreifen können. Auch wenn vieles schmerzhaft war in diesem Prozess der Integration, so sind doch wichtige Schritte in die deutsche Gesellschaft und hin zu einem gemeinsamem Leben getan worden. Abgesehen davon gibt es inzwischen eine neue Generation, die hier mit der Kultur und den Werten dieser Gesellschaft aufgewachsen ist. Und es gibt jetzt viele MigrantInnen, die die gesellschaftliche Entwicklung dieses Landes aufmerksam verfolgen und aktiv daran teilnehmen. Diese Haltung ist eine der Grundvoraussetzungen dafür, sich als Teil der Gesellschaft zu empfinden und den Integrationsprozess voranzubringen. Wir möchten betonen, dass die Integration und das Zusammenleben in vielen Bereichen funktionieren.
C.A.N.3 | 01. April 2007, 17:10 Uhr
Zweitens: Wenn man die Probleme des Zusammenlebens betrachtet und analysiert, sollte man vor allem auch die vierzigjährige „Ausländerpolitik“ in Deutschland genauer unter die Lupe nehmen. Oder hat die etwa keine Rolle in diesem Prozess gespielt?
Vom bayerischen Innenminister Beckstein bis hin zum brandenburgischen Innenminister Schönbohm behaupten viele Politiker und Journalisten (die ihre Aufgabe in der Panikmache sehen), dass die Ausländer die deutsche Sprache nicht lernen wollen und sich nicht integrieren wollen, dass sie vielmehr selbst die Ghettos wählen, um dort ihre „Parallelgesellschaften“ aufzubauen.
Plötzlich werden die Opfer der vierzigjährigen Ausländerpolitik zu „Tätern“ erklärt und es wird so getan, als hätten die Politik und die sozioökonomischen Verhältnisse dieses Landes keinen Anteil an dieser Situation. Diejenigen, die noch bis vor Kurzem mit Nachdruck behauptet haben, Deutschland sei kein Einwanderungsland, haben Arbeiter und deren Familien, die seit 40 Jahren in diesem Land leben und arbeiten, in den „Gastarbeiter-Status“ eingezwängt und so daran gehindert, ein Teil dieser Gesellschaft zu werden.
Und jetzt machen sie diese „Gäste“ auch noch für ihre Lage verantwortlich. Anfeindungen, Pöbeleien, verbale Attacken: Nach den Terroranschlägen in New York fühlen sich auch Türken in Deutschland diskriminiert. Nach einer Studie schlägt sich die schlechte Stimmung auch auf die Integration nieder.
C.A.N.3 | 01. April 2007, 17:10 Uhr
Nach der Studie des Zentrums für Türkeistudien über die Lage der türkischen Migranten in Deutschland hat sich das Zusammenleben zwischen Türken und Deutschen verschlechtert. „Sehr viele Migranten mit muslimischem Hintergrund werden von Deutschen als Extremisten bezeichnet und angepöbelt“, erklärt Faruk Sen, Direktor des Zentrums für Türkeistudien in Essen. Jeder zwölfte der 1000 Befragten berichtet von Anfeindungen durch Deutsche. Hochgerechnet auf die zur Zeit 2,5 Millionen in Deutschland lebenden Türken sind das 29 000 Fälle.
Seit 1999 untersucht das Zentrum für Türkeistudien jedes Jahr die Integrationsbereitschaft der Türken in Nordrhein-Westfalen. Die Ergebnisse der Vorjahre machten eines deutlich: Türkische Zuwanderer haben generell einen höheren Grad an Integrationsbereitschaft, als in der Öffentlichkeit angenommen wird.
Doch dieses Mal hat sich das Blatt gewendet. Pöbeleien und Anfeindungen auf der Straße oder am Arbeitsplatz haben offenbar auch Auswirkungen auf die Integrationsbereitschaft. Nach den Ergebnissen der neuen Studie ist der Integrationswille bei türkischen Migranten leicht zurückgegangen. „Dies ist mit den Ereignissen vom 11. September zu erklären, die das Zusammenleben zwischen den muslimischen Migranten und der deutschen Mehrheitsgesellschaft erschwert haben“, meint Faruk Sen.
C.A.N.3 | 01. April 2007, 17:11 Uhr
Parallel dazu wollen sich im Untersuchungszeitraum weniger Türken einbürgern lassen und somit die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen. Der Einbürgerungswille ging um vier Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück.
Als die türkischen Migranten vor über 40 Jahren nach Deutschland kamen, ahnten sie nicht, dass sie Jahre später ihren Lebensmittelpunkt immer noch im Gastland haben würden. Viele wollten nach ein paar Jahren wieder zurück in die Türkei. Doch stattdessen kamen ihre Familien nach.
Mittlerweile sind viele der Kinder in der zweiten und dritten Generation in Deutschland geboren und aufgewachsen. Viele von ihnen beherrschen die deutsche Sprache besser als ihre Muttersprache. Im Vergleich zu ihren deutschen Schulfreunden und Spielkameraden ist dies jedoch bei vielen nicht ausreichend.
C.A.N.3 | 01. April 2007, 17:11 Uhr
Die Studie von Faruk Sen lässt in diesem Punkt allerdings hoffen. In den drei Untersuchungen seit 1999 „verschlechterten sich die Sprachkenntnisse. Aber bei der letzten Untersuchung in diesem Jahr war eine leichte Besserung festzustellen“, erklärt er.
Besorgt sind Experten häufig über die Bildungssituation der türkischen Kinder und Jugendlichen. Nach Angaben von Faruk Sen sind Zuwanderer inzwischen besser ausgebildet als früher und machen häufiger beruflich Karriere. Ein Viertel der 18- bis 29-jährigen Türken (26 Prozent) hat Abitur, knapp jeder fünfte türkische Jugendliche (19 Prozent) einen Realschulabschluss.
Nur noch zehn Prozent der 18- bis 29-jährigen Türken sind ohne Schulabschluss. Damit habe sich der Bildungsstandard der jüngeren Gruppe im Vergleich zu den vorherigen Untersuchungen verbessert. Allerdings „stellen wir fest, dass die jungen Türken sich mehr und mehr abkapseln und ihre eigene Infrastruktur in Anspruch nehmen“, erklärt Faruk Sen. Indikatoren dafür sind die verstärkte Nutzung eigener Zeitungen, Zeitschriften, Radio- und Fernsehsender. Ihre Freizeit verbringen sie häufiger unter sich, in eigenen Jugendzentren und Diskotheken.
Allerdings gibt es auch positive Entwicklungen. Nach der Studie geben Türken mehr Geld für neue Häuser oder Grundstücke in Deutschland aus. Dies sei ein positives Zeichen im Hinblick auf die Bereitschaft, sich in Deutschland niederzulassen und sich zu integrieren.
C.A.N.3 | 01. April 2007, 17:12 Uhr
@C.A.N.3
http://www.stern.de/blog/50_von_der_lust_ein_tuerke_zu_ sein/archive/960_tuerken_sind_tolerant.html
http://www.politikcity.de/forum/showthread.php?t=17930
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