PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kritik der Überbetonung des Kulturkonfliktes



karasevda75
08.04.07, 01:22
Kritik der Überbetonung des Kulturkonfliktes

Wenn von Gefährdungslagen von Migrantenjugendlichen die Rede ist, ist man schnell bei der Hand mit dem sogenannten "Kulturkonflikt' als zentrales Erklärungsmuster. Die widersprüchlichen Erwartungen des Elternhauses und der deutschen Umgebung drängten die Kinder und Jugendlichen in eine Double‑bind‑Situation, in eine Orientierungskrise, durch die die psychosoziale und kognitive Entwicklung blockiert würde und anomische Bewältigungsstragien begünstigt würden (Gesetzlosigkeit, Sucht, Depression, Suicidgefährdung).....

Dieses überall verbreitete Erklärungsmuster hält der empirischen Überprüfung nicht stand. Nur ein geringer Teil der Jugendlichen bestätigt in Befragungen, dass ihnen das ´Leben zwischen den Kulturen' starken Stress bereite ..... bzw. dass sie wegen der Anpassung an die deutsche Umgebung mit ihren Eltern im Dauerstreit lägen. Nur 10% der von Heitmeyer befragten jungen Türken fanden es stressig, ´Wie ein Muslim zu denken und zu fühlen und gleichzeitig in Deutschland zu leben, ....`.

Damit sollen Kulturkonflikte als belastender Faktor nicht geleugnet werden, aber nach den Befragungsergebnissen scheinen sie nur für eine Minderheit von Migrantenjugendlichen eine gravierende Bedeutung zu haben.

Die große Verbreitung des Erklärungsmusters verweist m. E. eher auf rechtfertigende Motive der Mehrheitsgesellschaft. Ist der Kulturkonflikt die Hauptursache für die Fehlentwicklungen bei Migrantenjugendlichen, kann der schwarze Peter den Migrantenfamilien zugesteckt werden. Sind sie es doch, die durch ihre dysfunktionale, althergebrachte Erziehung die Jugendliche in die Sackgasse geleiten.

Ausgeblendet werden andere Gefährdungen durch Ausgrenzungserfahrungen, die im Verantwortungsbereich der Mehrheitsgesellschaft liegen und bei denen die Integrationsleistung von Seiten des aufnehmenden Systems erbracht werden müsste.

Neben den Exklusionserfahrungen spielen auch die Brüche in der Familienbiographie ‑ v. a. Trennungen und Wechsel von Bezugspersonen ‑ eine große Rolle, die mit Wanderungsprozessen in der Regel verbunden sind. Wenn sie nicht verarbeitet werden, kann dies zu späteren Gefährdungen führen.

Analytisch lassen sich die gefährdenden Belastungen von Migrantenjugendlichen in eine Reihe von Teilproblemen zerlegen. Liegt eine starke Kumulation dieser Probleme vor, wächst die Wahrscheinlichkeit, dass die Jugendlichen ihre Situation mit anomischen Bewältigungsstrategien zu bearbeiten versuchen. Dennoch gibt es keine Automatik zwischen Belastungsszenarien und pathologischen Reaktionen. Viele Jugendlichen entwickeln sich ‑ trotz widrigster Umstände zu lebenstüchtigen, psychisch stabilen Persönlichkeiten.

Migrationsfolgen ‑ Leben im Provisorium und erschwerte Zukunftsplanung

Viele Jugendliche der zweiten Generation blicken auf eine wechselhafte Biographie mit manchmal dramatischen Brüchen schon in einem zarten Alter zurück: In Deutschland geboren, bei den Großeltern im Heimatland aufgewachsen, dann wieder im Schulalter oder noch später vor dem Eintritt des 16. Lebensjahrs als ´Seiteneinsteiger` nachgeholt. Ebenso ist die zukünftige Aufenthaltsperspektive oft ungeklärt. Viele Eltern halten an unrealistischen Rückkehrplänen fest ‑ sei es, dass sie sich an ihren Lebenstraum klammern, aber auch als Alternativplanung für schlechtere Zeiten in Deutschland. Die Alternativplanung im Heimatland und in Deutschland sieht aber für die Jugendlichen ‑ was z. B. die berufliche Qualifikation betrifft ‑ völlig anders aus. Dieser permanante Ambivalenzkonflikt bzw. die (Schein)Alternative Rückkehr beeinflußt u. U. die Berufswahl und die Frustrationstoleranz in Schule und Ausbildung negativ.


Vernachlässigung der Kinder durch die belastenden Arbeits‑ und Lebensverhältnisse

Migranten nehmen die untersten Positionen im Beschäftigungssystem ein. Die Familien sind auf den Doppelverdienst beider Elternteile angewiesen. Die Arbeitsbelastungen sind überdurchschnittlich und die zeitliche Belastung des Familienlebens durch Schichtarbeit und flexible Arbeitszeitenregelung im niedrigen Dienstleistungsgewerbe besonders hoch. Hinzukommt das Festhalten an den Rückkehrplänen, die mit bestimmten Sparzielen verknüpft sind. Die Imperative des Arbeitsalltages führen zu einer starken Reduktion des Familienlebens. Viele Kinder werden emotional vernachlässigt und der Familienalltag häufig entstrukturiert.

Destabilisierung der familiären Rollenmuster
durch den strukturellen Machtverlust der Väter

Die Migration ist in der Regel mit einem stukturellen Machtverlust der männlichen ´Familienoberhäupter` verbunden: vorher ´Herr` auf der eigenen ´Scholle` oder einem kleinen Gewerbebetrieb und jetzt auf der untersten Stufe der abhängig Beschäftigten, vorher ´Außenminister` der Familie, der die Interessen der Familie in der Öffentlichkeit durchzusetzen wusste und in der Migration zurückgeworfen auf eine infantile Abhängigkeit von den sprachkundigeren Kindern und Sozialberatern beim Umgang mit den öffentlichen Institutionen.

Gleichzeitig erfahren die Frauen durch Berufstätigkeit und die Geschlechtsrollen-erwartungen der Mehrheitsgesellschaft eine strukturelle und ideelle Aufwertung. Nicht selten verbünden sie sich mit den Kindern. Das überkommen Machtgefüge gerät durcheinander, ohne dass die Väter ihre Einstellungen wesentlich änderten. Sie reagieren hilflos, indem sie autoritäre Seiten aufziehen, wodurch es v. a. den Jungen noch weniger möglich wird, sich mit ihren Vätern positiv zu identifizieren.

Die Identifikationsprobleme mit dem Vater können bei den männlichen Jugendlichen die Reifung einer ausbalancierten Geschlechtsidentität behindern und die Identifikation mit dem ´Gesetz des Vaters`, d.h. zu ödipalen Fixierungen führen. Sie müssen sich ständig beweisen, dass sie Männer sind und rebellieren auf eine destruktive Weise gegen die von Vater geforderte gesellschaftliche Anpassung.
Nach Farin/Seidel‑Piehlen identifizieren sie sich aber auf einer unbewussten Ebene mit den unterdrückten Aggressionen der Väter, die ihre demütigenden Erfahrungen heruntergeschluckt haben und unterschwellige Ressentiments gegen ´die Deutschen` hegen. Sie delegieren ihre verdrängte Wut an die männlichen Nachkommen und geben ihnen den unbewussten Auftrag ´zurückzuschlagen`. Die Anpassungsforderungen werden so u. U. unterminiert durch die unbewussten Signale auf der Ebene der emotionalen Kommunikation im Familiensystem......

Soziale Perspektivlosigkeit
und Schwierigkeiten bei der sozialen Identitätsfindung

In den gesellschaftlich weniger stratifizierten ´Leistungs‑ und Konsumgesellschaften` westlichen Typs wird soziale Identität weniger vermittelt durch die Einbindung in ein bestimmtes ´sozial-moralisches` Milieu als durch den individuellen Berufs‑ und Konsumstatus. Insofern ist die Chance, eine soziale Identität zu entwickeln und damit in die Erwachsenenrolle hinüberzuwachsen viel stärker an gute berufliche Zukunftschancen gebunden als in früheren Zeiten. Die Migrantenjugendlichen haben wesentlich höhere soziale Aspirationen als ihre Eltern. Für 73 % der türkischen Jugendlichen ist es ´sehr wichtig` bis ´wichtig`, ´die berufliche und soziale Stellung ihrer Eltern zu übertreffen`.

Die Realität deutet nicht daraufhin, dass die Mehrheit der Migrantenjugendlichen den angestrebten Aufstieg schaffen wird. Zwar sind die Migrantenkinder inzwischen weitgehend in die Haupt‑ und Realschule integriert, mittlerweile haben sich aber die Kinder der Mehrheitsgesellschaft in Richtung Gymnasium abgesetzt. In den Ballungszentren ist die Hauptschule zur ´Ausländerrestschule` geschrumpft, d. h. dass sich im Generationsmaßstab für die Mehrheit der zweiten und dritten Einwanderergeneration die relativen Wettbewerbschancen um immer knapper werdende begehrte Ausbildungsplätze kaum verbessert haben.

Während also sich das Aspirationsniveau an die durchschnittlichen Standards angepasst hat, rücken die Realisierungschancen der ´selbstverständlichen` Erwartungen an das Leben für viele Migrantenjugendlichen in immer weitere Ferne. Was lohnt es sich da noch, sich groß anzustrengen, wenn bestenfalls nur eine Reproduktion des inakzeptablen bisherigen Lebensniveaus der Eltern dabei herauskommt. Viel verlockender ist es da, eine ´schnelle Mark` auf dem Drogenmarkt zu machen bzw. einen ´okkasionistischen` Lebensstil zu entwickeln, die abenteuernde Jugendphase in die Länge zu ziehen und sich durch riskante Aktionen einen Kick im ´hier und jetzt` zu verschaffen (vgl. Anomietheorie von Merton 1968, Apitzsch 1990).


Probleme der männlichen Identitätsentfindung und
"machismo" als reaktive Bewältigungsstrategie

Die eingeschränkten Chancen der sozialen Identitätsentwicklung lassen die männlichen Jugendlichen regredieren auf die letzte Bastion ihrer Ehre: die zugeschriebnen traditionelle Geschlechtsidentität, die sie ohne erworbene schulische und berufliche Leistungsnachweise bestätigen können ‑ durch herausforderndes Verhalten, Mut, Gruppensolidarität, körperliche Durchsetzungsfähigkeit. Die ungleichen Chancen auf dem Feld verbaler Konkurrenz in Schule und Berufsausbildung lässt sie zum Faustrecht greifen.....


http://www.praeventionstag.de/content/8_praev/doku/gaitanides/index_8_gaitanides.html (http://www.praeventionstag.de/content/8_praev/doku/gaitanides/index_8_gaitanides.html)


__________________

Dieser Artikel ist aus der Novemberausgabe der MIG21 einem Infobrief aus dem Netz, der mir freundlicherweise von einem Bekannten zur Verfügung gestellt wurde, der Ki-Ju-Psychologe in Westphalen-Lippe ist.

Ich finde ihn recht lesenswert....er erklärt einige Aspekte...

Komiker
08.04.07, 01:42
Dennoch gibt es keine Automatik zwischen Belastungsszenarien und pathologischen Reaktionen. Viele Jugendlichen entwickeln sich ‑ trotz widrigster Umstände zu lebenstüchtigen, psychisch stabilen Persönlichkeiten


Nicht nur Migranten sind auf der untersten Stufe, auch Einheimische tummeln sich dort und es werden immer mehr ...

Hatten diese Leute wirklich bessere Chancen wie Migranten in der Mehrheitsgesellschaft gehabt haben oder sind sie einfach nur schlechter und fauler als andere ?

Auch andere Randgruppen, die sich äußerlich und im Sozialverhalten von der Mehrheitsgesellschaft unterscheiden könnten in die gleiche sozialpsychologische Schablone passen?

In der Mehrheitsgesellschaft sind mehrheitlich Jugendliche, die trotz widrigster Umstände...usw. nicht straffällig geworden oder in irgendeiner Weise besonders auffällig.

Ich persönlich glaube eher an die individuelle Betrachtungsweise ohne Entschuldigungen aus der Vogelperspektive, ob Migrant oder Eingeborener, wer Charackter hat lässt sich auch durch widrige Umstände nicht aus der Bahn bringen.

TomBac
08.04.07, 22:21
Hier noch einiges zur empirischen Widerlegung der Kulturkonflikttheorie bzw. der Feststellung bzgl. deren Überbetonung (Quelle: Gaitanides, S.: Probleme der Identitätsfindung der zweiten Einwanderergeneration, in: Informationsdienst zur Ausländerarbeit 1/1996, S. 32-40, http://www.fb4.fh-frankfurt.de/whoiswho/gaitanides/identitaetsfindung_2te_gen.pdf )

...

Seit einigen Jahren liegt eine, in der öffentlichen Diskussion wenig beachtete empirische Befragung zum Hypothesenkomplex der "kulturellen Inkonsistenzspannung" bei MigrantInnen der zweiten Generation vor ( Esser/ Friedrichs 1990). Die Studie stellt viele Annahmen der Kulturkonflikttheorie empirisch in Frage. Ich möchte ihre Ergebnisse hier etwas ausführlicher referieren:

Die Untersuchungsergebnisse verweisen die Klischeevorstellungen über die Eltern der jungen TürkInnen, die in völliger Isolation von den Deutschen lebten, fest in die Herkunftskulturen verankert seien und zum religiösen Dogmatismus neigten, in den Bereich der Fabel:

-Nur 7,3 % der Befragten lebten in Stadtteilen mit einem Türkenanteil von über 12 %.
-Nur 31, 4 % der Elternhäuser hatten keine Kontakte zu deutschen Nachbarn und Bekannten.
-Und nur ebensoviele befolgten die religiösen Praktiken gewissenhaft und identifizierten sich stark mit ihnen.

Auch andere Untersuchungen über die Erziehungswerte von Migranten-Eltern belegen die geringe Geschlossenheit des kulturellen Weltbildes. Die Eltern identifizieren sich mit den "modernen" Werten "Qualifikation/Leistung" und streben auch die Realisation dieser Werte für ihre Töchter an (Nauck 1985).

Weniger bereit sind sie allerdings, die normative Modernisierung der Geschlechtsrollenvorstellungen zu akzeptieren. Insofern sind sie an die sog. "modernen" Wertvorstellungen partial assimiliert. Und Nauck beschreibt das
"heimliche Matriarchat" der Migrantenfamilien, in denen die Autorität der Patriarchen durch die veränderten ökonomischen Bedingungen hohl geworden sei und in denen die Konflikte gerade den Autoritätsverlust der Väter anzeigten. Die Familiendynamik nähert sich immer mehr derjenigen der klassischen Arbeiterfamilien an.

Biographische Interviews -geben Hinweise dafür, daß man bei der Beurteilung der Traditionalität des Geschlechtsrollenverständnisse s sehr vorsichtig sein sollte. Mütter sind z.B. oft gegen eine frühe Beziehung der Tochter, weil sie fürchten, daß ihnen bei früher Heirat das gleiche Schicksal drohe wie ihnen. Und viele -auch jüngere Frauen der zweiten Generation -identifizieren sich bewußt -und nicht nur aus traditionellem Zwang -mit
dem Wert der ehelischen Treue (Apitzsch 1990, Schiffauer 1991).

Summa summarum identifizieren sich die Angehörigen der zweiten Einwanderergeneration zwar stärker als ihre Eltern mit modernen Normen -wie etwa mit den modernen Geschlechtsrollenvorstellungen -als mit den traditionalen, aber auch hinwiederum nicht so stark, daß der Gegensatz zu den von den Eltern vertretenen Werten so kontradiktorisch wäre wie es die Kulturkonflikttheorie unterstellt:

-Nur 23,6 % der befragten Türken identifizieren sich stark bzw. überwiegend mit dem modernen Geschlechtsrollenverständnis (allerdings auch nur 7,2 % stark mit dem traditionellen). Bei den Antworten zum Geschlechtsrollenverständnis war die Variation besonders groß, so daß man kaum mehr von weit verbreiteten Einstellungsmustern sprechen kann.
-Ähnlich hoch war zum Zeitpunkt der Untersuchung die Identifikation der zweiten Generation mit der Zugehörigkeit zum Herkunftsland (90%/Türken) und die Aufrechterhaltung der Rückkehroption (88,6%), gleichwohl sich auch fast die Hälfte der jungen Türken mit der neuen lokalen Heimat identifiziert.

Die Befragungsergebnisse berechtigen außerdem dazu, die These von der mangelhaft ausgebildeten Ambiguitätstoleranz der Migrantenkinder ( und in deren Konsequenz besonderen Krisenanfälligkeit bei kulturell widersprüchlichen Erwartungen ) in Frage zu stellen:

-Der Ambiguitätstest ergab überwiegend Werte im mittleren Bereich -wobei interessanterweise die weniger traditional ausgerichteten Jugoslawen schlechtere Werte vorwiesen.

Extreme intergenerationelle Kulturkonflikte und daraus erwachsende starke Belastungen lassen sich demnach für die Mehrheit der jungen MigrantInnen empirisch nicht nachweisen und ebensowenig eine angeblich überdurchschnittliche, durch autoritärpatriarchalische Erziehung vermittelte, Ambiguitätsintoleranz. Die überwiegende Zahl der jungen MigrantInnen scheint mit den kulturellen Widersprüchen einigermaßen bis gut klar zu kommen durch die Entwicklung einer individualisierten "patch-work-Identität" (Beck) bzw. "multiplen Identität" (Mead), was eher auf eine relative Ich-Stärke -im Sinne der Fähigkeit zur Ausbalancierung widersprüchlicher Verhaltensanforderungen -hindeutet als auf ausgesprochene Ich-Schwäche und Ambiguitätsintoleranz.
Die Kulturkonflikttheorie ist noch dem -in der klassischen Sozialisationstheorie (u.a. Erikson) sehr verbreiteten -relativ statischen und dem Einheitsmythos des autonomen bürgerlichen Subjektes aufsitzenden Identitätskonstrukt verhaftet. Die stärker interaktionistisch ausgerichtete heutige Sozialpsychologie geht eher von einem Wurzelgeflecht pluraler kontextbezogener Identitäten (fuzzy set) aus, die in sozialen Interaktionsprozessen ständig neu interpretiert und ausgehandelt werden (Vgl. Übersichtsdarstellung bei Drewes 1993, S. 39ff).
Die multiple Identität der Migrantenkinder kommt in biographischen Interviews deutlich zum Vorschein. So distanzieren sich beispiesweise auch die von Dahy befragten türkischen und marokkanischen Jugendlichen (dem Herkunfts-, Bildungs-und Ausbildungsstatus nach : Unterschichtenangehörige) einerseits von den traditionalbevormundenen Erziehungseinstellungen ihrer Eltern und identifizieren sich mit den
Freiheitsspielräumen, die den deutschen Gleichaltrigen von ihren Eltern eingeräumt werden. Gleichzeitig distanzieren sie sich aber vom "Geiz" der Deutschen und dem Mangel an Freundschaft und identifizeren sich mit der Gebefreudigkeit der eigenen Leute bzw. ihrer Fähigkeit Zusammenzuhalten (Dahy 1994). Ein Problem ist ihnen eher die pauschalisierend negative Bewertung der eigenen Kultur durch die deutsche Umgebung.
"Aber die meisten Deutschen haben davon keine Ahnung, die sehen nur, daß es anders ist und deshalb ist es schlecht oder so" (ebdt Interview mit A., S.105).

"Die hier wiedergegebenen empirischen Ergebnisse über das subjektiv empfundene Ausmaß an Streß bzw. über seine operationale Umsetzung als ‚Gefühl, zwischen den Stühlen (Kulturen) zu sitzen‘, deuten nicht darauf hin, daß Identitäts-Streß allgemein eine solche Rolle in der Lebenssituation der zweiten Generation spielt" (Esser/Friedrichs 1990, S. 126).
– Nur 4,4 % der Türken und 4,2 % der von Esser/Friedrichs befragten Jugoslawen äußerten , daß sie sehr häufig Streß hätten wegen des Lebens zwischen den Stühlen/Kulturen ( 8,1% bzw. 7,2% häufig ).
Die Ergebnisse verweisen aber auch darauf, daß kulturelle Inkonsistenzspannungen bei einer Minderheit von Einwandererkindern krisenhaft erlebt werden. Es mag auch an der Auffälligkeit der Symptome (anomisches Verhalten: Suicid, Sucht, Aggressivität, Gesetz-
und Regellosigkeit), die dauerhafte kulturelle Identitätskrisen bei Jugendlichen hervorrufen können, liegen, daß ihre Verbreitung so überschätzt wird.
An anderer Stelle meinen die Autoren, daß es sich bei weniger sorgfältigen Befragungen, die die kulturellen Identitätskonflikte so hervorheben, wohl auch um die Suggestivkraft der eigenen selektiven wissenschaftlichen Interessen handeln könnte -oder auch um Antworten im Sinne der sozialen Erwünschtheit "... wurde die Reaktion ‚Zeigen von Symptomen der Identitätsstörung‘ systematisch belohnt ( z.B. durch die besorgte Umwelt
oder die äußerst an solchen Symptomen interessierten Assimilationsforscher und Ausländerpädagogen." (Esser/Friedrichs 1990 S. 54 ).
Ein interessantes Ergebnis der Untersuchung von Esser/Friedrich war zudem, daß sich der durch kulturelle Inkonsistenzen ausgelöste Stess auf diejenigen konzentrierte, deren Elternhäuser und die sich selbst der deutschen Umgebung stärker angepaßt hatten bzw. sich stärker mit ihrer ‚neuen Heimat‘ identifizieren. Dieses Ergebnis verweist auf eine andere Dimension des Identitätsproblems, auf die Identitätskonflikte, die weniger durch die Problematisierung der althergebrachten Kulturen aufbrechen, sondern auf diejenigen, die durch den Mangel an Akzeptanz -egal wie man
sich anpaßt -durch die deutsche Umgebung entstehen, und die vielleicht weit mehr verbreitet sind als Identitätskonflikte infolge widersprüchlicher Erwartungen des Elternhauses und der deutschen Umwelt. Dazu mehr weiter unten.

...

moxx
09.04.07, 00:32
Ich war heute einen Freund im Krankenhaus besuchen, mit zweifach gebrochenem Nasenbein, gebrochenem Kiefer und angebrochenem Jochbein. Er hatte den Fehler gemacht alleine am Mittwoch Abend durch Marburg an der Lahn zu laufen und auf 4 Türken/Araber/sonstewas "südländisch" zu treffen.

Arme 4 Musles!

verda
09.04.07, 00:35
Ich war heute einen Freund im Krankenhaus besuchen, mit zweifach gebrochenem Nasenbein, gebrochenem Kiefer und angebrochenem Jochbein. Er hatte den Fehler gemacht alleine am Mittwoch Abend durch Marburg an der Lahn zu laufen und auf 4 Türken/Araber/sonstewas "südländisch" zu treffen.

Arme 4 Musles!

was war denn der grund moxx?

Gökcen
09.04.07, 00:54
Ich war heute einen Freund im Krankenhaus besuchen, mit zweifach gebrochenem Nasenbein, gebrochenem Kiefer und angebrochenem Jochbein. Er hatte den Fehler gemacht alleine am Mittwoch Abend durch Marburg an der Lahn zu laufen und auf 4 Türken/Araber/sonstewas "südländisch" zu treffen.

Arme 4 Musles!

und mich haben letztens zwei kurden und ein deutscher auf die straßenbahngleise geschubst weil ich ein halbmond und stern um den hals hatte was die kurden provoziert hat.er hat mich als dumme bitch bezeichnet und hat seine passende antwort erhalten.zu meinem glück war es in der grünstraße und die bahngleise waren freigelegt so das ich einfach afu die straße laufen konnte und die nächste bahn in 7 min. einfahren sollte..schmeiss ich jetzt alle kurden und deutsche in einen topf?

BERLINDEN
09.04.07, 04:17
Ich war heute einen Freund im Krankenhaus besuchen, mit zweifach gebrochenem Nasenbein, gebrochenem Kiefer und angebrochenem Jochbein. Er hatte den Fehler gemacht alleine am Mittwoch Abend durch Marburg an der Lahn zu laufen und auf 4 Türken/Araber/sonstewas "südländisch" zu treffen.

Arme 4 Musles!


du solltest schon genauer definieren wer die waren !
ee , araber ,- türken so etwas, was ist das für eine äußerung ?
den manche südamerikaner sehen auch aus wie türken !

Zerd
22.04.07, 13:12
ich kann mir nicht helfen; für mich hat es immer einen faden beigeschmack, wenn viele menschen in einen topf geworfen werden und dann versucht wird, diesen heterogenen inhalt mit hilfe von statistischen methoden und verallgemeinerungen zu homogenisieren.

es ist in jüngerer vergangenheit immer wieder festgestellt worden, dass in Deutschland in besonderem Masse die Herkunft der jungen Menschen ihren weiteren Lebenslauf und ihre beruflichen Aussichten mitbestimmt. wieso sollte da bei den jungen menschen türkischer herkunft ein anderer mechanismus wirken als bei den anderen.

und überhaupt: von welchen kulturen reden wir überhaupt bei diesem "kulturkonflikt", lassen sich die türkische bzw. orientalisch-islamische kultur und die deutsche bzw. westlich-christliche kultur denn hinreichend genau spezifizieren, um einen konflikt daraus zu konstruieren. in jedem einzelfall ginge das vielleicht gerade noch, aber zusammengenommen decken diese "kulturen" ein so weites spektrum ab, dass mir eine verallgemeinerung nicht mehr angemessen scheint.

die frage nach der verantwortung bedarf meiner ansicht gar keiner eingehenderen untersuchung. wirtschaft, medien und politik bringen die rahmenbedingungen einer gesellschaft hervor, der einzelne reagiert lediglich auf diese rahmenbedingungen, jeder auf seine weise zwar, aber eben im rahmen der ihm gegebenen möglichkeiten. so ist doch ganz klar, dass die architekten dieser rahmenbedingungen in erster linie verantwortlich sind für schicksale, die eine größere anzahl von menschen betreffen und somit nicht als "ausnahmen" oder kollateralschäden abgetan werden können.

aber wie schon bei einigen anderen problembereichen geschehen, mit denen diese architekten nicht zurechtkamen, wird auch hier versucht, mit hilfe von entsprechenden begrifflichkeiten und konstrukten die verantwortung an den einzelnen weiterzugeben. nur dazu dient meiner ansicht nach die aufgekommene integrationsdebatte und solche konstrukte wie der kulturkonflikt. darum sollten gerade die betroffenen sich nicht auf dieses spiel einlassen.