DeLaHoya
05.06.05, 11:01
DROGEN UND PROSTITUTION IM IRAN
1. Teil
In der Privatklinik von Chashayar Nuri ist täglich zu sehen, wie die Menschen mit den Enttäuschungen und der Hoffnungslosigkeit umgehen. Von Zukunftsängsten, von gescheiterten Leben, die eigentlich noch gar nicht angefangen haben, von Hoffnungslosigkeit erzählen ihm seine Patienten. Deshalb hätten sie zu Drogen gegriffen: "Sie wollten endlich einmal auf andere Gedanken kommen, diesen unheimlichen Druck nicht mehr spüren müssen." Der Mediziner diagnostiziert bei fast allen seinen Patienten Depressionen, verursacht durch die herrschende gesellschaftliche Situation.
Die meisten seiner Patienten sind opiumabhängig. Opium ist die Droge, die in Iran am meisten konsumiert wird - schon seit alters her. Doch inzwischen ist der Konsum von einem kulturellen Phänomen zu einem sozialen Problem geworden. Ein Problem, das vor allem Jugendliche betrifft. Iran ist ein extrem junges Land - rund 35 Mio. der 68 Mio. Einwohner Irans sind jünger als zwanzig Jahre alt. Sie wollen eigentlich nur, was ihre Altersgenossen in den USA und in Europa auch wollen: einen Job und ein wenig Spaß, Abwechslung, Freizeit.
Aber viele bekommen wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage keine Arbeit - und können es sich deshalb auch nicht erlauben zu heiraten. So steigt in einem Land, das vorehelichen Geschlechtsverkehr bestraft, auch der sexuelle Frust. Und jedwede Abwechslung wird ihnen im Namen des Islams vorenthalten. Unsittlich und lasterhaft nennen die Regierung und die Geistlichkeit Vergnügungen wie Tanzen und Musik. Trotzdem ist die iranische Jugend heute mit MTV vertrauter als mit Revolutionsliedern oder schiitischen Trauergesängen. Die meisten haben Satellitenschüsseln - auch wenn die offiziell verboten sind. Aber im Iran lebt man eben in zwei Welten: in einer, die verboten ist, und in einer anderen, offiziellen. Zu lügen ist daher unausweichlich: die Klassenlehrerin darf nicht wissen, dass die Mutter zu Hause auch vor fremden Männern kein Kopftuch trägt. Dass man am Wochenende mit seinem Freund im Kino war, sollen die Eltern nicht erfahren. Schon kleinen Kindern wird beigebracht zu lügen: "Erzählt nicht in der Schule, dass wir zuhause eine Satellitenschüssel haben." Immer heucheln zu müssen kann krank machen. Das Lügen wird zur Gewohnheit, das Heucheln zur zweiten Natur.
Viele flüchten sich ins innere Exil oder in eine Traumwelt und Exzesse. Jugendlichen erzählen von wilden Partys. Und häufig arten sie in hemmungslose Exzesse aus, wie man sie aus Filmen über amerikanische Colleges kennt - in der Islamischen Republik aber nicht unbedingt erwartet hätte: Jede Menge Drogen, hemmungsloses Flirten und Sex.
Wer Geld hat, feiert häufig solche Parties. Denn trotz der rigiden Verbote gibt es in Iran alles zu kaufen: Westliche Popmusik oder auch iranischen Pop made in USA verkaufen die Straßenhändler unter der Hand, ebenso wie die neuesten Hollywood-Streifen. Auch Alkohol kann man sich problemlos beschaffen - obwohl er verboten ist. Billiger und einfacher allerdings ist es, an harte Drogen zu kommen, Unmengen an Drogen kommen aus Afghanistan ins Land. Nach Einschätzung der UNO befinden sich 76 % des weltweit vorhandenen Opiums, 19 % des Heroins und Morphiums und 5 % des Haschischs in Iran. In Teheran kann man sich ohne größere Probleme innerhalb von nur zehn Minuten harte Drogen beschaffen. Eltern mit kleinen Kindern meiden öffentliche Parks, weil es dort von Junkies und Dealern nur so wimmelt.
Die Zahlen sind erschreckend: Nach Angaben der Vereinten Nationen sind 2,8 % der Bevölkerung drogenabhängig. Weltweit gibt es - gemäß des Weltdrogenberichts aus dem Jahre 2000 - 13,5 Mio. Drogensüchtige. Demnach leben allein in Iran 15 % der weltweit Süchtigen. (...)
Vor wenigen Jahren hieß es offiziell noch, das Drogenproblem sei mit dem Sturz des Schahs verschwunden, schließlich herrsche in der Islamischen Republik Anstand und Sitte. Ein Drogenproblem habe nur der areligiöse Westen. Inzwischen haben die verantwortlichen Stellen das Wegsehen und den Bürokratenjargon aufgegeben. (...) Der Fußballer Khodadad Aziz, der Iran 1997 für die Fußballweltmeisterschaft qualifizierte, wirbt auf Plakaten für "Sport statt Drogen" und im Teheraner Park "Park-e Schahr" ist der Hinweis zu lesen: "Bitte benutzen Sie keine gebrauchten Spritzen - AIDS-Gefahr." Und Mitte Januar 2002 genehmigte die Regierung sogar die Ausgabe von sterilen Spritzen durch Apotheken. (...)
Auf einem Seminar, das die iranische Regierung im Jahr 2002 veranstaltete, stimmten alle Teilnehmer darin überein, dass die weit verbreiteten Depressionskrankheiten ausschlaggebend für den massiven Drogenkonsum seien. Der Frust ist groß, viele flüchten sich in eine Traumwelt, halten den Druck und die Widersprüche dieser Gesellschaft nicht aus. (...)
2. Teil
Die staatliche iranische Organisation für Wohlfahrt gibt Zahlen heraus, die kaum zu glauben sind. Sie schätzt, dass in den vergangenen drei Jahren etwa 1,7 Mio. Frauen und junge Mädchen wegen sozialer Probleme, die meist in der Drogenabhängigkeit der Eltern oder des Ehemannes begründet liegen, weggelaufen sind. Manche von ihnen mussten sich als Dealerinnen verdingen oder wurden ständig geschlagen. Andere wurden von den Eltern an ältere Ehemänner verkauft. Die Eltern sind froh, ein hungriges Maul loszuwerden und bekommen noch etwas Geld für die nächste Opiumration. Vor den Ehemännern, die oft älter sind als ihre Väter oder selber drogenabhängig, flüchten viele junge Frauen in die Hauptstadt. Sie erträumen sich ein besseres Leben, doch meist landen sie in den Fängen von Zuhälterbanden. (...)
In den meisten dieser Geschichten kommt ein zerbrochenes Elternhaus vor - zerbrochen wegen Drogensucht, wegen Kriminalität. Oft ist das eine Folge des anderen. Fahime Eskandari nennt das Aufbegehren als einen weiteren Grund für das sprunghaft angestiegene Flüchten der Mädchen von zuhause: Früher habe man sich einfach abgefunden mit der traditionellen Rolle, die Frauen spielen. Und auch mit den Schlägen und anderen Demütigungen. "Heute sind unsere Frauen viel offener und sie werden mit anderen Kulturen konfrontiert. Man kann die Kinder von heute nicht mit denen von vor zehn Jahren vergleichen. Sie fordern ihre Rechte ein."
An die dreißig weggelaufenen Kinder werden tagtäglich von den Behörden aufgegriffen. Das ist ihr Glück: "So gut wie alle weggelaufenen Mädchen enden als Prostituierte", schreibt Mohammad Ali Zam in einem Bericht, den er im Jahre 2000 über die Prostitution und Drogenmissbrauch in Iran verfasst hat und der in iranischen Zeitungen veröffentlicht wurde. Dies kam damals einer Sensation gleich. Bis dahin wurde die Wirklichkeit idealisiert, die offizielle Lesart zeichnete ein rosiges Bild vom Leben seit der Revolution. Sie hatte sich immerhin den Kampf gegen das Laster auf die Fahnen geschrieben. Eine der ersten Maßnahmen war nach der Machtübernahme die Schließung des Teheraner Rotlichtbezirkes. Schon damals wurde selbst in offiziellen Kreisen die Warnung laut, dass man damit das Problem nur in den Untergrund verweise, es aber nicht löse.
Eine der Ideen, mit der die Regierung versuchen möchte, dem Problem der Prostitution und vor allen den damit einhergehenden Problemen wie dem Menschenhandel und der Infektionsgefahr Herr zu werden, wurde eine Zeitlang heftig in Teheran diskutiert: die Einrichtung so genannter Anstandshäuser. In ihnen wird zwischen der Prostituierten und dem Kunden ein Vertrag über eine "Zeitehe" geschlossen. Die Zeitehe, die von wenigen Stunden bis hin zu 99 Jahren eingegangen werden kann, ist eine speziell schiitische Institution. Sie kann von einem geistlichen geschlossen werden, theoretisch braucht es aber nur die beiden Eheleute, die eine bestimmte Formel sprechen müssen.
Zugelassen soll in den Anstandshäusern nur werden, wer nachweisen kann, dass er unverheiratet ist oder eine physisch oder psychisch schwer kranke Frau hat. So hofft man, wenigstens dem AIDS-Problem Herr zu werden. Auf die Frage, was der Unterschied zwischen Bordellen und den Anstandshäusern ist, reagiert Aschraf Borudscherdi, die stellvertretende Innenministerin, ausweichend: "Manche meinen, es sei tabu, über solche Dinge zu reden, aber sie sind Teil der gesellschaftlichen Realität. Sie einfach nicht zu beachten, wird das Problem nicht lösen."
Der Vorschlag ist auch eine Reaktion auf eine Reihe von Skandalen, die im Jahre 2002 ans Licht gekommen sind. So wurden acht Mitglieder der iranischen Fußballnationalmannschaft zu bis zu 170 Peitschenhieben verurteilt, nachdem eindeutige Bilder von ihnen in einem Bordell aufgetaucht waren. Und kurz zuvor war er Fall eines Mullahs bekannt geworden, der ein Bordell führte und dort minderjährige Kinder gegen ihren Willen festhielt.
Quelle: "Schauplatz Iran" von Reinhard Witzke, Katajun Amirpur
1. Teil
In der Privatklinik von Chashayar Nuri ist täglich zu sehen, wie die Menschen mit den Enttäuschungen und der Hoffnungslosigkeit umgehen. Von Zukunftsängsten, von gescheiterten Leben, die eigentlich noch gar nicht angefangen haben, von Hoffnungslosigkeit erzählen ihm seine Patienten. Deshalb hätten sie zu Drogen gegriffen: "Sie wollten endlich einmal auf andere Gedanken kommen, diesen unheimlichen Druck nicht mehr spüren müssen." Der Mediziner diagnostiziert bei fast allen seinen Patienten Depressionen, verursacht durch die herrschende gesellschaftliche Situation.
Die meisten seiner Patienten sind opiumabhängig. Opium ist die Droge, die in Iran am meisten konsumiert wird - schon seit alters her. Doch inzwischen ist der Konsum von einem kulturellen Phänomen zu einem sozialen Problem geworden. Ein Problem, das vor allem Jugendliche betrifft. Iran ist ein extrem junges Land - rund 35 Mio. der 68 Mio. Einwohner Irans sind jünger als zwanzig Jahre alt. Sie wollen eigentlich nur, was ihre Altersgenossen in den USA und in Europa auch wollen: einen Job und ein wenig Spaß, Abwechslung, Freizeit.
Aber viele bekommen wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage keine Arbeit - und können es sich deshalb auch nicht erlauben zu heiraten. So steigt in einem Land, das vorehelichen Geschlechtsverkehr bestraft, auch der sexuelle Frust. Und jedwede Abwechslung wird ihnen im Namen des Islams vorenthalten. Unsittlich und lasterhaft nennen die Regierung und die Geistlichkeit Vergnügungen wie Tanzen und Musik. Trotzdem ist die iranische Jugend heute mit MTV vertrauter als mit Revolutionsliedern oder schiitischen Trauergesängen. Die meisten haben Satellitenschüsseln - auch wenn die offiziell verboten sind. Aber im Iran lebt man eben in zwei Welten: in einer, die verboten ist, und in einer anderen, offiziellen. Zu lügen ist daher unausweichlich: die Klassenlehrerin darf nicht wissen, dass die Mutter zu Hause auch vor fremden Männern kein Kopftuch trägt. Dass man am Wochenende mit seinem Freund im Kino war, sollen die Eltern nicht erfahren. Schon kleinen Kindern wird beigebracht zu lügen: "Erzählt nicht in der Schule, dass wir zuhause eine Satellitenschüssel haben." Immer heucheln zu müssen kann krank machen. Das Lügen wird zur Gewohnheit, das Heucheln zur zweiten Natur.
Viele flüchten sich ins innere Exil oder in eine Traumwelt und Exzesse. Jugendlichen erzählen von wilden Partys. Und häufig arten sie in hemmungslose Exzesse aus, wie man sie aus Filmen über amerikanische Colleges kennt - in der Islamischen Republik aber nicht unbedingt erwartet hätte: Jede Menge Drogen, hemmungsloses Flirten und Sex.
Wer Geld hat, feiert häufig solche Parties. Denn trotz der rigiden Verbote gibt es in Iran alles zu kaufen: Westliche Popmusik oder auch iranischen Pop made in USA verkaufen die Straßenhändler unter der Hand, ebenso wie die neuesten Hollywood-Streifen. Auch Alkohol kann man sich problemlos beschaffen - obwohl er verboten ist. Billiger und einfacher allerdings ist es, an harte Drogen zu kommen, Unmengen an Drogen kommen aus Afghanistan ins Land. Nach Einschätzung der UNO befinden sich 76 % des weltweit vorhandenen Opiums, 19 % des Heroins und Morphiums und 5 % des Haschischs in Iran. In Teheran kann man sich ohne größere Probleme innerhalb von nur zehn Minuten harte Drogen beschaffen. Eltern mit kleinen Kindern meiden öffentliche Parks, weil es dort von Junkies und Dealern nur so wimmelt.
Die Zahlen sind erschreckend: Nach Angaben der Vereinten Nationen sind 2,8 % der Bevölkerung drogenabhängig. Weltweit gibt es - gemäß des Weltdrogenberichts aus dem Jahre 2000 - 13,5 Mio. Drogensüchtige. Demnach leben allein in Iran 15 % der weltweit Süchtigen. (...)
Vor wenigen Jahren hieß es offiziell noch, das Drogenproblem sei mit dem Sturz des Schahs verschwunden, schließlich herrsche in der Islamischen Republik Anstand und Sitte. Ein Drogenproblem habe nur der areligiöse Westen. Inzwischen haben die verantwortlichen Stellen das Wegsehen und den Bürokratenjargon aufgegeben. (...) Der Fußballer Khodadad Aziz, der Iran 1997 für die Fußballweltmeisterschaft qualifizierte, wirbt auf Plakaten für "Sport statt Drogen" und im Teheraner Park "Park-e Schahr" ist der Hinweis zu lesen: "Bitte benutzen Sie keine gebrauchten Spritzen - AIDS-Gefahr." Und Mitte Januar 2002 genehmigte die Regierung sogar die Ausgabe von sterilen Spritzen durch Apotheken. (...)
Auf einem Seminar, das die iranische Regierung im Jahr 2002 veranstaltete, stimmten alle Teilnehmer darin überein, dass die weit verbreiteten Depressionskrankheiten ausschlaggebend für den massiven Drogenkonsum seien. Der Frust ist groß, viele flüchten sich in eine Traumwelt, halten den Druck und die Widersprüche dieser Gesellschaft nicht aus. (...)
2. Teil
Die staatliche iranische Organisation für Wohlfahrt gibt Zahlen heraus, die kaum zu glauben sind. Sie schätzt, dass in den vergangenen drei Jahren etwa 1,7 Mio. Frauen und junge Mädchen wegen sozialer Probleme, die meist in der Drogenabhängigkeit der Eltern oder des Ehemannes begründet liegen, weggelaufen sind. Manche von ihnen mussten sich als Dealerinnen verdingen oder wurden ständig geschlagen. Andere wurden von den Eltern an ältere Ehemänner verkauft. Die Eltern sind froh, ein hungriges Maul loszuwerden und bekommen noch etwas Geld für die nächste Opiumration. Vor den Ehemännern, die oft älter sind als ihre Väter oder selber drogenabhängig, flüchten viele junge Frauen in die Hauptstadt. Sie erträumen sich ein besseres Leben, doch meist landen sie in den Fängen von Zuhälterbanden. (...)
In den meisten dieser Geschichten kommt ein zerbrochenes Elternhaus vor - zerbrochen wegen Drogensucht, wegen Kriminalität. Oft ist das eine Folge des anderen. Fahime Eskandari nennt das Aufbegehren als einen weiteren Grund für das sprunghaft angestiegene Flüchten der Mädchen von zuhause: Früher habe man sich einfach abgefunden mit der traditionellen Rolle, die Frauen spielen. Und auch mit den Schlägen und anderen Demütigungen. "Heute sind unsere Frauen viel offener und sie werden mit anderen Kulturen konfrontiert. Man kann die Kinder von heute nicht mit denen von vor zehn Jahren vergleichen. Sie fordern ihre Rechte ein."
An die dreißig weggelaufenen Kinder werden tagtäglich von den Behörden aufgegriffen. Das ist ihr Glück: "So gut wie alle weggelaufenen Mädchen enden als Prostituierte", schreibt Mohammad Ali Zam in einem Bericht, den er im Jahre 2000 über die Prostitution und Drogenmissbrauch in Iran verfasst hat und der in iranischen Zeitungen veröffentlicht wurde. Dies kam damals einer Sensation gleich. Bis dahin wurde die Wirklichkeit idealisiert, die offizielle Lesart zeichnete ein rosiges Bild vom Leben seit der Revolution. Sie hatte sich immerhin den Kampf gegen das Laster auf die Fahnen geschrieben. Eine der ersten Maßnahmen war nach der Machtübernahme die Schließung des Teheraner Rotlichtbezirkes. Schon damals wurde selbst in offiziellen Kreisen die Warnung laut, dass man damit das Problem nur in den Untergrund verweise, es aber nicht löse.
Eine der Ideen, mit der die Regierung versuchen möchte, dem Problem der Prostitution und vor allen den damit einhergehenden Problemen wie dem Menschenhandel und der Infektionsgefahr Herr zu werden, wurde eine Zeitlang heftig in Teheran diskutiert: die Einrichtung so genannter Anstandshäuser. In ihnen wird zwischen der Prostituierten und dem Kunden ein Vertrag über eine "Zeitehe" geschlossen. Die Zeitehe, die von wenigen Stunden bis hin zu 99 Jahren eingegangen werden kann, ist eine speziell schiitische Institution. Sie kann von einem geistlichen geschlossen werden, theoretisch braucht es aber nur die beiden Eheleute, die eine bestimmte Formel sprechen müssen.
Zugelassen soll in den Anstandshäusern nur werden, wer nachweisen kann, dass er unverheiratet ist oder eine physisch oder psychisch schwer kranke Frau hat. So hofft man, wenigstens dem AIDS-Problem Herr zu werden. Auf die Frage, was der Unterschied zwischen Bordellen und den Anstandshäusern ist, reagiert Aschraf Borudscherdi, die stellvertretende Innenministerin, ausweichend: "Manche meinen, es sei tabu, über solche Dinge zu reden, aber sie sind Teil der gesellschaftlichen Realität. Sie einfach nicht zu beachten, wird das Problem nicht lösen."
Der Vorschlag ist auch eine Reaktion auf eine Reihe von Skandalen, die im Jahre 2002 ans Licht gekommen sind. So wurden acht Mitglieder der iranischen Fußballnationalmannschaft zu bis zu 170 Peitschenhieben verurteilt, nachdem eindeutige Bilder von ihnen in einem Bordell aufgetaucht waren. Und kurz zuvor war er Fall eines Mullahs bekannt geworden, der ein Bordell führte und dort minderjährige Kinder gegen ihren Willen festhielt.
Quelle: "Schauplatz Iran" von Reinhard Witzke, Katajun Amirpur