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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Osmanli ve Türkdünyasi



Carlito
04.12.07, 14:35
Wie sahen eigentlich die Beziehungen der Osmanen zu den Turkvölkern aus? Man liest darüber kaum etwas.

Gab es damals schon so etwas wie ein gemeinsames türkisches Bewusstsein? Oder war der Islam das verbindende Element?

Bezieht man sich , wenn man von gemeinsamer Geschichte spricht, nur auf die vorosmanische Zeit?

Google wirft nichts.

lynxxx
04.12.07, 16:33
Dieses "türkische Bewußtsein", so wie du es intendierst, ist eine erst im Zuge des Nationalismus im 19. Jahrhundert aufkommende Idee, die es vorher nicht gab.
Auch und gerade nicht in Zentralasien, bis zur russischen Nationalitätenpolitik. Unter den Turkmenen z.B. ist das Stammesbewusstsein noch sehr stark verankert. Vor 1917, als es keinen geeinten turkmenischen Staat oder eine große tribale Konföderation gab, war der Stamm die höchste Form der territorialen Macht. Jeder Stamm war unabhängig und hatte seinen eigenen gewählten Khan. Es gab keine zentrale Autorität außer in Krisenzeiten, wenn ein einziger Khan gewählt wurde. Jeder Stamm hatte ein eigenes Territorium und die einzelnen Stammesmitglieder waren durch ein starkes Gefühl der Verwandtschaft miteinander verbunden. Die tribale Loyaltität spielt auch heute noch eine große Rolle. So kann man festhalten, dass z.B. in Turkmenistan heute ein ein sub-nationales, tribales und klanorientieres Bewusstsein dominiert. Turkmenische Stämme zeigen z.B. untereinander oft genau soviel Feindschaft wie zu Nicht-Turkmenen. Die Oasenbevölkerung identifizierte sich normalerweise als zu einem bestimmten Dorf oder zu einem Ort gehörend und weniger als Uzbeken oder Tadschiken. Ein dominantes verbindendes Element war, wie du schon sagtest, der Islam, wenn man sich nach außen definieren wollte.

Und mir sind in osmanischer Zeit nur die kurzzeitigen lockeren Briefwechsel mit den Usbeken bekannt, die einzig und allein den politischen (nicht erfolgreichen) Zweck verfolgten, das safawidische Reich in die Zange zu nehmen.