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Musel
19.06.06, 23:42
Heirat ohne Zwang

Mehrzahl der Experten bei Bundestagsanhörung gegen Änderungen im Strafrecht und beim Nachzugsalter

BERLIN taz http://www.taz.de/gifs/bl.gif Alle sind gegen Zwangsheiraten - aber was ist der richtige Weg, sie zu verhindern und den Opfern zu helfen? Zu dieser Frage hörte der Bundestags-Familienausschuss gestern ExpertInnen an. Braucht man einen neuen Straftatbestand? Hilft der Unionsvorschlag, das Nachzugsalter für Ehegatten auf 21 Jahre anzuheben? Und was muss im Aufenthaltsrecht geregelt werden? Das waren die Hauptthemen, mit denen das Gremium sich befasste.
Bei der Frage nach dem Strafrecht blieben die meisten ExpertInnen leidenschaftslos. Schließlich sei die Zwangsheirat erst vor einem Jahr in den Nötigungsparagrafen aufgenommen worden, betonte etwa Dagmar Freudenberg vom Deutschen Juristinnenbund. Man solle doch die Wirkung des Gesetzes erst abwarten.
Das Nachzugsalter wollte allein die Soziologin Necla Kelek auf 21 Jahre erhöht sehen. Sie vertritt auch die CDU-Idee, den Frauen vor ihrer Einreise eine Sprachprüfung abzunehmen. "Ich gehe von der mündigen Bürgerin aus", erklärte sie. Diese müsse sich auch in Anatolien einen Deutschkurs organisieren können. Mit 21 Jahren seien junge Frauen entscheidungsfähiger als mit 16 oder 18, betonte sie. Deshalb müsse das Nachzugsalter heraufgesetzt werden.
Dem widersprach Heiner Bielefeldt, Direktor des Deutschen Instituts für Menschenrechte. Schon der Schutz der Ehe in der Verfassung verbiete nach der Auslegung durch das Bundesverfassungsgericht, dass Eheleute jahrelang warten müssten, bis sie ihre Ehe leben könnten. Insbesondere wenn Kinder vorhanden seien, die ein Recht auf beide Eltern haben, werde die Regelung hinfällig.
Christian Storr vom Amt des Ausländerbeauftragten in Baden-Württemberg verwies darauf, dass durch eine solche Regelung das Nachzugsalter für alle Ehepartner unzumutbar erhöht würde. "Das wäre eine allgemeine Zuzugsbeschränkung, das lehnen wir ab."
Während Kelek versuchte, auch arrangierte Ehen als Unterart von Zwangsehen zu definieren, wollten sowohl Sidar Demirdögen vom Bundesverband der Migrantinnen als auch Jae-Soon Joo-Schauen von der Migratinnenorganisation Agisra dies anders gewertet wissen. Arrangierte Ehen kämen weltweit häufig vor und würden als normal empfunden. "Eine ähnliche Funktion haben in Deutschland Kontaktanzeigen", meinte Joo-Schauen. Im Übrigen helfe "Mündigkeit" den jungen Frauen auch nicht weiter: "Sie sind in einem Loyalitätskonflikt, sie wollen ihre Familie nicht verlieren", so die Beraterin.
Für essenziell hielten die MigrantenvertreterInnen eher andere Dinge. Die Frauen brauchten einen sicheren Aufenthaltstitel, falls sie die Ehe auflösen wollten - und dies nicht erst wie bisher nach zwei Jahren. Wer in die Türkei verheiratet werde, dürfe nicht nach sechs Monaten seinen Aufenthaltstitel und damit die Möglichkeit zur Rückkehr verlieren. Es gebe keine flächendeckenden Beratungsstellen und Zufluchtswohnungen.
Viel wichtiger als Strafgesetze, die bisher übrigens kaum angewandt wurden, sei ohnehin die Prävention. Man brauche einen Aktionsplan, müsse Lehrer, Eltern und Ärzte für das Thema sensibilisieren und Kommunikationsräume schaffen, in denen Frauen ihre Lage überhaupt erst einmal reflektieren können.


HEIDE OESTREICH


taz Nr. 8000 vom 20.6.2006

http://www.taz.de/pt/2006/06/20/a0110.1/text

easydogi
20.06.06, 00:04
Na, da hat die Necla Kelek bestimmt dumm aus der Wäsche geguckt. Normalerweise hat sie stumme Moderatoren neben sich, die zu allem nicken und da bekommt sie plötzlich Gegenwind und ihre dummen Argumente verpuffen ins Nichts. :lach:

zübeyde
20.06.06, 00:09
Heirat ohne Zwang

Mehrzahl der Experten bei Bundestagsanhörung gegen Änderungen im Strafrecht und beim Nachzugsalter


[QUOTE] Das Nachzugsalter wollte allein die Soziologin Necla Kelek auf 21 Jahre erhöht sehen. Sie vertritt auch die CDU-Idee, den Frauen vor ihrer Einreise eine Sprachprüfung abzunehmen. "Ich gehe von der mündigen Bürgerin aus", erklärte sie. Diese müsse sich auch in Anatolien einen Deutschkurs organisieren können. Mit 21 Jahren seien junge Frauen entscheidungsfähiger als mit 16 oder 18, betonte sie. Deshalb müsse das Nachzugsalter heraufgesetzt werden.

Dem widersprach Heiner Bielefeldt, Direktor des Deutschen Instituts für Menschenrechte. Schon der Schutz der Ehe in der Verfassung verbiete nach der Auslegung durch das Bundesverfassungsgericht, dass Eheleute jahrelang warten müssten, bis sie ihre Ehe leben könnten. Insbesondere wenn Kinder vorhanden seien, die ein Recht auf beide Eltern haben, werde die Regelung hinfällig.

Christian Storr vom Amt des Ausländerbeauftragten in Baden-Württemberg verwies darauf, dass durch eine solche Regelung das Nachzugsalter für alle Ehepartner unzumutbar erhöht würde. "Das wäre eine allgemeine Zuzugsbeschränkung, das lehnen wir ab."

Während Kelek versuchte, auch arrangierte Ehen als Unterart von Zwangsehen zu definieren, wollten sowohl Sidar Demirdögen vom Bundesverband der Migrantinnen als auch Jae-Soon Joo-Schauen von der Migratinnenorganisation Agisra dies anders gewertet wissen. Arrangierte Ehen kämen weltweit häufig vor und würden als normal empfunden. "Eine ähnliche Funktion haben in Deutschland Kontaktanzeigen", meinte Joo-Schauen. Im Übrigen helfe "Mündigkeit" den jungen Frauen auch nicht weiter: "Sie sind in einem Loyalitätskonflikt, sie wollen ihre Familie nicht verlieren", so die Beraterin.


Von Mündigkeit spricht sie in der Ehe, Frau Soziologin Kelek. Recht hat sie. Wer nicht mündig ist, sollte weder heiraten noch Regierungen beraten.
Aber zum Glück gibt es ja auch Menschen, die in alle Richtungen denken können und Vernunft walten lassen.

Ich finde es gut, daß darüber debattiert wird, damit endlich auch endlich auch Menschen zu Wort kommen, die sich diesem Thema "ernsthaft und ehrlich" wohl widmen.

zübeyde
20.06.06, 00:37
St. Galler Tagblatt



«Tradition gibt ein gutes Gefühl»

Wie beurteilen Migrantinnen den Fall der jungen Türkin, die sich gegen eine Zwangsehe sträubte?

Zwangsehen seien selten und nicht dasselbe wie arrangierte Ehen. Die könnten voller Liebe sein – zwei Türkinnen und eine Bosnierin im Gespräch.

Das war schweizweit erstmalig:
Der Kanton St. Gallen wies zwei türkische Männer aus, nachdem eine junge Türkin (die Tochter beziehungsweise Ehefrau) bei der Polizei Anzeige gegen sie erstattet hatte. Die Männer sollen ihr mit dem Tod gedroht haben, weil sie den vom Vater ausgesuchten Ehemann nicht akzeptieren wollte. Was sagen Migrantinnen in der Ostschweiz dazu?

War diese Massnahme angemessen? Hat die junge Frau richtig gehandelt? Werden junge Türkinnen zwangsverheiratet?

Die 32-jährige Fatma Karakoc stammt aus der Türkei, ist Übersetzerin, hat zwei Kinder und lebt in Rorschacherberg.

Sabriye Altiparmak ist 35 Jahre alt, Mutter zweier Kinder, sie unterrichtet türkische Kinder in Heimatkunde und wird in einem Jahr wieder zurück in die Türkei gehen.

Elvira Zukanovi, 34 Jahre, stammt aus Bosnien und wohnt mit ihrer Familie in St. Gallen.

War die Ausweisung der zwei türkischen Männer angemessen?

Fatma Karakoc: Das ist eine Staatsangelegenheit. Die private Situation dieser Familie kenne ich nicht. Also will ich nichts dazu sagen.

Hat diese junge Frau richtig gehandelt?

Sabriye Altiparmak: Wir kennen diese Familie nicht, deshalb sollten wir aus Respekt nichts dazu sagen. Ich weiss nicht, welche Gefühle diese Frau hatte, welche Erlebnisse. Ihr Handeln kann richtig oder falsch sein.
Elvira Zukanovi: Diese Frau hat zu spät gehandelt. Sie hätte vor der Heirat mit ihrer Familie reden müssen.

Fatma Karakoc: Aus ihrer Lage heraus hat sie wahrscheinlich richtig gehandelt. Wir wissen aber nicht, aus welchen Gründen der Vater diese Zwangsmassnahme ergriffen hat. Die Frau ist ja früh von zu Hause ausgezogen. Vielleicht hatte der Vater Angst um sie. Ohne an die Folgen seines Handelns zu denken, entschied er offenbar, einen Mann für sie zu suchen. Aber er hätte natürlich nie Zwang ausüben dürfen. Wichtig erscheint mir jetzt, was mit dieser Frau geschieht. Wird sie geschützt? Kann sie mit der Familie in Kontakt bleiben?

Kann es sein, dass sie mit ihrer Familie keinen Kontakt mehr aufnehmen kann, dass sie in Gefahr ist?

Fatma Karakoc: Die Frau hat im Moment vielleicht Angst, weil sie nicht weiss, wie die Familie reagieren wird. Ob sie in Gefahr ist? Ich hoffe es nicht.
Sabriye Altiparmak: Vielleicht muss sie jetzt Angst haben. Aber ich bin auch Mutter von zwei Kindern. Wie können Eltern ihren Kindern so viel Leid antun? Wir kennen Menschen, deren Ehen arrangiert sind, aber niemanden, der zur Ehe gezwungen wurde.

Elvira Zukanovi: Meine Grosseltern und auch meine Eltern haben freiwillig und ohne Arrangement geheiratet – ich sowieso.

Werden Ehen in Ihren Heimatländern erzwungen?

Fatma Karakoc: Jedenfalls toleriert der türkische Staat keine Zwangsehen. Und Betroffene erstatten leider oft keine Anzeige.

Sabriye Altiparmak: Es gibt Unterschiede zwischen dem Westen und dem Osten der Türkei. Im Osten gibt es mehr Grossfamilien, die ihren Besitz auch mit Hilfe von arrangierten Ehen zusammenhalten wollen. Und im Unterschied zur Schweiz ziehen bei uns die Kinder erst aus, wenn sie heiraten. Den meisten Kindern gefällt das. Die Mutter putzt, und das Kind muss nichts bezahlen.

Die arrangierten Ehen oder die Zwangsehen haben keinen religiösen, aber einen kulturell-traditionellen Hintergrund.

Sabriye Altiparmak: Darf ich was sagen? Die Zwangsehe ist sicher keine Tradition. Menschen, die das machen, muss man aufklären. Und eine arrangierte Ehe ist etwas ganz anderes.

Worin liegt der Unterschied?

Sabriye Altiparmak: Zwei Menschen in einer arrangierten Ehe können sich respektieren und lieben. Sie sagen Ja zu dieser Ehe.

Fatma Karakoc: Mein Vater und meine Mutter haben schon als Kinder miteinander gespielt, sie sind Verwandte. Als sie älter waren, wurden sie gefragt, ob sie einander heiraten wollen. Sie haben sofort Ja gesagt.
Sabriye Altiparmak: Die Ehe meiner Eltern war auch arrangiert. Aber das sind perfekte Partner, von denen wir viel lernen können. Liebesheiraten gehen bekanntlich auch in die Brüche.

Fatma Karakoc: Man kann einfach nicht pauschalisieren. Es gibt auch heute arrangierte Ehen. Frauen kommen zusammen, trinken Tee oder Kaffee, die eine hat eine Tochter, die andere einen Sohn ... und dann schaut man, dass die sich mal kennen lernen, mal miteinander ausgehen.

Elvira Zukanovi: In Bosnien gibt es mehr gemischt-religiöse Ehen als in der Türkei. Jetzt nach dem Krieg sind die Leute aber vorsichtiger geworden. Im Krieg sind viele dieser Ehen zerbrochen.

Nimmt der Einfluss der Familien auf die Lebensgestaltung ihrer Nachkommen in der Schweiz ab?

Fatma Karakoc: Ja, schon ein bisschen. Als ich heiratete, verstanden in der Türkei viele nicht, dass ich jemanden heiratete, der 15 Stunden von meiner Heimatstadt entfernt aufwuchs. Aber ich lernte meinen Mann hier in der Sekundarschule kennen.

Kann es sein, dass diese junge Frau es nicht wagte, Nein zur Ehe zu sagen?

Fatma Karakoc: Sie hätte die Angst überwinden müssen, bevor die Situation eskalierte. Bei uns ist die Familie sehr wichtig. Die Familie wird vermutlich wütend sein. Nicht weil der Ehemann, sondern weil der Vater ausgeschafft wurde. Für ihn ist es sicher schwer zu akzeptieren, dass sein Leben durch das eigene Kind auf den Kopf gestellt wird.

Gibt es grössere Konflikte, wenn die Kinder in der Schweiz aufgewachsen sind?

Elvira Zukanovi: Ich kenne viele Bosnierinnen, die genau so leben wie die Schweizerinnen.

Sabriye Altiparmak: Es kann schon sein, dass es hier deswegen mehr Konflikte gibt.

Fatma Karakoc: Das ist möglich, wenn die Integration nicht gelingt und die Kinder einen Spagat zwischen den beiden Kulturen machen müssen. Die Traditionen aus meinem Heimatland können hier eine Bereicherung sein. Wenn ich an sie denke, habe ich ein gutes Gefühl. Aber Zwangsehe – das ist negativ, nichts Religiöses und hat nichts mit Islam zu tun.



Interview: Karin Fagetti

20.06.2006

http://www.tagblatt.ch/index.php?artikelxml=xxx&artikel_id=1201442&ressort=tagblattheute/ostschweiz
http://www.tagblatt.ch/graph/lin/1x1_657cb3.gif

Ali Ria Ashley
20.06.06, 01:27
Die Europäer sollten erst mal den Misst vor Ihrer eigenen Haustür beseitigen! Nach seriösen Statistiken werden in Europa Täglich Frauen von Ihren Männern grün und blau geschlagen. Jeden Tag sterben Frauen bei Häuslicher Gewalt von Europäisch-christlich Werteorientierter Männer.

Allein in Deutschland flüchten über 150 DEUTSCHE FRAUEN vor ihren prügelnden deutschen Männern mit samt ihren Kindern in die Frauenhäuser!

Wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit schmeißen heißt es doch so schön… wartet mal ab, bis die ersten türkischen Zeitungen hier erscheinen. Die Menschen werden vor staunen die Welt nicht mehr verstehen.

Diese Doppelmoral hier in diesem Land ist zum schreien!

meyu2506
20.06.06, 01:56
Diese Geschichte mit der Zwangheirat ist barbarisch und abscheulich!
Ich würde gern wissen, ob das in Zentralanatolien auch so üblich ist wie im Osten der Türkei. Die Region aus der ich komme kennt so etwas nicht. Was sind denn das für mittelalterliche Traditonen. Wir leben im 21. Jahrhundert:mad:

sunx1569
20.06.06, 09:52
auf jedem fall sollte man sein Urteil, ob das so "üblich ist im Osten der Türkei", nicht von der europäischen Medien holen.

Musel
20.06.06, 09:59
Die Europäer sollten erst mal den Misst vor Ihrer eigenen Haustür beseitigen! Nach seriösen Statistiken werden in Europa Täglich Frauen von Ihren Männern grün und blau geschlagen. Jeden Tag sterben Frauen bei Häuslicher Gewalt von Europäisch-christlich Werteorientierter Männer.

Allein in Deutschland flüchten über 150 DEUTSCHE FRAUEN vor ihren prügelnden deutschen Männern mit samt ihren Kindern in die Frauenhäuser!

Wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit schmeißen heißt es doch so schön… wartet mal ab, bis die ersten türkischen Zeitungen hier erscheinen. Die Menschen werden vor staunen die Welt nicht mehr verstehen.

Diese Doppelmoral hier in diesem Land ist zum schreien!

Nur hat das Eine mit dem Anderen nichts zu tun. Viel zu oft wird hier auf diese Weise "argumentiert": Ein Missstand wird damit gerechtfertigt, dass es ja auch noch andere Missstände gibt. Man solle sich mal nicht so anstellen und andere Dinge angehen....

So läuft das aber zum Glück nicht bei uns. Der Ehegattennachzug nach Zwangsheirat ist ein existierendes Problem (ja, neben anderen), dem sich unser gewähltes Parlament annehmen soll. Und das tut dieses offensichtlich.

Und es ist auch offensichtlich, dass sich unsere Politiker nicht von billigen Meinungsmachern leiten lassen (so wie es hier oft unterstellt wird), sondern kontrovers und ausgeglichen darüber diskutieren, um so zu für alle Seiten angemessenen Ergebnissen zu kommen.

Eigentlich sollten sich alle hier über die Ausgangsmeldung freuen. Auch und gerade wegen dem Kelek-Absatz. Auch ihr folgen nicht alle blind (auch und v.a. nicht die wirklichen Entscheidungsträger), das sollten nun hier mal alle gemerkt haben.

zübeyde
20.06.06, 10:04
Da muß ich Dir mal recht geben Musel, über den Kelek-Absatz habe ich mich sehr gefreut. Es ist wenigstens anzunehmen, daß auch andere Leute gehört werden. Immerhin. Aber diese ganze Diskussion geht auf ihr Konto. Nur hat sie nicht mehr viele Zuhörer.

Wolf
20.06.06, 10:27
Allein in Deutschland flüchten über 150 DEUTSCHE FRAUEN vor ihren prügelnden deutschen Männern mit samt ihren Kindern in die Frauenhäuser!

Watt'n datt fuer ne Aussage? Das war ja wohl etwas inhaltsleer.

150 Frauen fluechten in Frauenhaeuser..... Seit dem 2. Weltkrieg? Pro Sekunde? Pro Jahrhundert? An jedem Arbeitstag? An jedem 3. Sonntag im Monat an dem die Sonne scheint?

Musel
20.06.06, 10:39
Watt'n datt fuer ne Aussage? Das war ja wohl etwas inhaltsleer.

150 Frauen fluechten in Frauenhaeuser..... Seit dem 2. Weltkrieg? Pro Sekunde? Pro Jahrhundert? An jedem Arbeitstag? An jedem 3. Sonntag im Monat an dem die Sonne scheint?

Vor allem müsste man auch diese angebliche Statistik mal hinterfragen. Geht es wirklich nur um deutsche Frauen, die von deutschen Ehemännern geprügelt werden? Oder geht es nur um deutsche Frauenäuser? In die flüchten nämlich durchaus auch (ausländische) Frauen, die von ihren (ausländischen) Männern geprügelt werden. Aber das nur am Rande, ist hier nicht das Thema......

Kalimera
20.06.06, 10:49
Gewalt

Körperliche, seelische und sexualisierte Gewalt gelten als die höchsten Gesundheitsrisiken, mit denen Frauen auf der ganzen Welt konfrontiert sind. Jede 3. bis 5. Frau wird im Laufe ihres Lebens weltweit in einer intimen Beziehung vom Partner mißhandelt. Gewalt gegen Frauen ist kein individualisierbares Problem, sondern trifft Frauen als soziale Gruppe. Opfer wie Täter sind in allen sozialen Schichten oder Klassen zu finden. Es handelt sich um eine strukturell verankerte Problematik, die unabhängig ist vom sozialen Status, dem Alter, dem Glauben, den kulturellen Überzeugungen, dem Einkommen und der konkreten Lebenssituation der Täter wie der Opfer. (Cocon e.V.)

Cem
20.06.06, 11:49
Nur hat das Eine mit dem Anderen nichts zu tun. Viel zu oft wird hier auf diese Weise "argumentiert": Ein Missstand wird damit gerechtfertigt, dass es ja auch noch andere Missstände gibt. Man solle sich mal nicht so anstellen und andere Dinge angehen....
Nein, das verstehst Du falsch. Wenn eine Kelek derlei zur Sprache bringt, dann nicht mit der Intention, Mißstände als solche zu beseitigen, sondern um das Problem als ein kulturell und religiös determiniertes darzustellen. Lapidar formuliert, würden diese Leute am liebsten den Islam abschaffen. Der Blick in andere Sphären verfolgt argumentativ somit nicht den Zweck der Rechtfertigung, sondern denjenigen, die Behauptung zu widerlegen, dass es sich um originär kulturell determinierte Mißstände handele.


So läuft das aber zum Glück nicht bei uns. Der Ehegattennachzug nach Zwangsheirat ist ein existierendes Problem (ja, neben anderen), dem sich unser gewähltes Parlament annehmen soll. Und das tut dieses offensichtlich.
es ist und bleibt ein marginalisierbares Problem, das mit Sicherheit keiner besonderen legislativen Initiative bedarf. Dass Menschen nicht gegen ihren Willen verheiratet werden dürfen, ist auch mit der heutigen Gesetzgebung sowohl strafrechtlich, als auch verfassungs- oder gar menschenrechtlich eine Selbstverständlichkeit des Rechtswesens, nicht nur in Deutschland. Genau deshalb muss Kelek ja auch zu folgendem Taschenspielertrick greifen ...

Während Kelek versuchte, auch arrangierte Ehen als Unterart von Zwangsehen zu definieren,...
...um daraus schlussfolgern zu können, dass dieses Phänomen in einer solch großen Zahl vorkomme, dass ihm mit den konventionellen rechtlichen Instrumentarien nicht mehr beizukommen sei. Die gesamte Zwangsheiratsdebatte steht und fällt mit der Frage nach der Einordnung der arrangierten Ehen. Und an dem Punkt hat man sehr, sehr viele Türken gegen sich - auch mich - da viele von uns zugenüge arrangierte Ehen kennen, die nicht nur überaus stabil sondern auch überaus glücklich sind, so dass zumindest ihre Legitimität nicht in Frage gestellt werden sollte.

deryatulga
20.06.06, 12:01
Erinnert mich irgendwie an die endlosen "Strukturelle Gewalt" Diskussionen der unglücklichen Friedensforscher. Wer handelt, wann, frei aus allen Zwängen?

Flagellum Dei
16.04.08, 12:12
Jemen
Achtjährige befreit sich aus Zwangsehe

Nujood Nasser, ein achtjähriges Mädchen aus dem Jemen, hat erfolgreich einen Scheidungsantrag vor Gericht durchgesetzt. Ihr Vater hatte sie vor zweieinhalb Monaten gezwungen, einen 28-jährigen Mann zu heiraten. Die Zeit nach der Zwangsheirat soll für das Mädchen ein wahres Martyrium gewesen sein, aus dem es sich allein mit eigener Kraft lösen konnte.

Die Achtjährige hatte gegen ihren Vater und ihren Ehemann geklagt. Ihr Vater habe sie gezwungen, den 28-jährigen Faez Ali Thamer zu heiraten, berichtet Nujood. Sie habe zudem einen Ehevertrag unterschreiben müssen. Erst sei ihr gesagt worden, sie werde bis zum Alter von 18 Jahren bei ihrem Vater wohnen bleiben.

Doch eine Woche nach der Vertragsunterzeichnung hätten ihre Eltern ihr befohlen, bei ihrem Mann zu wohnen. Obwohl sich das Mädchen gegen die Heirat weigerte, blieb ihr keine andere Wahl. Ihr eigener Vater verprügelte sie und drohte mit weiteren Schlägen und Vergewaltigung, wenn sie seinem Willen nicht nachkäme. Doch das Leiden von Nujood fing damit erst richtig an. Die Zeit in der Wohnung des Mannes sei nach Angaben des Mädchens der reine Alptraum gewesen. Sie wurde geschlagen, vergewaltigt und gedemütigt. Ihr Ex-Ehemann bestritt vor Gericht allerdings sämtliche Vorwürfe. Gegen die Scheidung erhob er keine Einwände.

Auf eigene Faust
Obgleich sich Nujood während der quälenden Wochen mehrmals an ihre Familie wandte und sie bat, ihr bei der Trennung von ihrem brutalen Ehemann zu helfen, erhielt das Mädchen keinerlei Unterstützung. Ihr wurde nur gesagt: "Wir können nichts tun. Wenn du vor Gericht gehen willst, musst du selbst gehen." Gesagt, getan. Anfang April floh die Achtjährige aus dem Haus ihres Ehemanns und wandte sich an das zuständige Gericht in Sanaa - mit Erfolg. Die zuständigen Richter annulierten die Ehe knapp zwei Wochen später, Nujoods Familie wurde zu einer Geldstrafe von 250 US-Dollar verurteilt.

Weiterhin in Gefahr
Sie wird vorerst bei ihrem Onkel mütterlicherseits wohnen, sagt Nujood. Ihren Vater will sie nicht sehen. Der Vater erklärte während der Anhörung, er habe sich zur Verheiratung seiner Tochter gezwungen gesehen. "Ich habe sie mit ihrer Einwilligung verheiratet, weil ich Angst um sie und meine anderen Kinder hatte." Nach Einschätzung eines Verwandten leidet der Vater unter psychischen Problemen und stellt somit eine echte Gefahr für seine Tochter dar. Nujood soll demnächst in eine Einrichtung der Kinderhilfsorganisation Dar-al-Rahama gebracht werden, um sie dort vor möglichen Übergriffen aus der Familie zu schützen.

Kein Einzelfall
Nujoods Anwältin Schadha Nasser bestätigt, dass Nodschuds Schicksal im Jemen keineswegs ein Einzelfall ist. "Ich glaube, es gibt tausende ähnlicher Fälle." Der Anwältin zufolge fordern Bürgerrechtsgruppen im Jemen die Festlegung eines Mindestalters für die Eheschließung auf 18 Jahre. Bislang gibt es im Jemen keine Regelung für ein Heiratsalter.

(cp/AFP)





http://www.zoomer.de/news/topthema/zwangsheirat/jemen/artikel/achtjaehrige-befreit-sich-aus-zwangsehe






oh Mann! :gewalt:

PSYCHO
16.04.08, 12:18
Also "Zwangsheirat" sollte bei gewissen Ländern, in diesem Fall Jemen, so schnell wie möglich abgeschafft werden, weil damit tut man den kleinen Mädels keinen Gefallen.

Ein Mädchen / eine Frau sollte ihren Freund / Ehemann selber aussuchen und selber auswählen, meine Meinung.

Da haben Eltern und Verwandte oder weiss der Geier wer, diesbezüglich nichts zu melden (jetzt bei einer erwachsenen Frau meinte ich).

Ich finde es gut, das das Mädchen durch das Gerichtsurteil wieder frei ist. Das ist schon mal eine Weise Entscheidung in die richtige Richtung, denke ich.

aMuse
16.04.08, 12:19
Bewundernswert, wie ein acht jähriges Kind sich auf eigene Faust gewehrt hat. Für mich gehören der Vater und der perverse Ehemann hinter Gittern. Das ist Pädophilie und sowas gehört bestraft!

stilicho
16.04.08, 13:34
Achtjährige trennt sich von Ehemann und bangt um ihr LebenVon Annette Langer

Wochenlang wurde die achtjährige Nojoud Nasser gequält und vergewaltigt - von ihrem Ehemann. Jetzt gelang es dem zwangsverheirateten Kind aus dem Jemen, die Ehe vor Gericht annullieren zu lassen. Doch das Mädchen muss um sein Leben fürchten.

mehr:

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,547398,00.html

stilicho
16.04.08, 18:21
Also "Zwangsheirat" sollte bei gewissen Ländern, in diesem Fall Jemen, so schnell wie möglich abgeschafft werden, weil damit tut man den kleinen Mädels keinen Gefallen.

"Damit tut man den kleinen Mädels keinen Gefallen", so beliebst du dich auszudrücken, wenn du über ein ungeheuerliches, durch eine inhumane Tradition, aber auch den Islam gedecktes Verbrechen sprichst. Du sprichst dich zwar dagegen aus, aber deine Wortwahl verrät, daß du innere Reserven davor hast, dieses Verbrechen als das zu bezeichnen, was es ist.

verda
29.04.09, 14:04
Fischbach: Frauen vor Zwangsverheiratung schützen
29.04.2009

Die parlamentarische Versammlung des Europarats hat am 28. April darüber debattiert, wie Mädchen und Frauen besser vor Zwangsverheiratungen geschützt werden können. Dazu erklärt die Vorsitzende der Gruppe der Frauen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Ingrid Fischbach MdB:

Frauen - und Männer - müssen besser vor Zwangsverheiratungen geschützt werden. Mit einem europaweiten Abkommen könnte der Schutz deutlich verbessert werden. In Deutschland sind gerade Migrantinnen und Migranten aus der Türkei von Zwangsverheiratungen bedroht, daher ist eine Initiative des Europarats - in dem auch Parlamentarier aus der Türkei sitzen - ein erfolgsversprechender Ansatz! Daneben müssen aber auch die nationalen Regelungen noch einmal überdacht werden. So wäre die Einführung eines eigenen Straftatbestands "Zwangsverheiratung" im Strafgesetzbuch vorstellbar, um den Unrechtscharakter von Zwangsverheiratungen klar und eindeutig herauszustellen und die Zwangsverheiratung wirksam ahnden zu können.
weiter (http://www.ad-hoc-news.de/fischbach-frauen-vor-zwangsverheiratung-schuetzen--/de/Politik/20205366)

polatinum
29.04.09, 14:08
Und wenns es mit der Ehe nicht so klappt und man eine Scheidung möchte kann man später immer noch behaupten dass es eine Zwangsheirat war.

ayyıldız66
29.04.09, 14:11
Und wenns es mit der Ehe nicht so klappt und man eine Scheidung möchte kann man später immer noch behaupten dass es eine Zwangsheirat war.

Das muss man dann aber auch beweisen können.