Gök Türk
04.07.05, 13:02
Türken gegen Marokkaner: Bandenkrieg in Innsbruck
Ein Mann sieht rot. Nachdem sein kleiner Bruder von zwei Marokkanern niedergestochen wird, zieht Kadir Y. los, um ihn zu rächen.
"Als ich gegen Mitternacht in die Klinik gerufen wurde und meinen kleinen Bruder so da liegen sah, machte es bei mir Klick", sagt Kadir Y. (44)*. Er ist der ältere Bruder von Ali Y. (33)*, der am 20. Juni vor dem Sillpark in Innsbruck von zwei Marokkanern überfallen und mit einem Messer in den Kopf gestochen wurde (Die NEUE berichtete gestern).
"Er war überall an Kabeln angeschlossen. Die Ärzte sagten mir, sie müssten ihn notoperieren. Sein Gehirn sei verletzt und auch wenn er überleben sollte, sei mit geistigen Folgeschäden zu rechnen. Ich bekam keine Luft mehr und brach zusammen." Nahezu die gesamte Familie versammelt sich in der Klinik.
Kadir Y. als ältester Bruder macht sich Vorwürfe. "Er ist mein kleiner Bruder. Tausend Gedanken schossen mir durch den Kopf. `Habe ich was falsch gemacht?` `Hätte ich besser auf ihn aufpassen sollen?` Die Minuten kamen mir wie eine Ewigkeit vor, ich war nahe am Ausflippen."
Ali Y. wird notoperiert. Der Eingriff verläuft erfolgreich. Aber er liegt im Koma. Niemand kann sagen, ob er wieder aufwachen wird und wenn ja, ob er jemals wieder sprechen und laufen kann. "Ich wurde die Bilder von meinem Bruder nicht los, wie er mit all den Kabeln im Klinikbett lag", erzählt Kadir Y. "Ich musste auch dauernd daran denken, wie er minutenlang vor dem Sillpark lag. Blutüberströmt und um Hilfe rufend. Diese Gedanken waren kaum auszuhalten."
Kadir Y. und seine Familie schlafen in dieser Nacht nicht. "Der Morgen brach langsam an", sagt Kadir Y. "Ich konnte nicht mehr untätig rumsitzen. Ich musste etwas tun." Er fragt Mehmet K. (35)*, jenen Freund der Familie, der in der Nacht des Angriffs auf seinen Bruder dabei war und die Täter gesehen hat, ob er sie wiedererkennen würde, wenn er sie sieht.
"Als mir Mehmet versicherte, dass er den Angreifer meines Bruders definitiv wiedererkennen würde, war für mich klar, dass ich die Sache selbst in die Hand nehmen musste." Kadir Y. trommelt drei weitere Freunde zusammen und macht sich in den Morgenstunden auf zum Sillpark, wo sein Bruder niedergestochen und fast getötet wurde. "Der Plan war einfach", sagt Kadir Y. "Die Täter finden und fertig machen."
Die selbsternannten Rächer fahren zum Sillpark und warten. "Mir war klar, dass jetzt alles passieren konnte", sagt Kadir Y. "Es ist bekannt, dass jene Marokkaner nie ohne Waffen wie Messer und Schlagringe unterwegs sind. Aber das war mir in diesem Augenblick egal.
Ich habe zu meinen Freunden gesagt, dass das meine Angelegenheit ist. Sobald wir die Täter sehen, sollen sie sich nicht einmischen und sie mir überlassen. Ali ist mein Bruder und wenn jemand deswegen Probleme bekommt, dann möchte ich das sein". Kadir Y. und seine Leute warten.
Am frühen Nachmittag ist es dann soweit. Mehmet K. erkennt den Mann, der in der Nacht zuvor auf Ali Y. losging und ihn ins Koma brachte. "Ich rannte sofort los", sagt Kadir Y.
Die Marokkaner waren wie üblich in einer Gruppe von mehreren Leuten da.
Als sie mich auf sich zukommen sahen, rannten sie alle davon.
Aber nach wenigen Metern erwischte ich den Mann, der meinen Bruder auf dem Gewissen hatte." Kadir Y. schlägt auf den Mann ein. Mit Fäusten und Fußtritten bearbeitet er den Marokkaner minutenlang, bis dieser sich nicht mehr wehrt. Kadir Y.s Freunde sehen zu, die Freunde des Marokkaners sind verschwunden. "Ich habe ihn auf dem Boden festgehalten und die Polizei angerufen", erzählt Kadir Y. weiter. "Er war bei Bewusstsein."
Als nach etwa zehn Minuten die Polizei mit mehreren Autos am Tatort eintrifft, stellt sie Kadir Y. zur Rede. "Man hat mich gefragt, warum ich den Marokkaner niedergeschlagen habe", sagt Kadir Y. "Ich habe ihnen erzählt, dass dieser Mann gestern meinen kleinen Bruder mit einem Messer attackiert hat und dennoch auf freiem Fuß ist.
Daraufhin haben sie offenbar in der Klinik angerufen und meine Angaben überprüft, einer der Polizisten klopfte mir auf die Schulter und sagte mir, ich sei im Recht." Darufhin fragen ihn die Polizeibeamten nach einem Ausweis. "Ich hatte keinen Ausweis dabei", sagt Kadir Y. "Aber zwei meiner Begleiter. Daraufhin haben sie von ihnen die Daten aufgenommen, aber nicht von mir. Sie wollten nicht einmal meinen Namen wissen."
Die Polizei nimmt den Marokkaner, der scheinbar nicht lebensgefährlich verletzt ist, mit. Kadir Y. und seine Leute können nachhause gehen. Bis heute hat keiner von ihnen eine Anzeige bekommen. Noch überraschender als diese Tatsache sei für ihn der Umstand, dass gegen diesen Marokkaner keine Untersuchungshaft verhängt wurde.
Obwohl zu diesem Zeitpunkt Ali Y. im Koma lag und hätte sterben können. Laut Polizei machten die Zeugen bei der Identifizierung des Marokkaners unterschiedliche Angaben. Außerdem sei beim Angriff auf Ali Y. nicht klar, wer der Verursacher der Schlägerei gewesen sei. Für Kadir Y. nicht zu glauben. "Wenn mein Bruder gestorben wäre, hätte man einen Mörder gefasst und sofort wieder frei gelassen. Was sind das für Gesetze?", klagt er an.
Aber das dicke Ende folgt noch, glaubt Kadir Y.. "Es wurden bereits Drohungen ausgesprochen. Die Marokkaner wollen jetzt zurückschlagen." Und tatsächlich. Recherchen der NEUEN haben bestätigt, dass sich die betroffenen Marokkaner derzeit formieren und zum Gegenschlag ausholen wollen.
Ali Y. und seine Familie wurden konkret bedroht. "Nachdem ich erfahren habe, dass sich nach der Racheaktion meines Bruders die Marokkaner ihrerseits rächen wollen, sagte ich das der Polizei. Ihre Reaktion darauf war, ich soll sie anrufen, wenn es soweit sei", erzählt Ali Y. "Wollen sie mich schützen, nachdem etwas passiert", empört sich der Familienvater.
Ali Y.s Schicksal war erst der Anfang. Die Innsbrucker Drogenszene befindet sich derzeit in einer gewaltigen Umstrukturierung. "Zwischen Marokkanern und Türken bahnt sich ein blutiger Kampf um die Vorherrschaft in der Innsbrucker Unterwelt an", verrät ein Insider. "Die Dimensionen könnten jene erreichen, die wir aus amerikanischen Bandenkriegen kennen."
Der Fall Ali Y. sei kein Zufall, "Wenn Marokkaner auf Türken treffen, juckt allen der Finger." Dabei gehe es vor allem um Asylwerber, die gekommen seien, um ein Vakuum in der Innsbrucker Drogenszene zu füllen. "Diese Leute sind organisiert. Es sind Gangster. Und wie man an den Vorgängen der Vergangenheit sieht, verhalten sie sich auch wie Gangster."
Demnächst: Welche Vorgänge gemeint sind und wie sich die Banden organisieren, erste Reaktionen und Insider-Informationen. Außerdem: Warum uns ein Bandenkrieg nicht egal sein darf.
*Namen von der Redaktion geändert.
Quelle (http://portal.tirol.com/chronik/innsbruck/14172/index.do)
Ein Mann sieht rot. Nachdem sein kleiner Bruder von zwei Marokkanern niedergestochen wird, zieht Kadir Y. los, um ihn zu rächen.
"Als ich gegen Mitternacht in die Klinik gerufen wurde und meinen kleinen Bruder so da liegen sah, machte es bei mir Klick", sagt Kadir Y. (44)*. Er ist der ältere Bruder von Ali Y. (33)*, der am 20. Juni vor dem Sillpark in Innsbruck von zwei Marokkanern überfallen und mit einem Messer in den Kopf gestochen wurde (Die NEUE berichtete gestern).
"Er war überall an Kabeln angeschlossen. Die Ärzte sagten mir, sie müssten ihn notoperieren. Sein Gehirn sei verletzt und auch wenn er überleben sollte, sei mit geistigen Folgeschäden zu rechnen. Ich bekam keine Luft mehr und brach zusammen." Nahezu die gesamte Familie versammelt sich in der Klinik.
Kadir Y. als ältester Bruder macht sich Vorwürfe. "Er ist mein kleiner Bruder. Tausend Gedanken schossen mir durch den Kopf. `Habe ich was falsch gemacht?` `Hätte ich besser auf ihn aufpassen sollen?` Die Minuten kamen mir wie eine Ewigkeit vor, ich war nahe am Ausflippen."
Ali Y. wird notoperiert. Der Eingriff verläuft erfolgreich. Aber er liegt im Koma. Niemand kann sagen, ob er wieder aufwachen wird und wenn ja, ob er jemals wieder sprechen und laufen kann. "Ich wurde die Bilder von meinem Bruder nicht los, wie er mit all den Kabeln im Klinikbett lag", erzählt Kadir Y. "Ich musste auch dauernd daran denken, wie er minutenlang vor dem Sillpark lag. Blutüberströmt und um Hilfe rufend. Diese Gedanken waren kaum auszuhalten."
Kadir Y. und seine Familie schlafen in dieser Nacht nicht. "Der Morgen brach langsam an", sagt Kadir Y. "Ich konnte nicht mehr untätig rumsitzen. Ich musste etwas tun." Er fragt Mehmet K. (35)*, jenen Freund der Familie, der in der Nacht des Angriffs auf seinen Bruder dabei war und die Täter gesehen hat, ob er sie wiedererkennen würde, wenn er sie sieht.
"Als mir Mehmet versicherte, dass er den Angreifer meines Bruders definitiv wiedererkennen würde, war für mich klar, dass ich die Sache selbst in die Hand nehmen musste." Kadir Y. trommelt drei weitere Freunde zusammen und macht sich in den Morgenstunden auf zum Sillpark, wo sein Bruder niedergestochen und fast getötet wurde. "Der Plan war einfach", sagt Kadir Y. "Die Täter finden und fertig machen."
Die selbsternannten Rächer fahren zum Sillpark und warten. "Mir war klar, dass jetzt alles passieren konnte", sagt Kadir Y. "Es ist bekannt, dass jene Marokkaner nie ohne Waffen wie Messer und Schlagringe unterwegs sind. Aber das war mir in diesem Augenblick egal.
Ich habe zu meinen Freunden gesagt, dass das meine Angelegenheit ist. Sobald wir die Täter sehen, sollen sie sich nicht einmischen und sie mir überlassen. Ali ist mein Bruder und wenn jemand deswegen Probleme bekommt, dann möchte ich das sein". Kadir Y. und seine Leute warten.
Am frühen Nachmittag ist es dann soweit. Mehmet K. erkennt den Mann, der in der Nacht zuvor auf Ali Y. losging und ihn ins Koma brachte. "Ich rannte sofort los", sagt Kadir Y.
Die Marokkaner waren wie üblich in einer Gruppe von mehreren Leuten da.
Als sie mich auf sich zukommen sahen, rannten sie alle davon.
Aber nach wenigen Metern erwischte ich den Mann, der meinen Bruder auf dem Gewissen hatte." Kadir Y. schlägt auf den Mann ein. Mit Fäusten und Fußtritten bearbeitet er den Marokkaner minutenlang, bis dieser sich nicht mehr wehrt. Kadir Y.s Freunde sehen zu, die Freunde des Marokkaners sind verschwunden. "Ich habe ihn auf dem Boden festgehalten und die Polizei angerufen", erzählt Kadir Y. weiter. "Er war bei Bewusstsein."
Als nach etwa zehn Minuten die Polizei mit mehreren Autos am Tatort eintrifft, stellt sie Kadir Y. zur Rede. "Man hat mich gefragt, warum ich den Marokkaner niedergeschlagen habe", sagt Kadir Y. "Ich habe ihnen erzählt, dass dieser Mann gestern meinen kleinen Bruder mit einem Messer attackiert hat und dennoch auf freiem Fuß ist.
Daraufhin haben sie offenbar in der Klinik angerufen und meine Angaben überprüft, einer der Polizisten klopfte mir auf die Schulter und sagte mir, ich sei im Recht." Darufhin fragen ihn die Polizeibeamten nach einem Ausweis. "Ich hatte keinen Ausweis dabei", sagt Kadir Y. "Aber zwei meiner Begleiter. Daraufhin haben sie von ihnen die Daten aufgenommen, aber nicht von mir. Sie wollten nicht einmal meinen Namen wissen."
Die Polizei nimmt den Marokkaner, der scheinbar nicht lebensgefährlich verletzt ist, mit. Kadir Y. und seine Leute können nachhause gehen. Bis heute hat keiner von ihnen eine Anzeige bekommen. Noch überraschender als diese Tatsache sei für ihn der Umstand, dass gegen diesen Marokkaner keine Untersuchungshaft verhängt wurde.
Obwohl zu diesem Zeitpunkt Ali Y. im Koma lag und hätte sterben können. Laut Polizei machten die Zeugen bei der Identifizierung des Marokkaners unterschiedliche Angaben. Außerdem sei beim Angriff auf Ali Y. nicht klar, wer der Verursacher der Schlägerei gewesen sei. Für Kadir Y. nicht zu glauben. "Wenn mein Bruder gestorben wäre, hätte man einen Mörder gefasst und sofort wieder frei gelassen. Was sind das für Gesetze?", klagt er an.
Aber das dicke Ende folgt noch, glaubt Kadir Y.. "Es wurden bereits Drohungen ausgesprochen. Die Marokkaner wollen jetzt zurückschlagen." Und tatsächlich. Recherchen der NEUEN haben bestätigt, dass sich die betroffenen Marokkaner derzeit formieren und zum Gegenschlag ausholen wollen.
Ali Y. und seine Familie wurden konkret bedroht. "Nachdem ich erfahren habe, dass sich nach der Racheaktion meines Bruders die Marokkaner ihrerseits rächen wollen, sagte ich das der Polizei. Ihre Reaktion darauf war, ich soll sie anrufen, wenn es soweit sei", erzählt Ali Y. "Wollen sie mich schützen, nachdem etwas passiert", empört sich der Familienvater.
Ali Y.s Schicksal war erst der Anfang. Die Innsbrucker Drogenszene befindet sich derzeit in einer gewaltigen Umstrukturierung. "Zwischen Marokkanern und Türken bahnt sich ein blutiger Kampf um die Vorherrschaft in der Innsbrucker Unterwelt an", verrät ein Insider. "Die Dimensionen könnten jene erreichen, die wir aus amerikanischen Bandenkriegen kennen."
Der Fall Ali Y. sei kein Zufall, "Wenn Marokkaner auf Türken treffen, juckt allen der Finger." Dabei gehe es vor allem um Asylwerber, die gekommen seien, um ein Vakuum in der Innsbrucker Drogenszene zu füllen. "Diese Leute sind organisiert. Es sind Gangster. Und wie man an den Vorgängen der Vergangenheit sieht, verhalten sie sich auch wie Gangster."
Demnächst: Welche Vorgänge gemeint sind und wie sich die Banden organisieren, erste Reaktionen und Insider-Informationen. Außerdem: Warum uns ein Bandenkrieg nicht egal sein darf.
*Namen von der Redaktion geändert.
Quelle (http://portal.tirol.com/chronik/innsbruck/14172/index.do)