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09.06.08, 14:54
Türkische Akademiker verlassen "Berlin"
Türkische Akademiker verlassen "Berlin"
Türkischstämmige Akademiker fühlen sich in Berlin nicht anerkannt. Jeder dritte will die deutsche Hauptstadt deshalb verlassen. Ihr Ziel ist die Türkei. Dabei könnten sie in Deutschland einen wichtigen Beitrag zur Vermittlung der jeweils anderen Kultur leisten.
Mehr und mehr türkischstämmige Deutsche planen die Rückkehr in die Heimat ihrer Eltern. Zu ihrer "geheimen Liebe", wie Handan Ceylan das Land am Bosporus nennt. Die 30-Jährige ist in Bayern aufgewachsen, machte – entgegen der Empfehlung ihres Hauptschullehrers – Abitur, studierte in Bonn Jura und arbeitet in Berlin als Referendarin am Gericht. In einem Jahr ist sie fertig. „Dann steht die Türkei bei meinen Bewerbungen an oberster Stelle“, sagt sie. Handans Traumjob: Juristin in der Entwicklungshilfe oder -politik.
Ein Einzelfall ist sie nicht: 38 Prozent der türkischstämmigen Akademiker beabsichtigen, in die Türkei zu ziehen. Zu dem Zwischenergebnis kommt das Forschungsinstitut „futureorg“ aus Krefeld in der TASD-Studie über türkische Bildungseliten in Deutschland. „Wir haben von Dezember 2007 bis Januar dieses Jahres 173 Teilnehmer befragt“, erklärt Institutsleiter Kamuran Sezer. 21 Prozent gaben berufliche Gründe für ihre Abwanderungsbereitschaft an. Verständlich, immerhin boomt die Wirtschaft in der Türkei seit Jahren. Doch der am häufigsten genannte Grund (42 Prozent) war das fehlende Heimatgefühl.
In Berlin leben nach Angaben der Senatsverwaltung für Integration rund 200.000 Menschen türkischer Herkunft, im Wintersemester 2006 waren 1714 türkische Studenten an Berliner Unis eingeschrieben. Wie viele von ihnen dem Land den Rücken kehren wollen, ist nicht belegt. In der Senatsverwaltung will man nicht von einem Trend sprechen, aber Auswanderung in die Türkei gebe es. Nach Schätzungen des Zentrums für Türkeistudien in Essen ist die Arbeitslosenquote unter türkischstämmigen Akademikern hierzulande dreimal so hoch wie bei originär deutschen Kommilitonen.
In Deutschland fühlen sich viele Akademiker wegen ihrer türkischen Abstammung zurückgewiesen. Das Zentrum für Türkeistudien hat die Probe aufs Exempel gemacht und identische Bewerbungen an Unternehmen geschickt – einmal mit türkischem Namen. Das Ergebnis: Bewerber mit deutschem Namen wurden zehnmal häufiger zum Vorstellungsgespräch eingeladen als diejenigen mit türkischem.
http://www.welt.de/berlin/article2080851/Tuerkische_Akademiker_verlasse n_Berlin.html
Türkische Akademiker verlassen "Berlin"
Türkischstämmige Akademiker fühlen sich in Berlin nicht anerkannt. Jeder dritte will die deutsche Hauptstadt deshalb verlassen. Ihr Ziel ist die Türkei. Dabei könnten sie in Deutschland einen wichtigen Beitrag zur Vermittlung der jeweils anderen Kultur leisten.
Mehr und mehr türkischstämmige Deutsche planen die Rückkehr in die Heimat ihrer Eltern. Zu ihrer "geheimen Liebe", wie Handan Ceylan das Land am Bosporus nennt. Die 30-Jährige ist in Bayern aufgewachsen, machte – entgegen der Empfehlung ihres Hauptschullehrers – Abitur, studierte in Bonn Jura und arbeitet in Berlin als Referendarin am Gericht. In einem Jahr ist sie fertig. „Dann steht die Türkei bei meinen Bewerbungen an oberster Stelle“, sagt sie. Handans Traumjob: Juristin in der Entwicklungshilfe oder -politik.
Ein Einzelfall ist sie nicht: 38 Prozent der türkischstämmigen Akademiker beabsichtigen, in die Türkei zu ziehen. Zu dem Zwischenergebnis kommt das Forschungsinstitut „futureorg“ aus Krefeld in der TASD-Studie über türkische Bildungseliten in Deutschland. „Wir haben von Dezember 2007 bis Januar dieses Jahres 173 Teilnehmer befragt“, erklärt Institutsleiter Kamuran Sezer. 21 Prozent gaben berufliche Gründe für ihre Abwanderungsbereitschaft an. Verständlich, immerhin boomt die Wirtschaft in der Türkei seit Jahren. Doch der am häufigsten genannte Grund (42 Prozent) war das fehlende Heimatgefühl.
In Berlin leben nach Angaben der Senatsverwaltung für Integration rund 200.000 Menschen türkischer Herkunft, im Wintersemester 2006 waren 1714 türkische Studenten an Berliner Unis eingeschrieben. Wie viele von ihnen dem Land den Rücken kehren wollen, ist nicht belegt. In der Senatsverwaltung will man nicht von einem Trend sprechen, aber Auswanderung in die Türkei gebe es. Nach Schätzungen des Zentrums für Türkeistudien in Essen ist die Arbeitslosenquote unter türkischstämmigen Akademikern hierzulande dreimal so hoch wie bei originär deutschen Kommilitonen.
In Deutschland fühlen sich viele Akademiker wegen ihrer türkischen Abstammung zurückgewiesen. Das Zentrum für Türkeistudien hat die Probe aufs Exempel gemacht und identische Bewerbungen an Unternehmen geschickt – einmal mit türkischem Namen. Das Ergebnis: Bewerber mit deutschem Namen wurden zehnmal häufiger zum Vorstellungsgespräch eingeladen als diejenigen mit türkischem.
http://www.welt.de/berlin/article2080851/Tuerkische_Akademiker_verlasse n_Berlin.html