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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Demokratie oder Plutokratie



polatinum
31.10.08, 02:53
Kann man eigentlich behaupten dass in vielen sogenannten "demokratischen" Staaten Plutokratie bzw Oligarchie herrscht?

Gibts überhaupt wirkliche Demokratien?



Kapitalismus + Demokratie = Plutokratie, die Herrschaft der Superreichen

Wer die heute erreichten Zustände weltweit verstehen will, der muß sich von einigen liebgewordenen Irrtümern befreien. Der gravierendste Irrtum ist der Glaube, daß Demokratie mit Volksherrschaft gleichzusetzen ist, und diese flankiert wird von Gewaltenteilung, Rechtsstaatlichkeit, freien Wahlen, Meinungs- und Medienfreiheit sowie dem Streben nach sozialer Gerechtigkeit.

Wer die Geschichte der heutigen Demokratie bis zu ihrer Entstehung in England zurückverfolgt, der findet als Geburtsstätte eine vom Chaos bestimmte, auf dem Recht des Stärkeren beruhende Gesellschaftsordnung, in der die Reichen sich allein aus Vernunftgründen dazu durchrangen, die Verteilung der Reichtümer nicht mehr mit Gewalt auszutragen, sondern sie nach gewissen Spielregeln in einem Parlament vorzunehmen. In dem Maße, wie sie ihre eigene Position sichern konnten, waren sie dann auch bereit, in einem Unterhaus Vertreter des einfachen Volkes zu Worte kommen zu lassen.

Das Problem, eigentlich der Grund für die Existenz jeder Demokratie überhaupt, ist die unter ihrem Schirm betriebene Wirtschaftsordnung, die als Kapitalismus bezeichnet wird. Dieser Kapitalismus sorgt nun immer und zu allen Zeiten dafür, daß sich das Kapital, ganz gleich durch welche Einflüsse und Maßnahmen, in wenigen Händen konzentriert. Also: Kapitalismus erzeugt immer Plutokraten, Superreiche. Es konzentrieren sich Reichtümer unvorstellbaren Ausmaßes in wenigen Händen. Die Hauptsorge der Superreichen war damals wie heute nicht nur, wie man noch reicher und mächtiger werden kann, sondern vor allem, wie sich der einmal erraffte Reichtum mit der damit verbundenen Machtfülle vor Verlust schützen läßt. Da die größte Gefahr für einen Verlust weniger von den selbst betriebenen Börsen ausgeht als vielmehr von ernsthaften politischen Veränderungen, muß es das Bestreben eines jeden Superreichen sein, sich politischen Einfluß auch in solchen Staaten zu sichern, wo offiziell das Volk herrscht, also in Demokratien. Diese Demokratien sind, wie einst die Monarchien, eng mit der Wirtschaftsform des Kapitalismus verbunden. Seit Bestehen der Bundesrepublik herrscht auch bei uns, wie zuvor schon in den angloamerikanischen und anderen demokratischen Ländern, nicht mehr das Primat der Politik, sondern das Primat der Wirtschaft über die Politik.

Um nun einen Einfluß auf die Politik ausüben zu können, hat der Superreiche (Plutokrat, Oligarch, ...) verschiedene Möglichkeiten. Er kann mit Wahlkampfspenden ihm geeignet erscheinende Parteien oder Abgeordnete unterstützen - wenn er nicht selbst bereits bei der Parteigründung Pate stand. Er kann sich ein Medienimperium zulegen, welches seine Interessen über die Lenkung der öffentlichen Meinung unterstützt. Er kann seinen Einfluß auf Schulen und Universitäten ausdehnen, Wissenschaft und Forschung sponsern und daher über die Ergebnisse mitbestimmen. Er kann seine Mitarbeiter in politische Gremien entsenden oder selbst Gremien gründen, um in ihnen gemeinsam mit seinen superreichen Kollegen über eine Interessensicherung zu beraten. Das bekannteste politische Gremium eines Plutokraten ist wohl die Round Table Organisation des britischen Plutokraten Cecil Rhodes, nach dem Rhodesien benannt wurde. Aus dieser Organisation heraus hat er bereits Anfangs des 20. Jahrhunderts seine Interessenvertreter in die britischen und amerikanischen Parlamente geschickt.






Damit dürfte auch klargestellt sein, daß Politik in den demokratischen Staaten eben nicht an bestimmte Parteien und Wahlperioden gebunden ist, wie man uns gerne glauben machen will. Es findet aus Tarnungsgründen lediglich eine solche Verteilung der Rollen statt, daß die zu täuschenden Wähler möglichst wenig von den im Hintergrund abzuarbeitenden, im Auftrag der Plutokraten erstellten Planungen mitbekommen. Das heißt zum Beispiel, daß die
„Sozis„ den Auftrag bekommen, den nicht mehr zeitgemäßen Sozialstaat abzureißen, weil bei der eher kapitalistisch auftretenden CDU der Protest der Geschädigten erheblich größer wäre. Das heißt auch, daß es völlig egal ist, welche Parteien die Regierung und welche die sogenannte Opposition bilden, da die politischen Vorgaben ohnehin ganz woanders konzipiert werden. Die Politiker müssen nur noch so gut schauspielern, daß nicht auch der letzte Wähler den Wahlurnen fernbleibt.

Salzkartoffel
31.10.08, 14:21
Also ich würde schon sagen dass es unter den Superreichen sehr demokratisch zugeht. Wenn die sich treffen dann werden wohl keine Beschlüsse gegen die Mehrheit der Superreichen gefaßt:-)

Der Mensch ist so konstruiert dass er
- In einer Gruppe herrschen
- möglichst wenig arbeiten
- möglichst viel besitzen
will.

In einer Gruppe setzen sich die stärksten, cleversten, skrupellosesten durch. In kleinen Gruppen dominiert der Boss den Rest persönlich. Bei Millionen von Menschen ist das nicht mehr so einfach. Hier muss man Machtpyramiden bauen. Ganz oben ist ein König oder ein Kartell aus Geldadel. Die bauen einen Staatsapparat auf. Ganz unten sind wir. Noch weiter als ganz unten ist die Dritte Welt.

Eine direkte Unterdrückungspyramide ist meist sehr instabil. Nur mit brachialer Gewalt ein Volk zu unterdrücken hatte meist nicht lange funktinoniert, da sich das Volk gegen die Herrscher meist einig war. Irgendwann kippte die Armee und der Herrscher wurde hinweggefegt. Bestes Beispiel DDR.

Man kann das Gebilde stabilisieren indem man der Pyramide eine Story hinzufügt. Der Herrscher ist ab sofort der Sohn der Götter. Das zieht schon mehr. Religiös fundierte Diktaturen sind relativ stabil gewesen. Durch den um sich greifenden Atheismus und die abflachende Gläubigkeit sind solche Konstrukte aber heute kaum noch anwendbar. Siehe Japan.

Die Demokratie bildet eine Möglichkeit diese Probleme elegant zu umgehen:
- Das Volk glaubt die Herrschaft auszuüben.
- Die Herrschenden sind selbst aus der Schußlinie. Alle Kritik landet bei den Parlamentariern.
- Die Parlamentarier werden einfach gekauft. Jeder bekommt ein paar Zusatzjobs, aber nur wenn er funktioniert.
- Der entscheidende Vorteil der Demokratie gegenüber der Diktatur ist die Spaltung des Volkes in verschiedene Gruppen. So wird ein geschlossener Widerstand verhindert. Es heißt nicht umsonst PARTei. Teile und herrsche.

Die Volksherrschaft ist nur Fassade. Es steigen nur die in der Politik auf die sich fügen. Andere werden weggemobbt, haben Unfälle oder werden mit einem attraktiven Posten in der Wirtschaft oder einer Zentralbank aus der Politik freigekauft.

Je mehr Parteien, desto stabiler das System. Eine einzelne Partei dagegen bedeutet für die Demokratie latente Umsturzgefahr. Das hatte selbst Hitler erkannt, er ersetzte die Parteien durch viele miteinander konkurrierende Institutionen, die es bis zuletzt nicht schafften ihn hinwegzufegen.

Deshalb ist auch die NPD im Grunde genommen nicht staatsfeindlich. Sie spaltet das Volk und erleichtert somit das Regieren. Obendrein sind die Neonazis in verschiedene Parteien zersplittert, was sie meist aus den Parlamenten fernhält. Ich dagegen bin ein Staatsfeind, weil ich versuche Gräben zuzuschütten.

Das Demokratieproblem ist zumindest auf Kommunalebene lösbar. Wenn sich die Leute selbst regieren indem sie Wählergemeinschaften aus den fähigsten Leuten bilden können sie den Parteienzirkus aus ihrem Leben heraushalten. Der Streit - siehe Köln - wird nicht von außen hereingetragen.

Montag
31.10.08, 17:50
@polatinum
Was ist das für ein Text und von wem stammt er? Hört sich ein bisschen wie die klassische Kritik des Nachkriegskommunismus an der westlichen Demokratie an - nur ein bisschen simpler.

polatinum
31.10.08, 17:53
@polatinum
Was ist das für ein Text und von wem stammt er? Hört sich ein bisschen wie die klassische Kritik des Nachkriegskommunismus an der westlichen Demokratie an - nur ein bisschen simpler.

Dachte steht dabei, müsste ich noch mal raussuchen.

Was sagst du aber zu meiner Frage, sind Demokratien eigentlich Plutokratien?

Montag
01.11.08, 11:36
Mmmh.. ich denke, ein klares Ja oder nein wäre zu einfach.
Fangen wir doch einmal bei den Klassikern an. Nein, diesmal nicht bei Aristoteles, sondern bei Madison, Hamilton und Jay, den Schöpfern der "Federalist Papers", die die amerikanische Verfassung entscheidend geprägt haben. Wer jetzt aber ein Bekenntnis zur Volksherrschaft erwartet, der irrt. Die Jungs standen vor dem Problem, wie sich ein riesiges Land mit damals noch sehr dünner Bevölkerung effektiv regieren und koordinieren ließe. Die Demokratie kam schon einmal nicht in Frage, denn darunter verstanden sie - sehr korrekt - die Herrschaft der Volksversammlung, wie sie im alten Athen ausgeübt worden war. In den USA wäre das nicht sinnvoll gewesen. Stattdessen bevorzugten sie die Republik, die Regierung durch gewählte Repräsentanten. Das hat sich ja auch durchgesetzt, wir leben heutzutage in Republiken, die sich aber als demokratisch geordnet bezeichnen.

Das bedeutet, dass eine Auslese der Herrschenden stattfindet: Nicht jeder kann gewählt werden, sonst könnte man sich die Sache gleich sparen. Da aber manche geeigneter erscheinen (z. B. aufgrund höherer Bildung, Erfahrung im Staatsdienst etc.), werden diese eher gewählt als andere. In den Federalsit Papers wird auch, wenn ich mich recht erinnere, dies mehr oder minder begrüßt; und da Bildung mit Freizeit d. h. genügend Geld, um nicht arbeiten zu müssen, gleichgesetzt wurde, kann man die Ideen der jungs um Madison durchaus als Entwurf für eine zumindest tendenziell oligarchische (oder auch plutokratische) Gesellschaftsordnung sehen. Wenn man so will, bahnt die in der "westlichen Welt" gelebte "Demokratie" der Oligarchie den Weg.

So weit, so schlecht? Nicht unbedingt. Man sollte bedenken, dass man Staaten mit mehreren Millionen Einwohnern schlecht per Volksversammlung regieren kann. Aus guten Gründen ernennt man Profis, von denen Otto Normalbürger erwarten kann, dass sie zwar auch auf ihn hören, aber vor allem, dass sie Ahnung haben und - notfalls in der politischen Auseinandersetzung - sinnvolle Maßnahmen treffen. Volksabstimmungen können bei Flächenstaaten höchstens als Ergänzung fungieren, nie als ersatz für die gängige Regierungsform; es sei denn, man bekennt sich zu anarchistsichen Idealen und zieht sich in Kommunen von maximal 40 Personen zurück. Hier ist eine basisdemokratische Regierungsform möglich; wahrscheinlich ist aber auch hier, dass sich eine Führungsfigur oder -gruppe herausbildet.

Wir haben also Regierungseliten - sind sie auch plutokratisch oder verfolgen sie zumindest überwiegend plutokratischen Interessen? Ich glaube, dass dies nur bedingt der Fall ist. Sicher haben die Bessergestellten bessere Chancen, überhaupt in die Politik einzusteigen; sicher haben die Reichen (z. B. die Unternehmerverbände) bedeutende Möglichkeiten, die Politik zu beeinflussen - und sicher herrscht hier nicht immer Waffengleichheit z. B. mit den Gewerkschaften, die wohl kaum als plutokratische Interessenvertreter durchgehen, aber dennoch effektiv ihre Politik verfolgen und oft auch durchsetzen können. Was hätte ein plutokratischer Verschwörerclub von einer Partei wie der Linken? Wenn die mal gewählt werden, dürften die sich zwar auch vom Sozialismus verabschieden, werden aber mit Sicherheit eine sehr unternehmerkritische Position einnehmen und auch in Gesetze gießen.
Und schließlich: Wenn die Demokratie der perfekte Deckmantel für die Plutokraten ist, warum gebärden sich zahlreiche plutokratische Eliten in Gegenwart und Geschichte so demokratiefeindlich? Deutsche Großindustrielle wie Krupp haben Hindenburg dazu aufgefordert, Hitler zum Reichskanzler zu ernennen. Nach Salzkartoffels Rechnung "viele Parteien = gut für die Plutokraten, schlecht fürs Volk" hätten sie doch mit den Zuständen in der Weimarer Republik überglücklich sein müssen. Großunternehmer und Großgrundbesitzer haben in Südamerika oft und mit Freude autoritäre Regimes unterstützt, weil diese ihnen die Forderungen der Armen und der Arbeiter oft gewaltsam von Hals gehalten haben. Wäre es nicht viel einfacher gewesen, eine Marionettendemokratie zu installieren, anstatt eine Revolution zu riskieren?

Lange Rede, kurzer Sinn: Das Kapital hat viel zu melden in unserer "Demokratie", aber alles in der Hand hat es m. M. nach beim besten Willen nicht.

Der Schakal
30.03.09, 02:43
Kann man eigentlich behaupten dass in vielen sogenannten "demokratischen" Staaten Plutokratie bzw Oligarchie herrscht?

Gibts überhaupt wirkliche Demokratien?


Noam Chomsky - America is not a Democracy
http://www.youtube.com/watch?v=LmJv_wf91W8

AlGhazali
30.03.09, 08:16
Es gab und gibt immer den Tendenz zur Bündelung von Macht und einer Gleichgewichtsordnung von Mächtigen untereinander. Jemand meinte mal der Film "Pate" sei eine Miniatur der Machtverhältnisse der Welt, wobei alle relevanten "Muster-Ereignisse" dort geschildert sein.

Ich gehe davon aus dass wir in einer funktionierenden Demokratie leben. Jedoch gibt es Zeichen der Korrosion ihin zur anti-demokratischen Entwicklung, wenn z.B. ...
Kartellmässige Aufteilungen bedeutender Märkte gibt
Die Militär-Elitenausbildung zunehmend ideologisch wird
Feindbildpolitik grossen Aufschub bekommt
Die Armee Richtung Berufsarmee transformiert werden soll
Die Unternehmen zunehmend die Universitäten beeinflussen
Konzentrationen in den Medien
Tendenz die Richter ernennen zu wollen oder schon deren Amt zunehmend zeitlich begrenzen zu wollen
Die religiösen Gruppen werden meist öffentlich negativ dargestellt

Ein Freund der Wirtschaft studiert hat meinte mal "ca. 95 % der Reichen sind reich durch Erbschaft und nicht duch Arbeit reich werdend." (In Schwellenländern ist es anders. Dort gibt es mehr Chancen aufzusteigen)

Wenn Idealisten und Prinzipientreue Menschen gemobbt oder "fallen gelassen werden" denn sie sind nicht käuflich und von ihnen geht "Gefahr aus" nur den Prinzipien zu dienen und nicht loyal sein können "Don,Meister,Baron..." (wer auch immer)

Es gab mal einen Türken hier der eine neue Zigarettenmarke auf den Markt werfen wollte und auch eigens produzieren wollte. Er wurde massiv bedrängt bis er es aufgab. Oder jemand der in ein Markt eintreten wollte, der schon aufgeteilt war...ihm kam plötzlich einer der Grosshändler und wurde bedroht. Was soll dieser Mensch jetzt machen ?

Es gibt eine ganze Reihe von Staaten indem ein paar Hundert Familen sogut wie alles beherrschen.

Skeptische und wache Einstellung muss man haben aber auch schauen, dass man nicht übertreibt.

Der Schakal
02.04.09, 15:36
Noam Chomsky - Two kinds of democracy

1/3
http://www.youtube.com/watch?v=f9OP2YXKIFs

2/3
http://www.youtube.com/watch?v=EVgEQmwb2LA

3/3
http://www.youtube.com/watch?v=ClwPIShmb30