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Refa
23.07.05, 20:20
Integration durch Qualifizierung

Auch wenn viele der in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund beruflich und gesellschaftlich integriert sind, wurde verkannt, dass in der Bildung, insbesondere in der beruflichen Qualifikation der Schlüssel für erfolgreiche Integration liegt.

"In keinem anderen Land sind die Bildungsunterschiede zwischen Ausländern und Einheimischen so groß wie in Deutschland." Diese Feststellung der PISA-Studie hat eine weitreichende Brisanz. Denn letzten Endes hat ein "weiter so", gravierende negative Auswirkungen auf Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Die verhängnisvolle Kette aus niedriger Bildung, einfacher beruflicher Tätigkeit, geringer Entlohnung, hohem Arbeitslosenrisiko schadet nicht nur dem Einzelnen, sondern der ganzen Gesellschaft. Nachweislich sind Migrantinnen und Migranten überproportional betroffen.

Wenn die Wirtschaft lahmt, stellen Migranten die Gruppe dar, die am schnellsten und am härtesten getroffen wird: Das Risiko, arbeitslos zu werden, ist für Ausländer in Deutschland mehr als doppelt so hoch wie für Einheimische. Inwieweit vermehrte Bildungsanstrengungen geeignet sind, Ungleichheiten zu beseitigen, zeigen die Unterschiede im Qualifikations- und Bildungsniveau zwischen Einheimischen und Zuwanderern. So sind von 100 deutschen Arbeitslosen 32 ohne Berufsausbildung, von 100 Ausländern 77, und von 100 Türken 86.

Zu lange wurden die Chancen, die aus einer Teilhabe der Zuwanderer an unserem Bildungssystem erwachsen, vernachlässigt. Zu lange wurde verkannt, dass in der beruflichen Aus- und Fortbildung der in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund der Schlüssel für eine erfolgreiche Integration liegt.

War es in den 50er Jahren, in Zeiten von Hochkonjunktur und Wirtschaftswachstum, der Arbeitskräftemangel, der Wirtschaft und Politik veranlasste, Millionen Gastarbeiter ins Land zu holen, so ist es heute der in den letzten drei Jahrzehnten zu verzeichnende Geburtenrückgang, der Lücken im Arbeitskräftereservoir hervorruft, und der nur durch junge, qualifizierte Zuwanderer auszugleichen ist. Schon in naher Zukunft, warnen Demographen, könne der Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern nicht mehr gedeckt werden, der bereits heute in wichtigen Entwicklungsbranchen besteht. Deshalb müssen, langfristig betrachtet, die Anstrengungen verstärkt werden, ausländische Mitbürger auf der Basis eines differenzierten Bildungssystems an eine qualifizierte Beschäftigung heranzuführen.

Das Verrichten einfacher Tätigkeiten wird in Zukunft immer weniger gefragt sein, im Gegenzug werden gut ausgebildete Fachkräfte benötigt. Für diese müssen Aus- und Fortbildungsmaßnahmen kreiert und angeboten werden. Eine solche Qualifizierungsoffensive bringt nicht nur den Unternehmen, sondern auch dem Einzelnen nachhaltige Vorteile.

Mit besserer beruflicher Qualifizierung ist in vielen Fällen zugleich ein sozialer Aufstieg verbunden. Karrierechancen im Unternehmen, höheres Einkommen, höheres Ansehen sowie wirtschaftliche Unabhängigkeit von sozialen Sicherungssystemen stärken das Selbstbewusstsein des Einzelnen und stabilisieren die Gemeinschaft. Schon heute empfinden viele Unternehmen ihre ausländischen Mitarbeiter als Bereicherung. Es sind insbesondere die Sekundärtugenden sowie das Sozialverhalten, die positiv auffallen. Hinzu kommen die interkulturellen Kompetenzen, die Mitarbeiter mit Migrationshintergrund mitbringen und die bei fortschreitender Globalisierung als Wettbewerbsvorteil gilt.

Die Bereicherung durch fremde Kulturen ist den Einheimischen noch nicht hinreichend präsent. Bessere Verständigungsmöglichkeiten und höhere Bildung fördern das Miteinander und verhindern ein Nebeneinander in Parallelgesellschaften. In Deutschland gibt es noch einen gehörigen Nachholbedarf an Integrationshilfen - unbestritten. Schuldzuweisungen helfen da nicht weiter. Wer jedoch die umfangreichen Qualifizierungsangebote nutzen will, muss die deutsche Sprache beherrschen - das ist unabdingbare Voraussetzung. Mit der Vermittlung der deutschen Sprache sollte möglichst frühzeitig begonnen werden und ihr Erlernen verpflichtend sein. Inwieweit vermehrte Bildungsanstrengungen geeignet sind, Ungleichheiten zu beseitigen, zeigen die Unterschiede im Qualifikations- und Bildungsniveau zwischen Einheimischen und Zuwanderern.

Die Unterschiede lassen sich mit folgenden Zahlen verdeutlichen: Im Schuljahr 2002 / 2003 gingen laut Angaben des Statistischen Bundesamtes 19,2% der ausländischen Schulabgänger in Deutschland ohne Abschluss von der Hauptschule, 41,6% erreichten ihren Hauptschulabschluss und nur 8,9% schafften die allgemeine Hochschulreife. Aber 24,8% der deutschen Schulabgänger erreichten im selben Schuljahr die allgemeine Hochschulreife und lediglich 7,9% verließen die Hauptschule ohne Abschluss. Im gleichen Zeitraum besuchten knapp 20% der 20- bis 25-jährigen Deutschen, aber nur 3,9% der gleichaltrigen Ausländer eine Hochschule. Ausländische Abgängerinnen und Abgänger sind in den höheren Abschlüssen unterund in den niedrigen Abgangsarten überrepräsentiert.

Fakten, die belegen, dass gleiche Bildungschancen nicht vorliegen. Das ist eine Situation, die aus Versäumnissen der letzten Jahrzehnte entstanden ist und die wir uns für die Zukunft nicht mehr leisten können. Eine Qualifizierungsoffensive ist daher dringend notwendig: Die hier lebenden Migrantinnen und Migranten müssen die Möglichkeit haben, sich frisches Wissen anzueignen. Und auch die Zuwanderer von morgen brauchen Zukunftsperspektiven - die wir ihnen bieten können. Und sollten. Um diese Herausforderung zu bewältigen, müssen alle Beteiligten an einem Strang ziehen: Unternehmerverbände, Gewerkschaften, Kirchen, Sozialverbände, Politik, Gesellschaft - und jeder Einzelne.

Quelle:
http://www.clavis-magazin.de/Images/clavis-logo.jpg (http://www.clavis-magazin.de/Inhalte/qualifizierung.html)

DeLaHoya
23.07.05, 20:25
Das endet in zwei Extremauffassungen:

- Ich muss besser sein als alle anderen
- Ich habe sowieso keine Chance

Man muss sich nur für die richtige Auffassung entscheiden, die Mitte tut es natürlich auch, bringt aber nicht immer viel.

Der Schakal
24.07.05, 01:15
Das endet in zwei Extremauffassungen:

- Ich muss besser sein als alle anderen
- Ich habe sowieso keine Chance

Man muss sich nur für die richtige Auffassung entscheiden, die Mitte tut es natürlich auch, bringt aber nicht immer viel.

Stimme dem zu. In gewisser Hinsicht hat DeLa Kardes recht und deswegen entscheide/ habe ich mich für folgenden Punkt entschieden...

- Ich muss besser sein als alle anderen ! :)

Wolf
24.07.05, 10:11
- Ich muss besser sein als alle anderen ! :)

Guter Ansatz, nur leider bist gerade Du bei dem Versuch gescheitert........ kläglich! :D

TOZKOPARAN
24.07.05, 10:24
Was macht man wenn man schon besser ist??? :D

Wolf
24.07.05, 10:30
@Tozkoparan

Well, the sky is the limit. :D

politik29
31.07.05, 14:34
Falsch, diese Zahlen bdeuten GAR NICHT, dass es ungleiche Bildungschancen in Deutschland gibt! Nur, um die Schule besuchen zu können und hinterher zu studieren, MUSS man, wenn man in Deutschland lebt, nun mal die deutsche Sprache lernen und beherrschen, das ist in allen anderen Ländern auch so. Ich brauch mich in Spanien oder in der Türkei nicht in die Univorlesung setzen, wenn ich kein Wort verstehe, und ohne die Sprache werde ich auch keinen Abschluss kriegen. Hier bringt es also gar nichts, die Schuld auf andere zu schieben! Es gibt an fast jeder Schule kostenlose Sprachförderangebote für die Schüler, man muss sie nur nutzen, und bei kleinen Schülern müssen eben AUCH die Eltern dafür sorgen, dass die Kinder motiviert werden und dass diese Angebote wahrgenommen werden. Aber auf Bildung der Kinder legen in vielen Fällen (nicht in allen) nur Eltern wert, die selbst Bildung genossen haben. Anderen ist das nicht so wichtig, weil sie selbst keine oder kaum Bildung genossen haben, und DIESE Gleichgültigkeit darf nicht sein. ALLE Eltern müssen ihren Kindern so früh wie möglich vermitteln, dass Lernen wichtig ist und dass man für dieses Lernen die Sprache beherrschen muss.

DeLaHoya
31.07.05, 15:00
Aber auf Bildung der Kinder legen in vielen Fällen (nicht in allen) nur Eltern wert, die selbst Bildung genossen haben. Anderen ist das nicht so wichtig, weil sie selbst keine oder kaum Bildung genossen haben, und DIESE Gleichgültigkeit darf nicht sein. ALLE Eltern müssen ihren Kindern so früh wie möglich vermitteln, dass Lernen wichtig ist und dass man für dieses Lernen die Sprache beherrschen muss.



Das mit der Gleichgültigkeit ist auch so ein Märchen. Vom Religiösen bis zum Laizisten herrscht die Meinung vor, das Bildung wichtig ist und unbedingt angestrebt werden muss.



Nur, wie sehr ist das möglich, wenn zuhause kein Geld zur Verfügung steht?



Gibt es kein deutsches Proletariat und warum gibt es dieses deutsche Proletariat? Weil man zuhause nicht Deutsch spricht, weil die Eltern nicht an Bildung interessiert sind?

Der Schakal
31.07.05, 15:36
Guter Ansatz, nur leider bist gerade Du bei dem Versuch gescheitert........ kläglich! :D


Das sehe ich nicht so...;)

Wolf
31.07.05, 15:41
Das mit der Gleichgültigkeit ist auch so ein Märchen. Vom Religiösen bis zum Laizisten herrscht die Meinung vor, das Bildung wichtig ist und unbedingt angestrebt werden muss.

Sorry, aber das stimmt einfach nicht! Mnchmal ziehe ich mir nachts um 2-3 noch `n Döner :D oder wir gehen zusammen noch raus und sehen mitten in der Woche um diese Zeit noch Jugendliche um die 14-15 draussen rumhängen. Türken und Araber, Mädchen und Jungen. Ich bin nun wirklich nicht konservativ/religiös, aber haben die keine Eltern? Die sollten "eigentlich" in ein paar Stunden für die Schule aufstehen.

Auch in meinem näheren Bekanntenkreis ist man der Bildung der eigenen Kinder nicht genug hinterher. Die Mutter macht nur Essen und Hausarbeit ("ihre Aufgaben") und der Mann hockt in irgendwelchen "Kiraathanes" rum und spielt Karten, Okey oder Tavla.

Die Misere ist schon hausgemacht. Mit Verleugnung kommen wir nicht weiter.



Nur, wie sehr ist das möglich, wenn zuhause kein Geld zur Verfügung steht?

Zu meinen Studentenzeiten habe ich sehr viel Nachhilfe gegeben und auch vielen Türken. Wenn der Vater arbeitslos wurde, habe ich Preisermäßigungen gemacht. Ich habe genug Türken für wenig Geld durchs Abi geboxt! Oft habe ich Kleingruppen genommen, da war das nicht mehr als 5€/Stunde und Schüler! Wo ein Wille, da auch ein Weg! Schon mit einer bis zwei Stunden pro Woche sind die meisten gut zurechtgekommen!



Gibt es kein deutsches Proletariat und warum gibt es dieses deutsche Proletariat? Weil man zuhause nicht Deutsch spricht, weil die Eltern nicht an Bildung interessiert sind?

Wenn Du mit "Proletariat" Arbeiterwesen bezeichnest, ist diese in Deutschland nicht zwangsläufig ungebildet.

Wenn Du unsere "Assozialen" meinst, hast Du verdammt Recht! Diese Typen, die ich in Talkshows sehe können in der Tat kein Deutsch und Wert auf Bildung wird auch nicht gelegt.

Wolf
31.07.05, 15:42
Das sehe ich nicht so...;)

@Schakal

Upps, sorry! Das stammt noch aus einer Zeit, als wir beide uns gefetzt haben! Siehe BITTE auf das Datuum meines Postings. Ich nehme natürlich ersatzlos zurück, was ich damals sagte.

Affet beni, kardes! :o

Der Schakal
31.07.05, 15:46
@Schakal

Upps, sorry! Das stammt noch aus einer Zeit, als wir beide uns gefetzt haben! Siehe BITTE auf das Datuum meines Postings. Ich nehme natürlich ersatzlos zurück, was ich damals sagte.

Affet beni, kardes! :o

Canim kardesim...kein Problem...;) :)

Birlik olarak güclüyüz...und als Einheit werden wir Deutschland erschüttern. ;)

Caution
31.07.05, 15:57
Canim kardesim...kein Problem...;) :)

Birlik olarak güclüyüz...und als Einheit werden wir Deutschland erschüttern. ;)

Diese Tugend schätze ich sehr an Dir, Bruder.;)

Der Schakal
31.07.05, 16:21
Diese Tugend schätze ich sehr an Dir, Bruder.;)

Danke...:), Bruder.;)

politik29
31.07.05, 18:33
DeLaHoya

Ich mache die Gleichgültigkeit nicht davon abhängig, ob jemand religiös ist oder nicht. Nur wenn Bildung von allen angestrebt wird, warum, verdammt noch mal, setzen sich dann nicht alle auf ihren A**** und lernen, was das Zeug hält???? Man MUSS nicht besser sein als alle anderen, man muss nur aus dem, was man an Chancen geboten bekommt, das BESTE machen; und da hilft es beileibe absolut nicht weiter, wenn man mehr Zeit dahinein investiert, nen Sündenbock ausfindig zu machen!!!!


Wenn kein Geld zuhause zur Verfügung steht, dann gibt es, soweit ich weiß, eine kleine Hilfe, wenn es darum geht, dass Bücher angeschafft werden müssen. Bildung ist ein Stück weit auch Privatsache. Und ansonsten kann man sich auch sehr gut gegenseitig helfen. Es bringt nichts, wenn man resigniert und den Kopf in den Sand steckt, denn davon kriegt man auch keinen höheren Schulabschluss. Eigenverantwortung ist hier gefragt.


Deinen letzten Satz mit dem Proletariat habe ich nicht ganz verstanden; könntest du den noch mal anders formulieren? Danke im Voraus. :-)

DeLaHoya
31.07.05, 22:09
DeLaHoya

Ich mache die Gleichgültigkeit nicht davon abhängig, ob jemand religiös ist oder nicht. Nur wenn Bildung von allen angestrebt wird, warum, verdammt noch mal, setzen sich dann nicht alle auf ihren A**** und lernen, was das Zeug hält????

Ich sage es mal anders: in Deutschland muss nicht jeder studiert haben, um später eine Arbeit zu finden.

In der Türkei finden sogar Studierte keine Arbeit, müssen jedoch trotzdem studiert haben, um eine vernüftige Arbeit zu finden.

Und ich sage noch was: als Türke erkenne ich viele Landsleute, die eine Ausbildung oder ein Studium abgeschlossen haben und unauffällig vor sich hinarbeiten.

"Die Deutschen" sehen jedoch ständig irgendwelche türkischen Proleten.

Ich sehe diese auch, sie sind jedoch nur ein Teil des türkischen Puzzels in Germanien.

dertli4u
01.08.05, 02:47
Die Mutter macht nur Essen und Hausarbeit ("ihre Aufgaben") und der Mann hockt in irgendwelchen "Kiraathanes" rum und spielt Karten, Okey oder Tavla.



kiraat hane kelimesini geri almani istiyorum..kiraathaneye hakaret olur:D

kiraat hane, isminden de anlasilacagi üzere, kiraat edilen, yani okunulan, ögrenilen yer demektir. gerek osmanli döneminde ve gerek se cumhuriyet döneminde, esnaf/kiraathane yönetmenliklerine biraz göz atacak olursak, kurallarindan bazilari;

1-temiz ve havadar olacak

2-günlük gazetelerden yeterli sayida bulunacak.

3-kitaphanesinde yeterli sayida kitap olacak.

4-kapi menteseleri, acilip kapandikca, okuyanlari rahatsiz etmiyecek.

****

senin yazinda belirttigin yerlere KAHVE hane denir..yada baska ne dersen de, ama kiraathane deme:D

dertli4u
01.08.05, 02:54
Falsch, diese Zahlen bdeuten GAR NICHT, dass es ungleiche Bildungschancen in Deutschland gibt! Nur, um die Schule besuchen zu können und hinterher zu studieren, MUSS man, wenn man in Deutschland lebt, nun mal die deutsche Sprache lernen und beherrschen, das ist in allen anderen Ländern auch so. Ich brauch mich in Spanien oder in der Türkei nicht in die Univorlesung setzen, wenn ich kein Wort verstehe, und ohne die Sprache werde ich auch keinen Abschluss kriegen.

1-ich kann dir hunderte beispiele geben, dass perfekt deutsch sprechende migranten kinder nicht weiter studieren könnten.

2-wer sich in Uni, in die Univorlesung setze, spreche bestimmt genug deutsch oder?

3-wir reden nicht über uni..da gibts viele erfolgreiche migranten kindern.

politik29
01.08.05, 07:06
dertli4u

zu 1)
Gib mir bitte ein paar Beispiele, woran das bei ihnen gelegen hat, dass sie nicht weiter studieren konnten. Falls du das finanzielle meinst, es gibt eine Menge staatliche Beihilfen. Man muss natürlich die Voraussetzungen erfüllen, um diese zu erhalten, aber dabei wird kein Unterschied zwischen Deutsch und Migrant gemacht. Sag mir bitte, woran es gelegen hat.

zu 2)
Ich meinte natürlich NICHT NUR Uni (das war nur das höchste Beispiel), sondern auch Abi, Ausbildung UND Uni, und selbst in der Uni sitzen viele, die eben nicht die deutsche Sprache sehr gut beherrschen, so dass die Abschlüsse schlechter ausfallen. Ich bin ja auch der Meinung, dass spätestens in der Uni nicht mehr so viel Wert auf die Sprache, sondern mehr auf den Inhalt gelegt wird, aber ein gewisses Maß an guter Sprache MUSS eben da sein, weil es sich immerhin um wissenschaftliches Arbeiten handelt. Und weil die Abschlüsse dann eben etwas schlechter ausfallen, muss man nach der Uni, wenn man den Abschluss bekommen hat, mit anderen konkurrieren, die dieselbe Note haben, aber trotzdem die Sprachen (z.B. Deutsch und Englisch) besser beherrschen, und das ist normal. Ich kann da nur sagen, SO FRÜH WIE MÖGLICH anfangen, die Sprache zu lernen, damit dieser Konkurrenzkampf wegen der Sprache zumindest schon mal wegfällt und man mit anderen nur noch über die Noten konkurrieren braucht.

zu 3)
Natürlich gibt es viele erfolgreiche "Migranten-Kinder", die Uni-Abschluss haben, aber es können und müssen mehr sein. Die Mehrzahl verlässt leider immer noch die Schule entweder ohne Abschluss oder mit Hauptschulabschluss oder mit Realschulabschluss. Und genau in diesem Feld gibt es dann eben generell - wenn man alle Schulabgänger zusammen nimmt - zu viele, so dass es fast unmöglich wird, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Hier haben nicht nur "Migranten-Kinder" zu kämpfen, sondern auch Deutsche, russische, polnische, etc.
Die Schulabschlüsse müssen also in höheren Klassen gemacht werden, - da, wo die Konkurrenz bezüglich der Anzahl der Absolventen ein wenig abnimmt.

dertli4u
01.08.05, 11:49
dertli4u

zu 1)
Gib mir bitte ein paar Beispiele, woran das bei ihnen gelegen hat, dass sie nicht weiter studieren konnten. Falls du das finanzielle meinst, es gibt eine Menge staatliche Beihilfen. Man muss natürlich die Voraussetzungen erfüllen, um diese zu erhalten, aber dabei wird kein Unterschied zwischen Deutsch und Migrant gemacht. Sag mir bitte, woran es gelegen hat.

QUOTE]

also zu 2 und zu 3, haben wir fast gleiche meinung.

zu 1, möchte ich ein einziges beispiel geben..das erklärt vieles.

in frankfurt, gits ein stadtschulamt..diese amt veröffentlich ein DVD in mehrere sprachen..es sollte ein info dvd für die eltern sein..

jemannd redet mit eltern..und er sagt "schicken sie ihre kinder lieber nicht zum gymnasium" und weiter bla bla....

ich kenne viele jugendliche die perfekt dt. sprechen und schreiben..aber die familien entscheiden naturlich anderes.

auch die wirtschaftliche interressen spiel grosse rolle.

Wolf
01.08.05, 12:01
senin yazinda belirttigin yerlere KAHVE hane denir..yada baska ne dersen de, ama kiraathane deme:D

Üzerinde kiraathane deniyor, ne yapayim? Der Steuerwald übersetzt kiraathane mit "Kaffehaus, Cafe".

Ich halte mich also an diese beiden Angaben. Suc onlarin, günah benden gitti! ;)

Wolf
01.08.05, 12:03
in frankfurt, gits ein stadtschulamt..diese amt veröffentlich ein DVD in mehrere sprachen..es sollte ein info dvd für die eltern sein..

jemannd redet mit eltern..und er sagt "schicken sie ihre kinder lieber nicht zum gymnasium" und weiter bla bla....

Könntest Du diese DVD auftreiben? Das wäre ein echter Skandal. Die will ich sehen. Dagegen müsste man sogar klagen können. :D

politik29
01.08.05, 19:30
dertli4u,

aus meiner persönlichen Sicht erklärt dieses Beispiel gar nichts. Ich kenne die DVD nicht und weiß deshalb auch nicht, wie derjenige dazu kommt, so etwas zu sagen, das muss ja einen GRUND haben, WARUM "er" das sagt. Besteht irgend eine Möglichkeit, das mal ins Internet zu setzen, so dass man per link darauf zugreifen kann????? Naja, aber selbst wenn man diesen einen Satz mal so stehen lassen würde, dann ändert es trotzdem nichts daran, dass ALLE gemäß Gesetz etc. dieselben Chancen haben, nur dass der eine sich ein bisschen mehr anstrengen muss als der andere.

Kannst du mir weitere Beispiele nennen (du hattest von "hunderten" gesprochen)?

Beziehst du jetzt die wirtschaftlichen Interessen auch auf die DVD oder auf etwas anderes?

dertli4u
01.08.05, 20:12
[QUOTE=politik29]dertli4u,

QUOTE]

also, so viel vorurteile aufeinmal, habe ich nocht nie erlebt.

deien sätze
erklärt dieses Beispiel gar nichts/Ich kenne die DVD nicht/, das muss ja einen GRUND haben, WARUM "er" das sagt./dann ändert es trotzdem nichts daran


dein zitat;

nur dass der eine sich ein bisschen mehr anstrengen muss als der andere.


aber halloo..es geht nicht um mehr anstrengen, es ist ein skandal so was zu in ein info DVD zu sagen.

*****
Politik29
über diese DVD, haben wir bei KAV/Kommunale Ausländer eirat, stunden lang mit dem verantwortlichen diskutiert..Gott sei dank, es ist (z.Zt.) gestoppt worden...weil auch deutsche pedagogen es skandalöse fanden.

*******

dpa-Meldung vom 14.07.2005 zum aktuellen Pisa-Länder-Vergleich:
"Ein Hauptproblem der deutschen Schule bleibt unterdessen ungelöst. Die bereits im Dezember 2004 vorgestellte internationale PISA-Studie bescheinigt Deutschland erneut, wie kein anderes vergleichbares Industrieland bei der Förderung von Arbeiter- und Migrantenkindern zu versagen und zu wenigen dieser Schüler den Weg zur Hochschulreife zu öffnen."

dertli4u
01.08.05, 20:27
Könntest Du diese DVD auftreiben? Das wäre ein echter Skandal. Die will ich sehen. Dagegen müsste man sogar klagen können. :D

bu konuda yabancilar meclisinde saatlerce tartistik.hatta, bütün stadtschulamt yetkilieri geldi..vs..ve artik dagitilmiyacagini söylediler.

ich versuche eine exemplar zu bekommen.dann kannste ja selbst sehen..

darüer und über ähnliche sachen, haben wir viele anträge gestellt..hier die adresse;

http://www.frankfurt.de/sis/sis/detail.php?id=112652

****

ich geb dir ganz einfache beispiel , über SCHULPOLITIK.

hier über SONDERSCHULEN...

also,unsere KAV stellt einige fragen an die magistrat
öffentlichen ordentlichen Plenarsitzung am 07.02.2005 wird der Magistrat gebeten, die folgenden Anfragen zu beantworten:

Im Bericht B 756 vom 26.11.2004 heißt es in Bezug auf die Sonderschulen: „Keine der angeschriebenen Schulen hat ein solches Interesse bekundet (Rückmeldefrist bis 08.10.2004).
Darauf bezogen, bitten wir den Magistrat, folgende Fragen zu beantworten:

1. Haben die vom Magistrat angeschriebenen Sonderschulen die Anfrage einfach ignoriert oder haben sie ihr mangelndes Interesse schriftlich bekundet?

2. Wenn ja, welche Gründe sind angegeben worden?

3. Sind die Eltern seitens der Schule oder weiteren Schulgremien (Personalräte, Schulkonferenz) informiert oder gefragt worden?


so jetzt antworten nach monaten;


Zu 1) die Schulen waren aufgefordert, bei Interesse an einem Schulversuch in o. g. Sinn entsprechende Rückmeldung an das Stadtschulamt zu geben. Dies ist nicht geschehen. Eine Begründung dafür wurde nicht geliefert.

Zu 2) siehe Punkt 1, es wurden keine Gründe für die ablehnende Haltung benannt.

Zu 3) in welcher Form Eltern oder Schulgremien zu der Anfrage gehört wurden, ist dem Magistrat nicht bekannt.

Die Stadt Frankfurt in ihrer Funktion als Schulträger kann einen Schulversuch nicht von sich aus initiieren. Die Entscheidung über die Durchführung eines solchen Versuchs liegt laut Hessischem Schulgesetz (§ 14, Abs. 3, Satz 3) beim Kultusministerium.

gez. Jutta Ebeling
(Stadträtin)


also, stadt frankfurt weiss nichts..und schiebt die sache an die kultusministerium....aber kultusministerium hat immernoch kein antwort gegeben.

politik29
01.08.05, 21:22
dertli,

bleib mal ganz ruhig, bitte. Wenn ich etwas ganz sicher von mir sagen kann, dann das, dass ich keine Vorurteile habe! Ich versuche türkischen Freunden und Bekannten zu helfen, wo ich nur kann. Vielleicht habe ich mich hier einfach falsch ausgedrückt.

Solange ich jedenfalls in dieser DVD-Geschichte nicht weiß, WAS genau da gesagt wurde als Grund / Begründung, muss ich erst 'mal annehmen, dass hier irgend etwas da war, was den Sprecher dazu gebracht hat, dies zu sagen ("[...] schickt eure Kinder nicht aufs Gymnasium."). Was war seine BEGRÜNDUNG? Er MUSS ein "WEIL" angegeben haben! Entschuldige meine Vorgehensweise, ich bin (fast) Wirtschaftsjurist. Und ich bin wirklich interessiert daran zu wissen, was genau auf dieser DVD vor sich gegangen ist. Der Sprecher kann nicht einfach sagen, "macht das nicht", er muss auch sagen, WARUM die Eltern ihre Kinder nicht zum Gymnasium schicken sollen.


Bezüglich der Zulassung zum PISA-Test, - es ist natürlich nicht sehr fein von der entsprechenden Behörde, auf Anfragen von Seiten der Schule NICHT oder sehr spät erst zu antworten. Aber man muss auch wissen, dass für diesen Test bestimmte Schulen ausgewählt werden. Die Kriterien, nach denen ausgewählt wird, kenn ich zwar jetzt nicht, aber da wird eben nicht jede Schule genommen, sondern nur diese oder jene.



"dpa-Meldung vom 14.07.2005 zum aktuellen Pisa-Länder-Vergleich:
"Ein Hauptproblem der deutschen Schule bleibt unterdessen ungelöst. Die bereits im Dezember 2004 vorgestellte internationale PISA-Studie bescheinigt Deutschland erneut, wie kein anderes vergleichbares Industrieland bei der Förderung von Arbeiter- und Migrantenkindern zu versagen und zu wenigen dieser Schüler den Weg zur Hochschulreife zu öffnen."

Wie genau äußert sich das, dass Migrantenkinder nicht gefördert werden? Ich meine, natürlich habens immer diejenigen Kinder besser, die von ihren Eltern finanziert werden können, aber das ändert nichts an der Chance an sich. Das muss man trennen, denn diese Chance wird gesetzlich erst mal JEDEM gegeben. Und wie äußert sich das, dass zu wenigen Migrantenkindern der Weg zur Hochschulreife geöffnet wird? Vielleicht hab ich hier einfach nur zu wenig Wissen, das kann sein, und meine Fragen sind auch gar nicht böse gemeint, ich möchte halt nur wissen, wie sich das äußert. ZUM BEISPIEL darin, dass ZUM BEISPIEL ein "Migrantenkind" mit einem Realschulabschluss NICHT studieren kann. Das ist bei den Deutschen auch so. ZUM BEISPIEL darin, dass ZUM BEISPIEL ein "Migrantenkind" mit einem Abi-Durchschnitt von 3,0 (was an sich nicht schlecht ist) von den Universitäten NICHT für ein Jura-, Ärzte-, Technik- oder Medizinstudium zugelassen wird? Damit haben Deutsche auch zu kämpfen, weil es eben mehr Leute gibt, die studieren wollen als es Studienplätze gibt, da nehmen die Uni's dann nur die Besten, deren Note z.B. mindestens bei 1,5 liegt (Numerus clausus). Das waren jetzt NUR Beispiele, die aus meiner Unwissenheit resultieren. Ich bin wirklich interessiert, denn vielleicht kann ich hier ja auch helfen!?!?!?!

Iyi aksamlar, dertli!



PS: Ich kapier grad, dass ich das mit dem PISA-Test falsch verstanden hatte... Also, die Stadt sagt, die Schulen sind angeschrieben worden, - wenn sie sich nicht zurückmelden, Pech gehabt. Ist das erst mal richtig so? Oder habt Ihr einen Grund anzunehmen, dass die Stadt Mist erzählt? Davon abgesehen, dass es natürlich völlig daneben ist, sich erst nach Monaten zu melden, möglicherweise noch dann erst, wenn der Test eh schon gelaufen ist.

Wolf
01.08.05, 22:33
also, so viel vorurteile aufeinmal, habe ich nocht nie erlebt.


Dertli, bitte "calm down". Ich habe bis jetzt einen sehr positiven Eindruck von Politik29. Er nähert sich der Sache einfach nur Deutsch: Ohne genaue Kenntnis der Hintergründe lässt er sich nicht zu einer Aussage hinreissen.

Der ist nicht böse. :)

dertli4u
01.08.05, 23:05
dertli,

bleib mal ganz ruhig, bitte. Wenn ich etwas ganz sicher von mir sagen kann, dann das, dass ich keine Vorurteile habe! Ich versuche türkischen Freunden und Bekannten zu helfen, wo ich nur kann. Vielleicht habe ich mich hier einfach falsch ausgedrückt.

Solange ich jedenfalls in dieser DVD-Geschichte nicht weiss, WAS genau da gesagt wurde als Grund / Begründung, muss ich erst 'mal annehmen, dass hier irgend etwas da war, was den Sprecher dazu gebracht hat, dies zu sagen ("[...] schickt eure Kinder nicht aufs Gymnasium."). .


!

also

ich entschuldige mich wegen das wort "vorurtelie"..so was soillte ich nicht schreiben..ausserdem es ist nicht mein art so zu schreiben.

diese DVD wurde durch stadtschulamt vorbereitet.

und, bei unsere Plenarsitzung gezeigt..wir haben unsere votum gegen diese DVD abgegeben, nachdem wir zwei sitzungen darüber diskutiert haben...

****

nicht nur über diese dvd film, auch über andere sitzung diskussionen über
verschiedene themen über schule usw. kannste unten angegebene links lesen.da sind echt interressante sachen..

aber, nach dem wir diese DVd abgelehnt haben, es ist nicht mehr verteilt..

ich habe nur die presse mitteilung und stellungnahme (leider als drucksache)..

ich suche mir aus..dann schreie ich hier.

da sieht man, was da los war.

wir tuen schon was ;)

http://www.frankfurt.de/sis/sis/detail.php?id=82053
Anregungen der KAV im Jahr 2004 an die Stadtverordnetenversammlung
K 36 Die Herder-Schule muss erhalten bleiben (http://www.frankfurt.de/sis/sis/detail.php?id=112258)
K 37 Jährlicher Schul-Integrationsbericht (http://www.frankfurt.de/sis/sis/detail.php?id=112257)
K 39 Keine Auflösung der Elly-Heuss-Knapp-Schule (http://www.frankfurt.de/sis/sis/detail.php?id=112255)
K 40 Benennung oder Umbenennung eines Platzes oder einer Straße in Frankfurt am Main nach François Mitterrand (http://www.frankfurt.de/sis/sis/detail.php?id=112254)
K 41 Die Sendung „Rendezvous in Deutschland“ muss erhalten bleiben! (http://www.frankfurt.de/sis/sis/detail.php?id=112253)
K 42 Wann werden die Mitarbeiter der Stadt Frankfurt am Main endlich interkulturell geschult? (http://www.frankfurt.de/sis/sis/detail.php?id=112252)
K 44 Keine Auflösung der Kinder-Jugend-Elternberatung Sachsenhausen (http://www.frankfurt.de/sis/sis/detail.php?id=112249)
K 48 Umfangreichere Förderung von ausländischen Schülerinnen und Schülern (http://www.frankfurt.de/sis/sis/detail.php?id=112243)
K 49 Abhilfe der Raumnot der Franz-Böhm-Schule (http://www.frankfurt.de/sis/sis/detail.php?id=112242)

Anfragen der KAV im Jahr 2004 an den Magistrat
KA 19 Wie bewähren sich die Vorlaufkurse? -Zusatzanfrage zur KA 18 vom 02.10.2003- (http://www.frankfurt.de/sis/sis/detail.php?id=112076)
KA 20 Wann wird der Arbeitskreis „Ethnic Monitoring“ einberufen? (http://www.frankfurt.de/sis/sis/detail.php?id=112075)
KA 21 Zum Abbruch von Therapien für circa 360 schwerst traumatisierte Opfer im Rahmen des Programms „Therapie für Flüchtlinge und Opfer organisierter Gewalt“ beim Evangelischen Regionalverband (http://www.frankfurt.de/sis/sis/detail.php?id=112074)
KA 24 „Nicht beschulbare“ Kinder und Jugendliche Bezug: Bericht des Magistrats vom 03.09.2004, B 593 (http://www.frankfurt.de/sis/sis/detail.php?id=112071)
KA 25 Sind Ganztagsschulen auch ganztags Schulen? (http://www.frankfurt.de/sis/sis/detail.php?id=112070)
KA 26 Was geschieht mit der Heinrich-von-Stephan-Schule? (http://www.frankfurt.de/sis/sis/detail.php?id=112068)
KA 28 Bürgernahe Verwaltungssprache (3) (http://www.frankfurt.de/sis/sis/detail.php?id=112065)


oder noch andere sachliche artikeln bei;

http://www.kav-frankfurt.de/

politik29
02.08.05, 07:30
Danke dertli!, ich stürz mich in meiner nächsten freien Minute drauf! :-)

Schönen Tag Euch allen!

Frankfurt_08_08
08.08.05, 11:39
Solange ich jedenfalls in dieser DVD-Geschichte nicht weiß, WAS genau da gesagt wurde als Grund / Begründung, muss ich erst 'mal annehmen, dass hier irgend etwas da war, was den Sprecher dazu gebracht hat, dies zu sagen ("[...] schickt eure Kinder nicht aufs Gymnasium."). Was war seine BEGRÜNDUNG? Er MUSS ein "WEIL" angegeben haben! Entschuldige meine Vorgehensweise, ich bin (fast) Wirtschaftsjurist. Und ich bin wirklich interessiert daran zu wissen, was genau auf dieser DVD vor sich gegangen ist. Der Sprecher kann nicht einfach sagen, "macht das nicht", er muss auch sagen, WARUM die Eltern ihre Kinder nicht zum Gymnasium schicken sollen.


Hallo, politik29,

unten poste ich den angesprochenen Text der DVD. Es wird nicht direkt gesagt, dass man sein Kind nicht aufs Gymnasium schicken soll, aber es wird ganz eindeutig Angst davor gemacht.
WARUM?
Das ist meiner Ansicht nach keine direkte Absicht. Es veranschaulicht aber ganz gut das Denken der Macher des Films: "Ausländerkinder sollen lieber auf die Hauptschule gehen!"
Der Film soll übrigens NUR ausländischen Eltern gezeigt werden.

Hier der gesamte Text:
Einführung:
Liebe Eltern, am Ende des vierten Schuljahres müssen Sie eine wichtige Entscheidung treffen: welche weiterführende Schule soll Ihr Kind besuchen? Klassenlehrerin und Klassenlehrer sind die Personen, die Ihr Kind in der Schule gut kennen und einschätzen können. Sie geben eine Empfehlung, welche Art einer weiterführenden Schule das Kind besuchen soll.
Natürlich können auch die Eltern ihr Kind gut einschätzen, wenn sie die Grundschulzeit ihrer Kind bewusst mitverfolgt, ihnen geholfen und sie unterstützt haben.

Nach dem hessischen Schulgesetz ist die Wahl der weiterführenden Schule nach der vierten Klasse der Grundschule die Sache der Eltern.

Die Frage, auf welche Schule das Kind gehen soll, ist ein sensibles Thema. Die Einschätzung der Lehrerinnen und Lehrer und die Einschätzung der Eltern können sehr verschieden sein.
Die Eltern können ihre Entscheidung durchsetzen, aber bedenken Sie bitte: Wenn ein Kind ein Gymnasium oder eine Realschule besucht und dann die Anforderungen dort nicht erfüllt, kann es bereits nach einem halben Jahr zurückversetzt werden in die nächstniedrigere Schulstufe. Dabei können dann die Eltern nicht mehr mitentscheiden.

Deshalb liebe Eltern: Ihre Entscheidung für eine weiterführende Schule soll nicht als eine Angelegenheit des Familienstolzes betrachtet werden. Informieren Sie sich und lassen Sie sich gut beraten. Und wenn Sie ihr Kind gut einschätzen können, dann werden Sie die richtige Entscheidung treffen.
Überlegen Sie bitte: Hat Ihr Kind die Grundschule ohne Schwierigkeiten durchlaufen?
Was kann ihr Kind gut? Was kann es nicht so gut? Wie kommt Ihr Kind mit den Hausaufgaben zurecht? Kann es sie selbständig und sorgfältig erledigen?
Wie schätzt die Klassenlehrerin oder der Klassenlehrer das Kind ein? Trauen Sie Ihrem Kind zu, einiges mehr für die Schule zu tun als bisher?
Können Sie Ihr Kind auf dem künftigen Weg mehr unterstützen als bisher?
Für die Zukunft Ihres Kindes ist es wichtig, eine Schule zu besuchen, die zu seinen Fähigkeiten passt, an der es ohne große Überforderung lernen kann und Freude am Lernen haben wird.

Liebe Eltern, es gibt verschiedene Formen der weiterführenden Schulen. Sie eröffnen den Kindern verschiedene Bildungs- und Berufschancen.
Es gibt die Hauptschule, die Realschule, das Gymnasium und zwei Arten von Gesamtschulen. Der Besuch der Hauptschule ist für Kinder zu empfehlen, die in der Grundschule befriedigende bis schwache Leistungen erbracht haben und die bei den Aufgaben und im Unterricht meistens Hilfe benötigen und nicht immer selbständig arbeiten können.
Herr Weilbächer ist Schulleiter...

[Es folgt: Hauptschule: 7:00 Minuten]

An dieser Stelle möchte ich noch Folgendes anmerken: Sollte Ihr Kind in einigen Jahren einen Hauptschulabschluß erreichen oder einen mittleren Abschluß, dann muss das nicht bedeuten, dass es niemals im Leben an einer Universität studieren kann. Es stehen noch viele Bildungswege offen.

[Es folgen: Gesamtschulen und Realschulen: ca. 10 Minuten]

Gymnasium (2 Minuten)
Liebe Eltern, ich weiß sehr wohl: viele von Ihnen wünschen sich so sehr für ihr Kind, dass es später einmal studieren kann, einen besonders angesehenen Beruf ausüben kann. Dass es z.B. Arzt oder Ärztin wird oder Rechtsanwalt, Lehrerin, Lehrer oder Architekt.
Deswegen wünschen sich viele Eltern, dass das Kind nach dem vierten Schuljahr ein Gymnasium besucht. Das Gymnasium ist eine Schulform, die zum Abitur führt. Das Abitur ist die Voraussetzung für ein Studium an einer Hochschule. Das Ziel des Gymnasiums ist es also, die Zugangsvoraussetzung für ein Studium zu erreichen.
Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, was von einem Kind erwartet wird, das ein Gymnasium besuchen möchte? Ich werde Ihnen die wichtigsten Punkte aufzählen.

Ein Kind, das ein Gymnasium besuchen will, soll in der Grundschule überwiegend sehr gute bis gute Leistungen erbracht haben, Spass am Lernen haben, selbständig und ohne Hilfe lernen können, konzentriert und interessiert lernen können.
Ein Kind, das ein Gymnasium besuchen will, soll nicht schnell aufgeben, wenn es einmal Schwierigkeiten gibt, dem Unterricht in deutscher Sprache sicher folgen können, sich auf viele verschiedene Lehrer und Lerngruppen einstellen können.
Wenn das für Ihr Kind zutrifft, dann kann die Entscheidung für den Besuch eines Gymnasiums genau richtig für Ihr Kind sein.

Schluss:
Bitte denken Sie über die Fähigkeiten und Leistungen Ihres Kindes nach. Wenn Sie Ihr Kind gut einschätzen können und sich mit Lehrerinnen und Lehrern beraten haben, dann werden Sie nach dem vierten Schuljahr die richtige Entscheidung für eine weiterführende Schule treffen.

Liebe Eltern, auch während Ihr Kind eine weiterführende Schule besucht braucht es Ihre Unterstützung .

Gruß
aus Frankfurt am Main

Frankfurt_08_08
08.08.05, 12:16
Wie genau äußert sich das, dass Migrantenkinder nicht gefördert werden? Ich meine, natürlich habens immer diejenigen Kinder besser, die von ihren Eltern finanziert werden können, aber das ändert nichts an der Chance an sich. Das muss man trennen, denn diese Chance wird gesetzlich erst mal JEDEM gegeben. Und wie äußert sich das, dass zu wenigen Migrantenkindern der Weg zur Hochschulreife geöffnet wird? Vielleicht hab ich hier einfach nur zu wenig Wissen, das kann sein, und meine Fragen sind auch gar nicht böse gemeint, ich möchte halt nur wissen, wie sich das äußert.

Hallo,

zunächst muss man mal festhalten, dass fast 50 % der ausländischen Kinder auf den Hauptschulen sind. (6. Bericht über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland, vom Juni 2005)
Bei den Deutschen nur: 18, 6 Prozent
Auf dem Gymansium aber sind nur 13, 9 aller Migrantenkinder, aber 32, 3 aller deutschen Schüler.
Hier herrscht also ein Ungleichgewicht.

Nun hat man zwei Möglichkeiten:
1. Man lässt es so, weil: es wird ja schon seine Gründe haben
2. Man unternimmt etwas dagegen.

Im zweiten Falle muss es eine besondere Förderung von Migrantenkindern geben. Die Bundesregierung hat deshalb ja auch vor Kurzem ein besonderes Programm entwickelt und Gelder für die Länder bereitgestellt. Nur: Hessen hat diese Gelder nicht genommen.

1.Wichtig ist zum Beispiel, dass die Lehrer bei Migrantenkindern häufig keine Empfehlung für die Realschule oder das Gymnasium aussprechen. Das tun sie auch weniger häufig bei deutschen Kindern aus sozialschwachen Familien. Sowohl alle PISA- als auch die OECD-Studie haben eindeutig einen viel zu großen Zusammenhang zwischen dem Bildungsniveau und dem sozialen Hintergrund in Deutschland festgestellt.
Die Schule diskriminiert (vgl. Frank-Olaf Radtke: "Institutionelle Diskriminierung")
Lösung: z.B. Interkulturelle Schulungen von Lehrerinnen und Lehrern

2. Migrantenkinder haben häufig Fähigkeiten, z.B. Zwei- oder Mehrsprachigkeit, die weder im Kindergarten noch in der Schule gefördert oder gar als notenrelevant anerkannt werden. (Der "muttersprachliche Unterricht" wurde in Hessen de facto abgeschafft).
Lösung: Anerkennung von Zweisprachigkeit

3. Migrantenkinder haben häufiger als deutsche Kinder sprachliche Probleme.
Lösung: Sprachförderung schon im Kindergarten (das wird jetzt in Hessen praktiziert).

Gruß aus Frankfurt

DeLaHoya
08.08.05, 15:09
1.Wichtig ist zum Beispiel, dass die Lehrer bei Migrantenkindern häufig keine Empfehlung für die Realschule oder das Gymnasium aussprechen



Ich konnte z. B. kein Deutsch, als ich eingeschult wurde.



Komischerweise sagte eine Lehrerin in der 4. Klasse, und das habe ich bis heute nicht vergessen, dass ich für einen Türken ungewöhnlich gut Deutsch, sogar so gut Deutsch für die anderen spreche würde... ich kam trotzdem nicht ins Gymnasium.



Nun sitze ich, nachdem ich das Abi nicht direkt machen konnte, im Uni-Übungssaal und tippe diese Zeilen auf meinem Notebook.



Es kommt also auch darauf an, wie man mit solchen Einstufungen umgeht und wie sehr man sich klein kriegen lässt.

Caution
08.08.05, 15:29
Ich konnte z. B. kein Deutsch, als ich eingeschult wurde.



Komischerweise sagte eine Lehrerin in der 4. Klasse, und das habe ich bis heute nicht vergessen, dass ich für einen Türken ungewöhnlich gut Deutsch, sogar so gut Deutsch für die anderen spreche würde... ich kam trotzdem nicht ins Gymnasium.



Nun sitze ich, nachdem ich das Abi nicht direkt machen konnte, im Uni-Übungssaal und tippe diese Zeilen auf meinem Notebook.



Es kommt also auch darauf an, wie man mit solchen Einstufungen umgeht und wie sehr man sich klein kriegen lässt.

Und ich habe eine Hauptschulempfehlung von einem Lehrer bekommen, der vor der Klasse stets sagte, daß die Türkei 50% Arbeitslose hätte und aus Wüsten bestehe.
Ich suchte eine gute Freundin (eine Lehrerin die pensioniert war) auf und ließ sie im Namen meiner halbanalphabeten Eltern schreiben, daß sie mit der Hauptschulempfehlung nicht einverstanden seien und das ich auf das Gymnasium kommen sollte.
Auf dem Gymnasium war ich einer der besten 3 in meiner Klasse, zumindest in den ersten 2 Jahren.

Carlito
08.08.05, 15:34
zumindest in den ersten 2 Jahren.
Dann hast du das andere Geschlecht für dich Entdeckt und deine Leistungen gingen Bergab. Das kommt mir bekannt vor! :D

Caution
08.08.05, 15:51
Dann hast du das andere Geschlecht für dich Entdeckt und deine Leistungen gingen Bergab. Das kommt mir bekannt vor! :D

So ähnlich.:)

emekli
08.08.05, 17:28
Hallo, politik29,

unten poste ich den angesprochenen Text der DVD. Es wird nicht direkt gesagt, dass man sein Kind nicht aufs Gymnasium schicken soll, aber es wird ganz eindeutig Angst davor gemacht.
WARUM?
Das ist meiner Ansicht nach keine direkte Absicht. Es veranschaulicht aber ganz gut das Denken der Macher des Films: "Ausländerkinder sollen lieber auf die Hauptschule gehen!"
Der Film soll übrigens NUR ausländischen Eltern gezeigt werden.


Gymnasium (2 Minuten)
Liebe Eltern, ich weiß sehr wohl: viele von Ihnen wünschen sich so sehr für ihr Kind, dass es später einmal studieren kann, einen besonders angesehenen Beruf ausüben kann. Dass es z.B. Arzt oder Ärztin wird oder Rechtsanwalt, Lehrerin, Lehrer oder Architekt.
Deswegen wünschen sich viele Eltern, dass das Kind nach dem vierten Schuljahr ein Gymnasium besucht. Das Gymnasium ist eine Schulform, die zum Abitur führt. Das Abitur ist die Voraussetzung für ein Studium an einer Hochschule. Das Ziel des Gymnasiums ist es also, die Zugangsvoraussetzung für ein Studium zu erreichen.
Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, was von einem Kind erwartet wird, das ein Gymnasium besuchen möchte? Ich werde Ihnen die wichtigsten Punkte aufzählen.

Ein Kind, das ein Gymnasium besuchen will, soll in der Grundschule überwiegend sehr gute bis gute Leistungen erbracht haben, Spass am Lernen haben, selbständig und ohne Hilfe lernen können, konzentriert und interessiert lernen können.
Ein Kind, das ein Gymnasium besuchen will, soll nicht schnell aufgeben, wenn es einmal Schwierigkeiten gibt, dem Unterricht in deutscher Sprache sicher folgen können, sich auf viele verschiedene Lehrer und Lerngruppen einstellen können.
Wenn das für Ihr Kind zutrifft, dann kann die Entscheidung für den Besuch eines Gymnasiums genau richtig für Ihr Kind sein.

Schluss:
Bitte denken Sie über die Fähigkeiten und Leistungen Ihres Kindes nach. Wenn Sie Ihr Kind gut einschätzen können und sich mit Lehrerinnen und Lehrern beraten haben, dann werden Sie nach dem vierten Schuljahr die richtige Entscheidung für eine weiterführende Schule treffen.

Liebe Eltern, auch während Ihr Kind eine weiterführende Schule besucht braucht es Ihre Unterstützung .

Gruß
aus Frankfurt am Main


Was hier erklärt wird, ist im Grunde genommen nichts Anderes als die Qualifikationen, welche ein Kind für die entsprechenden Schulstufen mitbringen sollte.

Ich erkenne allenfalls einen Schwachpunkt, dass für die andern Schulstufen mehr Info-Zeit verwendet wird, als für das Gymnasium.

Wie können derartige Infos zu Stande kommen? In der Türkei ist es so, dass der Schulweg klar ist. Ilk okul, orta okul, lise, üniversite.

So, also klar, dass es das Ziel aller Eltern ist, ihr Kind aus der orta ins lise zu bringen, da sonst die Schule endet. Dies versucht man mit Privatunterricht, mit Privatschulen und ich meine, es wird sehr viel Geld für die Schulung ausgegeben. Lise geschafft, dieselben Anstrengungen für die Uni-Prüfung. Wer sie schafft geht weiter zur Schule, wer durchfällt hat ein Problem. Was macht er mit seinem lise?

In Deutschland versucht man wohl aus diesem Grunde auch die andern Schulzweige vorzustellen, zu zeigen, dass es neben dem Gymnasium noch andere Schultypen gibt.

Was machen all die Universitätsabgänger in Deutschland, diejenigen in der Türkei?

Frankfurt_08_08
09.08.05, 10:20
Was hier erklärt wird, ist im Grunde genommen nichts Anderes als die Qualifikationen, welche ein Kind für die entsprechenden Schulstufen mitbringen sollte.
Ich erkenne allenfalls einen Schwachpunkt, dass für die andern Schulstufen mehr Info-Zeit verwendet wird, als für das Gymnasium.


Ich erkenne noch viel mehr:
1. "Natürlich können auch die Eltern ihr Kind gut einschätzen, wenn sie die Grundschulzeit ihrer Kind bewusst mitverfolgt, ihnen geholfen und sie unterstützt haben."
Warum wird die Einschätzung der Eltern erst an zweiter Stelle und durch das Wort „auch“ in abgeschwächter Art und Weise gebracht? Statistiken belegen, dass Eltern ihre Kinder besser einschätzen können als Lehrer....

2. "Die Eltern können ihre Entscheidung durchsetzen, aber bedenken Sie bitte: Wenn ein Kind ein Gymnasium oder eine Realschule besucht und dann die Anforderungen dort nicht erfüllt, kann es bereits nach einem halben Jahr zurückversetzt werden in die nächstniedrigere Schulstufe. Dabei können dann die Eltern nicht mehr mitentscheiden."
Was soll diese Warnung? Warum wird nirgendwo von "Unterforderung" gesprochen?
Für mich ist das ist Abschreckung!

3. "Deshalb liebe Eltern: Ihre Entscheidung für eine weiterführende Schule soll nicht als eine Angelegenheit des Familienstolzes betrachtet werden."
Was soll dieser Satz ?

4. "Können Sie Ihr Kind auf dem künftigen Weg mehr unterstützen als bisher? "
Was soll dieser Satz? Meine Eltern konnten mich im Laufe der Schulzeit immer weniger unterstützen. Gerade auf dem Gymnasium?
Für mich ist auch das Abschreckung!

5. Der Abschnitt über das Gymnasium ist nur 2 Minuten lang! Er geht überhaupt nicht auf die Schulform ein, es wird keine Schule von innen gezeigt, kein Schulleiter interviewt. (Dazu muss man den Film kennen...) Das Gymnasium wird hingestellt, als sei es lediglich Vorbereitung auf das Studium und nicht eine Schule, nach deren Abschluss man die völlig freie Berufswahl hat. Die gesamte Passage ist nichts als Abschreckung.

6. "Wenn das für Ihr Kind zutrifft, dann kann die Entscheidung für den Besuch eines Gymnasiums genau richtig für Ihr Kind sein."
Wieso "kann" - warum nie "ist" ?

Grüße aus Frankfurt!

emekli
09.08.05, 10:42
Ich erkenne noch viel mehr:
1. "Natürlich können auch die Eltern ihr Kind gut einschätzen, wenn sie die Grundschulzeit ihrer Kind bewusst mitverfolgt, ihnen geholfen und sie unterstützt haben."
Warum wird die Einschätzung der Eltern erst an zweiter Stelle und durch das Wort „auch“ in abgeschwächter Art und Weise gebracht? Statistiken belegen, dass Eltern ihre Kinder besser einschätzen können als Lehrer....

2. "Die Eltern können ihre Entscheidung durchsetzen, aber bedenken Sie bitte: Wenn ein Kind ein Gymnasium oder eine Realschule besucht und dann die Anforderungen dort nicht erfüllt, kann es bereits nach einem halben Jahr zurückversetzt werden in die nächstniedrigere Schulstufe. Dabei können dann die Eltern nicht mehr mitentscheiden."
Was soll diese Warnung? Warum wird nirgendwo von "Unterforderung" gesprochen?
Für mich ist das ist Abschreckung!

3. "Deshalb liebe Eltern: Ihre Entscheidung für eine weiterführende Schule soll nicht als eine Angelegenheit des Familienstolzes betrachtet werden."
Was soll dieser Satz ?

4. "Können Sie Ihr Kind auf dem künftigen Weg mehr unterstützen als bisher? "
Was soll dieser Satz? Meine Eltern konnten mich im Laufe der Schulzeit immer weniger unterstützen. Gerade auf dem Gymnasium?
Für mich ist auch das Abschreckung!

5. Der Abschnitt über das Gymnasium ist nur 2 Minuten lang! Er geht überhaupt nicht auf die Schulform ein, es wird keine Schule von innen gezeigt, kein Schulleiter interviewt. (Dazu muss man den Film kennen...) Das Gymnasium wird hingestellt, als sei es lediglich Vorbereitung auf das Studium und nicht eine Schule, nach deren Abschluss man die völlig freie Berufswahl hat. Die gesamte Passage ist nichts als Abschreckung.

6. "Wenn das für Ihr Kind zutrifft, dann kann die Entscheidung für den Besuch eines Gymnasiums genau richtig für Ihr Kind sein."
Wieso "kann" - warum nie "ist" ?

Grüße aus Frankfurt!

Es gibt andere Erfahrungen und bezieh das nicht einfach auf die türkischen Eltern, gilt genauso für Deutsche:

Gymnasium ist eine Prestigeangelegenheit geworden. Eltern,welche ihr Kind mit einer Durchschnittsnote 3 aufs Gymnasium anmelden wollen sind keine Seltenheit. Ihnen muss man die Kompetenz, ihr Kind einzuschätzen, absprechen. (Es gibt viele Kinder, welche an diesem Druck zerbrechen)

Kompetenz: Wenn du deinen Magen spiegeln lässt und ein Ergebis willst, was zählt? Die Kompetenz des Arztes oder die Deinige? Eltern sehen oft nur IHR Kind, aber nicht den Leistungsvergleich oder Leistungsstand innerhalb der Klasse.

Punkt 5 einverstanden

Diese Information wird genauso deutschen Eltern übermittelt, dies in Form von Informationsabenden. Das Problem ist dasselbe. Fragst du nur die Eltern, so finden 80 %, ihr Kind gehöre eigentlich aufs Gymnasium, aber bestimmte Umstände, unruhige Klasse, schlechte Lehrkraft, persönliche oder familiäre Probleme würden nun das Leistungsverhalten beeinträchtigen. Eigentlich müsste man dem Kind eine Chance geben.

Ich glaube, dieses ganze Thema ist ein generelles Schulproblem.

Frankfurt_08_08
10.08.05, 10:04
Gymnasium ist eine Prestigeangelegenheit geworden. Eltern,welche ihr Kind mit einer Durchschnittsnote 3 aufs Gymnasium anmelden wollen sind keine Seltenheit. Ihnen muss man die Kompetenz, ihr Kind einzuschätzen, absprechen. (Es gibt viele Kinder, welche an diesem Druck zerbrechen)

Es gibt auch viele Kinder, die an den Hauptschulen unterfordert sind.

Es ist zwar bei Deutschen ähnlich, aber nicht die Deutschen sind am Gymnasium überrepräsentiert.
Über 60 Prozent der Sonderschüler sind nicht die Deutschen.
Es sind nicht 43 Prozent aller deutschen Schüler an den Hauptschulen, sondern 43 Prozent aller Ausländerkinder.
Ein Drittel aller Deutschen Schüler sind Gymnasiasten, aber nur 18 Prozent aller Ausländerkinder.

Lies mal den aktuellen Bericht über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland. Hier: http://www.integrationsbeauftragte.de/download/LageberichtInternet.pdf
Es genügt Seite 32 - 34 zu lesen.

Wenn man zwei Gruppen - in diesem Fall deutschen Eltern und ausländischen Eltern - das Gleiche sagt, dann hat es eben nicht die gleichen Folgen.
Die ausländischen Eltern müssen ermutigt werden, ihre Kinder auch aufs Gymnasium zu schicken.

Und dann - so argumentiert Prof. Dr. Radtke ("Institutionelle Diskriminierung", Seite 90):
"Die Statistiken über Schulabgänger belegen die organisatorisch nicht überraschende Erwartung, dass wer einmal die Hürde auf eine solche Schule genommen hat, auch in dem entsprechenden Umfang zum Erfolg geführt werden kann. Einmal eingeschlagene Bildungswege sind kaum mehr revidierbar, wenn überhaupt, dann eher nach unten als nach oben."

Genau dies belegen auch Statistiken in Hessen. Welche übrigens auch belegen, dass Eltern eher die richtige Entscheidung treffen als die Lehrer (Den Vergleich mit dem Arzt kann man hier kaum anwenden). Es gibt hier in Hessen Statistiken zu sogenannten "Querversetzungen", also Schülerinnen und Schüler, die eine Schulform nach unten versetzt wurden, und die teilweise keine Empfehlung der Lehrer zu der höheren Schule hatten:
Insgesamt lagen bei der Realschule nur 37 Prozent aller Eltern "falsch", aber 63 Prozent der Lehrer!
Beim Gymnasium lagen sogar nur 22 Prozent der Eltern "falsch", aber 78 Prozent der Lehrer!

Ich könnte jetzt noch weitermachen, wie sich das dann hinterher auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar macht. Aber auch das kann der Lagebericht besser wiedergeben.

Grüße aus Frankfurt!

dertli4u
10.08.05, 10:45
Grüße aus Frankfurt!

danke.

ich könnte leider nicht so gut erkläeren wie du:)

emekli
10.08.05, 10:48
2.2 Reformansätze in Bund und Ländern

2.2 Reformansätze in Bund und Ländern
In der Schulpolitik der Länder ist im Berichtszeitraum ein Perspektivwechsel festzustellen.
Schulgesetze und Verordnungen orientieren sich zunehmend weniger am Rechtsstatus der
Schülerinnen und Schüler und zunehmend mehr an ihren sprachlichen Voraussetzungen. So
wird in Berlin von „Kindern nichtdeutscher Herkunftssprache“, in Bayern von „Kindern nicht
deutscher Erstsprache“ und in Schleswig-Holstein von „Schülerinnen und Schülern nicht
deutscher Muttersprache“ gesprochen.45
Die durch den „PISA-Schock“ ausgelösten Reformansätze im Bereich der allgemeinbildenden
Schulen konzentrieren sich auf folgende Punkte:
· das Vorziehen des Schulpflichtalters,
· die frühere Schulanmeldung und frühe Sprachstandserhebungen,
· flexible Schuleingangsphasen,
· zusätzlichen Förderunterricht „Deutsch als Zweitsprache“ für Schülerinnen und Schüler
mit Migrationshintergrund,
· die Entwicklung von Qualitätskriterien und Qualitätsmanagement,
· die Einführung von Bildungsstandards und Bildungsmonitoring (meist durch
Vergleichsarbeiten),
· den Ausbau von verlässlichen Halbtagsgrund- und Ganztagsschulen,
· die Stärkung der schulischen Autonomie bei interner und externer Evaluation und
· Verbesserungen bei der Lehreraus- und -fortbildung.
In allen Ländern ist Förderunterricht für Schülerinnen und Schüler, deren Deutschkenntnisse nicht ausreichend sind, als kompensatorisches Angebot inzwischen vorgesehen. Zum Teil werden in den Länderhaushalten hierfür erhebliche Mittel bereitgestellt.



Ich zitiere aus demselben Bericht, aber eine andere Stelle. Sie ist meiner Meinung nach wichtiger. Deine Prozentzahlen sind Tatsachen. Sie beschreiben einen Ist-Zustand. Darauf aufbauend nun ein fremdenfeindliches Schulsystem zu unterstellen hiesse: Wir fordern Quotenregelung für Ausländer an höheren Schulen. Sie müssen prozentual gleichmässig vertreten sein. Das kann es wohl nicht sein.

Mein Zitat zeigt ein ganz anderes Problem der Schule und das hat nicht nur mit den fremdsprachigen Kindern zu tun. Es ist das Schulsystem als Ganzes, welches nicht mehr zeitgemäss ist und welches dringendster Reformen bedarf. Einige sind aufgezählt. Als wichigste möchte ich erwähnen:

Übergang zu Ganztagesschule
Runter mit dem Einschulungsalter
Sämtliche relevanten Schularbeiten werden betreut in der Schule erledigt.
Sprachkompetenz (denn Schulleistung ist an Sprachkompetenz gebunden)

Diese überfälligen Reformen sind eine Antwort auf übeforderte Elternhäuser, auf wirtschaftlich völlig neue Situationen (indem Doppelverdiener langsam aber sicher die Norm sind), auf ganz unterschiedliche kulturelle Hintergründe, welche sich in den Klassen verstärkt bemerkbar machen.

Ich denke, das ist der springende Punkt und es bleibt zu hoffen, dass diese Umsetzung nicht ein ganzes Schülerleben bedarf, bis die ersten Akzente dann auch wirklich gesetzt werden.

Frankfurt_08_08
10.08.05, 15:25
Deine Prozentzahlen sind Tatsachen. Sie beschreiben einen Ist-Zustand.

Wie kommt dieser Ist-Zustand denn zustande?

Man kann doch nicht einfach einen Ist-Zustand für sich alleine betrachten. Es stellen sich immer zwei Fragen:
1. Wie ist es zu diesem Zustand gekommen?
2. Wie kommt man (wenn man will) von ihm weg?

Quotenregelungen braucht es dazu nicht. Nur Chancengleichheit.
Und erst da setzen dann die Ansätze an, die Du zitierst.

Gruß aus Frankfurt!

emekli
10.08.05, 16:55
Chancengleichheit klingt nach Anklage. Dieselbe Statistik, welche du für die türkischen Kinder nachführst, kannst du für deutssprachige Kinder haben, welche aus sozial schwachen Verhältnissen haben. Kein Unterschied.

Chancengleichheit würde also heissen: Alle Kinder müssen dieselben schulischen Rahmenbedingungen haben. Ist eine Illusion, in Deutschland und in der Türkei.

Ich bin jedoch mit dir einig, dass die Schule, indem sie Tagesstrukturen und bessere Betreuungsangebote schafft, die Bildungschancen vieler Kinder verbessern kann.

Es ist dann wieder eine Frage der Zeit, bis Elterninitiativen stattfinden werden, welche bemängeln, die Schule mische sich zu sehr in die Familie ein, das sei ja wie früher im Sozialismus.

Frankfurt_08_08
11.08.05, 11:10
Chancengleichheit klingt nach Anklage. Dieselbe Statistik, welche du für die türkischen Kinder nachführst, kannst du für deutssprachige Kinder haben, welche aus sozial schwachen Verhältnissen haben. Kein Unterschied.
Sehe ich genauso!
Und das wissen auch die Bildungsverantwortlichen ganz genau.

Aber wenn man weiß, dass ausländische und/oder Kinder aus sozialschwachen Familien schlechtere Startbedingungen haben, dann hat man als Staat (als der Bildungsträger) zwei Möglichkeiten:
1. Ich bin nicht für die Voraussetzungen verantwortlich. Ich behandele alle gleich. Das ist nicht mehr als eine natürliche Auslese.
Oder
2. Mir ist das nicht egal, ich behandele die mit den schlechteren Voraussetzungen anders, ich fördere sie, damit auch sie in der Schule und später im Beruf eine Chance haben (Chancengleichheit = nur Ausgleich der Chancen, keine Bevorzugung!).

In allen anderen vergleichbaren Industrieländern tendiert die Bildungspolitik eher zu Punkt Nr. 2. Aber alle Studien (PISA 1 und Pisa 2 und OECD und IGLU) bemängeln, dass die deutsche Bildungspolitik viel zu stark nach Nr. 1 tendiert.

Immer wieder werden auch (egal ob Ausländer und sozialschwache Deutsche) die Eltern zitiert. Bildung sei ja auch Aufgabe des Elternhauses.
Das stimmt.
Aber Tatsache ist, dass es nun mal Eltern gibt, die ihren Kindern viel weniger bis gar nicht helfen können oder einfach nicht helfen. Das mag die unterschiedlichsten Ursachen haben: mangelnde Schulbildung, Alkoholismus, Faulheit, mangelnde Sprachkenntnisse, Krankheit, Behinderung - was auch immer.
Fakt ist, dass es solche Eltern einfach gibt.
Auch hier hat der Bildungsträger zwei Möglichkeiten:
1. Ist mir doch egal
2. Ich versuche das auszugleichen.

Ich persönlich tendiere eben zu Punkt 2.
Ich sage auch nicht, dass die Bundesländer in Deutschland das nicht auch versuchen, aber eben zu zaghaft und zu oberflächlich. Es verändert sich ja nichts. Die Ungleichheit nimmt eher zu als ab.

Das zeigen auch die Ergebnisse, z.B. "Dass die Beteiligung ausländischer Jugendlicher an der Berufsausbildung seit Mitte der 1990er Jahre kontinuierlich rückläufig ist" (erwähnter Lagebericht, Seite 36) oder dass die Arbeitslosigkeit unter den Ausländern in den letzten 5 Jahren kontinuierlich zugenommen hat, während sie unter den Deutschen gleichgeblieben ist (siehe Lagebericht, Seite 57).

Deutschland steuert dahin, dass es kontinuierlich eine neue Unterschicht aufbaut. Ich brauche wohl kaum zu erwähnen, wer das sein wird.

Viele Grüße aus Frankfurt!

emekli
11.08.05, 12:36
Ja, sehe ich auch so. Ich werde noch etwas Weiteres anfügen, bin aber im Moment in Zeitnot.