Redaksiyon
26.07.05, 19:43
Scheitert Hamburger Linksbündnis?
Streit: Die WASG lehnt den Spitzenkandidaten der PDS ab.
Das Bündnis zwischen PDS und Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) in Hamburg droht zu scheitern - am Streit um die Spitzenkandidatur. PDS-Landessprecher Yavuz Fersoglu (38) erklärte gestern, er wolle auf Platz eins der Landesliste kandidieren, es sei denn, man finde bis Freitag eine unabhängige Persönlichkeit, die die Kandidatur übernehme. Am Wochenende wird die Liste auf einem PDS-Landesparteitag aufgestellt.
Bei der WASG ist man mit Fersoglus Kandidatur aber keineswegs einverstanden. "Wir brauchen sieben bis acht Prozent der Stimmen, um einen Hamburger Kandidaten in den Bundestag zu schicken", sagt WASG-Vorstandsmitglied Joachim Bischoff. "Die werden wir mit einem Kandidaten Fersoglu nicht bekommen." Sollte die PDS ihren Landessprecher an Platz eins wählen, "kann es sein, daß wir unsere Unterstützung für die Liste zurückziehen", so Bischoff. Bisher wollte die WASG eigene Kandidaten auf der PDS-Liste plazieren.
Hintergrund: Fersoglu organisierte zusammen mit der autonomen Szene die Bambule-Demos und gilt als einer der führenden Köpfe der linken Hamburger Kurdenorganisationen.
"Fersoglu ist eine schillernde Größe an der Schnittstelle zwischen deutschen Antiimperialisten, Antifaschisten, Autonomen und den Nachfolgeorganisationen der kurdischen Arbeiterpartei PKK", sagt der stellvertretende Hamburger Verfassungsschutzchef Manfred Murck.
Nach Abendblatt-Informationen hat Fersoglu auch im Vorstand des "Volkshauses der Türkei" mitgearbeitet, das als Anlaufstelle für ehemalige PKK-Aktivisten gilt. Mit einem solchen Kandidaten werde man keinen Erfolg haben, sagt Bischoff. "Es wäre politisch eine schlechte Operation, Fersoglu an Platz eins zu wählen", sagt er. Deswegen hoffe man bei der WASG, daß sich bis zum Wochenende ein anderer Kandidat finde.
Unterdessen haben Bischoff und die PDS-Landessprecherin Christiane Schneider am vergangenen Wochenende eine gemeinsame "Hamburger Erklärung" verabschiedet. Darin wird das Ziel angekündigt, eine gemeinsame politische Formation zu schaffen. Die neue Partei solle in Zukunft auch in Hamburg eine wichtige Rolle spielen - und auch für die Bürgerschaft kandidieren. "Das Linksbündnis kann und soll zu einer starken Stütze der politischen und sozialen Oppositionsbewegungen in Hamburg werden", so die Erklärung, "zu einer Kraft, die Kritik und alternative Politik auch in die Bürgerschaft und in die Bezirksversammlungen trägt."
jmw
erschienen am 26. Juli 2005
http://www.abendblatt.de/daten/2005/07/26/463213.html
Streit: Die WASG lehnt den Spitzenkandidaten der PDS ab.
Das Bündnis zwischen PDS und Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) in Hamburg droht zu scheitern - am Streit um die Spitzenkandidatur. PDS-Landessprecher Yavuz Fersoglu (38) erklärte gestern, er wolle auf Platz eins der Landesliste kandidieren, es sei denn, man finde bis Freitag eine unabhängige Persönlichkeit, die die Kandidatur übernehme. Am Wochenende wird die Liste auf einem PDS-Landesparteitag aufgestellt.
Bei der WASG ist man mit Fersoglus Kandidatur aber keineswegs einverstanden. "Wir brauchen sieben bis acht Prozent der Stimmen, um einen Hamburger Kandidaten in den Bundestag zu schicken", sagt WASG-Vorstandsmitglied Joachim Bischoff. "Die werden wir mit einem Kandidaten Fersoglu nicht bekommen." Sollte die PDS ihren Landessprecher an Platz eins wählen, "kann es sein, daß wir unsere Unterstützung für die Liste zurückziehen", so Bischoff. Bisher wollte die WASG eigene Kandidaten auf der PDS-Liste plazieren.
Hintergrund: Fersoglu organisierte zusammen mit der autonomen Szene die Bambule-Demos und gilt als einer der führenden Köpfe der linken Hamburger Kurdenorganisationen.
"Fersoglu ist eine schillernde Größe an der Schnittstelle zwischen deutschen Antiimperialisten, Antifaschisten, Autonomen und den Nachfolgeorganisationen der kurdischen Arbeiterpartei PKK", sagt der stellvertretende Hamburger Verfassungsschutzchef Manfred Murck.
Nach Abendblatt-Informationen hat Fersoglu auch im Vorstand des "Volkshauses der Türkei" mitgearbeitet, das als Anlaufstelle für ehemalige PKK-Aktivisten gilt. Mit einem solchen Kandidaten werde man keinen Erfolg haben, sagt Bischoff. "Es wäre politisch eine schlechte Operation, Fersoglu an Platz eins zu wählen", sagt er. Deswegen hoffe man bei der WASG, daß sich bis zum Wochenende ein anderer Kandidat finde.
Unterdessen haben Bischoff und die PDS-Landessprecherin Christiane Schneider am vergangenen Wochenende eine gemeinsame "Hamburger Erklärung" verabschiedet. Darin wird das Ziel angekündigt, eine gemeinsame politische Formation zu schaffen. Die neue Partei solle in Zukunft auch in Hamburg eine wichtige Rolle spielen - und auch für die Bürgerschaft kandidieren. "Das Linksbündnis kann und soll zu einer starken Stütze der politischen und sozialen Oppositionsbewegungen in Hamburg werden", so die Erklärung, "zu einer Kraft, die Kritik und alternative Politik auch in die Bürgerschaft und in die Bezirksversammlungen trägt."
jmw
erschienen am 26. Juli 2005
http://www.abendblatt.de/daten/2005/07/26/463213.html