PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Leserbrief an Die Zeit: "Wer am Leben blieb, wurde nackt gelassen" vom 23.03.2005



TIC-Redaktion
04.08.05, 14:48
Betreff: "Wer am Leben blieb, wurde nackt gelassen" vom 23.03.2005 von Christian Schmidt-Häuer


Sehr geehrte Damen und Herren,

leider gibt Herr Schmidt-Häuer die geschichtlichen Ereignisse nicht nur verzerrt sondern auch nur einseitig wieder.

Dies fängt bereits damit an, dass das Wort "Zeytun" als armenisches bezeichnet wird, obwohl es ein arabisches ist und auch im Türkischen "Olive" bedeutet.

Über solch einen Lapsus kann man noch hinwegsehen, das Traurige an dem Artikel ist jedoch, dass eine objektive Berichterstattung suggeriert wird, obwohl dies keinesfalls gegeben ist.

Zunächst beginnt Herr Schmidt-Häuer seinen Beitrag mit Berichten überlebender Armenier. Dass die muslimische Bevölkerung in Zeiten des Krieges genauso gelitten hat, wie die armenische, scheint für ihn keine Rolle zu spielen. 2,5 Mio. getöteten Muslime, die im 1. Weltkrieg in Ostanatolien gestorben sind und von denen ca. 500.000 von armenischen Rebellen getötet wurden, finden keine Erwähnung. Heute leben in der Türkei viele Menschen, die Nachkommen der 2 Millionen während des 1. Weltkrieges aus dem Kaukasus und Ostanatolien Vertriebenen sind. Warum diese Menschen vertrieben und ermordet wurden, wird jedoch nicht thematisiert. Über diese Menschen schweigt man sich aus oder spricht lediglich von "tragischen Kriegsereignissen", bei den Armeniern jedoch von Genozid.

Wenn Herr Schmidt-Häuer tatsächlich etwas "bewegen" möchte, sollte er für ein internationales Historikergremium plädieren, das von der "türkischen Seite" seit Jahrzehnten gefordert und von der "armenischen Seite" abgelehnt wird, wie letztes Jahr in Wien. Dass die "armenische Seite" nicht an einer wirklichen Aufklärung der Umstände interessiert ist sondern nur auf eine Anerkennung ihrer offiziellen Version aus ist, zeigt sich hier deutlich.

Herr Schmidt-Häuer schreibt, dass "der jüdische Dichter Franz Werfel in seinem Roman Die vierzig Tage des Musa Dagh die armenischen Todeskarawanen prophetisch »wandernde Konzentrationslager«" nannte. Bei den Konzentrationslagern - die von den Engländern erfunden wurden - handelt es sich um Lager, in denen die Menschen "konzentriert" wurden. Dies gilt ebenso für die amerikanischen Internierungslager im 2. Weltkrieg. Dort wurden Amerikaner japanischer Herkunft "interniert". Diese Konzentrationslager sind nicht mit denen der Hitlerdiktatur vergleichbar, doch Herr Schmidt-Häuer versucht einen Vergleich zu ziehen und den Genozid an den europäischen Juden zu instrumentalisieren.

Nicht nur das, auch Franz Werfel gab in einem Gespräch mit seinem jüdischen Freund Albert Amateu zu, dass er das Buch auf Quellen seiner armenischen Freunde in Wien stützte und des weiteren gefälschte "Dokumente" des Armeniers Aram Andonian verwendet hat. Wenn Herr Schmidt-Häuer einen Roman als Beweis anführt, sollte er auch andere Beweise erwähnen, welche widerlegt wurden, wie z. B. das "Blue Book" des britischen Historikers Arnold J. Toynbee, welches als britische Kriegspropagandadokumente entlarvt aber trotzdem jahrelang weiter als "Beweis" angeführt wurde und immer noch wird.

Mihran Dabag meint in dem Beitrag von Herrn Schmidt-Häuer, dass die Türkei den angeblichen Genozid leugne, "weil der Genozid mit der Modernisierung des Landes zusammenfiel. Er geschah gerade auf der Schwelle der Geschichte: während der Transformation des multi-ethnischen Osmanischen Reiches in einen Nationalstaat mit pantürkischer Ideologie."
Als angeblicher "Experte" auf diesem Fachgebiet sollte er wissen, dass die Republik Türkei erst 1923 ausgerufen wurde und sich ein Nationalbewusstsein erst im Laufe der 20er Jahre entwickelt hat. Er sollte auch erwähnen, dass ca. 144 Minister, Parlamentarier, Generäle usw. verhaftet und nach Malta deportiert wurden um ihnen den Prozess zu machen. Alle wurden freigesprochen, da man keinerlei Beweis gegen sie fand und ihnen schon damals den angeblichen Genozid nicht nachweisen konnte. Die anderen wurden nach dem Krieg von osmanischen Gerichten bestraft, und zwar nicht als Akteure einer Regierungspolitik mit dem Ziel des Genozides, sondern als verantwortliche für Befugnisüberschreitungen.

Die Begründer der Türkei hatten nie die Absicht einen "Nationalstaat mit pantürkischer Ideologie" zu gründen. Alle "Begründer" der Türkei haben Abstand zu der Jungtürkischen Bewegung genommen und die Ziele derer (alle Turkvölker zu vereinen) abgelehnt. Enver Pascha war der einzige Vertreter dieser Ideologie und er ist 1922 in Zentralasien bei einem Gefecht einsam gestorben.

Herr Schmidt-Häuer meint, der angebliche Genozid sei erwiesen weil "24 Staaten, darunter Frankreich, Italien, Belgien, die Niederlande", den Genozid inzwischen verurteilt hätten. Er vergisst zu erwähnen, dass die UNO, sowie 168 Staaten den angeblichen Genozid nicht erkannt haben.

Der ehemalige israelische Außenminister und Nobelpreisträger Shimon Peres sagte diesbezüglich in einem Interview mit der T.D.N. am 10. April 2001: "Es ist eine Tragödie was den Armeniern passierte, aber kein Genozid”.
Selbst der weltweit anerkannte und renommierte Islamwissenschaftler und Experte auf dem Gebiet des Nahen Osten Prof. Bernard Lewis sagte in einem Interview mit der israelischen Tageszeitung Ha'aretz vom 23. Januar 1998: "Für mich gibt es ausreichende Gründe, diese Ereignisse - die Geschehnisse um die Armenier in Ostanatolien - als einen ethnischen Konflikt zu betrachten."

Großbritannien meint diesbezüglich: "Die Haltung der Regierungen zu diesem Thema ist bekannt und ist am 14. April 1999 im Oberhaus erörtert worden. Die britische Regierung verurteilte die Massaker von 1915-1916 seinerzeit und betrachtete die Leiden der Armenier als eine schreckliche Tragödie. Die derzeitige Regierung weicht keineswegs von dieser Ansicht ab. Aber angesichts des Mangels an eindeutigen Beweisen, dass die osmanische Regierung eine bestimmte Entscheidung zur Vernichtung der Armenier getroffen hat, haben die britischen Regierungen die Ereignisse von 1915-1916 nicht als Genozid anerkannt.”

Zu dem "türkischen Historiker" Taner Akcam sollte Herr Schmidt-Häuer erwähnen, dass dieser einer der Begründer der linksextremen DEV-SOL war, welche für etliche Bombenanschläge und Morde verantwortlich ist und dass er kein Historiker sondern Soziologie ist, dessen "Forschungen" von seriösen Historikern widerlegt wurden. Später haben ihn, außer der "armenische Seite" und deutsche Einrichtungen, die gerne einen Genozid sehen wollten, keiner mehr ernst genommen. Außer in Erivan und bei der armenischen Diaspora in im wesentlichen Boston und Californien, hat er an keinem echten Historiker-Treffen als namhafter Historiker teilgenommen.

Herr Schmidt-Häuer meint wiederum, dass ausgerechnet Israel den ersten Genozid des 20. Jahrhunderts nicht als Genozid gelten lässt." Warum auch? Israel ist an der Wahrheit interessiert und hört sich beide Seiten der Geschichte an. Die Wahrheit ist, dass die Hauptvoraussetzung, nämlich die Absicht, die ethnische armenische Gruppe allein wegen ihres Armeniertums zu vernichten, fehlt.

Herr Schmidt-Häuer schreibt, dass "ein Band mit rund 700 Seiten Dokumenten aus dem Politischen Archiv des Auswärtigen Amts" herausgegeben von Wolfgang Gust erscheinen wird. Herr Gust legt kein Wert darauf objektiv die Dokumente freizugeben. Er nimmt sich nur diejenigen Dokumente heraus, die seine These unterstützen.

Diese und weitere Unzulänglichkeiten des Artikels können auch auf einer schlechten und einseitigen Recherche beruhen, was jedoch besonders negativ auffällt, ist der Versuch, die BRD zum Komplizen der Türkei zu machen, aufgrund der "Waffenbrüderschaft" im 1. Weltkrieg. Spätestens hier verliert der Artikel jede Sachlichkeit. Er erinnert eher an die Pamphlete der PKK in den 90er Jahren, in denen man versuchte die BRD für die Terrorbekämpfung in der Türkei zu diskreditieren und das PKK-Problem bzw. den PKK-Terror zu einem deutschen Problem zu machen.

Zu guter Letzt möchten wir nochmals bedauern, dass Herr Schmidt-Häuer keinerlei Interesse an Berichten überlebender Muslime hat und diese in seinem Beitrag nicht verwendet. Vielleicht ist er aber auch nur der Meinung, dass ein muslimisches Leben weniger Wert sei als ein christliches?

Hochachtungsvoll

Türkische Internet Community


Die Zeit: Wer am Leben blieb, wurde nackt gelassen (http://www.zeit.de/2005/13/Armenier)

TIC-Redaktion
04.08.05, 18:25
Xxxx 29 Jul : 20:44
Gast
Registriert: 01 Jan : 01:00

Türken lügen wie gedruckt.

Es gab nicht nur einen, sondern mehrere Genozide an den Armeniern.

Noch nie in ihrer ganzen Geschichte waren Andersgläubige gleichberechtigt.

TIC-Redaktion
06.08.05, 14:56
Olgunbayrak
29 Jul : 22:03
Kommentare: 34


@Xxxx

"Türken lügen wie gedruckt"... na ja, wenn Sie meinen.

Es wäre jedoch interessant zu wissen, was Sie meinen?


- Die Begriffsrhetorik um die 1,5 Millionen armenischen "Opfer"?
- Das Verschweigen der fast eine Millionen armenischer Überlebender, Flüchtlinge, Auswanderer usw.?
- Das Verschweigen von 2,5 Millionen osmanisch-muslimischen Toten während des Ersten Weltkrieges?
- Die Kollaboration mit dem Kriegsgegner Russland?
- Das Verklären der armenischen Milizen und deren Massaker?
- Das vermeintliche Hitler-Zitat?
- Lepsius und seine Manipulationen?
- Die Andonian-Dokumente (Talat-Pascha-Telegramme)?
- Das aus dem Kontext gerissene "La question arménienne n'existe plus"?
- Das "Blue Book"?
- Ambassador Morgenthau's Story?
- Franz Werfel und seine armenische Freunde in Wien?
- Das Verschweigen des Malta-Prozesses?
- Das Verschweigen der Massaker und Vertreibungen an den Balkan- und Kaukasustürken, besonders an den Tscherkessen?
- Das erfinden von Aussagen Atatürks bzw. des "Kronzeugen Atatürks"?

Moment mal... das sind ja keine türkischen sondern ausschließlich armenische Geschichtsverfälschungen!

Man ist doch geneigt zu behaupten, dass "Der Armenier" wie gedruckt lügt! Das ist jedoch nicht mein Niveau, das überlasse ich Ihnen.

TIC-Redaktion
06.08.05, 14:56
Anonymous 03 Aug : 19:32
Gast
Registriert: 01 Jan : 01:00


Schmieren Sie sich doch Ihre türkische Propaganda in die Haare.

Vermutlich schauen Sie nicht Phoenix, schade! Am Montag um 18 Uhr wurde dort ein Film wiederholt, der die Lächerlichkeit der türkischen Behauptungen aufzeigte.

Es fehlt nicht viel, dann wird auch noch ein Denkmal errichtet für die türkischen Opfer der Armenier.

Man hat dort in der Nähe des einzigen armenischen Dorfes am Musa Dagh (Nachkommen der Armenier, die damals von einem französischen Kriegsschiff aus ihrer bedrohlichen Lage gerettet wurden, haben es wieder aufgebaut) ein Grab aufgeschaufelt in Anwesenheit türkischer "Wissenschaftler" und Abgesandter der Regierung. Wer die Leichen sind, kann niemand beweisen. Die erste die sie ausgruben war in einem weißen Plastiksack. Vor 90 Jahren gab es das noch nicht - ist aber keinem der hohen Herren aufgefallen.

Mit ihren Leserbriefen werden Sie nichts ausrichten, denn Ihre Argumentation ist bereits bestens bekannt.

TIC-Redaktion
06.08.05, 14:57
Alp Arslan
03 Aug : 20:05
Kommentare: 5
Registriert: 01 Aug : 19:09


@Anonymous, diese Plastiktüte war ganz oben und die ersten die sie ausgruben waren paar Meter tiefer. Und aus der tüte kam keine Leiche raus, denn die Tüte war ziemlich klein und wie gesagt ganz oben.

Diese Doku habe ich gesehen und sowas schlechtes hätte ich niemals von Phoenix erwartet. Wer sich auskennt und nicht blind alles glaubt weiß was ich meine.

Ich freue mich schon auf die Antwort der Türkischen Internet Community.

TIC-Redaktion
06.08.05, 14:57
Anonymous 03 Aug : 21:36
Gast
Registriert: 01 Jan : 01:00

Wenn Sie sich unbedingt lächerlich machen wollen, schreiben Sie doch Ihre Kommentare zur Phönix-Sendung. Vielleicht finden Sie ja auch Unterstützung bei irgendwelchen islamischen Verbänden, die bereits jetzt versuchen, die Journalisten einzuschüchtern und ihnen am liebsten den Mund verbieten wollen.

Sie handeln nach dem Motto: Was wahr ist, bestimmen wir!

Wahrheit scheint Ihnen völlig belanglos zu sein, wenn es darum geht ihr vermeintliches Image vom anständigen Volk, das sicch nie etwas zuschulden kommen ließ und niemals Verbrechen begangen hat , zu wahren.

Sie können doch lesen, warum informieren Sie sich nur bei seriösen und anerkannten Wissenschaftlern und Historikern. Türkische dieser Art, scheint es twohl nicht zu geben.

TIC-Redaktion
06.08.05, 14:58
bigberta
03 Aug : 21:48
Kommentare: 7
Registriert: 02 Aug : 00:02

@ Anonymus:

Sie können doch lesen, warum informieren Sie sich nur bei seriösen und anerkannten Wissenschaftlern und Historikern. Türkische dieser Art, scheint es wohl nicht zu geben.

Genau, das sollten Sie mal tun! Beehren Sie uns doch mal mit den Wissenschaftlern die Sie so bevorzugen!

Ich bin weißgott niemand, der sich hier parteiisch auf eine Seite stellt,aber ich meine, gerade wir Deutschen - was sie sogar in pro-Armenischen Büchern nachlesen können - haben allen Grund, hier ganz vorsichtig zu sein: die Belagerung am Mosesberg wurde von einem deutschen Oberst geleitet, der deutsche Offizier Graf Wolfskeel war aktiv bei den Todesmärschen beteiligt und die Vision einer ethnisch reinen Türkei wurde zum ersten Mal von einem Deutschen, Colmar von der Goltz Pascha zu Papier gebracht. Und die erste Vergasung - sogar unter Vorspiegelung eines Brausebades wurde (lesen Sie Tessa Hoffmann!) wurde 1915 in Diyabakir durchgeführt - mit deutschem Gas. Also lesen Sie mal!