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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Islamische Gelehrten (Biographien)



AlGhazali
04.01.10, 00:24
Über die zahllosen Gelehrten von Marokko bis Philippinen ist sogut wie nichts bekannt, weil darüber Desinteresse besteht. Es gibt viele "Tabaka" genannte Biographiensammlungen und Enzyklopedien. Hier will ich einige Kurzbiographien setzen und einige Gelehrten auf deutsch vorstellen. Ein gebildeter Mensch kennt hierzulande Augustinus, so manch Kirchenväter und Theologen wie Thomas von Aqiun, Anselm, Eckehardt usw usw. Doch welchen muslimischen Gelehrten kennen wir ? Vielleicht wären eventuelle Diskussionen in seperaten Threads zu behandeln besser. Ich bin dafür dass hier die Biographien behandelt werden und seperat Diskussionen wenn erwünscht gemacht werden mit Link-Bezügen zu diesem Thread.

AlGhazali
04.01.10, 00:27
Burchoniddin al-Marginonij (Burhaneddin Marginani)

Der grosse Islam-Rechtswissenschaftler Burchoniddin al-Marginonij wurde 1123 in Margilan geboren, wo er seine Grundausbildung bekam. Spaeter zog er nach Samarkand, dem Religions- und Bildungszentrum des Mawarannahr um und lebte dort bis zum Ende seines Lebens.

Burchoniddin al-Marginonij lernte schon als Kind das heilige Buch, den Koran auswendig und studierte tuechtig auch spaeter, als er erwachsen wurde. Sein Buch "Kitob ul-maschoiq" (Das Buch ueber die Scheichs) enthaelt die Namen von ueber 40 Scheichs und Gelehrten, bei denen er seine Ausbildung bekam.

Neben dem Studium von Buechern der fuehrenden Gelehrten seiner Zeit verfasste Burchoniddin al-Marginonij auch selbst einige Werke. Davon sind "Bidojat al-muntahij" (Der Grundkurs fuer Anfaenger), "Kifojat al-muntahij" (Der Abschlusskurs fuer Absolvierende), "Kitob ul-mazid" (Das Buch, das das Wissen mehrt), "Manossik ul-hadsch" (Die Regeln der Pilgerreise Hadsch), "Kitob ul-Faroiz" (Das Buch ueber die Pflichten) usw. erhalten geblieben.

Al-Marginonijs Werk "Hidoja", das 1178 in Samarkand geschrieben wurde, war in der ganzen islamischen Welt bekannt. Dieses Werk galt als das genaueste, gruendlichste und ausfuehrlichste Werk ueber das islamische Recht fiqh.

In "Hidoja" wird die Loesung von rechtlichen Problemen in folgender Form gegeben: zunaechst wird die Meinung grosser fiqh-Gelehrten dargestellt, dann wird die Kritik bzw. Zustimmung anderer namhafter Autoren zu dieser Meinung kommentiert. So wird ausgehend von der Meinung der Autoritaeten die bestmoegliche Loesung gefunden. Auf diese Weise enthaelt das Werk nicht nur die Vorschriften, sondern auch ausfuehrliche diesbezuegliche Kommentare.

Ueber viele Jahrhunderte hinweg galt "Hidoja" in vielen islamischen Laendern, darunter auch in Zentralasien als wichtigstes Lehrbuch fuer Rechtswissenschaft. Deshalb wurde dieses Buch in viele Sprachen uebersetzt. 1893 erschien die von N. P. Grodekow aus der englischen Sprache angefertigte russische Uebersetzung des Werks, die fuer einen engen Kreis bestimmt war. 1994 wurde dieses Buch in Taschkent neu aufgelegt.

Al-Marginonijs Werk "Hidoja" (Hidaye) hat auch heute seinen Wert in der islamischen Welt nicht verloren. Es wird auch von den Wissenschaftlern im Ausland benutzt. Vom Orientalistik-Wissenschaftler Prof. Juergen Paul von der Martin-Luther-Universitaet, Deutschland, seinen eigenen Angaben zufolge, sowie seinen Kollegen wird dieses Werk als wichtige Quelle in den Seminaren ueber die hanifa-Rechtsschulen benutzt.

aus www.uzbekistan.de (artikel leider zur Zeit nicht mehr drin)

(Die "Hidaye" ist einer der wichtigsten Rechtsbücher der Hanafi-Rechtschule . Schon 1791 wurde es von Milton ins Englische übersetzt. Ins Türkisch wurde es von Hasan Ege übersetzt.)

AlGhazali
04.01.10, 00:29
Einige frühere grosse muslimische Geschichtsgelehrte



Muhammed Ibn Ishaq (gest. 768),

Autor der ersten Biographie des Propheten Muhammed (Friede sei mit ihm) "Sirat rasul Allah" - "Biographie des Gesandten Allahs" , die jedoch nur in der Form der ein halbes Jahrhundert jüngeren Bearbeitung des Ibn Hischam (gest. 834) erhalten ist. (Das Werk ist auch bei Imam Tabari enthalten. Die Sira ist ins deutsche übersetzt und erhältlich im Buchhandel)

Muhammed bin Djarir at-Tabari (838-923),

berühmter arabischer Historiker. verfaßte neben einem umfangreichen Korankommentar (Tafsir-i Tabari) eine vielbändige Universalgeschichte "Tarikh ar-rasul wa´l muluk" - "Die Annalen der Propheten und Herrscher", die beginnend bei der Erschaffung der Welt und bis Anfang des 10.Jh n.Chr. reichend, die einzelnen Geschehnisse in der Art der Hadith-Literatur mit der Kette der Überlieferer, jedoch ohne verbindenden und beschreibenden Text anführt. ( Imam Tabari hat sehr strenge regeln der Hadithüberlieferung auf die Geschichte angewandt und damit einen sehr stabiles und vertrauungswürdiges Werk zustandegebracht. Die türkische Übersetzung hat viele Fehler.)

Abu Abdallah Muhammed bin Umar al-Waqidi (747/8 - 823/4),

aus Medina stammender und später am Hof von Harun ar-Rashid wirkender arabischer Geschichtsschreiber, von dessen Werken als selbstständiges Buch das Kitab al-maghazi- "Buch der Feldzüge" erhalten ist.. Sein Verdienst besteht vor allem in der Zusammentragung umfangreichen historischen Stoffes zu den arabischen Eroberungen und dessen chronologischer Fixierung.
Aus : Anmerkungen des "Buch der Beispiele" Ibn Khaldun, 1992,Leipzig,


Ibn Khaldun (732 - 808 n.H.)

Er hieß Abdu Ar-Rahman ibn Mohammed ibn Abu Bakr Mohammed ibn Al-Hassan.
Er wurde in Tunesien 732 n.H. in einer arabischen Familie jemenitischer Abstammung geboren, deren uralte Verwandtschaftsbeziehungen auf den Gefährten Wa´el ibn Haggar zurückzuführen sind. Ursprünglich hatte seine Familie ihre Wurzeln aus einer Sippe in Hadramaut in Jemen und dann zogen seine Vorfahren nach Carmona in Andalusien aus. Der erste seiner Großväter, der sie betrat hieß "Khaled ibn Uthman" und nach der Gewohnheit der Spanier fügten sie noch – `un` zu jedem Namen hinzu, so hieß er "Ibn Khaldun".
Sein Vater war ein Fiqh-Gelehrter, der sich dem Studium von Fiqh und Literatur widmete.
So wuchs Ibn Khaldun in Tunesien auf, wo er den Quran rezitierte und auswendig lernte. Ebenso lernte er die arabische Sprache und sein Vater war darauf bedacht, daß er diese islamischen Wissenschaften von den größten Gelehrten derzeit empfing.
Am Anfang arbeitete er für eine lange Zeit in manchen Regierungsposten.
Seine Wanderungen:

Er verließ Tunesien und fuhr nach Biskra in Algerien. Dort blieb er für einige Zeit, dann fuhr er nach Constantine, wo er seine Familie hinterließ und zuletzt nach Fes fuhr.
In Fes ließ er sich nieder, weil sie damals als Wissenschaftshauptstadt im islamischen Marokko galt.
Während des Aufenthalts von Ibn Khaldun in Fes las er Vieles und er begegnete vielen Wissenschaftlern von Andalusien und Marokko. In den Bibliotheken von Fes befriedigte er seinen Wissensdrang. In dieser Zeit gab er die unredigierte Einleitung seines Buches "Al-`Eber" heraus. Danach fuhr er nach Andalusien und dann wieder nach Algerien zurück, wo er eine Zeitlang als Obersekretär, Vorbeter und Prediger in Al-Casaba-Moschee arbeitete, also er war zugleich Lehrer und Politiker.
Nach sieben Jahren fuhr er mit seiner Familie nach Tlemcen, dann nach Fes zurück. Er lebte dort einige Zeit, in der er viel las und unterrichtete, dann verließ er seine Familie und fuhr nochmals nach Andalusien. Nachdem er Granada besichtigte, kehrte er wieder nach Marokko. In Tlemcen kam er wieder mit seiner Familie zusammen, wo er sich in dieser Zeit mit Schriftstellerei und Lesen beschäftigte. Dann fuhr er nach Algerien und verbrachte dort 4 Jahre. Währenddessen redigierte er sein Buch "Al-`Eber" und fügte ihm die Geschichten der Gemeinden bei, dann kehrte er zuletzt nach Tunesien.
Sein Aufenthalt in Kairo:

Als er die Absicht hatte, eine Pilgerfahrt im Jahr 784 n.H zu vollziehen, erreichte er Alexandria nach 40 Tagen und damals hatte der König Az-Zaher Barquq die Herrschaft von Alexandria erst vor zehn Tagen übernommen. Ihm wurde die Pilgerfahrt mißlungen und deshalb fuhr er nach Kairo. Dort sammelten sich die Studenten um ihn und daraufhin begann er in Al-Azhar zu unterrichten. Er hatte daher bei dem Sultan Barquq eine hohe Stellung inne. Nachher wollte er seine Familie herbeiholen, aber der Sultan in Tunesien war dagegen bis er es endlich in Erfüllung des Wunsches vom Sultan Barquq erlaubte.
Ibn Khaldun arbeitete als Lehrer in der Kamheya Schule in der Nähe von ´Amr ibn Al-´As Moschee, dann wurde er Richter der Malikiten in Ägypten. Inzwischen sind all seine Familienmitglieder auf ihrem Hinweg nach Kairo in einem Unfall zugrunde gekommen. Daraufhin verzichtete er auf alle politischen Posten und er gab sich nur der Unterweisung, dem Studium und der Schriftstellerei hin.
Er verbrachte ungefähr 24 Jahre in Ägypten. In dieser Zeit gelang es ihm, die Pilgerfahrt zu vollziehen, Jerusalem und die heiligen Städte dort zu besuchen und Timur Link in Schamländern zu begegnen.
Seine Errungenschaften:

Er hinterließ eine geringe Zahl von Büchern, solche wie: Al-`Eber wa Diwan Al Mubtada´ wa Al Khaber fi ayam Al-Arab wa Al-Agam wa Al-Barbar.
Er war der echte Gründer der Soziologie und Gründer der Gesetze der Historiographie.
Sein Tod:

Er starb in Ramadan 808 n.H. und wurde in Ägypten begraben.



Zitat Ibn Khalduns über die Kultur:

" Wir behaupten , daß sich der Mensch von den übrigen Lebewesen durch besondere, nur ihn auszeichnende Eigenschaften unterscheidet. dazu zählen : 1. die Wissenschaften und die anderen menschlichen Fertigkeiten, die Ergebnis des Denkens sind, durch das er sich von den anderen Lebewesen unterscheidet und das ihn in dieser Eigenschaft über die anderen Geschöpfe erhebt. 2. das Bedürfnis nach einer zügelnden Herrschaft sowie starker Autorität, da er ohne diese nicht existieren kann- im Gegensatz zu allen (anderen) Lebewesen- , mit Ausnahme , wie man sagt der Bienen und Heuschrecken. Auch wenn es dergleichen bei diesen geben sollte , so geschieht dies nicht durch Denken und Überlegung . 3. das Streben, sich den Lebensunterhalt zu erwirtschaften, sowie das wirken, um diesen in unterschiedlicher Weise zu erlangen und seine Mittel zu erwerben. Denn Allah pflanzte dem Menschen den Bedarf nach Lebensmitteln für sein leben und seine Existenz ein und führt ihn dazu , den Lebensunterhalt zu suchen und zu erstreben. Allah sagt :" Er hat einem jeden Ding seine natürliche kreatürliche Art gegeben und hierauf rechtgeleitet." (Koran 20:50) 4. die menschliche Kultur. Sie bedeutet , daß die Menschn in einer Stadt oder an einem Ort miteinander wohnen und sich niederlassen sowie die Bedürfnisse befriedigen, da es, wie wir erläutern werden, in ihrer Natur liegt , sich bei der Erwirtschaftung des Lebensunterhaltes gegenseitig zu unterstützen. Hieraus resultiert die Kultur....
aus "Buch der Beispiele" Ibn Khaldun, 1992,Leipzig, S.49-50


Ibn Hallikan, Ahmed b. Muhammed (1211-1282)


, einer der hervorragendsten Biographen, ein Nachkomme der berühmten Wesirfamilie der Barmekiden. Er war in Irbil im nordöstlichen Iraq geboren, studierte Theologie in Aleppo und Damaskus, widmete sich sodann in Kairo literarischen und biographischen Forschungen und wurde schließlich von Sultan Baibars (1260-1277) zum Oberrichter (qadi´l qudat) in Damaskus bestellt. Dort vollendete er sein bereits in Kairo begonnenes Lebenswerk Wafajat al-a´jan (etwa: Die Nekrologien der Prominenten"), eine Sammlung von 865 Biographien berühmter Männer der muslimischen Welt. Die einzelnen Lebensgeschichten sind in alphabetischer Reihenfolge der Personen angeordnet, zum Beispiel sowohl von der bisher üblichen Methode einer Gliederung nach "Klassen" (tabaqat), wie Fürsten, hohe Würdenträger, Gelehrte oder dichter, als auch von der beliebten Einteilung nach Ländern oder Städten. Besonders bemerkenswert sind die Genauigkeit des Autors in der Sichtung des Quellenmaterials und seine Gewissenhaftigkeit in der Überprüfung aller ihn zugänglichen Daten, was ihn dazu führte, selbst erwähnenswerte Persönlichkeiten in sein biographisches Lexikon nicht aufzunehmen , wenn er etwa das Todesjahr nicht präzis feststellen konnte. die leicht faßliche , aber äußerst gepflegte Sprache , die zahlreichen und unterhaltsamen Anekdoten und aufschlußreichen Zeitbilder gewannen dem Werk sehr bald und für lange zeit ein breites Leserpublikum und lassen es bis heute als eine der wertvollsten Schöpfungen dieser art in der arabischen Literatur erscheinen (teilweise englische Übersetzung von W.MacGuckin de Slane "Ibn Khallikans´s Biographical Dictionary", Paris, 1842-1871

Lexikon der arabischen Welt S. 474

Anmerkung: Eine teilweise deutsche Übersetzung ist: 'Die Söhne der Zeit' (nähere Angaben sind mir entfallen)

AlGhazali
04.01.10, 00:31
Ibn Al-Haitham

(354 - 430 n.H. / 965 – 1039 n.Chr.)

Seine Geburt und Erziehung:

Er heißt Al-Hasan Abu Ali Mohammad ibn Al-Hasan ibn Al-Haitham.
Er wurde in Basra in Irak geboren.
Er war einer der hervorragendsten Mathematik- und Physikwissenschaftler.
Er war der Gründer der Optiklehre.
Er gab sich der Forschung und des Studiums hin.
Er studierte Philosophie und Anatomie. Er erreichte ein hohes Grad bei der Anatomie vor allem Anatomie des Auges.
Ankunft in Ägypten:

Der Fatimidische Herrscher lud ihn ein, als ihm die Rede von Al-Haitham überliefert wurde. Diese lautete: "Wenn ich in Ägypten wäre, hätte ich in dem Nil eine großartige Tat gemacht, die großen Nutzen zu Ägypten sowohl bei Hoch- als auch bei Tiefwasser bringen würde". Daraufhin fuhr er nach Ägypten und er merkte, als er den Oberlauf des Nils mit den Augen sah, daß seine Pläne und Träume unmöglich waren und er kehrte traurig zurück.
Er arbeitete für einige Zeit in dem alten ägyptischen Diwan (Staatsverwaltung).
Er lebte den Rest seines Lebens in Kairo und beschäftigte sich für eine Reihe von wissenschaftlichen Schriften und Abschreiben alter Bücher (Das war damals das einzige Mittel zur Vervielfältigung von Büchern). Er pflegte jährlich das Buch von Euklid in Geometrie und das Buch von Ptolemäus in Astronomie abzuschreiben und sie für einen bestimmten Preis zu verkaufen. Mit dem Geld kaufte er Vorratsnahrungsmittel und gab sie den Armen als Almosen hin.
Er wurde weltweit berühmt und für seine umfangreichen Kenntnisse und großartige Produktivität bekannt.
Er ragte in den folgenden Bereichen hervor:
Geometrie
Philosophie
Logik
Medizin
Astronomie
Vor allem wurde er wegen seiner wichtigen Errungenschaften in Optik bekannt. Er war der Erste, der die Augenteile und den Vorgang der visuellen Wahrnehmung sehr präzis und objektiv beschrieb. Seine Theorie widersetzte die alte herrschende griechische Meinung, die besagt, daß die visuelle Wahrnehmung dadurch erfolgt, wenn das Auge eine Strahlung auf die erblickten Gegenstände erzeugt. Er berichtigte diese falsche Theorie und ersetzte sie durch seine eigne Theorie, die bis heute erkannt wird.
Er erfand die Gesetze der Lichtbrechung und der Reflexion des Lichts. Auch bestimmte er die Beziehung zwischen dem Einfallswinkel des Lichts und seiner Brechung.
Er machte einige Experimente zur Zerlegung des Lichts in die Spektralfarben.
Er studierte die Beschaffenheit des Lichtes, des Regenbogens, des Schattens und der Finsternis.
Er studierte auch die Spiegeln mit ihren verschiedenen Arten.
Er studierte die Theorie von Beschleunigung des Hinfallens wegen der Erdanziehungskraft.
Er wies auf das erste Gesetz in der Mechanik hin.
Er hinterließ sehr wertvolle Bücher in Bereiche der Mathematik, Astronomie, Optik, Medizin und Anatomie.
Seine bedeutendsten Bücher:
Al-Manazer ; (in 7 Bändern)
Die Gesetze von Euklid
Lösungen der Zweifel bei Euklid
Die Berichtigung der medizinischen Industrie
Die Anatomie der Augen und der Vorgang der visuellen Wahrnehmung
Er hinterließ auch einige Briefe und Berichte über:

Das Volumen des Würfels
Herausfinden der Längen von Würfelseiten
Die Fehler der indischen Mathematik
Analyse und Synthese
und anderes.
Von seinen berühmtesten Reden:

"Während meines Lebens berücksichtigte ich immer dreierlei:

Ich sollte den Wahrheitssuchenden so viel wie möglich nutzen.
Ich wollte das praktisch beweisen, was ich mir theoretisch vorgestellt habe.
Ich wollte so viele Theorien aufstellen, bevor ich wegen hohen Alters nichts mehr forschen kann."

Serden
04.01.10, 13:04
Ich hoffe du schreibst auch was über Avicenna, Averroes und Farabi.

AlGhazali
04.01.10, 13:59
Diese Herren sind keine muslimischen Theologen sondern Philosophen aus dem muslimischen Kulturraum. Avicenna (Ibni Sina)war auch Mediziner. Averroes (Ibnur Ruschd) war auch Rechtsgelehrter.

Nachdem viele Werke der alten Griechen übersetzt wurden hatten die philosophischen Werke darunter Einflüsse auf so manch gebildeten Menschen.

Farabi und Ibni Sina waren wirklich grosse Philosophen und haben den Neuplatonismus weiter zu einem neuen Form gebracht. Sie haben wie Kindi und andere viel geschrieben und und der Nachwelt viel hinterlassen. Sie waren die Retter und Mittler und Weiterentwickler der Philosophie. Man kann über sie leicht im Internet vieles finden inzwischen. Ich will bei dieser Gelegenheit über die Beziehung zwischen Theologie und Philosophie im islamischen Raum einige Skizzen geben.

Der Neuplatonismus hat Eigenarten. Eines ist dass es einvernehmend ist, Sie wollte die Religionen mit neuplatonischen Prämissen deuten und sie einverleiben und nur diese Deutung gültig und wahr hinstellen. Sie sind exklusivistisch. Dasselbe hatte schon früher Iamblichos versucht mit verschiedenen Lehren und Religionen.
Somit bildete dieser Versuch die Religion einzuverleiben nicht folgenlos. Bis zu Ghazali hatten die Theologen relativ wenig geschrieben (dennoch sehr wichtig und interessant und wenig erforscht) über den Neuplatonismus. (Abu Hayyan Tauhidi und Biruni waren Ausnahme bis dahin. Sie hatten sich relativ viel auseinandergesetzt). Ghazali studierte 2 Jahre Philosophie und schrieb ein Werk worin er die avicennische Philosophie auf Kohärenz überprüfte und mit Mitteln der Philosophie selbst diese Philosophie mass. Sein Tehafüt ist kein methodologisch theologisches Werk, worin er mit dem Mitteln der Theologie die Philosophie wertet. Seine Theologie behandelte er separat in "el iktisat fil itikat".
Ibnur Ruschd kam gut 100 Jahre nach Ghazali und er war eher Aristoteliker als Neuplatoniker. Er kritisierte Avicenna als auch Ghazali aber nur in einigen Punkten aus dem aristotelischen Warte heraus. Ghazali jedoch hatte nur die avicennische Philosophie im Blick in seiner Kritik. Die Neuplatoniker glaubten Platon und Aristoteles synthetisieren zu können und deuteten ihre Werke harmonisierend. Ibnur Ruschd glaubte nicht an solch Harmonie. Er hatte insofern Recht, dass der Aristotelismus eigentlich mit dem Neuplatonismus nicht derart vereinheitlichen kann. Er warf Avicenna ( und den andern Neuplatonikern vor Aristoteles korrumpiert zu haben). Als Aristoteliker konnte er auch nicht einige islamische Grundlehren akzeptieren. Der Aristotelismus hat eine Metaphysik, die zwar vereinbar ist mit einem Glauben an einem Gott aber was die Eigenschaften Gottes betrifft und die Stellung der Prophetie betrifft liegen Welten dazwischen.
In den Lehrkanon der muslimischen Universitäten in "Kalam" wurden die späteren Kalamwerke gelehrt wie die des Imam Razi, Taftazani, Idschi usw., die die philosophischen lehren in ihren Kalamwerken aufgenommen haben um diese dann kritisch zu würdigen. Die Philosophie wurde nicht gänzlich verdammt sondern man konnte darüber reden und schreiben auch wenn man kein Philosoph war. Imam Razi schreibt dass er sein halbes Leben mit der Philosophie verbachte. Er selbst war kein Philosoph. Sondern ein bedeutender islamischen Gelehrter. Imam Razi und Ghazali waren die eigentlichen Verbreiter der Philosophie, weil ihre Werke viel gelesen wurden. Ghazali schrieb sogar das "Makasid" welches nur die philosophischen Ansichten des Ibni Sina wiedergibt.
Die aristotelische Logik, Teile der philosophischen Psychologie und auch in der theoretischen Ethik und in manch anderen Bereichen hatten die muslimischen gelehrten vieles übernommen. Denn es hiess im Prophetenwort "Hikmet (Weisheit) ist das verlorene Gut der Muslime. Nimmt es wo ihr es auch finden mögt." Das bedeutet auch Naturwissenschaft, Technik, moderne bessere Verwaltungsmethoden, Architektur, Gewerbe, Mathematik, Logik usw usw al diese Dinge und alles aus der Philosophie was der Vernunft als wahr erkannt ist kein "Fremdgut". Die Muslime haben dasjenige was aus der griechischen Philosophie stammt was sie widerspruchsvoll und unwahr erkannten nicht angenommen aber diese weitertradiert und sie nicht vernichten wollen wie in Europa. (Es waren die Christen die in 5.Jh. in Alexandrien die Bibliothek mit den hunderttausenden Werken vernichteten)

Nicht alle Philsophen aus dem islamischen Raum waren Neuplatoniker. z.B. Abubakr Razi (nicht Imam Fahreddin Razi) war ein Gegner des Neuplatonismus und selbst war er naturalistisch beeinflusster Philosoph.

Es gab auch viele philosophisch geprägte Theologen wie Dawani und Dawud-i Kayseri.

AlGhazali
04.01.10, 14:14
Imam Suyuti “rahmetullahi teâlâ aleyh”: Celâleddîn Abdürrahmân bin Muhammed, geb. 849/1445 in Ägypten und 911/1565 ebenda gest. Er wuchs auf als Waise. Mit 8 Jahren wurde Hafiz. Er war Gelehrter in Tafsir, Hadithe, islamisches Recht (Fiqh) und in Sprachwissenschaften. Sein Tafsir ist berühmt. Er unternahm Forschungsreisen nach Damaskus, Hedschaz (Mekka-Medina), Jemen, Indien und Marokko. Über 500 Schriften hat er verfasst.

Imam Abdulwehhab Scharani “rahmetullahi teâlâ aleyh” : gest. 973/1565. Student von Aliyyul Hawwas. Sein „Mizan ul Kübra“ behandelt in zwei Bänden das islamische Recht nach den vier Rechtsschulen. In „Letaif ül Minen“ lehrt er Wissenschaft von der Chemie. Er war gelehrter in Hadith und Rechtwissenschaft. Er hinterliess viele Werke.

Abdurrahman Dschewzi “rahmetullahi teâlâ aleyh”: 508 geb. und 597/1202 in Bagdad gest. Bekannt unter dem Namen „Ebul Feredsch Ibni Dschewzi“. Grosser Gelehrter in Tafsir, Hadithe und Rechtslehre der Hanbali-Rechtsschule. Ferner war er Historiker. Über 100 Bücher verfasste er.

Abdulkadir Geylani “rahmetullahi teâlâ aleyh”: Muhyiddîn Ebû Muhammed bin Ebû Sâlih Mûsâ Cengî Dost. Geb. in 471/1078 in Geylan in Iran und 561/1166 in Bagdad gest. Er stammte vom den beiden Enkeln des Propheten (Sallahü aleyhi wessellem) ab. Einer der grössten Gelehrten des Tassawwuf. Genannt auch „Sultan der Ewliya (Sufis)“. Er wechselte von der Schafii-Rechtsschule in die Hanbali über als dieser ziemlich wenige Anhänger hatte. Er verbreitete diese Rechtsschule.

Muhammed Hadimi “rahmetullahi teâlâ aleyh”: Muhammed bin Mustafa, geb. in Hadim des Provinzes Konya in Anatolien. 1176 / 1762 ebenda gest. Rechtsgelehrter in Hanafi-Rechtsschule.

Ismail Hakki Efendi “rahmetullahi teâlâ aleyh”: grosser Gelehrter in Tassawwuf der Dschelwetiyya-Tariqa. Geb. 1063/1652 in Aydos und 1137/1725 gest. in Bursa (Türkei). Er studierte bei Osman Efendi aus Üsküdar. Er schrieb viele Werke. Das Tafsir „Ruh ul beyan“ (in 10 Bänden) ist von ihm. Sein „Kenz-i mahfi“ ist berühmt.

Imam Fahreddin Razi “rahmetullahi teâlâ aleyh”: Muhammed bin Omar. Grosser islamischer Gelehrter in Tafsir, Hadithe, Fiqh, Kalam, Physik, Mathematik und Medizin. Er war in der Schafii-Rechtsschule.544/1149 in Rey (in Iran) geb. und 606/1209 gest in Herat (in Afghanistan).

Hadschezade Muslihiddin Mustafa bin Yusuf aus Bursa “rahmetullahi teâlâ aleyh”: Er war Mentor des Sultans Muhammed (II.) und oberster Richter(Kadi) in Istanbul. Er studierte den „Tehafüt ul felasife“ des Imam Ghazali und die Antworten des Ibnur Rüschd (Averroes) und schrieb ein Werk worin er Imam Ghazali verteidigte. 893/1487 gest. Er liegt in Emir Sultan Friedhof in Bursa.

Ishak Efendi “rahmetullahi teâlâ aleyh”: aus Harput (in Ost-Anatolien) gest. 1309/1891. Er schrieb zwei Bücher gegen die Behauptungen der christlichen Missionare , die „Diya ul kulub“ und „Schems ül hakika“. In Türkisch , Englisch wurde es gedruckt. Deutsche Übersetzung liegt vor.

Imam Kuduri “rahmetullahi teâlâ aleyh”: Ebul Hasen Hüseyn Ahmed bin Muhammed Bagdadi. Rechtsgelehrter in Hanafi-Rechtsschule. 362/973 geb. und 428/1037 gest. in Bagdad. Sein „Muchtasar“ ist berühmt. Türkische und englische Übersetzung liegt vor.

Suleyman bin Dscheza “rahmetullahi teâlâ aleyh”: berühmt wegen sein türkisches Buch „Ey Ogul“ , welches hauptsächlich aus Werken des Imam Ghazali zusammengestellt ist aber die rechtlichen Vorschriften sind aus der Hanafi-Rechtsschule. Jahrhunderte war es einer der Volks-Handbücher der osmanischen Türken. Er schrieb es im Jahr 960/1552. Es ist sehr wertvoll. Unter dem Namen „Huccetul islam“ wurde es mehrfach gedruckt. Deutsche Übersetzung liegt vor.

Seyyidet Sukeyne “rahmetullahi teâlâ aleyhâ”: : Tochter von Hazreti Hüseyin (Enkel des Propheten). Sie war wegen ihr Wissen, Gedichte und ihr Schönheit berühmt.Gest. 117/735 in Ägypten.

Seyyidet Nefise “rahmetullahi teâlâ aleyhâ”: Die Tochter von Hazreti Hasen´s (Enkel des Propheten) Sohn Zeyd´s Sohn Hasen. 145 in Mekka geb., lebte in Medina, ausgewandert nach Ägypten und 208/823 dort gest. Sie war die Ehefrau von Ishak bin Cafer Sadik. Sie war eine Wali (Sufi –Gelehrtin).

Imam Newewi “rahmetullahi teâlâ aleyh”: grosser islamischer Gelehrter in Schafii. 631/1233 geb. und gest 676/1277 in Damaskus. Er schrieb viele Werke unter anderem den „Riyad us salihin“


Ibni Abidin “rahmetullahi teâlâ aleyh” : Seyyid Emin bin Ömer bin Abdulaziz. Islamischer Rechtsgelehrter (Faqih). 1784 in Damaskus geboren und 1836 ebenfalls dort gestorben. Einer seiner Lehrer war der berühmte Gelehrte Mewlana Halid-i Bagdadi. Er hat den berühmten Erläuterungsbuch zu "Dürr ül Muchtar" , den "Redd ül Muchtar" geschrieben in fünf Bänden. Es ist einer der wertvollsten Werke der Hanafi-Rechtsschule der sunnitischen Muslime. Es wurde gedruckt und seine Fatwas genauso. Das Werk ist auch ins Türkisch übersetzt worden von dem Gelehrten Ahmed Dawudoglu.

Serden
04.01.10, 16:00
Imam Razi und Ghazali waren die eigentlichen Verbreiter der Philosophie, weil ihre Werke viel gelesen wurden.

Was sagst du dann zu Ghazalis ''Tahafut al-falasifa''?

AlGhazali
04.01.10, 16:23
Was sagst du dann zu Ghazalis ''Tahafut al-falasifa''?

Schrieb ich doch :
"Ghazali studierte 2 Jahre Philosophie und schrieb ein Werk worin er die avicennische Philosophie auf Kohärenz überprüfte und mit Mitteln der Philosophie selbst diese Philosophie mass. Sein Tehafüt ist kein methodologisch theologisches Werk, worin er mit dem Mitteln der Theologie die Philosophie wertet. Seine Theologie behandelte er separat in "el iktisat fil itikat"."

Tahafut heisst "Inkohärenz" also Widersprüchlichkeit und gewisserweise Unbegründetheit und nicht wie fälschlich behautet wurde "Vernichtung". Mit Philosophie meinte er die avicennische Philosophie nicht die Philosophie als solches. Damals meinte man mit "Philosophen" meist Neuplatoniker, weil sie am stärksten Vertreten waren. Die Inkohärenz umfasste ja nicht alles sondern besonders in 3 Hauptpunkten von den vielen anderen. Er konzentrierte sich nur auf diese 3 wesentlich für ihn wichtigen Punkte, weil diese 3 Themen die Grundlehren des Islams widersprachen. In 17 weiteren Punkten übte er auch Kritik aber diese waren sekundär. Alles andere beliess er kommentarlos oder bestätigend.
Die Missdeutungen und Fehlsichten in diesem Zusammenhang hat man beharrlich weitegehend auch heute noch behalten. Ghazali habe die Philosophie gänzlich verworfen oder die Philosophie sei verhindert worden. Diese und ähnliche Ansichten sind beharrlich weil sie auf Abschreiben und kritikloses Übernehmen sich beruhen. Ich habe meist erkannt dass Leute die hierüber schrieben selbst diese Werke nie studiert haben, sondern sie übernahmen ihre Gedanken aus anderen Sekundärliteraturen, die über 100 oder 150 Jahre alt sind.