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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Leserbrief an die taz: "Türken contra Armenier" vom 23.07.2005



TIC-Redaktion
04.08.05, 15:03
Türken contra Armenier?
betr.: "Die Mühen des Anfangs", taz Bremen vom 2. Juli 2005

Ich war an diesem Abend anwesend und finde es erschreckend, wie Sie über die Diskussion berichten. Herr Luchterhandt und Raffi Kebabciyan gingen keinesfalls auf die Ereignisse von 1915 ein. Im Grunde ritten beide nur auf zwei Sachen rum: 1. Es gibt türkische Wissenschaftler, die die Ereignisse um 1915 als Völkermord werten. 2. Das Osmanische Reich ist nicht die Türkei, also was stellt ihr euch so an?

Muss man eine Lüge akzeptieren nur weil das Osmanische Reich nicht die Türkei ist? Warum gedenkt man nicht der muslimischen Opfer? Ist ein muslimisches Leben weniger Wert als ein christliches? Mustafa Colak und Ali Söylemezoglu haben gut argumentiert. Herr Söylemezoglu hat sich nur auf armenische Quellen berufen und diese zitiert. Herr Colak hat bewiesen, dass die Lepsius-Dokumente manipuliert sind und der Missionar Lepsius lange Zeit als glaubhafte Quelle genutzt wurde. Wie kann so etwas "wenig seriös" sein, wenn es wenig Seriöses widerlegt? Ich bin tief erschüttert darüber, dass Sie meinen, es wurden Fotos ausgestellt, welche "vermeintlich armenische Massaker an Türken darstellen", da bekannt ist, dass 2,5 Millionen Muslime in dieser Zeit starben und mindestens 500.000 von armenischer Seite massakriert wurden.

Isa Gabriel Klein, Türkische Internet Community, Dortmund

taz Bremen Nr. 7712 vom 11.7.2005, Seite 22, 22 Zeilen (LeserInnenbrief)

TIC-Redaktion
04.08.05, 15:04
Nejat 11 Jul : 22:34
Gast
Registriert: 01 Jan : 01:00
Auch ich war an diesem Abend anwesend... und ich muss wirklich sagen, dass ich eigentlich über diesen Bericht wenig verstimmt bin. Ich hatte mir eine weitaus schlimmere Presse für diesen Abend ausgemalt. Die blieb wohl aus...

Doch muss man den Vertretern der armenischen These zu ihren Reden gratulieren. Ohne ein einziges Wort über historische Kriterien/Ereignisse zu verlieren haben sie den Abend überbrückt.
Insbesondere muss man aber Herrn Kantian gratulieren. Gleich am Anfang der Rede hat er sofort die nötigen Register gezogen. Er sprach die abgesagte Versammlung der "Pro Völkermord"-Vertreter an der Bogazici Universität an. Er schmückte dies noch mit dem wichtigen Zusatz, dass die Veranstaltung zu Protesten seitens verschiedener Personen des öffentlichen Lebens führte wie z.B. dem Justizminister.
Aus diesem Grund sei die Veranstaltung abgeblasen worden. Er schaffte es gleich zu Beginn dieses altbekannte Bild des Polizeistaats "Türkei" mit leicht tyrannischen Zügen zu erschaffen. Er erwähnte jedoch keineswegs die Tatsache, dass beide Meinungen öffentlich sowieso diskutiert werden (in TV, Printmedien, usw.) und die Veranstaltung soviel Unmut hervorrief, da die Vertreter der "Völkermord"-These unter sich bleiben und sich gegenseitig auf die Schulter klopfen wollten, anstatt mit ihren "felsenfesten" Beweisen die "Zweifler" an ihrer These zu überzeugen.

Aus taktischer Sicht wirklich ein gelungener Abend für die Herren Kantian und Luchterhand: Eine Geschichtsdiskussion ohne Geschichte!