TIC-Redaktion
04.08.05, 15:06
Ihr Artikel: "Wir sollen uns schämen?" vom 28.07.2005, Nr. 173 / Seite 29
Sehr geehrter Herr Rosenfelder,
bereits auf Ihre erste Frage "Können es die Türken nicht einfach machen wie die Deutschen?" muss ich mit "nein" antworten. Ein "ja" würde bedingen, dass die historischen Ereignisse erforscht und die Anschuldigungen bewiesen seien. Das Gegenteil ist der Fall. So schreibt der besonders in Deutschland oft zitierte und bei der Deutsch-Armenischen Gesellschaft als Referenzautor geführte Soziologe Taner Akçam im Vorwort seines neuen Buches "Armenien und der Völkermord – Die Istanbuler Prozesse und die türkische Nationalbewegung":
"Man kann mit diesem Komplex nicht so verfahren, wie bei den NS-Verbrechen und der Ausschwitz-Lüge, die geschichtswissenschaftlich und juristisch eindeutig geklärt sind. Bezüglich der türkisch-armenischen Verhältnisse ist man von einer solchen Situation meilenweit entfernt [...]"
Es ist weltweit einmalig, dass ein ganzes Land auf politischer Bühne verunglimpft wird, ohne dass die historischen Ereignisse ausreichend erforscht sind. Geradezu paradox ist, dass ausgerechnet Politiker versuchen der Bevölkerung Geschichte aufzuzwingen, obwohl es feststehen dürfte, dass sie in dieser Thematik völlig fachfremd sind.
Des Weiteren schreiben Sie über den "Herero-Aufstand" aus dem Jahr 1904. Es ist mir jedoch schleierhaft, warum Sie diesen Völkermord, bei dem die Hereros planmäßig umgebracht wurden, als "Aufstand" bezeichnen. Der Völkermord fand im etliche tausend Kilometer weit entfernten Namibia statt. Der "Aufstand" stellte keine Bedrohung für das Deutsche Reich dar und wurde aufgrund rein imperialistischer Machtinteressen vollstreckt. Es empört sich jedoch keiner in Deutschland darüber, dass es heute noch Schulbücher gibt, die dies als "Herero-Aufstand" betiteln und damit den Völkermord als solches leugnen.
Leider haben Sie journalistische Grundprinzipien über Bord geworfen und einen Artikel verfasst, der an Polemik kaum zu überbieten ist und an die Berichterstattung einschlägiger Boulevard-Zeitungen erinnert. Sie scheinen nicht in der Lage zu sein Ihre Leser, zu denen auch ich gehöre, seriös zu informieren, denn das würde voraussetzen, dass Sie sich vorher selbst informiert hätten. Beispielhaft möchte ich Ihre kritiklose Übernahme der Inschrift auf dem armenischen Steinkreuz erwähnen. Dass man inzwischen offen von "1,5 Millionen ermordeten Armeniern" spricht, ist ein Beleg für die Dreistigkeit armenischer Nationalisten und besonders Ihrer Uninformiertheit. Dies hat die Armenier dazu ermutigt, nicht mehr die Phrase der "1,5 Millionen Opfer" zu benutzen – denn jedes Volk im Osmanischen Reich war "Opfer" des Ersten Weltkrieges - sondern unverblümt von "Toten" zu sprechen und ein weiteres Kapitel der Geschichtsverfälschung zu schließen.
Hochachtungsvoll
Olgun Bayrak
Türkische Internet Community
30.07.2005
www.turkcom.org (http://www.turkcom.org)
Sehr geehrter Herr Rosenfelder,
bereits auf Ihre erste Frage "Können es die Türken nicht einfach machen wie die Deutschen?" muss ich mit "nein" antworten. Ein "ja" würde bedingen, dass die historischen Ereignisse erforscht und die Anschuldigungen bewiesen seien. Das Gegenteil ist der Fall. So schreibt der besonders in Deutschland oft zitierte und bei der Deutsch-Armenischen Gesellschaft als Referenzautor geführte Soziologe Taner Akçam im Vorwort seines neuen Buches "Armenien und der Völkermord – Die Istanbuler Prozesse und die türkische Nationalbewegung":
"Man kann mit diesem Komplex nicht so verfahren, wie bei den NS-Verbrechen und der Ausschwitz-Lüge, die geschichtswissenschaftlich und juristisch eindeutig geklärt sind. Bezüglich der türkisch-armenischen Verhältnisse ist man von einer solchen Situation meilenweit entfernt [...]"
Es ist weltweit einmalig, dass ein ganzes Land auf politischer Bühne verunglimpft wird, ohne dass die historischen Ereignisse ausreichend erforscht sind. Geradezu paradox ist, dass ausgerechnet Politiker versuchen der Bevölkerung Geschichte aufzuzwingen, obwohl es feststehen dürfte, dass sie in dieser Thematik völlig fachfremd sind.
Des Weiteren schreiben Sie über den "Herero-Aufstand" aus dem Jahr 1904. Es ist mir jedoch schleierhaft, warum Sie diesen Völkermord, bei dem die Hereros planmäßig umgebracht wurden, als "Aufstand" bezeichnen. Der Völkermord fand im etliche tausend Kilometer weit entfernten Namibia statt. Der "Aufstand" stellte keine Bedrohung für das Deutsche Reich dar und wurde aufgrund rein imperialistischer Machtinteressen vollstreckt. Es empört sich jedoch keiner in Deutschland darüber, dass es heute noch Schulbücher gibt, die dies als "Herero-Aufstand" betiteln und damit den Völkermord als solches leugnen.
Leider haben Sie journalistische Grundprinzipien über Bord geworfen und einen Artikel verfasst, der an Polemik kaum zu überbieten ist und an die Berichterstattung einschlägiger Boulevard-Zeitungen erinnert. Sie scheinen nicht in der Lage zu sein Ihre Leser, zu denen auch ich gehöre, seriös zu informieren, denn das würde voraussetzen, dass Sie sich vorher selbst informiert hätten. Beispielhaft möchte ich Ihre kritiklose Übernahme der Inschrift auf dem armenischen Steinkreuz erwähnen. Dass man inzwischen offen von "1,5 Millionen ermordeten Armeniern" spricht, ist ein Beleg für die Dreistigkeit armenischer Nationalisten und besonders Ihrer Uninformiertheit. Dies hat die Armenier dazu ermutigt, nicht mehr die Phrase der "1,5 Millionen Opfer" zu benutzen – denn jedes Volk im Osmanischen Reich war "Opfer" des Ersten Weltkrieges - sondern unverblümt von "Toten" zu sprechen und ein weiteres Kapitel der Geschichtsverfälschung zu schließen.
Hochachtungsvoll
Olgun Bayrak
Türkische Internet Community
30.07.2005
www.turkcom.org (http://www.turkcom.org)