TIC-Redaktion
04.08.05, 15:21
Leserbrief an NTV zur Armenischen Frage
Sehr geehrte N-TV Redaktion,
sehr geehrte Damen und Herren,
in einer Sendung Ihres Programms vom 28. April 2005 wurde über das Schicksal der armenischen Bevölkerung im Osmanischen Reich in den Jahren 1915-1918 berichtet.
Ich möchte mit Nachdruck gegen die Art und Weise und den Inhalt der Sendung protestieren.
Sie hatten bisher den Ruf ein seriöser Nachrichtensender zu sein und ich war auch ein regelmäßiger Zuschauer. Umso weniger kann ich die Art der Berichterstattung bzw. der Reportage zu diesem Thema verstehen.
In dieser Dokumentation beschuldigen Sie die Türken bzw. die damalige türkische Regierung im Osmanischen Reich des Völkermordes an der armenischen Bevölkerung. Es ist bemerkenswert wie leichtfertig das Wort Völkermord in diesen Tagen von verschiedensten Seiten in den Medien und im Zusammenhang mit diesem Thema benutzt wird, obwohl der Nachweis dass dies in der dargestellten Weise stattgefunden hat, sehr fragwürdig ist und in Zweifel gezogen wird.
Es wurde behauptet dass 1,5 Millionen Armenier den Tod fanden und dass dies in geplanter und systematischer Weise stattgefunden hat. In einem Atemzug wurde dies als „Vorbild“ für die Durchführung des deutschen Völkermordes an den Juden genannt. Als „Beweis“ führt man einen Ausspruch Adolf Hitlers an, in dem er gesagt haben soll „Wer spricht heute noch von den Armeniern?" Es gibt nirgendwo den Beweis dass er dies tatsächlich gesagt hat. Auch Zeitzeugen haben dies nie bestätigt. Ihre angeführten Belege und Dokumente zu diesem Thema sind sehr fragwürdig und werden von Historikern die sich intensiv mit dem Thema befassen, in Zweifel gezogen.
Ihre Reportage zu diesem Thema ist leider so einseitig und verallgemeinernd dass ich mich gezwungen sah, Ihnen diese Zeilen zu schreiben.
Dass es eine menschliche Tragödie gegeben hat, die ohne Zweifel sehr große Ausmaße und Folgen für diese Volksgruppe hatte, steht außer Zweifel. Sie haben jedoch kein Problem damit, das Wort Völkermord zu benutzen, obwohl dies nicht der Fall war. Aber als wenn das Schicksal dieser Menschen nicht ausreicht, sind Sie sich nicht zu schade die Berichterstattung dazu zu benutzen, Vergleiche zum historisch nicht widerlegbaren und tatsächlich stattgefundenen Völkermord an den Juden Deutschlands und Europas zu ziehen.
Hier von einem bewussten Völkermord zu sprechen, ist eine Behauptung die man nur verstehen kann, wenn man sich die Beziehungen Europas mit der Türkei und den Aktivitäten der Exilarmenier und deren antitürkische Propaganda vor Augen führt.
Die undifferenzierte Berichterstattung über dieses Thema und die einseitige antitürkische Färbung in verschiedenen deutschen Medien und Berichterstattungen in letzter Zeit, kann man wirklich nur als Hexenjagd bezeichnen. Viele deutsche TV Sender reihen sich leider ein in die wenig hilfreiche und leider überhaupt nicht aufklärende Berichterstattung zu diesem Thema.
Da ich die Sendungen in deutschen TV-Programmen dazu in den letzten Tagen verfolgt habe, komme ich zu dem Schluss, dass es wenige Programme gibt, die einer nüchternen und vorurteilsfreien Betrachtungsweise zu diesem historisch schweren Thema Platz einräumen.
Die verstärkte Berichterstattungen und Dokumentationen sind aus Anlass des Jahrestages der Umsiedlung der Armenier aus den Ost-Provinzen und ihrem daraus resultierenden Schicksal zurückzuführen. Man bekommt jedoch den Eindruck, dass , obwohl man in Deutschland bisher nur vage Informationen zu diesem Thema in den Medien zu sehen bekam, es gar nicht um das Gedenken und die tatsächlichen Hintergründe der Ereignisse geht, sondern um eine möglichst schnelle Verurteilung der Türkei und der Türken in der Weltöffentlichkeit.
Es ist interessant zu beobachten, wie mit geschichtlich fragwürdigen und bestimmt noch aufzuarbeitenden Dokumenten, die Türkei gezwungen werden soll, eine Schuld anzuerkennen und damit einen „Völkermord“ zuzugeben, der jeglicher historischen Grundlage entbehrt und in dieser Weise nie stattgefunden hat.
In der Zeit, in der die armenische Bevölkerung ein schweres Schicksal erlitten hat, hatte die muslimisch-türkische Bevölkerung Ost-Anatoliens in Folge des Ersten Weltkrieges ebenfalls die Folgen von Ermordung, Vertreibung und Elend zu ertragen.
Dass dies in den meisten deutschen Reportagen und Berichterstattungen keine Erwähnung findet ist sehr bedauerlich und in Punkto objektiver und nüchterner Berichterstattung sehr bedenklich.
Es ist schade, dass sich N-TV in dieser Weise in eine undifferenzierte und einseitige Berichterstattung zu diesem Thema hat hinreißen lassen.
Diese Vorverurteilung zu einem solch historisch schwierigen Thema beeinflusst und vergiftet auch die Atmosphäre der hier lebenden Türken mit den deutschen Medien und der deutschen Öffentlichkeit. Dass z.B. die CDU/CSU Fraktion im Deutschen Bundestag, eine Vorlage gemacht hat, die zur Anerkennung eines „Völkermordes an den Armeniern durch die Türken“ führen soll, ist sehr bedauerlich. Dass die CDU/CSU unter Missachtung jeglicher historischer Hintergründe, basierend auf falschen und unvollständigen Belegen, solch einen Schritt durchführt, zeigt, dass an einer realen Aufarbeitung des Themas gar kein Interesse besteht, sondern dies einzig und allein aus politischem Kalkül geschieht.
Ich denke es sollte darauf geachtet werden, dass man mit dieser Art des Journalismus und der Politik nicht das kaputtmacht, was man versucht an anderer Stelle mühsam aufzubauen. Über 2 Millionen türkische Mitbürger in Deutschland haben in den letzten Tagen das Gefühl, einer undifferenzierten, auf die Vorverurteilung der Türken zielenden Kampagne zum Opfer zu fallen. Dies gießt Öl auf das Feuer derer die sowieso gegen ein friedliches Zusammenleben mit den türkischen Mitbürgern in Deutschland sind.
Ich empfehle Ihnen dringend eine differenzierte Recherche zu diesen Themen und nicht vorgefertigte Thesen ungefragt zu übernehmen.
Ich denke ich spreche im Namen vieler Menschen mit türkischer Herkunft, wenn ich sage, dass wir uns vorverurteilt und ausgegrenzt fühlen indem man ständig eine Propagandaschlacht mit Behauptungen, historisch erwiesenen Unwahrheiten und puren antitürkischen Hetzkampagnen in den Medien - besonders im Fernsehen - in der dargestellten Weise veranstaltet.
Mit freundlichen Grüssen
I. Y.
Sehr geehrte N-TV Redaktion,
sehr geehrte Damen und Herren,
in einer Sendung Ihres Programms vom 28. April 2005 wurde über das Schicksal der armenischen Bevölkerung im Osmanischen Reich in den Jahren 1915-1918 berichtet.
Ich möchte mit Nachdruck gegen die Art und Weise und den Inhalt der Sendung protestieren.
Sie hatten bisher den Ruf ein seriöser Nachrichtensender zu sein und ich war auch ein regelmäßiger Zuschauer. Umso weniger kann ich die Art der Berichterstattung bzw. der Reportage zu diesem Thema verstehen.
In dieser Dokumentation beschuldigen Sie die Türken bzw. die damalige türkische Regierung im Osmanischen Reich des Völkermordes an der armenischen Bevölkerung. Es ist bemerkenswert wie leichtfertig das Wort Völkermord in diesen Tagen von verschiedensten Seiten in den Medien und im Zusammenhang mit diesem Thema benutzt wird, obwohl der Nachweis dass dies in der dargestellten Weise stattgefunden hat, sehr fragwürdig ist und in Zweifel gezogen wird.
Es wurde behauptet dass 1,5 Millionen Armenier den Tod fanden und dass dies in geplanter und systematischer Weise stattgefunden hat. In einem Atemzug wurde dies als „Vorbild“ für die Durchführung des deutschen Völkermordes an den Juden genannt. Als „Beweis“ führt man einen Ausspruch Adolf Hitlers an, in dem er gesagt haben soll „Wer spricht heute noch von den Armeniern?" Es gibt nirgendwo den Beweis dass er dies tatsächlich gesagt hat. Auch Zeitzeugen haben dies nie bestätigt. Ihre angeführten Belege und Dokumente zu diesem Thema sind sehr fragwürdig und werden von Historikern die sich intensiv mit dem Thema befassen, in Zweifel gezogen.
Ihre Reportage zu diesem Thema ist leider so einseitig und verallgemeinernd dass ich mich gezwungen sah, Ihnen diese Zeilen zu schreiben.
Dass es eine menschliche Tragödie gegeben hat, die ohne Zweifel sehr große Ausmaße und Folgen für diese Volksgruppe hatte, steht außer Zweifel. Sie haben jedoch kein Problem damit, das Wort Völkermord zu benutzen, obwohl dies nicht der Fall war. Aber als wenn das Schicksal dieser Menschen nicht ausreicht, sind Sie sich nicht zu schade die Berichterstattung dazu zu benutzen, Vergleiche zum historisch nicht widerlegbaren und tatsächlich stattgefundenen Völkermord an den Juden Deutschlands und Europas zu ziehen.
Hier von einem bewussten Völkermord zu sprechen, ist eine Behauptung die man nur verstehen kann, wenn man sich die Beziehungen Europas mit der Türkei und den Aktivitäten der Exilarmenier und deren antitürkische Propaganda vor Augen führt.
Die undifferenzierte Berichterstattung über dieses Thema und die einseitige antitürkische Färbung in verschiedenen deutschen Medien und Berichterstattungen in letzter Zeit, kann man wirklich nur als Hexenjagd bezeichnen. Viele deutsche TV Sender reihen sich leider ein in die wenig hilfreiche und leider überhaupt nicht aufklärende Berichterstattung zu diesem Thema.
Da ich die Sendungen in deutschen TV-Programmen dazu in den letzten Tagen verfolgt habe, komme ich zu dem Schluss, dass es wenige Programme gibt, die einer nüchternen und vorurteilsfreien Betrachtungsweise zu diesem historisch schweren Thema Platz einräumen.
Die verstärkte Berichterstattungen und Dokumentationen sind aus Anlass des Jahrestages der Umsiedlung der Armenier aus den Ost-Provinzen und ihrem daraus resultierenden Schicksal zurückzuführen. Man bekommt jedoch den Eindruck, dass , obwohl man in Deutschland bisher nur vage Informationen zu diesem Thema in den Medien zu sehen bekam, es gar nicht um das Gedenken und die tatsächlichen Hintergründe der Ereignisse geht, sondern um eine möglichst schnelle Verurteilung der Türkei und der Türken in der Weltöffentlichkeit.
Es ist interessant zu beobachten, wie mit geschichtlich fragwürdigen und bestimmt noch aufzuarbeitenden Dokumenten, die Türkei gezwungen werden soll, eine Schuld anzuerkennen und damit einen „Völkermord“ zuzugeben, der jeglicher historischen Grundlage entbehrt und in dieser Weise nie stattgefunden hat.
In der Zeit, in der die armenische Bevölkerung ein schweres Schicksal erlitten hat, hatte die muslimisch-türkische Bevölkerung Ost-Anatoliens in Folge des Ersten Weltkrieges ebenfalls die Folgen von Ermordung, Vertreibung und Elend zu ertragen.
Dass dies in den meisten deutschen Reportagen und Berichterstattungen keine Erwähnung findet ist sehr bedauerlich und in Punkto objektiver und nüchterner Berichterstattung sehr bedenklich.
Es ist schade, dass sich N-TV in dieser Weise in eine undifferenzierte und einseitige Berichterstattung zu diesem Thema hat hinreißen lassen.
Diese Vorverurteilung zu einem solch historisch schwierigen Thema beeinflusst und vergiftet auch die Atmosphäre der hier lebenden Türken mit den deutschen Medien und der deutschen Öffentlichkeit. Dass z.B. die CDU/CSU Fraktion im Deutschen Bundestag, eine Vorlage gemacht hat, die zur Anerkennung eines „Völkermordes an den Armeniern durch die Türken“ führen soll, ist sehr bedauerlich. Dass die CDU/CSU unter Missachtung jeglicher historischer Hintergründe, basierend auf falschen und unvollständigen Belegen, solch einen Schritt durchführt, zeigt, dass an einer realen Aufarbeitung des Themas gar kein Interesse besteht, sondern dies einzig und allein aus politischem Kalkül geschieht.
Ich denke es sollte darauf geachtet werden, dass man mit dieser Art des Journalismus und der Politik nicht das kaputtmacht, was man versucht an anderer Stelle mühsam aufzubauen. Über 2 Millionen türkische Mitbürger in Deutschland haben in den letzten Tagen das Gefühl, einer undifferenzierten, auf die Vorverurteilung der Türken zielenden Kampagne zum Opfer zu fallen. Dies gießt Öl auf das Feuer derer die sowieso gegen ein friedliches Zusammenleben mit den türkischen Mitbürgern in Deutschland sind.
Ich empfehle Ihnen dringend eine differenzierte Recherche zu diesen Themen und nicht vorgefertigte Thesen ungefragt zu übernehmen.
Ich denke ich spreche im Namen vieler Menschen mit türkischer Herkunft, wenn ich sage, dass wir uns vorverurteilt und ausgegrenzt fühlen indem man ständig eine Propagandaschlacht mit Behauptungen, historisch erwiesenen Unwahrheiten und puren antitürkischen Hetzkampagnen in den Medien - besonders im Fernsehen - in der dargestellten Weise veranstaltet.
Mit freundlichen Grüssen
I. Y.