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TIC-Redaktion
04.08.05, 15:23
Sehr geehrter Herr Lücke,

ich habe den Artikel unter "Thema der Woche" von Herrn Aschot Manutscharjan gelesen und war über seine "These" sehr verwundert. Ich hätte Ihm gern selber geantwortet, habe aber seine Kontaktadresse nicht gefunden und wende mich jetzt an sie. Da Sie die redaktionelle Aufsicht über diese Artikel haben, können Sie mir eventuell weiterhelfen und diese mail an Herrn Manutscharjan weiterleiten. Ich habe auch gleichzeitig an Sie eine Frage, die Sie mir hoffentlich beantworten können. Wie gut kennen Sie sich eigentlich in diesem Themengebiet aus?

Ich würde mich freuen, wenn Sie mir diesen Gefallen tun würden.
MfG.,
Yücel Nabi




An Herrn Manutscharjan

Ich habe Ihren Artikel im "Das Parlament" per Zufall gesehen und aufmerksam durchgelesen. Dabei sind mir einige Ungereimtheiten aufgefallen, die Sie mir hoffentlich beantworten können. Ich werde Ihnen Ihre Zitate kurz andeuten und darunter meine Frage stellen. Ich hoffe Sie können mir hierbei entgegen kommen.

[...]Am 24. April 1915 wurden in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, 600 Armenier verhaftet und ermordet. Unter ihnen befanden sich Ärzte und Architekten, Schriftsteller und Politiker. Der Vorwurf: "Vaterlandsverrat" und "Spionage" für Russland und dessen Weltkriegs-Verbündete. Damit begann die von der jung-türkischen Regierung organisierte und systematisch durchgeführte Vernichtung der "christlichen Rasse der Armenier". 1,5 Millionen armenische Bürger fielen diesem ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts zum Opfer. Ziel der Jung-Türken war es, einen ethnisch homogenen Staat zu schaffen.[...]

Soviel ich aus diversen Quellen erfahren konnte, wurden an diesem 24.April mehrere hundert Armenier verhaftet. Das Sie am gleichem Tag ermordet wurden, ist in diesen Quellen nicht beschrieben worden. Würden Sie mir hierzu Ihre Quellen angeben? Wissen Sie eigentlich, das der 1 Völkermord des 20 Jhr. an den Hereros begangen wurde? Wie sollte eine ethnisch reine und homogener Staat errichtet werden, wenn während der Umsiedlungsaktion, viele Armenier weiterhin im Osmanischem Reich bleiben durften und andere christliche oder jüdische Volksgruppen nicht in diesen Deportationsmassnahmen inbegriffen waren? Haben Sie dazu eine Erklärung, eventuell Quellen?


[...]Ankara bestreitet bis heute kategorisch den millionenfachen Mord, der zwischen 1915 und 1923 im Osmanischen Reich und der Türkei exekutiert wurde. Obwohl seitdem alle türkischen Regierungen - mit tatkräftiger Unterstützung ihrer Historiker - die Massaker leugnen, ist das Ereignis in der unabhängigen historischen Forschung unumstritten.[...]

In vielen Quellen ist die Haltung der Ankaraner-Regierung aber anders beschrieben. Dieser vertretet zwar die Tragödie und die Resultate daraus, verweisst aber gleichzeitig auf die Massaker an den muslimischen Bevölkerungsgruppen sowie der Kriegsbeeinflussung von revolutionären Armeniern vor sowie während des 1WK., die ja zum Anlass für die Umsiedlung genommen wurde. Auch hierzu hätte ich gerne eine eindeutige Aussage, auf welcher Basis diese Erkenntnis beruht. Darüber hinaus ist in der historischen Landschaft anscheinend doch nicht alles unumstritten.


[...]Schon während des Ersten Weltkrieges hatten die Alliierten am 24. Mai 1915 die jung-türkische Regierung aufgefordert, die für die Vernichtung der Armenier Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Die Anklage lautete "Verbrechen … gegen die Menschlichkeit". Um die Mitverantwortung an diesem Verbrechen zu verbergen, veröffentlichte das Auswärtige Amt bereits 1919 eine Sammlung diplomatischer Akten, die nachweisen sollte, dass allein die Jung-Türken dafür verantwortlich seien. Dabei geht aus dem Briefwechsel zwischen dem Außenamt und der deutschen Botschaft in Konstantinopel hervor, dass Berlin seinen Diplomaten vor Ort kategorisch verboten hatte, sich in die "Armenische Frage" einzumischen. Schließlich wollte Deutschland seinen wichtigen Kriegsverbündeten nicht verärgern. Heute gehören die Berichte der deutschen und österreichischen Diplomaten, der Missionare und Militärs zu den wichtigsten Quellen, die die Morde an dem christlichen Volk belegen.[...]

Während des 1WK. wurden, wie Sie sicher bestätigen können, auf diversen Ebenen, Kriegspropaganda betrieben, wie die Briten, so auch die Deutschen oder Franzosen. Aus diesem Anlass heraus, wurde das Osmanische Reich zu vielen Sachen beschuldigt. Ich verweise u.a. auf die folgenden Quellen:

"Kölnische Zeitung" vom 17.März 1916
Titel-Der Krieg im Orient.

Kopenhagen, 16. März. (Telegr.) Stockholms Dagbladet bringt den Bericht eines bei der persischen Gendarmerie diensttuenden Offiziers, worin dieser die im Auslande verbreiteten Gerüchte von Grausamkeiten in Armenien bestreitet. Auf seiner Reise im Oktober und November im armenischen Gebiet hat er festgestellt, daß von eigentlichen Massakern keine Rede sein kann, sondern nur von einer Lebensmittelnot. Nach dem Zeugen ist die Not überall groß. Wo Deutsche anwesend sind, greifen sie unter großen persönlichen Opfern ein.


Quelle: pa aa Türkei 183 Bd. 50 (R 14099 Nr. 7175) A15572
Telegramm.
Constantinopel, 10. April 1918 7 Uhr 20 Min. N.M.
Ankunft: 11. 8 “ 55 “ V.M.
Der K. Botschafter an Auswärtiges Amt
Entzifferung
Nr. 503 Antwort auf Telegramm Nr. 511

Anders meldet:
An der Küste konnte Rubel von armenischen Banden nichts bemerken. Die Schandtaten derselben wurden hauptsächlich im Gebiet Erzindjan und Baiburt verübt. Die mir darüber unterwegs gemachten Angaben decken sich mit den inzwischen von der Agence Milli veröffentlichten Nachrichten.
Die türkischen Friewilligen-Korps die ich im Februar zwischen Chope und Trapezunt operieren sah, hatten es lediglich darauf abgesehen, das von Armeniern und Griechen in Trapezunt gestohlene Gut wieder abzunehmen und die Fortführung des in Trapezunt angehäuften Kriegsmaterials zu verhindern.
In Trapezunt selbst herrscht strengste Manneszucht. In Tiflif erfuhr ich von glaub- (seite 2) –würdigen Augenzeugen (russische Soldaten aus deutschen Kolonien), daß die Armenier in Erserum in rohester Weise türkische Mädchen schändeten und unter dem Vorwand versteckte Waffen zu suchen, dauernd die zurückgebliebenen islamistischen Bewohner mißhandelten.
Durch Unterhaltung mit glaubwürdigen türkischen Kriegsgefangenen stellte ich einwandfrei fest, daß auf der Insel Nargin systematisch durch die armenischen Aufsichtssoldaten wöchentlich 4-5 gefangene Türken im Schlafe gewürgt und in das kaspische Meer geworfen wurden. Im Dezember v.J. erfuhr ich von dem in der Zitadelle in Tiflis wegen Spionageverdachts gefangenen belgischen Journalisten Ernest Simais, Kriegsberichterstatter des Figaro folgendes: Im Juli 1916 sei der französische Journalist Henry Barby (Verfasser des aufsehenerregenden Buches „Dans les pays des horreurs“) mit dem Ansuchen an ihn herangetreten, im Figaro einen Artikel über die an den Armeniern verübten Greueltaten zu schreiben. Simais entgegenete ihm, daß er nirgends solche Greuel beobachtet habe, dagegen sei er Augenzeuge, daß die armenischen Drujinen seinerzeit bei dem Vormarsch der Russen auf Bitlis und Soutsch-Bulak hinter der russischen Front die wehrlosen Einwohner der islamitischen Dörfer erbarmungslos niedergemacht hätten. Barby versuchte nochmals Simais zu dem (seite 3) gewünschten Artikel mit dem Hinweis zu veranlassen, daß ein Honorar von 40000 Frank für einen kurzen Artikel doch nicht zu verachten sei, worauf Simais erklärte, daß seine Feder nicht käuflich sei. Bald darauf wurde er infolge armenischer Intrigen wegen Spionageverdachts verhaftet und unschädlich gemacht. Wie Simais authentisch feststellte, hat Barby niemals einen Fuß aus Tiflis gesetzt. Sein ganzes Buch basiert lediglich auf den Angaben des Portiers vom Hotel d’Orient Tiflis und armenischen Flüchtlingen. Ich las im Dezember v.J. in Tifliser Zeitungen, daß Henry Barby für sein Buch vom Katholicos in Etschmiadsin durch ein „Kondak“ (Handschreiben und Segen) ausgezeichnet wurde. Simais will alsbald ein foudroyantes Buch über die von Armeniern verübten Greuel herausgeben, sobald er die Freiheit wiedererlangt hat.“
Uebrigens werden nun endlich Weitz und die anderen Journalisten Ende dieser Woche nach den in Betracht kommenden Gegenden abreisen. Bisher bestanden immer Transportschwierigkeiten.
Bernstorff.




[...]Mit der knappen Erklärung der Türken: "Das Endresultat muß die Ausrottung der armenischen Rasse sein", gaben sich die Deutschen zufrieden. Allein der evangelische Pastor Johannes Lepsius wollte nicht schweigen und appellierte an seine Regierung, dieses Verbrechen zu verhindern. Seine Proteste verhallten ungehört.[...]

Da ich stark annehme, dass diese Zitate vom Auswärtigem Amt stammen, möchte ich Sie daran erinnern, das just diese Akten und deren Veröffentlichung von Pfarrer Lepsius selbst stammen. Ein Vorwort zu diesen Akten liefert hier Wolfgang Gust:

Vorwort zu den Manipulationen

Die von Johannes Lepsius 1919 unter dem Namen "Deutschland und Armenien 1914-1918" herausgegebenen diplomatischen Aktenstücke stimmen zu einem großen Teil nicht mit den Originalen überein. Sie sind zum Teil erheblich gekürzt worden, zum anderen ist ihr Wortlaut verändert. Wer sich einen detaillierten Überblick über diese Manipulationen verschaffen will, findet in diesem Teil der Internet-Ausgabe die dafür notwendigen Unterlagen. In der Liste folgt zunächst ein Überblick über jene Dokumententeile, die in den von Lepsius veröffentlichten Akten "Deutschland und Armenien" überhaupt nicht abgedruckt worden sind. In den dann folgenden Akten sind die für die Lepsius-Ausgabe gestrichenen Passagen kursiv dargestellt worden. Sinnentstellende Veränderungen des Textes werden durch eckige Klammern kenntlich gemacht. Aus technischen Gründen ist in manchen Texten der Originaltext zugrunde gelegt worden, in anderen der Text aus "Deutschland und Armenien". Viele Texte hat Lepsius redigiert, ohne den Sinn zu verändern. Diese Textstellen sind nicht kenntlich gemacht worden. Ganze Dokumente, die Lepsius lediglich redigiert hat, befinden sich ebenfalls nicht in dieser Zusammenstellung. Den Originalwortlaut aller in dieser Internet-Ausgabe veröffentlichten Akten findet der Leser ausschließlich im eigentlichen Dokumententeil.




Ich möchte mich für Ihre Mühe schon im Voraus bedanken und würde mich freuen, wenn Sie sich hierzu äussern würden.

MfG.,
Yücel

TIC-Redaktion
06.08.05, 14:26
murat kader 02 Jun : 12:13 http://www.turkcom.org/e107_themes/dap_311/images/blank.gifhttp://www.turkcom.org/e107_themes/dap_311/images/blank.gifGast
Registriert: 01 Jan : 01:00
Herr Aschot Manutscharjan schreibt:
"Bis heute könnten türkische Wissenschaftler und Verleger strafrechtlich verfolgt werden, wenn sie den Genozid erwähnen"
ich frage mich was passiert denn eigentlich wenn jemand das gegenteil in Armenien behaupten würde, dass kein Genozid an den Armenier ausgeübt wurde. Ich glaube die Armenier würden ihn gleich auf der Stelle erschiessen. Es reicht das man ein Türke ist, schon steht das Urteil. Man siehe zuletzt den Fall "Murat Belge" obwohl er die Thesen der Armenier unterstützt, hat es nicht gereicht. Er ist ein Türke und das hat den Armenier gereicht ihm zu attakieren.
Und ausserdem wird man nicht in der Türkei verfolgt wenn mann den Genozid erwähnt. Es gibt leider genügen Verräter und Lügner die Bücher darüber schreiben und Konferenze abhalten. Wir haben kein Gesetzt, dass das verbietet aber Armenien schon! Also nochmal:
wer ist hier demokratischer und wer nicht! Wer respektiert die Meinungsfreiheit!