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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Cem Özdemir, Marieluise Beck: Besuch bei Feinkost "Efefirat"



DeLaHoya
05.08.05, 15:00
Besuch bei Feinkost "Efefirat"

Der Wahlkampf beschert "Efefirat" Grünen Besuch von Marieluise Beck und Cem Özdemir. Die Geschäfte gehen gut. Nur versteht man dort nicht den Streit über die doppelte Staatsbürgerschaft

Bremen taz http://www.taz.de/gifs/bl.gif Auf dem Weg ins Achimer Industriegebiet hat sich Klaus Möhle, der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen, mit seinem Gast Cem Ödzemir ein bisschen verfahren, obwohl seine Mitarbeiterin die ausgedruckte Route auf dem Schoß liegen hatte. Aber die gleichfalls angekündigte Marieluise Beck lässt auf sich warten, so bleibt Özdemir Zeit zur Konversation mit Hasan Aktas, dem Geschäftsführer von Feinkost "Efefirat".

Özdemir ist heute selbstverständlich nicht deshalb um 6 Uhr aufgestanden, weil ihn das Feinkostwesen in Achim umtreibt. Es ist Wahlkampf und der verlangt auch von den Europa-Abgeordneten Engagement. Es wird ein langer Tag werden, Özdemir trägt Jacket und jene Sorte Turnschuhe, die keinesfalls sportplatztauglich sind. Aber nur Wahlkampf-Manöver sollen es heute nicht sein. "Es geht um ein Thema, um das ich mich seit zwei Jahren kümmere", sagt Klaus Möhle. Nämlich die Situation türkischer Unternehmer in Bremen, die mangelnde Unterstützung durch Behörden und lokale Wirtschaftsinstitutionen. "Warum beantwortet meine Anfragen zu türkischen Unternehmen das Sozial- und nicht das Wirtschaftsressort?", fragt Möhle, doch das kann ihm hier niemand beantworten.

Aber jetzt erscheint Marieluise Beck, freundlich schon durchs Fenster des BMW winkend. Sie kommt im schwarzen Leinenkleid und verbreitet eine durchdringende Energie, die auf die lokalen Kollegen in ihrer freundlichen Geruhsamkeit verschreckend wirken muss. Und sie ist es auch, die den Brüdern Aktas bei Tee und Gebäck die entscheidenden Fragen stellt, während die Presse möglichst schnell mitschreibt und der rothaarige Referent Mustafa Öztürk telefoniert. Die Geschichte der Brüder Aktas ist eine Erfolgsgeschichte, das ist rasch klar: Der älteste Sohn einer anatolischen Bauernfamilie verdient in den 70er Jahren, anders als geplant, nicht nur das Geld für einen Mähdrescher, sondern verwirklicht eine Geschäftsidee: Im großen Stil Lebensmittel einzuführen für all die Landsleute, die mit dem deutschen Essen nicht recht glücklich werden.

Ahmet Aktas holt seine beiden Brüder als Prokuristen nach und baut in Bremen eine Firma mit 60 Mitarbeitern auf, die weltweit importiert: Kaffee aus Guatemala, Bohnen aus Chile - und Wasser aus der Türkei und Tschechien, weil die Transportkosten immer noch günstiger sind als die deutschen Löhne. 1993 zieht Efefirat von Arsten nach Achim: Der Gewerbequadratmeter kostet hier halb so viel wie in Bremen. "Und die Bremer Beamten haben sich nicht gekümmert", sagt Ahmet Aktas. Marieluise Beck formuliert es drastischer: Ich kann mir vorstellen, dass sie dachten: Was wollen die Türken, das sind doch nur Gastarbeiter".

Dennoch finden die Brüder Aktas vieles lobenswert: Die Bank, die Kredite gegeben hat, die Hilfe von Zollbehörde und Lebensmittelaufsicht. Ein paar Fragen bleiben: Warum hat man sie auf Ausbildungsplätze im Haus angesprochen? Warum beschäftigen sich die deutschen Politiker so sehr mit der doppelten Staatsbürgerschaft statt mit dringenderen Fragen wie der schrumpfenden Bevölkerung? Ihre eigene Zukunft wirkt dagegen vielversprechend: Zwar scheint sich keiner der Jungen, die als nächste Generation im Firmenprospekt erscheinen, im Betrieb engagieren zu wollen - wohl aber eine der - nicht fotografierten - Töchter.

Friederike Gräff

taz Bremen Nr. 7733 vom 4.8.2005, Seite 22, 112 Zeilen (TAZ-Bericht), Friederike Gräff

http://www.taz.de/pt/2005/08/04/a0299.nf/text.ges,1

DeLaHoya
02.05.06, 22:41
Hätte er uns gefragt, hätten wir ihm gern erzählt, dass Cem schon immer der Musterassimilierte war, den sich Deutschland nur allzu gern wünscht; ein wirklicher Schwabe, der bei der deutschen Oma von nebenan aufwuchs, wie uns türkische Blätter jahrelang erzählten, die in ihm einen "Verräter" sahen, weil er nicht Lobbyarbeit für Ankara machte und sich immer als einen "deutschen Abgeordneten" bezeichnete, der "nicht den Türken oder der Türkei, sondern seinem Wahlkreis verpflichtet ist". Nein Cem, du hast einfach nicht begriffen, dass du kein richtiger Schwabe, sondern eben nur ein Spagatdeutscher warst. Weder die einen haben dich gemocht noch die anderen - ist das etwa der Grund, warum du heute so einsam bist?

Er hat uns aber nicht gefragt sondern versucht zu belehren. "Spagatdeutscher"... gefällt mir.

Yakamoz
02.05.06, 23:35
Spagatdeutscher ist die Steigerung von TÜV, glaube ich.

hezarfen
02.05.06, 23:38
Er hat uns aber nicht gefragt sondern versucht zu belehren.

und das auf eine sehr arrogante und dumme art und weise. ich bleib dabei, Er gehört NICHT zu UNS ... jedenfalls noch nicht, wer weiss wie der sich nboch "entwickelt" :rolleyes: