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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : SPD/Ahmet Iyidirli:"Sie können auch Herr Achmet sagen"



DeLaHoya
05.08.05, 15:02
"Sie können auch Herr Achmet sagen"

Franz Müntefering auf Wahlkampftour in Kreuzberg



Jan Thomsen Entschuldigung, wie heißt der Mann noch gleich? Iyidirli? "Das spricht man Ji-dir-li", sagt Peter Beckers, ein gestandener Kreuzberger Sozi, Mitglied der SPD-Bezirksfraktion. Er scheint sich auszukennen. Ein paar Journalisten, die hier gemeinsam mit ihm warten, lauschen dankbar, schließlich kommt ja gleich der Mann mit dem schwierigen Namen und da will man sich nicht blamieren. Also Ji- dir-li? "Sie können auch Herr Achmet sagen", erklärt Beckers sanft. "Da weiß er, was gemeint ist."

Herr Achmet heißt korrekt Ahmet Iyidirli, geboren vor 50 Jahren in der Türkei, seit 30 Jahren in Berlin, jetzt Direktkandidat der SPD im Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg. Chancen hat er kaum, es kennt ihn auch keiner bisher - im Gegensatz zu seinem grünen Gegner Hans-Christian Ströbele etwa. Doch das muss sich ändern, schließlich steht vermutlich in anderthalb Monaten die Wahl an. Heute soll Müntefering helfen. Der oberste SPD-Chef soll mit dem Genossen Iyidirli, Bundesvorsitzender von gut 4 000 türkischen Sozialdemokraten, zwei Stunden durch den Bezirk ziehen. Ein Jugendprojekt, ein paar Fotos, ein bisschen Multikulti. Das klingt nett und locker. Leider regnet es die ganze Zeit in Strömen, und aus der netten Kieztour mit Ahmet und Münte wird eine stressige Hatz im Auto.

Und so richtig bekannt wird Iyidirli auch nicht dabei. Im Büro der Existenzgründerberatung "Enterprise" in Friedrichshain sitzt er neben Müntefering und schweigt höflich, während der Parteichef ein paar Hms und Ahs brummt, als ihm die Projektleiterin von ihrer Arbeit erzählt. Hinter ihm haben sich zwei Jusos mit roten T-Shirts aufgestellt, auf die Iyidirlis Konterfei gedruckt ist. Eigentlich waren jetzt ein paar stimmungsvolle Fotos mit der Oberbaumbrücke im Hintergrund geplant, doch wegen des Regens trifft man sich am Schlesischen Tor, im Dönergrill Bagdad. Iyidirli tritt an die Theke, ein Fotograf fordert sofort "Mit Döner, bitte!" Der Kandidat mag nicht recht - aber als Müntefering kommt, wird beiden eine Fleischtasche gereicht, sie beißen rein, die Kameras klicken, alle grinsen. "Wir haben's gut", sagt Müntefering. "Wir essen, ihr müsst arbeiten." Iyidirli lächelt bemüht und kaut. "Schmeckt gut", sagt er.

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/berlin/471502.html

DeLaHoya
05.08.05, 15:04
Iyidirli tritt an die Theke, ein Fotograf fordert sofort "Mit Döner, bitte!"
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/berlin/471502.html

Da hilf auch kein Müntefering, auch Iyidirli muss durch den Türken-TÜV und schön brav Döner essen... fehlt nur noch eine zwangsverheiratete Schwester...

Gök Türk
05.08.05, 16:08
Da hilf auch kein Müntefering, auch Iyidirli muss durch den Türken-TÜV und schön brav Döner essen... fehlt nur noch eine zwangsverheiratete Schwester...

Immerhin hat er nicht "mit Kopftuch" gerufen...

Caution
05.08.05, 16:56
Da hilf auch kein Müntefering, auch Iyidirli muss durch den Türken-TÜV und schön brav Döner essen... fehlt nur noch eine zwangsverheiratete Schwester...

Trinkt er denn kein Bier? man man.

Trojaner
05.08.05, 19:17
Da hilf auch kein Müntefering, auch Iyidirli muss durch den Türken-TÜV und schön brav Döner essen... fehlt nur noch eine zwangsverheiratete Schwester...
Der war echt gut. :D

DeLaHoya
24.08.05, 21:58
Fremder von nebenan

Seit 30 Jahren ist er in Berlin, seit 25 in der SPD. Jetzt will Ahmet Iyidirli in den Bundestag und lehrt die Leute, seinen Namen auszusprechen

Von Ulrich Zawatka-Gerlach

Die meisten Amerikaner, sagt Ahmet Iyidirli, „sprechen meinen Namen sofort richtig aus“. Türken haben damit auch keine Probleme. Aber für Deutsche, die in Friedrichshain-Kreuzberg wahlberechtigt sind, bietet der SPD-Bundestagskandidat vorsichtshalber eine Internetseite an, die „ahmet.de“ heißt. Natürlich war diese Adresse nicht frei, aber der Besitzer hat sie sofort zur Verfügung gestellt. Gratis. Eine kleine Wahlkampfhilfe für den Migranten aus der Türkei, der jetzt in den Deutschen Bundestag einziehen will.

Iyidirli sitzt in seinem Stammcafé, der „Bar“ in der Wrangelstraße Ecke Skalitzer. Er wohnt nur ein paar Schritte weiter. Dort ist Kreuzberg noch Kreuzberg, und die Passanten sind deutlich jünger und weniger deutsch als im Berliner Durchschnitt. Er trinkt Kaffee, raucht Gauloises und spricht mit türkischem Akzent. Ein kleiner, drahtiger Mann mit Schnurrbart, dunklem Haar und runder Brille. Sein Porträt hängt tausendfach an den Straßenlaternen im Kiez. „Wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs bin, gucken die Autofahrer manchmal aus dem Fenster und winken“, sagt er stolz. Eine neue Erfahrung für den Sozialdemokraten, für den Politik bisher ein Hobby war.

Im November 2004 sprachen Parteifreunde „den Ahmet“ an, ob er nicht für den Bundestag kandidieren wolle. Damals ging es noch um 2006 – und Iyidirli sagte zu. Nach 30 Jahren in Berlin und 25 Jahren in der SPD will er das deutsche Volk im Parlament vertreten. Im Januar 1975 hatte es den Abiturienten von einem Gymnasium in Ankara nach Passau verschlagen. Vier Monate später zog er nach West-Berlin, studierte Volkswirtschaft und machte Politik. Seine Familie ließ er in Eskisehir zurück, einer Universitäts- und Industriestadt im Mittelwesten der Türkei, wo Iyidirli 1956 geboren wurde. „Das sind Lokalpatrioten, die wollten nicht weg“, sagt er. „Republikanisch und laizistisch seit Generationen.“

1977 gehörte Iyidirli zu den Gründungsmitgliedern des HDF – des europäischen Verbundes der türkischen Sozialdemokraten. „Zuerst haben wir nur Türkeipolitik gemacht“, sagt Iyidirli. „Um Integration haben wir uns erst später gekümmert.“ Eines der ersten heißen Themen war das kommunale Wahlrecht für Ausländer. Die Studenten wurden vorgeschickt, um mit den deutschen Parteien zu verhandeln, weil die meisten türkischen Migranten kaum deutsch sprechen konnten. So kam Iyidirli in Kontakt zum SPD-Ortsverband am Kreuzberger Mehringplatz.

Seit 1980 hat Iyidirli das Parteibuch in der Tasche. Ein Türke in der SPD. Einbürgern ließ er sich erst vor eineinhalb Jahren. „Ich bin Frischdeutscher“, sagt er und findet das lustig. Eine doppelte Staatsbürgerschaft wäre ihm lieber, aber das erlaubt der Genosse Otto Schily nicht. Iyidirli versteht nicht, „dass die Ausländerpolitik im 21. Jahrhundert noch so rückständig sein kann“. Aber jetzt hat er andere Sorgen. Das Handy klingelt und der Druck eines Flugblatts muss geregelt werden. Wahlkampf ist Arbeit. Iyidirli beschwert sich nicht, er hat es so gewollt.

Die Mieter- und Berufsberatung, die Seminare und Workshops, mit denen er seinen Lebensunterhalt verdient, hat er vorerst aufgegeben. Stattdessen eröffnet der Kandidat eine Ausstellung mit Postern von Klaus Staeck, diskutiert im Familienzentrum Fürstenwalder Straße mit „Super Nanny“ Katharina Saalfrank von RTL über Familienpolitik und wirbt beim „Lesbischwulen Parkfest“ im Volkspark Friedrichshain um Wählerstimmen. Iydirli ist geschieden und hat eine neunjährige Tochter. Sie sammelt Euro-Münzen aus ganz Europa. „Sammeln heißt, etwas komplett haben zu wollen“, sagt der Papa. „Es bedeutet Wertschätzung für etwas und schafft Selbstbewusstsein.“ Der SPD-Mann hat offenbar Prinzipien.

Seit 1991 ist Iyidirli Bundesvorsitzender der HDF. Viele Jahre hat er die Türkeipolitik der SPD-Bundestagsfraktion mitkoordiniert und den Parteivorstand beraten. Er gehört dem Netzwerk gegen Rassismus in Europa an und ist viel im Ausland unterwegs. Ein Spezialist der Migrationspolitik, den bisher kaum jemand kannte. Jetzt muss Iyidirli den Leuten beibringen, seinen Namen auszusprechen, ohne die Zunge zu verknoten. Im Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg will er das Bundestagsmandat gewinnen und das Urgestein der Grünen, Hans-Christian Ströbele, schlagen. Eine schwierige Angelegenheit. „Ich habe gute Chancen. Ehrlich, das ist keine Propaganda“, sagt Iyidirli. Er kenne so viele Leute im Kiez. „Ich bin das Original, nicht die Kopie, wenn es um Multikulti geht.“

Wenn er am Marheinekeplatz oder im Graefekiez mit seinem „Ahmet-Team“ Zettel verteilt, fällt er je nach Bedarf vom Deutschen ins Türkische – und umgekehrt. Der Osten des Wahlkreises ist kein so vertrautes Pflaster. Zum Spaziergang im Volkspark Friedrichshain nahm Iyidirli ein paar Trommler mit. Das verschaffte Aufmerksamkeit. Auch die NPD ist auf ihn aufmerksam geworden. Sie hängte über dessen Wahlplakate eigene Poster: „Gute Heimreise“ oder „Fremdarbeiter stoppen“. Ansonsten hält sich die Fremdenfeindlichkeit in diesem Wahlkampf in Grenzen. Ab und zu bekommt Iyidirli „blöde Mails“. Nach 30 Jahren in Deutschland kann ihn das nicht mehr beeindrucken.

http://www.tagesspiegel.de/dritte-seite/index.asp?ran=on&url=http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/24.08.2005/2007114.asp

DeLaHoya
24.08.05, 22:01
Dieser Deniz Yücel ist übrigens ein TÜV-Türke.


Unser Mann



Die Claims sind abgesteckt. Jeder Teil der Population Kreuzberg-Friedrichshains hat seinen eigenen Kandidaten. Für die Alternativdeutschen ist es erneut Christian Ströbele, für die Ostdeutschen die Bürgermeisterin Cornelia Reinauer, während die dritte Gruppe, die Trashdeutschen, längst abgeschrieben ist.

Was tun?, wird man sich in der Kreuzberger Kampa gefragt haben. Und irgendwann, spät in der der Nacht, wird einem die famose Idee gekommen sein, es mit der vierten Gruppe, den Neudeutschen, zu versuchen: »Wir machen was mit Bart, dann haben wir die Türken im Sack!« Plötzlich dürften alle auf den Mann geschaut haben, der seit Jahren kein Treffen des Ortverbands versäumt hatte und dennoch nur als »internationaler Gast« verzeichnet worden war: Ahmet Iyidirli, ein bescheidener Kerl, der sich noch auf seiner Homepage (ahmet.de) für seinen undeutschen Nachnamen entschuldigt.

Hatte es der glatt rasierte Grüne Özcan Mutlu vor ein paar Jahren noch nötig, mit dem Hinweis »Ich bin’s, Mutlu« zu werben, kann Iyidirli auf derlei Zusätze verzichten. Der prächtige Bart allein, auf derselben Höhe wie das Parteilogo platziert, signalisiert: »Ich bin’s, Ahmet! Und unter Kollegen wird man ein paar Sozialreformen und einige Ausbürgerungen nicht krumm nehmen, oder?« Doch, ich fürchte, man wird es. Dass aber die Neonazis ihre Sprüche gegen »Fremdarbeiter«, die sie zwischenzeitig Oskar Lafontaine geborgt hatten, am liebsten über das Porträt Iyidirlis kleben, ist fast ein Grund, ihn trotz alledem zu wählen.

deniz yücel

http://www.jungle-world.com/seiten/2005/34/6123.php

DeLaHoya
24.08.05, 22:01
Ahmet Iyidirli, memleket Eskisehir:

http://www.spd-friedrichshain-kreuzberg.de/dateien/0534_ahmet-wahlkreis084.jpg

http://www.iyidirli.de/start

DeLaHoya
09.09.05, 16:16
Viele Kopien, ein Original

...

Zunächst einmal hat es Ströbele mit anderen Mitbewerbern zu tun als beim Urnengang 2002. Nach dem Freitod des ehemaligen SPD-Kandidaten Andreas Matthae vor etwas mehr als einem Jahr hat sich der Kreisverband Friedrichshain-Kreuzberg für einen radikalen Schnitt entscheiden. Nicht den Nachfolger Matthaes als Kreisvorsitzenden, Mark Rackles, schicken die Sozialdemokraten gegen das grüne Urgestein Ströbele ins Rennen, sondern den weitgehend unbekannten Bundesvorsitzenden der türkischen Sozialdemokraten, Ahmet Iyidirli.

Iyidirli soll vor allem das Potenzial der wahlberechtigten Migranten mobilisieren. Unumstritten war das aber nicht einmal in der eigenen Partei. Kaum war Iyidirli nominiert, trat der Kreisvorstand um Mark Rackles geschlossen zurück. Iyidirlis Gegenreaktion: "Das sind schlechte Verlierer."

...

Für seinen Auftritt vor den Abiturienten des Leibniz-Gymnasiums hat sich Ahmet Iyidirli einen bunten Pullover angezogen. Das unterschied ihn nicht nur vom Schlipsundkragenwansner von der CDU, sondern auch von Ströbele. Der kam ausnahmsweise nicht mit rotem Schal, sondern in Jeans und hellblauem Hemd. Den bunten Vogel gab Iyidirli dennoch nicht an diesem Morgen. Der Linkspartei warf er vor, dass sie "Hoffnungen weckt, die sie nicht halten kann"; der FDP-Forderung nach Studiengebühren setzte er die Forderung nach Chancengleichheit entgegen. Doch was Iyidirli auch sagte, es klang alles ein bisschen wie auswendig gelernt. So blieb der 49-jährige gelernte Sozialarbeiter dort, wo er eigentlich eine Hochburg haben müsste, blass und unbestimmt. Eine Kopie auch er - und Ströbele das Original?

Cem Dalaman ist da anderer Meinung. "Wenn es einer schaffen kann, dann ist es Ahmet", sagt der Leiter der türkischsprachigen Redaktion bei Radio Multikulti. "Iyidirli ist bei jeder Veranstaltung, er kümmert sich um die sozialen Belange der Leute." Das zählt, und es zählt nicht wenig: 40.000 Wahlberechtigte türkischer Abstammung gibt es in Berlin, jeder vierte von ihnen lebt in Kreuzberg. Allerdings, räumt Cem Dalaman ein, ist Iyidirli eher der Vertreter der 70er- und 80er-Generation. "Bei der Jugend hat er Probleme. Da kommt ein Grüner wie Özcan Mutlu besser an."

...

Cornelia Reinauer ist die Einzige, die Christian Ströbele das Direktmandat streitig machen kann. Das prophezeien inzwischen auch die Hamburger Wahlforscher von "election.de". Sie sehen weiterhin Christian Ströbele vorne, doch Cornelia Reinauer hat den Abstand verkürzt. Nach jüngsten Prognosen, die election.de für den Tagesspiegel erhoben hat, führt Ströbele mit 29 Prozent vor Reinauer mit 27 Prozent. An dritter Stelle, wenn auch noch nicht abgeschlagen, liegt Ahmet Iyidirli.

...
taz Berlin lokal Nr. 7764 vom 9.9.2005, Seite 23, 304 Zeilen (TAZ-Bericht), UWE RADA

http://www.taz.de/pt/2005/09/09/a0174.nf/text.ges,1