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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Erwin Marschewski MdB, CDU/CSU-Bundestagsfraktion



TIC-Redaktion
06.08.05, 14:18
Sehr geehrter Herr Marschewski,

ich habe Ihren Presseartikel vom 21.04.2005 erst heute aufmerksam gelesen. Hierzu hätte ich an Sie einige Fragen, die Sie mir hoffentlicht beantworten können.

[...]Das Bekenntnis der Türkei zu den Vertreibungen und Massakern an den Armeniern in den Jahren 1915 und 1916 ist von großer Bedeutung für ein Zusammenleben zwischen Armeniern und Türken in der Heimatregion, für eine Zusammenarbeit zwischen den Staaten und für ein Zusammenleben zwischen Armeniern und Türken in Deutschland.[...]
Diesem Zitat möchte ich mich anschliessen. Hierbei sind sich auch die Türken hier in Europa sowie in der Türkei sehr wohl bewusst und haben das auch ständig angegeben. Zu einer Versöhnung zwischen den Parteien sind aber mehr als einseitige Beschuldigungen und ständige politische Versuche dies als einen Genozid darzustellen nötig. Vielmehr, sollten sich die armenischen Bemühungen um eine Aufarbeitung auch auf die eigenen begangenen Massaker ausweiten, damit eine Versöhnung stattfinden kann. Dies wird aber vehement vermieden, ja sogar als Unwahr dargestellt, obwohl eigene Historiker und politische Persönlichkeiten davon oftmals berichtet haben. In dieser Hinsicht hat Armenien nach wie vor vieles nach zu holen.

[...]Die Wertegemeinschaft der Europäischen Union erfordert es auch, die dunklen Seiten der eigenen Geschichte zu beleuchten, mit dem Willen sich dazu zu bekennen und mit dem Ziel sich zu versöhnen.[...]
Ich nehme an, dass Sie hierbei auf die Nazizeit hindeuten wollen. Leider besteht Europa nicht nur aus dem Mitgliedsstaat Deutschland, sondern aus weiteren 14 Ländern. Es mag sein, dass Deutschland sich seiner dunklen Geschichte bewusst geworden ist, von den meissten anderen Mitgliedsstaaten ist aber davon nichts zu merken, obwohl in Ihrer Geschichte nicht alles mit diesem "Europäischem Wertegefühl" gemein hat.

[...]weil nicht unaufgearbeitet bleiben darf, dass zwischen 1,2 und 1,5 Millionen Armenier Opfer von Deportationen und Massenmorden geworden sind, [...]
Würden Sie mir Ihre Quellen hierzu benennen? Ich Frage Sie deshalb, weil nach meinem Erkenntnissstand, hierbei möchte ich betonen, dass meine Quellen meisst von westlichen Autoren stammen und in diesen andere Zahlen und differenzierter zwischen tatsächlichen Opfern, also Todesopfern gesprochen wird.

[...]weil der Menschen gedacht werden muss, die ermordet wurden, der Frauen und Kinder, der Alten, die man auf Todesmärsche schickte,[...]
Auch hierbei stimme ich Ihnen zu. Jedem Opfer, das gewaltsam ums Leben kam, sollte gedacht werden, denn so besinnt man sich auf das wesentliche. Eine Trauer sollte aber nicht damit in Verbindung gebracht werden, in dem man vehement darauf behaart, einen Genozid anzuerkennen, obwohl auf der anderen Seite ebenso viele Opfer zu beklagen sind, die andererseits keinen Respekt, Anerkennung und Gedenken erwarten können und konnten, ja sogar geleugnet und abgestritten werden.

[...]weil auch der Angehörigen anderer christlicher Volksgruppen, Aramäer, Assyrer und Chaldäer gedacht werden soll, die Opfer brutalster Menschenrechtsverletzungen geworden sind.[...]
Ich möchte aus diesem Zitat nichts herausleiten, es wäre Ihnen gegenüber nicht fair. Warum aber nehmen Sie denn den Begriff Christen auf, obwohl in keinster weisse gegenüber den Christen eine Verfolgung stattfand? Ist es nicht vielmehr so, dass die meissten Deportierten ein Risiko für das Osmanische Reich darstellten und gerade deshalb nicht nach Religionszugehörigkeit und Volkszugehörigkeit sondern nach der schwere des Loyalitätsbruches sowie der ausgeübten Massaker, Aufständen und Unruhen bneurteilt, zur Umsiedlung gezwungen wurden?

[..]Der Respekt vor den Opfern gebietet ein Bekenntnis zu diesen Untaten. Ein Bekenntnis ist die Voraussetzung für eine Versöhnung.[...]
Diesen Bekenntnis haben die Türken allzu oft gemacht, nicht nur auf politischer Ebene, sondern auch in der Bevölkerung selber. Hierzu würde ich Sie bitten, in Internet-Foren zu recherchieren.

[...]Dabei soll nicht verschwiegen werden, dass auch Deutschland eine historische Mitverantwortung trägt, weil das deutsche Kaiserreich zum Zeitpunkt der Vertreibung im Osmanischen Reich einen der Hauptverbündeten des Ersten Weltkrieges hatte und deshalb nichts unternommen hat, um die schrecklichen Massaker und Vertreibungen zu verhindern.[...]
Das Deutsche Reich selber hatte erkannt, dass während der ersten Zusammenstösse zwischen dem osmanischen sowie russichen Truppen im 1WK. eine sich im ganzen Land verbreitende Aufstandsbewegung und somit eine kriegsentscheidende Situation zu ungunsten des Osmanischen Reiches nur mit Hilfe einer Umsiedlung abzuwenden sei. In der Geschichte gab es solche Umsiedlungsaktionen schon immer, sogar in der jüngeren Geschichte, wie z.B. im 2WK. wobei die USA mehr als 350.000 japanisch-stämmige in die Ostküste umsiedelte, hierbei sei erwähnt, es handelte sich nur um eine reine Vorsichtsmassnahme der US-Regierung.

[...]Die Vertreibung der Armenier war die erste große Vertreibung des 20. Jahrhunderts, aber bei weitem nicht die letzte. Auch Griechen, Polen, Deutsche, Bosnier, Sudanesen und andere Volksgruppen haben im 20. Jahrhundert dieses schwere Schicksal erlitten.[...]
Sie sagen es, ca. 5 Millionen Osmanen aus dem Balkangebiet, Kaukasus und Mespotanien hatten innerhalb weniger Jahre genau das gleiche Schicksal zu verkraften.

[...]Daher treten CDU und CSU für die Errichtung eines "Zentrums gegen Vertreibungen" in Berlin ein. In einem solchen Zentrum sollen Vertreibungen und "ethnische Säuberungen" analysiert, erforscht und dokumentiert werden. Hier soll ein Beitrag dazu geleistet werden, solche Menschenrechtsverletzungen zu verhindern - in ganz Europa und darüber hinaus.[...]
Diesem Schritt von Ihnen und der CDU/CSU Fraktion halte ich für den richtigen Weg.

Im ganzen, bin ich mit Ihrer Presseerklärung einverstanden und fühle mich auch hierbei in Ihren Aussagen bestätigt. Es gibt aber auch einige Passagen, in denen ich Ihnen, eine gewisse Unkenntniss zuspreche. Ich würde Ihnen hierbei einige Quellen zur Verfügung stellen, aus dem Sie sich selber eine Meinung bilden können.

Mit freundlichem Gruss aus der Schillerstadt,
Nabi Yücel