PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Unruhen im iranischen Kurdistan



DeLaHoya
11.08.05, 15:55
Unruhen im iranischen Kurdistan

Nach der Ermordung eines bekannten Gegners des Mullah-Regimes in Mahabad kommt es seit Wochen zu Protesten und Zusammenstößen in mehreren Städten. Dabei sollen zwanzig Menschen getötet und hunderte festgenommen worden sein

AUS KOISANJAK INGA ROGG
Der neue iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad ist gleich bei seinem Amtsantritt auch innenpolitisch unter Druck geraten. Bei Kämpfen mit der PKK, die im Grenzgebiet mit der Türkei operiert, wurden sieben Sicherheitskräfte getötet. Vor allem setzen ihm aber die Unruhen unter den iranischen Kurden zu. Dabei sollen in den vergangenen Wochen 20 Kurden und getötet worden sein.

Zu den bislang schwersten Zusammenstößen kam es in der Kleinstadt Saqez in der Nähe der iranischen Grenze, wo nach Berichten von Augenzeugen in den vergangenen Tagen mindestens 13 Demonstranten getötet und mehr als 70 Personen verletzt wurden. Mehre hundert Regimegegner, unter ihnen zahlreiche Journalisten und Menschenrechtler, sind nach Angaben von Oppositionsgruppen verhaftet worden.

Was sich in der Region genau zuträgt, ist schwer zu beurteilen. Staatsnahe iranische Medien haben kurzerhand "Hooligans" und "Anarchisten" für die Ausschreitungen verantwortlich gemacht, bei denen auch Geschäfte und Regierungsgebäude beschädigt wurden. Ausgelöst wurden die Unruhen vor knapp vier Wochen, als iranische Sicherheitskräfte in der Stadt Mahabad einen bekannten Regimegegner ermordeten. Die Stadt inmitten der Berge ist seit der Ausrufung der Republik Kurdistan Mitte der 40er-Jahre eines der wichtigsten Symbole des kurdischen Nationalismus. Wie ein Lauffeuer breiteten sich die Proteste von Mahabad auf andere Städte im iranisch-irakischen Grenzgebiet aus.

Für den kurdischen Oppositionspolitiker Mustafa Hejri ist das harte Vorgehen der Sicherheitskräfte ein Rückfall in die Zeiten, da Oppositionelle vom Regime gnadenlos verfolgt wurden. "Ahmadinedschad ist berüchtigt für seine Skrupellosigkeit", sagt Hejri. "Von ihm können wir keine Kompromisse erwarten."

Hejri ist Vorsitzender der Demokratischen Partei Kurdistans/Iran (KDPI), der ältesten und größten der iranisch-kurdischen Oppositionsparteien. Jahrelang hat die KDPI zuerst gegen den Schah und später gegen das Mullah-Regime einen Guerillakrieg geführt. Als Chef der Revolutionswächter in Kurdistan war Ahmadinedschad für das harte Vorgehen des Chomeini-Regimes gegen die Oppositionellen verantwortlich. Bei den Kurden des Iran steht er zudem in Verruf, einer der Schlüsselfiguren im Mord am damaligen KDPI-Vorsitzenden Abdul Rahman Ghassemlou 1989 in Wien gewesen sein. Genau zum Jahrestag der Ermordung von Ghassemlou sind jetzt die Unruhen in Kurdistan ausgebrochen.

Heute setze seine Partei vor allem auf zivile Widerstandsformen, sagt Hejri in Koisanjak. Am Rande der Stadt rund 100 Kilometer östlich der irakisch-kurdischen Hauptstadt Erbil unterhält die KDPI seit gut zehn Jahren ihr Hauptquartier. Die Errungenschaften der irakischen Kurden sind heute auch das politische Vorbild für die schätzungsweise 6 Millionen Kurden des Iran. Ob die Wahl von Dschalal Talabani zum irakischen Präsidenten oder Masud Barsanis zum Präsidenten Kurdistans - ausgiebig wurden die Erfolge jedes Mal auf der anderen Seite der Grenze gefeiert. Angestachelt von der weitgehenden Autonomie der irakischen Kurden haben die iranischen Organisationen den Föderalismus mittlerweile zur zentralen Forderung erhoben.

Ein UNO-Bericht hat das Regime in Teheran bezichtigt, die ethnischen und religiösen Minderheiten bei der Vergabe von Ressourcen zu benachteiligen. Historisch von Kurden bewohnte Regionen würden besonders unter der mangelnden Wasser- und Stromversorgung leiden, heißt es in dem vorläufigen Bericht für die UN-Menschenrechtskommission.

Hejri fordert deshalb ein Umdenken der europäischen Politik. "Es reicht nicht, dass Europa wegen des Atomprogramms Druck macht", sagt Hejri. "Die Menschen- und Minderheitenrechte sind genauso wichtig." Die Europäer sollten endlich Farbe bekennen, verlangt der 59-Jährige, und sich entschieden hinter die Oppositionsbewegung stellen. Dabei sollten die Europäer gegebenenfalls auch vor Sanktionen gegen das Regime in Teheran nicht zurückschrecken. Allerdings keine, die die eh schon verarmte Mehrheit treffen, sondern eine Verschärfung der Waffen- und Technologiesanktionen, um das Regime zu isolieren.

Obwohl er den Irak-Einsatz der Amerikanern begrüßt, lehnt er einen Militärschlag gegen Iran ab. "Wir können den Wandel von Innen heraus erreichen", sagt Hejri. Dazu müssten die Europäer und Amerikaner politisch an einem Strick ziehen. "Ohne die Unterstützung Europas stehen wir auf verlorenem Posten."

taz Nr. 7739 vom 11.8.2005, Seite 10, 158 Zeilen (TAZ-Bericht), INGA ROGG

http://www.taz.de/pt/2005/08/11/a0112.nf/text.ges,1

Ay_Dogar
11.08.05, 23:41
Besle kargayi oysun gözünü,Iran yillarca Pkk'ya nasil yardim etigini
dünya alem biliyor.Iyi oluyor bu serefsizlere diyecem ama .....

DeLaHoya
22.08.05, 23:22
Politischer Mord in Mahabad

Iranische Kurden kämpfen für die Gleichberechtigunghttp://www.dw-world.de/img/transpa.gifhttp://www.dw-world.de/img/transpa.gif http://www.dw-world.de/dwelle/images/transpa.gifBei der "Kurdenfrage" richtet sich der Fokus meist auf die Türkei, den Irak. Doch auch im Iran leben sechs Millionen Kurden - gestärkt durch neues Selbstbewusstsein, geschwächt durch Unterdrückung und politische Morde.

Mitte Juli wurde in der Stadt Mahabad der politische Aktivist Kamal Asfarum ermordet. Für viele Kurden war er ein vorbildlicher Aktivist, der sich für ihre Rechte einsetzte. Die Regierung in Teheran hingegen bezeichnet den Getöteten, der im Iran auch unter dem Namen Shwane Seyed-Ghaderi bekannt ist, als Unruhestifter und rückt ihn in die Nähe eines Kriminellen. Fest steht: Seine offensichtliche Ermordung durch Sicherheitsagenten des Regimes in Teheran hat einen wütenden Aufstand in der iranischen Provinz Kurdistan provoziert.

Bei mehreren Zusammenstößen zwischen kurdischen Demonstranten und Sicherheitskräften wurden seit Mitte Juli nicht nur Verwaltungs- und Regierungsgebäude beschädigt oder zerstört. Es gab auch Tote und Verletzte. Gesicherte Angaben über deren Anzahl gibt es zwar nicht. Die Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch" spricht jedoch von mindestens 17 toten Demonstranten und Regimegegnern und beruft sich dabei auf Angaben kurdischer Organisationen. Nach Recherchen der Deutschen Welle sind zudem mindestens 500 Menschen von den Behörden verhaftet worden.

Neues Selbstbewusstsein wird unterdrückt

Kurdische Aktivisten wiesen in Interviews mit der DW der Regierung die Schuld an der Eskalation zu. So auch die inzwischen von den iranischen Behörden verhaftete kurdische Menschen- und Frauenrechtlerin Roya Tuloui aus der Stadt Sanandadj. Sie berichtete der DW in einem Hörfunk-Interview über ein Schreiben an die Regierung, in dem kurdische Aktivisten die Freilassung politischer Gefangener und ein ordentliches Gerichtsverfahren gegen die Mörder des kurdischen Aktivisten Shwane gefordert hätten. "Es geht hier um die Gewalt der Sicherheitsorgane gegen kurdische Bürger überhaupt", sagt Tuloui, "Morde an Kurden sind nichts Neues im Iran. Seit fast 26 Jahren haben wir dieses Problem." Allerdings hätten die Menschen hier erst in den vergangenen Jahren den Mut entwickelt, dagegen zu protestieren und friedlich ihre Stimme zu erheben. Man versuche jetzt allerdings wieder, sie mit Gewalt und Brutalität zu traktieren.

Kampf um Strom und Wasser

Die immer noch inhaftierte Frauenrechtlerin beklagt eine anhaltende Diskriminierung der Kurden, obwohl diese sich durchaus als iranische Staatsbürger verstünden. Auch in einem UN-Bericht ist dem Teheraner Regime unlängst Diskriminierung der von kurdischen und anderen ethnischen Minderheiten besiedelten Gebiete vorgeworfen worden: In den Kurden-Regionen sei die Wasser- und Stromversorgung besonders schlecht, hieß es in dem UN-Bericht, und auch der Aufbau der Infrastruktur dort sei völlig unzureichend. Der iranische Journalist Khosrow Kordpour aus der Stadt Mahabad beklagt dies ebenfalls: "Gemäß Artikel 48 der iranischen Verfassung darf es keine Diskriminierung geben, was das Nutzen natürlicher Ressourcen und die Aufteilung der nationalen Einkommen zwischen den Provinzen des Landes anbetrifft." Die Diskriminierung der Provinz Kurdistan sei somit verfassungswidrig, aber existiere schon seit langem.

Blick auf die Nachbarländer

Bei den Präsidentschaftswahlen 1997 hatten viele Kurden für den Reformer Mohammad Khatami gestimmt. Dennoch ließ sich das Misstrauen zwischen den Kurden und dem Regime in Teheran nicht abbauen. Unter dem neuen, als religiöser Hardliner geltenden Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad droht sich die Situation nun weiter zu verschlechtern.

Das kurdische Aufbegehren wird zusätzlich durch die Entwicklungen in den Nachbarländern motiviert, in denen ebenfalls beträchtliche kurdische Minderheiten leben: Im Irak verfügen die Kurden derzeit über eine De-facto-Autonomie, von der sie möglichst viel in einem zukünftigen föderalistischen System erhalten wissen wollen. Zudem gibt es dort mit Jalal Talabani sogar einen kurdischen Staatspräsidenten - was ebenfalls Signalwirkung haben dürfte.

Die iranischen Kurden blicken zudem auf die Türkei, wo neuerdings ebenfalls einige Bewegung in die Kurdenfrage gekommen ist. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan will zwar weiterhin die militante Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) bekämpfen. Er erklärte jedoch zugleich, der türkische Staat habe in der Vergangenheit "Fehler" im Umgang mit den kurdischstämmigen Bürgern im Südosten des Landes gemacht und sprach ungewöhnlich offen von einem "Kurdenproblem", dem die Regierung mit einem Ausbau demokratischer Strukturen und der Schaffung von mehr Wohlstand begegnen wolle.

"Die Kurdenfrage hier bei uns ist kein Problem, das sich durch Separatismus, Gewalt oder andere Methoden lösen lässt, die den öffentlichen Frieden stören", sagt Erdogan, "es ist vielmehr so, dass dies Frage nicht losgelöst von den Grundprinzipien unseres Landes betrachtet werden dürfen. Alle dieser Fragen müssen unter dem großen Schirm der Demokratisierung behandelt werden. Egal, ob man dabei über 'öffentliche Forderungen kurdischstämmiger Bürger' redet, über eine 'Südost-Frage' - oder über eine 'Kurdenfrage'."

Das öffentliche Umdenken der türkischen Regierung in der Kurdenfrage und die weitgehende Autonomie der Kurden im Nordirak: Beides trägt offenbar mit dazu bei, dass auch die iranischen Kurden zunehmend selbstbewusst auf ihre kulturellen und politischen Rechte pochen.

Davoud Khodabakhsh

http://www.dw-world.de/dw/article/0,1564,1682443,00.html

DeLaHoya
22.08.05, 23:29
Die Kurden haben sicher unter dem persisch-chauvinistischen Mullahregime ihr Kreuz zu tragen, was jedoch auffällt ist dieser Satz:




Auch in einem UN-Bericht ist dem Teheraner Regime unlängst Diskriminierung der von kurdischen und anderen ethnischen Minderheiten besiedelten Gebiete vorgeworfen worden



Damit sind übrigens die Türken wie z. B. die Aserbaidschaner gemeint, immerhin 25 Millionen Menschen! Doch diese scheinen nicht von Bedeutung zu sein, es sind ja keine "unterdrückten Kurden".



Bei den Kurden hat sich meiner Meinung nach eine "Unterdrückungs-Industrie" gebildet. Neulich las ich wieder eine Meldung über einen Vater, dem seine Kinder aus der Türkei nicht nachgeholt werden und dass dieser Aufgrund dessen in Hungerstreik getreten ist.



Oder von einer kurdischen Familie, die ihrer Abschiebung schriftlich zugestimmt hat, nun jedoch "Kirchenasyl" genießt.



Das nenne ich eine "Unterdrückungs-Industrie", ganz nach dem Motto: "Wir werden unterdrückt, und ihr musst etwas für uns tun", und diese wird systematisch betrieben.