DeLaHoya
15.08.05, 21:25
Mit Kniefiedel und Trommel
VON MICHAEL THALKEN, 15.08.05, 07:15h
Der Uigure Kamil Abbas war Violinist im Pekinger Sinfonie-Orchester, bevor die Chinesen ihn aus dem Land jagten.
Kall-Sötenich - Weltmusik ist „in“. Immer mehr Labels und Radiosender präsentieren musikalische Formationen aus Ländern, die man nur vom Hörensagen kennt. Denn das Interesse an fremden und exotischen Klängen scheint ungebrochen. Wer aber Musiker aus fernen Ländern hautnah erleben möchte, der muss zuweilen ins Ausland reisen oder zumindest in die großen Metropolen. Es sei denn, er hat das Glück und lebt in der Eifel. Einmal im Jahr, manchmal auch öfter, treffen sich dort im kleinen Eifelort Sötenich Bands aus aller Welt zum „Sufi-Soul-Festival“.
Dank der guten Verbindungen des Haqqani Trust, einer islamischen Sufi-Gemeinschaft in Deutschland, und ihrem in Sötenich residierenden deutschen Oberhaupt, Sheikh Hassan Peter Dyck wurden in die „Osmanische Herberge“ bereits Bands verpflichtet, die auf ihrem Gebiet Weltruhm genießen. Man erinnere sich: Silvester 2002 gastierten dort die „Sabri Brothers“ aus Pakistan. Weitere Tourneeorte der weltbekannten „Quawwali“-Musiker waren neben Sötenich Birmingham, London und Paris!
Hohe Reputation
Am Samstagabend gab eine weitere muslimische Spitzenband ihre Visitenkarte in Sötenich ab: Das „Ensemble Meshrap“ aus Ostturkestan. Die Musiker, die in Deutschland nur Insidern bekannt sein dürften, genießen in ihrem Kulturkreis hohe Reputation. Festival-Organisator Ahmed Kreusch machte die zahlreichen Zuhörer, die sich am frühen Abend im großen Gemeinschaftsraum der „Herberge“ eingefunden hatten, mit den erstaunlichen Lebensschicksalen der Bandmitglieder bekannt: So war Kamil Abbas in China ein bekannter Violinist des Pekinger Sinfonieorchesters. Seine Frau Gülendem genoss überdies hohes Ansehen als Sängerin.
Heute jedoch gibt sie mit ihrem Mann Seminare über uigurische Musik an der Londoner Universität. Denn als Kamil Abbas 1989 in die Türkei reiste, verweigerte man ihm die Rückkehr in die Heimat Ostturkestan (Singkiang). Seither lebt er im niederländischen Den Haag, von wo aus er mit seiner Familie vor allem Tourneen durch die USA und England unternimmt.
Die Musik der Uiguren, die zu den Turkvölkern zählen, präsentierte sich gewissermaßen als Schmelztiegel sämtlicher musikalischer Stile des zentralasiatischen Raums. Die überwiegend pentatonische Musik, die mit Kniefidel, Rebab, Schlangenhaut bespannter Trommel und Gesang erzeugt wurde, schien türkische, russische und chinesische Elemente zu enthalten. In Wahrheit aber, so erklärte Ahmed Kreusch, haben umgekehrt die Uiguren auf alle zentralasiatischen Musikrichtungen eingewirkt.
Das zweitägige Festival lockte auch viele Händler an, die den Innenhof der „Herberge“ in einen morgenländischen Basar verwandelten. Auf Teppichen oder einfach auf der Wiese gelagert, genoss man darüber hinaus bei schönem Wetter allerhand Spezialitäten, die die osmanische Küche reichlich zu bieten hat. Derweil lauschte man Bands wie „Voci di Piante“, „Intizar“ mit dem großartigen Oud-Virtuosen Yakup Kilic oder der Sufi-Rockband „Emerald“. Zu Ende ging der erste Festivaltag mit „Muhabbat Caravan“, der Formation von Sheikh Hassan Dyck (Cello). Gastmusiker waren diesmal die Philippinin Aishenur Saglam, die bereits mit ihrem Sopran im Opernhaus von Manila glänzte.
Gestern dann wurden weitere Spitzenbands wie beispielsweise das Trio Baghdad erwartet, das klassische arabische Musik bietet und sich dem musikalischen Erbe Andalusiens geistig verbunden fühlt.
http://www.ksta.de/html/artikel/1123781751945.shtml
VON MICHAEL THALKEN, 15.08.05, 07:15h
Der Uigure Kamil Abbas war Violinist im Pekinger Sinfonie-Orchester, bevor die Chinesen ihn aus dem Land jagten.
Kall-Sötenich - Weltmusik ist „in“. Immer mehr Labels und Radiosender präsentieren musikalische Formationen aus Ländern, die man nur vom Hörensagen kennt. Denn das Interesse an fremden und exotischen Klängen scheint ungebrochen. Wer aber Musiker aus fernen Ländern hautnah erleben möchte, der muss zuweilen ins Ausland reisen oder zumindest in die großen Metropolen. Es sei denn, er hat das Glück und lebt in der Eifel. Einmal im Jahr, manchmal auch öfter, treffen sich dort im kleinen Eifelort Sötenich Bands aus aller Welt zum „Sufi-Soul-Festival“.
Dank der guten Verbindungen des Haqqani Trust, einer islamischen Sufi-Gemeinschaft in Deutschland, und ihrem in Sötenich residierenden deutschen Oberhaupt, Sheikh Hassan Peter Dyck wurden in die „Osmanische Herberge“ bereits Bands verpflichtet, die auf ihrem Gebiet Weltruhm genießen. Man erinnere sich: Silvester 2002 gastierten dort die „Sabri Brothers“ aus Pakistan. Weitere Tourneeorte der weltbekannten „Quawwali“-Musiker waren neben Sötenich Birmingham, London und Paris!
Hohe Reputation
Am Samstagabend gab eine weitere muslimische Spitzenband ihre Visitenkarte in Sötenich ab: Das „Ensemble Meshrap“ aus Ostturkestan. Die Musiker, die in Deutschland nur Insidern bekannt sein dürften, genießen in ihrem Kulturkreis hohe Reputation. Festival-Organisator Ahmed Kreusch machte die zahlreichen Zuhörer, die sich am frühen Abend im großen Gemeinschaftsraum der „Herberge“ eingefunden hatten, mit den erstaunlichen Lebensschicksalen der Bandmitglieder bekannt: So war Kamil Abbas in China ein bekannter Violinist des Pekinger Sinfonieorchesters. Seine Frau Gülendem genoss überdies hohes Ansehen als Sängerin.
Heute jedoch gibt sie mit ihrem Mann Seminare über uigurische Musik an der Londoner Universität. Denn als Kamil Abbas 1989 in die Türkei reiste, verweigerte man ihm die Rückkehr in die Heimat Ostturkestan (Singkiang). Seither lebt er im niederländischen Den Haag, von wo aus er mit seiner Familie vor allem Tourneen durch die USA und England unternimmt.
Die Musik der Uiguren, die zu den Turkvölkern zählen, präsentierte sich gewissermaßen als Schmelztiegel sämtlicher musikalischer Stile des zentralasiatischen Raums. Die überwiegend pentatonische Musik, die mit Kniefidel, Rebab, Schlangenhaut bespannter Trommel und Gesang erzeugt wurde, schien türkische, russische und chinesische Elemente zu enthalten. In Wahrheit aber, so erklärte Ahmed Kreusch, haben umgekehrt die Uiguren auf alle zentralasiatischen Musikrichtungen eingewirkt.
Das zweitägige Festival lockte auch viele Händler an, die den Innenhof der „Herberge“ in einen morgenländischen Basar verwandelten. Auf Teppichen oder einfach auf der Wiese gelagert, genoss man darüber hinaus bei schönem Wetter allerhand Spezialitäten, die die osmanische Küche reichlich zu bieten hat. Derweil lauschte man Bands wie „Voci di Piante“, „Intizar“ mit dem großartigen Oud-Virtuosen Yakup Kilic oder der Sufi-Rockband „Emerald“. Zu Ende ging der erste Festivaltag mit „Muhabbat Caravan“, der Formation von Sheikh Hassan Dyck (Cello). Gastmusiker waren diesmal die Philippinin Aishenur Saglam, die bereits mit ihrem Sopran im Opernhaus von Manila glänzte.
Gestern dann wurden weitere Spitzenbands wie beispielsweise das Trio Baghdad erwartet, das klassische arabische Musik bietet und sich dem musikalischen Erbe Andalusiens geistig verbunden fühlt.
http://www.ksta.de/html/artikel/1123781751945.shtml