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Carlito
16.08.05, 02:31
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Osman I. Ghasi (1258-1326), türkischer Fürst, Begründer der nach ihm benannten osmanischen Dynastie, schuf die Grundlagen des Osmanischen Reiches. Osman, der Sohn von Ertogrul (gestorben etwa 1280), ernannte sich selbst zum Herrscher eines kleinen Staates im Nordwesten Anatoliens und nahm die byzantinischen Städte Eskisehir, Bilecik, Yarhisar und Yenisehir ein. Seine Nachfahren dehnten ihre Herrschaft auf ganz Kleinasien, den Balkan und schließlich auf den gesamten östlichen Mittelmeerraum aus.

Carlito
16.08.05, 02:35
Die Vorstellung, die die bildenden Künste von den Türken vermittelte, unterlag zwischen dem 15. und 19. Jh. einem vielfachen Wandel. Historische Ereignisse und Gegebenheiten spiegelten sich in den Darstellungen von Türken bzw. Orientalen ebenso wie geistesgeschichtliche und kulturelle Entwicklungen.

Das Feindbild im Zeitalter der Türkenfurcht
Die Zeit der Türkenkriege, vor allem das 16. Jh., empfanden die Europäer als eine nicht enden wollende osmanische Siegesserie, während der sich ihre Fürsten nicht zur Gegenwehr aufraffen konnten. Vor allem die Bewohner der Grenzgebiete litten unter den ständigen Angriffen und Überfällen der Osmanen. Doch steigerte sich in ganz Ost- und Mitteleuropa die Türkenfurcht zu einer Art Massenpsychose. Aus dieser Epoche stammt ein von Entsetzen, Not und Ohnmacht geprägtes, hass- und angstverzerrtes Feindbild, das nicht zuletzt der Kriegspropaganda diente. Die in Flugblättern, Chroniken und Kriegszeitungen enthaltenen Holzschnitte charakterisierten die Türken nicht nur als wilde Krieger und grausame Barbaren, sondern gar als unmenschliche Tyrannen, denen keine Gräueltat zu übel war und die blutrünstig mordend durch die Lande zogen, der Menschheit Tod und Elend bringend.

Hinzu kam, dass man die Andersgläubigen nicht nur als Heiden verachtete, sondern in ihnen die Inkarnation des Teufels, den “Erbfeind christlichen Blut und Namens“ sah. Die Türken wurden mit dem Antichristen der Apokalypse identifiziert, der den Weltuntergang ankündigte. Man glaubte, Gott habe diese Geißel als Strafe für den sündigen Lebenswandel der Christen geschickt. Auch Theologen wie Martin Luther (1483-1546) und Erasmus von Rotterdam (1466-1536) schürten die Türkenangst und gaben Hetzparolen aus, einerseits um die weltlichen Mächte zum militärischen Widerstand zu bewegen, andererseits um der Bevölkerung, angesichts des Versagens der ersteren, Gott und Glaube als einzige Rettung verheißende Alternative zu propagieren. So stieg das Verlangen der Menschen zur religiösen Umkehr. Durch Buße und Gehorsam gegenüber der Kirche versuchten sie, die Gnade Gottes zurückzuerlangen. Auch die Bereitschaft zu finanziellen Opfern erhöhte sich, so dass die Regierungen die sog. Türkensteuer zur Finanzierung des Krieges erheben konnten.

Wie die Osmanen wirklich waren, wussten die Europäer nicht, noch interessierten sie sich dafür. Denn, abgesehen von den kriegerischen Begegnungen, gab es noch im 16. Jh. kaum Kontakte. Nur vereinzelt mischten sich Bewunderung - etwa für die Macht der Großherrn - in die Darstellungen, wie sie z.B. zu beobachten ist in den Porträts Gentile Bellinis (1430-1507) oder den Bildern aus der Schule von Paolo Veronese (1528-1588), welche die osmanischen Sultane in Gestalt idealisierter Renaissanceherrscher zeigten. Doch verhinderte das allgemeine Entsetzen eine objektive Betrachtungsweise der fremden Zivilisation.

Bilder des Sieges - Triumph und Spott
Nachdem in den Türkenkriegen Ende des 17. Jh. der Befreiungsschlag gegen die türkische Expansion geglückt war, vollzog sich die Verarbeitung der Kriegserlebnisse und der Angstneurose, welche die Türkengefahr hinterlassen hatte, auch in der bildenden Kunst. Türkenschlachtbilder oder Belagerungsszenen schilderten den Kriegsverlauf. Auch repräsentative Triumphbilder entstanden, in denen die Sieger ihre Taten verherrlichen ließen, und die nun das Heldenzeitalter der zur Großmacht aufgestiegenen österreichischen Monarchie verkündeten. Auf allegorischen oder mythologischen Darstellungen triumphierten Kaiser und Feldherrn, oft in Gestalt von Heroen über besiegte Barbaren, die Tracht und Insignien des osmanischen Reiches als Türken auswiesen. Der einstmals so furchterregende Feind lag oder kauerte gefesselt, manchmal nackt, am Boden.

Die Ereignisse fanden ihren Niederschlag auch in der Volkskunst. Spottschriften - Flugblätter, Zeitungen oder Spielkarten - waren mit Karikaturen von Osmanen illustriert. Hier entluden sich Angst und Hass in Häme und beißender Ironie. An manchen Hausfassaden und Torbögen rufen noch heute die damals entstandenen, manchmal drohend wirkenden, manchmal karikaturartigen Türkenfiguren und -köpfe die Ereignisse in Erinnerung. Auch die Gebrauchskunst, z.B. die Majolika, fand Gefallen an Türkenmotiven. In volkstümlich unverblümter Art wurden angreifende Türkenreiter oder enthauptete Türken wiedergegeben. Das Türkenmotiv gab es auch im Volkslied. Hier wurden die Osmanen gänzlich zur Spottfigur degradiert.

Reiseberichte und Gesandtschaften - Die Entdeckung eines neuen Orients
Im 16. Jh. bahnten sich diplomatische Beziehungen mit dem Osmanenreich an. Diese intensivierten sich im 17. und vor allem im 18. Jh., nach dem Frieden von Karlowitz 1699. Die europäischen Staaten entsandten nun Botschafter oder sogar ständige Vertreter an den Bosporus. Auch Reisende und Künstler brachen zu Erkundungsfahrten ins Osmanische Reich auf. Ihre Berichte enthielten Informationen über den Lebensstil und bildliche Darstellungen aus dem Alltag der Osmanen. Diese wurden im Westen mit Neugier und zunehmender Begeisterung aufgenommen. Ein neues Interesse für die Kultur des ehemaligen Feindes erwachte. Zum regelrechten Bestseller entwickelten sich die postum publizierten Briefe von Lady Mary Wortley Montagu (1689-1762), der Frau des englischen Botschafters von Georg I. (reg. 1714-1727) in Konstantinopel, die in den höchsten Kreisen der osmanischen Gesellschaft verkehrte. Gerne gelesen wurden auch bebilderte Reportagen, die mehr oder weniger authentische Darstellungen aus dem türkischen Volksleben zeigten, so die “Wolgerissenen vnd Geschnittenen Figuren ... sampt schönen Türckischen Gebäuden vnd allerhand was in der Türckey zu sehen“ von Melchior Lorch (1527-1583), der im Gefolge des habsburgischen Legaten Ogier Ghiselin de Busbecq (1522-1592), nach Konstantinopel gekommen war. Oder die “Orientlische Reyß“ des habsburgischen Gesandten Hans Jacob Breuning von Buchenbach (1618), die mit Zeichnungen des Malers Cornelis de Bruyn (1652-1727) versehen war.

Daneben fanden Kostümbücher, die sich mit der Kleidung der Osmanen, vor allem der Haremsdamen, befassten, bei Europas Adel reißenden Absatz. Teilweise dokumentarisch genau, bedienten sie doch auch die Freude der Europäer am Exotischen, Fremden und Kuriosen. Das berühmteste trachtenkundliche Werk war der nach seinem Auftraggeber Marquis Charles de Ferriol (1652-1718), einem Botschafter Ludwigs XIV. (reg. 1643-1715), benannte und 1713 in Paris erschienene Recueil Ferriol. Die Kupferstichfolge stellte die Bewohner des Osmanischen Reiches vor: Sultan, Würdenträger, Militärs, Haremsdamen, sogar das einfache Volk und seine Berufe. Dieses in Bezug auf die türkendarstellungen bedeutendste Werk des 18. Jh. besaß überragenden Einfluss auf die Malerei, das Kunstgewerbe und die Mode der Epoche. Der Künstler des Recueil Ferriol, Jean-Baptiste Van Mour (1671-1737), lebte 38 Jahre in Konstantinopel. Dort arbeitete er für den großherrlichen Hof und erlangte sogar Zugang zum Serail. Als Augenzeuge malte er sachlich-detailgetreue Bilder vom Hofleben, aber auch Alltagsdarstellungen und Genreszenen aus dem Leben der Frauen.

Das 18. Jh. - Die Zeit der Türkenmode
Im Verlauf des 17. und vor allem im 18.Jh., während der länger andauernden Friedenszeiten, mündete das Interesse der Europäer am Orient in eine schwärmerische Begeisterung, die Turkomanie. Zu diesem Wandel der Auffassung gegenüber den Osmanen bzw. Orientalen trug in nicht unerheblichem Maße die Aufklärung bei. Gelehrte und Philosophen erforschten die morgenländische Kultur und zogen die bislang postulierte geistige Überlegenheit Europas ihr gegenüber in Zweifel. Sie wiesen auf kulturelle Ähnlichkeiten und gemeinsame ethische Ideale hin. Die Ideen von Toleranz, Emanzipation und Kosmopolitentum führten zu einer differenzierteren Vorstellung über die Türken und den Islam. Man begann, sich von alten Vorurteilen zu lösen. Voltaires (1694-1778) Schrift über Muhammad war sogar - wenn auch nicht ohne Boshaftigkeit - dem Papst gewidmet. Die zeitgenössische Literatur, vor allem das Theater, aber auch die Libretti der Opern, applizierten nun auch positive Klischees auf die Orientalen, Eigenschaften wie Güte, Toleranz und Glaubensstärke. Die Türken verkörperten hier oft das Ideal des aufgeklärten, um das Wohl seiner Untertanen bekümmerten Souveräns, des milden und gerechten Herrschers. Berühmtestes Beispiel sind die Charaktere aus Mozarts Oper “Die Entführung aus dem Serail“. Diese Turkophilie, die Begeisterung für türkische Kultur und orientalische Sitten, artikulierte sich auch in der Kunst. Erscheinungsformen der Turquerie sind in all ihren Bereichen, z.B. in der Architektur und Innenraumgestaltung, der angewandten Kunst, der Plastik und vor allem der Malerei, zu beobachten. Im höfischen Ambiente galt die Türkenmode als besonders chic. Man feierte sogar türkische Feste und erschien dort in ebensolchen Kostümen.

In der Malerei herrschte in dieser Epoche ein gänzlich anderes Türkenbild vor. Neben Porträts von - hauptsächlich vornehmen Orientalen - traten nun neue Türkendarstellungen mit exotischer Thematik. In heiteren Szenen bevölkerten galante Osmanen vom Typus des “Turc genereux“ oder “Turc amoureux“, kaffeetrinkend oder kokett ihre Favoritinnen umgarnend, einen eher europäischen Phantasieorient. Die Künstler inszenierten türkisches Leben im Geschmack der Zeit und im Sinne der aristokratischen Verspieltheit und Vorliebe für das Dekorative. Berühmte Türkenbilder dieser Art befanden sich im Chateau Bellevue der Marquise de Pompadour (1721-1764) oder im “boudoir turc“ Marie Antoinettes (1755-1793) im Schloss von Fontainebleau.

Porträts à la turque
Ab den 30er und 40er Jahren des 18. Jh., als die osmanischen Gesandtschaften in Paris und Berlin die Türkenbegeisterung noch verstärkten, war es in der Oberschicht en vogue, sich in türkischer oder vielmehr pseudo-türkischer Tracht porträtieren zu lassen. Einer der berühmtesten Maler dieses Genres war der “peintre turc“ Jean-Etienne Liotard (1702-1789).

Orientalismus und Exotismus im 19. Jh.
Im späten 18. und 19. Jh. erfuhr das Türkenbild - der Türke stand nun als Synonym für den Orient, für orientalische Kultur und Lebensart schlechthin - eine erneute Umdeutung. Die Epoche des Orientalismus und Exotismus gab sich ganz der Faszination des Fremden hin. Doch entwarf sie ein quasimythisches Bild vom Orient, voller Klischees und Stereotypen, die dazu dienten, das Fremde den eigenen Vorstellungen zu unterwerfen oder entsprechend umzubilden. Indem man den Orientalen vor allem Irrationalität, Sinnlichkeit, eine gewisse Dekadenz, den Hang zur Ausschweifung, aber auch Grausamkeit unterstellte, wurde auf den Überlegenheitsanspruch der eigenen Kultur verwiesen. Zugleich imaginierte man einen Orient, der ausschließlich als exotische Kulisse für die eigenen verdrängten und gesellschaftlich nicht akzeptablen Wünsche und Sehnsüchte fungierte. Vor allem der mit Polygamie assoziierte Harem wurde im Abendland zum Sinnbild von Erotik und freier Liebe schlechthin. Ein weiteres Thema der Türkenbilder des 19. Jh. war die orientalische Prachtentfaltung, der unermessliche Reichtum und märchenhafte Luxus des Orients.

Carlito
16.08.05, 02:38
Den Auftakt offizieller kultureller Beziehungen zwischen dem Osmanischen Reich und Europa bestimmte Sultan Mehmet II., der Eroberer (1451-1481): 1479 nämlich, im gleichen Jahr als eine der vielen kriegerischen Auseinandersetzungen mit Venedig endeten, ersuchte der Bezwinger Konstantinopels die Seerepublik um Entsendung eines fähigen Porträtisten. Auf keinen Geringeren als Gentile Bellini fiel die Wahl, der schon bald nach Konstantinopel aufbrach und dem weltoffenen Herrscher ein Jahr lang diente.

Ausprägungen der Türkenmode
Dieser kulturelle Auftakt mit einem Porträtisten ist bezeichnend für die späteren Türkenmoden, die im Gegenzuge im Europa des 17. und 18. Jahrhunderts Furore machten. Zu einem wahren Moderenner nämlich wurden Porträts von Europäern im türkischen Kleid. Hoffähig wurden diese Bildnisse durch die Marquise de Pompadour, die sich in den 1750ern gleich in drei Gemälden für ihr Schlafzimmer als Sultanin porträtieren ließ. Mehrere Porträts in Kleidern "à la turque“ existieren auch von Lady Montagu, der Gattin des englischen Gesandten in Konstantinopel. Selbst Kaiserin Maria Theresia ließ sich in den Jahren zwischen 1743-45 in Wien im türkischen Gewand malen.

Illustrierte Reisebeschreibungen von Kaufleuten und Diplomaten, kostbare Handelswaren wie Gewürze, Seidenstoffe und Tulpen und Bildquellen von Künstlern hatten bereits seit dem 15. Jahrhundert die Gemüter der Europäer beschäftigt. Nach dem Sieg über das Osmanische Reich 1683 vertieften sich die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen. Die Bewunderung, die man von nun an den Osmanen entgegenbrachte, galt vor allem den kostbaren und mit größter Vollendung gefertigten Erzeugnissen des Kunsthandwerks, die in Gestalt von Waffen, Alltagsgegenständen und Schmuck noch während der kriegerischen Auseinandersetzungen für die sogenannten "Türckischen Cammern“ in reger Sammeltätigkeit zusammengetragen worden waren. Die aufkommende Türkenmode begnügte sich nicht allein mit dem Sammeln von "Orientalica“, sondern bemühte sich um deren wirkungsvolle Präsentation. Dem Türkenmotiv konnte man in mannigfaltigen Ausformulierungen begegnen: Wachsfiguren wurden in orientalische Gewänder gekleidet, höfische Turniere und Umzüge nahmen bereits seit den 1540er Jahren türkische Motive auf, bei der Produktion europäischer Waffen erlebten orientalisierende Motive im späten 16. Jahrhundert eine große Blüte und Architekten rezipierten bei der Gestaltung von Fassaden und der Innenausstattung die osmanische Baukunst oder schufen „Türckische Palais“. Türkische Motive wurden dabei gelegentlich unbekümmert mit solchen aus anderen fernen Ländern vermischt. Bis nach Venedig, von wo aus Bellini einst nach Konstantinopel aufgebrochen war, reichte die künstlerische Formensprache der Osmanen - seit dem 14. Jahrhundert entwickelte sich hier eine eigene Seidenindustrie, die orientalische Stoffe nachahmte. Große Mode waren im Italien des 16. Jahrhunderts außerdem mit Arabesken geschmückte Bucheinbände von türkischen oder einheimischen Künstlern. Aber auch in der Literatur wurden die Osmanen rezipiert. So erschienen die "Lettres persanes“ von Montesquieu 1721 und 1742 der Roman "Mahomet“ von Voltaire.

Einen Höhepunkt erlebte die Turquerie in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. In Paris, Wien und Berlin trafen osmanische Gesandtschaften ein, deren prachtvolle Empfänge die Vorstellung eines märchenhaften und reichen Orients unterstützte. Eine herausragende Stellung hatte bei der Rezeption des Orients Frankreich, wo im 17. Jahrhundert Stoffe "de façon orientale“ von Türken hergestellt wurden. Große türkische Gesandtschaften waren auch hier – 1715 und 1721 in Paris und 1742 in Versailles zu Gast. Der eigentliche Anlass für die Beliebtheit der Portraits "à la turque" war der türkische Gesandte Said Pascha, der sich von dem Gesellschaftsmaler Jacques André Joseph Aved (1702-1766) malen ließ. Aved wurde fortan von hochgestellten Persönlichkeiten, Diplomaten und Reisenden zum begehrten Maler für Porträts im türkischen Gewand auserkoren. Doch nicht nur in Frankreich, in ganz Europa stoßen wir auf solcherlei Bildnisse. Bedeutenden Anteil daran hatte der Maler Jean-Etienne Liotard (1702-1789), der als reisender Maler in ganz Europa mit Porträtaufträgen, darunter auch mit zahlreichen für türkische Kostüme, geradezu überhäuft wurde und bald als "le peintre turc“ in die Geschichte einging. Liotard hielt sich selbst einige Jahre in Konstantinopel auf, wo er vor allem Aufträge von den dort lebenden Engländern erhielt. Von ihm, der sich nach seiner Rückkehr nach Europa selbst türkisch kleidete, stammt auch das "Bildnis der Mary Countess of Coventry in türkischem Gewand“.

"Türkenverehrung"
Doch auch einen ganz anderen Grund als die Türkenbegeisterung hatte die orientalische Formensprache in Europa in früheren Jahrhunderten. Seit dem Waffenstillstand von 1547 musste der kaiserliche Hof in Wien im Rahmen der sogenannten "Türkenverehrung“ jährliche Tributleistungen an die Hohe Pforte in Konstantinopel leisten. Finanzielle Leistungen in beträchtlichen Höhen aber auch Gold- und Silberarbeiten, kostbare Textilien und seltene Rohstoffe sollten vom Reichtum und der Kunstfertigkeit westlicher Länder künden. Mechanische Räderuhren und Automaten mit ihren komplizierten Mechanismen und ihrer vollendeten Kunstfertigkeit boten sich zu diesem Zwecke hervorragend an. Bevorzugte Motive waren Tiere, aber auch christliche Themen zu religiösen Erbauung. Da diese Motive wohl kaum das Interesse der Hohen Pforte geweckt haben mochte, wurden eigens für die obligatorischen Lieferungen an den Sultan und dessen Würdenträger besonders in Augsburg und Nürnberg zahlreiche Uhren und Automatenwerke mit Türkenfiguren gefertigt. Die das Leben imitierenden Funktionen der mechanischen Uhren - Augenrollen und Kopfnicken, Beinbewegungen und Heben des Streitkolbens beim Stundenschlag - waren von ganz besonderem Reiz, wie etwa bei der Automatenuhr in Gestalt eines reitenden Paschas, die 1580 in Süddeutschland gefertigt wurde und im Historischen Museum in Basel zu sehen ist.

Porzellanproduktion
Ein großer Bereich der Turquerie ist das Porzellan, das aufgrund seines schwierigen Herstellungsverfahrens und seiner Fragilität einen legendären Ruf genoss. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts waren zahlreiche deutsche und europäische Manufakturen in der Lage, diesen schwierigen Werkstoff chinesischen Ursprungs herzustellen. Da bei den Osmanen das Porzellan ein begehrtes Sammelgut und Gebrauchsgeschirr war, ergab sich nun die Möglichkeit, nicht mehr die langen und teuren Transportwege nach China in Kauf zu nehmen, sondern preiswerteres Porzellan aus den europäischen Manufakturen zu beziehen. Diese versahen das Exportgut meist mit pseudochinesischen Zeichen, um dem begehrten Porzellan eine chinesische Anmutung zu verleihen. Um den Vorstellungen europäischer Käufer zu entsprechen, wurden zahlreiche Figuren und Gefäße mit türkischen Dekoren hergestellt. Der französische Botschafter in Konstantinopel, Marquis Charles de Ferriol, beauftragte ein Stichwerk, das in einer Folge von 100 Gemälden einen Einblick in die osmanische Welt geben sollte. Jean-Baptiste Vanmour (1671-1737) malte die Mitglieder des türkischen Hofes, um die Gemälde anschließend in Paris stechen zu lassen. Der "Recueil Ferriol“ versammelt Darstellungen von den Würdenträgern bis hin zum einfachen Volk und wurde bald zum Nachschlagewerk für ganze Manufakturen. Gegen Ende der 1740er Jahre wurden in Meißen die ersten Porzellanfiguren nach diesen Stichen gefertigt. Dem großen Umfang des "Receuil Ferriol“ ist es zu verdanken, dass ganze Nationalitätenserien angefertigt wurden. Die Auswahl der Figuren erfolgten nach dekorativen Gesichtspunkten, die exotische Wirkung der Kostüme war dabei von besonderem Interesse. Porzellanfiguren mit türkischen Trachten, die mitunter für das Schachspiel hergestellt wurden und Nippes in orientalischer Manier sind typische Zeugnisse der Türkenbegeisterung und erfreuten sich an den europäischen Höfen großer Beliebtheit.

Turquerie bei Hofe
Dass die Turquerie und Orientrezeption vor allem eine Domäne derer war, die nie den Orient sahen und ihm vielmehr ein imaginiertes Interesse entgegenbrachten oder zu politischen Zwecken nutzten, zeigt sich ebenfalls bei Hofe. Die über Jahrhunderte anhaltende Faszination, die von den Osmanen ausging, speiste sich aus einem breiten Spektrum von Vorstellungen. Diese reichten vom Türken als den grausamen barbarischen Christenfeind über den bewunderungsgwürdigen Krieger, den kultivierten und kunstsinnigen Exoten bis hin zum erotischen Orientalen. Die Aktivitäten zu Hofe spiegeln die wandelnde Interpretation osmanischer Kultur aus europäischer Sicht. Solange von den Osmanen eine reale Bedrohung ausging, waren die Inszenierungen geprägt von einer ambivalenten Haltung aus Furcht und Bewunderung. In Scheingefechten und triumphalen Turnieraufzügen galt es, militärische Siege über die Osmanen vorzuführen und zu feiern oder aber ein weniger ruhmreicher Kampf zu beschönigen. Die Waffenspiele erlaubten es zudem anstehende Schlachten mit den Osmanen siegreich vorwegzunehmen und als politische Propaganda zu nutzen. Besonders beliebt war das Lanzenstechen nach Türkenfiguren und -köpfen aus Holz oder Pappmaché. Sowohl bei Hofe als auch im kleinbürgerlichen und bäuerlichen Milieu galt das "Türkenkopfstechen“ als willkommene Gelegenheit, die Osmanen stellvertretend zu besiegen. Das Türkenkopfrennen lässt sich von der auf osmanischer wie auf europäischer Seite gleichermaßen übliche Praxis herleiten, den Kopf des Feindes als Trophäe und Beweis des Sieges zu verwenden. Ein als "Carusel“ bezeichnetes Mannschaftsspiel, das offenbar eine militärische Übung osmanischer Krieger war und der eigenen körperlichen Ertüchtigung diente, wurde vornehmlich in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts gespielt. Hier galt es, in einer Verfolgungsjagd den gegnerischen Spieler mit einem Wurfstock oder -spieß zu treffen. Die Reitergruppen traten in der Regel in Türken- oder Mohrenverkleidung an und beschossen sich mit Pfeilen, die mit Schilden abgewehrt wurden. Nach dem Frieden von Karlowitz 1699 und dem Abnehmen der Türkenbedrohung wich das Bild vom feindlichen Osmanen zunehmend der Vorstellung eines Orients mit ausschweifenden Genuss- und Sinnenfreuden. In galanten Verkleidungsfesten waren fortan türkische Maskeraden schick.

Die schwärmerische Faszination für den exotischen Orient im höfischen Bereich fand ihren Höhepunkt in den Hochzeitsfeierlichkeiten zur Vermählung des sächsischen Kurprinzen Friedrich August II. mit der österreichischen Erzherzogin Maria Josepha im Jahre 1719. Für das Hochzeitsfest ließ August der Starke, das dafür vorgesehene Palais umgestalten und innen auf "türckische Art“ ausgestalten. "Türckische Sachen“, zumeist Goldschmiedearbeiten, wurden zur Ausschmückung herbeigeschafft. In Anlehnung an die osmanischen Elitetruppen, wurden Janitscharen als Festgarde aufgestellt. Für die Feierlichkeiten wurden 315 Infanteristen ausgesucht, die jung, ansehnlich, von gleicher Höhe sein sollten und sich einen "moustache à la Turque“ wachsen lassen mussten. Das türkische Fest begann mit dem Aufmarsch der Janitscharen und dem Spiel ihrer Musik. Zuvor war Maria Josepha bei ihrer Ankunft mit dem Schiff vor Dresden mit türkischer Pracht feierlich empfangen worden – der König hatte eigens neun "vortreffliche Türckische Gezelte“ aufstellen lassen. Zur Aufwartung und Bedienung bei der abendlichen Tafel, die die Form eines Halbmonds hatte, waren nur Personen in türkischer Kleidung zugelassen. Zu den geladenen Gästen gehörte auch der türkische Großbotschafter, der im Gefolge von zehn Osmanen erschien.

Ausblick ins 19. Jahrhundert
Das europäische Bild vom Osmanischen Reich war im 18. Jahrhundert, so scheint es, mehr geprägt von Moden als von Politik. Bis ins 19. Jahrhundert fanden orientalisierende Motive ihre Ausprägung in Literatur, Musik, Theater und gesellschaftlichem Leben. Die Auseinandersetzung mit dem Orient und anderen außereuropäischen Kulturen war dennoch am Ende des 19. Jahrhunderts nicht mehr länger nur eine Modeerscheinung, sondern ebnete neue Wege in der europäischen Kunst und bedeutete eine grundlegende Erneuerung ästhetischer Maßstäbe. Eine ausgeprägte Reisetätigkeit und die Erfindung der Fotografie regten fortan die Phantasie vo der "weiten Welt" an. Panoramabilder von Istanbul zählten bald zu den beliebtesten touristischen Souvenirs des östlichen Mittelmeerraumes.

Carlito
16.08.05, 02:43
türkisches Reich (1291-1922), das sich auf dem Höhepunkt seiner Macht über drei Kontinente erstreckte, von Ungarn im Norden bis nach Aden im Süden und von Algerien im Westen bis zur iranischen Grenze im Osten. Den Mittelpunkt bildete das Gebiet der heutigen Türkei. Mit dem Vasallenstaat Krim dehnte sich das Osmanische Reich bis zur Ukraine nach Südrussland aus. Begründer des Reiches und der Herrscherdynastie ist Osman I. Ghasi.

Expansion des Osmanischen Reiches

Der erste osmanische Staat ging als Sultanat aus einem der vielen unbedeutenden Nachfolgestaaten des ehemaligen Reiches der Rum-Seldschuken in Kleinasien hervor. Die geographische Lage ermöglichte es dem Gründer der osmanischen Dynastie, die Schwäche des Byzantinischen Reiches auszunutzen und reiche Beute bei Überfällen auf christliches Gebiet zu machen. Dieser Umstand führte dazu, dass Tausende turkmenischer Nomadenkrieger sowie viele vor den Mongolen flüchtende Araber und Perser in seine Dienste traten. Der Aufstieg des vom Islam geprägten Osmanischen Reiches ist eng verbunden mit der Anziehungskraft die dieser Staat auf die Ghasis, die Kämpfer des Heiligen Krieges (Jihad), ausübte, die sich den Osmanen anschlossen, weil diese die führende Rolle im Kampf gegen das christliche Byzantinische Reich im Westen übernahmen. Osmans Eroberungen wurden durch seinen Sohn Orhan fortgesetzt, der 1326 die Provinzhauptstadt Bursa einnahm und es zur neuen Hauptstadt machte. Traditionell war es die Politik der Osmanen, das Reich mit militärischer Gewalt nur auf das Gebiet christlicher Staaten im Westen auszudehnen, jedoch nicht mit Gewalt gegen die turkmenischen Fürstentümer vorzugehen. Der friedliche Erwerb von in turkmenischem Besitz befindlichen Landes durch Kauf, Heirat oder Stiftung von Unfrieden unter den herrschenden Dynastien wurde dagegen als Mittel zur Expansion des Reiches akzeptiert. Auf diese Weise konnten die Osmanen große Gebiete im Westen Anatoliens ihrem Reich angliedern.

1354 eroberten sie Ankara im Zentrum Anatoliens. Im selben Jahr besetzten die Osmanen Gallipoli (Gelibolu) auf der europäischen Seite der Dardanellen, welches den Ausgangspunkt für ihren anschließenden Vorstoß nach Südosteuropa bildete. 1361 nahmen sie Adrianopel (Edirne) ein, das zur neuen Hauptstadt wurde. 1389 besiegte Murad I. die Serben in der Schlacht auf dem Amselfeld, die Osmanen nahmen Thrakien, Makedonien und einen großen Teil von Bulgarien und Serbien ein.

Die Niederlage gegen den Mongolenfürsten Timur-i Läng (1402) erwies sich nur als vorübergehender Rückschlag für die Osmanen, die ihr Reich umgehend wieder aufbauten, festigten und ausdehnten. 1453 eroberte Sultan Muhammad II. Konstantinopel (Istanbul) und machte es zur dritten Hauptstadt des Osmanischen Reiches. Die Welle der Eroberungen setzte sich während des ganzen 16. Jahrhunderts fort. Unter Sultan Selim I. (dem Strengen) wurden die Safawiden aus dem Iran besiegt (1514), das Reich wurde zudem um Ostanatolien erweitert. 1516 und 1517 wurden die Mamelucken in Syrien und Ägypten geschlagen und ihre Gebiete annektiert. Neben den Besitztümern der Mamelucken eigneten sich die Osmanen auch die heiligen Stätten in Arabien an. Die Mamelucken mussten ihren Anspruch auf das Rote Meer und den Indischen Ozean abtreten. Selims Sohn und Nachfolger Süleiman II., der Große, (auch der Prächtige) wird als der mächtigste aller osmanischen Herrscher angesehen. Während seiner Herrschaft wurde der Irak (1534) dem Reich eingegliedert, und die Kontrolle über den östlichen Mittelmeerraum wurde gefestigt. Durch die Annektion von Algier und Überfälle von Piraten der osmanischen Barbareskenstaaten drangen die Osmanen bis in den westlichen Mittelmeerraum vor. Süleiman führte osmanische Truppen weit nach Europa hinein: Belgrad wurde 1521 erobert, die Ungarn in der Schlacht bei Mohács (1526) geschlagen. 1529 blieb die Belagerung Wiens durch Süleiman erfolglos.

Staats- und Gesellschaftsstruktur des Osmanischen Reiches

Mit den Eroberungen von Süleiman II., dem Prächtigen, erreichte das Osmanische Reich seinen Höhepunkt. Er ließ die Regelung des Sozialwesens, der Verwaltung und der Regierung, die sich seit dem 14. Jahrhundert immer weiter entwickelt hatten, kodifizieren und schuf so die Grundlage für das bis zum Ende des Reiches geltende osmanische Recht. Aus diesen Gesetzessammlungen geht hervor, dass die Gesellschaft in eine führende osmanische Oberschicht und in eine Klasse von Untertanen (Rajahs), die „behütete Herde" des Sultans, gegliedert war.

Das grundlegende Recht des Herrschers bestand darin, über die Reichtümer des Landes zu bestimmen. Der Sultan verteilte sie auf administrative und wirtschaftliche Einheiten und übertrug deren Verwaltung seinen Vertretern, die ebenfalls das Recht zum Einzug der anfallenden Steuern hatten. Diese Beamten wurden als „Sklaven" des Sultans betrachtet; da jedoch Sklaven in der Gesellschaft Vorderasiens den sozialen Status ihrer Herren erwarben, stiegen sie zur eigentlichen Herrscherschicht in der osmanischen Gesellschaft auf. Ihre Macht war begrenzt auf Funktionen, die mit der Verwaltung der Reichtümer des Reiches sowie mit der Ausweitung und Verteidigung der sozialen Stellung, die dies ermöglichte, zu tun hatten.

Um diese Funktionen wahrnehmen zu können, wurde die Oberschicht in vier grundlegende „Institutionen" oder Fraktionen unterteilt: Die imperiale Fraktion, verantwortlich für den so genannten Innen- oder Palastdienst, kümmerte sich um den Haushalt des Sultans, während der „Außendienst", die Ministerien, die einem Großwesir als regierendem Stellvertreter des Sultans unterstanden, die Staatsgeschäfte leitete.

Die wichtigste Institution des osmanischen Staates war die Armee. Die ersten Truppen der Osmanen bestanden aus der türkischen Kavallerie (spahis). Je mehr Land erobert wurde, desto umfangreicher war der Sold, den die türkisch-muslimischen Glaubenskrieger bekamen. Die leicht bewaffneten Reiter reichten jedoch für eine effektive Kriegsführung nicht aus. Ab Mitte des 14. Jahrhunderts begannen die Osmanen, Söldnertruppen (aus z. B. Sklaven und Kriegsgefangenen) zu rekrutieren. Ab dem 15. Jahrhundert wurden christliche Jugendliche (devshirme) aus dem Balkan eingezogen. Aus diesen Truppen (Kapikulli) gingen die Janitscharen hervor. Diese trugen wesentlich zu den militärischen Erfolgen der Osmanen seit dem Ende des 15. Jahrhunderts bei.

Der osmanische Verwaltungsapparat war auf die Bedürfnisse der Truppen zugeschnitten. Die Provinzen bestanden aus Militärbezirken. Hauptaufgabe der Beamten war es, die Timariots (zum Kriegsdienst Verpflichtete) für die Feldzüge einzuberufen. Ein Aufgabenschwerpunkt der Zentralverwaltung lag darin, für die finanziellen Mittel und die Verpflegung der Kapikulli zu sorgen. Straßen und Brücken wurden für die Truppenbewegungen gebaut.

Die religiös-kulturelle Fraktion vergab unter den muslimischen Untertanen des Sultans religiöse Führungsämter und trug die Verantwortung für das Bildungs- und Rechtswesen. Muslimischen Beauftragten oblag die Rechtspflege. Wichtige Positionen wurden dabei von den Kadis besetzt, denen die Kommunalverwaltung und das Strafrecht unterstand. Die Verwaltung bediente sich der türkischen Sprache, die in arabischer Schrift geschrieben wurde.

Die herrschende Klasse bestand aus zwei rivalisierenden Gruppen: (1) muslimische Turkmenen, Araber und Iraner, die im 14. und 15. Jahrhundert zusammen die türkische Oberschicht des Osmanischen Reiches stellten, und (2) christliche Kriegsgefangene und Sklaven, die angeworben, zum Islam bekehrt und nach dem berühmten Dewschirme-System (Knabenlese) ausgebildet wurden. Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts übernahm letztere Gruppe die Führungsrolle und beherrschte die ehemalige Oberschicht.

Die Bevölkerung des Osmanischen Reiches war hinsichtlich Sprache, Kultur und Religion heterogen. Die Mehrheit der Bevölkerung in den europäischen Provinzen stellten Christen der orthodoxen Kirche. In Thrakien, Makedonien, Bulgarien, Bosnien und Albanien verbreitete sich allerdings der Islam. In den asiatischen Provinzen bildeten Muslime die Mehrheit der Bevölkerung, viele von ihnen waren Anhänger des Sufismus. Der Staat ließ den Religionsgemeinschaften bei der Regelung ihrer Angelegenheiten freie Hand. Die Bevölkerung war in Religionsgemeinschaften (Millets) sowie in wirtschaftlichen und sozialen Gilden und Zünften organisiert. Die jüdischen, griechisch-orthodoxen, armenischen, gregorianischen und muslimischen Millets sowie die später hinzukommenden römisch-katholischen, protestantischen und bulgarisch-orthodoxen Millets erhielten eine gewisse religiöse und kulturelle Autonomie zugebilligt. Das Gros bildeten die bäuerliche Landbevölkerung, etwa 15 Prozent waren Stadtbewohner. Außerdem standen viele Nomaden und Halbnomaden unter osmanischer Herrschaft.

Die ersten drei Jahrhunderte des Osmanischen Reiches waren eine Zeit des Wohlstands, der sich in der Entfaltung einer reichen Kultur widerspiegelte: in der türkischen Musik und Literatur (Geschichte, Geographie und Poesie), in der Malerei und vor allem in der Architektur, deren hohe Kunst sich vielleicht am besten in der von Sinan erbauten Süleiman-Moschee (Istanbul) bewundern lässt.

Carlito
16.08.05, 02:44
Der Niedergang des Osmanischen Reiches setzte gegen Ende der Regierungszeit von Süleiman II. ein und dauerte bis zum Ende des 1. Weltkrieges an. Von offizieller Seite wurde auf den Verfall des Reiches mit zwei unterschiedlichen Vorgehensweisen reagiert. In der Zeit der traditionellen Reform (1566-1807) gingen die Bestrebungen in Richtung einer Wiederherstellung der alten Institutionen, während in der Zeit der modernen Reform (1807-1918) die alten Institutionen aufgegeben und neue, aus dem Westen kommende Vorbilder übernommen wurden.

Die Gründe des Verfalls

Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts kontrollierten die Sultane sowohl die türkische Aristokratie als auch die durch das Dewschirme-System zum Islam bekehrten Christen und deren Nachkommen durch eine ausgeklügelte Balance der Macht, bei dem beide Gruppierungen gegeneinander ausgespielt wurden. Unter der Regierung Süleimans gewannen jedoch die Dewschirme die Oberhand und verdrängten die alte türkische Stammesaristokratie aus den Führungspositionen. Zu dieser Zeit begann das Reich auch unter der in einer Ära des inneren Friedens entstandenen Überbevölkerung zu leiden. Die hohe Geburtenrate führte schließlich auf dem Land und in den Städten zu Arbeitslosigkeit, die zudem durch die begrenzten Möglichkeiten des Landerwerbs und eine von den städtischen Gilden durchgesetzte restriktive Wirtschaftspolitik noch verschlimmert wurde. Diese Arbeitslosen schlossen sich häufig zu Räuberbanden zusammen, die Stadt und Land gleichermaßen verunsicherten. Durch die inkompetente, korrupte und ineffektive Regierung wurde die Landwirtschaft vernachlässigt, das Reich litt unter Hungersnöten und Epidemien, und ganze Provinzen fielen unter die Herrschaft örtlicher Feudalherren. Die Untertanen litten stark unter diesen Bedingungen, wurden jedoch von den schlimmsten Auswüchsen durch das System der Millets und der Gilden, die einen Stützpfeiler der Gesellschaft darstellten und bei Bedarf auch Regierungsfunktionen übernahmen, bewahrt.

Die Osmanen zeigten sich aus mehreren Gründen nicht sehr besorgt über den Reichsverfall. Zum einen war Europa für mindestens ein Jahrhundert so stark mit seinen eigenen Problemen beschäftigt, dass es die Schwäche des Osmanischen Reiches nicht wahrnahm und auch nichts unternahm, um aus dieser Situation Vorteile zu ziehen. Zum anderen profitierte der Großteil der herrschenden osmanischen Klasse von dem Chaos im Land. Und schließlich nahmen die Osmanen die Veränderungen, die Europa um vieles mächtiger als zuvor werden ließen, nicht bewusst wahr. Sie gingen nach wie vor davon aus, dass die islamische Welt dem christlichen Europa noch immer weit überlegen sei. Unter diesen Bedingungen sah die herrschende Klasse keinerlei Veranlassung, Veränderungen vorzunehmen oder Reformen durchzuführen.

Nach einer gewissen Zeit begannen die Mächte Europas jedoch das Ausmaß des inneren Verfalls des Osmanischen Reiches zu begreifen und daraus Nutzen zu ziehen. 1571 drang die Flotte der Heiligen Liga unter Don Juan de Austria in den östlichen Mittelmeerraum vor und zerstörte die osmanische Flotte in der Seeschlacht bei Lepanto. Dieser Niederlage begegneten die Osmanen mit dem Bau einer vollständig neuen Flotte, die sie in die Lage versetzte, die Kontrolle des Mittelmeerraumes für ein weiteres halbes Jahrhundert zurückzugewinnen. Trotzdem setzte sich in Europa die Ansicht durch, dass die Osmanen zu besiegen seien. Am Ende des Krieges mit Österreich (1593-1606) musste der Sultan den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches als gleichrangigen Partner anerkennen und die Tributpflicht Österreichs aufheben, was den europäischen Mächten die Schwäche des Osmanischen Reiches noch deutlicher vor Augen führte.

Reformen und Verluste

Erst als das Reich, von dem ihre Privilegien und ihr Reichtum abhingen, von außen bedroht wurde, akzeptierte die führende Schicht die Reformen. 1623 eroberte Schah Abbas I. von Persien Bagdad und den Osten des Irak und schürte eine Reihe turkmenischer Revolten in Ostanatolien. Als Antwort darauf etablierte Sultan Murad IV. erneut die alten Herrschaftsstrukturen und erhöhte damit die Effizienz der herrschenden Klasse und der Armee. Diese so genannten traditionellen Reformen wurden mit der Hinrichtung von Tausenden von Personen, die des Verstoßes gegen islamische Gesetze und Traditionen schuldig befunden wurden, eingeleitet.

In der Folge gelang es, die Perser aus dem Irak zu vertreiben und den Kaukasus zu erobern (1638). Unter Murads Nachfolger setzte jedoch der Niedergang der Zentralautorität wieder ein. Der Türkisch-Venezianische Krieg, der im Seeangriff Venedigs in den Dardanellen seinen Höhepunkt erreichte, führte zum Aufstieg der Köprülü-Dynastie von Großwesiren, die ein weiteres Mal mit den von Murad VI. angewendeten Methoden dem Reichsverfall Einhalt zu gebieten und die ehemalige Macht des Osmanischen Reiches wieder herzustellen versuchten. 1683 unternahm der letzte Großwesir der Köprülü, Kara Mustafa Pascha, einen erneuten Versuch, Wien zu erobern. Nach einer kurzen Belagerung fiel die osmanische Armee jedoch gänzlich auseinander. Diese Tatsache ermöglichte es einer neuen Europäischen Heiligen Liga, Teile des Reiches zu erobern. Nach den Friedensverträgen von Karlowitz (1699) mussten Ungarn und Transsilvanien an Österreich, Dalmatien, der Peloponnes und wichtige ägäische Inseln an Venedig, Podolien und der Süden der Ukraine an Polen sowie Asow und die Gebiete nördlich des Schwarzen Meeres an Russland abgetreten werden.

Landgewinne und weitere Verluste

Selbst in dieser Phase wies das Osmanische Reich jedoch noch genug innere Stärke auf, schlimme Missstände zu beseitigen und durch die Übernahme moderner europäischer Waffen und Taktiken sogar verlorene Gebiete zurückzugewinnen. 1711 zerschlugen die Osmanen einen Angriff des russischen Zaren Peter I., des Großen, und zwangen ihn zur Rückgabe der in Karlowitz verlorenen Gebiete; im Krieg mit Venedig und Österreich (1714-1717) verloren sie dagegen Belgrad und Nordserbien. Dies führte zu einer neuen Zeit der Reformen, genannt Tulpenzeit (1715-1730), während der die osmanische Armee umorganisiert und modernisiert wurde, mit dem Ziel, das Reich vor weiteren Gebietsverlusten zu bewahren. Mahmud I. (1730-1754) setzte während seiner Regierungszeit diese Bemühungen fort und beauftragte den französischen Artillerieoffizier Claude de Bonneval, genannt Humbaraci Ahmed Pascha, ein neues Artilleriekorps nach europäischem Muster aufzustellen. Damit waren die Osmanen im Krieg gegen Russland und Österreich (1736-1739) in der Lage, den Großteil der verlorenen Gebiete in Nordserbien und an der Nordküste des Schwarzen Meeres zurückzuerobern. Anschließend folgte eine Zeit des Friedens zwischen dem Osmanischen Reich und Europa, die in erster Linie darauf zurückzuführen ist, dass die europäischen Staaten in andere Kriege verwickelt waren. Diese Unterbrechung ließ jedoch einmal mehr die herrschende Klasse glauben, dass die Gefahr gebannt sei, und der Reichsverfall setzte schnell wieder ein. In zwei verheerenden Kriegen zwischen 1768 und 1792 (siehe Russisch-TürkischeKriege) zerfiel die osmanische Armee. Bis zum Frieden von Jassy (1792) hatten die Osmanen ihre Gebiete nördlich der Donau verloren und sich von der Krim und den Gebieten östlich vom Dnjestr bis Russland zurückgezogen. In den anderen europäischen Gebieten, in Asien und Afrika waren Herrscher an der Macht, auf die die Zentralregierung nur wenig Einfluss hatte.

Die Ära der modernen Reform

Während des 19. Jahrhunderts verschärfte sich die Gefahr einer Eroberung durch ausländische Mächte noch durch das Entstehen des Nationalbewusstseins der unter osmanischer Herrschaft stehenden Völker. Die nichttürkischen Völker des Reiches forderten ihre Unabhängigkeit und erhielten sie auch nach und nach. Griechenland wurde als erstes Land 1829 in die Unabhängigkeit entlassen. Daraufhin kam es zu Revolten der Serben, Bulgaren und Albanier sowie der Armenier Ostanatoliens.

Die osmanischen Herrscher führten daraufhin Reformen durch (1839-1878), die unte
r dem Namen Tansimat (türkisch: „Umorganisation") bekannt wurden. Das Tansimat wurde unter Mahmud II. geplant und begonnen und erreichte seinen Höhepunkt unter der unumschränkten Herrschaft von Abd ül-Hamid II. (1876-1909). Mahmud II. hatte es sich zum Ziel gesetzt, die alte Armee aufzulösen und durch eine neue Armee nach europäischem Vorbild zu ersetzen. 1826 löste er die Janitscharen und die Armee der Spahis auf. Die Timare wurden 1831 vollständig vom Staat übernommen. Es wurde eine Armee aus Wehrpflichtigen aufgestellt, die durch Steuern finanziert werden sollte. Zur Erhebung der Steuern war allerdings ein größerer, effizienterer Verwaltungsapparat erforderlich. Außerdem war eine entsprechende Ausbildung der Offiziere und Staatsbeamten notwendig. Umfangreiche öffentliche Bauvorhaben zur Modernisierung der Infrastruktur des Reiches wurden in Angriff genommen, neue Städten, Straßen, Eisenbahnen und Telegraphenlinien entstanden. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts nahmen die Osmanen zum ersten Mal verstärkt Kredite im Ausland auf, um die Reformen finanzieren zu können. 1875 war das Reich außerstande, die Zinsen für seine Auslandsschulden zu bezahlen. Moderne landwirtschaftliche Methoden trugen ebenfalls zur erneuten Blüte des Osmanischen Reiches bei. Aber auch restriktive Maßnahmen gegen Minderheiten waren Teil der neuen Politik, die zum Massaker an mehreren Millionen Armeniern in den Jahren 1894 bis 1918 führte (siehe Armenien).

Europäische Interessen

Durch wirtschaftliche, finanzielle, politische und diplomatische Probleme wurden die Tansimatsreformen jedoch schon bald untergraben. Die seit kurzem industrialisierten europäischen Staaten benötigten das Osmanische Reich als Lieferanten billiger Rohstoffe und als Absatzmarkt für ihre Fertigprodukte. Durch die Kapitulationen – Verträge, in denen die Sultane Europäern seit dem 16. Jahrhundert gestatteten, im Osmanischen Reich nach ihren eigenen Gesetzen und unter ihren eigenen Konsuln zu leben – konnten die Europäer die Osmanen daran hindern, Importe aus dem Ausland zu begrenzen und verhinderten so einen wirksamen Schutz der erst im Entstehen begriffenen Industrie. Da die Osmanen weitgehend von Kapital und technischem Wissen ausländischer Unternehmen abhingen, waren sie gezwungen in den letzten Jahren des Tansimats so hohe Anleihen bei europäischen Banken zu tätigen, dass über die Hälfte des gesamten Staatseinkommens von den Zinsen verschlungen wurde. Darüber hinaus stieg in der Bevölkerung der Unmut über die neue moderne Verwaltung.

Eine Gruppe liberal gesinnter Intellektueller mit konstitutionellen Zielen, bekannt unter dem Namen Jungtürken, begann damals, eine Begrenzung der Macht der herrschenden Klasse und der Beamten sowie die Einrichtung eines Parlaments zur Vertretung der Rechte des Volkes zu fordern. Da die Jungtürken von den Führern des Tansimats politisch verfolgt wurden, flohen sie ins Ausland, wo sie ihre Forderungen in Büchern und Flugblättern veröffentlichten. Diese gelangten über die ausländischen Postämter, die unter dem Schutz der Kapitulationsurkunden standen und somit osmanischer Kontrolle entzogen waren, ins Osmanische Reich. Zur gleichen Zeit entstand in den seit kurzem unabhängigen Balkanstaaten eine starke Widerstandsbewegung, die sich die Kontrolle über das Gebiet Makedonien, dessen Bevölkerung zu nahezu gleichen Teilen aus Muslimen und Christen bestand, zum Ziel gesetzt hatte. In Griechenland, Serbien und Bulgarien entstanden Unabhängigkeitsbewegungen, die ihren Forderungen durch Terroranschläge Nachdruck verliehen und eine große Herausforderung für den osmanischen Staat darstellten.

Staatsstreich und Verfassung

Zu diesem Zeitpunkt führten eine neue internationale Krise, ein drohender Krieg mit Russland und Österreich und die konstitutionellen Bestrebungen einer Gruppe von Reformern zum Sturz des Sultans Abd ül-Asis. Nach der kurzen Regierungszeit von Murad V. bestieg Sultan Abd ül-Hamid II. den Thron. Er erließ eine Verfassung und willigte in die Bildung eines repräsentativen Parlaments ein, das 1877 zu seiner ersten Sitzung zusammentrat, aber bald darauf wegen des Krieges mit Russland wieder aufgelöst wurde. Auf dem Berliner Kongress (1878) trug Abd ül-Hamid in Zusammenarbeit mit Großbritannien zu einer Lösung der internationalen Krise bei. Unter dem Eindruck der fortdauernden Bedrohung durch die europäischen Mächte löste Abd ül-Hamid jedoch das Parlament auf und setzte eine autokratische Regierung (1878) ein. Den Beamten wurden die Regierungsvollmachten entzogen, die Macht im Palast konzentriert, jegliche Opposition wurde unterdrückt. Abd ül-Hamid gelang es, finanzielle Stabilität herzustellen und die Wirtschaft anzukurbeln, aber die politische Unterdrückung rief schließlich die liberale Widerstandsbewegung der Jungtürken auf den Plan. Diese setzte die Wiedereinführung von Verfassung und Parlament in einem als Jungtürkische Revolution (1908) bezeichneten Aufstand durch. Der Erfolg des neuen konstitutionellen Regimes wurde jedoch sehr schnell von einer Reihe politischer Ereignisse geschmälert. Österreich annektierte Bosnien und die Herzogewina, Bulgarien gliederte Ostrumelien ein, und in Makedonien und Ostanatolien kam es erneut zu gewaltsamen Terrorakten.

Abd ül-Hamid und seine Anhänger im Palast lasteten diese Probleme dem neuen Regime an und unternahmen im April 1909 eine Konterrevolution (Gegenrevolution). Das Parlament wurde aufgelöst und viele der Abgeordneten verhaftet. Aber die von den Jungtürken angeführte Armee in Makedonien marschierte auf Istanbul, schlug die Konterrevolution nieder und setzte den Sultan ab. Die nachfolgenden osmanischen Herrscher saßen zwar auf dem Sultansthron, hatten jedoch keine Regierungsgewalt mehr.

Die Zeit unter den Jungtürken

Die Jahre zu Beginn der Ära der Jungtürken (1908-1918) waren die demokratischste Zeit in der Geschichte des Osmanischen Reiches. Verfassung und Parlament wurden wieder eingesetzt und politische Parteien zugelassen. Die stärkste Partei war die von den Jungtürken gegründete Partei für Einheit und Fortschritt; daneben entwickelte sich jedoch noch eine Vielzahl anderer Parteien.

Die Reformen der Jungtürken, die alle Lebensbereiche erfassten, erreichten ihren Höhepunkt in der Trennung von Kirche und Staat im Bildungs- und Rechtswesen sowie in der Einführung der Frauenrechte während des 1. Weltkrieges. Der moderne Staatsapparat aus der Tansimat-Zeit wurde auf eine demokratische Basis gestellt, Industrie und Landwirtschaft wurden gefördert und moderne Methoden zur Führung des Staatshaushalts eingeführt. Der erste Balkankrieg führte jedoch zu einer Revolte innerhalb des Ausschusses für Einheit und Fortschritt, worauf ein von Enver Pascha angeführtes Triumvirat versuchte, die Regierungsgewalt zu übernehmen. Es machte sich die Uneinigkeit unter den siegreichen Balkanstaaten zunutze, um Edirne (Adrianopel) im zweiten Balkankrieg zurückzugewinnen, was schließlich zum Gelingen des Staatsstreiches der Jungtürken führte.

Carlito
16.08.05, 02:45
Zu Beginn versuchte das Triumvirat, eine Einmischung in den 1. Weltkrieg zu vermeiden. Aber das Angebot Deutschlands, das Reich bei der Rückeroberung der verlorenen Provinzen zu unterstützen und die Beschlagnahmung türkischer, in England im Bau befindlicher Kriegsschiffe durch die Briten führten das Osmanische Reich letztendlich zum Kriegseintritt an der Seite der Mittelmächte im Jahr 1914. Die türkischen Streitkräfte drängten in der Gallipoli-Kampagne ein ganzes Expeditionskorps erfolgreich zurück und nahmen es in Kut-al-Imara im Irak gefangen. Der Feldzug auf die Sinai-Halbinsel mit dem Ziel der Eroberung des Suezkanals und Ägyptens verlief jedoch erfolglos und endete mit der von den Briten unterstützten arabischen Revolte auf der Arabischen Halbinsel. Eine britische Truppe überfiel mit arabischer Hilfe Syrien von Ägypten aus und hatte gegen Kriegsende Südanatolien erreicht. Der Feldzug Enver Paschas in den Kaukasus am Anfang des Krieges endete weniger wegen der Abwehr russischer Truppen als vielmehr auf Grund seiner schlechte n Organisation und gleichzeitig ausbrechender Aufstände in den Ostprovinzen erfolglos. In der Folge davon konnte Russland in Ost- und Mittelanatolien einfallen (1915-1916), bis diese Eroberungen 1917 durch die Russische Revolution beendet wurden. Die verheerenden Folgen dieser Überfälle aus dem Ausland wurden durch innere Revolten, Lebensmittelknappheit, Hungersnot und Krankheiten noch verschlimmert. Rund sechs Millionen Menschen aller Religionsgemeinschaften, etwa ein Viertel der Gesamtbevölkerung des Reiches, starben oder wurden getötet, und die Wirtschaft des Landes war stark angeschlagen.

Besetzung und Unabhängigkeitskrieg

Nach der Kapitulation des Reiches wurde die türkische Regierung unter die Aufsicht der alliierten Besatzungsmächte unter Führung der Briten gestellt. Auf der Pariser Friedenskonferenz wurde die Abtretung der Balkanprovinzen und der arabischen Provinzen beschlossen, und die vorwiegend von Türken bewohnten Gebiete in Ost- und Südanatolien sollten unter ausländische Kontrolle oder die Kontrolle von Minderheitengruppen kommen. Eine große griechische Streitmacht nahm 1922 Izmir ein und überfiel Südwestanatolien. Nach Bekanntwerden der Massaker an der türkischen Bevölkerung stellten die Alliierten jedoch ihre Unterstützung für Griechenland ein.

In der Folge der vorgeschlagenen Friedensregelung und als Antwort auf die Invasion Griechenlands entstand in Anatolien unter Führung von Mustafa Kemal Atatürk die türkische nationalistische Bewegung. Während des türkischen Unabhängigkeitskrieges (1918-1923) widersetzte sich Atatürk erfolgreich den Bedingungen der Alliierten, verdrängte die griechischen sowie die britischen, französischen und italienischen Besatzungsmächte und setzte eine im Frieden von Lausanne (1923) festgelegte Regelung durch, die der Türkei die uneingeschränkte Kontrolle über die türkischen Gebiete Ostthrakien und Anatolien sicherte. Nach diesem Erfolg wurde die Republik Türkei mit der Hauptstadt Ankara ausgerufen, und das Kalifat des Sultans in Istanbul hörte auf zu existieren (1923).

EFE1987
21.08.05, 18:57
Damalz Lebten Die Richtigen Türken

Gök Türk
21.08.05, 19:14
Damalz Lebten Die Richtigen Türken

Und heute ist die Art "Türke" ausgestorben...

Carlito
21.08.05, 19:20
Su cocukla urasmasaniz olmuyormu?

LAZ
21.08.05, 19:52
Und heute ist die Art "Türke" ausgestorben...Eigenartig...wi e leugnen selbst unsere Identität...sind wir jetzt in Wirklichkeit Bergkurden oder Berggriechen?:p

Gök Türk
21.08.05, 20:03
Eigenartig...wie leugnen selbst unsere Identität...sind wir jetzt in Wirklichkeit Bergkurden oder Berggriechen?:p

Ich würde auf ein Gemisch tippen...

@EFE

Nimm mir das nicht übel, das war nur ein Scherz ;)