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DeLaHoya
17.08.05, 20:42
das taz-dossier 3

Keine Geiseln der Geschichte

Deutsche Kolonialherrschaft ist bloß eine Episode, denken viele. Das Dritte Reich zeigt: Dauer sagt nichts über Intensität

VON JÜRGEN ZIMMERER
Man stelle sich vor, ein angehender Romancier sucht sich eine historische Epoche für einen Abenteuerroman. Er siedelt seine Geschichte in Weißrussland oder der Ukraine während des Zweiten Weltkrieges an. Ausführlich schildert er die Leiden der deutschen Soldaten, ergötzt sich an militärhistorischen Details und skizziert ab und an einige russische Partisanen, Letztere ohne jedes eigene Profil. Zu guter Letzt, denn unser Autor ist ja ein moralischer Mann, verurteilt er natürlich die deutschen Grausamkeiten, kommt aber zum Schluss, so ein richtiger Völkermord sei es nun nicht gewesen in den Konzentrationslagern. Eher ein Versehen, ausgelöst durch den militärischen Erfolg der Sowjets und die Verantwortung einzelner lokaler Kommandeure. Der Aufschrei wäre groß ob dieser Geschmacklosigkeit, vor allem wegen der damit implizit verbundenen Geschichtsklitterung.

Spielt das Ganze hingegen in Afrika, freuen sich Kritiker an der exotischen Kulisse und jubeln ob der gelungen Verbindung von spannender Erzählung und historischer "Aufarbeitung". So geschehen mit Gerhard Seyfrieds Erstlingsroman "Herero". Auf 600 Seiten lässt er deutsche Schutztruppenreiter in der Wüste leiden, aufopferungsvoll Patrouillen reiten und sich Feuergefechte mit Herero liefern. Politisch korrekt fehlt nicht der Hinweis auf das Leid der AfrikanerInnen, dennoch kommen diese nur als primitive Wilde vor, die als dunkle Gestalten um diverse Lagerfeuer schleichen und keines vernünftigen Satzes fähig sind. Das ganze Buch konterkariert die Aussage von den deutschen Verbrechen, ist letztlich sogar ein Lob auf deutschen Pioniergeist und Durchhaltevermögen. Allein dass Seyfried glaubt, für seinen Abenteuerroman die Kulisse des Völkermordes an den Herero und Nama wählen zu können, und dass ihm Teile des deutschen Feuilletons dafür zujubeln, zeigt, wie fern dieses Verbrechen gerückt ist.

Die Mär von der Unschuld
Und das ist auch kein Wunder, gibt es doch außer einigen Kolonialdenkmälern, die einst zum Ruhme der deutschen Mission in der Welt errichtet und in den Siebziger- und Achtzigerjahren des 20. Jahrhunderts flugs zu Antikolonialdenkmälern umgewidmet wurden, keine Gedenkstätten für die Opfer der deutschen Herrschaft. An der Neuen Wache in Berlin, an der mit Inschriften der Opfer zahlreicher Feldzüge und Kriege gedacht wird, fehlt jeder Hinweis beispielsweise auf den Maji-Maji-Krieg, der 1905-1906 im heutigen Tansania eine Viertelmillion Opfer forderte, oder auf den gegen die Herero und Nama. Auch in der Diskussion um ein - internationalisiertes - Zentrum gegen Vertreibungen tauchen die Herero bisher nicht auf. Stattdessen leistete sich die Bundeswehr in Hamburg bis vor kurzem noch eine Lettow-Vorbeck-Kaserne, benannt nach dem "Helden von Ostafrika", der mitverantwortlich war für den Tod von über einer Million AfrikanerInnen während des Ersten Weltkrieges. Und über einem Gebäude in dieser Kaserne prangt immer noch im Halbrelief Lothar von Trotha, Hauptverantwortlicher für den ersten deutschen Völkermord, verübt zwischen 1904 und 1908 in Deutsch-Südwestafrika.

Die koloniale Amnesie setzte schon bald nach dem Verlust des deutschen Kolonialreiches im Versailler Frieden (1919) ein. Zunächst als Kolonialschuldlüge - damit war die alliierte Behauptung gemeint, die Deutschen hätten sich als kolonialunfähig erwiesen und deshalb müssten ihnen die Kolonien zum Schutze der "Eingeborenen" genommen werden - als nationale Schmach empfunden, machte sich bald die Einsicht breit, dass diese Zwangsentsorgung des kolonialen Problems auch Vorteile hatte. Im Dritten Reich loderte die koloniale Begeisterung noch einmal kurzfristig auf, um nach Stalingrad um so abrupter zu erlöschen. Nach dem Krieg konzentrierten sich die Deutschen darauf, Entwicklungshilfe zu leisten oder den "dunklen Kontinent" mit Großprojekten deutscher Ingenieurskunst zu beglücken. Spätestens als die traditionellen Kolonialmächte von den Wirren der Dekolonisation erfasst wurden, war man in Deutschland froh, seine Kolonien so früh losgeworden zu sein.

Aus der im Vergleich mit anderen Kolonialmächten kurzen Dauer schlossen viele Deutsche, die formale Kolonialherrschaft sei nur eine unbedeutende Episode ihrer Geschichte geblieben - dabei zeigt schon ein Blick auf die "nur" zwölf Jahre des Dritten Reiches, dass Dauer nichts über Intensität aussagt. Die daraus konstruierte Schimäre von der kolonialen Unschuld Deutschlands findet sich auch bei Leuten, die für sich in Anspruch nehmen, an den globalen Problemen der Welt, insbesondere der so genannten Dritten, Interesse zu haben. So erklärte etwa der grüne Bundestagsabgeordnete Christian Ströbele im April 2001, "dass Deutschland das Glück hatte, sehr früh aus der Kolonialisierung gewaltsam herausgetrieben worden zu sein". So könne es "eine Rolle übernehmen, die unbelastet ist und die deshalb eine Vorreiterrolle sein kann".

Diese Ignoranz ist Resultat der mangelhaften Auseinandersetzung mit der deutschen kolonialen Vergangenheit und schreibt diese zugleich weiter fort. Da hilft es wenig, wenn Ströbeles Parteifreund Joschka Fischer wenige Monate später auf der UN-Anti-Rassismus-Konferenz im südafrikanischen Durban erklärte: "In vielen Teilen der Welt reicht der Schmerz über die bis heute nachwirkenden Folgen der Sklaverei und der Ausbeutung durch den Kolonialismus noch tief. Vergangenes Unrecht lässt sich nicht ungeschehen machen. Aber Schuld anzuerkennen, Verantwortung zu übernehmen und sich seiner historischen Verpflichtung zu stellen kann den Opfern und ihren Nachkommen zumindest die ihnen geraubte Würde zurückgeben."

Die Entschuldigung folgte jedoch nicht. Im Hinblick auf den Genozid an den Herero ist es offizielle Politik, jede Entschuldigung zu verweigern. Diese Haltung hat sich noch verfestigt, seit die Herero auf Wiedergutmachung klagen. Erst im Oktober 2003 lehnte Außenminister Fischer in Windhoek unter Hinweis auf diese Klage erneut eine offizielle Entschuldigung ab; schließlich seien die Deutschen "keine Geiseln der Geschichte".

Namibias Außenminister Theo-Ben Gurirab hielt Fischer schon in Durban entgegen, "dass Deutschland sich für die Verbrechen an Israel, Russland oder Polen entschuldigt hat, weil es um Weiße ging. Wir sind Schwarze, wenn es deshalb ein Problem mit der Entschuldigung gibt, ist das rassistisch." Und in der Tat ist es in einer Zeit, in der allerorten unterdrückte Minderheiten auf Entschuldigung drängen, wo Klagen wegen der Sklaverei oder der Apartheid drohen, wo weltweit die Entschädigungspolitik der Bundesrepublik als Vorbild gilt, schwierig, zu verstehen, worin der Unterschied zwischen russischen und polnischen Zwangsarbeitern während des Zweiten Weltkrieges und den Nama- und Herero-Zwangsarbeitern im Namibischen Krieg besteht; außer eben in der Hautfarbe und der Tatsache, dass die Marginalisierung der Afrikaner im öffentlichen Diskurs ebenso wie in der Politik bis heute anhält.

Widerstand gegen eine Entschuldigung an den Herero und Nama und gegen die Anerkennung, dass sie Opfer eines Genozids waren, speist sich jedoch noch aus einer anderen Quelle und hängt eng mit dem Vorwurf des Völkermordes zusammen. Nach dem Holocaust konnte die deutsche Öffentlichkeit vor den Verbrechen der Nationalsozialisten die Augen nicht mehr verschließen. Das Eingeständnis der Verbrechen und die Annahme der damit verbundenen Schuld ist zum Grundkonsens aller Deutschen außerhalb des rechtsextremen Spektrums geworden. Willy Brandts Kniefall in Warschau gehört mittlerweile zu den zentralen, die bundesdeutsche Identität mit begründenden Erinnerungspunkten.

Ein Stück Vergangenheitspolitik
Viele denken jedoch, dass es damit sein Bewenden haben sollte. Die zwölf unheilvollen Jahre sollen als Einbruch des Pathologischen, des Dämonischen identifiziert und innerhalb der deutschen Geschichte isoliert werden, um Letztere insgesamt als positiven Identifikationspunkt zu retten. Dem stehen die kolonialen Verbrechen im Weg, da sie, wie der Historiker Helmut Bley schon vor zwanzig Jahren mutmaßte, "die Erinnerung daran wecken" können, "dass [] gewalttätige Traditionen vorhanden sind, die sich nicht auf den ,Dämon' Hitler reduzieren lassen, sondern die in sozusagen ,normalen' Zeiten sich vollzogen".

Eine offizielle Entschuldigung wäre deshalb nicht in erster Linie ein Beitrag, "den Opfern die ihnen geraubte Würde" zurückzugeben - es ist schließlich äußerst fraglich, ob es in der Macht der ehemaligen Kolonialstaaten liegt, über die Würde der Beraubten zu entscheiden -, sondern die damit verbundene öffentlichen Aufmerksamkeit in Europa wäre ein heilvolles Stück Vergangenheitspolitik gerade auch für Deutschland auf dem Weg zur multikulturellen Gesellschaft. Es würde der deutschen Bevölkerung vor Augen führen, dass weltumspannender Handel, machtpolitische Ausdehnung und globale Kommunikation Phänomene sind, die nicht erst mit der Globalisierung begannen, und es würde auch auf die sozialen und humanitären Kosten hinweisen, die entstehen, wenn man eigene Vorstellungen von Rationalität und Herrschaft, von Ordnung und Entwicklung fremden Gesellschaften einfach überstülpt.

Hinweis:
JÜRGEN ZIMMERER, geb. 1965, ist Historiker am Centro de Estudos Interdisciplinares do Século XX an der Universität Coimbra in
Portugal und arbeitet u. a. zur deutschen Kolonialgeschichte und zur vergleichenden historischen Genozidforschung.
taz Nr. 7254 vom 10.1.2004, Seite 5, 278 Zeilen (TAZ-Bericht), JÜRGEN ZIMMERER

http://www.taz.de/pt/2004/01/10/a0148.nf/text.ges,1

zübeyde
22.06.06, 01:01
Maji-Aufstand vor 100 Jahren

Mit "Zauberwasser" gegen Maschinengewehre


Von Harald Stutte

Es gibt Kriege, an die erinnert sich später keine der Parteien gern. In Tansania, der ehemaligen deutschen Kolonie Ostafrika, wird der 100. Gedenktag an den "Maji-Maji-Aufstand" relativ niedrig gehängt - obwohl der darauf folgende Krieg als der schlimmste in der deutschen Kolonialgeschichte gilt.

Auch in Deutschland wird man vermeiden, das Massaker der Kolonialtruppe, das bis zu 300.000 Afrikanern das Leben kostete, mit einem auch nur irgendwie gearteten Schuldeingeständnis zu verbinden. Denn der Weg hin zur Forderung nach finanzieller Wiedergutmachung ist kurz - das weiß man spätestens seit der Klage des namibischen Herero-Volkes.

http://www.tagesschau.de/styles/container/image/style_images_default/0,1307,OID4544906,00.jpg (http://www.tagesschau.de/bildstrecken/0,1203,OID4520372_IMG4544884_H ID4544884_POS0_MTB1_NAV_BAB,00 .html)


http://www.tagesschau.de/styles/container/image/style_images_default/0,1307,OID4544938,00.jpg (http://www.tagesschau.de/bildstrecken/0,1203,OID4520372_IMG4544928_H ID4544928_POS1_MTB1_NAV_BAB,00 .html)


Eine kleine Gruppe von Angehörigen des Matumbi-Volkes stürmte am 20. Juli 1905 das kleine Dorf Nandete im Südosten der Kolonie Deutsch-Ostafrika. Es handelte sich dabei um eine der verhassten "Kommunalschamben", den von den Kolonialherren eingerichteten Agrar-Betrieben, in denen Einheimische Zwangsarbeit leisten mussten. Der Zorn der Afrikaner entlud sich vorerst nur an den frisch gepflanzten Baumwoll-Sprösslingen: Symbol für Fremdherrschaft und Unterdrückung. Es war die Stunde Null eines schrecklichen Krieges.
[B]
Schlachtruf: "Wasser!"

In den folgenden Tagen griffen die Rebellen indische und arabische Händler an, töteten mehrere und plünderten ihre Häuser. Die Kämpfer schienen nach Berichten von Augenzeugen lebensmüde zu sein, denn sie rannten bei ihren Attacken oft ohne Deckung geradewegs ins offene Feuer der Askari, der afrikanischen Hilfstruppe der Deutschen.
http://www.tagesschau.de/styles/container/image/style_images_default/0,1307,OID4521692,00.jpg (http://www.tagesschau.de/bildstrecken/0,1203,OID4520372_IMG4521684_H ID4521684_POS2_MTB1_NAV_BAB,00 .html) Grafik: Tansania]

Erst nach und nach begriffen die Kolonialherren den mystisch-religiösen Hintergrund der "Maji"-Bewegung. Der Name leitete sich vom Schlachtruf "Maji" (Kisuaheli für "Wasser") ab, mit dem die Rebellen in die Kämpfe zogen. Der Hintergrund: Die Mitglieder der Bewegung glaubten sich unbesiegbar, weil sie mit einem so genannten "Zauberwasser" ausgestattet waren. Ein Mann, der Kinjikitile Ngwale genannt wurde, verabreichte seinen Anhängern diesen "Zauber" - bestehend aus Wasser, Mais und Hirse-Körnern. Die Pilger übergossen sich den Kopf mit "Maji" oder trugen es in Bambusbüchsen um den Hals. Der "Maji"-Kult war geboren.

Umstrittene "Hüttensteuer" Auslöser für Aufstand?

Über den Auslöser für den Aufstand gibt es verschiedene Theorien: In einer internen Untersuchung der Kolonialbehörde wurde die so genannte Hüttensteuer angeführt. Diese war 1897 eingeführt und im März 1905 vervierfacht worden. Die Folge: Immer mehr Afrikaner, die die Steuer nicht aufbringen konnten, mussten Frondienst leisten. "Tansania wurde um seine Produkte und Arbeitskräfte betrogen", urteilt heute der in Berlin lebende tansanische Bühnenautor Ebrahim Hussein, der ein Stück über den Maji-Kultgründer geschrieben hat.

Die Kolonialherren kamen zu einem anderen Schluss: Der Gouverneur Adolf Graf von Götzen in Daressalam machte übermäßige "Trinkgelage mit Pombe" (Hirsebier) für die Unruhen verantwortlich - Ausdruck eines kaum zu überbietenden Zynismus. Der Hamburger Afrikanist Professor Ludwig Gerhardt sieht vielmehr im "vorgeprägten rassischen Überlegenheitsgefühl" der deutschen Kolonialherren eine der Ursachen für die blutigen Aufstände in den afrikanischen Kolonien des Kaiserreichs zu Anfang des Jahrhunderts.

Vom Aufstand zum langjährigen Buschkrieg

Bis August 1905 war ein Gebiet außer Kontrolle, welches der heutigen Größe Ungarns entspricht. Die auf wenige Stationen im Land verteilten Ordnungskräfte drohten von der Flut des Aufbegehrens hinweg geschwemmt zu werden. Die militärische Wende kam, als die Rebellen am 6. September mit 3000 Kriegern versuchten, die Bezirksnebenstelle Kilosa zu erobern und den Aufstand in den Norden zu tragen. Auf die Wirkung ihres Zaubers vertrauend, rannten sie gegen die Stellung der Deutschen an - wurden zu Hunderten niedergeschossen. Der in Kilosa stationierte Hauptmann Heinrich Fonck verfügte über die damals neuen Maxim-Maschinengewehre, gegen die die Angreifer chancenlos waren.

Die Rebellen änderten daraufhin ihre Taktik, es begann ein jahrelanger Buschkrieg. Sie griffen nur noch kleine deutsche Einheiten oder einzelne Soldaten an, um sich dann blitzartig zurück zu ziehen. Die Kolonialverwaltung reagierte mit der "Taktik der verbrannten Erde" Dörfer, Felder und Vorratsspeicher der Menschen im Aufstandsgebiet ließ man niederbrennen. Gouverneur von Götzen rechtfertigte dieses Mittel der Kriegsführung mit dem zynischen Argument, die "afrikanischen Negerhütten" würden in kurzer Zeit wieder erstehen und "die Üppigkeit der tropischen Natur neue Feldfrüchte hervorbringen".
[B]
"Schlimmster Krieg der deutschen Kolonialgeschichte"

Erst 1907 erklärte das Deutsche Reich den Krieg für beendet. Nach offiziellen Angaben starben während dieser Zeit 75.000 Menschen. Inoffiziell geht man von bis zu 300.000 Toten aus. Auf Seiten der Kolonialherren starben 23 Europäer und 345 Askari. Der Maji-Aufstand löste nach Ansicht des Bremer Sachbuchautors Jigal Beez "den schlimmsten Krieg in der an schrecklichen Ereignisse nicht armen deutschen Kolonialgeschichte" aus. Was dem eigentlichen Krieg folgte, nannten die Afrikaner "Fugufugu": Eine apokalyptische, drei Jahre anhaltende Hungersnot, die den gesamten Süden der Kolonie erfasste. Ein ehemals dicht besiedeltes Gebiet wurde de facto entvölkert, bis heute hat sich Tansanias Süden von diesem Trauma nicht erholt.

Wenig Interesse an Gedenken

Heute will in Tansania von dem Massaker kaum jemand mehr etwas wissen; die Führung des Landes hängt das Gedenken an den Aufstand niedrig. In Daressalam sind lediglich zwei Veranstaltungen geplant, organisiert von der Universität und von linken Gruppen.

Umso lebhafter wird die Erinnerung im Süden des Landes gepflegt dort, wo der Aufstand stattgefunden hat. Für die kleinen Völker wie die Matumbi, Ngindo, Pogoro und Kichi verbindet sich mit dem Aufstand die Erinnerung an eine stolze Zeit, als man gegen die fremden Herren in Daressalam aufbegehrte. Julius Nyerere, der erste Präsident Tansanias nach der Unabhängigkeit, hatte den Maji-Krieg 1956 als "Wegbereiter der nationalen Einheit" bezeichnet. Er stellte ihn damit "ganz bewusst in den Dienst seiner Bewegung und der Nationenbildung", betont der tansanische Historiker Yusufi Lawi von der Universität Daressalam.

Diese Vorstellung, mit Geschichte Politik zu machen, sei heute hingegen "schlicht nicht mehr da", erklärt Dr. Andreas Eckert vom Historischen Seminar der Uni Hamburg gegenüber tagesschau.de. Sicherlich spiele auch eine Rolle, dass das Gedenken an den Aufstand "Wiedergutmachungs-Begehrlichkeiten jener Völker im Süden wecken könnte, die am Aufstand beteiligt waren", so Eckert. Und die Zentralregierung in Daressalam fürchtet nichts mehr, als Stammes-Egoismen - kaum verwunderlich in einem Land, in dem 120 Völker in einer fragilen Balance leben.



Stand: 20.07.2005 11:25 Uhr

http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID4520372_TYP6_THE_NAV _REF1_BAB,00.html

haydar
22.06.06, 05:01
JÜRGEN ZIMMERER, geb. 1965, ist Historiker am Centro de Estudos Interdisciplinares do Século XX an der Universität Coimbra in
Portugal und arbeitet u. a. zur deutschen Kolonialgeschichte und zur vergleichenden historischen Genozidforschung.
taz Nr. 7254 vom 10.1.2004, Seite 5, 278 Zeilen (TAZ-Bericht), JÜRGEN ZIMMERER

http://www.taz.de/pt/2004/01/10/a0148.nf/text.ges,1
Ein interessanter Artikel. Bei der Kolonialgeschichte gibt es im Bewusstsein der Deutschen wahrlich noch riesige Lücken und Tonnen von nicht aufgearbeiteter Geschichte.

Ich hoffe, dass Leute wie Jürgen Zimmerer dazu beitragen, dass dieser Teil der deutschen Geschichte in stärker in das Wahrnehmungszentrum der deutschen Gesellschaft rückt.

Ein anderer interessanter Artikel von Jürgen Zimmerer befindet sich auf
http://www.taz.de/pt/2005/06/04/a0246.1/text

Yakamoz
22.06.06, 10:01
Ein interessanter Artikel. Bei der Kolonialgeschichte gibt es im Bewusstsein der Deutschen wahrlich noch riesige Lücken und Tonnen von nicht aufgearbeiteter Geschichte.

Ich hoffe, dass Leute wie Jürgen Zimmerer dazu beitragen, dass dieser Teil der deutschen Geschichte in stärker in das Wahrnehmungszentrum der deutschen Gesellschaft rückt.

Ein anderer interessanter Artikel von Jürgen Zimmerer befindet sich auf
http://www.taz.de/pt/2005/06/04/a0246.1/text

Netter Versuch Haydar...aber hier irrt sich Zimmerer leider. Vermutlich der Propaganda armenischer Faschisten und Nationalisten aufgesessen.

Heinz Ballermann
22.06.06, 14:34
Netter Versuch Haydar...aber hier irrt sich Zimmerer leider. Vermutlich der Propaganda armenischer Faschisten und Nationalisten aufgesessen.

Ach so, im Bezug auf der Deutschen Kolonialvergangenheit ist er aber niemanden aufgesessen?!

Yakamoz
22.06.06, 14:37
Ach so, im Bezug auf der Deutschen Kolonialvergangenheit ist er aber niemanden aufgesessen?!

Ich gehe davon aus, dass ein Deutscher Historiker in der Lage ist deutsche Geschichte anhand von deutschen Quellen zu studieren und zu bewerten.

Was die osmanisch und armenisch Kenntnisse eines Zimmerers angeht habe ich meine Zweifel....aber du kannst mir sicher mehr dazu sagen!

Heinz Ballermann
22.06.06, 16:43
Ich gehe davon aus, dass ein Deutscher Historiker in der Lage ist deutsche Geschichte anhand von deutschen Quellen zu studieren und zu bewerten.

Was die osmanisch und armenisch Kenntnisse eines Zimmerers angeht habe ich meine Zweifel....aber du kannst mir sicher mehr dazu sagen!

1. Im allgemeinen:
Das ist ein typisches Beispiel für einseitige Sichtweise. Das habe ich hier schon öfter erlebt. Wenn eine Quelle (Author, Zeitung) einem beliebt, wird diese als Fakt angesehen. Wenn die gleiche Quelle etwas schreibt/sagt was einem nicht beliebt, ist sie nicht kompetent oder schlimmeres.

2. Im speziellen:
Es gibt doch deutsche Quellen zur Armenierfrage. Also kann er sich dazu genauso kompetent äußern.

Ich will jetzt seinen Artikel nicht im speziellen bewerten. Es geht mir mehr um Punnkt 1.

Yakamoz
22.06.06, 16:52
1. Im allgemeinen:
Das ist ein typisches Beispiel für einseitige Sichtweise. Das habe ich hier schon öfter erlebt. Wenn eine Quelle (Author, Zeitung) einem beliebt, wird diese als Fakt angesehen. Wenn die gleiche Quelle etwas schreibt/sagt was einem nicht beliebt, ist sie nicht kompetent oder schlimmeres.

2. Im speziellen:
Es gibt doch deutsche Quellen zur Armenierfrage. Also kann er sich dazu genauso kompetent äußern.

Ich will jetzt seinen Artikel nicht im speziellen bewerten. Es geht mir mehr um Punnkt 1.

Zu Punkt 1)

Ich zB kann mit Menschen in einem Bereich einer Meinung sein, während ich in einem anderen Bereich widerspreche. Ich bin da nicht so digital wie du, dass ich mich bei jeder Meinungsgleichheit auf ewig verbrüdere...

Heinz Ballermann
22.06.06, 17:46
Zu Punkt 1)

Ich zB kann mit Menschen in einem Bereich einer Meinung sein, während ich in einem anderen Bereich widerspreche. Ich bin da nicht so digital wie du, dass ich mich bei jeder Meinungsgleichheit auf ewig verbrüdere...

Es ist aber schon auffällig wenn man bei "Deutschland schlecht" immer übereinstimmt und bei "türkei schlecht" immer widerspricht.

Ausserdem ist es ein Unterschied ob man jemaden als Lügner oder eine Zeitschrift als Hetzblatt bezeichnet und etwas später in einem anderem Thread einen Artikel aus der selbigen Quelle postet.

ich meine jetzt nicht dich, Meric. Im übrigen denke ich auch nicht digital wie du es mir unterstellst.

DeLaHoya
22.06.06, 22:34
1. Im allgemeinen:
Das ist ein typisches Beispiel für einseitige Sichtweise. Das habe ich hier schon öfter erlebt. Wenn eine Quelle (Author, Zeitung) einem beliebt, wird diese als Fakt angesehen. Wenn die gleiche Quelle etwas schreibt/sagt was einem nicht beliebt, ist sie nicht kompetent oder schlimmeres.

2. Im speziellen:
Es gibt doch deutsche Quellen zur Armenierfrage. Also kann er sich dazu genauso kompetent äußern.

Ich will jetzt seinen Artikel nicht im speziellen bewerten. Es geht mir mehr um Punnkt 1.
Da gibt es aber einen feinen Unterschied...

deryatulga
14.01.07, 13:03
Deutschland meidet Herero-Häuptling

Zweieinhalb Jahre nachdem sich Entwicklungsministerin Wieczorek-Zeul in Namibia offiziell für den Völkermord an den Herero vor 100 Jahren entschuldigt hat, gibt es Ärger um eine 20 Millionen Euro schwere deutsche "Sonderinitiative"

VON ROLF-HENNING HINTZE
Noch ist das Dokument über eine deutsche "Sonderinitiative" für Namibia nicht unterschrieben, da gibt es bei den Herero bereits helle Aufregung und Protest. Häuptling Kuaima Riruako, der traditionelle Führer der Herero, erklärte gegenüber der Zeitung New Era: "Die Deutschen können nicht einfach mit ihren eigenen Vorschlägen kommen, einfach beiseite tun, was wir fordern, und versuchen, uns ihre eigenen Vorstellungen aufzudrücken." Riruakos Wort hat bei den Herero und auch darüber hinaus Gewicht, darin sind sich alle Kenner der Verhältnisse einig.
Tatsächlich erfuhr die namibische Öffentlichkeit erst vor kurzem durch eine Ausschreibung in der Presse, dass es zwischen der namibischen und der deutschen Regierung zu einer Vereinbarung über deutsche Entwicklungsvorhaben gekommen sein muss, deren Unterschrift nur noch Formsache ist. Der Herero-Führer beklagt, dass er nicht einbezogen wurde, als die 20 Millionen Euro schwere "Sonderinitiative" - früher einmal Versöhnungsinitiative genannt - ausgearbeitet wurde. Zugleich unterstrich er, dass die Forderungen nach Wiedergutmachung und einem Dialog mit der deutschen Regierung bestehen blieben. Laut Ausschreibungstext, den die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) nur zögerlich herausrückte, ist die vom Entwicklungsministerium in die Wege geleitete Initiative "für Entwicklungsprojekte und für Bevölkerungsgruppen gemeint, die historische Bindungen mit der deutschen Kolonialregierung hatten, die die gegenwärtige deutsche Regierung als besondere moralische und politische Verantwortung betrachtet".
Unter "historischen Bindungen" ist der Völkermord von 1904 bis 1907 an den Herero und Nama zu verstehen, den Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul im August 2004 zwar öffentlich in ihrer Entschuldigungsrede in Okakarara einräumte, dessen Erwähnung aber in Dokumenten der Entwicklungszusammenarbeit peinlich vermieden wird.
Im Ausschreibungstext für Beratungsunternehmen, der inzwischen auf der Homepage der National Planning Commission in Windhoek (www.npc.gov.na/ (http://www.npc.gov.na/)) einzusehen ist, wird jedoch gleich im zweiten Absatz betont, dass es nicht die deutsche Absicht für die Sonderinitiative gewesen sei, "als Wiedergutmachung zu dienen".
Ursprünglich hatte ein Abkommen über die Sonderinitiative bereits im Dezember 2005 bei einem Besuch des namibischen Staatspräsidenten Pohamba in der Bundesrepublik unterschrieben werden sollen, doch meldete dieser überraschend weiteren Konsultationsbedarf an. Die stellvertretende Ministerpräsidentin Libertine Amathila besuchte daraufhin die verschiedenen in Frage kommenden Gebiete, um Vorschläge für Projekte einzuholen. Im Mai 2006 legte sie einen ausführlichen Bericht vor.
Damals war noch nicht abzusehen, dass im September das namibische Parlament erstmals eine wochenlange Debatte über den Völkermord führen würde. Die durch einen Antrag von Häuptling Riruako ausgelöste Debatte endete mit einer einstimmigen Entschließung, dass Verhandlungen mit der deutschen Regierung über Wiedergutmachung aufgenommen werden sollten.
Der Sprecher des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Markus Weidling, vertrat gestern die Ansicht, Häuptling Riruako sei "mit seiner abwartenden bis ablehnenden Haltung zunehmend nicht nur im Land, sondern auch innerhalb seiner Volksgruppe isoliert". Der Erfolg der Sonderinitiative sei dadurch nicht gefährdet, meinte er.
taz Nr. 8174 vom 13.1.2007, Seite 10, 121 TAZ-Bericht ROLF-HENNING HINTZE