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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Europa, Export von Arbeitsplätzen?



wolfgangwallnerf
20.08.05, 15:09
Liebes Forum,

ich bin ein Österreichischer Schriftsteller und mache mir (begründete) Gedanken über Probleme, die durch die "Globalisierung" der Wirtschaft (=Rücksichtslose Maximierung von Gewinnen) innerhalb der EU die Bevölkerung belasten. Ich schreibe das auch in diesem Forum nieder, da solche Stimmen vielleicht dem Beitrittswerber Türkei vorenthalten werden. Es geht mir überhaupt nicht um eine Diskussion, ob die Türkei beitreten soll oder nicht, ich will nur Folgen eines Beitrittes aufzeigen, die auch den Menschen in der Türkei irgendeinmal "blühen" könnten.

Folgene Bemerkungen stelle ich zu Ihrer Diskussion:

Würde eine so vehemente Erhöhung der Arbeitslosenzahl wegen der Abwanderung von Betrieben in Ländern geschehen, die nicht der EU beigetreten sind, würde dem Problem der Abwanderung und der mangelnden einheimischen Produktionen sicherlich durch erhöhte Zölle entgegen getreten.
Innerhalb der EU ist das aber wegen der fehlenden Handelsbeschränkungen nicht möglich. Möglich erscheint mir aber die Einführung der Beschränkung von Handelswegen.

Mit einigem Verwaltungsaufwand wäre es im Einverständnis fast der gesamten europäischen "Altländer" (ohne Länder des ehemaligen Ostblockes, ausgenommen natürlich Ostdeutschland), dass der Transport von Waren in ein anderes Land (oder auch schon in eine andere Region) nur dann möglich ist, wenn die einzuführenden Waren dort nicht erzeugt werden.
Sollte eine einheimische Produktionsstätte bereits vorliegen, müsste der Transport der im Ausland produzierten Güter so teuer werden, dass eine (auch zusätzliche) Produktion im Inland zumindest gleichteuer wäre (kostenneutral).

Das schmälert zwar die Gewinne von Unternehmern, es ist aber voraus zu sehen, dass Unternehmer auch für geringere Gewinne produzieren werden.
Jedenfalls wäre eine erneute Ansiedlung von Betrieben zu erwarten und damit eine gewaltige Verringerung der Arbeitslosenzahl (und damit der diesbezüglichen Steueraufkommen). Die „ehemaligen „Ostländer“ erfahren dadurch keine Produktionsminderung, es ist ja z.B. deutschen Unternehmern möglich, zu den Bedingungen des angestrebten Landes auch zu produzieren, d.h. neue Betriebe ansiedeln.

Auch Lohndumping wäre damit bekämpft.

Natürlich gäbe es einige Waren, die einfach nicht einheimisch produziert werden könnten, da greift aber auch nicht die Regelung der bereits bestehenden Produktion und ein Transportverbot kämen nicht zustande. Im Grunde genommen wäre das eine Regelung zum (zeitweiligen und befristeten) Schutz einheimischer Unternehmer, etwas was schon in mittelalterlichen Kommunen durchaus üblich war.

Die negativen Auswirkungen der Globalisierung sind keinesfalls ein "GOTTGEWOLLTES NATURGESETZ", sondern IMMER NUR AUSDRUCK DER VOM WÄHLER SANKTIONIERTEN POLITIK!
Es taucht die Frage auf, warum seitens der Politik nicht so eine "einfache" Möglichkeit in Betracht gezogen und diskutiert wird? Natürlich entsteht der Eindruck, dass es sich hier um bedeutende Geldmassen handelt und so entsteht wieder ein begründeter Verdacht, dass die Wähler absichtlich für dumm gehalten werden, um einen Geldfluss an Entscheidungsträger (auch Politiker) nicht zu behindern.

Die Möglichkeit der Beschränkung von Transportwegen hätte selbstverständlich auch einen kolossalen Umweltschutzaspekt.
Wenn jetzt ein Einwand käme, die Freiheit der Handelswege sei erstes Gebot der EU, dann frage ich, welche Mehrheit der europäischen Bevölkerung will das? Ändern kann man eine politische Richtung immer und eine Mehrheit dazu wäre leicht zu bekommen!

Zu diesen Bemerkungen gehört noch ein Interview, dass der Journalist Ferdinand Niehammer mit mir machte und das im Internet bereits an einigen Stellen veröffentlicht wurde (inklusive dazugehörender Gedanken zu Brechts ‚Mutter Courage und ihre Kinder'. Sie können damit frei machen, was Sie wollen): Ferdinand Niehammer spricht mit Wolfgang Wallner F.,
dem Autor des Buches: ‘Elihu; Hinterlassene Aufzeichnungen aus der Ewigkeit'
Link zum Buch "Elihu" (http://elihu.wolfgangwallnerf.com)
dann siehe unter "Gespräche"

Liebe Grüße aus Wien
Wolfgang Wallner-F.

DeLaHoya
20.08.05, 16:31
Möglich erscheint mir aber die Einführung der Beschränkung von Handelswegen.

Mit einigem Verwaltungsaufwand wäre es im Einverständnis fast der gesamten europäischen "Altländer"... dass der Transport von Waren in ein anderes Land... nur dann möglich ist, wenn die einzuführenden Waren dort nicht erzeugt werden.



Man hat ähnliche Dinge in der ehemaligen UdSSR versucht und sie waren allesamt zum Scheitern verurteilt.



Ich glaube, dass die politischen Instrumente nur bis zu einem gewissen Punkt wirken und danach der Markt alles regelt.

LAZ
20.08.05, 18:03
Zuerst einmal bin ich erfreut das ein österreichischer Schriftsteller in einem deutsch-türkischen Forum Beiträge verfasst:)

Zunächst einmal muss ich klar stellen, das ich viel mehr über die Ursachen des Neoliberalismus als über die Globalisierung beunruhigt bin

Für mich existieren 2 Modelle des Kapitalismus in Europa

1. Das Rhein*modell

Staaten des Alten Europas (Deutschland, Niederlande, Frankreich, Skandinavien)

Hauptmerkmale:

Gewerkschaften und Management teilen die Macht, der Wohlfahrtsmechanismus des Staates sorgt für ein vergleichweise enges Netz von Renten, Bildung und Gesundheitsversorgung. Verpflichtungen der Wirtschaft gegenüber dem Gemeinwesen werden anerkannt

Beziehung zwischen Markt und Staat:

Veränderungen, bei denen sozial schwächer gestellten Bürger Nachteile erleiden, werden gebremst. Eher burökratiefreundlich

Negative Folgen:

Problem wachsender Schwierigkeiten bei der Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme. Schlagwort non-working-poor: Menschen, die ihren Job verloren haben, arbeiten nicht und leben vom wohlfahrtsstaat

*Rhein="Rhein" weil dieses Modell am stärksten in den Staaten ausgeprägt ist, in denen der Fluss Rhein fliesst

Das anglo-amerikanische (neoliberale) Modell:

Großbritannien (Thatcher-Ära), USA und zum Teil Osteuropa

Hauptmerkmale:

Ungezügelte Form der Freien Marktwirtschaft. Unterordnung der staatlichen Bürokratie unter die Wirtschaft und damit Lockerung des staatlich geschaffenen Sicherheitsnetztes

Beziehung zwischen Markt und Staat:

Veränderungen werden auch dann ungebremst verfolgt, wenn soziale schwächer gestellte Bürger dadurch Nachteile erleiden. Eher ungeregelt und Burökratiefeindlich

Negative Folgen:

Wachsende Einkommensunterschiede. Fortschreitende gesellschaftliche Zweitelung in wenig Gewinnern und eine riesige Gruppe von Verlierern. Schlagwort working poor: Menschen, die ihren ursprünglichen Job verloren haben, arbeiten wieder, aber gegen geringes Entgeld (Lohndumping).
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Ich glaube, dass Politiker der Rheinmodell Staaten allmählich das Anglo-Amerikanische Modell übernehmen wollen und es als Allheilmittel des "kranken" Alteuropas preisen. Selbst Sozialisten wie Schröder, Blair praktizieren die Politik des Neoliberalismus. Eines wird einem immer wieder in den deutschen Medien vermittelt: Der Neoliberalismus ist fortschrittlich und D wird so seine Probleme lösen. Jegliche Kritiker (in Deutschland Lafontain/Gysi, linke SPD) des Neoliberalismus werden als Gestrige abgestempelt.

Doch ist der Neoliberalismus keine Rückkehr zu den Anfangszeiten der Industriellen Revolution in denen Arbeitnehmerrechte gering bis gar nicht vorhanden waren und die Macht des Kapitals groß war???

Ich sehe ähnlich wie sie (und US-Verteidigungsminister Rumsfeld:D ) ein geteiltes Europa. Einmal in ein Irak-Kriegsverweigerer-Europa (Alteuropa) welches (wie ich vorher geschildert habe im Rheinmodell) über einen Sozialstaat verfügt, der die sozial-schwachgestellten Bürger unterstützt und über ein Neueuropa welches das neoliberalistische Modell bevorzugt. Was ich bislang in den Medien verfolgen konnte, ist, das Arbeitsplätze gerade in diese Staaten exportiert werden, weil sich Unternehmer in diesem System mehr Gewinn erhoffen.

Ob man durch Protektionismus den Sozialstaat/Arbeitsmarkt schützen kann halte ich für fraglich, denn die globale Arbeitsteilung von Waren ist soweit fortgeschritten das z.B die Herrstellung von Textil in Alteuropa undenkbar ist, denn viele Konsumenten wären nicht bereit einen Preis zu zahlen der damals niedriger war...durch höhere Preise bewirkt man außerdem eine Senkung der Kaufkraft

Ich könnte mehr schreiben, doch das reicht fürs Erste:D

Erkan
20.08.05, 18:58
Die Alten EU Länder werden Ihre Standarts nicht mehr halten können da zurzeit eine Umverteilung stattfindet zu gunsten der neuen EU Länder,

die einzige lösung hier wäre meiner meinung nach um die auswanderung zu Stoppen eine anpassung der Steuerpolitik innerhalb der EU die Verzollung wäre eine möglichkeit die nicht auszuschliesen wäre aber statt zu Verzollen und zu beschränken sollte mann Subventionen streichen und die Steuern anpassen, weil lange wird die EU Subventionen sich nicht mehr leisten können siehe Deutschland 800 Milliarden Schulden un 6 Mio Arbeitslose,
die Firmen werden solange auswandern solange es wo anders billige Arbeitskräfte gibt und niedrige Steuern.

emekli
20.08.05, 19:49
Möglicherweise unterliegen wir alle auch einer Fehlannahme, nämlich:

Wir gehen davon aus, dass es der Staat ist, welcher die Rahmenbedingungen festlegt, unter welchen produziert wird. Wolfgang spricht natülrich zu Recht die Globalisierung an und hier müsste man wohl ansetzen:

Die Verwirklichung eines europäischen Wirtschaftsraumes bis zu zur heutigen EU (welche weiterhin zum grossen Teil durch das Thema wirtschaftliche Zusammenarbeit definiert ist), dauerte über 40 Jahre.

Im Gegensatz dazu haben Kommunikationstechniken im Laufe der letzten zehn Jahre eine Entwicklung durchgemacht, dass wir heute, egal auf welcher Ecke der Erde wir sitzen, gleichzeitig miteinander sprechen können, Waren bestellen und bezahlen. Davon ist die Politik noch weit entfernt.

Es müsste deswegen hinterfragt werden, ob es nicht die Wirtschaft selbst ist, welche die Politik bestimmt und (egal welche Partei an der Macht ist) diese nichts Anderes machen kann als das, was die Wirtschaft wünscht. Ansonsten droht der Wegzug.

Ich sehe wenige Ansätze, bei denen man sagen könnte, dass den Wünschen oder Forderungen der Wirtschaft von der Politik klar entgegengetreten wird. So leben heute viele in Deutschland unter den "Errungenschaften" von 300 €-Jobs, von "Ich AG" und ähnlichen Spässchen. Letztlich ist das nichts Anderes als: Viel mehr Arbeit für deutlich weniger Lohn. Es mag Ausnahmen geben, aber für die grosse Mehrheit dürfte diese Beschreibung zutreffen.

Und weshalb ist die Politik darauf eingegangen? Weil nur dank dieser Massnahmen nicht NOCH mehr Arbeitsplätze verlorengegangen sind, da die betreffenden Konzerne sonst Deutschland als Arbeitsplatz aufgegeben hätten.

Heute jongliert doch ein Multi einen Teil seiner 120 000 Arbeitsplätze locker um den Erdball. Einziges Kriterium: Günstige Lohnkosten.

Was hat die Politik dem entgegenzusetzen?

Carlito
20.08.05, 20:07
Ich dachte sowieso das seit der FR die macht in den Händen der No 3, sprich den Händlern wäre?! Oder warum ist Rothschild mit der Lizenz zum Geld Drucken ausgestattet? Ich lese gerade “Der Heilige Gral und seine Erben” und wenn nur die Hälfte stimmt, werden wir sowieso von Okkulten Gesellschaften Ferngesteuert. Daher ist meine Frage ob jemand überhaupt die Macht hat, das system was ausschließlich einige Ausgesuchte Gemeinschaft immer reicher macht, auszuhebeln?