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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Nizami Ganjavi: "Die schwarze Saturnkuppel" aus dem Epos "Die sieben Prinzessinnen"



DeLaHoya
25.08.05, 22:28
Nizami Ganjavi: "Die schwarze Saturnkuppel" aus dem Epos "Die sieben Prinzessinnen"

»Die schwarze Saturnkuppel« ist Teil des Epos Die sieben Prinzessinnen (Haft Peykar) des aserbaidschanischen Poeten Nizami aus Gandjeh (Ganjavi, Aserbaidschan, 1141-1209). Der Titel bezieht sich auf Porträts der Töchter von sieben Königen, die vom chinesischen Groß-Khan im Osten his hin zum König des Westens oder »Land des Sonnenuntergangs« reichen.

Als Bahram, der sasanidische König (420-438), ihre Porträts erblickt, verliebt er sich in sie. Nachdem er den Thron seines verstorbenen Vaters Yazdegerd bestiegen hat, heiratet er alle sieben. Die sieben Prinzessinnen repräsentieren die großen Reiche der bewohnten Welt. Sie bewohnen jeweils einen eigenen Palast, der, von Schwarz bis Weiß, symbolisch eine der sieben Kardinalfarben trät. Der König besucht sie an sieben aufeinanderfolgenden Tagen. Dies ist die Geschichte des ersten Tages.


Am Samstag besuchte Bahram, von Kopf bis Fuß in Schwarz gekleidet, die schwarze Saturnkuppel, wo seine Braut, die Töchter des Maharadja von Indien, wohnte. Er bat sie, ihm eine Geschichte zu erzählen, und sie begann mit gesenktem Kopf:

Als ich ein Kind war, besuchte uns einmal im Monat eine fromme und barmherzige Frau. Sie trug stets Schwarz. Nach vielen hartnäckigen Befragungen gab sie schließlich nach und erzählte uns das Geheimnis ihrer ungewöhnlichen Gewandung.

Als ich jung war, erzählte die Frau, diente ich einem mächtigen König, in dessen Reich Wolf und Schaf friedlich beieinander lebten. Doch das Schicksal wollte es, daß er zum König der Schwarzgewandeten geworden war. Die Geschichte, die ich euch erzähle, handelt davon, wie es dazu kam, daß er für den Rest seines Lebens Schwarz trug.

Es war ein wohltätiger König mit einem unstillbaren Drang, die Geheimnisse und Wunder der Welt zu erfahren. Auf seinen Befehl hin wurde ein Haus eingerichtet, in dem alle Besucher seines Reichs gastfreundlich aufgenommen wurden. Dort befragte der König wißbegierig und klug einen jeden nach seiner Heimat, nach seinen Reisen, seinen Plänen und Abenteuern. So wie manche Edelsteine sammeln, hatte es sich der König zur Aufgabe gemacht, Geschichten über das Leben anderer Menschen zu sammeln. Je größer seine Sammlung wurde, desto begieriger wurde er, mehr zu erfahren.

Plötzlich jedoch verschwand der König. Wie Simurgh, der Sagenvogel, entwich er plötzlich aus unserer Mitte. Lange Zeit verging, bis der König eines Tages, völlig in Schwarz gehüllt, wieder erschien und seinen Thron bestieg.

Eines Abends, als ich ihn umsorgte, begann er über die Wendung, die sein Schicksal genommen hatte, zu klagen. Ich befragte ihn nach seinem geheimen Kummer, und so lautete die Geschichte, die er erzählte:

Du kennst meine Gewohnheit, alle Besucher meines Reichs gastfreundlich zu bewirten. Einen jeden befrage ich nach seiner Stadt und ihren Sehenswürdigkeiten. Eines Tages traf ein schwarzgewandeter Wanderer ein. Ich befragte ihn nach seinem ungewöhnlichen Aufzug. Er bat mich, nicht in ihn zu dringen, und erinnerte mich daran, daß niemand das Geheimnis des Simurgh je habe lüften können. Je mehr ich ihn bedrängte, desto beharrlicher verschloß er sich in seinem Schweigen. »Nur die Schwarzgewandeten können das Wesen dieses Schwarz begreifen«, sagte er. Dennoch beharrte ich auf meiner Frage, so daß er schließlich sagte: »in China gibt es eine wunderschöne Stadt, genannt die Stadt der Schwarzgewandeten. Dort trägt jeder Trauer.« Der Wanderer weigerte sich, ein weiteres Wort zu sagen, und war bald darauf verschwunden.

Fasziniert von dieser Geschichte, beschloß ich, das Rätsel dieser Stadt zu lösen, doch niemand schien etwas über den Ort zu wissen. Schließlich verzichtete ich vorübergehend auf meinen Thron, nahm ein paar Juwelen mit und machte mich auf den Weg, um diese geheimnisvolle Stadt zu finden.

Wahrhaftig, sie war wunderschön. Ali ihre Bewohner waren in Schwarz gekleidet, mit Gesichtern hell wie der Mond. Ein ganzes Jahr durchstreifte ich die Stadt auf der Suche nach des Rätsels Lösung. Jeder schien die Antwort zu kennen, doch niemand sprach darüber. Schließlich freundete ich mich mit einem hochherzigen Metzger an. Ich überhäufte ihn mit Geschenken. Eines Tages, als ich mich schließlich seiner Freundschaft vergewissert hatte, erzählte ich ihm, wie es dazu gekommen war, daß ich meinen Thron verlassen hatte, um zu erfahren, warum diese Menschen so bekümmert und stets schwarz gekleidet seien.

»Du hast mir eine unziemliche Frage gestellt«, sagte er, »doch werde ich sie dir beantworten, so gut ich kann.«

Nachts brachte er mich zu einer Ruine außerhalb der Stadt. Dort fanden wir einen Korb, der an einem Seil befestigt war.

»Setz dich in den Korb«, sagte er, »dann wirst du wissen, warum wir so bekümmert und stets in Schwarz gehüllt sind.«

Kaum saß ich in dem Korb, als sich auf zauberische Weise ein Seil um meinen Hals schlang - wie um den Körper eines Gefangenen -, und der Korb erhob sich in die Lüfte.

Wenig später kam ein Turm in Sicht, der bis zum Mond reichte, und der Korb landete. Vor Angst und Enttäuschung schloß ich die Augen. Es dauerte nicht lange, bis sich ein Vogel von der Größe eines Bergs neben mir niederließ. Wenig später war er eingeschlafen. Ich bereute mein Vertrauen in den Metzger und beschloß, mich an den Vogel zu klammern und von ihm tragen zu lassen, wohin es ihm beliebte.

Kaum war der Vogel erwacht, als wir davonflogen zu einer langen Reise, bis er sich schließlich bei einer prachtvollen Wiese niederließ. Blumen in allen Farben, Hyazinthen, Nelken, Jasmin und Rosen schmückten die Ebene, und Zedern säumten die Flüsse, die sich sanft durch das Weideland schlängelten.

Überglücklich beim Anblick solch paradiesischer Zustände, wanderte ich durch die Wildnis, legte mich gelegentlich zum Schlafen nieder und versank in Träumereien.

Ein sanfter Wind kam auf und umschmeichelte mich, eine Frühlingswolke zog heran, aus der ein erfrischender, perlengleicher Regen auf Blätter und Halme fiel. Es hatte kaum aufgehört zu regnen, als mir etwas Neues den Atem verschlug. Aus der Ferne sah ich ein gleißendes Licht rasch auf mich zukommen. Eine lange Prozession bewegte sich auf mich zu, und bald konnte ich die sich Nähernden erkennen. Es waren Mädchen, ein jedes von solch betörender Schönheit, daß ich mich und die Welt ringsum vergaß. Wie bezaubernde Blüten, in Seidengewänder mit goldbetreßten Ärmeln gehüllt, schwebten sie heran. Hinter dem Schleier brennender Kerzen, die sie in ihren hennagefärbten Fingern hielten, lächelten ihre Lippen verheißungsvoll. Und schließlich erschien die Königin, oder sollte ich sagen: die Mitternachtssonne, und bestieg den Thron.

Ein paar Minuten verstrichen, ehe sie sagte: »Es scheint mir, als sei jemand, ein Erdgeborener vielleicht, in der Nähe.« Dann befahl sie einer der Feen, wen immer sie finde, herbeizubringen. Die Fee kam auf mich zu und lud mich freundlich ein, vor die Königin zu treten.

In der Nähe des Throns angelangt, küßte ich den Boden. Die Königin jedoch lud mich ein, den Thron zu besteigen und an ihrer Seite Platz zu nehmen. Ich lehnte mit den Worten ab, daß solch ein vornehmer Platz nicht mir, sondern Salomo gebühre. Doch sie behandelte mich wie einen Ehrengast und winkte mich an ihre Seite.

Eine Zofe nahm sanft meine Hand und führte mich näher an den Thron der Königin heran. Ich war sofort bezaubert von ihrer Schönheit. Getränke und Leckereien aller Art wurden aufgetragen. Dem Festmahl folgten Musikantinnen, während die Mundschenkin erneut umherging und allen den Kelch bis zum Rand füllte.

Vom Wein und von liebevollen, verführerischen Gesten ermutigt, wagte ich es, der Königin manchen Kuß zu rauben. Schließlich fragte ich sie nach ihrem Namen.

»Mein Vater nannte mich die >Schöne Türkenräuberin<«, sagte sie. Überrascht von diesem Zufall, erwiderte ich ihr, daß ich ebenfalls, wenn auch aus anderem Grund, >Türkenräuber< genannt würde, und lud sie ein, unser Liebesmahl mit einem Liebesspiel zu besiegeln. Ihre leuchtenden Augen ermutigten mich, darauf zu beharren. Doch als ich sie leidenschaftlicher umarmte, sagte sie: » Begnüge dich mit Küssen heute nacht, und wähle eines der Mädchen, um deine Glut zu löschen.« in meiner Verwirrung winkte die Königin eine der Feen heran, die mich zu einem Gemach führte. Ich bettete mein Haupt auf die Kissen, zog die Schöne eng an meine Brust und pflückte die Rose aus ihrem Lustgarten.

Beim Morgengrauen bereitete sie mir ein herrlich duftendes Bad, doch als ich mich zum Ankleiden erhob, war sie entschwunden. Ich wanderte durch den Garten und verträumte den Tag, gebettet auf Rosenblätter und duftende Blüten.

Als ich erwachte, hatte der dunkle Schleier der Nacht bereits den Himmel überzogen, und als ich mich aufsetzte, erschienen erneut die Feen und wiederholten den Festtrubel der vergangenen Nacht.

Alsbald bestieg die Feenkönigin, frisch wie der erste Frühlingstag, erneut ihren Thron und lud mich wieder an ihre Seite. Das Festgelage der vergangenen Nacht, es wiederholte sich mit lauter herrlichen Weinen, seltenen Köstlichkeiten, einer freigiebigen Mundschenkin und hinreißenden Tänzerinnen, und die Königin benahm sich noch zärtlicher als in der ersten Nacht. Die Mädchen überließen uns unseren Umarmungen, und wieder verführten mich ihre Leidenschaft und die weinselige Wärme, zärtlich mit ihren hübschen Locken zu spielen. Als ich sie jedoch vollends einnehmen wollte, bat sie mich wieder um Geduld und warnte mich vor Hinterlist.

»Ich dürstend, und du erfrischend wie ein Quell, warum solch eine Verweigerung?« fragte ich. »Mit Küssen begnüge dich heute nacht«, erwiderte sie, und wieder verbrachte ich die geheimste Stunde der Nacht mit einer Stellvertreterin statt mit ihr.

Neunundzwanzig Tage und Nächte setzte sich dieses Spiel fort. Ich verabscheute die langen Tage und sehnte ungeduldig die Nächte herbei.

In der dreißigsten Nacht kehrten die Königin und ihr Gefolge wieder und erhellten die ebenholzschwarze Ebene. Erneut winkte sie mich an ihre Seite, und das fröhliche Gelage begann von neuem. Bald durchbrach die Leidenschaft die Fesseln, mit der ich sie zu bändigen versucht hatte, und ich tastete willenlos vor Verlangen nach dem geheimsten ihrer Schätze. Mitfühlend und gelassen nahm die Königin meine Hände fort, küßte sie und flehte mich erneut an, Geduld zu haben. Tröstend erinnerte sie mich daran, daß ich nur durch Geduld die Früchte, die mir bereits gehörten, würde kosten können.

Verheert von Verlangen, erklärte ich meiner sonnengleichen Schönen voller Qual, ich könne meine Leidenschaft nicht länger durch Geduld zügeln. Die Königin erwiderte: »Der Schatz, nach dem du so sehnsüchtig trachtest, gehört bereits dir; du begehrst ihn zu früh. Warte ab, und zu gegebener Zeit wird er dir gehören.«

»Du erwartest das Unmögliche«, sagte ich, »dem Schatz so nah zu sein und sich seines Besitzes zu enthalten, übersteigt meine Kräfte.«

Sie appellierte an meine Vernunft. Diesmal bat sie, mich nur bis morgen zu gedulden, und fügte hinzu: »Eine Nacht ist kein Jahr.« Und erneut schlug sie mir vor, mich in Gesellschaft einer ihrer mondgleichen Schönheiten zu besänftigen.

Doch diesmal waren ihre Appelle an meine Vernunft vergebens. im Gegenteil, sie ließen das Feuer meiner Leidenschaft um so stärker auflodern. Ihre Einwände nicht achtend, beharrte ich auf meinen Bemühungen, ihren rubingleichen Schatz zu öffnen.

Als die Königin erkannte, daß ich nicht länger zurückzuhalten war, sagte sie schließlich: »Schließ deine Augen für einen Augenblick, dann kannst du vom Besten meines Schatzes kosten.«

Verlockt von ihrem Angebot und begierig auf ewige Wonnen, gehorchte ich und schloß die Augen. Eine Minute verging. »Öffne nun die Augen«, sagte sie.

Ich öffnete sie, doch nur, um zu erkennen, daß ich allein war, in beängstigender Finsternis in einem sinkenden Korb sitzend.

Mein Freund, der schwarzgewandete Metzger, wartete am Fuß des Turms. Er umarmte mich und sagte: »Nun weißt du, warum wir in Schwarz gehüllt sind. Worte hätten niemals den Grund unserer Qual ausdrücken können.«

Ich konnte ihm nur beipflichten und bat ihn noch, mir ein paar schwarze Gewänder zu besorgen. Ich trage sie zum Zeichen der Trauer um das verlorene Ideal, ein Ideal, das bei der Suche nach einer unreifen Hoffnung verlorengegangen ist.


So endete die Geschichte des Königs. Ich, seine geringe Dienerin, trage aus Mitgefühl ebenfalls Schwarz, da unter den sieben Farben der sieben Himmel keine so mächtig ist wie diese.

DeLaHoya
25.08.05, 22:38
Das ist eine wunderschöne (aber nicht gerade jugendfreie) Erzählung des aserbaidschanischen Poeten Nizami.

http://www.gamoh.org/en/img/nizami.jpg

Ich habe das aus einem Buch gescannt und die rot markierten Stellen geändert, ihr könnt euch evtl. denken, was dort stand:


»Die schwarze Saturnkuppel« ist Teil des Epos Die sieben Prinzessinnen (Haft Peykar) des aserbaidschanischen Poeten Nizami aus Gandjeh...

Sahika26
02.06.06, 19:38
Eine sehr schöne Geschichte...., sie hat mich richtig gefesselt und lässt mich nicht mehr los....

Ich muss das Buch lesen!

deryatulga
02.06.06, 21:04
Eine sehr schöne Geschichte...., sie hat mich richtig gefesselt und lässt mich nicht mehr los....

Ich muss das Buch lesen!
Alttaki dörtlük yanlislikla Yavuz Sultan Selim'e mal edilir. Oysa ki Nizami'ye ait. Sahika artik Türkce ögrenmeye baslasan iyi olacak:hallo;



Merdüm-i dideme bilmem ne füsun etti felek
Giryemi kıldı füzun eşkimi hun etti felek
Şirler pençe-i kahrımda olurken lerzan
Beni bir gözleri ahuya zebun etti felek


merdüm-i dide: Gözbebeği
füsun: Sihir, büyü
felek:Kader
girye:Gözyaşı,ağlayış
füzun:Çok fazla
eşk:Gözyaşı
hun:Kan
şir:Aslan
pençe-i kahr:Mahveden el, kahır pençesi
lerzan:Titreyen
ahu:Ceylan( sevgili)
zebun:Aciz, zayıf

Sahika26
02.06.06, 23:33
Alttaki dörtlük yanlislikla Yavuz Sultan Selim'e mal edilir. Oysa ki Nizami'ye ait. Sahika artik Türkce ögrenmeye baslasan iyi olacak:hallo;



Merdüm-i dideme bilmem ne füsun etti felek
Giryemi kıldı füzun eşkimi hun etti felek
Şirler pençe-i kahrımda olurken lerzan
Beni bir gözleri ahuya zebun etti felek


merdüm-i dide: Gözbebeği
füsun: Sihir, büyü
felek:Kader
girye:Gözyaşı,ağlayış
füzun:Çok fazla
eşk:Gözyaşı
hun:Kan
şir:Aslan
pençe-i kahr:Mahveden el, kahır pençesi
lerzan:Titreyen
ahu:Ceylan( sevgili)
zebun:Aciz, zayıf

Derya Hoca, son dokus ayda ögrendim zaten bugün bildigim türkceyi.... ;)

Sahika26
07.06.06, 20:58
Nizami: Die Sieben Geschichten der Sieben Prinzessinnen

Aus dem Persischen verdeutscht und herausgegeben von Rudolf Gelpke....Manesse Verlag

Isbn: 3717513168


Was die griechische Prinzessin am Sonntag in der gelben Sonnenkuppel erzählte...


Als am Sonntag die Morgensonne auf Gebirge und Ebene ihr Gold war, tat König Behram es ihr gleich, kleidete sich von Kopf bis Fuß in goldgelbe Gewänder, ergriff den Pokal und die Krone von Gold und steckte an den Finger einen safrangelben Bernsteinring. So angetan, zog er zur gelben Kuppel und verstreute Goldstücke unterwegs, um auf solche Weise seine eigene Freude unter den Menschen zu verhundertfachen. Er saß den ganzen Tag in Fröhlichkeit bei Wein und Gesang mit der Prinzessin zusammen, und als dann die Dunkelheit, der Schleier der Liebenden, über die Welt herabsank wünschte der Schah, dass ihm die Schöne eine Geschichte erzähle und ihre Kuppel mit Wohlklang erfülle. Da die Wünsche des Herrscher Befehle sind, vor denen es kein Ausweischen gibt, sprach die liebliche Griechin:

„O Lebensspender der Könige und Fürst der Fürsten! Möge jeder verderben, der dir nicht dienen will!“

Darauf begann sie…


Die Geschichte vom König, der nicht heiraten wollte

In einer Stadt in Mesopotamien herrschte einst ein mächtiger König. Er strahlte über der Welt wie eine Sonne, er war schön wie der erste Frühlingstag und in jeder Kunst ein erfahrener Meister. Nur ein einziger Schatten verdunkelte das Leben jenes Herrschers: er wollte nicht heiraten. In seinem Horoskop hatte er nämlich gelesen, es werde ihm von den Frauen nur Unfriede kommen, und darum war in ihm der Entschluß gereift, sich dieser Gefahr gar nicht erst auszusetzen.
Eine Zeitlang blieb er allein. Aber ist für einen König solch Einsamkeit gut? Er spürte wohl, wie traurig und eintönig sein Leben ohne Liebe dahinfloß – nein, auch das war gewiß nicht die richtige Lösung. So sandte er denn seine Leute aus und ließ sie überall Ausschau halten nach schönen Sklavinnen, in deren Gesellschaft ein König Erholung und Erheiterung fände.
War dieser Wunsch nicht leicht zu erfüllen? Gab es solche Mädchen nicht mehr als genug? Gewiß – ihrer viele wurden bald in den Palast und vor den Herrscher gebracht, aber seltsam! Lange blieb keine von ihnen. Schon nach einer Woche – manchmal etwas später, manchmal auch früher – ging mit diesen Mädchen, die zuerst wie Lämmer so sanft und fügsam geschienen hatten, eine sonderbare Veränderung vor sich. Sie alle überschritten bald ihre Grenzen. Die demütig gesenkten Köpfchen wurden dann plötzlich von Hoffart und Hochmut erhoben, die Dienerinnen verwandelten sich unversehens in Herrinnen, Ergebenheit in Anmaßung, und statt weiterhin dankbar zu sein für die Gunst und die Geschenke ihres königlichen Gebieters, rümpften diese Damen nur noch ihre hübschen Näschen darüber und verlangten immer mehr und Besseres.

Was aber war der Grund für diesen raschen Wechsel zum Schlimmen? Hören wir! Zur Dienerschaft im Königspalast gehörte auch eine bucklige Alte, die verbarg unter zuckersüßer Heuchelei viel Neid und Bosheit. Zwar war sie dumm, doch ihre Opfer waren es noch mehr. Sooft nun eine neue Schöne dem Herrscher zugeführt wurde, machte sich diese Alte alsbald an sie heran, umdienerte und umschmeichelte sie heimlich und träufelte ihr in Honig verstecktes Gift ins Ohr.

„Wahrhaftig – du bist eine Prinzessin von Kopf bis Fuß!“ so etwa flüsterte sie. „Welch ein Jammer, dass eine wie du hier nur dienen soll…“

Auf solche Weise verdarb sie die Mädchen, die ihr leider nur allzu gern zuhörten und Glauben schenkten, und je mehr sie das taten, um so unzufriedener wurden sie und um so nachlässiger im Dienst.
Weh dem, der unter seinem Dach eine solche Verderberin hat, die seinen Hausfrieden zerstört und die er nicht durchschaut!
Unserem König erging es so. Er fand die Prophezeiung in seinem Horoskop, daß ihm von Frauen Ungemach drohe, immer von neuem bestätigt, und jedes Mädchen, das ihm zuerst gefallen hatte und das er dann doch so bald, weil es frech wurde, wieder aus seiner Gegenwart verbannen musste, stärkte noch seinen Vorsatz, niemals zu heiraten. So war er die wurmstichigen Früchte zwar fort, aber das Übel an der Wurzel entging seinem Blick.

Natürlich musste er auch um den Spott nicht besorgt sein. Die Geschichte von den Sklavinnen des Königs machte unter den Leuten die Runde, und da, wie gewöhnlich, die allermeisten von ihnen nur nach dem äußeren Schein urteilten, so hielten sie den Fürsten für unersättlich und nannten ihn unter sich „den Mädchenhändler“.
Durch all die Enttäuschungen wurde der Herrscher verbittert und mutlos. Mehr und mehr zog er sich in seine Einsamkeit zurück und träumte dort von einer reinen Geliebten, die es jedoch, wie er dachte, in dieser Welt des Betrugs und der Täuschung gar nicht geben könnte. So lagen die Dinge, als eines Tages dem König gemeldet wurde, es sei von weit her, aus dem Reiche China, ein Kaufmann eingetroffen und der führe wohl an die tausend Jungfrauen mit sich, eine reizvoller als die andere. Aber unter ihnen allen befinde sich eine, die sei nicht wie ein Menschenkind geartet, sondern wie eine Feentochter. Es gehe ein Glanz von ihr aus, als habe sie vom Morgenstern das Licht gestohlen, und sie sei an Schönheit ein wahres Weltwunder. Dennoch bringe sie alle, die sie sähen, zur Verzweiflung, denn sie weise jedermann ab, und so süß ihr Lächeln sei, so bitter seien ihre Worte. Selbst alte Sklavenhändler, die ihr Beruf doch abgebrüht habe, seien von ihrem Anblick wie geblendet und hätten ihresgleichen noch nirgends und niemals gesehen…

Als der König diese Nachricht vernahm, gab er sofort Befehl, dass man den Handelsherrn aus China mit seinen Mädchen vor ihn führe. Und wirklich – unter all den Mondgesichtigen war jene eine die Königin. Sie war noch viel schöner, als man sie dem König beschrieben hatte, und er konnte die Augen gar nicht mehr abwenden von ihr. Und dennoch! Würde sie besser sein als alle ihre vielen Vorgängerinnen? Erwartete ihn, den König, nicht die gleiche Ernüchterung, die gleiche Enttäuschung wie immer bisher?


………………

Und was wird passieren?
Ich kenne das Ende und bin so gerührt von Nizamis Geschichten….. .

Sahika26
10.06.06, 22:44
Was die persische Prinzessin am Freitag in der weissen Venuskuppel erzählte...


Als am Freitagmorgen die Sonne das Himmelshaus weiß färbte, eilte der Schah, angetan in Weiß, zur weißen Kuppel, über der die Venus ihn grüßte. Er genoß, wie er es gewohnt war, den Tag über mancherlei Vergnügen mit der schönen Prinzessin.
Nachdem dann aber die Nacht mit ihrer dunkelblauen Augensalbe die Blicke von Mond und Sternen hatte aufleuchten lassen, wünschte der König von seiner die Seele und das Herz bestrickenden Gastgeberin, daß sie mit einer Geschichte das Echo ihrer Kuppel weckte.

Die Prinzessin flehte auf den Thron von Schah Behram den Segen des Himmels herab und erzähle ihm dann...

"Die Geschichte von den Heimsuchungen der Liebenden"

Wenn alte Frauen oft Wölfe sind, so war doch meine Mutter sanft wie ein Lamm, und von ihr hörte ich, daß sie einsmals in ihrer Jugend zusammen mit anderen Mädchen eingeladen worden war zu einem Fest bei einer Freundin. Dort ging es hoch her! Viele und herrliche Speisen wurden aufgetragen, so daß man mit Schauen nicht nachkam und über dem Anblick beinah das Essen vergaß. Die jungen Damen jedoch besannen sich nicht lange; sie schwelgten, daß es eine Freude war, und nach Geflügel und Braten, Kuchen und Früchten kam endlich auch die Reihe an den Wein. Der öffnete die Herzen und löste die Zungen, und nun, nachdem Vergnügen und Fröhlichkeit ihren Höhepunkte erreicht hatten, berichtete jedes der Mädchen, eins nach dem andern, irgendein Abenteuer: ein eigenes oder fremdes, ein erlebtes oder gehörtes. Aber die Schönste der Schönen, eine Silberbrüstige, anzusehen wie Honig und Milch und Zucker, erzählte - so sagte meine Mutter - auch die schönste Geschichte, und es war diese:

Eins lebte ein Jüngling, der war gelehrt wie der junge Jesus und schön wie Joseph in Ägypten, und er besaß vor der stadt einen Garten von solcher Pracht, daß man hätte glauben können, das Paradies sei dort auf die Erde gefallen.
Kein Fürst besaß jemals ein derartiges Juwel! Da gab es Rosenhecken und Spaliere von Fruchtbäumen aller Sorten, Samtwiesen, von Bächen durchflossen, und stille Teiche, in denen junge Zypressen wie aus Smaragden und mit Turteltauben auf ihren Ästen sich spiegelten. Nirgends sonstwo traf man so viele Vögel, nirgends sangen sie lieblicher, und jedermann mußte sie um ihre Flügel beneiden; denn - ach! - auf allen vier Seiten war dieser Himmelspark von einer hohen Mauer umschlossen, die den bösen Blick und die Diebe am Eindringen hindern sollte.

Kann es da wundernehmen, daß dieser Garten die größte Freude und den ganzen Stolz seines Besitzers bildete? Sooft es ihm seine Geschäfte erlaubte, kam er aus der Stadt zur Erholung dorthin - beschnitt die Bäume, pflanzte Jasmin, Narzissen und Veilchen und unternahm einen Rundgang, der sein Herz immer neu mit Entzücken erfüllte.

Als nun wieder einmal um die Mittagszeit der junge Herr seine Blumen besuchen wollte, hörte er schon von weitem Gesang und Lautenspiel. Überrascht lauschte er. Wie ? Irrte er sich? Drangen nicht diese süßen Töne, mit denen man wohl Früchte von ihren Ästen hätte herablocken können, geradewegs aus seinem Garten?

.................

Nizami: Die Sieben Geschichten der Sieben Prinzessinnen, S. 249ff.