PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : "Der Westen muß sich mehr auf den Islam einlassen"



DeLaHoya
30.08.05, 16:12
"Der Westen muß sich mehr auf den Islam einlassen"

Der türkische Theologe Mehmet Pacaci über einen neuen Islam, alte Theologen und tiefe Gräben

von Alexander Görlach

Berlin - Die Theologische Fakultät der Universität Ankara, zu der Professor Mehmet Pacaci gehört, repräsentiert die moderne islamische Theologie in der Türkei. Dort wird das Personal für die insgesamt 24 islamisch-theologischen Fakultäten des Landes ausgebildet. Mit Pacaci sprach Alexander Görlach über das Verhältnis des Westens zur Islamischen Welt.

DIE WELT: Wie würden Sie die Situation der Theologie derzeit in der Türkei beschreiben?

Mehmet Pacaci: Was im Christentum Theologie genannt wird, heißt im Islam Kalam. Das Studium an den Fakultäten im Land ist vor allem historisch ausgerichtet. Es geht darin um klassische Fragen: das Verhältnis von freiem Willen und göttlicher Vorherbestimmung, wie man Allah beschreiben kann. Es werden bislang wenige moderne Fragen studiert.

DIE WELT: Moderne und Islam werden von Moslems häufig als unvereinbare Gegensätze bezeichnet. Kann man als moslemischer Denker beide miteinander versöhnen?

Pacaci: Wenn man eine moderne Theologie will, also eine, die Fragen der Gegenwart an die Religion beantwortet, steht man allein. Das erleben Sie nicht nur in der Türkei, sondern überall in der islamischen Welt. Das hat etwas mit dem einnehmenden Vorstoß der westlichen Moderne auf unseren Kulturkreis zu tun: zuerst der Kolonialismus, heute moderne Technologie, ein anderes Wirtschaftssystem. Das fordert islamische Gesellschaften heraus, die mit diesen Phänomenen plötzlich konfrontiert werden. Aus dieser Erfahrung entstehen zwei Sorten Theologen: die einen, die so tun, als hätte sich nichts geändert, und die weiterhin das Studium der Quellen aus der Urzeit empfehlen. Die anderen sind die, die im elfenbeinernen Turm für sich das Denken des Westens annehmen und denen dabei egal ist, ob die eigenen Gläubigen sie noch verstehen oder nicht. Diese Kollegen wollen den Koran neu und mit den Maßstäben europäischer Wissenschaften interpretieren, was zu Problemen bei der Bevölkerung führt.

DIE WELT: Ist denn eine Neuauslegung des Koran nicht hilfreich?

Pacaci: Die neue Koranauslegung, die gefordert wird, greift zu kurz. Wie im katholischen Glauben kennt der Islam neben der Schrift auch noch die Tradition. Für einen gläubigen Moslem haben neben dem Koran auch die Sunna, das Leben und die Aussprüche des Propheten Mohammed, und das Hadith, die Rechtstradition, maßgebliche Autorität. Im 12. Jahrhundert wurden die "Tore der Interpretation" geschlossen. Seitdem gilt die gesamte Rechtstradition, das Hadith, von dem ich gesprochen habe, als abgeschlossen. Über eine Wiedereröffnung der Tore wird noch viel gestritten werden.

DIE WELT: Sind Islam und Moderne nun kompatibel oder nicht?

Pacaci: Der Westen ist sehr dominant; er denkt, daß sich alle anderen seinen Maßstäben unterordnen müssen. Der Westen versteht seine Herangehensweise an die Wissenschaft als allein seligmachende. Der Erfolg in Wissenschaft und Technik scheint dies zu bestätigen. Diese Haltung vertieft den Graben zwischen den beiden Zivilisationen. Der Westen muß sich mehr auf die anderen Kulturen einlassen und nicht umgekehrt.

DIE WELT: In Europa wird derzeit vor allem die Entwicklung des Islam arabischer Prägung mit Sorge betrachtet. Werden die Gläubigen in der Türkei sich eher den klassischen Theologen anschließen, die in der arabischen Welt leben, oder dem modernen Weg folgen, für den Sie stehen?

Pacaci: Eine moderne Theologie steht immer auf dem Boden der Tradition. Jedes islamische Land, sei es die Türkei, seien es andere, hat eine eigene Entwicklung und Besonderheiten auch im Hinblick auf die Religion. Jede Gesellschaft steht vor anderen Herausforderungen. Jedes Land wird darauf seine eigenen Antworten finden müssen, auch die Türkei.

DIE WELT: Sehen Sie auf lange Sicht einen Einfluß ihrer Theologenschule auf die normalen Menschen in der Türkei?

Pacaci: Die Menschen werden immer besser informiert sein über religiöse Fragen. Um das zu erreichen, sind die Weichen meiner Meinung nach unumkehrbar gestellt. In den 24 Fakultäten des Landes werden die Imame an moderne wissenschaftliche Methoden herangeführt. Im Moment gibt es in den Moscheen auch noch die Verfechter des allein "klassischen" Weges. Dort wird über längst beantwortete Fragen gesprochen: Wie steht der Islam zur Vielehe? Wie zum Sklavenhandel? Das hat mit dem Leben der Leute heute nichts zu tun.

DIE WELT: Bringt ein möglicher Beitritt zur Europäischen Union einen Fortschritt für den Islam in der Türkei?

Pacaci: Das moderne Europa gründet auf einem säkularen Weltbild. Gott und praktizierte Religion haben darin nichts zu suchen. Diese Sicht ist gegen die Natur des Christentums und gegen die des Islam gleichermaßen - eigentlich ist sie gegen jede religiöse Tradition auf der Erde. Aber Europa hat auch Werte und Prinzipien hervorgebracht wie die Religions- und Gewissensfreiheit und die Menschenrechte. Losgelöst von einem antireligiösen Weltbild kann sich auch die islamische Theologie auf der Grundlage dieser Werte fortentwickeln.


Artikel erschienen am Di, 30. August 2005

http://www.welt.de/data/2005/08/30/767560.html

Ingolstädter
06.09.05, 23:58
ja es ist erfreulich zu sehen dass sich teilweise der islam wie das christentum bei/nach der aufklärung verhält.

nun ich denke nicht dass es die primäre pflicht europas ist sich auf den islam einzulassen. immerhin hat der islam hier keine kulturellen wurzeln. jedoch ist toleranz und religionsfreiheit eine selbstverständlichkeit, solange diese nicht missbraucht wird.

wer sich dem konservativem islam zugezogen fühlt und sich ernsthaft über sklaverei gedanken macht hat meiner ansicht nach in europa nichts verloren. aber ich habe ja schon öfter gesagt dass wir mit den türken noch die moderatesten muslimischen einwanderer haben...

wenn man nach schweden oder andere länder schaut in denen die einwanderer großteils aus iran/irak libanon sind, kommt einen das grausen (manche gebiete sind dort schon nicht mehr unter kontrolle des staates und der staat ändert auch nichts daran).

DeLaHoya
07.09.05, 00:07
aber ich habe ja schon öfter gesagt dass wir mit den türken noch die moderatesten muslimischen einwanderer haben...

wenn man nach schweden oder andere länder schaut in denen die einwanderer großteils aus iran/irak libanon sind, kommt einen das grausen (manche gebiete sind dort schon nicht mehr unter kontrolle des staates und der staat ändert auch nichts daran).

Mich würde interessieren, ob dort auch so gehetzt wird wegen "Zwangsheiraten" und "Ehrenmorden".

Ich weiß es nicht, doch ich habe das Gefühl, dass man in Deutschland auf jedem Türkei-Thema rumhackt.

mika
07.09.05, 00:59
bla bla ... solange diese nicht missbraucht wird.Wie mißbraucht? Durch Bart und falsche Kleidung vielleicht?

wer sich dem konservativem islam zugezogen fühlt und sich ernsthaft über sklaverei gedanken macht hat meiner ansicht nach in europa nichts verloren. Aha! Wie früher auch schon andere. Einfach die Rübe runter, gell? Oder "abschwören".

DeLaHoya
07.09.05, 20:29
Wie mißbraucht? Durch Bart und falsche Kleidung vielleicht?
Aha! Wie früher auch schon andere. Einfach die Rübe runter, gell? Oder "abschwören".

Abschieben nach Saudi Arabien, das würde meines Erachtens genügen. Dort wird so manchem sowieso die Rübe abgeschlagen.

Ingolstädter
07.09.05, 23:00
Wie mißbraucht? Durch Bart und falsche Kleidung vielleicht?

entschuldige mal, ich habe selber einen vollbart.

nein mißbrauchen in dem sinne, dass die leute die toleranz die ihnen entgegengebracht wird zur intoleranz mißbraucht wird, oder dazu hier kostenlos zu studieren wie man fliegt und dieses wissen zu nutzen um tausende "ungläubige" in den tod zu reißen.

merke: wir reden nicht von normalen muslimen sondern von konservativen bis hin zu osamas.


Aha! Wie früher auch schon andere. Einfach die Rübe runter, gell? Oder "abschwören".

nein abschieben in ein islamisches land ihrer wahl. wenn sich ihr weltbild mit dem europäischen weltbild nicht verträgt dann geht man den konflikt am besten aus dem weg indem man sich schlicht auch aufenthaltsmäßig aus dem weg geht. da wir europäer in europa heimrecht haben, denke ich dass sich stark konservative muslime besser in stark konservativen islamischen ländern eine bleibe suchen sollten.

Patriot
25.12.05, 23:46
Hallo Leute !


Da ich noch immer keine Themen eröffnen kann, werde ich diese Frage hier stellen:


Kennt jemand eine Seite auf der ALLE Islamisch geprägten Länder & ALLE Christlich geprägten Länder befinden ?


KURZ: Ich brauche Zwei Listen, a - Länder mit überwiegend muslimischer Bevölkerung und b - Länder mit überwiegend christlicher Bevölkerung.

DeLaHoya
25.12.05, 23:55
Hallo Leute !


Da ich noch immer keine Themen eröffnen kann, werde ich diese Frage hier stellen:


Kennt jemand eine Seite auf der ALLE Islamisch geprägten Länder & ALLE Christlich geprägten Länder befinden ?


KURZ: Ich brauche Zwei Listen, a - Länder mit überwiegend muslimischer Bevölkerung und b - Länder mit überwiegend christlicher Bevölkerung.
Hier ein Karte.... ein bisschen Englischkentniss und googeln helfen dir weiter.

http://www.mapsofworld.com/images/world-religion-map.gif

Telli Baba
25.12.05, 23:57
Hier ein Karte.... ein bisschen Englischkentniss und googeln helfen dir weiter.

http://www.mapsofworld.com/images/world-religion-map.gif

Das ist aber Stark vereinfacht. Fast schon amerikanisch. :D

Patriot
26.12.05, 00:29
Hier ein Karte.... ein bisschen Englischkentniss und googeln helfen dir weiter.

http://www.mapsofworld.com/images/world-religion-map.gif


danke, aber das habe ich nicht gesucht.

ich suche eine liste.

Telli Baba
26.12.05, 00:32
danke, aber das habe ich nicht gesucht.

ich suche eine liste.

Was denn für eine Liste? :aferin:

bigberta
26.12.05, 11:40
Susanne und Isabelle (http://bigberta.twoday.net/stories/1306980/#1325947)

Ähm, ich gebe es ja zu, ich will auch was mit meinem blog angeben, aber ich finde - auch aus eigener Betroffenheit - in dieses Thema passt auch, wie die zur Zeit prominenteste Konvertitin mittlerweile in den Medien niedergemacht wird. Ich weiß nicht, ob Ihr das gelesen/gehört habt: Osthoff wird "ermahnt", nicht mehr in den Irak zurückzukehren und es werden keine Projekte mehr gefördert, die damit zu tun haben, daß sie noch mal in den Irak reist. Also, ich finde das sehr merkwürdig.

Osthoff selber erinnert mich sehr stark an Isabelle Eberhardt (http://bigberta.twoday.net/stories/1306780/comment)