Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Türken empört über Unionsvorstoß in der Armenierfrage
Der Umgang mit dem Völkermord der Osmanen an den Armeniern vor 90 Jahren hat zu einem scharfen Disput zwischen Union und türkischer Regierung geführt. Die Unionsfraktion will, dass der deutsche Bundestag die Türkei zur Vergangenheitsbewältigung antreibt, die Türken weisen das Vorhaben als "plumpe Verleumdung" zurück.
AFP
Völkermord in Armenien 1915: Türkische Soldaten, erhängte Armenier
Hamburg - Der Antrag trifft die Türkei an einem ihrer verwundbarsten Punkte: Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion fordert die Bundesregierung auf, Druck auf die Regierung in Ankara auszuüben. Die Türkei solle sich mit ihrer Rolle gegenüber den armenischen Christen "in Geschichte und Gegenwart vorbehaltlos auseinander". Darüber hinaus solle Ankara die Strafbarkeit von Berichten über die Massaker aufheben.
Der außenpolitische Sprecher der Union, Friedbert Pflüger, sagte, die Union wolle die Türkei nicht anklagen. Seine Partei wolle vielmehr erreichen, dass sich die Türkei "mit Offenheit ihrer Geschichte stellt". Daher sei in dem Text auch bewusst auf den Begriff des Völkermordes verzichtet worden. Es sei vielmehr von Massakern und Vertreibungen die Rede.
Das allerdings reichte aus, um die Türken zu heftigen Attacken zu veranlassen. Der türkische Botschafter in Berlin, Ali Irtemcelik, erklärte am heutigen Sonntag, er hoffe nicht, dass "unsere Freunde in den Unionsparteien" versuchten, durch "plumpe Verleumdung" die in Deutschland lebenden Türken zu beleidigen und den türkisch-deutschen Beziehungen Schaden zuzufügen.
Befremdlich sei, dass der Antrag "Vorurteile, sachliche Fehler, bedeutsame Informationsdefizite und einseitige Erwartungen" enthalte. In ihrer Regierungszeit habe sich die Union noch gegen solche Initiativen gestellt, erklärte Irtemcelik.
Irtemcelik warf der CDU/CSU-Bundestagsfraktion darüber hinaus vor, "sich zum Sprecher des fanatischen armenischen Nationalismus" zu machen, der auf der ganzen Welt von organisiertem Terror Gebrauch mache.
Deutsches Reich von Anfang über Morde informiert
Damit blieb die Unionsfraktion in der Formulierung hinter einem Beschluss des Europäischen Parlaments vom Dezember 2004 zurück. Das hatte die Türkei bei seiner Zustimmung zur Aufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen ausdrücklich aufgefordert, den Völkermord an den Armeniern als solchen anzuerkennen. Dagegen wehrt sich die türkische Regierung vehement.
In dem Antrag wird darauf verwiesen, dass den Massakern und Vertreibungen zwischen 1,2 und 1,5 Millionen Armenier zum Opfer gefallen seien. Die Türkei als Rechtsnachfolgerin des Osmanischen Reiches bestreite bis heute, dass diese Vorgänge planmäßig erfolgt und von der osmanischen Regierung beabsichtigt gewesen seien. Mit Bedauern wird unter Berufung auf Archiv-Akten des Auswärtigen Amtes auch darauf verwiesen, dass die politische und militärische Führung des Deutschen Reiches "von Anfang an über die Verfolgung und Ermordung der Armenier genauestens informiert" gewesen und untätig geblieben sei.
Die Union hat sich mehrfach dagegen ausgesprochen, dass die Türkei Vollmitglied in der EU wird. Stattdessen solle Europa den Türken eine "privilegierte Partnerschaft" anbieten. Insbesondere CDU-Chefin Angela Merkel hatte bei den Mitgliedsstaaten der EU interveniert, als es vor wenigen Monaten um die Entscheidung über eine Aufnahme von Verhandlungen mit der Türkei ging.
Türkische Empfindlichkeiten
Ankara setzt immer wieder alle Hebel in Bewegung, um die damaligen Massenmorde nicht als planmäßig und regierungsamtlich gewollt erscheinen zu lassen, was ihre Einstufung als Völkermord bedeuten würde. So war im Januar bekannt geworden, dass das Brandenburger Bildungsministerium den Völkermord an den Armeniern nach diplomatischem Druck aus Ankara aus den Geschichtsbüchern der neunten und zehnten Klasse gestrichen hat.
Das Verbrechen hatte als alleiniges Beispiel gedient, um den Schülern den Begriff Völkermord nahe zu bringen. In einer revidierten Fassung soll nach Ankündigungen von Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) der Völkermord an den Armeniern zwar wieder aufgenommen, aber mit weiteren Beispielen für diese Art des Massenmordes verdeutlicht werden.
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,343957,00.html
Es ist ein gefähliches Spiel, was die Union zur Zeit im Namen des Stimmenfangs treibt.
Der Schakal
27.02.05, 17:04
Die Union instrumentalisiert die Armenische Frage nur um ihren Antitürkismus weiterzuverbreiten. Der Rassismus der hier ausgeht halte ich für gefährlich
stolzer-Deutscher
27.02.05, 20:39
Es wird noch sehr viel auf euch zukommen hinsichtlich dieser Frage, auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, dass die CDU im Bundestag damit Erfolg hat....
Aber warten wir einfach mal ab.....
Ich bin für eine Aufarbeitung durch unabhängige Historiker und Experten. Dieses Thema wird nur noch politisch betrieben. Zunächst sollten die Fakten auf den Tisch gebracht werden. Wie das Ergebnis auch sein mag, die Türkei muss es auch tragen.
Der Schakal
27.02.05, 21:03
Wenn sich aber armenische Historiker weigern an Treffen teilzunehmen und nicht erscheinen...dann kann man das eben nicht aufarbeiten...!!!
stolzer-Deutscher
27.02.05, 21:06
Ich bin für eine Aufarbeitung durch unabhängige Historiker und Experten. Dieses Thema wird nur noch politisch betrieben. Zunächst sollten die Fakten auf den Tisch gebracht werden. Wie das Ergebnis auch sein mag, die Türkei muss es auch tragen.
das ist ein guter kompromiss....
aber leider teile ich deinen optmismuss nicht teilen.... die cdu manipuliert das deutsche volk, unabhängig von historischen Auseinanderdestzungen diesbezüglich....
Der Satz in dem Eingangsbericht von Friedbert Pflüger ist auch ein Witz....
Die Türkei muss dieses Thema selbst aufarbeiten... Daher ist es ein Witz, eine Hinterhältigkeit, diesen satz zu sagen, um die eigene innen sowie aussenpolitische srupellosigkeit zu verstecken....
es wird sich zeigen, ob dieser vorstoss im interresse des deutschen volkes ist
Der Schakal
27.02.05, 21:09
@stolzer-Deutscher
Leider versucht die CDU mit allen Mitteln die Türkei daran zu hindern Mitglied der Eu zu werden. Die Instrumentalisierung der armenischen Frage zeigt doch gerade wie Anti-türkisch diese Partei agiert und wenn man dagegen nichts unternimmt wird das Auswirkungen haben die sich das heutige Deutschland nicht mal vorstellen kann...
Ich frage mich aber trotzdem, wie manche Türken guten Gewissens noch CDU-Mitglied sein können?
Ich frage mich aber trotzdem, wie manche Türken guten Gewissens noch CDU-Mitglied sein können?
stimmt, aber die meisten türkischen Mitglieder teilen ja nicht die Meinungen von merkel und co., sondern versuch innerhalb der Partei hinsichtlich der Türkeipolitik etwas zu verändern.
Der Schakal
28.02.05, 18:28
Ich frage mich aber trotzdem, wie manche Türken guten Gewissens noch CDU-Mitglied sein können?
stimmt, aber die meisten türkischen Mitglieder teilen ja nicht die Meinungen von merkel und co., sondern versuch innerhalb der Partei hinsichtlich der Türkeipolitik etwas zu verändern.
Genau ! Sie machen innerhalb der CDU Lobbyarbeiten...wer aber nur mitglied ist und nicht mitarbeitet, also sinnlos sein Geld an die CDU weiterleitet, denn kann ich nicht verstehen...
Ich frage mich aber trotzdem, wie manche T?rken guten Gewissens noch CDU-Mitglied sein k?nnen?
stimmt, aber die meisten t?rkischen Mitglieder teilen ja nicht die Meinungen von merkel und co., sondern versuch innerhalb der Partei hinsichtlich der T?rkeipolitik etwas zu ver?ndern.
Ich k?nnte niemals Mitglied in der CDU werden, weil ich keine Lust habe, mich st?ndig ?ber meine eigene Partei zu ?rgern!
JEDES MAL muss die CDU auf dem Theme T?rken/T?rkei rumreiten (Doppelte Staatsb?rgerschaft, EU-Beitritt, Armenier-Frage usw.).
Ich w?rde ganz schnell wieder austreten, denn ich kann mir nicht ewig einreden, dass die das gar nicht so meinen...
Der Schakal
04.03.05, 15:54
Zum Antrag der CDU/CSU Bundestagsfraktion
Datum: Freitag, 04. März 2005 um 12:47 Uhr
Topics Basýn & Presse
zum Antrag der CDU/CSU Bundestagsfraktion „Gedenken anlässlich des 90. Jahrestages des Auftakts zu Vertreibungen und Massakern an den Armeniern am 24. April 1915. Deutschland muss zur Versöhnung zwischen Türken und Armeniern beitragen.“
Mit großem Bedauern müssen wir seit geraumer Zeit die Bestrebungen der christlich-demokratischen Union und ihrer Schwesterpartei bezüglich einer permanenten Diffamierung der Türkei, ihrer Menschen und ihrer Geschichte zur Kenntnis nehmen.
Nachdem die Bemühungen von Teilen von CDU/CSU, insbesondere ihrer Spitzen, gottlob ihr Ziel verfehlt haben, die Aufnahme der Beitrittsverhandlungen für die Vollmitgliedschaft der Türkei in die EU zu verhindern, da selbst ihre Schwesterparteien in Europa ihren Vorschlag einer sogenannten „priviligierten Partnerschaft“ nicht nachvollziehen konnten, möchte nunmehr die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag den „Oberschiedsrichter und Versöhner“ mit geschichtlichem Auftrag aufspielen.
Dies ist um so verwerflicher, als Deutschland bei den tragischen Vorfällen während des ersten Weltkrieges eine gewichtige Rolle gespielt hat. Die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag täte gut daran, es ausschließlich den Historikern zu überlassen, über geschichtliche Ereignisse Urteile zu fällen. Es bringt außer innenpolitischem Schaden niemandem etwas, diese höchst sensible und tragische Frage für parteipolitische Zwecke zu instrumentalisieren. Dabei empfiehlt es sich, anstatt einem einseitigen Propagandakrieg zu erliegen, zum Beispiel auch andere Quellen als armenische, wie z.B. osmanische, englische aber auch deutsche und andere heranzuziehen.
Der wichtigste Beitrag wäre es, wenn die CDU/CSU-Verantwortlichen sich bei ihren christlich-armenischen Freunden dafür verwenden würden, die von der Türkei unternommenen aufrichtigen Initiativen zur Klärung des Sachverhalts durch ein internationales Historikergremium nicht beharrlich zu sabotieren, wie dies erst kürzlich in Wien wieder geschehen ist.
Die höchst tragischen Ereignisse vor und im Jahre 1915, denen Hunderttausende Armenier aber auch Türken und Kurden zum Opfer gefallen sind, bedürfen einer gründlichen historischen Analyse. Über Bewertung und Beurteilung dieser Ereignisse von vor über 85 Jahren gibt es heute unterschiedliche Standpunkte. Deshalb würde es diesem höchst sensiblen Ereignis nicht gerecht, wenn das deutsche Parlament ohne eine genauere Würdigung dieses Problems einen einseitig wertenden Beschluss hierüber fassen würde. Eine solche Entscheidung wird nicht nur unter den Deutschlandtürken zu einer großen Beunruhigung führen, sondern auch die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei erheblich belasten.
Wir möchten die Unionsspitzen darauf aufmerksam machen, dass durch ihre Politik gegenüber den Deutschlandtürken bereits viel Porzellan zerschlagen worden ist und die von ihnen geforderte Integration nachhaltig Schaden nimmt.
Wir fordern die CDU/CSU-Bundestagsfraktion auf, ihren einseitigen und von der türkischen Bevölkerung als türkeifeindlich eingestuften Antrag zurückzuziehen. So wird sie der Wahrheitsfindung sicher eher gerecht werden und auch einen sicher wertvolleren Beitrag zu einer weiteren Normalisierung der Beziehungen der Türkei und Armeniens auf der Grundlage gut nachbarschaftlichen Umgangs leisten.
Şener Sargut
stellvertr. Bundesvorsitzender
Der Beitrag kommt von Türkische Gemeinde in Deutschland
http://www.tgd.de/tgd/
Die URL für diesen Beitrag lautet:
http://www.tgd.de/tgd/modules.php?op=modload&name=News&file=article&sid=448
Der Schakal
04.03.05, 23:10
Evet...kardes...ben bu haftasonu yokum...onun icin pazartesi aksam göndeririz...die Wahrheit wird siegen !
EATA Baden-Württemberg e.V.
Postfach 10 12 07
70011 Stuttgart
Deutscher Bundestag
CDU/CSU-Bundestagsfraktion
Frau Dr. Angela Merkel, MdB
Platz der Republik 1
11011 BERLIN
Betreff: Ihr Antrag „Gedenken anlässlich des 90. Jahrestages des Auftakts zu Vertreibungen und Massakern an den Armeniern am 24. April 1915 – Deutschland muss zur Versöhnung zwischen Türken und Armeniern beitragen“
Sehr geehrte Frau Dr. Merkel,
wie wir der Tagespresse entnommen haben, hat sich Ihre Fraktion dazu entschlossen, einen Antrag bezüglich der Vorfälle im Jahre 1915 im Osmanischen Reich zur Beschlussfassung in den Deutschen Bundestag ein zu
bringen.
Im Folgenden wollen wir uns als türkischstämmige Bürger dieses Landes und Teil dieser Gesellschaft zu Ihrem Antrag äußern, den wir eingehend studiert haben:
1. Ihre Darstellung der Ereignisse von 1915 ist sehr einseitig
Es würde hier zu weit führen, auf all Ihre Punkte einzugehen, die historische Relevanz haben. Das haben andere, unabhängige Historiker bereits zu genüge getan. Die Ergebnisse liegen in zahlreichen Veröffentlichungen vor. Im Anhang finden Sie Namen und Publikationen einiger dieser Historiker, deren Arbeiten in direktem Bezug zu den in Ihrem Antrag genannten Namen und Themen stehen.
Dennoch wollen wir uns erlauben, einige Bemerkungen zu machen: Der Zitierte britische Historiker Arnold J. Tonybee hat später im Rückblick zugegeben, dass seine Arbeiten in dem Kriegstagen des Ersten Weltkrieges, insbesondere das „Blue Book“ und die „Dokumente“ dort, zielgerichtete Propaganda waren:
Es ging darum, die Kriegsanstrengungen des British Empire und ihrer Alliierten zu stärken.
Der deutsche protestantische Pastor Dr. Johannes Lepsius selber ist kein Augenzeuge der Vertreibung der Armenier, sondern hat während seines einen Monat dauernden Aufenthalts in Istanbul im August 1915 beim US Botschafter Henry Morgenthau „Dokumente“ abgeschrieben, die von armenischen Übersetzern und protestantisch-amerikanischen Missionaren stammen, was die Glaubwürdigkeit und Objektivität dieser sehr mindert, und die Parteinahme für die christlichen Armenier nahelegt. Henry Morgenthaus‘ Plan war es wiederum, durch besonders grausame Darstellung der Vertreibung der Armenier und entsprechende Propaganda durch sein Buch „Ambassador Morgenthau’s Story“ die USA auf dir Seite der Alliierten in den Krieg zu ziehen.
Franz Werfels Roman „Die vierzig Tage des Musa Dagh“ wiederum basiert auf seine Studienreise nach Syrien im Jahre 1929, wo er und seine Frau verwaiste armenische Kinder arbeitend in einer Fabrik gesehen und „Dokumente“ bekommen hat, die die Tötungsbefehle der Osmanischen Regierung, insbesondere des Innenministers Talat Pascha, belegen sollten; diese Dokumente haben sich später als plumpe Fälschungen des Armeniers Aram Andonian herausgestellt. Ganz abgesehen davon, liegt es Romanen zu Grunde, dass sie immer auch Fiktion sind und als wissenschaftliche Quelle gänzlich ungeeignet sind.
Am 24. April 1915 wurden 2345 Anhänger von armenischen Untergrundbewegungen festgenommen, die auf das Ziel „Großarmenien“ im Ostanatolien hinarbeiteten. Das Ziel der Armenier sollte und konnte nur mit Hilfe und in Zusammenarbeit mit den Kriegsgegnern des Osmanischen Reiches (Britisches Königreich, Frankreich, Russland) geschehen. Am 25. April 1915 landeten die Alliierten in Gallipoli, um – nach ihren Plänen - bald Istanbul zu erobern. Es begann eine der blutigsten Schlachten der Weltgeschichte. Im Kriegsfall wird die Zusammenarbeit mit dem Feind in allen Staaten als Hochverrat geahndet und mit dem Tode bestraft. Die US-Regierung hat nach dem verheerenden japanischen Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 aus Furcht vor einer japanischen Besatzung der US-Westküste alle ihre japanischstämmigen Bürger ins Landesinnere deportiert, aus Angst vor Unterstützung im Falle einer Besatzung. Im Falle der Armenier gibt es Beweise für die direkte Zusammenarbeit und aktive Teilnahme von Armeniern an den Kampfhandlungen auf der Seite der Alliierten, seit Kriegsbeginn 1914. Die Besatzung Nordostanatoliens durch Russische Truppen war kein theoretisches Szenario, sondern Realität! Die Vorbereitung auf den Krieg war bereits geübt in vielen Aufständen vorher, aufgestachelt auch von den „christlichen“ Missionaren.
Die offizielle Bevölkerungszahl der Armenier im Osmanischen Reich im Jahre 1914 wird in diversen Untersuchungen mit ca. 1.2 Millionen angegeben. Es ist bekannt, dass viele hunderttausende Zuflucht in Russland, im Nahen Osten, in Frankreich, in den USA und anderswo (z.B. in Südamerikanischen Staaten) gefunden haben. Die Zahl der durch die Vertreibung, Krankheiten und Gewalt (dem sog. „Genozid“) umgekommenen Armenier dürfte bei mehreren hunderttausend liegen. Im selben Zeitraum lagen die Verluste der türkischen (osmanisch-muslimischen) Zivilbevölkerung durch dieselben Umstände um ein mehrfaches höher (ca. 2,5 Millionen). Die in ihrem Antrag genannte Anzahl von „zwischen 1,2 und 1,5 Millionen Armenischer Opfer“ ist definitiv zu hoch; selbst der armenische Historiker Prof. Richard Hovanissian nannte in einem Vortrag am 24.03.2001 in Mülheim an der Ruhr die Zahl „1 Million Opfer“. Türkische Historiker gehen eher von dreihunderttausend aus.
2. Ein Zusammenhang zwischen Geschichtsbewältigung und EU-Beitritt gibt es nicht.
Bei der Osterweiterung der EU hat man bewusst und weitsichtig die Fragen der Geschichtsbewältigung ausgeklammert, so z.B. im Falle Polens, oder der Tschechischen Republik. Die „Republik Zypern“ – de facto nur der griechische Süd-Zypern – wurde EU-Vollmitglied, ohne dass es zu einer „geschichtlichen Aufarbeitung“ und Lösung gekommen wäre. Es ist kaum anzunehmen, dass die Erweiterung der EU um Rumänien und Bulgarien an der Frage scheitert, warum diese Länder in und nach den zwei Balkankriegen 1912/13 die türkische Zivilbevölkerung vertrieben und unterdrückt haben und für millionenfachen Tod von Türken verantwortlich sind.
Es wäre ein Novum in der Geschichte der EU und ein zusätzliches Kriterium zu fordern, dass ein EU-Beitrittskandidat seine Geschichte aufarbeiten muss, um Mitglied zu werden. Ein entsprechender Vorstoß wegen einem möglichen EU-Beitritt der Türkei würde deswegen in der Türkei und bei den türkischstämmigen Bürgern in Deutschland negativ aufgenommen und bewertet.
3. Ihr Antrag trägt nicht zur Versöhnung bei, sondern spaltet
Die einseitige Darstellung der Geschichte unter Ausblendung wichtiger historischer Tatsachen trägt keineswegs zur Versöhnung bei. So gibt es in Ihrem Antrag keinen Hinweis auf die diversen imperialistischen Pläne zur Aufteilung des Osmanischen Reiches unter Ausnutzung und Instrumentalisierung der christlichen Minderheiten dort. Weder die zu diesem Zweck auf dem Berliner Kongress 1878 aufgeworfene und später missbrauchte angebliche „Armenische Frage“, noch Versprechungen an die christlichen Minderheiten (Griechen, Armenier, Bulgaren, Serben,...), eigene unabhängige Staaten zu errichten oder bestehende zu erweitern, noch der christliche Missionierungsversuch Anatoliens, finden Erwähnung, genauso wenig die Bewaffnung durch die Alliierten und der aktive Kriegsdienst der Armenier bei den Alliierten. Sie erwähnen auch nicht, dass gleich nach dem Ersten Weltkrieg die angeblich Verantwortlichen für den „Genozid“ durch die Alliierten auf die Insel Malta gebracht wurden, aber mangels Beweisen nach etwa zwei Jahren wieder freigelassen werden mußten. Führende Persönlichkeiten der Ittihat ve Terraki Cemiyeti (Komitee für Einheit und Fortschritt) wurden in einem Akt der Selbstjustiz durch Armenier ermordet. Der Prozess wegen der Ermordung des Innenministers Talat Pascha am 15. März 1921 in Berlin ist ein dunkles Kapitel deutscher Justizgeschichte, denn verurteilt wurde nur das Opfer, das sich nicht verteidigen konnte. In den 70‘er und 80‘er Jahren diente dieser Prozess armenischen Mördern der ASALA als moralische Rechtfertigung für ihre Morde an türkischen Diplomaten.
Die Aussage in Ihrem Antrag: „Es zeichnet die Staaten der Europäischen Union aus, dass sie sich zu ihrer kolonialen Vergangenheit und den dunklen Seiten ihrer nationalen Geschichte bekennen“ ist mehr Wunschdenken als Wirklichkeit: Man hat z.B. am Beispiel Frankreichs gesehen, wie klärend und beschwichtigend sie ihren Krieg und Terror in Algerien 1954-1962 darstellen.
Es ist uns auch nicht bekannt, dass Deutschland kritisch die Rolle des Deutschen Kaiserreichs in Deutsch-Südwest-Afrika (heute Namibia),insbesondere die Niederschlagung des Herero-Nama-Aufstandes 1904-1907 (manche Historiker bezeichnen das als den „ersten Völkermord im 20. Jahrhundert“) im Deutschen Bundestag bedacht hätte. Diese Liste um die „dunklen Seiten der Geschichte“ ließe sich leicht um die heutigen EU-Länder Britisches Königreich, Spanien, Portugal, Belgien, etc. mit ihrer kolonialen Vergangenheit erweitern. Die Republik Frankreich hat in ihrem Parlament den angeblichen „Genozid an den Armeniern“ anerkannt, aber eine „dunkle Seite“ ihrer Geschichte, der Algerienkrieg, bleibt tabu. Es gibt kaum „Bekennen“ und Eingeständnis der Verantwortung, ganz zu schweigen von Wiedergutmachung wegen ihrem Kolonialismus, und der damit verbundenen Unterdrückung und Morden.
Ihre Darstellung der Beziehung zwischen der Republik Türkei und der Republik Armenien ist auch sehr einseitig: Die Isolierung Armeniens ist u.a. auch darauf zurückzuführen, dass Armenien ca. 20 Prozent der Republik Aserbeidschan völkerrechtswidrig besetzt hält, und den Flüchtlingsstatus von ca. 1 Millionen Aseris verantwortet. Zur Entspannung trägt die Republik Armenien auch nicht dadurch bei, dass sie in den 70‘er und 80‘er Jahren des letzten Jahrhunderts aktiv die armenische Terrororganisation ASALA und später die PKK unterstützt hat, die zahlreiche türkische Diplomaten und Zivilisten ermordete, oder seit einigen Jahren teilweise erfolgreich versucht, in verschiedenen Parlamenten ihre Sicht der Geschichte absegnen zu lassen und auf diese Weise der Türkei aufzuzwingen.
Wir möchten Zusammenfassen:
Ihr Antrag ist nicht hilfreich und trägt nicht zur Geschichtsbewältigung bei. Im Gegenteil, er reißt neue Gräben zwischen Deutschland, Armenien und der Türkei auf, denn er bestärkt die Armenier in Ihrem Glauben, dass sie nur „Opfer“, und die Türken nur die „Täter“ seien. Eine kritische Durchleuchtung Ihrer Geschichte ist aber von den Armeniern genauso zu fordern, wie von den Türken, damit es zu einer Versöhnung und Normalisierung kommt. Eine einseitige Anerkennung der Schuld, eine Anerkennung des sog. „Genozids“ und somit die Gleichsetzung mit den deutschen Nazis und Übernahme der Verantwortung wie beim Holocaust werden die Türkei und die Türken niemals akzeptieren.
Es ist zu erwarten, dass durch Ihren Antrag – wenn er in dieser uns vorliegenden Version beschlossen wird – türkischstämmige Bürger in Deutschland sich ziemlich vor dem Kopf gestoßen fühlen und entsprechend reagieren werden. Auch ist zu Befürchten, dass dem Verhältnis zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Türkei schwerer Schaden zugefügt wird. Die Verantwortung dafür liegt dann bei Ihnen.
Wir halten die freundschaftlichen deutsch-türkischen Beziehungen, die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Türkei und das friedliche Zusammenleben der beiden Völker für besonders wichtig und appellieren hiermit an die CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Unterzeichner des Antrages, ihr Vorhaben noch einmal zu überdenken.
Hochachtungsvoll
Dr. Turgut Aslan
European Assembly of Turkish Academics (EATA) Baden-Württemberg e.V.
Anhang (Literatur in direktem Zusammenhang zu den in Ihrem Antrag angesprochenen Themen):
- Heath W. Lowry: “Die Hintergrundgeschichte zu Botschafter Morgenthaus Memoiren”, Isis Verlag Istanbul, 1991 (Originaltitel in USA: “The Story Behind Ambassador Morgenthau’s Story”)
- Justin McCarty: “Death and Exile – the ethnic cleansing of Ottoman Muslims, 1821-1922”, Princeton, USA, 1999
- Sinasi Oral and Süreyya Yuca: “The Talat Pasha ‘Telegrams’: Historical fact or Armenian Fiction?”, K. Rustem & Brother, Lefkosa, Cyprus, 1983
- Selahi R. Sonyel: “The Great War and the Tragedy of Anatolia”, TTK Ankara, 2004
http://www.eata.de/bawue/media/ermeni/CDUCSU050303.pdf
sehr guter brief....
aber selbst solche briefe werden am vorhaben der Union nichts ändern....
Die Union will mit allen Mitteln den beitritt verhindern, dass sie dabei sich selbst ein bein stellt, indem sie einseitig partei ergreift für die armenier, ist ihnen bewusst, aber sie nehmen es in kauf...
diese Parteinahme beruht nicht auf dem C in dem Parteinahmen, sondern aus reinstem aktionismus gegen die türkei.
Damit auch mal die andere Seite zu Wort kommt:
http://www.zeit.de/2005/13/Armenier
Damit auch mal die andere Seite zu Wort kommt:
http://www.zeit.de/2005/13/Armenier
Und hier die Antwort auf die andere Seite:
http://www.turkcom.org/content.php?article.26
Hier mal eine Quelle, die sicher unverdächtig ist, der CDU nach dem Mund zu reden.
http://www.zeit.de/2005/13/Armenier
steht alles auch unter
http://www.tic.de.tp/
Hier mal eine Quelle, die sicher unverdächtig ist, der CDU nach dem Mund zu reden.
http://www.zeit.de/2005/13/Armenier
Und hier wieder die Antwort darauf:
http://www.politikcity.de/forum_viewtopic.php?50.8908
Ich bin für eine Aufarbeitung durch unabhängige Historiker und Experten. Dieses Thema wird nur noch politisch betrieben. Zunächst sollten die Fakten auf den Tisch gebracht werden. Wie das Ergebnis auch sein mag, die Türkei muss es auch tragen.
Eine Frage... Was zum Geier ist die Aufarbeitung? Ich meine, wie wird sowas in einem ganzen Volk durchgezogen??? Bombardiert man die Leute mit Dokumentarfilmen? Die Türkei sollte schnellstens eine neutrale Expertise erstellen lassen, wie du es schon erwähnt hast, damit die Sache zumindest aus der Szene verschwindet! Wenn sie ständig so unentschieden rumliegt, wird sie selbstverständlich nur noch gegen die Türkei verwenden. Je schneller, desto besser.
Das Problem bei dieser ganzen Sache ist das es zu einem politischen Machtspiel geworden ist.
Frankreich zum Beispiel möchte unbedingt das die Türkei diesen Völkermord anerkannt, die USA dagegen wollen nichts von einem Völkermord wissen den man beweisen kann oder der schon bewiesen wurde.
Ein Völkermord anzuerkennen wäre für die Türkei nicht so schlimm, da sie keine Gebiete an Armenien abtreten muss oder sonstige schwerwiegende Finanzielle Mittel zahlen müsste.
Das Problem sind die Politiker die diese Sache als Vorwand benutzen, wie zum Beispiel Frankreich/französische Politiker. :rolleyes:
Ein Völkermord anzuerkennen wäre für die Türkei nicht so schlimm, da sie keine Gebiete an Armenien abtreten muss oder sonstige schwerwiegende Finanzielle Mittel zahlen müsste.
Wie meinst Du das? Mein Eindruck ist, dass armenische Diaspro eben doch Erzurum, Kars, Van auf ihren Karten als West-Armenien diffarmieren und auch finanzielle Wiedergutmachung fordern.
Nein nein keinesfalls.Es ist nicht die Rede davon das die türkei Gebieten an Armenien abtreten soll.(Wer was anderes behauptet bitte Quelle vorweisen)
Die Finanzielle Entschädigung wird es geben, aber nur die Türkei und auch wirklich nur die Türkei legt fest wiviel bezahlt werden soll.Also sollte das zu keiner Kriese führen.(Selbstverständlich)
http://www.google.de/search?q=b%C3%BCy%C3%BCk%20erm enistan&hl=de&lr=&sa=N&tab=iw
http://www.kulturturizm.gov.tr/portal/tarih_tr.asp?belgeno=1660
Das ist wohl nur der Wunsch einiger Extremisten.Du glaubst doch nicht das die Länder die von der Türkei fordern den Massenmord anzuerkennen auch von der Türkei fordern Gebiete an Armenien abzutreten. ;)
Ich kann es mir vorstellen. Gerade im Kontext der EU-Verhandlungen wird noch so einiges auf uns zukommen.
Schon im letzten Monat hat ein französicher EU-Parlamentariar OFFIZIELL (auch wenn stellvertretend für eine kleine Partei) die Türkei aufgefordert, SEVR anzuerkennen.
Grundsätzliches; strategische Überlegungen der Länder die gegen die Türkei agieren, darf man nicht auf die leichte Schulter nehmen.
Sowas wäre absurd, das kann kein Land keinem auf der Erde klarmachen.Höchstens die Anerkennung des angeblichen Massenmordes und das wars dann schon.
agm, findest du es ok wenn man uns etwas anhängen will und den Tod unserer Vorfahren einfach nicht beachtet?
agm, findest du es ok wenn man uns etwas anhängen will und den Tod unserer Vorfahren einfach nicht beachtet?
Wie kommst du denn auf sowas??
Natürlich finde ich es nicht korrekt!
agm, findest du es ok wenn man uns etwas anhängen will und den Tod unserer Vorfahren einfach nicht beachtet?
Wie kommst du denn auf sowas??
Natürlich finde ich es nicht korrekt!
sorry, war ein missverständnis :-)
Betreff: "Union will Türkei mit ihrer Vergangenheit quälen - Armenier-Debatte im Bundestag" vom 03.04.2005 von Jan Rübel
Sehr geehrte Damen und Herren,
leider müssen wir feststellen, dass es Herrn Rübel nicht gelungen ist als Journalist einen objektiven Blick auf die Ereignisse in Ostanatolien während des 1. Weltkriegs zu werfen.
Herr Rübel schreibt, dass "mindestens eine Million Menschen starben." Dies ist schwer möglich, da im Osmanischen Reich nur 1.200.000 Armenier lebten von denen 300.000 in den Kaukasus flüchten konnten und 150.000 aus Westanatolien der Umsiedlung entgingen. Unabhängige Historiker sprechen von 600.000 Opfern, Journalisten wie Herr Rübel jedoch von "mindestens eine Millionen". Es wird auch nie eine Quelle zu dieser Behauptung angegeben, sondern die maßlos übertriebenen armenischen Zahlen ohne jegliche Überprüfung blind übernommen.
Für "viele Türken" ist eine kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit kein Tabu, dazu hätte Herr Rübel einen Blick in die türkische Presse werfen müssen, in der tagtäglich die Ereignisse während des 1. Weltkrieg behandelt werden und pro-armenische Historiker zu Wort kommen können. In Armeniern jedoch darf nicht diskutiert werden, man darf nur anerkennen. Die Türkei hat beim Besuch der Schweizer Außenministerin Micheline Calmy-Rey gesagt, dass man eine neutrale internationale Untersuchungskommission zur Armenier-Frage möchte und Frau Calmy-Rey hat die türkische Position sehr begrüßt. Armenien hingegen lehnt eine solche Untersuchungskommission nach wie vor strikt ab. Armenien möchte sich nicht der Geschichtsaufarbeitung stellen, sondern über politische Instrumente eine Anerkennung erreichen, auch da Herr Rübel meint, dass "die Wissenschaft ihre Arbeit schon getan hat."
Dass die CDU/CSU die "unannehmbare Resolution" nur dazu gebraucht, um einer türkischen EU-Mitgliedschaft eine neue Hürde aufzubauen ist richtig, da die CDU/CSU diese Angelegenheit während ihrer 16-jährigen Regierungszeit nicht zum Thema machte und selbst am 75. Jahrestag keine ähnliche Resolution in den Bundestag einbrachte. Damals war die Türkei noch weit davon entfernt, eines Tages EU-Mitglied zu werden. Nun stehen in wenigen Monaten Beitrittsgespräche an und die CDU/CSU greift zu diesem Mittel, nachdem sie mit ihrer Idee einer "privilegierten Partnerschaft" kläglich gescheitert ist.
Die Debatte ist scheinheilig und in seiner Intension moralisch verwerflich, historische Ereignisse politisch zu instrumentalisieren.
Selbst Hrant Dink (Chefredakteuer der in Istanbul erscheinenden armenischen Zeitung "Agos") schreibt dazu:
"Die CDU instrumentalisiert die Armenier, damit die Türkei nicht in die EU aufgenommen wird."
Die Aussage "zwischen europäischer Gedächtniskultur einerseits und türkischer Verdrängungstradition andererseits" können wir aufgrund des von Frankreich verübten und nicht anerkannten Genozides in Algerien, des vom Deutschen Reich verübten und nicht anerkannten Genozides an den Hereros und des von Italien verübten und nicht anerkannten Genozides in Libyen nicht nachvollziehen.
Dass der Bundestag am 21. oder 22. April über den Genozid debattieren möchte ist das einzigartige an dieser politisch motivierten Aktion. Es gibt kaum ein historisches Gebiet, in dem dermaßen viele Geschichtsverfälschungen verbreitet wurden und diese sind allesamt nichttürkische Quellen. Letztendlich möchte man auf politischer Ebene Tatsachen schaffen, ohne dass die historische Erkenntnisgewinnung abgeschlossen wird. Hier wird versucht Geschichte mit der Holzhammermethode den Menschen aufzuoktroyieren. Es ist die Sache der Historiker die Geschichte zu bewerten und nicht der Politiker oder der Gesetzgeber.
Die Verständigung zwischen Herr Rübel und dem türkischen Botschafter Herrn Irtemcelik scheitert, weil man ihn vor vollendeten Tatsachen stellen will und verbal lyncht, wenn er von der offiziellen armenischen Ansicht abweicht.
Herr Rübel wirft Herrn Irtemcelik vor, die Massaker an den Armeniern relativieren zu wollen um im nächsten Schritt selber die Massaker an den Muslimen zu relativen. Nicht nur werden die muslimischen Opfer verleugnet, sondern auch verhöhnt, weil man deren Tod für legitim befindet. Wenn Herr Rübel die Zahl der muslimischen Opfer "grotesk übertrieben" findet, sollte er Migrantenfamilien aus der Türkei, unter denen es zahlreiche aus Ostanatolien gibt, einen Besuch abstatten. In vielen dieser Familien kann Herr Rübel mindestens ein Familienmitglied finden, welches im 1. Weltkrieg von armenischen Rebellen ermordet wurde.
Dass Herr Rübel Herrn Irtemcelik vorwirft, die "Fakten zu verwischen" ist ein altbekanntes Muster: Wenn es aus türkischer Seite kommt, dann werden die Argumente sofort ignoriert und ins Lächerliche gezogen, ohne sich mit den Inhalten auseinanderzusetzen.
Umso erstaunlicher ist die Ignoranz, wenn man bedenkt wie oft grobe Geschichtsverfälschung auf armenischer Seite verbreitet wurde und wie oft diese Geschichtsverfälschung revidiert werden musste.
Dass das Osmanische Reich gegen eine Autonomie der Armenier war, ist besonders in Kriegszeiten verständlich. Wie hätte Frankreich reagiert, wenn es um das nackte Überleben der Republik geht? Frankreich ging sogar extrem brutal gegen die Zivilbevölkerung vor, wenn es selbst in den Kolonien Aufstände gab. Die anderen klassischen Kolonialländer waren nicht weniger zimperlich, und es handelte sich immerhin um Kolonien und nicht um das eigene Land.
Kein Staat duldet die Abspaltung einer Minderheit, hierzu verweisen wir auf die ETA in Spanien, die FLNC auf Korsika und die IRA in Nordirland. Zudem genossen die Armenier Autonomie im Sinne des Millet-Systems.
Wir möchten anmerken, dass es nicht wie Herr Rübel meint um "Zeitaufschub" sondern um eine sachlich fundierte Geschichtsaufarbeitung geht. Man scheint nicht daran interessiert zu sein, die Geschichte objektiv aufzuarbeiten. Das ist bitterlich nötig, wenn man sich vor Augen führt, dass bisher fast sämtliche Quellen auf armenischer Seite revidiert werden mussten. Es gehört eine ordentliche Portion Ignoranz dazu, dies nicht sehen zu wollen.
Der Türkei wird vorgeworfen, dass ihre Demokratie "unfertig" sei. Andererseits wird der russische Präsident Wladimir Putin, der für barbarische Massaker in Tschetschenien verantwortlich und berüchtigt ist, vom Bundestag eingeladen und es wird ihm erlaubt im deutschen Parlament eine Rede zu halten. Soviel zum Thema "europäische Gedächtniskultur einerseits und türkische Verdrängungstradition andererseits".
Hochachtungsvoll
Türkische Internet Community
Stand 06.06.2005
http://www.turkcom.org/content.php?article.27
Alman meclisi, Hıristiyan Birlik partilerinin hazırladığı 'Ermeni tasarısı'nı görüştü. Tasarıda 'soykırım' kelimesi geçmiyor.
Ermeni diasporası, 1915 olaylarının 90'ıncı yıldönümü olarak kabul edilen 24 nisan için harekete geçti. Alman meclisi, Hıristiyan Birlik partilerinin hazırladığı 'Ermeni tasarısı'nı görüştü. Tasarıda 'soykırım' kelimesi geçmiyor.
Meclis oturumunda yapılan konuşmalarda, Türkiye'nin tarihiyle 'yüzleşmesi' gerektiği belirtildi.
Konuşmacılar, amaçlarının 'Türkiye'nin içişlerine karışmak ya da Türkleri suçlamak değil, tarihleriyle yüzleşmelerini sağlamak' olduğunu vurguladı.
Tasarı, Almanya Başbakanı Gerhard Schröder'in mayıs ayı başında Türkiye'ye yapacağı ziyaretten sonra Federal Meclis'te yeniden ele alınacak.
"Sorumluluğumuz var"
Oturumda söz alan Hıristiyan Demokrat Birlik Partisi (CDU) milletvekili Christoph Bergner, tarihçilerin bugüne kadar konuyla ilgilendiklerini, ancak siyasetçilerin yetersiz kaldıklarını söyledi.
''Aslında böyle bir tasarının 1915 yılında Federal Meclis'e getirilmesi gerekirdi" diyen Bergner, geçmişteki Alman hükümetlerini bu konuda sessiz kalmakla suçladı ve bu hükümetlerin bundan dolayı sorumluluk taşıdıklarını öne sürdü.
Bergner, Almanya'nın böylelikle suçlu duruma düştüğünü savunarak, ''bu nedenle tarihi gerçekler temelinde Türkler ile Ermeniler arasında barışı sağlama sorumluluğumuz var'' dedi.
"Türkiye'nin de çıkarına"
Türklerin tasarıyla ilgili tepkilerine de değinen Bergner, ''biz bu tasarının Türkiye'nin de çıkarına olacağını düşÃ¼nüyoruz. Biz Türkiye'yi ve Türk halkını suçlu sandalyesine oturtmak istemiyoruz. Sadece bir anma kültürü yaratmak istiyoruz. Türk dostlarımızı tarihleriyle yüzleşmeye davet ediyoruz'' diye konuştu.
Sosyal Demokrat Parti (SPD) milletvekili Markus Meckel de, ''Suskunluğu kırmak ve ölenleri anmak istiyoruz. Ölen Tatarları, Kürtleri ve Türkleri de anıyoruz'' diye konuştu.
Alman arşivlerinin Türkiye'ye ve Ermenistan'a gönderildiğini ifade eden Meckel, ''bunların da Türk halkına açılması gerekir. Bu arşivlerden sistematik şekilde soykırım yapıldığı anlaşılıyor. Türkler de kendi tarihleriyle yüzleşseler iyi olur. Bunun milliyetçiliğe aykırı bir şey olmadığını bilmeliler'' şeklinde konuştu.
İddialar Fransa'nın da gündeminde
Konu, Fransa'da da gündemde. Fransa Cumhurbaşkanı Jacques Chirac, Ermenistan Devlet Başkanı Robert Koçaryan ile birlikte yarın Paris'teki Ermeni Anıtı'na çelenk bırakacak. Fransa, Ermeni soykırım iddialarını 2001 yılında kabul etmiş, Anıt da 2003'te açılmıştı.
Ermeni soykırım iddialarını son olarak Polonya kabul etti. Dışişleri Bakanı Abdullah Gül de bundan duyulan rahatsızlığı, bugün Litvanya'daki NATO toplantısı sırasında görüştüğü Polonya Dışişleri Bakanı'na iletti.
ABD'deki Ermeni lobisi ise, soykırım iddialarını içeren tasarıyı, ABD Başkanı George Bush'un konuşma yapacağı 24 nisandan sonra Temsilciler Meclisi'ne sunmaya hazırlanıyor.
www.aktifhaber.com
Kein Hindernis für den EU-Beitritt
Der Bundestag diskutiert nicht spannend, aber klug über den Armenien-Antrag der Union. Die Türkei soll die Vertreibung und Ermordung der Armenier im Jahr 1915 als Teil ihrer Geschichte akzeptieren. Das Wort "Völkermord" vermieden alle Parteien
VON STEFAN REINECKE
Von Völkermord kann man, laut UNO-Konvention von 1948, sprechen, wenn eine nationale, ethnische oder religiöse Gruppe ganz oder teilweise zerstört wird. Dies war 1915 der Fall, als die Türkei hunderttausende Armenier deportierte, zwangsassimilierte, tötete und verhungern ließ. Die Autoren der UNO-Konvention hatten 1948 auch das Schicksal der Armenier im Sinn, als sie die Kriterien formulierten.
In der Bundestagsdebatte gestern fiel das böse Wort "Genozid" nicht - oder nur mit sofortiger Einschränkung. Auf keinen Fall wolle man, so der außenpolitische Experte der Grünen, Fritz Kuhn, die Türkei vor den Kopf stoßen. Was 1915 geschah, sei seiner Ansicht nach zwar ein Genozid gewesen - aber von der Türkei diese Einsicht zu verlangen, wäre eine unkluge Zuspitzung. Historisch Recht zu haben, so Kuhn, nutze nichts. Der Christdemokrat Friedbert Pflüger meinte: Wir wollen nicht mit dem Knüppel kommen. Ja, die Union habe bewusst darauf verzichtet, die Gräueltaten als "Völkermord" zu bezeichnen, um die Auseinandersetzung nicht zu erschweren.
Es war eine ordentliche, fast beschauliche Debatte. Ohne Zwischenruf und ohne Wortmeldung. Friedbert Pflüger lobte den Grünen Fritz Kuhn, Fritz Kuhn den Antrag der Union, und der Sozialdemokrat Markus Meckel den Christdemokraten Christoph Bergner. Alle zusammen schließlich lobten die europäische Erinnerungskultur, mit deren Vorzügen sich die Türkei noch vertraut zu machen habe.
Man war sich einig: Moralischen Überlegenheitsgesten gelte es zu vermeiden, zumal sich die Deutschen 1915 der untätigen Mitwisserschaft an den Verbrechen schuldig gemacht hätten. Die Türkei wolle man keinesfalls auf die Anklagebank setzen, sondern vielmehr in die europäische Erinnerungskultur einbeziehen. Der Antrag der Union, so Pflüger, solle keinesfalls ein Hindernis für die Türkei auf dem Weg nach Europa sein - im Gegenteil.
Unter Unterhaltungsaspekten war die Debatte eine glatte Enttäuschung. Es ging nicht wie im Parlament zu - mit Rede und Gegenrede, mit Polemik und Gegenanschuldigung -, sondern eher wie in einer evangelischen Akademie. Sechs Redner suchten gemeinsam nach den passenden Worten. Positiv formuliert: Wer befürchtet hatte, dass sich die Union mit dem Thema Armenien parteitaktisch gegen einen Türkeibeitritt in die EU munitionieren würde, wurde angenehm überrascht.
Diese Aussprache war insofern keine Debatte. Es war vielmehr eine Demonstration der Vernunft, die zwei wesentliche Ziele zu verbinden suchte: Zum einen ging es darum klarzustellen, dass man sich von den schrillen türkischen Reaktionen nicht beeindrucken ließ. Der türkische Botschafter hatte ja der Union im Vorfeld unterstellt, sich mit ihrem Antrag zum Sprecher des armenischen Nationalismus zu machen.
Gleichzeitig versuchte man die Kampfansage der türkischen Offiziellen und Medien ins Leere laufen zu lassen, indem jede Kritik an der Türkei stets mit Lob und Ermunterung verbunden wurde. Meckel, Kuhn und Pflüger entdeckten in der Türkei ein gespaltenes Bild - einerseits noch immer Verleugnung des Völkermords und Repression gegen den Schriftsteller Orhan Pamuk, der das böse Wort vom Genozid in den Mund genommen hatte, andererseits Aufbruch in die Zivilgesellschaft.
Am schärfsten, wenn auch im Ton konziliant, trat dabei Markus Meckel auf, der von der türkischen Regierung forderte, sich demonstrativ vor den mit Todesdrohungen bedachten Literaten Pamuk zu stellen. Es war keine spannende Debatte. Aber eine kluge.
Der drei Seiten lange Unions-Antrag wurde an die Ausschüsse überwiesen, um ihn so zu formulieren, dass alle Parteien ihm zustimmen können.
taz Nr. 7646 vom 22.4.2005, Seite 6, 126 Zeilen (TAZ-Bericht), STEFAN REINECKE
http://www.taz.de/pt/2005/04/22/a0118.nf/text.ges,1
Ich könnte heute wirklich den Fernseher aus dem Fenster schmeisse, so schlimm sind die kurzen aber unverschämten Aussagen der Nachrichtensprecher, die stündliich auf fast allen Kanälen zu hören sind.....
- da werden irgendwelche Armenier interviewt, die behaupten, dass die Türkei nicht zum Dialog bereit sei, dasselbe wird auch unabhängig von den Interviewten in den Nachrichten behauptet ----> Das Thema sei in der Türkei tabu!:confused:
- andere interviewte Armenier behaupten wiederrum, dass die Armenier sich immer noch vor den Türken fürchten würden und es deshalb zu keinem Dialog käme!( die bösen barbarischen Türken, die sind ja immer noch sooo böse:confused: )
Es wird durch einfach Sprache immer wieder suggeriert, dass die Türkei die Geschichte verdrehen würde um sich aus der Affäre zu schleichen und die türkischen "Behauptungen" nichts als Fantasie seien ( man stellt sie nicht einmal dar!!)
Das ist wirklich schlimm!
Der Schakal
24.04.05, 20:04
Ich muss sagen die letzten Tage und Wochen haben mir eine Menge Erkenntnisse gebracht. Zunächst einmal sieht man hier wie die Propaganda am laufen ist und was deutsche journalisten und wie sie dazu beitragen... Zudem habe ich gemerkt, dass deutsche Journalisten nicht das sind was sie zu sein scheinen...
Traurig...
Alles Backpfeifen,
die Presse ist total inkompetent. Die reden ohne Ahnung zu haben, machen riesen Wirbel und stellen Behauptungen auf, die auf keiner eindeutigen Quelle basieren.
Sie greifen etwas auf und stürzen sich wie die Geier drauf, berichten einseitig dramatisieren das ganze.
Erinnert mich stark an die Zeit Göppels, riesen Propaganda Maschinerie und das verdummte Volk saugt es auf wie ein Staubsauger...gerade von der deutschen Presse sollte man etwas mehr Sachlichkeit und Klarheit verlangen dürfen!
Besonders nervt mich in diesem Zusammenhang der sog. "Spiegel". Allein der letzte Onlineartikel in diesem Zusammenhang ist eine riesige "anti-Türkei-Kampagne" und eine riesen Beleidigung der deutsch - türkischen Beziehungen und Freundschaft.
Der Schakal
25.04.05, 14:19
WIR PROTESTIEREN
gegen einseitige Berichterstattung und Darstellung der
Ereignisse in 1915 zwischen Armeniern und Muslimen im Osmanischen Reich.
Sowohl in den Medien als auch im Deutschen Bundestag findet die Bewertung von internationalen und türkischen Historikern keine Erwähnung, wenn sie sich in Gegenposition zum jahrzehntelang von der armenischen Diaspora erarbeiteten, mit Hass- und Rachegefühlen verfestigten antitürkischem Standpunkt stellen. Lediglich die Aussagen des türkischen Botschafters werden als Auslegung der türkischen Seite zitiert und somit der Öffentlichkeit suggeriert, der türkische Staatsapparat stehe ganz allein mit ihrer Einstellung zu den Ereignissen. Uns verwundert die Ignoranz der Medien und Politiker in diesem Zusammenhang, uns verwundert dass nicht erwähnt wird, dass die Öffentlichkeitsarbeit der armenischen Diaspora in den sechziger Jahren angefangen hat, dass eine unter anderem von der armenischen Diaspora finanzierte Terrorgruppe (ASALA) dutzende türkische Diplomaten in den siebziger Jahren kaltblütig ermordet haben, dass das heutige Armenien seit Jahren gegen UN-Konventionen verstößt und weiterhin Teile Aserbaidschan besetzt hält, dass bei der Besetzung (von der UNO festgestellte) Massaker an der aserbaidschanischen Bevölkerung mit Tausenden von Toten und Verstümmelten verübt worden sind. Das türkische Volk bedauert zutiefst alle Menschen, seien es Armenier, Türken oder andere, die den machtpolitischen Interessen der Großmächte geopfert wurden. Wir Türken und türkischstämmigen Deutschen sind uns aber auch einig, dass wir uns nicht den machtpolitischen Interessen von heute beugen werden. Wir werden gegen Meinungsmanipulation und Geschichtsverfälschung mit allen uns nicht vorenthaltenen demokratischen Mitteln kämpfen. Wir werden mit allen legitimen Mitteln gegen die Anmaßung kämpfen, internationale Gerichtshöfe zu umgehen, die allein über Schuld und Unschuld über ein Völkermord urteilen können. Wir fordern öffentlichkeitswirksame Foren, wo auch die Gegenposition zur Völkermord-These mit Belegen dem öffentlichen Publikum dargestellt und diskutiert werden können. Politische Foren, wo Briefe und Zeitungsartikel mit Berichten von deutschen Offizieren, Diplomaten und Missionaren, die diese These eindeutig widerlegen, vorgetragen werden können.
WIR PROTESTIEREN
gegen Geschichtsverfälschung und einseitige Betrachtungsweise.
Seit Jahrzehnten werden von der armenischen Diaspora die Ereignisse von 1915 im Osmanischen Reich vor der Weltöffentlichkeit in einseitiger Betrachtungsweise mit Mitteln der Manipulation ausgebreitet. Diese These, die den Hergang des Konflikts wissentlich verschweigt, der aber für die Bewertung entscheidum Griechen schreiben, dann stelle doch bei den Admins einen offiziellen Antrag auf Rausschmiss derselben.
Mike Hammer
Hallo Leute,
diese einseitige Berichterstattung in den deutschen Medien ist doch nichts neues für uns.
Wenn Ihr zurück auf die neunziger Jahre schaut bzgl. der Kurdenfrage war es auch nicht viel anders.
Es ist die deutsche Probaganda Tradition die seit dem Mittelalter hier erfolgreich weitergeführt wird.
Goebbels Revival, yeah...
Einst wurde sie gegen uns Juden angewendet und jetzt gegen die treuen Gastarbeiter aus der Türkei.
Ich könnte besonders dann mein Hut fressen wenn ich diese offensichtlich ausgelegten zur Türkenfeindlichkeit führenden Propaganda-Sendungen auf diesen
so genannten Kulturkanälen wie z.B. gestern auf 3sat oder ARTE anschaue.
Und mich dann am nächsten Tag mit irgendwelchen Grossmauligen europäischen Studenten auseinandersetzen muss die Ihr anliegen bezüglich dieser
Thematik unterstreichen und sich im recht finden doch sich vorher nicht einmal im G"ttes namen ernsthaft damit beschäftigt haben.
Das ist leider die Realität sayin Arkadaslar.
Die deutschen Medien und bald auch der deutsche Staat führen in der Öffentlichkeit eine Geschichtsvergewaltigung durch!
Was wirklich hinter der Armenier-Frage steckt, wo die Wahrheit liegt und wie sich die türkische Bevölkerung dabei fühlt interessiert hier keinen mehr.
Armes demokratisches Deutschland!
Die Antwort der CDU:
Dr. Christoph Bergner, MdB
Platz der Republik 1
11011 Berlin
Sehr geehrter Herr Dr. Aslan,
sehr geehrte Damen und Herren,
vielen Dank für Ihre Schreiben vom 3. März, in dem Sie zum Parlamentsantrag der CDU/CSU Fraktion „Gedenken anläßlich des 90. Jahrestages des Auftakts zur Vertreibungen und Massakern an den Armeniern am 24. April 1915 – Deutschland muß zur Versöhnung zwischen Türken und Armeniern beitragen“ Stellung nehmen.
Ich habe federführend an der Erarbeitung dieser Initiative mitgewirkt. Die Vorsitzende unserer Fraktion, Frau Dr. Merkel, an die Sie Ihren Brief ebenfalls gerichtet haben, bat mich deshalb um Beantwortung.
Ich tue dies gern, denn es entspricht durchaus dem Anliegen unseres Antrages, zum Dialog mit türkischstämmigen Mitbürgern wie auch mit Freunden und Partnern in der Türkei über dieses kontroverse Thema herauszufordern. Wir glauben, daß es im Zuge der Annäherung an Europa nunmehr im wohlverstandenen Interesse der Türkei sein muß, sich der Diskussion über das Schicksal der Armenier im Osmanischen Reich während des 1. Weltkrieges zu stellen. Dies betrifft auch uns Deutsche, da Deutschland als enger militärischer Verbündeter Mitverantwortung für die Vorgänge trägt, derer wir gemeinsam gedenken wollen.
Sie haben Ihre Kritik an unserem Antrag in systematischer Gliederung vorgebracht.
Lassen Sie mich versuchen, in vergleichbarer Systematik auf Ihre Vorwürfe einzugehen:
Vorwurf 1:
„Ihre Darstellung der Ereignisse von 1915 ist sehr einseitig“
Sie bemerken zu Recht, daß sich in die Darstellung westlicher Quellen durchaus Elemente von Kriegspropaganda mischen und daß seriöse Historiker wie der von uns zitierte Arnold Toynbee diesen Umstand im Blick hatten. Die Belege für unsere Aussagen stammen aber nicht aus den Archiven der Kriegsgegner des Osmanischen Reiches, sondern aus denen des mit ihm verbündeten Deutschland.
Beim Studium dieser Dokumente des politischen Archivs des Auswärtigen Amtes wird deutlich, wie schwer es den Berichterstattern und den Berichtsempfängern in der Reichsregierung seinerzeit fiel, die beobachteten Greuel zur Kenntnis zu nehmen. Deutschland hatte kein Interesse, dem Ansehen seines osmanischen Verbündeten zu schaden, im Gegenteil. Da auch niemand Anlaß fand, den Wahrheitsgehalt der schrecklichen Berichte zu bezweifeln, stellte die deutsche Reichsregierung aus Rücksicht auf den türkischen Bündnispartner diese Belege schließlich unter Militärzensur, um ihre öffentliche Kenntnisnahme zu verhindern.
Wir können bei der Analyse der Hintergründe dieser Massaker gern auch die schwierigen Loyalitätskonflikte der Völkerschaften des Osmanischen Reiches während des 1. Weltkrieges erörtern. Das Vorgehen der osmanischen Behörden gegenüber ihren armenischen Untertanen steht jedoch in keinem Verhältnis zu der ihnen vorgeworfenen Illoyalität. Zu dem von Ihnen in völlig unzutreffender Weise gezogenen Vergleich zwischen der Internierung japanisch-stämmiger US-Amerikaner nach dem Angriff auf Pearl Harbor mit der Deportation osmanischer Armenier sei nur angemerkt, daß die amerikanische Gesellschaft die Probleme und Konflikte der internierten Japaner zum Gegenstand öffentlicher Reflektion und Aufarbeitung gemacht hat (ich verweise z.B. auf David Gutersons verfilmten Roman „Snow falling on cedars“) . Es fällt auf, daß das Schicksal der Armenier während des ersten Weltkrieges in der Türkei bisher keiner vergleichbaren Reflektion zugänglich war.
Völlig unzutreffend ist Ihr Versuch, Lepsius zum Sprachrohr der Westmächte zu erklären. Er war ein loyaler deutscher Staatsbürger, der sich nachweislich bereits vor dem ersten Weltkrieg um eine bessere Integration der Armenier in die Strukturen des Osmanischen Reiches bemühte. Er sah darin neben allen humanitären Motiven und seiner Bindung zum armenischen Volk auch eine Möglichkeit der Stärkung und Stabilisierung des osmanischen Verbündeten Deutschlands. Es wäre viel gewonnen, wenn man auch in der Türkei erkennen könnte, daß hinter dem Einsatz von Lepsius für die Armenier ein Engagement für das damalige türkische Staatsgebilde stand.
Vorwurf 2:
„Einen Zusammenhang zwischen Geschichtsbewältigung und EU-Beitritt gibt es nicht“
Dieser Vorwurf verkennt, daß die EU als Gemeinschaft europäischer Staaten – allesamt ehemalige Kriegsgegner – sich auf der Idee der gemeinsamen Geschichtsbewältigung begründet. Deutschland und Frankreich wären jetzt noch Erbfeinde, wenn die Auseinandersetzung mit der gemeinsamen Geschichte nicht stattgefunden hätte.
Daß die Aufarbeitung dunkler Kapitel der Vergangenheit oft nicht einfach ist, wird niemand bestreiten. Dennoch werden die Bilder der Versöhnungsbereitschaft doch auch Ihnen als türkischstämmigen Bürgern unseres Landes in Erinnerung sein: Der Kniefall des Deutschen Kanzlers Willy Brandt am Denkmal des Ghettoaufstandes in Warschau und der symbolische Händedruck zwischen dem französischen Staatspräsidenten Francois Mitterand und Bundeskanzler Helmut Kohl an den Gräbern von Verdun. Solche Versöhnungsbeweise sind die eigentlichen Bausteine der Europäischen Union.
Ihre etwas formale Feststellung, nach der „Geschichtsbewältigung“ nicht zu den Aufnahmekriterien in die EU gehört, verkennt somit Geist und Motivation des europäischen Einigungsprozesses.
3. Vorwurf:
„Ihr Antrag trägt nicht zur Versöhnung bei, sondern spaltet“
Die Begründung dieses Vorwurfes stützt sich auf drei Argumente:
1. „Eine einseitige Geschichtsdarstellung trägt nicht zur Versöhnung bei.“
Was heißt in diesem Zusammenhang „einseitig“? Hier geht es nicht um einen Handel mit Fakten und Belegen, bei denen jede Seite etwas erhalten muß. Wir suchen nach Wegen der Versöhnung. Versöhnung ist aber nur auf der Grundlage wahrheitsgemäßer
Geschichtsdarstellung möglich. Es geht bei der Auseinandersetzung um die Armenierverfolgung um die Frage nach der Wahrheit, nicht um das Problem irgendeiner Einseitigkeit.
2. Sie bezeichnen die Aussage unseres Antrages „Es zeichnet die Europäischen Staaten aus, daß sie sich zu ihrer kolonialen Vergangenheit und zu den dunklen Seiten ihrer Geschichte bekennen“ als Wunschdenken und verweisen auf unbewältigte Kapitel der Vergangenheit von EU-Staaten. Dabei haben Sie offenkundig wichtige Entwicklungen der öffentlichen und politischen Meinungsbildung in unseren Staaten übersehen (So hat der deutsche Bundestag anläßlich des 100. Jahrestages des Hereroaufstandes am 17.6.2004 eine Entschließung verabschiedet, die sich mit der deutschen Rolle kritisch auseinandersetzt). Aber selbst wenn Sie den Stand der Auseinandersetzung mit dunklen Kapiteln der eigenen Geschichte bei einzelnen EU-Staaten für unzureichend halten, kann das für die Türkei doch kein Grund sein, die Beschäftigung mit dem dunklen Kapitel der Armenierverfolgung von Anfang an zu unterdrücken.
Im Übrigen sind Sie frei, von ihren Partnern in der EU vermißte Aufarbeitung einzufordern. Sie müssen uns aber auch zugestehen ähnliches von der Türkei zu erwarten.
3. „Die Darstellung der Beziehungen zwischen der Republik Türkei und der Republik Armenien ist auch sehr einseitig“
Wir wissen um die Notwendigkeit, den Karabach-Konflikt auf der Grundlage des Völkerrechts zu lösen. Auf die Probleme der kaukasischen Region sowie auf den Karabach-Konflikt ist der Bundestag wiederholt eingegangen. In diesem Zusammenhang wurden stets auch berechtigte Ansprüche Aserbaidschans thematisiert. Niemand kann der deutschen Regierung oder der CDU/CSU- Opposition vorwerfen, in diesem Konflikt einseitig agiert zu haben.
Es gibt jedoch keinen plausiblen Grund, in der Türkei die Lösung des Karabach-Konfliktes zur Voraussetzung für eine Aufarbeitung der Geschichte der Armenierverfolgung während des ersten Weltkrieges zu machen. Ich selbst glaube vielmehr, daß der ohnehin schwierige Konfliktstoff um den Status der Karabach-Region, die Besetzung aserbaidschanischen Territoriums , die Rückkehrrechte der Flüchtlinge u.a. nicht länger im Schatten einer unbewältigten Vergangenheit stehen darf, wenn wir Hoffnung auf eine nachhaltige friedliche Lösung haben wollen.
4. Vorwurf
„Eine Anerkennung der Schuld, eine Anerkennung des sog. ‚Genozids’ und somit die Gleichsetzung mit den deutschen Nazis und Übernahme der Verantwortung wie beim Holocaust werden die Türkei und die Türken niemals akzeptieren“
Die systematische Vernichtung von 6 Millionen Juden durch die deutschen Nazis ist in Art und Dimension der schlimmste aller Völkermorde der Geschichte. Niemand möchte dies relativieren. Wir Deutsche haben wegen dieses Holocaust und der von Deutschland ausgegangenen Vernichtungsfeldzüge gegen andere Völker an der Last unserer Geschichte besonders zu tragen. Wir wissen um die Probleme der Auseinandersetzung mit Schuld und Verantwortung. Wir wissen, was es heißt, sich mit politischen Kräften auseinandersetzen zu müssen, die die Ehre des eigenen Volkes durch Leugnen, Verdrängen oder Verharmlosen schrecklicher Verbrechen zu verteidigen glauben. Dies wäre ein verhängnisvoller Weg. Wir Deutsche können vielmehr dankbar für die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte sein, die belegen, dass in einer vorbehaltlosen Aufarbeitung dunkelster Kapitel der eigenen Geschichte
Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft zu finden sind.
Vor diesem Hintergrund möchten wir die Türkei ermutigen, eine offene Diskussion über ihre Rolle gegenüber dem armenischen Volk in Geschichte und Gegenwart zu wagen.
In der Hoffnung auf Ihr Verständnis sende ich Ihnen freundliche Grüße
Dr. Christoph Bergner, MdB
evet, aynen diger politikacilarin yaptigi gibi, konuyu sadece politik acidan ele almis..tarihi gercekler veya belgeler önemli degil politikacilar icin..politikacilar, belli bir dönem mecliste yer alan ve bir daha ki secimde , tekrar secilmenin hesabini yapan insanlardir.
kamuoyu, ermeni meselesinde, türkiyeyi suclu görüyor ve bu konuda ermeni tarafinin yaptigi PR calismalari kamuoyunu yönlendirmede basarili olmussa, politikacilar da ermeni tarafinin hakli oldugunu savunur.
politikacilar, dogru bildiklerini degil, dogru oldugu kabul edilenleri savunur.
tarihi gercekler veya belgeler önemli degildir.
türk tarafinin yillarca uyumasinin sonucudur bu.
Und hier die Antwort von Herrn Dr. Turgut Aslan
****************************** *********
EATA Baden-Württemberg e.V.
Postfach 10 12 07
70011 Stuttgart
Deutscher Bundestag
Auswärtiger Ausschuss
Herr Volker Rühe, MdB
Platz der Republik
11011 BERLIN
Betreff: Der CDU/CSU-Antrag „Gedenken anlässlich des 90. Jahrestages des Auftakts zu Vertreibungen und Massakern an den Armeniern am 24. April 1915 – Deutschland muss zur Versöhnung zwischen Türken und Armeniern beitragen" vom 22.02.2005 und die Debatte am 21. April 2005 (172. Sitzung, Tagesordnungspunkt 6) im Deutschen Bundestag
Sehr geehrter Herr Rühe,
wir als türkischstämmige Bürger dieses Landes und Teil dieser Gesellschaft haben uns bereits am 3. März mit einem Anschreiben an alle Unterzeichner des oben näher bezeichneten Antrages gerichtet. Auf unser Schreiben haben die Abgeordneten Herr Dr. Christoph Bergner, Herr Hartmut Koschyk, und Herr Hermann Gröhe auf Bitten der Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Frau Dr. Angela Merkel, reagiert. Wir wissen das sehr zu schätzen und danken sehr herzlich. Unser Brief und die Reaktion vom Herrn Dr. Bergner kann bei Interesse z.B. unter www.eata.info/bawue oder www.bergner.de nachgelesen werden.
Wir haben auch die Debatte im Deutschen Bundestag am 21. April sehr genau verfolgt, wo der Antrag der CDU/CSU-Bundestagsfraktion als Tagungsordnungs-punkt 6 behandelt wurde.
Im Folgenden wollen wir uns abschliessend zum CDU/CSU-Antrag und zur Bundestagsdebatte äußern, den wir nunmehr eingehend studiert haben:
In unserem Schreiben vom 3. März haben wir bereits bemerkt, dass die Darstellung der Ereignisse von 1915 im CDU/CSU-Antrag sehr einseitig gewesen ist: Armenier nur in der Opferrolle und Türken nur als „Täter" zu beschreiben wird der geschichtlichen Wahrheit nicht gerecht, insbesondere wenn man die Entwicklungen der Jahre 1878 (Berliner Kongress) - 1923 (Gründung der Republik Türkei) betrachtet. Immerhin sprach der Abgeordnete Herr Markus Meckel in seiner Rede von „... Tataren, Türken und Kurden, die ebenfalls zu Hunderttausenden umgekommen sind". Es geht uns hier aber auch nicht um ein „gegenseitiges Aufrechnen der Toten", sondern um das Verständnis, wie eine Katastrophe, die mit den Überschriften „Imperialismus", „Nationalismus" und „Krieg" zusammen gefasst werden können, Hunderttausenden Menschen im untergehenden Vielvölkerstaat Osmanisches Reich das Leben gekostet hat. In der Tat haben auch europäische Staaten einen grossen Anteil an Schuld in diesen Jahrzehnten auf sich geladen. Die Armenier wiederum waren aktiver Teil dieser Geschichte, nicht passive Opfer, wie es die Juden im „Dritten Reich" waren.
Es würde hier zu weit führen, auf alle Punkte einzugehen, die historische Relevanz haben. Das haben andere, unabhängige Historiker bereits zu genüge getan. Die Ergebnisse liegen in zahlreichen Veröffentlichungen vor. Viele Historiker sehen die Ereignisse der fraglichen Jahre im Osmanischem Reich sehr differenziert, und kommen zu dem Ergebnis, dass die Bezeichnung „Völkermord" für die Umsiedlung der Armenier unangemessen ist. Für den Historiker Prof. Bernard Lewis z.B. ist die Umsiedlung von Völkern und Gruppen im Nahen Osten nichts ungewöhnliches in der mehrere tausend Jahre langen Geschichte dieser Region, auch Armenier wurden mehrfach umgesiedelt.
Wir würden es sehr begrüssen, wenn auch die Türkei und türkische Historiker in die aktuelle Debatte einbezogen werden könnten. Es ist unsere feste Überzeugung, dass der Hinweis auf die Akten des Auswärtigen Amtes und auf das Werk vom evangelischen Pastor Dr. Johannes Lepsius nicht ausreicht, um zu einer ausgewogenen Aussage zu gelangen. Immerhin erkennt auch der Abgeordnete Herr Dr. Bergner an, dass in westlichen Quellen „sich gewisse Elemente von Kriegspropaganda" in die Darstellung der Ereignisse mischen (Brief vom 14.03.2005). Wieso sollte das „Blue Book", von denen während des Ersten Weltkrieges im Britischen Königreich zwei Examplare erschien – eines gegen das Deutsche Reich und das andere gegen das Osmanische Reich – im Falle Deutschlands offiziell als „Kriegspropaganda" anerkannt und erklärt werden, im türkischen Fall jedoch nicht? (siehe Rede vom Herrn Abgeordneten Markus Meckel am 21.04.)
Der deutsche protestantische Pastor Dr. Johannes Lepsius selber ist kein Augenzeuge der Vertreibung der Armenier, er hat sich im August 1915 nur für kurze Zeit in Istanbul aufgehalten. Seine Quellen sind „Dokumente", die von armenischen Übersetzern und protestantisch-amerikanischen Missionaren stammen, was die Glaubwürdigkeit und Objektivität dieser sehr mindert, und die Parteinahme für die christlichen Armenier nahelegt. Es ist bedauerlich, dass in den Reden der Abgeordneten vom 21. April oft Herr Lepsius zitiert wird, obwohl auch feststeht, dass er Manipulationen, Kürzungen und Ergänzungen an den Dokumenten des politischen Archivs des Auswärtigen Amtes vorgenommen hat.
Wir wollen die Debatte um die Geschichte um einige Fragestellungen bezüglich der Gegenwart anreichern, um dann zu einem vorläufigen Schluss zu kommen:
In der Bundestagsdebatte vom 21. April wurde das Thema „Loyalität der Bürger zu einem Staat" überhaupt nicht angesprochen. Die Armenier haben Jahrhunderte lang als loyale Bürger im Osmanischem Reich gelebt, ja sie haben die Bezeichnung „Millet-i Sadika" (etwa: „Loyales Volk") bekommen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts aber begannen sie den armenischen Nationalismus zu entdecken und von einem Grossarmenien in Ostanatolien zu träumen, den es in der Geschichte nie gegeben hat. Aufgestachelt von den imperialistischen Mächten haben sie sich bewaffnet, haben Aufstände organisiert, haben terroristische Aktivitäten unternommen und letztlich unschuldige Menschen umgebracht, um die Einmischung der Fremdmächte zu ihren Gunsten zu ermöglichen.
Die Bundesrepublik Deutschland verlangt von eingebürgerten Menschen, dass sie sich loyal gegenüber dem deutschen Staat verhalten. Man weiss insbesondere von der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, dass sie sich sehr gegen die Einführung der Doppelten Staatsbürgerschaft stark gemacht hat. Offensichtlich gibt es aber geschichtliche Beispiele wie die der Armenier, wo die CDU/CSU-Bundestagsfraktion Illoyalität gegenüber dem eigenen Staat in Friedens- und Kriegszeiten tolleriert, jedenfalls die Illoyalität unkommentiert im Raum stehen lässt.
In der Bundestagsdebatte vom 21.04. wurde auch das Thema „Schulbücher" angeschnitten, z.B. in der Rede vom Herrn Abgeordneten Fritz Kuhn. Selbstverständlich entscheiden in Deutschland die Bundesländer selber, was und wie sie ihren Schülern das Fach Geschichte beibringen wollen. Wir sehen die Gefahr, dass wenn das Schicksal der Armenier und anderer Minderheiten im Osmanischen Reich als „Völkermord" bezeichnet, und ein oder zwei Kapitel später der Holocaust im „Dritten Reich" auch als „Völkermord" behandelt wird, dass dann unzulässige und sehr grob vereinfachende Parallelen in den Köpfen der Schüler entstehen. Wenn zudem der Deutsche Bundestag einen Beschluss fasst, dass es neben dem Holocaust ein anderer (aus türkischer Sicht nicht akzeptabler) „Völkermord" stattgefunden hat, dann ist die Gefahr sehr gross, dass auch andere Deutsche dazu neigen zu sagen: „Ja, es hat den Völkermord an den Juden gegeben, aber eben auch andere, vergleichbare, z.B. an den Armeniern. Das hat sogar der Deutsche Bundestag bestätigt".
Wir haben bemerkt, dass in der Bundestagsdebatte über den CDU/CSU-Antrag bzgl. der Ereignisse von 1915 die Forderung nach der Eröffnung der Grenze zwischen der Türkei und Armenien erhoben wurde. Der Abgeordnete Herr Dr. Friedbert Pflüger hat in seiner Rede unter Punkt Vier erklärt, dass er nicht die Gebietsansprüche der Republik Armenien unterstützt. Doch sollte dann in einem fraktionsübergreifenden Antrag nicht genau diese Forderung stehen, dass nämlich Armenien die Bezeichnung „West-Armenien" für die östlichen Gebiete der Türkei und den Berg Ararat in seinen diversen Wappen aufgeben muss? Muss da auch nicht die Forderung an Armenien stehen, dass dieser Staat die völkerrechtswiedrig besetzten Gebiete Aserbaidschans räumen muss, wenn er seiner Isolation entkommen und den Frieden will?
Es ist erneut festzustellen, dass die Forderungen, Anklagen und Schuldzu-weisungen oft nur an die Adresse der Türkei gerichtet sind. Dabei ist von Armenien genauso zu fordern, die armenischen Archive der Weltöffentlichkeit und Historikern zu öffnen, sich der gemeinsamen Geschichte kritisch zu stellen, die Schulbücher von Hass auf Türken und die Türkei zu befreien, die Attentate der armenischen Terrororganisationen der 70‘er und 80‘er Jahre zu verurteilen, nach Wegen zu suchen, in Frieden mit den Nachbarn zu leben, den Versuch aufzugeben, die Türkei durch Parlamentsbeschlüsse verschiedener Länder bzgl. dem angeblichen „Völkermord" in die Isolation zu treiben, usw.
Die Türkei hat auch in jüngster Zeit immer wieder erste Schritte unternommen und Gesten der Versöhnung gezeigt, was sowohl die Aufarbeitung der Geschichte betrifft, als auch die Beziehungen zwischen beiden Ländern heute. Aber die positive Antwort auf der armenischen Seite ist bisher ausgeblieben.
Wir haben bereits im unserem Brief vom 3. März bemerkt, dass wir keinen Zusammenhang zwischen der Geschichtsbewältigung und den EU-Beitritt der Türkei sehen:
Bei der Osterweiterung der EU hat man bewusst und weitsichtig die Fragen der Geschichtsbewältigung ausgeklammert, so z.B. im Falle Polens, oder der Tschechischen Republik. Die „Republik Zypern" – de facto nur der griechische Süd-Zypern – wurde EU-Vollmitglied, ohne dass es zu einer „geschichtlichen Aufarbeitung" und Lösung gekommen wäre. Es ist kaum anzunehmen, dass die Erweiterung der EU um Rumänien und Bulgarien an der Frage scheitert, warum diese Länder in und nach den zwei Balkankriegen 1912/13 die türkische Zivilbevölkerung millionenfach vertrieben, getötet und unterdrückt haben.
Es wäre ein Novum in der Geschichte der EU und ein zusätzliches Kriterium zu fordern, dass ein EU-Beitrittskandidat seine Geschichte aufarbeiten muss, um Mitglied zu werden. Ein entsprechender Vorstoß wegen einem möglichen EU-Beitritt der Türkei würde deswegen in der Türkei und bei den türkischstämmigen Bürgern in Deutschland negativ aufgenommen und bewertet.
Wir möchten zusammenfassen:
Der Antrag der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist nicht hilfreich und trägt nicht zur Geschichtsbewältigung bei. Im Gegenteil, er reißt neue Gräben zwischen Deutschland, Armenien und der Türkei auf, denn er bestärkt die Armenier in Ihrem Glauben, dass sie nur „Opfer", und die Türken nur die „Täter" seien. Eine kritische Durchleuchtung Ihrer Geschichte ist aber von den Armeniern genauso zu fordern, wie von den Türken, damit es zu einer Versöhnung und Normalisierung kommt. Eine einseitige Anerkennung der Schuld, eine Anerkennung des sog. „Genozids" und somit die Gleichsetzung mit den Nazis und Übernahme der Verantwortung wie beim Holocaust werden die Türkei und die Türken niemals akzeptieren.
Um Schaden in den Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei bzw. zwischen Deutschen und Türken vorzubeugen ist eine vollständige Überarbeitung des CDU/CSU-Antrages erforderlich. Sonst ist zu erwarten, dass durch den vorliegenden Antrag – wenn er in dieser uns vorliegenden Version endgültig beschlossen wird – türkischstämmige Bürger in Deutschland und Türken insgesamt sich ziemlich vor dem Kopf gestoßen fühlen und entsprechend reagieren werden.
Wir halten die vielfältigen, freundschaftlichen deutsch-türkischen Beziehungen, die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Türkei und das friedliche Zusammenleben der beiden Völker für besonders wichtig und appellieren hiermit an den Auswärtigen Ausschuss und ihren Vorsitzenden, Herrn Volker Rühe, zu einem wesentlich ausgewogeneren Antrag beizutragen.
Hochachtungsvoll
Dr. Turgut Aslan
European Assembly of Turkish Academics (EATA) Baden-Württemberg e.V.
Helal olsun EATA'daki arkadaslara!
EATA Baden-Württemberg e.V.
Postfach 10 12 07
70011 Stuttgart
Deutscher Bundestag
Auswärtiger Ausschuss
An die Sprecher der im Ausschuss vertretenen Fraktionen
Betreff: Der CDU/CSU-Antrag „Gedenken anlässlich des 90. Jahrestages des Auftakts zu Vertreibungen und Massakern an den Armeniern am 24. April 1915 – Deutschland muss zur Versöhnung zwischen Türken und Armeniern beitragen“ vom 22.02.2005 und die Debatte am 21. April 2005 (172. Sitzung, Tagesordnungspunkt 6) im Deutschen Bundestag
Stuttgart, 06.05.2005
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir als türkischstämmige Bürger dieses Landes und Teil dieser Gesellschaft haben uns bereits am 3. März mit einem Anschreiben an alle Unterzeichner des oben näher bezeichneten Antrages gerichtet. Auf unser Schreiben haben die Abgeordneten Herr Dr. Christoph Bergner, Herr Hartmut Koschyk, und Herr Hermann Gröhe auf Bitten der Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Frau Dr. Angela Merkel, reagiert. Wir wissen das sehr zu schätzen und danken sehr herzlich. Unser Brief und die Reaktion vom Herrn Dr. Bergner kann bei Interesse z.B. unter www.eata.info/bawue (http://www.eata.info/bawue) oder www.bergner.de (http://www.bergner.de/) nachgelesen werden.
Wir haben auch die Debatte im Deutschen Bundestag am 21. April sehr genau verfolgt, wo der Antrag der CDU/CSU-Bundestagsfraktion als Tagungsordnungspunkt 6 behandelt wurde.
Im Folgenden wollen wir uns abschliessend zum CDU/CSU-Antrag und zur Bundestagsdebatte äußern, den wir nunmehr eingehend studiert haben:
In unserem Schreiben vom 3. März haben wir bereits bemerkt, dass die Darstellung der Ereignisse von 1915 im CDU/CSU-Antrag sehr einseitig gewesen ist: Armenier nur in der Opferrolle und Türken nur als „Täter“ zu beschreiben wird der geschichtlichen Wahrheit nicht gerecht, insbesondere wenn man die Entwicklungen der Jahre 1878 (Berliner Kongress) - 1923 (Gründung der Republik Türkei) betrachtet. Immerhin sprach der Abgeordnete Herr Markus Meckel in seiner Rede von „... Tataren, Türken und Kurden, die ebenfalls zu Hunderttausenden umgekommen sind“. Es geht uns hier aber auch nicht um ein „gegenseitiges Aufrechnen der Toten“, sondern um das Verständnis, wie eine Katastrophe, die mit den Überschriften „Imperialismus“, „Nationalismus“ und „Krieg“ zusammen gefasst werden können, Hunderttausenden Menschen im untergehenden Vielvölkerstaat Osmanisches Reich das Leben gekostet hat. In der Tat haben auch europäische Staaten einen grossen Anteil an Schuld in diesen Jahrzehnten auf sich geladen. Die Armenier wiederum waren aktiver Teil dieser Geschichte, nicht passive Opfer, wie es die Juden im „Dritten Reich“ waren.
Es würde hier zu weit führen, auf alle Punkte einzugehen, die historische Relevanz haben. Das haben andere, unabhängige Historiker bereits zu genüge getan. Die Ergebnisse liegen in zahlreichen Veröffentlichungen vor. Viele Historiker sehen die Ereignisse der fraglichen Jahre im Osmanischem Reich sehr differenziert, und kommen zu dem Ergebnis, dass die Bezeichnung „Völkermord“ für die Umsiedlung der Armenier unangemessen ist. Für den Historiker Prof. Bernard Lewis z.B. ist die Umsiedlung von Völkern und Gruppen im Nahen Osten nichts ungewöhnliches in der mehrere tausend Jahre langen Geschichte dieser Region, auch Armenier wurden mehrfach umgesiedelt.
Wir würden es sehr begrüssen, wenn auch die Türkei und türkische Historiker in die aktuelle Debatte einbezogen werden könnten. Es ist unsere feste Überzeugung, dass der Hinweis auf die Akten des Auswärtigen Amtes und auf das Werk vom evangelischen Pastor Dr. Johannes Lepsius nicht ausreicht, um zu einer ausgewogenen Aussage zu gelangen. Immerhin erkennt auch der Abgeordnete Herr Dr. Bergner an, dass in westlichen Quellen „sich gewisse Elemente von Kriegspropaganda“ in die Darstellung der Ereignisse mischen (Brief vom 14.03.2005). Wieso sollte das „Blue Book“, von denen während des Ersten Weltkrieges im Britischen Königreich zwei Exemplare erschien – eines gegen das Deutsche Reich und das andere gegen das Osmanische Reich – im Falle Deutschlands offiziell als „Kriegspropaganda“ anerkannt und erklärt werden, im türkischen Fall jedoch nicht? (siehe Rede vom Herrn Abgeordneten Markus Meckel am 21.04.)
Der deutsche protestantische Pastor Dr. Johannes Lepsius selber ist kein Augenzeuge der Vertreibung der Armenier, er hat sich im August 1915 nur für kurze Zeit in Istanbul aufgehalten. Seine Quellen sind „Dokumente“, die von armenischen Übersetzern und protestantisch-amerikanischen Missionaren stammen, was die Glaubwürdigkeit und Objektivität dieser sehr mindert, und die Parteinahme für die christlichen Armenier nahelegt. Es ist bedauerlich, dass in den Reden der Abgeordneten vom 21. April oft Herr Lepsius zitiert wird, obwohl auch feststeht, dass er Manipulationen, Kürzungen und Ergänzungen an den Dokumenten des politischen Archivs des Auswärtigen Amtes vorgenommen hat.
Wir wollen die Debatte um die Geschichte um einige Fragestellungen bezüglich der Gegenwart anreichern, um dann zu einem vorläufigen Schluss zu kommen:
In der Bundestagsdebatte vom 21. April wurde das Thema „Loyalität der Bürger zu einem Staat“ überhaupt nicht angesprochen. Die Armenier haben Jahrhunderte lang als loyale Bürger im Osmanischem Reich gelebt, ja sie haben die Bezeichnung „Millet-i Sadika“ (etwa: „Loyales Volk“) bekommen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts aber begannen sie den armenischen Nationalismus zu entdecken und von einem Grossarmenien in Ostanatolien zu träumen, den es in der Geschichte nie gegeben hat. Aufgestachelt von den imperialistischen Mächten haben sie sich bewaffnet, haben Aufstände organisiert, haben terroristische Aktivitäten unternommen und letztlich unschuldige Menschen umgebracht, um die Einmischung der Fremdmächte zu ihren Gunsten zu ermöglichen.
Die Bundesrepublik Deutschland verlangt von eingebürgerten Menschen, dass sie sich loyal gegenüber dem deutschen Staat verhalten. Man weiss insbesondere von der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, dass sie sich sehr gegen die Einführung der Doppelten Staatsbürgerschaft stark gemacht hat. Offensichtlich gibt es aber geschichtliche Beispiele wie die der Armenier, wo die CDU/CSU-Bundestagsfraktion Illoyalität gegenüber dem eigenen Staat in Friedens- und Kriegszeiten toleriert, jedenfalls die Illoyalität unkommentiert im Raum stehen lässt.
In der Bundestagsdebatte vom 21.04. wurde auch das Thema „Schulbücher“ angeschnitten, z.B. in der Rede vom Herrn Abgeordneten Fritz Kuhn. Selbstverständlich entscheiden in Deutschland die Bundesländer selber, was und wie sie ihren Schülern das Fach Geschichte beibringen wollen. Wir sehen die Gefahr, dass wenn das Schicksal der Armenier und anderer Minderheiten im Osmanischen Reich als „Völkermord“ bezeichnet, und ein oder zwei Kapitel später der Holocaust im „Dritten Reich“ auch als „Völkermord“ behandelt wird, dass dann unzulässige und sehr grob vereinfachende Parallelen in den Köpfen der Schüler entstehen. Wenn zudem der Deutsche Bundestag einen Beschluss fasst, dass es neben dem Holocaust ein anderer (aus türkischer Sicht nicht akzeptabler) „Völkermord“ stattgefunden hat, dann ist die Gefahr sehr gross, dass auch andere Deutsche dazu neigen zu sagen: „Ja, es hat den Völkermord an den Juden gegeben, aber eben auch andere, vergleichbare, z.B. an den Armeniern. Das hat sogar der Deutsche Bundestag bestätigt“.
Wir haben bemerkt, dass in der Bundestagsdebatte über den CDU/CSU-Antrag bzgl. der Ereignisse von 1915 die Forderung nach der Eröffnung der Grenze zwischen der Türkei und Armenien erhoben wurde. Der Abgeordnete Herr Dr. Friedbert Pflüger hat in seiner Rede unter Punkt Vier erklärt, dass er nicht die Gebietsansprüche der Republik Armenien unterstützt. Doch sollte dann in einem fraktionsübergreifenden Antrag nicht genau diese Forderung stehen, dass nämlich Armenien die Bezeichnung „West-Armenien“ für die östlichen Gebiete der Türkei und den Berg Ararat in seinen diversen Wappen aufgeben muss? Muss da auch nicht die Forderung an Armenien stehen, dass dieser Staat die völkerrechtswidrig besetzten Gebiete Aserbaidschans räumen muss, wenn er seiner Isolation entkommen und den Frieden will?
Es ist erneut festzustellen, dass die Forderungen, Anklagen und Schuldzuweisungen oft nur an die Adresse der Türkei gerichtet sind. Dabei ist von Armenien genauso zu fordern, die armenischen Archive der Weltöffentlichkeit und Historikern zu öffnen, sich der gemeinsamen Geschichte kritisch zu stellen, die Schulbücher von Hass auf Türken und die Türkei zu befreien, die Attentate der armenischen Terrororganisationen der 70‘er und 80‘er Jahre zu verurteilen, nach Wegen zu suchen, in Frieden mit den Nachbarn zu leben, den Versuch aufzugeben, die Türkei durch Parlamentsbeschlüsse verschiedener Länder bzgl. dem angeblichen „Völkermord“ in die Isolation zu treiben, usw.
Die Türkei hat auch in jüngster Zeit immer wieder erste Schritte unternommen und Gesten der Versöhnung gezeigt, was sowohl die Aufarbeitung der Geschichte betrifft, als auch die Beziehungen zwischen beiden Ländern heute. Aber die positive Antwort auf der armenischen Seite ist bisher ausgeblieben.
Wir haben bereits im unserem Brief vom 3. März bemerkt, dass wir keinen Zusammenhang zwischen der Geschichtsbewältigung und den EU-Beitritt der Türkei sehen:
Bei der Osterweiterung der EU hat man bewusst und weitsichtig die Fragen der Geschichtsbewältigung ausgeklammert, so z.B. im Falle Polens, oder der Tschechischen Republik. Die „Republik Zypern“ – de facto nur der griechische Süd-Zypern – wurde EU-Vollmitglied, ohne dass es zu einer „geschichtlichen Aufarbeitung“ und Lösung gekommen wäre. Es ist kaum anzunehmen, dass die Erweiterung der EU um Rumänien und Bulgarien an der Frage scheitert, warum diese Länder in und nach den zwei Balkankriegen 1912/13 die türkische Zivilbevölkerung millionenfach vertrieben, getötet und unterdrückt haben.
Es wäre ein Novum in der Geschichte der EU und ein zusätzliches Kriterium zu fordern, dass ein EU-Beitrittskandidat seine Geschichte aufarbeiten muss, um Mitglied zu werden. Ein entsprechender Vorstoß wegen einem möglichen EU-Beitritt der Türkei würde deswegen in der Türkei und bei den türkischstämmigen Bürgern in Deutschland negativ aufgenommen und bewertet.
Wir möchten zusammenfassen:
Der Antrag der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist nicht hilfreich und trägt nicht zur Geschichtsbewältigung bei. Im Gegenteil, er reißt neue Gräben zwischen Deutschland, Armenien und der Türkei auf, denn er bestärkt die Armenier in Ihrem Glauben, dass sie nur „Opfer“, und die Türken nur die „Täter“ seien. Eine kritische Durchleuchtung Ihrer Geschichte ist aber von den Armeniern genauso zu fordern, wie von den Türken, damit es zu einer Versöhnung und Normalisierung kommt. Eine einseitige Anerkennung der Schuld, eine Anerkennung des sog. „Genozids“ und somit die Gleichsetzung mit den Nazis und Übernahme der Verantwortung wie beim Holocaust werden die Türkei und die Türken niemals akzeptieren.
Um Schaden in den Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei bzw. zwischen Deutschen und Türken vorzubeugen ist eine vollständige Überarbeitung des CDU/CSU-Antrages erforderlich. Sonst ist zu erwarten, dass durch den vorliegenden Antrag – wenn er in dieser uns vorliegenden Version endgültig beschlossen wird – türkischstämmige Bürger in Deutschland und Türken insgesamt sich ziemlich vor dem Kopf gestoßen fühlen und entsprechend reagieren werden.
Wir halten die vielfältigen, freundschaftlichen deutsch-türkischen Beziehungen, die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Türkei und das friedliche Zusammenleben der beiden Völker für besonders wichtig und appellieren hiermit an den Auswärtigen Ausschuss und ihren Vorsitzenden, Herrn Volker Rühe, zu einem wesentlich ausgewogeneren Antrag beizutragen.
Hochachtungsvoll
Dr. Turgut Aslan
European Assembly of Turkish Academics (EATA) Baden-Württemberg e.V.
http://www.eata.info/bawue/media/ermeni/btauswaus050506.pdf
Der Schakal
20.06.05, 15:40
Wir verurteilen die heutige Entschließung im Bundestag und die damit verbundene einseitige Verurteilung der Ereignisse während des ersten Weltkriegs als Genozid am armenischen Volk.
Insbesondere hat die Debatte im Bundestag offen gelegt, dass die Ereignisse der Kriegsjahre im Osmanischen Reich – trotz Dutzender anders lautender Berichte internationaler Beobachter, unter ihnen auch Berichte hoher deutscher Offiziere als Augenzeugen der Auseinandersetzung – nach wie vor ausschließlich einseitig nach armenischer Lesart dargestellt werden.1
Um alle Missverständnisse von Anfang an aus dem Weg zu räumen, möchten wir festhalten, dass das Leiden unserer armenischen Nachbarn, die Tragödien während der Zwangsumsiedlung sowie die Verantwortung der osmanischen Staatsführung hierfür, die diese zu verhindern versäumt hat, in der heutigen Türkei von niemandem geleugnet werden. Dies wurde leider fast einmütig in der Bundestagsdebatte behauptet.
Wir beanstanden an der Debatte, wie auch an der gesamten Berichterstattung der Medien alleine das Totschweigen der Existenz der anderen Seite derselben Medaille. Beanstandet wird von uns wie auch in der Türkei, dass nicht einmal die Frage zugelassen wird, warum die gegenseitigen Massaker nach 800 Jahren friedlichen Zusammenlebens ausgebrochen sind.2
Wir beanstanden weiterhin die Lesart, aus den Türken Barbaren und aus den Armeniern unschuldige Opfer zu machen. Dabei berichten alle neutralen Beobachter vom Überlebenskampf unterschiedlicher Gruppen, auch der Armenier, die letztendlich ihre Machtansprüche durchzusetzen versuchten.
Warum fragt niemand nach dem Schicksal der aus Teilen Kaukasiens durch die Armenier vertriebenen muslimischen Bevölkerung, ganz zu Schweigen von den Massakern und Vertreibungen aus dem Balkan?
Beanstandet wird die selektive Wahrnehmung, die zu verzerrten Bildern der Realität führt, mit dem Ergebnis, dass aus den Konflikten der Geschichte ein Kulturkampf zwischen Christen und Muslimen gemacht und versucht wird, daraus Vorteile für eine imperialistische Politik abzuleiten.3
Des weiteren beanstanden wir den untauglichen Versuch in Deutschland, dem einmaligen Verbrechen der Weltgeschichte andere beizugesellen. Wir sind im übrigen nicht der Auffassung, dass diese Haltung für Deutschland eine Entlastung bringen könnte.
Dass der größte Verbrecher der Weltgeschichte, Adolf Hitler, wie auch in der Bundestagsdebatte wieder einmal geschehen, als „Kronzeuge“ benannt wird, halten wir nicht nur für geschmacklos, sondern auch als einen Nachweis der Unbeholfenheit der Ankläger 4, der Türkei einen Völkermord in die Schuhe zu schieben.
Das Beispiel der Engländer, die 1918 nach dem gewonnenen Krieg Istanbul besetzten, aller osmanischen Archive habhaft wurden, über 164 hohe Offiziere und die gesamte Verwaltungsspitze der Osmanen inhaftiert und nach Malta deportierten, um ihnen wegen der armenischen Frage den Prozess zu machen, zeigt in beeindruckender Weise, wie untaugliche Versuche, Geschichte selbst bestimmen zu wollen, scheitern. Trotz aller Bemühungen ist es den Engländern nicht gelungen, auch nur einen der Inhaftierten vor ein ordentliches Gericht zu stellen und dies trotz großer Zeitnähe zu den Ereignissen, und des Besitzes aller osmanischen Archive, da kein Nachweis für einen Völkermord oder ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit erbracht werden konnte.
Der türkische Ministerpräsident Erdoğan hat dem armenischen Staatspräsidenten, Herrn Kotcharian, in einem Brief vorgeschlagen, eine unabhängige gemeinsame Historikerkommission zu gründen, hat seine Bereitschaft kundgetan, alle osmanischen und türkischen Archive zur Verfügung zu stellen und Armenien aufgefordert, ebenfalls alle seine Archive offen zu legen, um die Arbeit der Kommission zu unterstützen. Wir, die Deutschlandtürken, unterbreiten diesen Vorschlag seit fünf Jahren. Der Vorschlag Erdoğans wurde bisher von armenischer Seite leider nicht positiv beschieden.
Zahlreiche Mitglieder des Europarats (Council of Europe) riefen in einer Deklaration vom 27. April 2005 Herrn Kotcharian dazu auf, diesem Vorschlag zu folgen. Präsident Bush hat sich hinter diesen Vorschlag gestellt und Herrn Kotcharian aufgefordert, auf Erdoğans Angebot einzugehen.
Anstatt sich diesen Appellen anzuschließen, hat sich der Bundestag mit diesem Beschluss in die Reihe derer gesellt, die der mit viel Geld und Terror geführten einseitigen Hasspropaganda mancher armenischen Kreise erlegen sind.
Die Türkische Gemeinde in Deutschland verurteilt diese Entscheidung. Der Schaden, der durch diese Entscheidung für die deutsch-türkischen Beziehungen entsteht, geht alleine auf die Kappe derjenigen, die aus welchem Interesse auch immer diesen Weg gewählt haben.
Wir fordern die türkischstämmige Bevölkerung in Deutschland auf, diese Entscheidung mit Besonnenheit aufzunehmen und darauf nur die eine, verdiente Antwort zu geben: Mit Entschließungen welcher Art auch immer wird es nicht gelingen, die Geschichte zu verdrehen.
http://www.tgd.de/tgd/themes/tgd/images/newsSquare.gifŞener Sargut, Stellvertretender Bundesvorsitzender
Der Schakal
20.06.05, 15:41
Quellen
1
Markanterweise zitierten die Redner im Bundestag nur solche, die sich wegen Ihrer Turkophobie hervorgetan haben und/oder deren Schriftstücke auf Fälschungen basieren.
Lepsius wurde schon immer als neutrale Beobachter von vielen Forschern in Frage gestellt. Er ist selbst unter manchen deutschen Forschern als Dokumentenfälscher diskreditiert.
Franz Werfel schrieb den Roman, „Vierzig Tage des Musa Dags“, dessen Handlungen auf rein erfundene Geschichten und gefälschte Dokumenten beruht. Franz Werfel, selbst ein jüdischer Romancier, gestand seinem in der Türkei lebenden jüdischen Freund Sou SEVER ein, mit seinem Roman den Türken Unrecht getan zu haben. In Wirklichkeit sind die im Roman erwähnten Armenier, die in die Berge geflüchtet sein sollen, die gegen die osmanische Armee kämpfenden französischen Legionäre. Der Autor wurde durch die armenischen Revolutionäre hinters Licht geführt.
Bemerkenswert sind die Aussagen der deutschen Offiziere, die in der osmanischen Armee ihren Dienst geleistet haben. Die selektive Wahrnehmung der Türkeigegner, die die türkischen Positionen ausklammern sowie das Nichterwähnen der gegenseitigen Positionen sind heute noch übliche Methoden. Ähnlich wie damals in der Verhandlung des Mörders von Talat Pascha ging es in der Bundestagsdebatte zu. Der Mörder Talat Paschas wurde 1921 von dem Berliner Gericht freigesprochen.
General v. Schellendorf schreibt: „Es wurden Zeugen vorgeladen, die vom Hörensagen zu Wort kamen und nicht solche, die bessere Informationen hatten, da sie direkt vor Ort waren“. Generalleutnant a.D. Bronsart v. Schellendorf, ehemaligem Chef des Generalstabes des türkischen Feldheeres, zuletzt Kommandeur des Königl. preuß. 5. Inf.-Div. und Oberstleutnant Dr. jur. Felix Guse 1914-1918 im Frieden Korpschef in Sivas im Kriege Chef des Stabes türk. Heeresgruppe Kaukasus (3. Armee) und Oberstleutnant a.D. von Feldmann Chef der Operationsabteilung des Osmanischen Großen Hauptquartiers wurden als Zeugen nicht geladen. Dafür haben diese Herren sich über Zeitungsartikel zu Wort gemeldet. Deutsche Allgemeine Zeitung, Nr. 342, 24.07.1921 Beiblatt, Morgen-Ausgabe und Deutsche Allgemeine Zeitung, Dienstag, 28.Juni 1921, Nr. 297 und Deutsche Allgemeine Zeitung, Donnerstag, 30.Juni 1921, Nr. 301, Berlin respektive.
2
Der amerikanische Missionar Reverend Cyrus Hamlin warnt in einem Zeitungsartikel, der am 23.12.1893 in den USA publiziert wurde, vor gefährlichen und unannehmbaren Praktiken der armenischen Revolutionäre. Er kritisiert die Pläne und Methoden der armenischen Revolutionäre und bringt es auf den Punkt, indem er 22 Jahre vor 1915 vor einer Katastrophe warnt, in die die armenischen Revolutionäre das armenische Volk stürzen würden. Dabei spielt die armenische revolutionäre Hintschak-Partei, die die revolutionäre Bewegung in „Armenien“ anführt. „Ihr Zentrum ist in Athen. Nishan Garabedian, einer der Gründer der Partei, ist in Amerika, und diejenigen, die mit ihm in Verbindung treten wollen, um weitere Informationen einzuholen, können dies tun, indem sie sich an ihn unter Nishan Garabedian, No. 15, Fountain Street, Worcester, Mass. oder an das Zentrum, unter M. Bernard, postlagernd, Athen, Griechenland, wenden“ usw.
Mark Sykes schreibt in seinem Buch „Dar-ul-Islam - A record of a journey through ten of the asiatic provinces of Turkey”, 1904, Neuauflage 1988, Exeter, Devon (Great Britain), S. 72-78; „Es ist auch eine Tatsache, daß die Armenier eine außerordentliche Gewohnheit haben, immer auf die Gefahr zuzulaufen, ohne den Mut zu besitzen, sich ihr zu stellen. Und die Revolutionäre aus dem Ausland waren immer bereit, Massaker zu provozieren, um die Mächte dazu zu bringen, ihnen zu helfen. Ich habe gute Gründe zu wissen, daß diese Elenden sogar geplant hatten, amerikanische Missionare zu ermorden, in der Hoffnung, daß Amerika, in dem Glauben, die Türken wären die Mörder gewesen, gegen die Türken den Krieg erklären würde.“
Beispielhaft sind Massaker für die Vorgehensweise durch die Armenier an der muslimischen (türkisch-kurdischen) Bevölkerung in Zeytun, in Van nach der Besetzung der Stadt im Vorfeld der russischen Invasion im April/Mai 1915 und v. a. m.
3
Louise Nalbandian, ein armenischer Historiker, beschreibt in seinem Buch, „The Armenian Revolutionary Movement“, Los Angeles 1963, sehr eindrucksvoll, welche Terrormethoden die armenischen Revolutionäre auf dem ganzen osmanischen Gebiet angewendet haben, um einen Bürgerkrieg zu entfachen.
4
In den Akten des „Nürnberger-Gerichts“ finden wir offiziell zwei unterschiedliche Versionen der Rede Adolf Hitlers vom 22. August 1939 in Obersalzberg, bezogen auf die Invasion von Polen. Eine dritte Version existiert zu diesem Thema in einem Buch „What about Germany“ von Louis Louchner, dem Journalisten und ehemaligen Berichterstatter von Associated Press aus „Nürnberger Gericht“. Diese Version wurde vom Gericht als Beweismittel nicht zugelassen. Die Ablehnung dieser Version, in der Hitler den von Ihnen zitierten Satz gesagt haben soll, wird in den Akten des Nürnberger Gerichtes mit der Nummer USA 28 damit begründet, dass die Quelle, auf die sich der amerikanischen Journalist beruft, unglaubwürdig sei.
Die anderen zwei Versionen, die das Gericht für glaubwürdig befand, sind:
1- die Version des Generalbefehlshabers Admiral Herman Böhm (PS-798) und
2- die Version, die von den amerikanischen Streitkräften in Saalfelden-Österreich bei dem Oberkommando der Wehrmacht (PS-1014) beschlagnahmt wurde.
In beiden dieser Dokumente wird mit keinem Wort auf Armenier Bezug genommen.
Türkische Gemeinde in Deutschland
http://www.tgd.de/tgd/index.php
Zur "Mitschuld" der Deutschen:
Es waren deutsche Militärs, die den Osmanen die Umsiedlung der Armenier dringend empfohlen haben! Die Deutschen waren nicht "stille Zeugen" sondern haben die Osmanen erst auf die Idee gebracht, die Armenier in dieser Art und Weise umzusiedeln, mit allen Konsequenzen und Folgen, welche sicher auch den Deutschen bewusst waren.
Natürlich haben wir 1922-23 unsere Befreiungskrieg (Kurtulus Savasi) hauptsächlich gegen den Griechen und Armenier geführt, weil sie ja damals mit der Unterstützung der Großmächete wie England, Frankreich den letzten Fleck was uns noch geblieben war auch noch erobern wollten.
Was hätten wir machen sollen? einfach zuschauen und Blumen verteilen und sagen sollen "oh gut das ihr kommt, hier bitte mein Land"?!?
Jetzt wollen sie auch uns vorwerfen und beschuldigen weil wir unser Land verteidigt haben. Absurd.
Ja leider haben viele der Griechischen und Armenischen Minderheiten damals gegen den Türken gekämpft.
noch etwas: Während die anderen Länder über etwas diskutierren, was vor fast 100 Jahren passiert ist, sind wegen den Armenier heute eine Millionen Azerbaidchaner vertrieben und fast 100000 umgekommen. Niemand spricht über denen. Warum? weil die Moslems sind!
Wir dürfen uns nicht verteidigen, sonst sind wir die Bösen, Barbaren. Lieber lassen wir uns unterwerfen, abschlachten!
Denken die wirklich daß wir blöd sind?!
deryatulga
06.06.06, 15:24
Hallo Leute,
ich hoffe nicht, dass die armenische Regierung sich kaufen lässt.
Würden sie sich doch kaufen lassen, so droht ihnen möglicherweise das gleiche Schicksal, wie einst jener Parlamentarier, welche im Parlament einfach so erschossen wurden.
Mit armenischen Gefühlen und dem "Stolz" ist nun mal nicht zu spassen.
Ich rate jedem armenischen Politiker auf dem Teppich zu bleiben und stets das Wohl und Ansehen seines Volkes vor Augen zu haben.
Die Würde des armenischen Volkes muss jeder armenische Politiker respektieren und mit Würde umgehen.
Die Würde des Menschen ist unantatbar!!!
Die Würde des armenischen Volkes ist ebenso unantastbar!!!
mfG
Haysire
Freiburger
06.06.06, 20:14
Zur "Mitschuld" der Deutschen:
Es waren deutsche Militärs, die den Osmanen die Umsiedlung der Armenier dringend empfohlen haben! Die Deutschen waren nicht "stille Zeugen" sondern haben die Osmanen erst auf die Idee gebracht, die Armenier in dieser Art und Weise umzusiedeln, mit allen Konsequenzen und Folgen, welche sicher auch den Deutschen bewusst waren.
Wenn der hieb- und stichfeste Beweis erbracht werden kann, dass deutsche Militärs die Osmanen zur Deportation der Armenier "ermunterten" und als "Ideengeber" fungierten, so wäre dies zwar eine kleine Sensation, würde aber an der "Schuld" der jungtürkischen Regierung für diese Tragödie wenig ändern, - genauso wenig wie die Tatsache, dass Hitler durch britische Faschisten und Sozialdarwinisten wie z.B. Houston Stewart Chamberlain zum Holocaust "inspiriert" wurde, irgendetwas an der deutschen Schuld für diesen Genozid ändert.
(vgl. Manuel Sarkisyanz, Hitlers Englische Vorbilder, (Ketsch 1997)
(ZUR KLARSTELLUNG: DIES SOLL KEINE PARALLELISIERUNG BEIDER EREIGNISSE BEDEUTEN!)
Im übrigen wäre es für die Deutschen kein Problem, die Verantwortung für die Armenierdeportation und ihre tragischen Folgen zu übernehmen (und die türkischen Freunde von historischer Schuld zu entlasten), denn angesichts der Ungeheuerlichkeit der Shoa ist die Armenierdeportation von 1915 eigentlich nur eine quantité négligeable und könnte in den Gesamtkomplex deutscher Schuld mühelos integriert und aufgearbeitet werden (genauso wie die Herero-Massaker. Wir Deutschen besitzen inzwischen große "Aufarbeitungsroutine" bei Verbrechen gegen die Menschlichkeit - da macht uns niemand was vor!) - aber das kann nicht funktionieren - denn den Befehl zur Deportation gab die jungtürkische Regierung - da beißt die Maus keinen Faden ab, wie man so sagt.
Dennoch: Sollte sich herausstellen - Cems zweites Buch wird hier vielleicht Klarheit schaffen - dass deutsche Militärs die Inspiratoren für die Deportation der Armenier waren, müsste dies zu einer Neubewertung der damaligen Ereignisse führen. Eine "psychlogische" Entlastung für die Türkei wäre damit sicher verbunden.
Zur "Mitschuld" der Deutschen:
Es waren deutsche Militärs, die den Osmanen die Umsiedlung der Armenier dringend empfohlen haben! Die Deutschen waren nicht "stille Zeugen" sondern haben die Osmanen erst auf die Idee gebracht, die Armenier in dieser Art und Weise umzusiedeln, mit allen Konsequenzen und Folgen, welche sicher auch den Deutschen bewusst waren.
Kannst du da vielleicht irgendeine Quelle angeben???
deryatulga
06.06.06, 20:45
Wenn der hieb- und stichfeste Beweis erbracht werden kann, dass deutsche Militärs die Osmanen zur Deportation der Armenier "ermunterten" und als "Ideengeber" fungierten, so wäre dies zwar eine kleine Sensation, würde aber an der "Schuld" der jungtürkischen Regierung für diese Tragödie wenig ändern, - genauso wenig wie die Tatsache, dass Hitler durch britische Faschisten und Sozialdarwinisten wie z.B. Houston Stewart Chamberlain zum Holocaust "inspiriert" wurde, irgendetwas an der deutschen Schuld für diesen Genozid ändert.
(vgl. Manuel Sarkisyanz, Hitlers Englische Vorbilder, (Ketsch 1997)
(ZUR KLARSTELLUNG: DIES SOLL KEINE PARALLELISIERUNG BEIDER EREIGNISSE BEDEUTEN!)
Im übrigen wäre es für die Deutschen kein Problem, die Verantwortung für die Armenierdeportation und ihre tragischen Folgen zu übernehmen (und die türkischen Freunde von historischer Schuld zu entlasten), denn angesichts der Ungeheuerlichkeit der Shoa ist die Armenierdeportation von 1915 eigentlich nur eine quantité négligeable und könnte in den Gesamtkomplex deutscher Schuld mühelos integriert und aufgearbeitet werden (genauso wie die Herero-Massaker. Wir Deutschen besitzen inzwischen große "Aufarbeitungsroutine" bei Verbrechen gegen die Menschlichkeit - da macht uns niemand was vor!) - aber das kann nicht funktionieren - denn den Befehl zur Deportation gab die jungtürkische Regierung - da beißt die Maus keinen Faden ab, wie man so sagt.
Dennoch: Sollte sich herausstellen - Cems zweites Buch wird hier vielleicht Klarheit schaffen - dass deutsche Militärs die Inspiratoren für die Deportation der Armenier waren, müsste dies zu einer Neubewertung der damaligen Ereignisse führen. Eine "psychlogische" Entlastung für die Türkei wäre damit sicher verbunden.
Was ich stets wiederhole und dabei leider keinen aufmerksamen Zuhörer finde: Auch wenn es die Deutschen selbst die Täter gewesen wären, trug die damalige osmanische Regierung dafür die politische Verantwortung, abgesehen davon wie die Konnivenzfrage gestellt worden wäre,
Man hört hin und wieder von einer deutschen Besatzung der Türkei, die langsam historische Aussagekraft erhält. Das ist natürlich grundfalsch und sehr leicht zu entkräften. Belegte Tatsache ist, dass man die Massnahmen zunächst mit den deutschen Militärs erörtert hat. Das war angesichts der bevorstehenden enormen logistischen Arbeit selbstverständlich. Als die Sache spruchreif war, wurde sie dem Botschafter Wangenheim vorgelegt, damit die Weltöffentlichkeit mit Hilfe der deutschen Diplomatie beschwichtigt werden könnte. Man kann und darf deshalb der deutschen Seite vorwerfen, dass sie genauso blauäugig und fahrlässig wie die türkische Seite waren. Die späteren überspitzten Formulierungen einiger deutschen Zeitgenossen kann man als Projektion einer Vorahnung sehen, dass man sehr wohl verstanden hatte, sich aus dieser Verantwortung nicht mehr stehlen zu können.
Die Deportation ist ein Element der politischen Kultur Vorderasiens. Auch das Osmanische Reich hat sie hin und wieder gegen aufmüpfigen Nomaden angewendet. Von den Deutschen hatte man diesbezüglich nicht viel zu lernen, obwohl z.B. Morgenthau anderer Meinung war.
Ich glaube auch nicht so einfach, dass die Deutschen die Verantwortung der armenischen Deportation übernehmen würden. Die Armenier wissen, dass die Geldmengen, wovon sie träumen, von der Türkei nicht zu holen sind. Darum konzentrieren sie sich auf deutscher Zahlungsfähigkeit.
Historikerzunft
06.06.06, 21:11
Hallo Leute,
ich hoffe nicht, dass die armenische Regierung sich kaufen lässt.
Würden sie sich doch kaufen lassen, so droht ihnen möglicherweise das gleiche Schicksal, wie einst jener Parlamentarier, welche im Parlament einfach so erschossen wurden.
Mit armenischen Gefühlen und dem "Stolz" ist nun mal nicht zu spassen.
Ich rate jedem armenischen Politiker auf dem Teppich zu bleiben und stets das Wohl und Ansehen seines Volkes vor Augen zu haben.
Die Würde des armenischen Volkes muss jeder armenische Politiker respektieren und mit Würde umgehen.
Die Würde des Menschen ist unantatbar!!!
Die Würde des armenischen Volkes ist ebenso unantastbar!!!
mfG
Haysire
Das ist doch unser alter Bekannter. :lach:
Wenn der hieb- und stichfeste Beweis erbracht werden kann, dass deutsche Militärs die Osmanen zur Deportation der Armenier "ermunterten" und als "Ideengeber" fungierten, so wäre dies zwar eine kleine Sensation, würde aber an der "Schuld" der jungtürkischen Regierung für diese Tragödie wenig ändern, - genauso wenig wie die Tatsache, dass Hitler durch britische Faschisten und Sozialdarwinisten wie z.B. Houston Stewart Chamberlain zum Holocaust "inspiriert" wurde, irgendetwas an der deutschen Schuld für diesen Genozid ändert.
(vgl. Manuel Sarkisyanz, Hitlers Englische Vorbilder, (Ketsch 1997)
(ZUR KLARSTELLUNG: DIES SOLL KEINE PARALLELISIERUNG BEIDER EREIGNISSE BEDEUTEN!)
Im übrigen wäre es für die Deutschen kein Problem, die Verantwortung für die Armenierdeportation und ihre tragischen Folgen zu übernehmen (und die türkischen Freunde von historischer Schuld zu entlasten), denn angesichts der Ungeheuerlichkeit der Shoa ist die Armenierdeportation von 1915 eigentlich nur eine quantité négligeable und könnte in den Gesamtkomplex deutscher Schuld mühelos integriert und aufgearbeitet werden (genauso wie die Herero-Massaker. Wir Deutschen besitzen inzwischen große "Aufarbeitungsroutine" bei Verbrechen gegen die Menschlichkeit - da macht uns niemand was vor!) - aber das kann nicht funktionieren - denn den Befehl zur Deportation gab die jungtürkische Regierung - da beißt die Maus keinen Faden ab, wie man so sagt.
Dennoch: Sollte sich herausstellen - Cems zweites Buch wird hier vielleicht Klarheit schaffen - dass deutsche Militärs die Inspiratoren für die Deportation der Armenier waren, müsste dies zu einer Neubewertung der damaligen Ereignisse führen. Eine "psychlogische" Entlastung für die Türkei wäre damit sicher verbunden.
Ja, meine Worte waren auch ein wenig hart, es ist auch schon eine Weile her, dass ich das geschriebe habe.
Ich meinte eher, dass man hierzulande immer wieder suggeriert, dass die Türken ein "Lehrstück für Hitler" geliefert hätten. Ein Klassiker ist da z. B. das angebliche "Hitler-Zitat", welches es nicht gibt, es gibt aber sehr wohl die "Hunnenrede".
Den deutschen Offizieren ging die Deportation bzw. die Folgen sicher zu weit, aus militärischer Sicht haben sich jedoch wenige dagegen ausgesprochen, da helfen auch die wenigen Helden nicht viel. Es herrschte Krieg.
Und selbst ein Armin T. Wegner tummelte sich in den armenischen Sammellagern und verliebte sich in armenische Jünglinge und arabische Beduinen... das hindert die Armenier jedoch nicht, ihn zu einer Art Heilligen zu verklären.
Wenn man mit Dreck werfen möchte, liefert die Deportation der Armenier jede Menge Material...
deryatulga
07.06.06, 11:53
Das ist doch unser alter Bekannter. :lach:
Hallo liebe Landsleute,
solange die "feige" türkische Regierung den "feigen" Ausrottungsgenozid" gegen unserem Volk nicht anerkennt und eine Wiedergutmachung leistet, darf keine Annäherung mit der Türkei erfolgen.
Nehmt Beispiel an Israel: Solange die Hamas Regierung das "Existenzrecht" der Juden nicht anerkennen, gibt es keine Annäherung und Verhandlungen mit Hamas.
mfG
haysire
deryatulga
26.04.08, 20:03
http://www.presseportal.de/pm/7846/1178593/cdu_csu_bundestagsfraktion
Presseportal CDU/CSU-Bundestagsfraktion 24.4.2008
Fromme: Der Genozid an den Armeniern ist unvergessen - Bekenntnis der Türkei steht weiter aus
Berlin (ots) - Anlässlich der weltweiten Gedenkfeiern am 24. April für die Opfer des Genozids an den Armeniern, erklärt der Vorsitzende der Gruppe der Vertriebenen, Flüchtlinge und Aussiedler der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jochen-Konrad Fromme MdB:
Der heutige Tag ist für die armenischen Mitbürger, die in den Jahren 1915/1916 in die Diaspora gezwungen wurden, ein Tag, an dem sie ihrer Trauer weltweit in Gedenkfeiern Ausdruck verleihen. Sie gedenken der zwischen 1,2 und 1,5 Millionen Opfer von Deportation und Massenmord; der Frauen, Kinder und Alten, auf Todesmärsche geschickt von der Regierung des Osmanischen Reiches. Die Vertreibung der Armenier war die erste große Vertreibung des 20. Jahrhunderts.
Der Respekt vor den Opfern gebietet auch heute noch ein Bekenntnis zu diesen Untaten. Doch bestreitet die Türkei als Rechtsnachfolgerin des Osmanischen Reichs bis heute, dass diesen Vorgängen eine Planmäßigkeit zugrunde gelegen hätte bzw. dass das Massensterben während der Umsiedlungstrecks und die verübten Massaker von der osmanischen Regierung gewollt waren. Diese Leugnung des Genozids nimmt den Opfern noch im Nachhinein die Würde.
Deutschland ist sich aus langer eigener Erfahrung darüber bewusst, wie schwer es für jedes Volk ist, zu den dunklen Seiten seiner Vergangenheit zu stehen. Doch nur die ehrliche Aufarbeitung der eigenen Geschichte kann das Fundament für eine echte Versöhnung schaffen.
In Anerkennung der historischen Tatsachen hat der Deutsche Bundestag im Jahr 2005 anlässlich des 90. Jahrestages des Genozids an den Armeniern einen Antrag beschlossen, der die Opfer dieser Gräueltaten würdigt und eine historische Aufarbeitung und ein dauerhaftes Gedenken an die Opfer einfordert.
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