DeLaHoya
11.09.05, 16:22
Petrus an der Seidenstraße
Persische Monumentalbauten, christliche Klöster, arabische Basare: Nirgendwo ist die lange Geschichte der Türkei lebendiger als im Osten Anatoliens
von Elke Backert
er erste Rat, den der Reiseleiter uns Frauen gibt, läßt Schlimmes ahnen: "Guckt einem Türken bloß nicht direkt in die Augen. Dann denkt er nämlich, er gefällt euch. Wenn das nicht der Fall ist, hebt ihr den Kopf, guckt nach oben und schnalzt mit der Zunge. Das heißt: Nein!"
Tunc, so sein Name, hat noch mehr Ratschläge auf Lager. "Wollt ihr Tee, und der Kellner ist weit weg, gebt ihr ein Zeichen: Ihr tut so, als rührt ihr in einer Tasse. Der rechte Zeigefinger ist der Löffel." Es funktioniert! Mit Kaffee ist es ähnlich. "Ihr nehmt zweimal einen Schluck aus einer imaginären Tasse." Wir müssen lachen, aber wir fühlen uns für die Reise durch Südostanatolien und das wilde Kurdistan nun gut gewappnet.
80 Jahre lang, seit der Staatsgründung der Türkei, leugnete Ankara die Existenz des kurdischen Volkes und die seiner Sprache, Geschichte und Kultur. Nun, mit Blick auf die erhoffte Aufnahme in die EU, dürfen Kurden wieder Kurdisch sprechen und auch lernen, zumindest an Privatschulen. Hoffnung bringen auch die Touristen, die sich allmählich wieder tiefer ins Land wagen. Sie müssen sich allerdings auf lange einsame Fahrten gefaßt machen. Die türkische Küste endet eben nicht bei Antalya oder Alanya, sondern zieht sich noch Hunderte Kilometer weiter bis zur Grenze nach Syrien.
Unser erstes Ziel ist Adana, die viertgrößte Stadt der Türkei, ein Moloch aus Hochhäusern. Die größte Sehenswürdigkeit ist eine Steinbrücke, die der römische Kaiser Hadrian (117-138) bauen ließ, 319 Meter lang und 30 Meter hoch. Aus dem 16. Jahrhundert stammt die Große Moschee. Ein irreführender Name, seit der reiche Industrielle Sakip Sabanci sich ein Denkmal setzte - mit der größten Moschee des Mittleren Ostens. Sie ahmt die Selimiye-Moschee von Edirne nach, hat sechs Minarette, eine 54 Meter hohe Kuppel mit einem Durchmesser von 42 Metern und bietet 28 500 Gläubigen Platz.
Wir fahren weiter durch die Provinz Hatay über die Hafenstadt Iskenderun nach Antakya am Fluß Orontes. Als die Stadt noch Antiochia hieß, war es nach Rom und Alexandria die drittgrößte Stadt des Römischen Reichs und 64 v. Chr. Hauptstadt der römischen Provinz Syrien. Und es war Knotenpunkt jener legendären Handelsrouten, die der deutsche Geograph Ferdinand Freiherr von Richthofen (1833-1905) unter dem Begriff Seidenstraße zusammenfaßte. Symbol für exotische Kostbarkeiten und Kamelkarawanen, die schwer bepackt Brücken und Gebirgsrücken überwinden. Doch das war einmal.
Orientalisches Gassengewirr wie aus dem Bilderbuch finden wir noch im Altstadtbasar von Antakya: knarrende Mofas zwischen krabbelnden Kindern, kreischenden Händlern, plärrenden Kofferradios und duftenden Gewürzen. Ein in der Gasse deponierter Stuhl voller Fladenbrot wird zum Stolperstein. Seide allerdings wird hier leider nicht verkauft.
Die Cukurova-Ebene, wo die Quecksilbersäule im Sommer auf 45 Grad Celsius und mehr steigt, ist fruchtbar und erlaubt den Bauern zwei Ernten im Jahr: Getreide, Zitrusfrüchte, Sonnenblumenkerne, Pistazien und Wein. Die Reben umranken Häuser und verwandeln sie in romantische Lauben.
In Antakya besichtigen wir die Petrus-Grotte, die als eine der ersten Kirchen der Christenheit gilt. Vom Papst wurde sie zum Wallfahrtsort erklärt und heiliggesprochen. Glocken läuten, Muezzine rufen. Eine akustische Ökumene - auch eine architektonische: Neben Moscheen stehen katholische, griechisch-orthodoxe, evangelische Kirchen und eine Synagoge.
Im "Hotel Savon", einer früheren Seifenfabrik, essen und übernachten wir first class. Maulbeersaft und Dattel-Walnuß-Kuchen sind nur zwei Spezialitäten der Küche, deren Antakya sich rühmt. Man empfiehlt uns auch den Kauf von Daphne-Seife, die aus Lorbeeröl gewonnen wird und sogar Haarausfall verhindern soll, das Kilogramm zu rund drei Euro.
Stunden verbringen wir auf schmalen Asphaltstraßen. Außer kahlen Felsmassiven bietet die Landschaft nur wenig Abwechslung. Hin und wieder kommen uns Lastwagen entgegen, hoch beladen mit Baumwolle. Nicht mit Seide.
Immerhin begleiten nun Baumwollfelder unsere Reise. Einige stehen in voller Pracht und sehen mit ihren weißen Blüten aus, als hätte Frau Holle die Kissen geschüttelt. Auf anderen wird schon die Ernte eingebracht und rote, blaue, gelbe Kopftücher hüpfen wie kleine bunte Smarties über das Feld. Weit ist der Weg nach Sanliurfa, dem antiken Edessa, Erzvater Abrahams Geburtsstadt. Bei Birecik überqueren wir die Brücke über den Euphrat, den größten Strom Vorderasiens, der mit dem Tigris das biblische Zwischenstromland Mesopotamien umschließt. Dann endlich Urfa, die vielleicht arabischste Stadt der Türkei.
Kaum zu glauben, daß es hier neben hämmernden Kupferschmieden, ratternden Nähmaschinen und surrenden Messerschleifern eine stille Oase gibt. Denn eine Legende schützt diesen Flecken Erde vor Bebauung: So ließ hier der grausame König Nimrod Stammvater Abraham - der Islam verehrt ihn als Propheten - mit einer Schleuder von der Zitadelle in einen brennenden Holzhaufen werfen. Doch dank göttlichen Eingreifens verwandelte sich das Feuer in Wasser, und die Holzscheite wurden zu Fischen - heilige Tiere, die gefüttert, aber nicht gefangen werden dürfen.
Ganz Urfa scheint diesen Platz zu lieben; Frauen flanieren an der Seite ihrer Männer vor den Moscheen, Rosenbeeten und Teegärten vorbei, die das Wasser rahmen. Sonntagsstimmung in Anatolien.
Ein kurzer Abstecher nach Harran führt in staubige Einöde. Wie schon lange von ihren Bewohnern verlassen, muten die 200 Jahre alten Trulli-Lehmhäuser mit ihren spitzen Dächern an. Doch kaum nähern sich Fremde den Behausungen, strömen von allen Seiten Kinder herbei. Der Atatürk-Staudamm - er ist zweimal so groß wie der Bodensee - sichert den Menschen, die hier wohnen, die Lebensgrundlage.
Ne mutlu Türküm diyene - Glücklich schätze sich, wer ein Türke ist - steht in großen Lettern an einem Berg, Wahlspruch von Kemal Atatürk (1880-1938), dem "Vater aller Türken", der sich dem Okzident verbunden fühlte, das arabische Alphabet durch das lateinische ersetzte und eine laizistische Ordnung durchsetzte, die Islam und Staat strikt trennt.
Am Stausee vorbei geht es weiter nach Kahta. Zum Sonnenaufgang wollen wir auf dem Berg Nemrut sein, einem der größten Grabhügel der Welt. Der kommagenische König Antiochos I. (69-34 v. Chr.) schuf nur für sich dieses "achte Weltwunder". Noch ist stockdunkle Nacht, an eine Taschenlampe für den beschwerlichen Aufstieg hat niemand gedacht. Gestein lockert sich unter den Füßen. Die Luft wird dünn auf 2150 Metern, das Atmen fällt immer schwerer.
Dann endlich: Mit kräftigem Rot übergießt die aufgehende Sonne die Kolossalstatuen griechisch-persischer Gottheiten. Sie werden von Löwe und Adler flankiert, die über die Totenruhe wachten, bis der preußische Generalfeldmarschall Helmuth Graf von Moltke 1881 die Anlage entdeckte.
Zum Sonnenuntergang noch einmal das gleiche Lichtspiel auf der Westterrasse. Die Könige verstanden es, sich zu inszenieren. Und ihre Geheimnisse zu wahren. Die Grabkammer des Königs wurde bislang nicht gefunden. Dort, wo das Blut geopferter Tiere floß, auf den Altären, trinken wir auf sein Wohl.
Im Gegensatz zum wüstenhaften Berg Nemrut zeigt sich die Landschaft bis Gaziantep lieblich. Aus Steinfeldern wachsen immergrüne Pistazienbäume und -sträucher. Die süßen Früchte haben die Stadt berühmt gemacht; es gibt aber auch architektonische "Leckereien": eine Zitadelle aus osmanischer Periode, eine riesige Mosaikensammlung aus dem römischen Zeugma, dem heutigen Birecik, und einige alte Handelshäuser aus der Zeit der Seidenstraße.
Gaziantep hat Touristen einiges zu bieten. So locken entlang des Atatürk Bulvari schicke Cafés und Restaurants. "Hayat", Leben, nennt sich das Café Papirüs aus dem Jahre 1856. Und wie man lebt! In 22 Zimmern, ehemals als Iranisches Konsulat genutzt, wetteifern auf lindgrünen Wänden Engel mit Pflanzenornamenten. 1940 verpaßte der Restaurator den Gipsengeln weiße Schleifen. In lauer Luft machen es sich die Gäste unter üppig berankten Pergolen gemütlich und trinken Zahter, Thymiantee oder Melangiç, das ist Kaffee aus gerösteter wilder Pistazie. Und die Krönung türkischer Lustbarkeiten ist eine Wasserpfeife.
Artikel erschienen am 11. September 2005
http://www.wams.de/data/2005/09/11/771760.html
Persische Monumentalbauten, christliche Klöster, arabische Basare: Nirgendwo ist die lange Geschichte der Türkei lebendiger als im Osten Anatoliens
von Elke Backert
er erste Rat, den der Reiseleiter uns Frauen gibt, läßt Schlimmes ahnen: "Guckt einem Türken bloß nicht direkt in die Augen. Dann denkt er nämlich, er gefällt euch. Wenn das nicht der Fall ist, hebt ihr den Kopf, guckt nach oben und schnalzt mit der Zunge. Das heißt: Nein!"
Tunc, so sein Name, hat noch mehr Ratschläge auf Lager. "Wollt ihr Tee, und der Kellner ist weit weg, gebt ihr ein Zeichen: Ihr tut so, als rührt ihr in einer Tasse. Der rechte Zeigefinger ist der Löffel." Es funktioniert! Mit Kaffee ist es ähnlich. "Ihr nehmt zweimal einen Schluck aus einer imaginären Tasse." Wir müssen lachen, aber wir fühlen uns für die Reise durch Südostanatolien und das wilde Kurdistan nun gut gewappnet.
80 Jahre lang, seit der Staatsgründung der Türkei, leugnete Ankara die Existenz des kurdischen Volkes und die seiner Sprache, Geschichte und Kultur. Nun, mit Blick auf die erhoffte Aufnahme in die EU, dürfen Kurden wieder Kurdisch sprechen und auch lernen, zumindest an Privatschulen. Hoffnung bringen auch die Touristen, die sich allmählich wieder tiefer ins Land wagen. Sie müssen sich allerdings auf lange einsame Fahrten gefaßt machen. Die türkische Küste endet eben nicht bei Antalya oder Alanya, sondern zieht sich noch Hunderte Kilometer weiter bis zur Grenze nach Syrien.
Unser erstes Ziel ist Adana, die viertgrößte Stadt der Türkei, ein Moloch aus Hochhäusern. Die größte Sehenswürdigkeit ist eine Steinbrücke, die der römische Kaiser Hadrian (117-138) bauen ließ, 319 Meter lang und 30 Meter hoch. Aus dem 16. Jahrhundert stammt die Große Moschee. Ein irreführender Name, seit der reiche Industrielle Sakip Sabanci sich ein Denkmal setzte - mit der größten Moschee des Mittleren Ostens. Sie ahmt die Selimiye-Moschee von Edirne nach, hat sechs Minarette, eine 54 Meter hohe Kuppel mit einem Durchmesser von 42 Metern und bietet 28 500 Gläubigen Platz.
Wir fahren weiter durch die Provinz Hatay über die Hafenstadt Iskenderun nach Antakya am Fluß Orontes. Als die Stadt noch Antiochia hieß, war es nach Rom und Alexandria die drittgrößte Stadt des Römischen Reichs und 64 v. Chr. Hauptstadt der römischen Provinz Syrien. Und es war Knotenpunkt jener legendären Handelsrouten, die der deutsche Geograph Ferdinand Freiherr von Richthofen (1833-1905) unter dem Begriff Seidenstraße zusammenfaßte. Symbol für exotische Kostbarkeiten und Kamelkarawanen, die schwer bepackt Brücken und Gebirgsrücken überwinden. Doch das war einmal.
Orientalisches Gassengewirr wie aus dem Bilderbuch finden wir noch im Altstadtbasar von Antakya: knarrende Mofas zwischen krabbelnden Kindern, kreischenden Händlern, plärrenden Kofferradios und duftenden Gewürzen. Ein in der Gasse deponierter Stuhl voller Fladenbrot wird zum Stolperstein. Seide allerdings wird hier leider nicht verkauft.
Die Cukurova-Ebene, wo die Quecksilbersäule im Sommer auf 45 Grad Celsius und mehr steigt, ist fruchtbar und erlaubt den Bauern zwei Ernten im Jahr: Getreide, Zitrusfrüchte, Sonnenblumenkerne, Pistazien und Wein. Die Reben umranken Häuser und verwandeln sie in romantische Lauben.
In Antakya besichtigen wir die Petrus-Grotte, die als eine der ersten Kirchen der Christenheit gilt. Vom Papst wurde sie zum Wallfahrtsort erklärt und heiliggesprochen. Glocken läuten, Muezzine rufen. Eine akustische Ökumene - auch eine architektonische: Neben Moscheen stehen katholische, griechisch-orthodoxe, evangelische Kirchen und eine Synagoge.
Im "Hotel Savon", einer früheren Seifenfabrik, essen und übernachten wir first class. Maulbeersaft und Dattel-Walnuß-Kuchen sind nur zwei Spezialitäten der Küche, deren Antakya sich rühmt. Man empfiehlt uns auch den Kauf von Daphne-Seife, die aus Lorbeeröl gewonnen wird und sogar Haarausfall verhindern soll, das Kilogramm zu rund drei Euro.
Stunden verbringen wir auf schmalen Asphaltstraßen. Außer kahlen Felsmassiven bietet die Landschaft nur wenig Abwechslung. Hin und wieder kommen uns Lastwagen entgegen, hoch beladen mit Baumwolle. Nicht mit Seide.
Immerhin begleiten nun Baumwollfelder unsere Reise. Einige stehen in voller Pracht und sehen mit ihren weißen Blüten aus, als hätte Frau Holle die Kissen geschüttelt. Auf anderen wird schon die Ernte eingebracht und rote, blaue, gelbe Kopftücher hüpfen wie kleine bunte Smarties über das Feld. Weit ist der Weg nach Sanliurfa, dem antiken Edessa, Erzvater Abrahams Geburtsstadt. Bei Birecik überqueren wir die Brücke über den Euphrat, den größten Strom Vorderasiens, der mit dem Tigris das biblische Zwischenstromland Mesopotamien umschließt. Dann endlich Urfa, die vielleicht arabischste Stadt der Türkei.
Kaum zu glauben, daß es hier neben hämmernden Kupferschmieden, ratternden Nähmaschinen und surrenden Messerschleifern eine stille Oase gibt. Denn eine Legende schützt diesen Flecken Erde vor Bebauung: So ließ hier der grausame König Nimrod Stammvater Abraham - der Islam verehrt ihn als Propheten - mit einer Schleuder von der Zitadelle in einen brennenden Holzhaufen werfen. Doch dank göttlichen Eingreifens verwandelte sich das Feuer in Wasser, und die Holzscheite wurden zu Fischen - heilige Tiere, die gefüttert, aber nicht gefangen werden dürfen.
Ganz Urfa scheint diesen Platz zu lieben; Frauen flanieren an der Seite ihrer Männer vor den Moscheen, Rosenbeeten und Teegärten vorbei, die das Wasser rahmen. Sonntagsstimmung in Anatolien.
Ein kurzer Abstecher nach Harran führt in staubige Einöde. Wie schon lange von ihren Bewohnern verlassen, muten die 200 Jahre alten Trulli-Lehmhäuser mit ihren spitzen Dächern an. Doch kaum nähern sich Fremde den Behausungen, strömen von allen Seiten Kinder herbei. Der Atatürk-Staudamm - er ist zweimal so groß wie der Bodensee - sichert den Menschen, die hier wohnen, die Lebensgrundlage.
Ne mutlu Türküm diyene - Glücklich schätze sich, wer ein Türke ist - steht in großen Lettern an einem Berg, Wahlspruch von Kemal Atatürk (1880-1938), dem "Vater aller Türken", der sich dem Okzident verbunden fühlte, das arabische Alphabet durch das lateinische ersetzte und eine laizistische Ordnung durchsetzte, die Islam und Staat strikt trennt.
Am Stausee vorbei geht es weiter nach Kahta. Zum Sonnenaufgang wollen wir auf dem Berg Nemrut sein, einem der größten Grabhügel der Welt. Der kommagenische König Antiochos I. (69-34 v. Chr.) schuf nur für sich dieses "achte Weltwunder". Noch ist stockdunkle Nacht, an eine Taschenlampe für den beschwerlichen Aufstieg hat niemand gedacht. Gestein lockert sich unter den Füßen. Die Luft wird dünn auf 2150 Metern, das Atmen fällt immer schwerer.
Dann endlich: Mit kräftigem Rot übergießt die aufgehende Sonne die Kolossalstatuen griechisch-persischer Gottheiten. Sie werden von Löwe und Adler flankiert, die über die Totenruhe wachten, bis der preußische Generalfeldmarschall Helmuth Graf von Moltke 1881 die Anlage entdeckte.
Zum Sonnenuntergang noch einmal das gleiche Lichtspiel auf der Westterrasse. Die Könige verstanden es, sich zu inszenieren. Und ihre Geheimnisse zu wahren. Die Grabkammer des Königs wurde bislang nicht gefunden. Dort, wo das Blut geopferter Tiere floß, auf den Altären, trinken wir auf sein Wohl.
Im Gegensatz zum wüstenhaften Berg Nemrut zeigt sich die Landschaft bis Gaziantep lieblich. Aus Steinfeldern wachsen immergrüne Pistazienbäume und -sträucher. Die süßen Früchte haben die Stadt berühmt gemacht; es gibt aber auch architektonische "Leckereien": eine Zitadelle aus osmanischer Periode, eine riesige Mosaikensammlung aus dem römischen Zeugma, dem heutigen Birecik, und einige alte Handelshäuser aus der Zeit der Seidenstraße.
Gaziantep hat Touristen einiges zu bieten. So locken entlang des Atatürk Bulvari schicke Cafés und Restaurants. "Hayat", Leben, nennt sich das Café Papirüs aus dem Jahre 1856. Und wie man lebt! In 22 Zimmern, ehemals als Iranisches Konsulat genutzt, wetteifern auf lindgrünen Wänden Engel mit Pflanzenornamenten. 1940 verpaßte der Restaurator den Gipsengeln weiße Schleifen. In lauer Luft machen es sich die Gäste unter üppig berankten Pergolen gemütlich und trinken Zahter, Thymiantee oder Melangiç, das ist Kaffee aus gerösteter wilder Pistazie. Und die Krönung türkischer Lustbarkeiten ist eine Wasserpfeife.
Artikel erschienen am 11. September 2005
http://www.wams.de/data/2005/09/11/771760.html