PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Im türkischen Antakya leben Gläubige verschiedener Religionen friedlich zusammen



DeLaHoya
29.09.05, 19:54
Die große Gemeinde

Im türkischen Antakya leben Gläubige verschiedener Religionen friedlich zusammen. Es könnte ein Vorbild für das Land sein

Gerold Büchner

ANTAKYA, im September. Als der Brief aus Istanbul kam, war Avedis Demirci kaum ein Jahr alt. Er konnte noch nicht sprechen oder verstehen, was geschah. Doch die Aufforderung der osmanischen Behörden änderte sein Leben: Die Familie Demirci und alle anderen Armenier sollten sofort ihre Heimat verlassen und nach Syrien gehen. So stand es in dem Brief an die Vorsteher der armenischen Dörfer auf dem Moses-Berg bei Antakya.

Sein Vater und Großvater haben Avedis Demirci die Geschichte von dem Brief erzählt. Vor neunzig Jahren hat sie sich zugetragen, und noch immer ist sie gegenwärtig - hier im Dorf Vakifliköy im Südzipfel der Türkei, in der Hauptstadt Ankara und im fernen Europa. "Natürlich sprechen wir darüber", sagt Dermici, der Älteste im Ort. Im September 1914 ist er in Vakifliköy geboren worden. Er muss sich auf einen Stock stützen, der Rücken ist gebeugt von der Feldarbeit, selbst das Sitzen bereitet dem alten Mann Schmerzen. Seine Erinnerung aber ist ungetrübt.

Als Kleinkind gehörte er zu den Millionen Armeniern, die fliehen mussten vor der Verfolgung durch die Osmanen während des Ersten Weltkrieges. Hunderttausende starben eines gewaltsamen Todes oder durch Hunger und Erschöpfung auf der Flucht. Die meisten Armenier hatten im Nordosten gelebt. Auf dem Musa Dagh, dem Moses-Berg nahe der Mittelmeerküste, gab es damals sechs armenische Dörfer. Ihre Vorsteher entschieden, zu bleiben und nicht nach Syrien zu gehen. "Sterben können wir auch hier", sagten sie. Die Bewohner flohen nur auf den Berg und warteten auf Hilfe - die nach Wochen in Gestalt französischer Schiffe kam.

Über "Die vierzig Tages des Musa Dagh" hat Franz Werfel einen Roman geschrieben, der das Schicksal der osmanischen Armenier weltweit bekannt machte. Nun, da sich die Türkei aufmacht in die Europäische Union, stehen die Armenier und andere Minderheiten wieder im Blickpunkt. Toleranz und Religionsfreiheit sind eine Bedingung für den Eintritt nach Europa.

Von den ehemals sechs Dörfern ist nur noch Vakifliköy übrig, neu erstanden aus Ruinen und von zurückgekehrten Flüchtlingen wieder bevölkert. Umgeben von Obstplantagen liegt es am Berghang, im satten Grün der Bäume leuchten Zitrusfrüchte und Granatäpfel. Die Straße ist frisch geteert, die restaurierte armenisch-orthodoxe Kirche mit ihrem roten Ziegeldach und den sandfarbenen Mauern beherrscht das Dorfbild. Den Bewohnern geht es gut, besser als vielen Muslimen im benachbarten Samandagh.

Nur eines bereitet dem Dorfvorsteher von Vakifliköy, Berc Kartun, Sorgen: Es gibt zu wenig junge Menschen und zu wenig Kinder. "Nur jeder Dritte ist unter 45 Jahren", sagt Kartun. 140 Bewohner sind noch da. Allein in Istanbul leben schon 600 ehemalige Dorfbewohner, weil sie dort Ausbildung, Arbeit und Unterhaltung finden. "Ich habe fünf Kinder", erzählt der alte Dermici, "aber in der nächsten Generation sind es nur noch zwei." Ein Teil seiner Nachkommen lebt in Berlin.

Ähnlich ergeht es Harun Cemal, obwohl er jünger ist. Cemal lebt seit seiner Geburt in Antakya, der Provinzstadt nahe dem Moses-Berg, wenige Kilometer entfernt von der Grenze zu Syrien. Cemal fühlt sich wie ein Zurückgebliebener. "Von uns fünf Brüdern sind vier nach Israel ausgewandert, nur ich bin geblieben." Zwei seiner Kinder sind nach Istanbul gegangen. Cemal ist Vizevorsitzender der jüdischen Gemeinde in Antakya. "In den 60er- Jahren war die Synagoge jeden Tag offen", sagt er. Jetzt kommt einmal die Woche ein Rabbi aus Istanbul, um das Gebet zu leiten, der heimische Rabbi ist zu gebrechlich.

Von einst über tausend Juden in Antakya leben noch etwa sechzig in der Stadt, in der so viele Religionen so gut miteinander auskommen wie sonst nirgends in der Türkei. Oder auch in der gesamten Welt, wenn man dem Bürgermeister glauben darf. "Es gibt nur zwei Städte, in denen sich das so entwickelt hat", meint Mehmet Yeloglu: "Jerusalem - und Antakya."

Die Stadt, zu biblischen Zeiten Antiochia genannt, ist stolz auf ihren historischen Rang. Von einer Grotte im nahen Felsmassiv aus verbreiteten Petrus und Paulus die Lehre Christi. "In Antiochia wurden die Jünger zuerst Christen genannt", heißt es in der Luther-Bibel. Yeloglu ist gläubiger Muslim, seine Partei ist die islamisch-konservative AKP. Das hindert den Bürgermeister nicht daran, religiöse und ethnische Toleranz zu beschwören.

Gerade findet hier das erste "Treffen der Zivilisationen" statt, zu dem die Stadt und ihre Glaubensgemeinschaften zweihundert Gäste eingeladen haben. Um Besucher zu betreuen, lässt Harun Cemal sein Textilgeschäft auf dem Basar geschlossen. "Wir sind eine kleine Gemeinde, aber wir wollen zeigen, dass wir viel Kraft haben", sagt er. Cemal bezeichnet sich als türkischer Jude, doch zu allererst ist er Lokalpatriot. In seinem Mietshaus kommen alevitische, orthodoxe, katholische und jüdische Nachbarn gut miteinander aus. "Wir gehen gemeinsam durch gute und schlechte Tage", sagt er.

Als seine älteste Tochter Gila einen Mann heiratete, der zur unorthodox-schiitischen Gemeinschaft der Aleviten gehört, musste Cemal zwar schlucken. Doch der Vater fügte sich. "Gott schreibt für uns ein Drehbuch, aber wir können darin nicht lesen", sagt er. Bürgermeister Yeloglu findet den Gedanken, eine seiner Töchter könne etwa einen Katholiken heiraten, ebenso unerquicklich, bei aller Toleranz. "Ich würde mir das nicht wünschen", sagt der sunnitische Muslim verlegen lächelnd, fügt aber rasch hinzu: "Die Jugend entscheidet, es ist ihr Leben. Ich müsste das akzeptieren."

"Mischehen funktionieren sowieso nicht", meint Pater Domenico, "das ist meine Erfahrung." Der katholische Priester hält in Antakya die Fahne der Römischen Kirche hoch. Rund 70 Gläubige hat er zu betreuen, und im Gegensatz zu Armeniern oder Juden kann er sich ab und an über Zuwachs freuen. "Es gibt Übertritte", sagt der Kapuziner-Pater. Dieses Jahr schon fünf. Die jungen Menschen - er nennt sie Suchende, nicht Muslime - müssten lange in der Gemeinde mitarbeiten, bevor sie getauft werden. "Manche glauben, als Christen kämen sie leichter nach Europa."

Weil die Gemeinde klein und die katholische Kirche rechtlich in der Türkei nicht anerkannt ist, arbeitet Pater Domenico eng mit seinem Kollegen von den Orthodoxen zusammen. Pfarrer Dimitri Doghum war bis vor drei Jahren Ingenieur und hat sich erst jetzt zum Theologen umschulen lassen - in der syrischen Hauptstadt Damaskus. In der Türkei ist die Priesterausbildung untersagt.

Pfarrer Dimitri ist ein ruhiger Mann mit feiner Ironie. Sie hilft ihm, die Widrigkeiten zu meistern, die Minderheiten trotz aller Freiheit in der Türkei zu ertragen haben. Die orthodoxen Christen, in der Region Antakya leben etwa achttausend, sprechen traditionell Arabisch - dürfen es aber nicht in der Schule lernen. Die Kinder könnten die Sprache ihrer Vorfahren nicht mehr verstehen, sagt Pfarrer Dimitri.

Rücken an Rücken stehen die Gotteshäuser von Orthodoxen und Katholiken. Die Priester einigen sich auf einen gemeinsamen Termin für Ostern, der seit der kirchlichen Trennung Konstantinopels von Rom unterschiedlich liegt. Pater Domenico, ein Italiener aus Modena, hat seine kleine Kirche sogar mit Ikonen verziert, damit sich die Orthodoxen wohl fühlen. "Der Vatikan ist weit weg", sagt er. Auf lokaler Ebene respektieren sich die Religionen, doch hält der Pater das für die Ausnahme in einem Land, dessen Bewohner zu 99 Prozent Muslime sind. "Türkische Besucher sind oft erstaunt, dass man als Türke Christ sein kann", sagt er.

Nach dem Willen der EU soll es überall in der Türkei zur Normalität werden, sich zu einer anderen Religion als dem Islam zu bekennen. Minderheiten wie auch Muslime in Antakya knüpfen große Hoffnungen an einen Beitritt ihres Landes zur Union. "Europa ist reich, aber alt", sagt Bürgermeister Yeloglu, "die Türkei dagegen ist arm und jung. Wenn sich beide Seiten vereinen, würde alle davon profitieren."

Avedis Dermici, der alte Mann aus dem Dorf Vakiflikö, hat noch viel vor in Europa. Sein Schwiegersohn hat ihn einmal von Berlin aus mitgenommen zu einer Reise nach Belgien. "Wir sind ohne Passkontrolle einfach über die Grenze gefahren", erzählt er begeistert. "Es wäre schön, wenn es auch für Türken keine Grenzen mehr gäbe in Europa. Dann könnte ich ohne Probleme überall hin fahren", sagt der 91-Jährige. Für die türkischen Armenier wäre die Integration in Europa zudem eine Art Garantie gegen neue Diskriminierung, meint Avedis Dermici. "Wir würden uns sicherer fühlen."


http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/seite_3/487284.html

Hasiman
29.09.05, 23:38
[QUOTE=DeLaHoya]Die große Gemeinde


Pfarrer Dimitri ist ein ruhiger Mann mit feiner Ironie. Sie hilft ihm, die Widrigkeiten zu meistern, die Minderheiten trotz aller Freiheit in der Türkei zu ertragen haben. Die orthodoxen Christen, in der Region Antakya leben etwa achttausend, sprechen traditionell Arabisch - dürfen es aber nicht in der Schule lernen. Die Kinder könnten die Sprache ihrer Vorfahren nicht mehr verstehen, sagt Pfarrer Dimitri.


Wüsste nicht, dass ich auf einer staatlichen Schule türkisch lernen darf, auf Kosten des deutschen Staates. Oder liege ich da falsch.

DeLaHoya
30.09.05, 00:03
Wüsste nicht, dass ich auf einer staatlichen Schule türkisch lernen darf, auf Kosten des deutschen Staates. Oder liege ich da falsch.
Ich spreche auch traditionell Türkisch, habe es jedoch niemals in einer dt. Schule gelernt.

Das belegt jedoch, wie schlecht dt. Journalisten Deutschland kennen und was sie von der Türkei im Gegenzug erwarten.

Gökcen
30.09.05, 00:28
In Antakya leben wirklich alle friedlich zusammen.Türken,Araber,Armenie r,Christen,Moslems,Juden,Ateis ten..Ich wünschte überall auf der Welt könnte man einander so akzeptieren

DeLaHoya
30.09.05, 21:43
"Es herrscht Angst vor Freiheit der Religionen"

Ankara sträubt sich gegen wirkliche Gleichberechtigung der Glaubensrichtungen

von Stefanie Bolzen

Antakya - Geruhsam läutet die Glocke der kleinen katholischen Kirche in den warmen Septembernachmittag hinein. Von der Dachterrasse, die über dem Innenhof des Kapuzinerhauses liegt, fällt der Blick auf das Minarett der Habib Neccar-Moschee von Antakya. Als der Glockenklang verebbt, erhebt der Muezzin seine Stimme, um die Gläubigen zum Gebet zu rufen. Einige Häuser weiter liegt die Synagoge, nicht weit entfernt von der griechisch-orthodoxen Kirche. Im Gebetsraum der katholischen Kirche hat Kapuzinerpater Dominique Ikonen aufgestellt, "für die orthodoxen Gläubigen, die zu unseren Messen kommen".


Antakya ist idealer, weil symbolkräftiger Ort für die Regierung von Recep Tayyip Erdogan, der am Montag einer "Konferenz der Zivilisationen" beiwohnte, welche die geistlichen Würdenträger der Stadt organisiert hatten. Antakya, das antike Antiochia, war schließlich nicht nur als Hauptsitz der Provinz Syrien die drittgrößte Stadt des römischen Reichs und Knotenpunkt der Seidenstraße. Am Fluß Orontes ließen sich mit Gründung der Stadt 300 v. Chr. auch Juden nieder; hier versammelte sich im Jahr 40 die erste Christengemeinde unter dem Apostel Paulus in der Petrus-Grotte, und 636 entstand die erste Moschee Anatoliens. Zwar sind unter den mehr als 100 000 Einwohnern Antakyas nur noch wenige Dutzend Juden, die Zahl der Christen beläuft sich auf höchstens 3000. Doch Erdogan nutzte die Szenerie, um Ankaras Offenheit gegenüber den Kulturen zu demonstrieren: "Es ist Zeit, daß wir uns gegenseitig zuhören und uns verstehen", sagte der Premier zur Eröffnung der Konferenz.


Doch die Türkei ist nicht die heile Welt Antakyas. In ihrem letzten regulären Bericht vom Oktober 2004 hält die EU-Kommission fest, daß "die Religionsfreiheit verglichen mit europäischen Standards ernsthaft eingeschränkt ist". Dies gründe sich auf die "fehlende Rechtsfähigkeit von Religionsgemeinschaften, das Verbot der Ausbildung und Schulung ihrer Geistlichen und den uneingeschränkten Genuß ihrer Eigentumsrechte".


Tatsächlich sind die nicht-muslimischen Religionsgemeinschaften - von denen die römisch-katholische und evangelische nicht einmal als Minderheiten anerkannt sind - in der streng laizistischen Türkei abhängig von einem höchst fragwürdigen, weil weit auslegbaren Stiftungsrecht. Die Rechtsicherheit der religiösen Minderheiten - unter ihnen rund 110 000 Christen und 20 000 Juden - steht mithin auf tönernen Füßen, besonders mit Blick auf Eigentumsfragen. So enteigneten die Behörden zuletzt ein griechisch-orthodoxes Waisenhaus auf der Insel Büyükada (Pringipo), dessen Immobilienpreis sehr hoch bewertet wird. Viele Kirchen aber haben keine andere Einnahmequelle als die Vermietung von Immobilien - Enteignungen bedeuten ihr Ende. Vor Gericht hätten sie keine Chance: Katholische Gemeinden etwa können gar nicht als Rechtsperson auftreten, Immobilien kaufen und unterhalten Strohmänner.


Juden oder Griechisch-Orthodoxe können zwar mit Gemeindestiftungen auftreten, doch auch hier ist der juristische Boden mehr als weich. Bis zum 3. Oktober wollte Brüssel eine Reform des Stiftungsrechts verabschiedet sehen, doch Ankara kam dem nicht nach. "Die kemalistisch-laizistische Bürokratie und auch der Sicherheitsapparat haben kein Interesse, daß die Frage der Religionsfreiheit kurzfristig gelöst wird", sagt der Menschenrechtsexperte Otmar Oehring vom katholischen Hilfswerk Missio. "Denn das bedeutete, daß man auch dem Islam größere Freiheiten gewähren müßte. Und davor herrscht große Angst."


Angst, die sich in der auch in Brüssel aufmerksam verfolgten Diskussion um das griechisch-orthodoxe Priesterseminar auf der Insel Heybeliada (Halki) widerspiegelt. 1971 geschlossen, versprach Ankara im vergangenen Jahr die Wiederaufnahme des Lehrbetriebs zu gestatten. Doch seither wird die Entscheidung verschleppt. Die Regierung will das Seminar nicht in die Obhut des Patriarchen von Istanbul, Bartholomolaios I., übergeben, um keinen Präzedenzfall für andere religiöse Minderheiten zu schaffen. Eine Gleichstellung des Seminars mit muslimischen Ausbildungsstätten würde andererseits den Anschluß an das staatliche Präsidium für religiöse Angelegenheiten bedeuten - und das lehnen die Orthodoxen ab.


Die Schwierigkeiten der religiösen Minderheiten gehen indes weit über die ablehnende Haltung Ankaras hinaus: Im Juni wurde ein Bombenanschlag auf einen syrisch-orthodoxen Pfarrer im Südosten des Landes verübt, im Monat darauf eine assyrisch-christliche Familie in Istanbul überfallen. Viele hoffen nun auf eine heilsame Wirkung der Verhandlungen zwischen Ankara und Brüssel. "Eine Anbindung an die EU und die folgende Umsetzung der Anforderungen wird einen sehr positiven Effekt auf die religiöse Freiheit in der Türkei haben", zeigt sich Oya Abali, die den Deutsch-Türkischen Dialog der Körber-Stiftung leitet, überzeugt.



Artikel erschienen am Fr, 30. September 2005

http://www.welt.de/data/2005/09/30/782531.html

bigberta
01.10.05, 15:03
hallo, De la Hoya, hallo, all: meines Erachtens - aber da kann ich mich auch irren - gibt es sehr wohl Schulen, in denen türkische Kinder sowohl deutsch als auch türkisch lernen. Aber was hält davon ab, das zu fordern. Es gibt - ich glaube in Magdeburg - eine dreisprachige Grundschule, englisch, deutsch, französisch, Wenn ich nun lese, daß es Schulen mit bis zu 80% Ausländeranteil geben soll nehme ich an, daß die Mehrheit dann türkisch ist. Da dürfte es doch wohl keine Schwierigkeit sein, türkischen Sprachunterricht zu fordern. Liegt dann nicht eher die Schwierigkeit darin, daß sich über die Inhalte geeinigt werden müßte? Aber:

Versuch macht kluch (klug). Also: machen!!! :aferin:

DeLaHoya
01.10.05, 18:02
hallo, De la Hoya, hallo, all: meines Erachtens - aber da kann ich mich auch irren - gibt es sehr wohl Schulen, in denen türkische Kinder sowohl deutsch als auch türkisch lernen. Aber was hält davon ab, das zu fordern. Es gibt - ich glaube in Magdeburg - eine dreisprachige Grundschule, englisch, deutsch, französisch, Wenn ich nun lese, daß es Schulen mit bis zu 80% Ausländeranteil geben soll nehme ich an, daß die Mehrheit dann türkisch ist. Da dürfte es doch wohl keine Schwierigkeit sein, türkischen Sprachunterricht zu fordern. Liegt dann nicht eher die Schwierigkeit darin, daß sich über die Inhalte geeinigt werden müßte? Aber:

Versuch macht kluch (klug). Also: machen!!! :aferin:

Wieso sollte es in Deutschland türk. Sprachunterricht geben, und ich spreche von einem regulären Schulfach, so, wie man es in der Türkei verlangt?

In der Türkei gibt es sogar Schulklassen, mit 100 % Kurden. Sollen diese nun in Kurdisch unterrichtet werden?

Der Schakal
01.10.05, 18:14
Ich spreche auch traditionell Türkisch, habe es jedoch niemals in einer dt. Schule gelernt.

Das belegt jedoch, wie schlecht dt. Journalisten Deutschland kennen und was sie von der Türkei im Gegenzug erwarten.

So siehts aus! Wo soll ich unterschreiben?

bigberta
02.10.05, 15:05
Hallo, de la Hoya, ja, ich spreche von einem regulären Schulfach und der Hinweis auf die Kurden beantwortet nicht meine Frage: was hält die türkische Community davon ab, genau diese zu fordern: muttersprachlichen Unterricht als Schulfach. Sich hier in Deutschland über muttersprachlichen Unterricht in der Türkei zu ereifern ist für den A***, ganz generell, aber besonders, so lange das Problem hier in Deutschland nicht gelöst ist, da gebe ich Dir recht. Aber was hält dann davon ab, genau das zu fordern?

Schönen Sonntag! :)

Hasiman
03.10.05, 15:43
[QUOTE=DeLaHoya]"Es herrscht Angst vor Freiheit der Religionen"

Ankara sträubt sich gegen wirkliche Gleichberechtigung der Glaubensrichtungen

von Stefanie Bolzen

Antakya - Geruhsam läutet die Glocke der kleinen katholischen Kirche in den warmen Septembernachmittag hinein. Von der Dachterrasse, die über dem Innenhof des Kapuzinerhauses liegt, fällt der Blick auf das Minarett der Habib Neccar-Moschee von Antakya. Als der Glockenklang verebbt, erhebt der Muezzin seine Stimme, um die Gläubigen zum Gebet zu rufen. Einige Häuser weiter liegt die Synagoge, nicht weit entfernt von der griechisch-orthodoxen Kirche. Im Gebetsraum der katholischen Kirche hat Kapuzinerpater Dominique Ikonen aufgestellt, "für die orthodoxen Gläubigen, die zu unseren Messen kommen".

Irgendwie kurios, da redet man vonReligionsbeschränkungen in der Türkei, aber die Kirchen dürfen Glocken läuten.
Andererseits herrscht in Deutschland angeblich Religionsfreiheit, aber der Muezzien darf nicht den Ezan ausrufen!! :gewalt:

bigberta
05.10.05, 17:04
nicht nur @ De la Hoya:

Guckt Ihr hier: (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,375731,00.html)

Auszug:

Französisch oder Englisch? In Hamburg heißt es eher: Portugiesisch oder Türkisch? In einem Modellversuch an sieben Hamburger Schulen wird seit fünf Jahren wahlweise Italienisch, Spanisch, Portugiesisch und Türkisch ab der ersten Klasse unterrichtet. Die Klassen sind gemischt: Kinder mit italienischen Eltern sitzen neben deutschstämmigen Schülern, alle lernen zusammen - und profitieren voneinander. "Sprache lebt schließlich vor allem von der Gelegenheit, sie zu sprechen", sagt Ingrid Gogolin, die das Projekt an der Universität Hamburg seit fünf Jahren mit regelmäßigen Sprachtests wissenschaftlich begleitet.


Was sie herausgefunden hat, klingt paradox - und räumt mit einem hartnäckigen Klischee von Migrantenkindern auf. "Es nützt den Kindern nichts, wenn sie in der Schule nur ins Deutsche abgetaucht werden", berichtet Gogolin.





Es bewegt sich also schon was. :aferin:

Carlito
05.10.05, 17:21
Was sie herausgefunden hat, klingt paradox - und räumt mit einem hartnäckigen Klischee von Migrantenkindern auf. "Es nützt den Kindern nichts, wenn sie in der Schule nur ins Deutsche abgetaucht werden", berichtet Gogolin.


Man lernt eben nie aus. Ich hoffe das man gute ergebnise erzielt,schließlich wollen wir so viele gebildete Menschen wie möglich erziehen.

DeLaHoya
06.10.05, 00:14
nicht nur @ De la Hoya:

Guckt Ihr hier: (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,375731,00.html)

Auszug:

Französisch oder Englisch? In Hamburg heißt es eher: Portugiesisch oder Türkisch? In einem Modellversuch an sieben Hamburger Schulen wird seit fünf Jahren wahlweise Italienisch, Spanisch, Portugiesisch und Türkisch ab der ersten Klasse unterrichtet. Die Klassen sind gemischt: Kinder mit italienischen Eltern sitzen neben deutschstämmigen Schülern, alle lernen zusammen - und profitieren voneinander. "Sprache lebt schließlich vor allem von der Gelegenheit, sie zu sprechen", sagt Ingrid Gogolin, die das Projekt an der Universität Hamburg seit fünf Jahren mit regelmäßigen Sprachtests wissenschaftlich begleitet.


Was sie herausgefunden hat, klingt paradox - und räumt mit einem hartnäckigen Klischee von Migrantenkindern auf. "Es nützt den Kindern nichts, wenn sie in der Schule nur ins Deutsche abgetaucht werden", berichtet Gogolin.





Es bewegt sich also schon was. :aferin:

Ich muss dich aber davor warnen, nun Analogien zur Türkei herzuleiten. In der Türkei gehen die Forderung in "Ablösung der türkischen Sprachen in südostanatolien Schulen".

bigberta
06.10.05, 11:43
Nein, ich leite keine Analogien zur Türkei her, weil das für mich nicht das Thema war, sondern es ging mir um die Möglichkeit, hier in Deutschland Türkisch zu lernen. Ich finde es wichtig, daß dieser Beitrag herausgestellt hat, daß Kinder, die ihre Muttersprache - z.B. Türkisch - gut beherrschen, auch besser im Deutschen sind. Ich wollte damit übrigens auch keinesfalls Deine Aussagen "widerlegen", sondern einfach zeigen, daß es hier in Deutschland auch genug positive Ansätze gibt, auf denen man aufbauen kann.

Mir ist sehr wohl bewußt, daß sehr viel Sch*** im Verhältnis zwischen Deutschen und Türken passiert ist, aber es gibt eben auch sehr viel Positives. aus meiner Sicht gibt es auch sehr viele Deutschtürkische Identifikationsfiguren. Mich wundert, nachdem ich diesen Thread gelesen habe, z.B. die Karriere von Kaya Yanar nicht mehr, der stammt nämlich aus Antakya, aber es gibt da ja auch so Leute wie Vural Öger, Gülcan etc. und gestern war in arte ein Bericht über eine junge, weibliche Theologin, der mich sehr erfreut hat.

Das ist es, worauf man aufbauen kann.

polatinum
25.09.10, 20:44
"
Juden oder Griechisch-Orthodoxe können zwar mit Gemeindestiftungen auftreten, doch auch hier ist der juristische Boden mehr als weich. Bis zum 3. Oktober wollte Brüssel eine Reform des Stiftungsrechts verabschiedet sehen, doch Ankara kam dem nicht nach. "Die kemalistisch-laizistische Bürokratie und auch der Sicherheitsapparat haben kein Interesse, daß die Frage der Religionsfreiheit kurzfristig gelöst wird", sagt der Menschenrechtsexperte Otmar Oehring vom katholischen Hilfswerk Missio. [b]"Denn das bedeutete, daß man auch dem Islam größere Freiheiten gewähren müßte. Und davor herrscht große Angst."


vor 5 jahren