PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Zypern darf nicht Geisel der Türkei sein



DeLaHoya
01.03.05, 21:28
Der Artikel "Balanceakt Zypern" von Mesut Yilmaz (4. Februar 2005) über Zypern vermittelt ein vollkommen verzerrtes Bild der Realität. Herr Yilmaz ist der Repräsentant der Besatzungsmacht. Er verschweigt, dass sein Land für die Stationierung von 35.000 Soldaten, für unzählige Morde an Zivilisten verantwortlich ist. Er besteht auf der illegalen Besiedlung des besetzten Territoriums und verlangt von mir einen Reisepass, wenn ich mein eigenes Haus betreten will. Er verstößt gegen das Internationale Recht und zeigt seine Verachtung der Menschenrechte, indem er die Legalisierung der Besatzung verlangt.

Tausende Tote, Flüchtlinge, Vermisste sind zu beklagen - Yilmaz erwähnt sie mit keinem Wort...

Die griechischen Zyprioten, 82 Prozent der Bevölkerung Zyperns, haben sich gegen den UN-Plan ausgesprochen, da er keine Sicherheit gewährte und nur die Forderungen der Türkei erfüllte. Die überwältigende Mehrheit von 76 Prozent hat sich für die eine der beiden legalen Möglichkeiten, d. h., den Plan abzulehnen, entschieden. Die Entscheidung muss respektiert werden.

Das Ergebnis der Volksabstimmung bedeutet nicht die Ablehnung der Lösung insgesamt, sondern nur des konkreten Vorschlags, der als nicht gerecht empfunden wurde. Das Ziel des Präsidenten T. Papadopoulos ist eine effektive, bikommunale, bizonale Federation, die bestehende Ängste beruhigt und für türkische und griechische Zyprioten eine Dauerlösung herbeiführt.
...
Der von der Türkei kultivierte Hass ist am 23. April 2004 zusammengebrochen, nach dem Protest der türkischen Zyprioten gegen das Regime und der Aufhebung von Teilen der Verbotsmaßnahmen der Besatzungsarmee. Dadurch erhielten Tausende von griechischen Zyprioten die Möglichkeit, ihre Häuser und Felder nach 29 Jahren, allerdings nur noch als Gäste, zu besuchen.

Die türkischen Zyprioten konnten Arbeit in den freien Gebieten finden und kamen in den Genuss der finanziellen Unterstützung unserer Regierung.

Die zypriotische Regierung verhindert die europäischen Pläne nicht, wie Herr Yilmaz behauptet. Alle türkischen Zyprioten sind schon EU-Bürger und genießen alle Vorteile, trotz der Tatsache, dass sie "keine Kosten tragen"...

Zypern darf nicht Geisel der Türkei sein. Die Bürger der Türkei sind berechtigt, die ihnen genehme Regierung zu wählen und ungehindert ihr Eigentum zu nutzen. In der Türkei herrscht das Mehrheitssystem und nicht der Ausgleich zwischen Suniten und Aleviten, Türken und Kurden. Diese Rechte nehmen wir auch für uns in Anspruch.

... Wir haben der Türkei unsere Hand gereicht, in der Erwartung, dass die Türkei zu weiteren Schritten bereit ist. Diese Geste war und ist von entscheidender Bedeutung für die Türkei, wie die Entscheidung am 17. Oktober 2004 in Brüssel gezeigt hat. Daher sollte Yilmaz nicht die endgültige Teilung vorschlagen. Denn sollte das geschehen, dann wird die Türkei isoliert sein und weit weg vom europäischen Traum.

Stavros A. Epaminondas
Der Autor ist Botschafter der Republik Zypern in Wien.

http://www.diepresse.com/Artikel.aspx?channel=m&ressort=q&id=468019

Artikel von Mesut Yilmaz:
http://www.diepresse.com/Artikel.aspx?channel=m&ressort=g&id=463903&archiv=false

DeLaHoya
01.03.05, 21:29
Ich finde diesen Artikel irgendwie unfreiwillig komisch...

Den Ton finde ich jedoch ein wenig zu aggressiv und polemisch, so sollte ein Botschafter nicht schreiben.

Und was soll das mit dem „Mehrheitssystem in der Türkei und nicht der Ausgleich“? Das erinnert mich doch stark an Makarios und den Beginn des Bürgerkrieges auf Zypern, da hat das auch so angefangen...