Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ausländer-, türken- und islamfeindliche Beiträge in JUNGEN FREIHEIT?
Manastirli Hamdi
23.02.06, 12:27
http://www.jungefreiheit.de/
Es wird ernst
Kampf der Kulturen: Deutschland muß seine Zukunft als selbstbewußte Nation wollen
Götz Kubitschek
Wir befinden uns im Kampf der Kulturen. Nur wer blind ist, kann das bestreiten. Seit ein paar dänische Karikaturisten Mohammed zeichneten, sind in islamischen Ländern bei Protesten mehr als fünfzig arabische, afrikanische und asiatische Christen umgebracht worden, weil sie nicht den Beleidigten, sondern den Beleidigern zugerechnet wurden; in Berlin erheben sich junge Türken aus den Kinosesseln und skandieren „Allah ist groß“, wenn in dem Film „Das Tal der Wölfe“ ein moslemischer Prediger über den langen Atem spricht, den die islamische Welt im Kampf gegen die USA und ihre Satrapen benötige (siehe Seite 10). Es sind dies Einwanderer der dritten Generation, und sie verlassen nach dem Ende der Vorstellung einen Raum, der für zwei Stunden wirkmächtiger Identität stiftete, als das die deutsche Restkultur im Wedding oder in Neukölln je könnte.
Derweil sitzt bei Sabine Christiansen der Grünen-Politiker Volker Beck, und an ihm kriecht die Erkenntnis hoch, daß der multikulturelle Traum nicht nur geplatzt ist, sondern daß sein, Becks, linksliberales Lebensmilieu dort keinen Raum mehr findet, wo das Deutsche nach einer kurzen, bunten Phase sich ins Nicht-Deutsche verwandelt hat. So also sieht es wohl aus, wenn die „Dinge“ ins Rutschen geraten: Es wird ernst, und vor laufender Kamera wird einer ratlos, der in seinem machtgesättigten Politiker-Leben nichts zu Ende dachte, sondern mit der Zukunft seines Lands spielte. Beck geriet in dem bequemen Sessel neben Christiansen und gegen Peter Scholl-Latour arg in die Defensive: Der warf ihm vor, verantwortlich zu sein für einen Zustand, mit dem wir nicht umgehen können.
Unser Land gleitet uns aus den Händen. In vielerlei Hinsicht ist es zu spät. Der Wedding, Kreuzberg und Neukölln sind für Deutschland verloren, ebenso ganze Viertel in Mannheim, Stuttgart, Offenbach, Hannover und den meisten anderen westdeutschen Großstädten. Verloren, das heißt: Integration ist dort nicht mehr möglich, wenn mit Integration die Eingliederung des Ausländers in die politische und kulturelle Tradition des neuen Heimatlands gemeint ist. Denn das Ziel ist ja die gemeinsame Zukunft, und welche, wenn nicht die deutsche, könnte in Deutschland das Ziel sein?
Daß die Zukunft in Deutschland keine deutsche sein muß, zeigt die Entwicklung der letzten 20 Jahre. Die Selbstverständlichkeit der Integrationsrichtung ist in Frage gestellt und in den genannten Stadtteilen bereits umgekehrt. Der Deutsche ist dort schon längst zur Minderheit im eigenen Land geworden und schaut, wo er bleibt, wenn er auf die Mehrheit trifft. Auch dem Schriftsteller Botho Strauß fällt dieser Umstand mittlerweile auf. Verblüfft sieht er im Beobachteten Vorboten eines „Konflikts“ und schreibt darüber einen Text (Spiegel vom 13. Februar), auf den der FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher flugs und zustimmend antwortet.
Die Texte von Strauß und Schirrmacher markieren einen veränderten Ton, das steht außer Frage. Sie wirken indes recht hilflos in ihrem Ansinnen, die Lebenswirklichkeit als deutsche Minderheit in Deutschland zu beschreiben und in dieser Situation auch noch Mindeststandards an Toleranz und Gemeinsamkeit einzufordern. Strauß sucht den gemeinsamen Nenner von Eingeborenen und Einwanderern in der Hingabe an eine säkulare Karriere: McDonald’s und eine Banklehre haben noch jeden korrumpiert. Schirrmacher hofft, die eingewanderten Muslime von ihrer Rückbindung an die Herkunftsländer trennen zu können. Man müsse diese Burschen vor den Einflüsterungen von zu Hause schützen. Dieser Tip wirkt hilflos, weil Schirrmacher diejenigen zu benennen vergißt, die in der Lage wären, sich „diese Burschen“ einmal zur Brust zu nehmen.
Und so zeigen solche mit leichtem Schauer vorgetragenen Überlegungen deutlicher als alles andere, daß wir Deutschen für einen Kampf der Kulturen noch nicht gerüstet sind. In unserem Zustand kann man nicht antreten gegen einen mit starker Identität, mit Glauben und Zukunftsgewißheit ausgerüsteten Gegner. Was Strauß und Schirrmacher zu berichten wissen, ist klug beobachtet. Beide aber ziehen keine Konsequenzen. Dabei sind die Schlußfolgerungen nicht schwierig, und die ersten Maßnahmen, die wir im Kampf der Kulturen zu ergreifen haben, zielen auf die Klärung unserer Lage:
1. Wir müssen Grundsätzen und Begriffen ihre Bedeutung und ihre definitorische Kraft zurückgeben. Identität etwa ist keine Privatangelegenheit. Sie ist nicht herstellbar, kein Akt der freien Entscheidung, kein Griff in einen Puzzlekasten. Das Kollektive, das Wir als Größe, der man nicht entrinnen kann, kehrt mit Macht zurück. Wir müssen das „Wir“ definieren und vom „Nicht-Wir“ scheiden. Das „Wir“ darf nicht zerredet werden, und es sieht so aus, als sorgte der Machtanspruch geschlossener Einwanderergruppen zuverlässig dafür, daß selbst dem nationsvergessenen Deutschen sein Deutschsein aufgeht. Im Kampf der Kulturen stoßen das Ich, das Individuelle, die Selbstverwirklichung an ihre Grenzen.
2. Wir müssen die Ideologen der multikulturellen Gesellschaft stellen. Bereits jetzt hört ihnen kaum einer mehr gläubig zu. Aber das darf uns nicht genügen. Wir müssen eine zweite Vergangenheitsbewältigung anstoßen. Wir müssen diejenigen demaskieren, die unser Volk in die Krise geführt haben. Wir haben in der Analyse der Fehlentwicklung Roß und Reiter zu nennen, die verantwortlichen Politiker und Intellektuellen also. Wir dürfen ihnen nicht glauben, daß sie es gut meinten mit Deutschland. Die meisten meinten es nicht gut, sie wußten, was sie taten, sie wollten die Bundesrepublik umgründen und aus unserem Volk eine Bevölkerung machen. Mit diesen Leuten kann man nicht an einem Strange ziehen.
3. Wir müssen die Realität der multikulturellen Gesellschaft in Deutschland aktuell und gründlich dokumentieren und das Ausmaß der Verheerung und des Verfalls für jeden nachvollziehbar zugänglich machen. Wir brauchen eine Bestandsaufnahme. Die Internetseite www.migrationwatch.com leistet diese notwendige Arbeit für England bereits seit einigen Jahren, sie muß in Deutschland Nachahmer finden.
4. Wir müssen bei uns selbst beginnen. Wir müssen unsere Zukunft wollen. Wir müssen damit aufhören, eine alternde Gesellschaft für charmant oder interessant oder lebenswert zu halten. Daß die jungen Männer die Zukunfts-Macher einer Nation sind, schlicht die Anzahl der „Söhne“ also etwas über die Dynamik eines Volks aussagt, ist eine im kinderarmen Deutschland verdrängte Wahrheit. Wir brauchen mehr Kinder.
Manastirli Hamdi
23.02.06, 12:31
Ende der Fahnenstange erreicht“
Der Soziologe Peter Stiegnitz über das Ende der „Multikultur“ und die Wiederentdeckung Europas als Abendland
Moritz Schwarz
Herr Professor Stiegnitz, seit Wochen erschüttert der Konflikt um die Mohammed-Karikaturen das Verhältnis zwischen uns und der moslemischen Welt. Unverdrossen haben dennoch jüngst in einem in der „Zeit“ veröffentlichten Aufruf sechzig deutsche Migrationsforscher – darunter der Soziologe Christoph Butterwegge – jene unter ihren Kollegen angegriffen, die mittlerweile die Blauäugikeit der multikulturellen Konzeption kritisieren.
Stiegnitz: Eigentlich hätte schon vor den jüngsten Ereignissen auch der Letzte merken müssen, daß wir in puncto „multikulturelle Gesellschaft“ das Ende der Fahnenstange erreicht haben. Um so unverständlicher ist mir dieser Appell. Daß so viele immer noch an diesem Konzept festhalten, ist wohl nur damit zu erklären, daß es sich dabei um eine Art Ideologie handelt – und die ist bekanntlich weitgehend „realitätsresistent“.
Sie haben dagegen in einem wenige Tage vor Ausbruch der Karikaturen-Unruhen veröffentlichten Zeitungsaufsatz festgestellt: „Das Konzept der Multikulturalität ist auf allen Ebenen gescheitert.“
Stiegnitz: Ja, denn seine Grundannahme ist falsch. Die Wahrheit ist: Gesellschaften bedürfen gemeinsamer, nicht multipler übergeordneter Werte.
„Im Ausland ist die Diskussion schon weiter als hierzulande“
Auch in den Reihen von Grünen und SPD gibt es bereits einzelne, die nicht nur von einer Anpassung der multikulturellen Grundsätze sprechen, sondern von ihrem Scheitern. Etwa die Düsseldorfer Grünen-Bürgemeisterin Doris Janicki oder der Berliner SPD-Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky. Beide wurden jedoch schließlich von ihren Parteien genötigt, ihre Aussagen teilweise zu revidieren.
Stiegnitz: Der Göttinger Sozialwissenschaftler Bassam Tibi sagt: „Der Multikulturalismus ist schon lange tot.“ (Siehe auch Dokumentation im Kasten unten.) Er muß sich dafür nicht entschuldigen. Das hat wohl etwas damit zu tun, daß er den Vorteil genießt, nicht-deutscher Herkunft zu sein, außerdem ist er in keiner Partei. Aber schauen Sie nur mal ins Ausland: nach Frankreich, Holland oder eben Dänemark. Während hierzulande die Diskussion noch im ideologischen Sumpf steckt, ist man dort schon viel weiter.
Bezeichnend für die inneren Widersprüche der multikulturellen Gesellschaft ist allerdings nicht der Streit um die Mohammed-Karikaturen, sondern zum Beispiel die Aufstände in den Pariser Vorstädten. Diese werden jedoch vielfach als Folge gerade einer mangelnden Multikulturalität der Integrationspolitik gedeutet.
Stiegnitz: Da scheint mir die Weltanschauung der Vater des Gedankens zu sein. Daß die Ereignisse die Folgen einer verfehlten Ausländer- und Migrationspolitik sind, stimmt ja. Nur handelt es sich bei dieser verfehlten Politik um die des Multikulturalismus.
Sie sprechen davon, daß sich „der Multikulturalismus längst gegen uns selbst gerichtet“ habe.
Stiegnitz: Indem wir die Werte der Aufklärung extensiv ausdehnen und gleichzeitig die offene Gesellschaft propagieren, öffnen wir ein riesiges Einfallstor. Nun stellen wir verwundert und hilflos fest, daß wir der Einwanderung einer islamischen Kultur, die unsere Werte weder teilt noch zu achten bereit ist, nichts entgegenzusetzen haben.
Erstaunlicherweise stehen allerdings vor allem Werte zwischen uns, die man eigentlich im guten Sinne als „alteuropäisch“ bezeichnen könnte: wie die Autorität der Familie, der Tradition, der Religion.
Stiegnitz: Es ist Teil unseres Problems, daß wir die Stärke unserer eigenen kulturellen Tradition vergessen haben. Ohne seine religiöse Tradition wäre etwa das Judentum unter dem mörderischen Druck seiner Feinde längst untergegangen.
Wer aber spricht von christlich-abendländischer kultureller Identität? Politik, Journalisten und die meisten Intellektuellen reden ausschließlich von „westlichen Werten“.
Stiegnitz: Und das ist ein Fehler! Wenn ich einem Moslem auf seinen Vorwurf hin, die Kultur der Europäer sei nicht zu achten, weil sie etwa Gott nicht achte, erwidere: „Aber wir haben das Briefgeheimnis!“, so beeindruckt ihn das nicht im mindesten. Was hilft es, daß wir um die Bedeutung dieser außerordentlichen Errungenschaft wissen? Die abstrakten Werte der Aufklärung sind hier nicht vermittelbar. Deshalb muß Europa auch noch mit etwas anderem aufwarten: mit der Kraft seines christlich-jüdischen Erbes.
Dann befinden wir uns in einem Dilemma: Denn das christlich-jüdische Europa steht teilweise im Widerspruch zum laizistischen Europa – und mitunter „an der Seite“ des Islam. So konnten sich überzeugte Christen in der Auseinandersetzung um die Mohammed-Karikaturen mitunter eher mit dem beleidigten Islam identifizieren als mit denen, die eine ethisch ungebundene Pressefreiheit propagieren.
Stiegnitz: Wenn wir Europa allein aus seinen aufklärerischen Werten heraus verstehen, verlieren wir als Kultur den Boden unter den Füßen. Bassam Tibi zum Beispiel beschreibt einen solchen Prozeß, wenn er auf das Phänomen hinweist, „Islamisten gewähren zu lassen, die behaupten, daß es keine Gleichheit zwischen Mann und Frau gibt. Das ist keine Toleranz, sondern Indifferenz.“ Dies zeigt, daß Werte eine kulturelle Verwurzelung brauchen, um nicht beliebig zu werden. Ist das nicht mehr gegeben, kann es zu solchen Widersprüchen wie im Fall der Mohammed-Karikaturen kommen, wo sich Freiheit und Verantwortung zu weit voneinander entfernt haben.
Der Multikulturalismus wird allerdings, auch wenn er in jeder Hinsicht scheitert, so lange als Leitidee nicht abgelöst werden, so lange kein Gegenkonzept etabliert wird.
Stiegnitz: Ich orientiere mich bei meiner Arbeit an den beiden Modellen, die in Europa von den zwei führenden ehemaligen Kolonial- und Einwanderungsländern erprobt worden sind: Das englische Modell der „akzeptierten Differenz“ – also den Einwanderern möglichst viel Autonomie zu gewähren und zu hoffen, daß sie dies mit Loyalität gegenüber dem Staat entgelten werden – und das französische Modell der Vollintegration, das die Anwesenheit von Menschen mit fremder Kultur schlicht leugnet und alle einfach zu Franzosen erklärt hat. Dadurch komme ich zu einem Drei-Stufen-Modell als Kompromiß: Es fordert die Integration in den öffentlichen Raum, läßt den Einwanderern jedoch auch privaten Raum, um für sich ihre Kultur zu pflegen.
Also eine Variante der Leitkultur?
Stiegnitz: Weder Multikultur noch „Leidkultur“, wie ich den Zwang zur totalen Assimilation nennen würde, sondern in der Tat der Mittelweg der Leitkultur.
„Grundlegende Kehrtwende unserer bisherigen Politik“
Soweit ist man in der Bundesrepublik noch nicht. Hierzulande setzt beispielsweise die Union noch nach eigenem Bekunden auf Varianten der „Multikultur“. Und mit einem Begriff wie Leitkultur setzen Sie sich gesellschaftlich dem Vorwurf des „Rechtsradikalimus“ aus.
Stiegnitz: Keine Sorge, das wird sich mit zunehmender Krisenhaftigkeit der Gesellschaft – nicht zuletzt dank des Konzepts der Multikultur – langsam, aber sicher legen.
Wie sieht Ihre Drei-Stufen-Alternative zum Multikultur-Konzept konkret aus?
Stiegnitz: Zunächst befindet sich der Einwanderer im Zustand der ursprünglichen, der „Rucksack“-Kultur, also der Kultur, die er ererbt mitbringt. Wenn der Einwanderer in diesem Zustand verharrt, bleibt er ein Fremdkörper. Statt dessen muß er in die Phase der „Interkultur“ übergehen, dies ist der Zustand, in dem Einwanderer und Gesellschaft in Beziehung zueinander treten, sich miteinander und aufeinander zu bewegen, noch aber getrennt sind. Die Interkultur mündet schließlich in der „Intrakultur“, also der glücklichen Einfügung des Einwanderers in die gesellschaftliche Kultur – allerdings unter Beibehaltung seiner natürlichen Kultur im Privaten.
Was bedeutet das konkret für das Problem der moslemischen Einwanderung nach Europa?
Stiegnitz: Daß sie nur in einer „Dosis“ und unter Umständen stattfinden darf, die eine grundlegende Kehrtwendung von unserer bisherigen Politik bedeutet. Masseneinwanderung, Multikultur und Parallelgesellschaften darf es nicht mehr geben! Europa muß lernen, sich wieder als christlich-jüdisches Abendland zu verstehen. Erst müssen wir das wieder lernen und dann die Zuwanderer.
Prof. Dr. Peter Stiegnitz: Der Migrationssoziologe und Publizist lehrt als Gastprofessor an der Universität Budapest. Er studierte Soziologie, Psychologie und Ethnologie und war als Ministerialrat im österreichischen Bundeskanzleramt tätig. Der Autor zahlreicher Bücher ist außerdem wissenschaftlicher Kurator der Wiener Sektion der Forschungsgesellschaft für das Weltflücht-lingsproblem in Vaduz. Geboren wurde er 1936 in Budapest.
Wichtigste Veröffentlichungen:
„Die Neuen. Ausländerassimilation in Österreich“ (Edition Atelier 1994), „Heimat zum Nulltarif. Integration ist keine Einbahnstraße“ (Edition Va Bene, 2000), „Das fünfte Gebot. Eine Geschichte der Gewalt“ (Edition Va Bene, 2005)
adam islami apacik düsman ilan etmis, daha ne istiyoruz?
Dann befinden wir uns in einem Dilemma: Denn das christlich-jüdische Europa steht teilweise im Widerspruch zum laizistischen Europa – und mitunter „an der Seite“ des Islam. So konnten sich überzeugte Christen in der Auseinandersetzung um die Mohammed-Karikaturen mitunter eher mit dem beleidigten Islam identifizieren als mit denen, die eine ethisch ungebundene Pressefreiheit propagieren.
Der Artikel in der "Jungen Freiheit" ist kaum verwunderlich. Diese Zeitung wird vom Verfassungsschutz beobachtet und gilt seit Jahren als Sammelbecken für "intellektuelle" Neo-Nazis. Die gleiche Zeitung wurde von der Leipziger Buchmesse ausgeschlossen bzw. ausgeladen. In der "FAZ" war vor kurzem eine Solidaritätsaktion (als Anzeige geschaltet), damit diese Zeitung doch an der Leipziger Buchmesse teilnehmen kann. Man kann nur hoffen, dass die Leipziger Messegesellschaft standhaft bleibt und diese Ewiggestrigen kein Forum für rassistische und menschenverachtende Propaganda bekommen.
ottoman1299
23.02.06, 13:25
...Wir brauchen mehr Kinder.
sind die ärmsten verzweifelt...
Dies ist der gute beweis dafür, das in der "modernen" gesellschaft, kinder und alte menschen sehr wenig platz finden.
Das ist auch einer der gründe warum die "moderne" gesellschaft, in zukunft nicht bestehen wird.
Der Artikel in der "Jungen Freiheit" ist kaum verwunderlich. Diese Zeitung wird vom Verfassungsschutz beobachtet und gilt seit Jahren als Sammelbecken für "intellektuelle" Neo-Nazis. Die gleiche Zeitung wurde von der Leipziger Buchmesse ausgeschlossen bzw. ausgeladen. In der "FAZ" war vor kurzem eine Solidaritätsaktion (als Anzeige geschaltet), damit diese Zeitung doch an der Leipziger Buchmesse teilnehmen kann. Man kann nur hoffen, dass die Leipziger Messegesellschaft standhaft bleibt und diese Ewiggestrigen kein Forum für rassistische und menschenverachtende Propaganda bekommen.
Beruhigend zu wissen, daß diese "intellektuellen" Neo-Nazis und Rassisten isoliert werden.
Obwohl ich die "Junge Freiheit" nicht kenne, kamen mir einige Zitate daraus recht bekannt vor.
Manastirli Hamdi
23.02.06, 17:22
Beruhigend zu wissen, daß diese "intellektuellen" Neo-Nazis und Rassisten isoliert werden.
Obwohl ich die "Junge Freiheit" nicht kenne, kamen mir einige Zitate daraus recht bekannt vor.
ich glaube, sie konnten letztendlich eine einladung zur buchmesse erwirken und haben einige klagen gegen nrw gewonnen. ihr anwalt war: alexander von stahl. das ist der ehemalige generalbundesanwalt unter kohls regierungszeit mal gewesen.
das, was hier gefodert wird, wird etwas aufgeweicht in der welt und faz aufgegriffen, und dann später zur regierungspolitik... das ist mein subjektiver eindruck.
ich glaube, sie konnten letztendlich eine einladung zur buchmesse erwirken und haben einige klagen gegen nrw gewonnen. ihr anwalt war: alexander von stahl. das ist der ehemalige generalbundesanwalt unter kohls regierungszeit mal gewesen.
das, was hier gefodert wird, wird etwas aufgeweicht in der welt und faz aufgegriffen, und dann später zur regierungspolitik... das ist mein subjektiver eindruck.
Deine Eindrücke und Beobachtungen entsprechen den Tatsachen. Wollen wir es beim Namen nennen. Da können wir schön hinterherschauen, wie die Menschen verängstigt und verunsichert werden. Presse und Politik manchesmal Hand in Hand.
Ich hatte gerade eine interessante Unterhaltung mit einer Dame, die ich schon seit Jahren kenne. Völlig aus dem Stehgreif erzählt sie mir von ihren Ängsten der "Überrollung" durch die islamische Kultur. Wohlgemerkt nicht durch "Terroristen", "Islamisten". Nein sie sagt durch die "islamische Kultur". Immer mehr neue Problemwörter tauchen derzeit auf. O Wunder, o Wunder.
Früher waren es die Ängste gegen "Ausländer" an sich. Jetzt wird anscheinend hier dieser sogenannte "Kulturkampf" richtig hochgepokert.
Man ist verbittert mit solchen Aussagen auch nach drei Jahrzehnten konfrontriert zu sein. Die Bürger können sich ja auch nicht gegen sich heißredende Politiker wehren. Immer schön im Unterton aber deutlich in der Aussage.
Manastirli Hamdi
23.02.06, 17:40
früher konnten sie wegen dem ausländerfeindlichkeitsverdach t nix tun, heute verstecken sie sich hinter dem vorwand der gefährdung der inneren sicherheit. seit 9/11 wirkt das auch ohne terroristen in deutschland.
Deine Eindrücke und Beobachtungen entsprechen den Tatsachen. Wollen wir es beim Namen nennen. Da können wir schön hinterherschauen, wie die Menschen verängstigt und verunsichert werden. Presse und Politik manchesmal Hand in Hand.
Ich hatte gerade eine interessante Unterhaltung mit einer Dame, die ich schon seit Jahren kenne. Völlig aus dem Stehgreif erzählt sie mir von ihren Ängsten der "Überrollung" durch die islamische Kultur. Wohlgemerkt nicht durch "Terroristen", "Islamisten". Nein sie sagt durch die "islamische Kultur". Immer mehr neue Problemwörter tauchen derzeit auf. O Wunder, o Wunder.
Früher waren es die Ängste gegen "Ausländer" an sich. Jetzt wird anscheinend hier dieser sogenannte "Kulturkampf" richtig hochgepokert.
Man ist verbittert mit solchen Aussagen auch nach drei Jahrzehnten konfrontriert zu sein. Die Bürger können sich ja auch nicht gegen sich heißredende Politiker wehren. Immer schön im Unterton aber deutlich in der Aussage.
sehr treffend gesagt,zübeyde.
früher konnten sie wegen dem ausländerfeindlichkeitsverdach t nix tun, heute verstecken sie sich hinter dem vorwand der gefährdung der inneren sicherheit. seit 9/11 wirkt das auch ohne terroristen in deutschland.
Auch da stimme ich Dir zu. Dieser 11th. Sept. war Tür und Tor. Anstatt sich mit uns den hier seit vier Jahrzehnten anständig lebenden Menschen zu verbünden, werden Unsinnigkeiten mit diesem Terror begründet. Nur ist die Sache so, daß nicht nur wir als eine Minderheit hier davon erdrückt werden, sondern auch die deutsche Bevölkerung. Die Nachwehen werden sicherlich noch kommen. Frieden zu stiften und Maß zu halten sind halt schwer zu meisternde Bürden. Ich hoffe nur, daß irgendwann Vernunft wieder einkehrt.
Und frage mich zudem noch, wo die ganzen Bürgerinitiativen, Parteien, und Stimmen aus dem Volk bleiben, die sich mit den Minderheiten solidarisch zeigen. In den 70´er und 80´er Jahren konnten wir uns noch etwas anlehnen.
Manastirli Hamdi
09.03.06, 00:48
© JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. 11/06 10. März 2006
Vergessene Märtyrer
Die Verfolgung von Christen in vielen Weltregionen trifft hierzulande auf Ignoranz
Peter Freitag
Wie kommt es, daß die Gewalttaten gegen Christen nicht hierzulande zu einem Aufschrei gegen die Täter und die, die sie unterstützen, anfeuern oder auch bloß ihre Taten verharmlosen, führen? Wie kommt es, daß antichristliche Ausschreitungen von hiesigen Medien allenfalls unter „ferner liefen“ wahrgenommen werden?
Auf den ersten Blick könnte man es als ein den Gesetzen des Journalismus folgendes Phänomen abtun. Der Aufruhr, der sich in zahlreichen islamischen Ländern an den Mohammed-Karikaturen entzündet hatte, entlud sich an – säkularen – westlichen Symbolen und Einrichtungen: Flaggen und Konsulate europäischer Staaten gingen in Flammen auf, Menschen und Waren entsprechender Provenienz verfielen der Ächtung. Berichte und Bilder über die eskalierende Gewalt erreichten Tag für Tag die Zuschauer und Zeitungsleser.
Zwei unterschiedliche Reaktionen waren die Regel: zum einen die Äußerung, die Karikaturen hätten Tabus überschritten und religiöse Gefühle verletzt; die Empörung in den islamischen Staaten sei in der Form zu weit gegangen, im Prinzip aber nachvollziehbar. Zum anderen wurde die Sorge geäußert, hiesige Errungenschaften wie Meinungs- und Pressefreiheit würden durch die Proteste aufgebrachter Muslime bedroht und müßten entsprechend verteidigt werden. Westliche Werte sind aus dieser Sicht also vorrangig diejenigen weltlichen, die aus Aufklärung und Liberalismus abgeleitet werden; der Gegensatz zwischen Orient und Okzident besteht nach solcher Wahrnehmung nicht in der Gegnerschaft zwischen Islam und Christentum, sondern grundsätzlich zwischen einer mit Absolutheitsanspruch auftretenden Religion („Fundamentalismus“) und Glaubens-Freiheit (also Freiheit von jeglichem religiösen Glauben). Für die meisten Medien war damit der Sache Genüge getan, der Konflikt aufgezeigt, die Bedrohung vergegenwärtigt worden – und jedes tiefergehende Interesse erlahmt. Also bitte nicht noch mehr zum „Karikaturenstreit“!
Wesentlicher erscheint als Erklärung für das vielsagende Beschweigen die Tatsache zu sein, daß das Thema Christenverfolgung allgemein aus dem Bewußtsein des westlichen Kulturkreises und speziell in Deutschland verdrängt wurde. Das gilt sowohl für die historischen als auch für aktuelle Formen. Nicht allein die glückliche Fügung, daß Verfolgungen aufgrund des Glaubens bei uns nicht mehr an der Tagesordnung sind, trug dazu bei. Die Erinnerung an die Bedrängung der ersten christlichen Gemeinden ist kein großes Thema mehr in Gottesdienst oder Religionsunterricht, nicht zuletzt bestimmt durch die Sorge der Kirchenführungen, ansonsten anti-jüdische Ressentiments zu schüren. Die Political Correctness gebietet ebenso Einhalt gegen die Erinnerung an die Ausrottungsmaßnahmen der islamischen Türken an christlichen Armeniern und Assyrern.
Besonders gestört war auch die Wahrnehmung gerade kirchlicher Kreise angesichts der Repressalien, denen Christen im damaligen Ostblock ausgesetzt waren. Eine große Rolle spielte dabei jene unheilige Allianz, die nicht wenige Kirchenobere oder Theologen mit dem Sozialismus eingegangen sind. Die vermeintlichen Gemeinsamkeiten zwischen Christentum und dieser atheistischen Ideologie führten dazu, daß gerade die sonst gegen jedes autoritäre westliche Regime (wie in lateinamerikanischen Staaten oder Südafrika) zu Felde ziehenden Pfarrer die Augen vor Menschenrechtsverletzungen und antichristlichen Maßnahmen real-sozialistischer Diktaturen verschlossen.
Die doppeldeutigen Reaktionen auf das Fanal, das der Zeitzer Pfarrer Oskar Brüsewitz 1976 mit seiner Selbstverbrennung aus Protest gegen die kirchenfeindliche DDR-Politik setzte, sprachen Bände: Die Demonstration sei als „Verzweiflungstat eines einzelnen“ wahrzunehmen, reiche jedoch nicht aus, „das Verhältnis von Staat und Kirche in der DDR richtig zu erfassen“, hieß es damals aus der Kanzlei der (westdeutschen) Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD).
Selbst manche moderne Darstellung zur Kirchengeschichte blendet Christenverfolgungen im 20. Jahrhundert mittlerweile aus, soweit es nicht ausdrücklich um Maßnahmen der Nationalsozialisten gegen kirchliche Oppositionelle geht. Anders noch das 1954 erschienene Werk des Kirchenhistorikers Kurt Dietrich Schmidt, der feststellte, daß „es an so vielen Stellen der Erde und in solchem Ausmaß zu direkter blutiger Verfolgung“ kam, daß „alle Verfolgungen aller Jahrhunderte dadurch weit überboten sind“. Schmidt nannte als Beispiele für Verfolgungen schon damals zuerst „die Feindschaft des Islam“, dann Kommunismus und Nationalsozialismus, aber auch den „Nationalismus nicht-christlicher Völker“ (z.B. in China) und sogar den Liberalismus, der in Staaten wie Frankreich und Spanien in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gegen das Christentum und die Kirche vorgegangen war.
Eine weitere Erklärung für die mangelnde Wahrnehmung der Gewalttaten gegen Christen liegt im bei uns verbreiteten Phänomen der „Zivilbuße“ (Hermann Lübbe). Damit ist jenes Ritual bezeichnet, mit dem sich Angehörige der „Deutungseliten“ für die Verfehlungen und Untaten vergangener Generationen „entschuldigen“. Dies betrifft nicht nur die spezielle deutsche Form der „Vergangenheitsbewältigung“, sondern auch die (katholische) Kirche, deren höchster Repräsentant Vergebung für die Kreuzzüge erbat, ebenso wie andere westliche Staaten mit ihrer „Schuld“ an Kolonialismus, Missionierung oder Sklavenhandel.
Ob im Nahen Osten oder in Afrika: Wo immer ein kultureller Bruchlinienkonflikt eskaliert, neigen zahlreiche Politiker und Kommentatoren dazu, die Schuld dafür in vergangenen Handlungen des Westens zu sehen. Dieses Erklärungsmuster kann dann auf das angewandt werden, was jenen widerfährt, die – ob zutreffend oder nicht – durch ihre Religionszughörigkeit als mit dem Westen verbündet gelten.
Während es jetzt verantwortlichen Kirchenführern dämmert, man könne es nicht hinnehmen, wenn aus Anlaß einiger Karikaturen „gewalttätige Kampagnen gemacht wurden, die im wachsenden Maß Christen und Kirchen treffen“ (so der EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber), haben gerade die westlichen Kirchen lange Zeit in dem von ihnen betriebenen „interreligiösen Dialog“ zuviel eigenes Terrain preisgegeben. Aus Angst, anderenfalls weitere Eskalationen hervorzurufen, wurde zu lange beschwichtigt, wo deutliche Worte gegen aktuelles Unrecht nötig gewesen wären. Wenn heute Kirchen brennen, Priester und Gläubige ermordet werden, sind nicht die Kreuzzüge schuld, sondern der Mob, der diese Taten begeht, und die Regierungen, die solches nicht verhindern.
Manastirli Hamdi
09.03.06, 00:49
„Regelrechte Pogrome“
Paul Murdoch, Leiter der Informationsstelle Religionsfreiheit, über die weltweite Verfolgung von Christen
Moritz Schwarz
Herr Dr. Murdoch, in Nigeria wurden unlängst mindestens 14 Christen im Zuge der Unruhen wegen der Mohammed-Karikaturen ermordet – einige wurden lebendigen Leibes verbrannt (JF berichtete). Aufregung oder auch nur Betroffenheit in Europa? Fehlanzeige!
Murdoch: Man kann schon froh sein, daß wenigstens diese 14 Fälle gemeldet wurden. In Nigeria schätzen wir die Zahl der ermordeten Christen in den letzten Jahren seit Einführung der Scharia in den nördlichen Provinzen auf etwa drei- bis viertausend. Das ist in Europa kaum jemandem eine Meldung wert. Nur vor dem Hintergrund des Karikaturen-Streits hat man nun einmal Notiz von diesen Vorgängen genommen. Es geht da aber wohl eher um die „Clash of Civilisation“-Brisanz, die die Redakteure darin wittern, als um Anteilnahme am Schicksal der Christen außerhalb Europas.
Morddrohungen gegen Karikaturisten regen uns offenbar bei weitem mehr auf als tatsächlicher Mord an Christen.
Murdoch: Wir müssen immer wieder feststellen, daß unsere Medien eher über Morde von Christen an Muslimen als von Muslimen an Christen berichten. Wir würden uns wünschen, daß man allen solchen Untaten Aufmerksamkeit schenkt. Wobei uns mit den Christen unter den Opfern natürlich das Band des gemeinsamen Glaubens eint. In jeder Religion gibt es eine besondere Solidarität der Gläubigen. Das ist etwas Natürliches und wird auch von der überwiegenden Mehrheit der Menschen – nur eine absolute Minderheit weltweit versteht sich als Atheisten – selbstverständlich akzeptiert. Auch Moslems etwa billigen Christen untereinander eine besondere Solidarität zu, ja sie bewundern sie sogar.
„Totalitäre, ‘korrupte’ und antichristliche Verfolgung“
Oftmals allerdings zu Unrecht.
Murdoch: Leider ja, denn in Europa interessiert die Solidarität mit den Christen in aller Welt meist herzlich wenig.
Wer bei der EKD anfragt, welche Stelle sich dort um das Thema Verfolgung von Christen weltweit kümmert, wird an die Evangelische Allianz verwiesen.
Murdoch: Es gab wohl eine Stelle der EKD in Hannover die sich dem Problem gewidmet hat. Doch dann ist die Referentin in Mutterschutz gegangen.
Ein schlechter Scherz?
Murdoch: Leider nein. Für das Thema „Christen in aller Welt“ unterhält die EKD mehrere zuständige Stellen, nicht jedoch für das „Spezialthema“ Christenverfolgung.
Es ist kein Geheimnis, daß die als konservativ geltende Evangelische Allianz in großen Teilen der EKD nicht wohlgelitten ist. Daß die EKD das Problem bereitwillig auch noch einer Organisation überläßt, die bei ihr „nicht sehr hoch im Kurs steht“, zeigt, wie gering das Interesse daran offenbar ist.
Murdoch: Es stimmt, daß von seiten der EKD mitunter noch eine gewisse Berührungsscheu besteht. Allerdings wandelt sich das in letzter Zeit spürbar, und wir sind sehr dankbar dafür. Es gibt inzwischen auch Mitglieder im Rat der EKD, die eine besondere Nähe zu Allianzkreisen haben.
Man kann der EKD dagegen nicht vorwerfen, sie ließe es an Engagement für den interreligiösen Dialog oder gar die aktive Unterstützung der Ausbreitung des Islams fehlen.
Murdoch: Da läuft vieles verkehrt, aber wir sollten betonen, daß sich manche Dinge langsam, aber sicher zum Guten wenden. Denken Sie zum Beispiel an den EKD-Ratsvorsitzenden Huber oder die Bischöfin Käßmann, die bei ihrer Wahl noch als liberal-modernistisch galten, heute aber spürbar zu den mit dieser Position verbundenen Dogmen teilweise auf Distanz gehen. Heute sind sie eher bereit, die eigene christliche Identität zu betonen, statt bedingungslos das angeblich Verbindende mit anderen Religionen zu suchen, auch da, wo es gar nicht existiert.
Wie steht es um das Thema Christenverfolgung in der Katholischen Kirche?
Murdoch: Auch die Katholische Kirche ist bei dem Thema sehr zurückhaltend, allerdings aus etwas anderen Gründen. Als Organisation, die in fast allen Ländern der Erde präsent ist, versucht sie alles, um Konflikten aus dem Weg zu gehen. Sie hat die Tendenz, Fälle von Christenverfolgung stets möglichst nicht als solche auszulegen. Beispiel: Wird in Asien eine Bombe in eine Kirche geworfen, interpretiert man das lieber als eine kriminelle, denn eine antichristliche Tat. Denn man fürchtet, die katholische Minderheit könnte durch diese Provokation in einen generellen Widerspruch zur etwa moslemischen oder hinduistischen Mehrheit dort geraten.
Können Sie einen Überblick über die Situation der Christenverfolgung heute weltweit geben?
Murdoch: Es gibt drei politisch-soziologische Grundbedingungen für religiöse Verfolgung, mit denen sich auch die Verfolgung von Christen weltweit zusammenfassen lassen. Da wären erstens die totalitären Staaten, wie etwa Nordkorea, Vietnam, China oder Kuba. Hier ist die Verfolgung der Christen mit einem politischen Faktor überlagert: nämlich der Angst dieser Staaten vor Menschen, die durch ihr christliches Bekenntnis signalisieren, daß sie nicht bereit sind, sich gleichschalten zu lassen. Die Verfolgung reicht in diesen Ländern von der Unterdrückung der freien Religionsausübung bis hin zur Ermordung, ja regelrechten Vernichtung von Christen.
Zum Beispiel?
Murdoch: Zum Beispiel in Nordkorea, wo es heute offiziell noch ein paar tausend Christen gibt. Nach dem Zweiten Weltkrieg zählte der Norden Koreas aber – mit möglicherweise bis zu einer halben Millionen – die größte Konzentration von Christen in Asien überhaupt zu jener Zeit. Pjöngjang war bekannt als das „Jerusalem des Ostens“. Aufgrund der Abschirmung des Landes wissen wir bis heute nicht, was aus den „fehlenden“ etwa 300.000 bis 500.000 Christen geworden ist. Sind sie „umerzogen“ worden? Sind sie in Arbeitslagern? Sind sie tot? Berichte von Geflohenen lassen das Schlimmste ahnen.
„Von der Diskriminierung im Alltag bis zum Massenmord“
Welche Rolle spielt der kommunistische Atheismus dabei?
Murdoch: Sicher auch eine Rolle, aber primär dürfte es heutzutage eher eine Frage des Totalitätsanspruchs des Staates sein als des Weltanschauungsanspruchs der Ideologie. Denn ideologisch sind diese Staaten ja alle mehr oder weniger in der Krise. Schwächelnde Staaten können Bürger, die eine höhere Autorität als die Staatsgewalt anerkennen, nicht ertragen. Das Potential für zivilen Ungehorsam ist zu groß, das könnte außer Kontrolle geraten.
Die zweite von Ihnen genannte Grundbedingung?
Murdoch: Die zweite Grundbedingung ist die Desintegration der ordnenden Staatsgewalt, nämlich in korrupten Staaten oder Staats-teilen, wie wir sie etwa in Südamerika antreffen. Hier ist die Christenverfolgung oftmals mit einer sozialen Problematik überlagert. Zum Beispiel, wenn die arme christliche Bevölkerung unter den Interessen von Grundbesitzern oder Industriellen und denen des mit ihnen kungelnden korrupten Regimes oder aber unter einer Rebellengruppen oder einem Drogenkartell, die Teile des Landes kontrollieren, leiden müssen. Heute haben wir es mit einer solchen Situation in Bolivien, Kolumbien, Equador und Chiapas (Mexiko) zu tun. Hier haben Christen scheinbar weniger unter Unterdrückung wegen ihrer reinen Religionszugehörigkeit als unter Terror, etwa in Gestalt von Todesschwadronen oder Polizei- und Armeewillkür zu leiden. Es ist jedoch die Auswirkung ihrer christlichen Überzeugung, die sie zum „Sand im Getriebe“ des korrupten Systems werden läßt.
Beim Stichwort Christenverfolgung heute denken die meisten Menschen wohl an den Isalm.
Murdoch: Das ist die dritte Grundbedingung für religiös begründete Verfolgung. Es gibt eine ganze Reihe von Ländern mit einem mehr oder weniger christenfeindlichen Selbstverständnis, weil die vorherrschende Religion den christlichen Glauben als feindliche Konkurrenz sieht. Es ist aber falsch, dabei nur an den Isalm zu denken, auch der Hinduismus in Indien und der Buddhismus, der hierzulande von vielen als Inbegriff der Friedfertigkeit gehandelt wird, machen uns große Sorgen. Auch dort gibt es radikale, gegen das Christentum äußerst aggressiv eingestellte Strömungen. In Sri Lanka und Bhutan etwa eskaliert die Situation seit einem guten Jahr. Insgesamt haben wir es hier oft mit einer Überlagerung von kulturellen, teilweise auch ethnischen Faktoren zu tun. In Saudi-Arabien zum Beispiel geht es gegen den christlichen Glauben an sich. Im Sudan dagegen weist die Tatsache, daß im Westen (Darfur) auch moslemische Schwarze dem Terror der von der Regierung im Norden „benutzten“ arabischen Reitermilizen zum Opfer fallen, darauf hin, daß die Christen im Süden dort nicht nur als Christen verfolgt werden. Die Bandbreite der Verfolgung reicht in diesen Ländern von der Diskriminierung im Alltag bis hin zu Massenmorden, ja regelrechten Pogromen.
Ist diese Dreiteilung nicht etwas schematisch?
Murdoch: Natürlich überlagern sich im konkreten Fall oft mehrere Faktoren. Im kommunistischen Vietnam zum Beispiel ist die Verfolgung der Christen auch mit einem ethnischen Konflikt zwischen Vietnamesen und Bergstämmen verbunden. Im buddhistischen/islamischen/hinduistischen Birma bzw. Myanmar dagegen haben wir es gleichzeitig mit einem totalitären Regime zu tun.
Am vergangenen Wochenende haben in Israel zahlreiche Christen demonstriert, weil sie sich vom israelischen Staat nicht genug gegen Übergriffe geschützt sehen. Wie ist die Lage der Christen im Heiligen Land?
Murdoch: Das ist auch mitunter ein heikles Kapitel, vor allem für Christen, die sich als Juden haben taufen lassen. Natürlich kann man das nicht verallgemeinern, aber jüngst etwa gab es in Berscheba im Süden Israels gewalttätige Proteste gegen Christen.
Wenigstens in Europa gibt es aber keine Probleme?
Murdoch: Wir glauben vorschnell, die Diskriminierung von Christen sei heutzutage eine rein außereuropäische Sache. Erinnern Sie sich aber doch zum Beispiel an den Fall Rocco Buttiglione: Ein Politiker wurde nicht aufgrund seiner politischen, sondern allein wegen seiner persönlichen Glaubensüberzeugung als nicht tragbar für ein politisches Amt in Europa befunden. Wenn wir die Situation in verschiedenen europäischen Ländern zusammenfassen, so muß man leider feststellen, daß es eine besorgniserregende Tendenz gibt.
Inwiefern?
Murdoch: In Deutschland etwa ist in manchen Bundesländern das offene Bekennen seines Glaubens in öffentlichen Räumen wie Schulen und Ämtern mittlerweile verboten. Familien, die eine christliche Erziehung ihrer Kinder an staatlichen Schulen nicht mehr gewährleistet sehen und ihre Kinder zu Hause unterrichten wollen, bekommen es mit der Polizei zu tun. Blinde Schmähung, Mißbrauch und Herabwürdigung – ich spreche nicht von substantieller Kritik – des Christlichen ist im deutschen Alltag fast allgegenwärtig, und jede Privatperson scheint mehr Schutz ihrer persönlichen Würde zu genießen als die christliche Religion, ihre Anhänger und Vertreter.
„In Belgien beobachtet der Geheimdienst sogar den CVJM“
Gibt es auch Beispiele außerhalb Deutschlands?
Murdoch: In Frankreich ist die Situation schon weiter fortgeschritten. Dort können mittlerweile Christen, die ihren Glauben im biblischen Sinne konsequent leben und weitergeben wollen, wegen „Gehirnwäsche“ und „psychologischer Druckausübung“ vor Gericht gestellt werden. So unlängst geschehen, zum Beispiel in Mühlhausen im Elsaß. Kleinere christliche Gemeinschaften werden dort rasch als „Sekten“ ausgegrenzt. In Belgien wird sogar der CVJM schon vom Inlandsgeheimdienst beobachtet. US-amerikanische Jugendliche wurden kurzerhand von belgischen Behörden wegen einer harmlosen Straßenevangelisation abgeschoben. In ganz Europa erleben wir die Tendenz, christliche Symbole und Inhalte als potentiell diskriminierend zu diffamieren und ihrerseits zunehmend zu diskriminieren. Überzeugte Christen werden in der Öffentlichkeit immer wieder als „Fundamentalisten“ verunglimpft und moralisch rasch auf eine Stufe mit „islamischen Fundamentalisten“, sprich Islamisten und Attentätern gestellt. All diese Tendenzen sind auch deshalb so schlimm, weil sie anzeigen, daß sich die Situation in Zukunft noch weiter zu verschlechtern droht. Allerdings möchte ich natürlich nicht den Eindruck erwecken, als stünde den Christen in Europa eine regelrechte Verfolgung bevor. Natürlich nicht. Doch auch eine Diskrminierung ist schon schlimm genug.
Wie hoch ist die Zahl der verfolgten Christen weltweit?
Murdoch: Statistiken sind eine Wissenschaft für sich. Es gibt bedauerlicherweise keine Institution, die hier gesicherte Daten erhebt. Oft hört man die Zahl um 160.000 Christen, die jährlich sterben müssen, weil sie Christen sind, so David B. Barrett in dem entstehenden Werk „World Christian Encyclopedia“. Hier sind allerdings auch all diejenigen mitgezählt, die in kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen christlich geprägten Bevölkerungsgruppierungen und religiös anders geprägten sterben – etwa im Sudan, wo, wie oben schon erwähnt, die Auseinandersetzung nicht allein religiös begründet ist, oder etwa in Nigeria oder auf Osttimor. Dokumentierte Fälle von „gezielt“ getöteten Christen, wie kürzlich die Enthauptung von vier christlichen Schulmädchen auf dem Weg zur Schule in Poso im afrikanischen Sulawesi, gibt es nur wenige. Wir gehen davon aus, daß es weltweit eine fünfstellige Zahl ist.
Dr. Paul Murdoch ist Leiter des Arbeitskreises Religionsfreiheit der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA), einer der zentralen Informationsstellen zum Thema Christenverfolgung in aller Welt in Deutschland. Der Gemeindepfarrer in Hohenhaslach-Sachsenheim bei Stuttgart war lange Jahre im Missionsdienst in Finnland, Pakistan und Mikronesien tätig. Geboren wurde der Kana-dier 1952 in Glendale/Kalifor-nien.
Evangelische Allianz: 1846 in London gegründet, vereinigt sie weltweit rund zwei Millionen Christen in 80 Ländern. Sie ist damit der am längsten bestehende Zusammenschluß evangelisch gesinnter Christen verschiedener Gemeinde- und Gruppenzugehörigkeit. In Deutschland gehören sowohl EKD-Mitglieder wie auch Freikirchler der als konservativ geltenden Allianz an. Im Gegensatz zur EKD widmet sie sich intensiv auch dem Thema der weltweiten Unterdrückung von Christen, gibt dazu einen regelmäßigen, kostenlosen Rundbrief und jährlich „Märtyrer – das Jahrbuch zur Christenverfolgung heute“ (Idea) heraus.
Kontakt und Information: Esplanade 5-10a, 07422 Bad Blankenburg,
Tel: 03 67 41 / 24 24, Internet: www.ead.de
Manastirli Hamdi
09.03.06, 00:51
Verfolgt, gefoltert, getötet
Hilfsaktion Märtyrerkirche: Seit mehr als 35 Jahren weltweit unterwegs, um die Not gepeinigter Christen zu lindern
Curd-Torsten Weick
Die brutale Gewalt gegen christliche Einrichtungen im Zuge der islamischen Empörung um die Mohammed-Karikaturen brachte in die Wohnzimmer, was sonst kaum TV-Beachtung findet. Dabei ist die Verfolgung christlicher Minderheiten in vielen Ländern kein neuartiges Phänomen. Expertenmeinungen zufolge dürfen weltweit um die 200 Millionen ihren Glauben nicht frei leben (siehe Seite 6 und 7). Parallel dazu werden jährlich bis zu 175.000 Christen kriminalisiert, gefoltert oder getötet. Um dem entgegenzutreten und den Opfern zu helfen, gibt es einige christliche Organisationen, die sich in den verschiedensten Erdteilen engagieren.
Im Verborgenen und gegen den Willen der Regierungen
Die politisch als auch kirchlich unabhängige deutsche Hilfsaktion Märtyrerkirche e.V. (HMK) ist eine davon. Neben vielen internationalen Schwesterorganisationen (siehe Stichwortkasten) wurde sie 1969 in Deutschland gegründet. Gründervater der HMK war der lutherische Pfarrer Richard Wurmbrand (1909–2001). Wurmbrand verbrachte aufgrund seiner Arbeit für die Untergrundkirche im kommunistischen Rumänien insgesamt 14 Jahre seines Lebens in Haft. Er wurde 1965 freigekauft und begann fortan, mit Vorträgen und Predigten auf die Situation der Christen unter dem Kommunismus aufmerksam zu machen. Sein Werk „Gefoltert für Christus“, in dem Wurmbrand über seine Hafterlebnisse schrieb, wurde zu einem in 65 Sprachen übersetzten Klassiker.
Auf der Basis des Apostolischen Glaubensbekenntnisses hilft die Hilfsaktion Märtyrerkirche nun seit über 35 Jahren direkt und unterstützt – oftmals im Verborgenen und gegen den Willen der jeweiligen Regierung – Christen verschiedenster Konfessionen, die wegen ihres Bekenntnisses Leid, Verfolgung und Demütigung ertragen müssen.
Der Wirkungskreis der ausschließlich aus Spenden finanzierten deutschen Hilfsaktion reicht von der Volksrepublik China über Länder des ehemaligen Warschauer Paktes bis hin zu den islamischen Staaten des Nahen Ostens, am Persischen Golf sowie Ländern in Afrika. In Nigeria etwa, dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas, treibt die Wiedereinführung der islamischen Scharia-Strafgesetzgebung (1999) in zwölf nördlichen Bundesstaaten die christliche Minderheit in die Enge.
Diese Re-Islamisierung trägt immer öfter zu gewalttätigen Übergriffen gegen Christen bei. Zurück bleibt oftmals nur verbrannte Erde. Hier sieht sich die HMK in der Pflicht und unterstützt die Arbeit des Catholic Institute for Development, Justice and Peace (CIDJAP). Das CIDJAP hilft christlichen Familien, die durch extremistische Übergriffe ihrer Lebensgrundlagen beraubt wurden, und hat sich zum Ziel gesetzt, das nachbarschaftliche Zusammenleben von Christen und Muslimen vor Ort zu fördern respektive erst wieder zu ermöglichen.
Auch im asiatischen Pakistan steht es im nachbarschaftlichen Zusammenleben von Christen und Muslimen nicht immer zum Besten. Im Schatten des Kaschmir-Konfliktes kommt es vielfach zu muslimischen Übergriffen auf Christen. Und ähnlich wie in Nigeria leistet hier die HMK in Kooperation mit der lokalen Organisation Center for Legal Aid Assistance and Settlement (CLAAS) direkte Hilfe.
CLAAS verhilft religiös Verfolgten zu Rechtsbeistand. Was nicht einfach ist. Denn, so die HMK, die „Verteidigung in Gerichtsverfahren ist für Christen in Pakistan nicht nur ein finanzielles Problem: Christen und Hindus dürfen in letzter Instanz nur von muslimischen Anwälten vertreten werden, die aus Angst vor Repressionen dazu aber nur selten bereit sind. Deshalb bildet CLAAS in der neu gegründeten Juristenschule die so dringend benötigten christlichen Rechtsanwälte aus, so daß wenigstens in allen möglichen Positionen christliche Anwälte etabliert werden können.“
Weniger um rechtlichen Beistand als um die nackte Existenz kämpfen dagegen die Christen im Irak. In dem kriegsgeplagten Land zwischen Euphrat und Tigris standen und stehen die rund 800.000 chaldäischen und assyrischen Christen unter starkem Verfolgungsdruck. Oftmals gelten sie gar als „Kreuzzugs“-Kollaborateure der US-Invasion. In der jüngsten Vergangenheit bildeten Bombenanschläge auf Kirchen in Bagdad und im kurdischen Mossul den vorläufigen Höhepunkt in der Serie von Gewaltakten. Als Folge der Ereignisse sind bereits circa 40.000 Christen aus dem Irak in den Libanon oder nach Syrien geflohen.
Auch hier setzt die Hilfe der deutschen Sektion der „Hilfsaktion Märtyrerkirche“ an. In Zusammenarbeit mit dem „Jordan Evangelical Committee for Relief and Development“ beteiligt sie sich an den Kosten des Wiederaufbaus christlicher Schulen und Kindergärten im irakischen Kirkuk, Mossul, Bagdad und Basra. Auch die aus dem Irak geflohene Christen erhalten über christliche Gemeinden in Jordanien, im Libanon und in Syrien Hilfe der HMK: „Eier, Reis, Mehl, Zucker, Bohnen, Seife, Süßigkeiten für die Kinder – Tausende Menschen müssen versorgt werden, Tag für Tag. Wer gebrechlich wird, kann sich darauf verlassen, gepflegt zu werden. Doch die Männer, die es gewohnt sind, mit harter Arbeit ihr Brot zu verdienen, suchen verzweifelt nach Arbeit. Nicht selten werden sie hochmütig abgewiesen. Nach Monaten entsteht ein Gefühl der Überflüssigkeit. Niemand braucht einen, niemand hat auf die Flüchtlinge gewartet. Hier kann nur einfühlsame Seelsorge helfen, wie sie die vielen Geistlichen tun. Zu ihnen zählt Pastor Ebrahim Samara aus Damaskus. In seiner evangelischen Nazareth-Gemeinde drängen sich die Flüchtlinge, die um Hilfe bitten.“
Doch der HMK geht es nicht allein um die Opferbetreuung. Ihre Aktivitäten sind vielfältiger. So finanziert sie gemeinsam mit ihren englischen und niederländischen Schwesterorganisationen eine geheime Lebens- und Glaubensschule in China. Der HMK zufolge werden dort zwischen 40 und 50 junge Menschen für den Gemeindedienst ausgebildet. In zwei Abschnitten von je zehn Monaten Unterricht und einem Monat Praktikum in einer Gemeinde werden die jungen Leute „intensiv vorbereitet, auch auf eventuelle Gefängnisaufenthalte“. Parallel dazu errichtete die HMK im rumänischen Pascani das Kinderheim AGAPE und unterstützt – „aus Sorge, daß die Christen durch buddhistische Beamte und hinduistische Rebellen bei der Spendenverteilung benachteiligt werden“ – in Sri Lanka die christlichen Flutopfer.
Verstoß gegen das Gebot der Nächstenliebe
Nichtsdestotrotz stehen derzeit gerade die Bruchlinien zwischen Islam und Christentum im Fokus. Und so erklärte der Geschäftsführer der HMK, Klaus-Reiner Latk, seine Sicht der Dinge: „Wir bemühen uns sehr, mit unseren Berichten über die verfolgten, geschundenen oder getöteten Christen in islamischen Ländern nicht Muslime zu verklagen. Das verstieße gegen das Gebot der Nächstenliebe. Wir schildern die Situation unserer Glaubensgeschwister, um Hilfe zu organisieren, um den angerichteten Schaden zu lindern. Aber vielleicht empfinden die Muslime unsere Hilfe für die Opfer der Christenverfolgung auch als Provokation, wie eine Karikatur von Mohammed.“
Die HMK gibt monatlich die „Stimme der Märtyrer“ heraus. Weitere Infos: www.h-m-k.org oderbei der HMK, Tüfinger Str.3, 88690 Uhldingen-Mühlhofen, Tel.: 0 75 56 / 92 11-0
Stichwort: Christliche Hilfsorganisationen
Zur besseren Koordinierung der Hilfe hat sich die deutsche Hilfsaktion Märtyrerkirche mit ihren dreizehn Schwesterorganisationen unter dem Dach der International Christian Association zusammengefunden. Dazu zählen The Voice of the Martyrs (Australien, Kanada, Neuseeland, USA), Hulp Aan De Verdrukte Kerk (Belgien), A Voz De Los Martires (Brasilien), La Voz De Los Martires (Costa Rica), Stefanus-Lahetys Ry (Finnland), Release International (Großbritannien), Stichting De Ondergrondse Kerk (Niederlande), Missionen Martyrernas Rost (Schweden), Christian Mission International (Südafrika) und Pomoc pronasledovane Cirkvi (Tschechien). Neben der Märtyrerkirche kümmern sich in Deutschland u.a. folgende Organisationen um verfolgte Christen: Christian Solidarity International–Deutschland (CSI), das Aktionskomitee für verfolgte Christen (AVC), Open Doors, Licht im Osten, Kirche in Not.
Gewalt und Terror gegen Gläubige
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts sind weltweit Millionen Christen wegen ihrer Religion in Gefahr
Weltweite Verfolgung von Christen
Christliche Hilfsorganisationen wie die Hilfsaktion Märtyrerkirche oder die Christian Solidarity International (CSI) schätzen, daß weltweit um die 200 Millionen Menschen wegen ihres Bekenntnisses zu Jesus verfolgt oder benachteiligt werden. Parallel dazu bezahlten pro Jahr bis zu 175.000 Christen für ihren Glauben mit dem Leben. Die abgebildete Weltkarte gibt einen Überblick über die Brennpunkte christlicher Diskriminierung. Sie basiert auf einer Veröffentlichung der Hilfsaktion Märtyrerkirche (siehe Seite 12), die, wie unten erklärt, zwei Grade der Diskriminierung unterscheidet. Die CSI unterscheidet unter sechs Grade und führt Saudi-Arabien und Nord-Korea in der Rubrik „Dauernd schwerste Verletzung der religiösen Grundfreiheiten“. Algerien, Libyen, Sudan, Tibet, Burma, Iran und die Malediven finden sich unter „Schwere Verletzung der religiösen Grundfreiheiten“. Näheres ist im Internet abrufbar unter: www.csi-schweiz.ch/weltkarte_religionsfreiheit.ph p
Manastirli Hamdi
09.03.06, 00:52
Die Märtyrer sind zurückgekehrt
Polen: Die Sankt-Benedikt-Stiftung erinnert in Posen an ermordete Christen und stößt damit auf Kritik / Moslem-Verband sieht Provokation
Lukas Garnis
In unserem Jahrhundert sind die Märtyrer zurückgekehrt“, so überschrieb die polnisch-katholische Sankt-Bene-dikt-Stiftung Plakate, die sie Ende Februar in den Straßenbahnen der Stadt Posen aufhängen ließ. Auf den etwa dreihundert großformatigen Postern waren christliche Märtyrer abgebildet, die in letzter Zeit in Pakistan, Ägypten, der Türkei oder Indonesien umgebracht wurden.
Die Kampagne, die gleichzeitig zur Kreuzwegandacht auf dem Mickiewicz-Platz in Posen einladen sollte, erregte nun allerdings bei den Vertretern des Islam einen Sturm des Protestes. Der Vizepräsident des Verbandes der polnischen Moslems, Józef Konopacki, brachte die Plakataktion sogar in Verbindung mit dem Streit um die dänischen Mohammed-Karikaturen und sprach von einer „Provokation“.
In Polen sind die Christen in einer bequemen Lage
„Wir haben das im Geiste der christlichen Solidarität mit jenen getan, die für ihren Glauben leiden“, entgegnete der Vorsitzende der Sankt-Benedikt-Stiftung, Boguslaw Kiernicki, gegenüber Pressevertretern. „In Polen sind die Christen in einer bequemen Lage, aber in anderen Ländern ist das nicht so.“ Den Vorwurf der Provokation wies Kiernicki entschieden zurück: „Wir hätten uns niemals vorstellen können, daß die Darstellung christlicher Märtyrer jemanden verletzten könnte.“
Sankt-Benedikt-Stiftungsmitglied Piotr Pilarczyk erwiderte der Plakat-Kritikern: „Das sind keine anti-islamischen Plakate. Wir konzentrieren uns auf die Verfolgten, nicht auf die Verfolger.“ Gleichzeitig räumt Pilarczyk aber ein, daß die Täterrolle sich nicht ausschließlich auf Muslime beschränkt, sondern auch Christen sich der Verfolgung aus religiösen Motiven schuldig machen.
„Das ist kein Weg zum Dialog mit dem Islam. Das sind Vorwände, um einen Konflikt zu schüren“, kritisierte hingegen der Warschauer Arabistik-Professor Janusz Danecki vom SWPS-Institut. „Die Menschen haben ein Recht, Opfer von religiöser Verfolgung zu zeigen. Diese Plakate jedoch werden im Zusammenhang mit dem letzten Aufstand der islamischen Welt, die durch die Mohammed-Karikaturen gekränkt wurde, wahrgenommen.“
Eine ähnliche Plakataktion in den öffentlichen Verkehrsmitteln der Hauptstadt Warschau wurde nun nicht genehmigt. Ein Sprecher der Warschauer Verkehrsgesellschaft erklärte, daß die Werbefläche nicht zu Verfügung gestellt werde, weil sich zunächst die Emotionen um die Mohammed-Karikaturen aus Dänemark legen müßten. Solche „Emotionen“ äußerten sich zwar nicht innerhalb Polens, aber die polnischen Streitkräfte haben derzeit mehrere tausend Soldaten im Irak stationiert. „Das Risiko, daß unsere Plakataktion politisch aufgefaßt werden könnte, hat uns nicht von der Pflicht befreit, daran zu erinnern, daß Menschen aus religiösen Gründen umgebracht werden“, erklärte Kiernicki zur erfolgten Absage aus Warschau.
Mit der Überschrift der Plakataktion „Märtyrer des 21. Jahrhunderts“ bedient sich die Sankt-Benedikt-Stiftung übrigens eines Zitats des im vergangenen Jahr verstorbenen, aus Polen stammenden Papstes Johannes Paul II. „In unserem Jahrhundert sind die Märtyrer zurückgekehrt, häufig unbekannt, gleichsam ‘unbekannte Soldaten’ der großen Sache Gottes. Soweit als möglich dürfen ihre Zeugnisse in der Kirche nicht verlorengehen“, schrieb der Heilige Vater 1994 in seinem apostolischen Brief zur Vorbereitung auf das Kirchenfeierjahr 2000. „Wie beim Konsistorium empfohlen wurde, muß von den Ortskirchen alles unternommen werden, um durch das Anlegen der notwendigen Dokumentation nicht die Erinnerung zu verlieren an diejenigen, die das Martyrium erlitten haben“, so Johannes Paul II.
Angesichts der traditionell der in der im polnischen Volk tief verankerten Katholischen Kirche (neunzig Prozent Katholiken, siebzig Prozent auch praktizierend) scheint es nicht verwunderlich, daß die katholische Stiftung sich an die Worte des Vatikans hält und diese auch aktiv in die Tat umsetzt. Von den 38,6 Millionen Einwohnern Polens bekennen sich nur etwa 30.000 zum Islam – meist Tataren im ostpolnischen Podlachien und in Podolien, das im 17. Jahrhundert kurzzeitig zum Osmanischen Reich gehörte.
Katholische Aktivisten stößen in letzter Zeit übrigens häufiger auf Widerspruch – auch aus den eigenen Reihen. So befaßte sich die polnische Bischofskonferenz im Januar mit dem konservativ-katholischen Radio Maryja. Der in Thorn (Torun) ansässige und von polnischen Intellektuellen belächelte Sender von Pater Tadeusz Rydzyk erreicht täglich etwa vier bis fünf Millionen Hörer und ist damit der viertgrößte Polens.
Im Wahlkampf 2005 hatte Radio Maryja einseitig die jetzige Regierungspartei, die konservative PiS von Präsident Lech Kaczynski, unterstützt. „Das Engagement in der Politik ist nicht Ziel der Kirche, man muß etwas tun, wenn das einige Geistliche vergessen“, mahnte daher der als „liberal“ geltende Bischof Tadeusz Pieronek.
Die Märtyrer-Plakate sind im Internet abrufbar: www.christianitas.pl/c/podstrony/?id=663
Christen werden nicht bedient
Pakistan: Im Zuge der Proteste gegen die Mohammed-Karikaturen hat sich die Lage religiöser Minderheiten weiter verschlechtert / Kirchen angezündet
Beatrix Madl
Leidtragende der gewaltsamen Proteste gegen die Mohammed-Karikaturen sind in Pakistan vielfach vor allem Christen. Der Vorwurf der Gotteslästerung bietet Islamisten einen willkommenen Anlaß, gegen Andersgläubige vorzugehen. So kam es jetzt auch im Ort Sukkur in der Provinz Sindh zu Ausschreitungen, bei denen die aufgebrachte Menge die anglikanische Erlöserkirche und die katholische Marienkirche anzündete.
Auch hier ging es um den Vorwurf der Gotteslästerung, den ein Muslim gegen seinen christlichen Schwiegervater erhoben hatte. Die beiden Männer stritten sich bereits seit längerem um ein Stück Land. Der Schwiegervater sah sich schließlich mit dem Vorwurf konfrontiert, Seiten aus dem Koran verbrannt zu haben, was den pakistanischen Straftatbestand der Blasphemie erfüllen würde.
In Pakistan leben etwa zwei Prozent Christen, meist Nachfahren von kastenlosen Hindus, die zum Christentum konvertierten. Sie werden ohnehin schon im Alltag diskriminiert. So hängen in einigen Geschäften Anschläge mit der Aufschrift „Christen werden nicht bedient“. Die Christen, die meist pauschal mit „Amerika“ und „dem Westen“ identifiziert werden, sind zunehmend verunsichert, denn die gewaltsamen Demonstrationen reißen nicht ab: Nach dem jüngsten Besuch von US-Präsident George W. Bush in Pakistan haben in der Stadt Karatschi Zehntausende gegen die Darstellungen des Propheten demonstriert.
Hinter dem Marriott-Hotel, das in unmittelbarer Nachbarschaft zum US-Generalkonsulat gelegen ist, kam es zu einem Bombenanschlag, bei dem vier Menschen getötet und viele Passanten verletzt wurden. Zuvor kamen bereits mindestens fünf Menschen, darunter auch ein Kind, bei gewaltsamen Protesten ums Leben. Die Instrumentalisierung des Gotteslästerungsvorwurfs, die auf internationaler Ebene neu ist, wird in Pakistan schon seit Jahrzehnten wirksam praktiziert. Dort gibt es schon seit der Militärdiktatur des Generals Mohammed Zia-ul-Haq (1977 bis 1988) detaillierte Gesetze gegen Blasphemie, deren weltweite Durchsetzung jüngst sogar die oberste Rechtsautorität des sunnitischen Islam, der Scheich der Al-Azhar-Universität in Kairo, Mohammed Sayyid Tantawi, forderten.
Diskriminierende Gesetze gegen Christen und Ahmadi-Muslime
Auf die Beleidigung, Herabsetzung und Schändung des Propheten Mohammed steht laut Paragraph 295/C des pakistanischen Strafgesetzbuches die Todesstrafe, auf Blasphemie gegenüber dem Koran lebenslange Haft. In der Rechtspraxis richten sich diese Bestimmungen fast ausschließlich gegen Christen und Ahmadi-Muslime. Zudem wurden mehrere Blasphemie-Angeklagte vor dem Schuldspruch von islamischen Fanatikern in Lynchjustiz ermordet.
Nach Erkenntnissen der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) aus Frankfurt am Main ist der Gotteslästerungsvorwurf sogar ein häufig gebrauchtes Mittel, in privaten Auseinandersetzungen doch noch die Oberhand zu gewinnen. So wird der Vorwurf gerne zwischen schon längst zerstrittenen Nachbarn oder alten Konkurrenten erhoben. Die Menschenrechtsorganisation kämpft derzeit für den Fall Pervaiz Masih. Der christliche Schulleiter sitzt schon seit rund fünf Jahren im Gefängnis, nachdem ihm der muslimische Direktor einer anderen Schule der Beleidigung des Propheten Mohammed bezichtigt hatte. Den Erkenntnissen der Frankfurter Organisation zufolge soll die pakistanische Justiz den Prozeß vor sich herschieben, schlicht aus Angst vor dem Mob. Schließlich wurde vor einigen Jahren in Lahore ein muslimischer Richter nur deswegen von Extremisten erschossen, weil er einen wegen Blasphemie angeklagten Christen freigesprochen hatte.
International bekannt wurde der Mißbrauch der Gotteslästerungsverbote durch den öffentlichen Selbstmord des katholischen Bischofs John Joseph im Mai 1998. Zeugen zufolge habe der Würdenträger damit auf das Todesurteil reagiert, das gegen den christlichen Bauern Ayub Masih verhängt worden war. Ayub Masih hatte eine zivilrechtliche Auseinandersetzung mit seinem Lehnsherrn geführt, der ihn schließlich der Beleidigung des Propheten Mohammed beschuldigte.
„In den letzten Jahren hat sich in vielen Regionen Pakistans der religiöse Extremismus unter Muslimen gesteigert“, heißt es in einer Erklärung der IGFM. Am Ende des vergangenen Fastenmonats Ramadan etwa schoß eine Gang von 13 jungen Muslimen in dem Dorf Niale da Wara in der Provinz Punjab auf christliche Mitbürger, verletzte dabei den Gemeindepfarrer und verprügelte zudem christliche Frauen und Kinder.
In den letzten Jahren kam es mehrfach zu ähnlichen Ausschreitungen, infolge derer rund 40 von 60 christlichen Familien von dort wegzogen. Der pakistanischen Menschenrechtsorganisation CLAAS liegen zudem zahlreiche Fälle vor, in denen islamische Extremisten christliche Mädchen und verheiratete Frauen entführten, vergewaltigten und gewaltsam zur Konversion zum Islam zwangen. Die Opfer können sich dagegen kaum wehren, da sie als Frauen und Christinnen vor Gericht ungleich behandelt werden.
An der Spitze dieses Extremismus steht in Pakistan die PKN-Bewegung, die sich (frei übersetzt) „Bewahrer des abschließenden Prophetentums Mohammeds“ nennen. Die PKN wurde speziell gegründet, um gegen Andersgläubige vorzugehen, auch außerhalb der pakistanischen Grenzen. Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes verfolgt sie Einzelne sogar in Deutschland. Offiziell ist die pakistanische Regierung unter Pervez Musharraf religiös gemäßigt und am Kampf gegen den islamischen Terror beteiligt, für den sie bei seinem Besuch sogar das Lob des US-Präsidenten erhielt.
Zudem hat Islamabad kürzlich dem radikalislamischen Hasba-Gesetz, das eine rigide Religionsüberwachung vorsieht, eine Absage erteilt. Die IGFM kritisiert aber: „Der Regierung in Islamabad ist es trotz zahlreicher Ankündigungen bis heute nicht gelungen, Angehörige religiöser Minderheiten vor dem Terror durch islamistische Straftäter zu schützen.“
Viele Beobachter zweifelten den tatsächlichen Willen der Regierung Musharraf an, die Härte des Gesetzes tatsächlich gegenüber militanten Islamisten anzuwenden, heißt es in einer Erklärung der Menschenrechtsorganisation. Fest steht, daß mit der Hetze gegen religiöse Minderheiten die „Talibanisierung“ Pakistans zugenommen hat. Für Christen wird es immer schwerer, in dem Land zu leben.
Lol,nochmehr solcher Paranoiden... die Junge Freiheit muss ja noch ganz schön Jung sein :lach:
deryatulga
09.03.06, 17:47
Lol,nochmehr solcher Paranoiden... die Junge Freiheit muss ja noch ganz schön Jung sein :lach:
Ich kann euch noch einen Junge Freiheit Autor vorstellen. Tamer Bacinoglu. Vor dort aus richtete er seine Giftpfeile gegen die Türkei. Dann bekam er wohl Heimweh und konstruierte die dümmste Theorie aller Zeiten gegen deutschen Stiftungen in der Türkei. Gündüz Akcam versuchte ihn unter dem Dach von ASAM als Vordenker zu verkaufen, es scheint so, dass er sich hinter den theologischen Gehversuchen von Aktan gestellt hat.
Was der aufgeweckte Bacinoglu von Raddatz hielt, war folgendes:
Der Verfasser, ein promovierter Orientalist, kennt sich in der Region bestens aus und ist nicht zuletzt dank seiner enormen Wirtschaftskenntnisse imstande, die Entwicklungen übersichtlicher und vor allem viel realistischer zu analysieren als seine Fachkollegen. In Deutschland, wo es von Islam- und Orientexperten wimmelt, die die gesellschaftlichen Strukturen des Orients anhand der andalusischen Liebespoesie zu erfassen suchen, bildet Raddatz ein bemerkenswertes Unikat
Tamer Bacinoglu, islamischer Theologe, im linksliberalen Wirtschaftsblatt Dünya, Istanbul 24.8.2001.
So, heute habe ich mein Soll am Fettnäpchentreten erfüllt.
Manastirli Hamdi
09.03.06, 17:50
Ich kann euch noch einen Junge Freiheit Autor vorstellen. Tamer Bacinoglu. Vor dort aus richtete er seine Giftpfeile gegen die Türkei. Dann bekam er wohl Heimweh und konstruierte die dümmste Theorie aller Zeiten gegen deutschen Stiftungen in der Türkei. Gündüz Akcam versuchte ihn unter dem Dach von ASAM als Vordenker zu verkaufen, es scheint so, dass er sich hinter den theologischen Gehversuchen von Aktan gestellt hat.
Was der aufgeweckte Bacinoglu von Raddatz hielt, war folgendes:
Der Verfasser, ein promovierter Orientalist, kennt sich in der Region bestens aus und ist nicht zuletzt dank seiner enormen Wirtschaftskenntnisse imstande, die Entwicklungen übersichtlicher und vor allem viel realistischer zu analysieren als seine Fachkollegen. In Deutschland, wo es von Islam- und Orientexperten wimmelt, die die gesellschaftlichen Strukturen des Orients anhand der andalusischen Liebespoesie zu erfassen suchen, bildet Raddatz ein bemerkenswertes Unikat
Tamer Bacinoglu, islamischer Theologe, im linksliberalen Wirtschaftsblatt Dünya, Istanbul 24.8.2001.
So, heute habe ich mein Soll an Fettnäpchen erfüllt.
Wie kam es denn zur Bekehrung des Tamer B.? Karriere? Erleuchtungserfahrung? Bitte in einen separaten thread beantworten...
deryatulga
09.03.06, 17:56
Wie kam es denn zur Bekehrung des Tamer B.? Karriere? Erleuchtungserfahrung? Bitte in einen separaten thread beantworten...
Es lohnt sich wirklich nicht, sich mit den Grenz- und Erleuchtungserfahrungen dieser Herren näher zu beschäftigen. Genau wie am Beispiel von Sefa Martin Yürükel. Damit hier kein falscher Eindruck entsteht, habe ich mich über den Fall Bacinoglu auch im "Radikal" zu Wort gemeldet. Im Westen ist also nichts Neues!
Milli olmak meselesi
Yok burada belden aşağı konulara dalacak değiliz.
Ancak Aktan'ın son derece gururla bahsettiği kitabı, ki kendisi bunu diğer iki büyükelçi ile birlikte Yalçın Küçük'ün tavsiyelerine uyarak yazmış, sadece kendimiz okumakla kalmadık, bazı yabancı uyruklulara da okutarak fikir aldık. L.S.
Senghor Batılılara şirin gözükme yarışına girerken 'Negritude' kavramıyla zevahiri kurtaracağını sanmıştı. Bizim üç silahşorların
savları ise en hafifinden saygı uyandıran cinsten
değiller. Bir de sormak isteriz, sayın Aktan'ın ihtisası ne zamandan beri kültür tarihçiliği, sosyologluğu ve filozofluğu oldu? Kendi devletinin hükümetine Alman aşırı sağının desteğinde atmadığı iftirayı bırakmayan Tamer Bacınoğlu ile dirsek teması kurulunca mı milli olunuyor? Ve unutmasın ki o kitap daha nice zırvalarla dolu başkalarına eskort yapma görevini
yüklenmişti. Özal sağ olsaydı da bazı gerçekleri
onun ağzından duysaydık
Bacınoğlu hayranlarına!
İnternet çıktı, mertlik bozuldu! Bacınoğlu Alman aşırı sağının dergisi 'Neue Freiheit'a 11 Nisan 1997 tarihinde iki makale birden yazmış. Birisi Türkeş hakkında, öbürü de Türkiye'de yükselen Alman düşmanlığını evire çevire benzeten bir yazı. Aynı Bacınoğlu'nun 1998 ortalarında yine Gündüz Aktan tarafından bugünkü kimliği ile lanse edilmesi, söylediklerine kanan Necip Hablemitoğlu'nun acı hikayesi, vs. Okumayı, öğrenmeyi ve düşünmeyi şiar edinmek bazılarına
küfür gibi geliyor anlaşılan!
Fehmi Koru cevap istyor!
Daha düne kadar köylü kurnazlığı ile AB kapılarının zorlanabileceğini sanan sayın Aktan
kendi kafasına uydurduğu Turgut Özal'ın adını da kullanarak Türkiye'nin kimliği konusunda 'gayrı milli' saptamasını çok aşacak nitelikte bir kitap yazmıştı. Özal'ı son dakikada birileri uyarmış olmalı ki bu kitap Türk kamuoyundan saklandı. Aktan 'Büyük Şizma' denen olaydan bihaber, Türk olan her şeyin aslında Bizans mirası olduğu gibi cevherlerle birilerinin gözünü boyayacağını sanmıştı. Emekleri boşa gidince de hayranlıkla kapılarını çaldığı adamlara can düşmanı kesildi. Bu ünlü kitabın akıl hocaları arasında Yalçın Küçük'ün de adı geçmekte. Şimdi ise umudumuzun Tamer Bacınoğlu olduğu anlaşılıyor. Türkiye bundan 20 yıl önce yetenekli yabancı öğrencilere hedefli burs verseydi, onlar bile ülkemizin çıkarlarını korumakta bazı sığda yüzen rüzgar güllerine fark atardı. Tezgahı bozulanın cündi kesildiği bir ülkedeyiz.
Vural Savaş okumuş yeter!
Türkiye'de kendini aydın sananların ellerine geçirdikleri ilk kitapta hoşlarına giden bir şeyler varsa, bu kitaba 'Temel Kitap' adı verilir. T.Bacınoğlu'nun boş sözlerine kapılan Vural Savaş'ın açtığı dava ne oldu? 1970'den beri ikamet ettiğimiz, polisinin ve adliyesinin ne olduğunu pek çok somun pehlivanından daha iyi bildiğimiz Almanya hakkında da ders almaya ihtiyacımız yok. T.Bacınoğlu ile T.Akçam bir madalyanın iki yüzü gibidirler. Ayrı cepheleri savunur gibi görünüp laf kalabalığı ile elalemi
uyutabildiklerini sanırlar. 'Bilimsel' izleri sürüldüğünde varılacak adres aynıdır. Anlamayanlara tekrarlayalım: Bu milletin boş laflara ve kof kitaplara kaptıracak parası artık
kalmamıştır. Gündüz Aktan'a gelince şirinlik muskası takarak Avrupa kapılarına dayandığında Türkler'e karşı olan önyargılar ve ırkçı dışlamalardan haberi yokmuydu?
Manastirli Hamdi
15.03.06, 23:01
© JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. 12/06 17. März 2006
Für Scheingefechte keine Zeit
Einwanderung: Debatte um Integrationspolitik / Parallelgesellschaften entwickeln sich zu aggressiven Gegengesellschaften
Doris Neujahr
In der deutschen Presse findet eine heftige Debatte zur Integrationspolitik statt, die zur Hälfte eine Scheindebatte ist. Ausgelöst wurde sie durch einen Offenen Brief in der Zeit vom 2. Februar, den zwei „Migrationsexperten“ verfaßt haben, der Psychologe und frühere Spex-Redakteur Mark Terkessidis aus Köln sowie Yasemin Karakasoglu, Professorin an der Universität Bremen, Fachgebiet Interkulturelle Bildung. Weitere 60 „deutsche Migrationsforscher“ haben sich angeschlossen.
In Deutschland, so der Tenor des Schreibens, würden drei Autorinnen eine Aufmerksamkeit genießen, die sie nicht verdient hätten, die sogar gefährlich sei. Es handelt sich um die Soziologin Necla Kelek („Die fremde Braut“), die niederländische Politikerin Ayaan Hirsi Ali („Ich klage an“) und die Berliner Rechtsanwältin Seyran Ates („Große Reise ins Feuer“). Alle drei Frauen stammen aus islamischen Ländern und leben seit langem im Westen. Hirsi Ali wird von der Fatwa bedroht, Ates hat nur knapp einen Mordanschlag von Fanatikern überlebt.
Ihre Bücher werfen einen kritischen Blick auf sogenannte Parallelgesellschaften, die längst dabei sind, sich zu aggressiven Gegengesellschaften zu entwickeln. Es handele sich aber, verbreitet der Offene Brief, nur „um reißerische Pamphlete, in denen eigene Erlebnisse und Einzelfälle zu einem gesellschaftlichen Problem aufgepumpt werden“. Besonders empört es Verfasser und Unterzeichner, daß die Autorinnen die „‚Integration‘ in die deutsche, sprich westliche Gesellschaft“ empfehlen. Außerdem würde mißachtet, daß sich in Deutschland „eine quantitativ und qualitativ empirische Migrationsforschung entwickelt, die international anschluß- und konkurrenzfähig“ sei. Die natürlich von den Unterzeichnern vertreten wird.
Kelek wird vorgeworfen, heute zu ganz anderen Schlußfolgerungen zu kommen als noch in ihrer Dissertation vor drei Jahren. Könnte das nicht auch mit der Stickluft, fehlenden Forschungsfreiheit und den Denkverboten an deutschen Universitäten zusammenhängen? Kelek jedenfalls hat erwidert, es habe ihren Gegnern ja freigestanden, ebenfalls die Fragen zu stellen, die sie nun aufgeworfen hat. Sie paßten aber nicht in die Ideologie des Multikulturalismus.
Wem verdankt sich die Resonanz für Kelek, Hirsi Ali und Ates? Einer rechten Verschwörung? Eine lächerliche Annahme. Es ist viel einfacher: Der Mord an Theo van Gogh, die Krawalle in Paris, der Karikaturenstreit und besorgniserregende Entwicklungen im Alltag unserer Städte haben wie ein Weckruf gewirkt. Nichts davon hatte die etablierte, von Rot-Grün gehätschelte „Migrationsforschung“ reflektiert und antizipiert. Sie hat sich als irrelevant erwiesen und zittert nun vor Angst, daß sich das herumspricht und ihr der Geldhahn abgedreht wird.
Der Brief transportiert einen impliziten Rassismus-Vorwurf gegen die deutsche Gesellschaft. Wes Geistes Kind seine Unterzeichner sind, zeigt ihre Bemerkung über die Zwangsehe. Sie sei „das Ergebnis der Abschottungspolitik Europas gegenüber geregelter Einwanderung. Wenn es keine transparenten Möglichkeiten zur Einwanderung gibt, nutzen die Ausreisewilligen eben Schlupflöcher. Das ist ein politisches und kein moralisches Problem.“ Den letzten Satz greifen wir gerne auf. Ohnehin wird auf diesem Gebiet zuviel moralisiert. Politisch betrachtet, kann von einer Verpflichtung, für Ausreisewillige aus dem islamischen Kulturkreis „Möglichkeiten zur Einwanderung“ nach Europa zu schaffen, überhaupt nicht die Rede sein. Diese „Pflicht“ erscheint erst innerhalb eines apolitischen Moraldiskurses plausibel, womit die Argumentation in sich zusammenfällt. Was würde eine „geregelte Einwanderung“ überhaupt bedeuten? Der deutsche Staat müßte prüfen, ob, in welchem Maße und welcher Qualität er Zuwanderer benötigt. Dann müßte er von den Bewerbern Sprachkenntnisse Führungszeugnisse sowie Nachweise über Arbeit, Versicherung und Wohnung verlangen. Zu dieser rationalen Einwanderungspolitik hat Deutschland aber nie die Gelegenheit gehabt.
Diese Tatsache, und nicht ein grassierender „Rassismus“, ist der Grund dafür, daß Deutschland sich mit der Zuwanderung so schwertut. Häufig wird darauf verwiesen, daß Deutschland sie mit dem Ruf nach Gastarbeitern ja selbst in Gang gesetzt habe. Jedoch wolle man bis heute nicht wahrhaben, daß mit den Arbeitskräften eben auch Menschen gekommen seien. Nun, die Anwerbung wurde bereits 1973 gestoppt, erst danach nahm der Zustrom dramatische Ausmaße an. Im übrigen ist die deutsche und ökonomische Binnenperspektive viel zu eng, um die Entwicklung zu erfassen. Es haben auch außenpolitische und militärstrategische Überlegungen eine Rolle gespielt, auf die Deutschland nur einen begrenzten Einfluß hatte, für deren Folgen es aber aufkommen mußte. Nehmen wir die Türkei, aus der seit den frühen sechziger Jahren die meisten „Migranten“ kommen.
Das Land war damals innenpolitisch äußerst labil, es gab Militärrevolten, Putschversuche, Regierungskrisen. 1963 wurde ein Fünf-Jahrplan zur Konsolidierung der Staatsfinanzen, zur Steigerung des Exports und Schuldenabdeckung verabschiedet. 1964 brach auf Zypern ein Bürgerkrieg aus, die Türkei intervenierte. Weil die Türken mit der Haltung des Westens unzufrieden waren, begannen sie, sich der Sowjetunion anzunähern – eine Katastrophe. Der Nato-Partner mußte stabilisiert werden. Der Export überschüssiger Arbeitskräfte und die Armutswanderung nach Deutschland entspannte die innenpolitische Lage.
In diesem Zusammenhang ist auch das ungewöhnlich großzügige Sozialabkommen von 1965 zu sehen, durch das die Großfamilien türkischer Arbeitnehmer in Deutschland mitversichert sind. Geht man wirklich fehl mit der Vermutung, daß der souveräne Entscheidungsspielraum Deutschlands in dieser Frage minimal gewesen ist? Die wichtigste Schleuse für den Asylbewerber war West-Berlin, die zu schließen ebenfalls nicht in der deutschen Souveränität lag. Der Zustrom von Arabern ab den frühen achtziger Jahren war eine direkte Folge des arabisch-israelischen Konflikts – für Deutschland eine besonders delikate Angelegenheit. Vom Asylmißbrauch vor und nach 1990 und dem ohrenbetäubenden Geheule der linksliberalen Medienmacht ganz zu schweigen.
Zusammenfassend läßt sich festhalten, daß die Zuwanderung zu einem großen Teil auf Grundlage der eingeschränkten Souveränität Deutschlands, damit aber als eine Perpetuierung der deutschen Niederlage und als fortgesetzte kollektive Kränkung stattfand. Erst wenn dieser Zusammenhang realisiert wird, kann man mit einer rationalen Argumentation und Politik beginnen. Für Scheingefechte ist keine Zeit mehr.
© JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. 12/06 17. März 2006
1964 brach auf Zypern ein Bürgerkrieg aus, die Türkei intervenierte. Weil die Türken mit der Haltung des Westens unzufrieden waren, begannen sie, sich der Sowjetunion anzunähern – eine Katastrophe. Der Nato-Partner mußte stabilisiert werden. Der Export überschüssiger Arbeitskräfte und die Armutswanderung nach Deutschland entspannte die innenpolitische Lage.
Was erzählt der da für ein Schwachsinn?
Was erzählt der da für ein Schwachsinn?
Das kannst Du laut sagen, habe seit langem so eine märchenhafte Erzählung nicht gehört:kafa:
Manastirli Hamdi
24.03.06, 12:49
www.jungefreiheit.de
© JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. 13/06 24. März 2006
Drakonische Wende
Wege aus der Krise: Deutschland braucht eine offensive Bevölkerungs- und eine restriktive Ausländerpolitik
Doris Neujahr
Mit Aplomb ist die deutsche Frage in die öffentliche Diskussion zurückgekehrt. Sie lautet ganz elementar, ob die Deutschen in der Lage sind und es für wert halten, als Volk zu überleben. Die demographischen Daten lassen für die Zukunft auf soziale Verwerfungen, den Verlust von Wirtschafts- und geistiger Spannkraft schließen. Die aktuellen Probleme der Renten- und Krankenkassen sind nur das Donnergrollen, welches von ferne das eigentliche Gewitter ankündigt. Es geht um das staatliche, gesellschaftliche und kulturelle Gefüge des Landes. Verschärft werden die Probleme durch die katastrophal falsche Zuwanderungspolitik der letzten Jahrzehnte.
Für die eingetretene Lage sind zunächst allgemeine zivilisatorische Entwicklungen ursächlich. Eine wesentliche ist die Möglichkeit massenhafter Teilhabe an der Konsumgesellschaft, die – von vielen zum zentralen Lebenszweck überhöht – zu keinem Massenglück geführt, sondern eine Spirale weiterer Konsumwünsche in Gang gesetzt hat. Das hat zu einer Neujustierung persönlicher Prioritäten geführt.
Die Situation hat aber auch mit dem Verzicht auf Politik, konkret: mit dem Verzicht auf eine offensive Bevölkerungspolitik zu tun. Es ist paradox: Noch immer werden hierzulande größere Geldmassen für soziale Zwecke umgeschichtet als anderswo. Außerdem leistet Deutschland sich das am exzessivsten ausgeklügelte Steuerrecht der Welt. Wenn trotzdem das Wichtigste: die Förderung eines gesunden Familienlebens, grandios verfehlt wird, läßt das auf falsche oder fehlende Zielführung schließen.
Der zweite Aspekt des bevölkerungspolitischen Defizits: Statt um Menschen als neue Mitbürger zu werben, die über Hirn, Benimm und Kapital verfügen, hat die Bundesrepublik über Gebühr armes, ländliches, oft analphabetisches Volk in Massen angezogen. Zur Begründung hielt, wie gewöhnlich, das „Dritte Reich“ her! Der Mißerfolg der späten Green-Card-Aktion zeigt an, wohin das Land in den Augen der Tüchtigen und Talentierten dieser Welt damit gekommen ist. Sage mir, wer Deine Gesellschaft sucht, und ich sage Dir, wer Du bist! Wer unfähig ist, in der Politik als Subjekt zu agieren, wird zu ihrem Objekt degradiert. Carl Schmitt: „Dadurch, daß ein Volk nicht mehr die Kraft oder den Willen hat, sich in der Sphäre des Politischen zu halten, verschwindet das Politische nicht aus der Welt. Es verschwindet nur ein schwaches Volk.“
Man kann sich nun in das „Grandhotel Abgrund“ zurückziehen und versuchen, bei Spengler-Lektüre den bittersüßen Untergang des Abendlandes auszukosten. Apropos Spengler: Vieles von dem, was jetzt als neu und noch nie dagewesen heraustrompetet wird, hat er längst beschrieben, etwa die innere Zerfaserung des modernen Menschen, der für seine Existenz und ihre Fortsetzung in der Generativität keinen Grund mehr findet. Damit beginnt „eine entsetzliche Entvölkerung. Die ganze Pyramide des kulturfähigen Menschentums verschwindet. (...) Es entsteht der Typus des Fellachen.“ Die Fellachisierung läßt sich in Deutschland in zweierlei Form beobachten: in bestimmten, längst nichtdeutsch definierten Vierteln der Großstädte sowie in den hoffnungslosen, von den Klugen und Tatkräftigen verlassenen Landstrichen in der Ex-DDR.
Sogar den „Nie wieder Deutschland“-Krakeelern wird unbehaglich zumute. Wenn die derzeitige Entwicklung so weitergeht, wird ja nicht nur die Einwohnerzahl abnehmen. Viel entscheidender ist, daß parallel dazu der Anteil der Infantilen und Kulturunfähigen zunehmen wird. Diese werden ein beträchtliches politisches Potential darstellen und lautstark auf soziale Teilhabe pochen. Denkbar ist die sukzessive Enteignung der ohnehin dahinschmelzenden Schicht der Leistungsträger mit dem Argument des „sozialen Friedens“, der gewahrt werden müsse. Das wiederum wird die nachwachsende Elite außer Landes treiben, was schließlich den Sozialdarwinismus weiter verschärft.
Zusätzlich wird der Generationenkonflikt eskalieren. Weil aufgrund fortschreitender Vereinsamung und Bindungslosigkeit die soziale Kontrolle nachläßt, rückt die gewaltsame Forcierung „sozialverträglichen Frühablebens“ (eine Wortschöpfung des ehemaligen Ärztekammerpräsidenten Karsten Vilmar) etwa in Alten- und Pflegeheimen in den Bereich des Möglichen. Ethnische und religiöse Konflikte werden sich mit dem Ressentiments zugewanderter bäuerlicher gegenüber urbanen Bevölkerungsschichten verbinden. Wer erlebt hat, wie kleine Gruppen junger Männer (die in Polizeiberichten „südländisch“ genannt werden) lautstark und raumgreifend S- und U-Bahnabteile betreten und die anderen Fahrgäste, obwohl in der Mehrheit, schlagartig in Angststarre verfallen, hat einen Blick in die mögliche Zukunft getan. Nein, auch das „Grandhotel Abgrund“ wird sich als ungemütlicher Ort erweisen.
Bleibt der Versuch, aus solcher Vorausschau und solchem Wissen Energien zu schöpfen, um die Entwicklung zu steuern. Das Politische muß neu entdeckt und kulturelle Techniken müssen wieder erlernt werden. Dazu müssen die Köpfe frei werden von der Dritte-Reich-Fixierung und dem aus ihr deduzierten Politik- und Traditionsverbot. Wenn Claudia Roth & Co. dann wie erwartet loskeifen, wird es nicht ausreichen, ihnen das Spengler-Wort entgegenzuhalten: „Sie gehören alle sich selbst und sind alle unfruchtbar!“ Man muß sie als Feinde der eigenen Zukunft identifizieren und attackieren.
Bevölkerungspolitik schließlich ist keine qualitätsneutrale Angelegenheit. Die finanzielle Begünstigung von Familien – und zwar mit Kindern! – muß ausgeweitet werden. Sie darf aber nur dort bedingungslos sein, wo Eltern willens und in der Lage sind, sich ein kulturelles und soziales Kapital zu erarbeiten und an ihre Kinder weiterzugeben. Wo die Gefahr naheliegt, lediglich Anreize zur Reproduktion von Sozialhilfeempfänger-Dynastien zu geben, in denen der Nachwuchs erneut verwahrlost, sind klare Verhaltensregeln aufzustellen und zu kontrollieren.
Vergleichbares gilt für die Ausländerpolitik. Anreize für Armutswanderung sind auf Null zu reduzieren, das dadurch freigewordene Geld ist in Bildung, Wissenschaft, lebensgerechten Stadtumbau und in eine vernünftige Integrationspolitik zu stecken. Für den zuletzt genannten Punkt stammen die mutigsten und klügsten Anstöße übrigens von Frauen, die aus dem islamischen Kulturkreis nach Deutschland gekommen sind. Doch alle Anstrengung bleibt erfolglos, wenn es nicht gelingt, eine neue Vorstellung von Fortschritt zu formulieren und zu praktizieren und das Glücksversprechen aus der rein materiellen in eine ideelle Sphäre zurückzuverlagern.
Der zweite Aspekt des bevölkerungspolitischen Defizits: Statt um Menschen als neue Mitbürger zu werben, die über Hirn, Benimm und Kapital verfügen, hat die Bundesrepublik über Gebühr armes, ländliches, oft analphabetisches Volk in Massen angezogen.
OHA!
Was für ein Menschenverachtendes Hetzblatt. :mad:
OHA!
Was für ein Menschenverachtendes Hetzblatt. :mad:
Auszug aus dem Artikel:
"Das wiederum wird die nachwachsende Elite außer Landes treiben, was schließlich den Sozialdarwinismus weiter verschärft."
Ich dachte eigentlich dieser "Sozialdarwinismus" gehört längst der Vergangenheit an. Aber anscheinend leben die wirklich in einer anderen Welt.
OHA!
Was für ein Menschenverachtendes Hetzblatt. :mad:
Kenne mehrere Ausländer, die in Deutschland seit Jahren leben (unter ihnen mehrere Türken), die diese eine Aussage aus der "Jungen Freiheit" mir im persönlichen Gespräch bestätigt haben.
So meinten Türken, dass die, die hier nach Deutschland kommen, nicht die Gleichen wären, die in der Türkei sind und bleiben. Also das tendenziell eher einfache Leute, nicht zur etablierten Oberschicht gehörend, nicht so gebildet etc.
Würde ja auch passen: Deutschland hat billig-willige "Arbeitssklaven" gebraucht und eher diese Unqualifizierten etc. eingeladen/angezogen, die von sich aus Möglichkeiten in ihrem Heimatland nicht hatten sich etwas aufzubauen. Sowas wie "Qualitätschecks" gab es nie (nicht so wie in anderen Ländern, wo man z.B. Geld mitbringen muss, um einzuwandern), weil es politisch nicht gewollt war und die Wirtschaft auch nie die Notwendigkeit gesehen hat.
Mittlerweile mache ich sowas wie einen Gegentrend aus, also in Deutschland gehts nach "unten" und die Leute hier, also Deutsche und Ausländer, zieht es eher weg von hier. Denn woanders gehts es nach "oben", auch in der Türkei.
Wo siehst Du dann bezogen auf diese eine Aussage dann genau "Menschenverachtung" und "Hetze"?
Ansonsten: Sehr cooles Foto in Deinem Profil!
Bilge Khan
24.03.06, 13:57
Kenne mehrere Ausländer, die in Deutschland seit Jahren leben (unter ihnen mehrere Türken), die diese eine Aussage aus der "Jungen Freiheit" mir im persönlichen Gespräch bestätigt haben.
So meinten Türken, dass die, die hier nach Deutschland kommen, nicht die Gleichen wären, die in der Türkei sind und bleiben. Also das tendenziell eher einfache Leute, nicht zur etablierten Oberschicht gehörend, nicht so gebildet etc.
Würde ja auch passen: Deutschland hat billig-willige "Arbeitssklaven" gebraucht und eher diese Unqualifizierten etc. eingeladen/angezogen, die von sich aus Möglichkeiten in ihrem Heimatland nicht hatten sich etwas aufzubauen. Sowas wie "Qualitätschecks" gab es nie (nicht so wie in anderen Ländern, wo man z.B. Geld mitbringen muss, um einzuwandern), weil es politisch nicht gewollt war und die Wirtschaft auch nie die Notwendigkeit gesehen hat.
Mittlerweile mache ich sowas wie einen Gegentrend aus, also in Deutschland gehts nach "unten" und die Leute hier, also Deutsche und Ausländer, zieht es eher weg von hier. Denn woanders gehts es nach "oben", auch in der Türkei.
Wo siehst Du dann bezogen auf diese eine Aussage dann genau "Menschenverachtung" und "Hetze"?
Ansonsten: Sehr cooles Foto in Deinem Profil!
Deins auch" elem tere fischhh kem gözlere sischh " Nazar deymez insallah !:lach:
Ich sage immer, die soziale Situation eines Menschen ist nicht ausschlaggebend dafür, ob er geachtet werden sollte oder nicht. Es mag stimmen, dass zum größten Teil "anatolische Bauern" nach Deutschland kamen, aber wurden diese Menschen nicht gerade dafür gebraucht, Schwerstarbeit zu leisten und sich die Hände schmutzig zu machen? Man hat von diesen Menschen nicht erwartet, dass sie der oberen Schicht angehören und schreit dafür heute umso lauter.
Und ich gehe noch weiter und behaupte, die Masse an ungeschulten Arbeitskräften bzw. an echten "Bauern" kamen nicht Anfang der 60iger oder 70iger, sondern später in den 80iger und 90iger Jahren. Als sich die ersten Türken hier niederließen und Familien nachgeholt wurden.
Erschreckender ist vorallem die Tatsache, dass die 3.und 4. Generation an jungen Türken es noch schwieriger haben, hier zu leben, als die 1. und 2. Generation. Behaupte ich nun einfach mal, denn heute ist die Debatte über die Integration und die Türken schärfer denn je. Heute fällt es einfacher den Sündenbock "Türke" dafür verantworlich zu machen, dass die Pisa-Studie nicht so toll war und die Sozialsysteme überlastet sind.
Bleibt abzuwarten, wie sich das alles entwickelt.
Ich sage immer, die soziale Situation eines Menschen ist nicht ausschlaggebend dafür, ob er geachtet werden sollte oder nicht. Es mag stimmen, dass zum größten Teil "anatolische Bauern" nach Deutschland kamen, aber wurden diese Menschen nicht gerade dafür gebraucht, Schwerstarbeit zu leisten und sich die Hände schmutzig zu machen? Man hat von diesen Menschen nicht erwartet, dass sie der oberen Schicht angehören und schreit dafür heute umso lauter.
...
Erschreckender ist vorallem die Tatsache, dass die 3.und 4. Generation an jungen Türken es noch schwieriger haben, hier zu leben, als die 1. und 2. Generation. Behaupte ich nun einfach mal, denn heute ist die Debatte über die Integration und die Türken schärfer denn je. Heute fällt es einfacher den Sündenbock "Türke" dafür verantworlich zu machen, dass die Pisa-Studie nicht so toll war und die Sozialsysteme überlastet sind.
Bleibt abzuwarten, wie sich das alles entwickelt.
Volle Zustimmung von meiner Seite!
Deckt sich mit meiner Erfahrung.
Merhaba Sahika,
Ich sage immer, die soziale Situation eines Menschen ist nicht ausschlaggebend dafür, ob er geachtet werden sollte oder nicht. Es mag stimmen, dass zum größten Teil "anatolische Bauern" nach Deutschland kamen, aber wurden diese Menschen nicht gerade dafür gebraucht, Schwerstarbeit zu leisten und sich die Hände schmutzig zu machen? Man hat von diesen Menschen nicht erwartet, dass sie der oberen Schicht angehören und schreit dafür heute umso lauter.
Und ich gehe noch weiter und behaupte, die Masse an ungeschulten Arbeitskräften bzw. an echten "Bauern" kamen nicht Anfang der 60iger oder 70iger, sondern später in den 80iger und 90iger Jahren. Als sich die ersten Türken hier niederließen und Familien nachgeholt wurden.
dass "anatolische Bauern" kamen ist absoluter Schwachsinn. Ich hatte das
Buch zwar bereits einmal empfohlen, aber mache ich gerne ein zweites mal:
Das Schicksal der Immigranten. Deutschland, USA, Frankreich, Großbritannien.
von E. Todd (http://www.amazon.de/exec/obidos/search-handle-url/index=books-de&field-author=Todd%2C%20E./028-2292397-4865338)
Gebundene Ausgabe - 417 Seiten - Claassen
Erscheinungsdatum: 1998
ISBN: 3546001354
Es ist das einzige wissenschaftliche Buch, das nicht nur das Problem der
Immigranten in Deutschland, sondern auch in USA, GB und Frankreich untersucht UND miteinander vergleicht!
Er gibt auch mit Quellen an, wie die Anwerbung der türkischen Gastarbeiter - vor Ort- durch die deutschen Behörden erfolgte.
Es waren keine Analphabeten!
Ich empfehle jedem, der Interesse an diesem Thema hat, sich dieses Buch
anzuschaffen. Leider wird das Buch nicht mehr gedruckt (wieso wohl?).
Wie ich bereits geschrieben habe, gibt es nicht eine einzige Empfehlung /
positive Kritik auf der Rückseite des Buches, was sonst ja bei allen Büchern
üblich ist.
Das Buch kann man jedoch über Amazon gebraucht bestellen.
Hosca kal,
Turkuaz
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3546001354/qid=1143207522/sr=1-1/ref=sr_1_0_1/028-2292397-4865338
Manastirli Hamdi
05.04.06, 19:29
© JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. 15/06 07. April 2006
Mehr Intoleranz wagen
Warum das Experiment des Multikulturalismus menschenverachtend ist, wird immer offenbarer
Doris Neujahr
Den Multikulturalismus ein gescheitertes Konzept zu nennen, ist eine Verharmlosung! Es handelt sich um eine menschenverachtende, asoziale, volks- und staatsfeindliche, antidemokratische und gewalttätige Praxis!
Er ist menschenverachtend, weil er die Folgekosten den Schwächsten aufbürdet, so den Kleinrentnern der Wiederaufbaugeneration, die nicht das Geld haben, um aus ihren angestammten, jetzt entfremdeten und gefährlich gewordenen Stadtvierteln wegzuziehen. Zusätzlich sind sie dem Hohn und den Belehrungen seiner Nutznießer und Mitläufer ausgeliefert, für die der Multikulturalismus Beruf und Einnahmequelle, eine Waffe im Kampf um Macht und Geld und ideologische Befriedigung ist.
Er ist asozial, weil er die Grundlagen zivilisierten Zusammenlebens zerstört und durch Sozialdarwinismus ersetzt. Er bringt die Sozialsysteme zum Bersten, indem er Unberufenen massenhaft Zugang zu ihnen verschafft und den ehrlichen Beitragszahler in die Position des dummen August versetzt.
Er ist volksfeindlich, weil er den Deutschen von innen her den Raum abspenstig macht, in dem sie leben. Arnold Gehlen spricht mit Bezug auf den Verhaltensforscher Irenäus Eibl-Eibesfeld von der Notwendigkeit „raumgebundener Intoleranz“, dem autochthonen Beharren auf einer Rangordnung der Werte, die eine „gewisse Stabilität der Sozietät“ sichert. Weil die Deutschen sich diesen Überlebensinstinkt nach dem Willen der Multikulturalisten versagen müssen, pflanzen eben andere ihr Sittengesetz auf und formen die Sozietät nach eigenen Vorstellung um. Deutsche Schüler assimilieren sich bereits an den sprachlichen Infantilismus von „Migrantenkids“, um nicht Zielscheibe von Prügelattacken zu werden.
Der Multikulturalismus ist staatsfeindlich, weil er die staatlichen Institutionen: Haushalt, Bildungseinrichtungen, Rechtspflege (in den 1990er Jahren drehten sich 60 Prozent aller Verwaltungsgerichtsverfahren um das Asylrecht) usw. usf. unterminiert. Er ist demokratiefeindlich, weil er auf den Willen des Demos spuckt. Er ist gewalttätig, weil er die Staatsbürger nicht bloß als politische Subjekte mißachtet, sondern sie moralisch und geistig zu verkrüppeln versucht und weil er danach strebt, die Existenz seiner Kritiker zu vernichten.
Indem die Lehrer der Berliner Rütli-Schule – weitere Lehrkörper haben sich angeschlossen – an die Öffentlichkeit gegangen sind, haben sie den Vorhang der Lügen und Beschwichtigungen weggerissen. Lehrer neigen überwiegend den Grünen und der SPD zu, Parteien, die den Multikulturalismus forcieren. Die menschenverachtenden Praktiken und Demütigungen, denen sie an der multikulturellen Basis ausgesetzt sind, haben sie veranlaßt, aus Angst um ihre physische und psychische Gesundheit die politische Loyalität aufzukündigen.
Nun eilen sie herbei, die Politiker, Migrationsexperten, Integrationsbeauftragten und Journalisten – all jene, die den Zustrom ganzer Unterschichtenmilieus und die Etablierung aggressiver Konkurrenzgesellschaften (der Begriff „Parallelgesellschaften“ stellt gleichfalls eine Verharmlosung dar) politisch und propagandistisch ermöglicht haben. Jahrelang haben sie sich gegenseitig „Toleranzpreise“ zu- und Kampagnen gegen „Ausländerfeindlichkeit“ angeschoben.
Es ist ja nicht bloß die Politik, die versagt hat. Die ARD strahlt gerade eine Vorabendserie aus, die den Zuschauer darüber informiert, daß Multikulti eine total normale und, abgesehen von ein paar Herz-Schmerz-Problemen, eine echt lustige Angelegenheit ist. Um sich ehrlich zu machen, müßten sie alle erklären: „Wir haben fertig!“ Sie werden aber weitermachen, schließlich ist es ihr Broterwerb, Probleme zu bearbeiten, die durch ihr Tun und ihre Unterlassungen überhaupt erst entstanden sind. Dazu braucht es neue Konzepte, Planstellen und Geld, viel Geld. Wir wissen nun, weshalb die Sanierung des Haushalts und der Sozialsysteme trotz Erhöhung der Mehrwertsteuer eine Illusion bleibt.
Nein, sie werden nicht umdenken, sondern alles nur noch schlimmer machen, wenn man sie denn läßt. Das gegliederte Schulsystem soll abgeschafft, sogenannte Problemschüler auf Schulen verteilt werden, die noch funktionsfähig sind. Damit das Bildungs- und Verhaltensniveau auch dort umgehend absinkt, denn natürlich werden nach sozialdarwinistischer Logik nicht die lernwilligen und pazifizierten, sondern die gewaltbereiten Schüler den Ton angeben. Bedenkenlos werden Kinder – und zwar Kinder anderer Leute, denn diejenigen, die das fordern, sind überwiegend kinderlos oder schicken ihre Kinder auf bessere Schulen – als Bausteine der multikulturellen Versuchsanordnung bzw. als Kanonenfutter einer im Grundsatz verfehlten Politik verplant, damit die Schuldigen bis zum Renteneintritt in Ämtern und Pfründen verbleiben können.
Andere schlagen einen „Integrationsvertrag“ zwischen dem Staat und den Ausländern vor. Der Begriff ist eine Irreführung, denn ein Vertrag setzt die Vertragsfreiheit voraus, und zwar für beide Partner. Die nach Deutschland gekommenen Ausländer haben ihre Wahl – das deutsche Sozialsystem – getroffen. Wenn der deutsche Staat von vornherein auf das Recht verzichtet, sie als Partner abzulehnen, besiegelt er den Zustand vollendeter Erpressung, in dem er sich jetzt de facto befindet.
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil, 33, Politologe, der außer dem Politikbetrieb kaum eine andere Lebenswelt kennt, hat immerhin begriffen, daß wir einen „bedrohlichen Zerfallsprozeß erleben“. Doch schon sein nächster Halbsatz enthält nichts als Demagogie oder profundes Unwissen. Heil behauptet, die „sozialen Schichten“ würden „auseinanderdriften“. Es kann nicht „auseinanderdriften“, was nie zusammengehört hat. Außerdem wird der Konflikt zwischen inkompatiblen Lebenswelten auf ein soziales Problem reduziert und damit vorgegaukelt, er sei durch Sozialtechnik lösbar. Und wieso ist der deutsche Steuerzahler überhaupt verpflichtet, den Verbleib von integrationsunwilligen und -fähigen Großfamilien zu finanzieren, die sein Land und ihn selbst verachten?
Das aber ist die Kernfrage. Sie zu stellen, bedeutet, das Politische wiederzuentdecken. Das setzt die Abkehr vom negativen, autoaggressiven Vorbestimmungsglauben voraus, der Deutschland erfüllt. „Weltlich gesprochen ist der Prädestinationsglaube aber nur die Steigerung des Bewußtseins, einer anderen als einer zum Untergang verurteilten, korrupten Welt anzugehören“, wußte schon Carl Schmitt. Die Multikulti-Anhänger in Politik, Medien und Gesellschaft dagegen meinen, das „Finis Germaniae“ selber herbeiführen zu müssen.
Manastirli Hamdi
05.04.06, 19:30
© JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. 15/06 07. April 2006
„Jeder hier hat Angst vor denen“
Die Erzieherin Christel M. arbeitet direkt neben der Rütli-Schule in Neukölln. Sie kennt den Alltag dort aus eigenem Erleben
Moritz Schwarz
Frau M., was ist los an der Rütli-Schule in Berlin-Neukölln?
M: Wir sehen oft Schüler erst um neun Uhr zur Schule kommen und viele Ältere – also die 15-, 16jährigen – schon um elf Uhr wieder über den Zaun kletternd abhauen. Die Schule hat es schon mit Anti-Schulschwänzer-Programmen versucht, aber ohne Erfolg. Was können die Rütli-Schüler, wenn sie die Schule abschließen? Ich spreche immer vom „Rütli-Abitur“: ein Abschluß für die Arbeitslosigkeit. Die haben keine Chance, können nichts, kriegen nichts. Wir haben Praktikanten bei uns, die von der Rütli kommen, die nicht einmal richtig lesen und schreiben können.
Berlins SPD-Schulsenator Klaus Böger hat den Lehrern der Rütli-Schule Presseinterviews untersagt. Der Berliner „Tagesspiegel“, der am Donnerstag letzter Woche als erster den Brandbrief des Kollegiums veröffentlichte (siehe Bericht Seite 5), schreibt, die Stimmung an der Schule sei „geprägt von Zerstörung, Gewalt und menschenverachtendem Verhalten“.
M: Man spürt, da drüben brennt die Luft. Da sind richtige Machtkämpfe im Gange. Vor vielleicht einem Jahr hat sich hier auf der Straße gar die ganze Schule gekloppt – die ganze Schule! Die Rektorin stand fassungslos inmitten des Getümmels, das Mobiltelefon in der Hand, und wußte sich nicht zu helfen.
„Es ist viel zu gefährlich, sich den Haß dieser Schüler zuzuziehen“
Also mehr als eine klassische Pausenhofprügelei?
M: Das war ein richtiges Draufhauen. Mit Eintreten auf die am Boden Liegenden. Es war wie in einem Wildwestfilm, wo einer mit einem Stuhl zuschlägt, der andere ... Schließlich kamen obendrein aus den umliegenden Häusern Personen, bewaffnet mit Stöcken, und wollten mitmischen. Wir haben nur gehofft, daß nicht ausgerechnet jetzt die Hort-Kinder kommen, denn ich hätte nicht hinausgehen können, um sie zu holen.
Sie konnten nicht auf die Straße gehen?
M: Nein, diese Prügelei tobte auf der Rütli- und auf der Weserstraße, also auch außerhalb des Schulgeländes und um unser ganzes Haus herum. Hier kam niemand mehr rein oder raus. Wenn ich rausgegangen wäre, hätte ich auch was draufbekommen. Schließlich kamen Mannschaftswagen der Polizei. Die blieben dann drei Tage lang.
Hat das die Rütli-Schüler beeindruckt?
M: Die waren stolz wie Oskar. Und das ist jetzt wieder der Fall. Natürlich bin ich froh, daß die Öffentlichkeit nun endlich mal von den Zuständen hier Notiz nimmt, aber letztlich fühlen sich die Schüler von den Journalisten und Polizisten, die seit Donnerstag hier sind, nur bestätigt. Sie sind jetzt berühmt und gefürchtet. Gestern wurden Journalisten mit Steinen angegriffen. Ich habe beobachtet, mit welchem Selbstbewußtsein Schüler die Türen eines Fahrzeugs mit Journalisten aufgerissen haben und diesen gedroht und nach ihnen gespuckt haben. Ich habe beobachtet, wie eine Schülerin einem Mann, ich glaube, es war ein Lehrer, gedroht hat: „Da vorne sind Reporter, geben Sie ja kein Interview!“ Jeder hier hat inzwischen Angst vor denen.
Sie wollen nicht erkannt werden, sind Sie selbst schon angegriffen worden?
M: Unser Kinder wurden zum Beispiel mit Cola-Dosen beworfen. Einen Ball zurückholen – unser Pausenhof grenzt an den der Rütli-Schule –, ist völlig unmöglich. Meine Kolleginnen und ich trauen uns manchmal in der Pause nicht mehr in unser Rauchereck, weil wir dann vom Rütli-Hof aus beworfen werden. Da wird der Mülleimer ausgeleert und rübergeworfen, was sich darin findet.
Haben Sie Ihre Autorität nicht geltend gemacht?
M: Nein, denn es ist viel zu gefährlich, sich den Haß dieser Schüler zuzuziehen. Und als Frau bist du für die sowieso das Letzte. Mit denen legt man sich besser nicht an. Das ist ihr Revier.
Was würde passieren?
M: Ich habe keine Lust, daß die zu uns rüberkommen. Deshalb melde ich solche Schüler auch nicht bei ihren Lehrern.
Wer sind die Täter? Jungs oder Mädchen? Deutsche oder die Ausländer?
M: Ich sehe nur Ausländer, ich glaube, es sind gar keine Deutschen mehr da.
Offiziell hat die Rütli-Schule „nur“ 83 Prozent Ausländer.
M: Ich weiß es nicht, es sind vor allem die älteren Jungs. Das ist wie im Zoo. Wir sagen hier „die Brüllaffen“. Ich glaube, allein sind die eher harmlos, aber in die Gruppe: Die Langeweile, die Hormone der Pubertierenden und der Spaß, sich vor den anderen zu produzieren, kommen zusammen. Und je mehr Applaus einer von seinen Kameraden bekommt, um so mehr produziert er sich. Da möchte ich nicht dazwischengeraten. Ich gebe zu, ich habe Angst.
Fühlen Sie sich von den Politikern allein gelassen?
M: Die schauen doch seit Jahren weg. Es geht doch nicht nur um die Rütli-Schule, mit dem ganzen Viertel geht es steil bergab. Die Gegend ist fast rein türkisch beziehungsweise arabisch. Das ist ihr Gebiet, und die machen hier ihre eigenen Gesetze. Wenn ich das Gerede von „Integration“ höre ... Ich frage mich: Wer integriert hier eigentlich wen?
Sie haben das Gefühl, Sie werden integriert?
M: So ist es doch. In meiner Gruppe von 14 Kindern ist noch eines deutsch. Wir essen kein Schweinefleisch, weil wir uns den Verhältnissen anpassen. Es gibt hier keine deutschen Läden mehr. Türkische Fernsehsender und Zeitungen sorgen für eine eigene Medienwelt. Hier können Sie beobachten: Die zweite Ausländer-Generation war integrierter als die Dritte. Die Integration ist rückläufig. Die Kurve fällt.
Hat die multikulturelle Gesellschaft versagt?
M: Multikulti? Das ist hier Monokulti! Hier herrscht doch nur eine Kultur, die islamische! Das hier ist ein Ghetto. Hier ziehen sogar schon Türken weg, weil ihnen hier zu viele Türken sind.
Was schlagen Sie vor?
M: Ich weiß es nicht.
Was würden Sie Schulsenator Böger sagen, wenn sie ihn träfen?
M: Dazu möchte ich mich lieber nicht öffentlich äußern.
Sie würden ein hartes Durchgreifen fordern?
M: Sagen wir mal so ... die Strenge müßte wiederkommen.
Was meinen Sie genau?
M: Ich habe neulich „Der Pauker“ von 1958 mit Heinz Rühmann gesehen. Da ist mir aufgefallen, damals gab es noch Respekt.
Sie meinen, statt Freiheit haben wir Verwahrlosung geschaffen?
M: Seit den Siebzigern haben wir dieses laissez faire. Das laissez faire funktioniert aber nicht. Ich denke mir, manches am Alten war gar nicht schlecht. Ich würde den Politikern sagen, sie soll sich mal die Realität anschauen: diesen völligen Verlust jeder Autorität! Das ist die Wirklichkeit! Ich würde ihnen sagen: „Kommt hierher, denn ihr habt doch keine Ahnung!“
Christel M. ist Erzieherin an einer sozialen Einrichtung auf dem gleichen Gelände, auf dem auch die inzwischen bundesweit bekannt gewordene Rütli-Schule in Berlin-Neukölln steht. Nach Veröffentlichung des Brandbriefs des Lehrer-Kollegiums erließ der Berliner Schulsenator ein Interviewverbot für die Lehrerschaft. Christel M. berichtet vom Alltag an der Rütli-Schule, den sie aus eigenem Erleben kennt. Seit fast 20 Jahren arbeitet die 1961 geborene Münster-länderin in unmittelbarer Nachbarschaft zur Schule. M. möchte anonym bleiben.
© JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. 15/06 07. April 2006
Mehr Intoleranz wagen
Warum das Experiment des Multikulturalismus menschenverachtend ist, wird immer offenbarer
Das riecht nach stark rechts.
Das ist rechts. Hier: http://lexikon.idgr.de/j/j_u/junge-freiheit/junge-freiheit.php
http://www.idgr.de/texte/rechtsextremismus/medien/jf-autoren.php
und das ist - insha'Allah noch - nicht der mainstream in unserem Land.
und das ist - insha'Allah noch - nicht der mainstream in unserem Land.
Das ist noch nicht Mainstream???
Ich glaube, da liegst du völlig falsch. Die täglichen Hetztiraden der Spinger-Presse und der deutschen Politiker scheinst du nicht ganz mitbekommen zu haben.
Ich bin weißgott kein Freund der Springer-Presse, aber mir ist aufgefallen , daß Bild z.B. Sachen zusammen mit Hürryet gemacht hat. Und "der Politiker" halte ich mit Verlaub auch für eine unzulässige Verallgemeinerung. Diese Zeitschrift bedient 6.000 Piepels. Man kann sich natürlich mit dem Suchscheinwerfer immer solche Statements raussuchen - dann ist es kein Wunder, daß man dann mit der Zeit den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht.:rolleyes:
Hättest Du denn auch was Positives anzubieten?
Also ich musste wieder hart schlucken, als ich die heutige Schlagzeile von Bild wieder in der Tankstelle bewundern durfte. Das Interview mit Prof.Arnulf Baring kannst du dir gerne bei Bild.de durchlesen. Reinste braune Scheisse. Und das ist kein Einzelfall.
Was dieses Blättchen sich heraus nimmt, sollte schon lange verboten werden, aber in diesem Land hat doch kein Verantwortlicher mehr die Eier dazu, um sich dagegen aufzulehnen.
Und dein Einwand, dass ich mit "Politiker" verallgemeinere, ist doch wohl ein schlechter Scherz.
Seit Roland Koch mit seiner Anti-Dopellpass-Kampagne 17% mehr an Wählerstimmen gewonnen hat, gibt es doch keinen Wahlkampf mehr, ohne dass nicht eine gleichgeschaltete Türken-Hetze losgetreten wird.
Nenn mir einen Politiker, der dagegen etwas gemacht hat!
Nenn mir eine Zeitung, die etwas dagegen geschrieben hat!
Der Eine, der mir einfällt, war, als die Hetze vor der Bundestagswahl ihren Höhepunkt hatte, der Chef der jüdischen Gemeinde in Berlin. Danach war für einige Wochen Ruhe.
Ein Jude, der ein Machtwort gesprochen hat, weil er sich an die Hetze vor sechzig Jahren erinnert gefühlt hat.
Denk mal darüber nach!
Aber ich sehe wieder Licht in der Ferne.
Der Spiegel, der die letzten Jahre zu einer zweiten BILD, nur mit mehr Texten, aber nicht mit weniger Hetze, geworden ist, scheint wieder zur Besinnung zu kommen.
Nachdem sie jahrelang mit manipulativen Texten das deutsche Volk gegen die Türken gehetzt haben, finde ich gerade diesen Beitrag:
Wie die Konservativen die zweite deutsche Einheit verspielen
Von Claus Christian Malzahn
Multikulti ist gescheitert, tönt es allerorten. Und nun? Wollen die Deutschen jetzt 6,7 Millionen Ausländer rausschmeißen? Stammtischsprüche helfen nicht weiter. Wir brauchen endlich den Willen zum Zusammenleben - auf allen Seiten.
In der Zeitung mit den ganz dicken Balken über dem Bruch teilt uns heute "Deutschlands klügster Kopf" mit: "Das läuft mit den Ausländern falsch!" Im anschließenden Interview erklärt der Historiker Arnulf Baring, der Deutschland schon vergangenes Jahr über Notverordnungen (!) regiert sehen wollte, dann jenen Satz, der seit dem Hilferuf der Rütli-Schule an jedem Stammtisch zu hören ist: "Multikulti ist gescheitert." Schuld daran sind - so sehen es die Konservativen - natürlich die "Multikulti-Befürworter", also jene rot-grünen Dummdeutschen, die in den vergangenen Jahrzehnten immer brav und arglos zwischen kurdischem Volksfest (vermutlich heimliche Terroristenversammlung) und libanesisch geführtem Italiener-an-der-Ecke (Schnauzbart, sehr suspekt) hin- und hergependelt sind. Freilich ohne zu merken, wie der Kurde und der südländische Kellner heimlich ihre blitzenden Messer wetzen, schlecht über unsere deutschen Frauen reden und hinter unserem Rücken ein unfriendly Takeover der Bundesrepublik vorbereiten. Wie gut, dass uns Arnulf Baring gerade noch rechtzeitig gewarnt hat!
Es ist deshalb höchste Zeit, mit ein paar Mythen aufzuräumen: Weder Rot-Grün oder die naiven Multikulti-Befürworter tragen die Hauptschuld an der jetzigen Integrationsmisere. Der Mann heißt Helmut Kohl. Einwanderungspolitik hat diesen Kanzler, der das Land immerhin von 1982 bis 1998 regierte, trotz türkischer Schwiegertochter nicht interessiert. Eisern wurde am deutschen Blutrecht festgehalten, Einwanderung wurde nicht gesteuert, sondern entwickelte sich anarchisch über das Asylrecht oder den Nachzug von Gastarbeiter-Familien. Für in Deutschland lebende ausländische Kinder galt damals nicht einmal grundsätzlich die Schulpflicht - wer nur "geduldet" wurde, brauchte ja nicht Lesen und Schreiben zu lernen.
Als in Deutschland dann Anfang der Neunziger Jahre in Solingen, Mölln und Rostock-Lichtenhagen Menschen verbrannt wurden und Flammen aus Asylunterkünften loderten - war Kohl nicht da. Der Mann, der so viel über die Macht von Symbolen wusste, ließ sich mit den ausländischen Opfern nicht fotografieren. Er besuchte nicht einmal die Tatorte. Warum? Weil die Opfer keine Deutschen waren? Die Antwort steht noch aus.
Kohl, dessen Verdienste um die deutsche Einheit unstrittig sind, versagte vollkommen auf dem Feld der Integrationspolitik. Erst die rot-grüne Regierung nahm sich dieses Themas an - zu halbherzig allerdings. Die Chance, das Thema der Ausländerintegration zur Chefsache zu machen, so wie Willy Brandt seinerzeit die Entspannungspolitik zum wichtigsten Thema gemacht hatte, hat die Regierung Schröder nicht genutzt. Bundespräsident Rau machte ein paar vorsichtige Schritte in die richtige Richtung, als er sagte, er wolle der Präsident aller Menschen sein, die in Deutschland leben - und nicht nur der Deutschen. Angesichts von 6,7 Millionen Ausländern war das eine wichtige Bemerkung, doch es blieb bei Gesten.
Denn auch die Modernisierung des Staatsbürgerschaftsrechts blieb Flickwerk. Nach wie vor werden in Deutschland Kinder geboren, die keine Staatsdeutsche sein werden. Umso grotesker ist der Hinweis von Arnulf Baring, dass sich in den USA spätestens in der dritten Einwandergeneration ein amerikanischer Patriotismus herauskristallisiere. Jedes Baby, das in den USA geboren wird - und selbst wenn es als Kind mexikanischer Illegaler in einem Stall in Texas zur Welt kommt - hat Anspruch auf einen amerikanischen Pass. Den ausländerpolitischen Hardlinern Stoiber und Co. fällt dagegen nichts anderes ein, als die Abschiebung von "jugendlichen Straftätern in ihre Herkunftsländer" zu fordern.
Liebe Konservative: Kapiert endlich, dass dieses Herkunftsland Deutschland heißt. Multikulti ist eine Realität. Es gibt keinen Weg zurück zu einem "ethnisch begradigten" Deutschland. Liebe Große Koalition: Ihr seid dabei, die Chance auf die zweite deutsche Einheit zu verspielen - die republikanische Einheit der Einwanderungsrepublik Deutschland. Liebe Sozialdemokraten: Wie soll man eigentlich Euer dröhnendes Schweigen in dieser wichtigen Zukunftsdebatte deuten? Es gibt Wege aus der Multikulti-Krise. Man muss sie nur gehen wollen. Wie wäre es denn mal mit einem Gesetz zur automatischen Einbürgerung jedes in Deutschland geborenen Kindes? Das wäre doch mal ein echtes Angebot. Warme Worte hat es in der Vergangenheit genug gegeben. Was die Republik jetzt braucht, ist eine ehrliche, selbstkritische Bilanz. Weder multikulturelle Verklärung noch hysterische Warnrufe helfen weiter. Wer sagt, dass mit den Ausländern etwas falsch läuft, denkt immer noch in den alten Kategorien von "Die" und "Wir". Er vergisst beispielsweise, dass die Leidtragenden der Bildungsmisere an Lehranstalten wie der Rütli-Schule in erster Linie die Kinder und Jugendlichen aus Einwandererfamilien sind.
Wir - und damit sind alle Staatsdeutschen gemeint - können uns eine erfolglose Einwanderungs- und Integrationspolitik aber nicht mehr leisten. Ausländer sind doppelt so häufig arbeitslos wie Deutsche, immer mehr Kids mit "Migrationshintergrund", wie es ebenso schauerlich wie politisch korrekt heißt, rutschen in Problemzonen ab. Wir brauchen deshalb eine nationale Anstrengung, um diesen Trend zu drehen! Denn auch Edmund Stoiber müsste angesichts sinkender Geburtsraten ein ganz egoistisches Interesse daran haben, dass die türkischen Kids von heute zur deutschen Elite von morgen gehören. Schön wäre, wenn er jetzt auch etwas dafür tun würde, anstatt nur Alarm zu rufen. Wie wäre es mit einem Integrationsministerium in München? Kollege Rüttgers in Düsseldorf hat schon eins.
Natürlich ist gelungene Integration nicht über Ministerien verfügbar. Die Hauptarbeit der intellektuellen Einwanderung in die bundesdeutsche Wirklichkeit muss von den ausländischen Communities selbst erledigt werden. Auch da gibt es noch viel zu tun, wie die Debatte um die deutsche Sprache als verbindliche Umgangsform an einer Berliner Realschule vor kurzem gezeigt hat. Die Sache ist ziemlich simpel, liebe ausländischen Interessensverbände: Ohne deutsche Sprache läuft in Deutschland nichts - Punkt. Mit Diskriminierung hat das aber auch nicht das Geringste zu tun. Wer will, dass sein Kind in Deutschland eine Zukunft hat, sollte ihm besser heute als morgen einen Duden und eine Grammatikfibel besorgen.
Auch ein Massenblatt wie die "Bild"-Zeitung könnte mit ihrer klaren Sprache hilfreich sein. Auf Ausgaben, in denen Kampagnen gegen erfolgreiche Schauspielerinnen türkischer Herkunft gefahren werden oder ein Arnulf Baring von der Leine gelassen wird, können wir dagegen verzichten.
interessanter beitrag!
langsam wird also fazit gezogen und die klägliche scheiterung der ausländerpolitik festgestellt!
immerhin.
aber das stoiber jetzt einen rückzieher macht,nach sovielen hetzparolen,das glaub ich kaum.dem ist nicht mehr zuhelfen!
ich glaube ,das die medien am meisten dazu beitragen könnten, das verhältnis zwischen deutschen und ausländern zuverbessern.wenn man endlich aufhört ausländer= negativ zu suggerieren ,sei es schriftlich oder visuell.
die ausländer und die deutschen sind verunsichert mittlerweile,weil sie nicht wissen,was in zukunft auf sie zukommt.diese verunsicherung löst missmut aus und macht eine aggresssive stimmung.wenn jetzt von beiden seiten nichts positives für das "friedliche zusammenleben" kommt, dann bleibt nichts ausser hass füreinander übrig.
harte arbeit steht an! unserer zukunft willen...
Der SPIEGEL scheint die ganzen alten Redaktuere gekündigt zu haben.
BACK TO THE ROOTS!
STREIT UM TV-BEITRAG
ZDF zahlte prügelnden Jugendlichen 200 Euro
Ein Hamburger Schulleiter erhebt schwere Vorwürfe gegen das ZDF. Seinen Schülern soll Geld gezahlt worden sein, damit sie sich vor der Kamera prügeln. Das ZDF wehrt sich: Die Schlägerei sei nicht inszeniert worden. Der Sender räumt jedoch ein, dass ein Jugendlicher eine "Aufwandsentschädigung" erhalten habe.
Hamburg - Der Hamburger Stadtteil Mümmelmannsberg ist das, was man gern einen sozialen Brennpunkt nennt. Allzu gut passt es ins Bild, wenn dort Jugendliche brutal aufeinander losgehen, ihren Frust abreagieren, indem sie auf am Boden liegende Schüler eintreten. Solche Szenen waren am 29. März in einem Beitrag des TV-Magazins "ZDF.reporter" zu sehen. Zufällig war ein Kamerateam bei der Schlägerei anwesend. Es filmte die Szene für den Bericht über eine gewalttätige Jugendgang namens die "Mümmler", vor der sich angeblich der ganze Stadtteil fürchtet. Filmaufnahmen einer alltäglichen Prügelszene?
http://www.spiegel.de/img/0,1020,606580,00.jpg (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,grossbild-606579-410103,00.html)
http://www.spiegel.de/static/sys/lupe.gif (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,grossbild-606579-410103,00.html)
Das "Abendblatt" zeigt auf seiner ersten Seite Prügelszenen aus dem ZDF-Beitrag: "Die haben uns richtig gekauft"
Ein Hamburger Schulleiter erhebt massive Vorwürfe gegen den öffentlich-rechtlichen Sender. Das "Hamburger Abendblatt" zitiert den Leiter der Gesamtschule Mümmelmannsberg, Klaus Reinsch, mit den Worten: Die Schüler seien durch "finanzielle Anreize" angehalten worden, Straftaten zu begehen. Dies sei "unseriöser Journalismus". Er behalte sich vor, den Presserat einzuschalten. Mathematiklehrer Volker Krane, dessen Schüler vom ZDF gefilmt wurden, hatte diese laut "Abendsblatt" nach der ZDF-Sendung zu Rede gestellt. "Ich kenne sie seit vielen Jahren, die sind nicht so wie in dem Film dargestellt", sagte Krane. Auf die Frage, warum sie sich vor der Kamera geprügelt hätten, habe er die Antwort erhalten: "Weil wir dafür Geld bekommen haben". Noch am gleichen Tag habe sich der Mathematiklehrer ans ZDF gewandt, berichtet das "Abendblatt". "Zunächst haben die bestritten, dass Geld geflossen sei", wird Krane zitiert. Dann habe es plötzlich geheißen, dass eine Aufwandsentschädigung gezahlt worden sei". Kranes Vorwurf geht noch weiter: Zunächst sei der umstrittene Beitrag von der Internetseite des ZDF verschwunden, dann habe ihm der Sender angeboten, bald einen freundlichen Beitrag über seine Schule zu machen, berichtet das "Abendblatt"
Der Zeitung gelang es nach eigenen Angaben auch selbst, mit einem der Jugendlichen aus dem Beitrag zu sprechen. Der 15-Jährige habe zugegeben, für die Prügelszenen bezahlt worden zu sein: "Die haben uns richtig gekauft. Erst haben sie gesagt, sie wollten viel Positives über den Stadtteil sagen, dann wollten sie Action sehen. Wir sollten so tun, als würden wir uns prügeln und Drogen kaufen."
ZDF: "Reporterin verhinderte Schlägerei"
Der Sender will den Vorwurf jedoch nicht stehen lassen. Ein Sprecher sagte SPIEGEL ONLINE, die beanstandete Prügelszene sei authentisch. Schon gar nicht sei für eine Prügelei Geld bezahlt worden. Das ZDF räumte allerdings ein, dass einem Jugendlichen eine "Aufwandsentschädigung" in Höhe von 200 Euro gezahlt worden sei. Die Reportage sei jedoch nicht von ZDF-Angestellten produziert worden, sondern von einer externen Produktionsfirma, heißt es in einer Stellungnahme des Senders. Der Jugendliche habe dem Fernsehteam der Firma an insgesamt acht Tagen zur Verfügung gestanden. Die Redaktion von "ZDF.reporter" habe von der Zahlung an den Jugendlichen nichts gewusst.
Die Reporterin der Produktionsfirma, so das ZDF, habe bei den Dreharbeiten darauf geachtet, dass die Jugendlichen nicht durch die Kamera zu gewalttätigen Aktionen animiert würden. Als während der Dreharbeiten eine ernsthafte Schlägerei auszubrechen drohte, sei die Reporterin sogar dazwischen gegangen und habe den Jugendlichen gedroht, die Polizei zu rufen. Diese Szene sei auch filmisch dokumentiert und liege dem ZDF vor.
Zu dem Vorwurf des Mathematiklehrers, das ZDF habe ihm einen positiven Beitrag über seine Schule in Aussicht gestellt, äußerte sich der Sender auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE bisher nicht. Krane ist empört: "Hier sind Jugendliche zu ihrem eigenen Schaden vom ZDF instrumentalisiert worden. Jetzt wird es für junge Leute aus Mümmelmannsberg schwieriger, einen Praktikumsplatz zu bekommen. Von einem öffentlich-rechtlichen Sender hätte ich so etwas nicht gedacht".
gez kündigen!!!
ich hab keine lust mehr, solche voreingenommenen tv sender und sendungen zu finanzieren :kafa:
Wie vor 60 Jahren? Da werde ich nicht drüber nachdenken, denn das ist erstens lächerlich, zweitens beleidigt es die Opfer von damals, die weißgott mehr auszustehen hatten, als Zeitungsartikel, die ihnen nicht gefallen haben. und weißt Du, was ganz bestimmt anders ist, als vor 60 jahren? Du darfst Deine Beleidigungen in die Öffentlichkeit würgen! Nimm wenigstens das dankbar zur Kenntnis! Und nun mag ich nicht mehr, sonst werde ich noch richtig ärgerlich.
Ja, klar. Dankbar sein und voller Demut vor den Herrenmenschen mich von Politik und Presse prügeln lassen. Es ist ja auch richtig schick geworden, vor den Wahlen eine breit getretene Schmutzkampagne gegen uns zu führen. Da springen doch locker paar Prozentpunkte raus, wenn man die "Wahrheit" sagt.
Wie schön ist es da nur in den neuen Bundesländern, wo es kaum Ausländer gibt. Soviel Frieden und Glücksseligkeit...
Manastirli Hamdi
12.04.06, 11:14
© JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. 16/06 14. April 2006
Die ignorierte Wahrheit
Deutsche werden zur Minderheit im eigenen Land: Kassandrarufe wollte niemand hören / Der Fall Hepp
Karlheinz Weissmann
Deutschland ist allzeit das beste Land und Nation gewesen, es wird ihm aber gehen wie Troja, daß man wird sagen: Es ist aus!“ Der Satz stammt von Martin Luther und ließe sich ohne Schwierigkeit in eine lange Reihe von Untergangsprognosen stellen. Wen das beruhigt, der sei darauf hingewiesen, daß die Regelmäßigkeit solcher Vorhersagen nicht unbedingt gegen ihre Richtigkeit spricht. Kassandra wollte niemand hören, nicht einmal die Erfahrung mit griechischen Geschenken ließ die Trojaner mißtrauisch werden, weil sie sich in ihrer Bequemlichkeit und Friedenssehnsucht gestört fühlten. Das nahm dem Kassandraruf in der gegebenen Lage nichts von seiner Richtigkeit und hatte nur eins zur Folge: eben daß es mit Troja aus war.
Im Hinblick auf die demographische Entwicklung könnte man eine ganze Reihe von Mahnern nennen, die das Schicksal der Kassandra erlitten haben. Angefangen bei Richard Korherr, der schon in der Zwischenkriegszeit seine Stimme erhoben hat, über Ilse Schwidetzky, die nach 1945 auf die anthropologische Realität des „Völkertodes“ verwies, bis hin zu denjenigen, die in den letzten Jahren der alten Bundesrepublik versuchten, die immer bedrohlicher werdende Entwicklung zu korrigieren. Was die Lage der letzteren gegenüber den ersteren außerordentlich erschwerte, war die Unsachlichkeit der Debatte. Die relative Nüchternheit, mit der bis in die siebziger Jahren die „Gastarbeiterfrage“ und die Folgen des „Pillenknicks“ diskutiert werden konnten, war einer Atmosphäre gewichen, in der die Linke ihre Hegemonie dahingehend nutzte, daß sich jede realistische Einschätzung von Geburtenschwund einerseits, den zunehmenden Problemen mit Arbeitsmigranten, Wirtschaftsflüchtlingen und Asylbegehrenden andererseits sofort unter Generalverdacht gestellt sah.
Daß der linke Alarmismus nur dazu diente, eigenen Einfluß zu sichern und in Gestalt einer zukünftigen Klientel aus Neubürgern zu erweitern, hat man besonders deutlich daran erkennen können, daß auch die auf hohem Niveau vorgetragenen Einwände gegen den „Multikulturalismus“ kein Gehör fanden, sondern mit allen Mitteln der Diffamierung bekämpft wurden. Wer wie Manfred Ritter („Sturm auf Europa“, 1990) oder Jan Werner („Die Invasion der Armen“, 1992) offen gegen die Landnahme argumentierte, sah sich beruflicher Disziplinierung oder dauerhafter Zurücksetzung unterworfen.
Ähnliches widerfuhr auch dem Soziologen Robert Hepp, der allerdings im Unterschied zu Ritter und Werner eine sehr viel umfassendere Vorstellung von den Ausmaßen des demographischen Problems besaß. Hepp hatte schon seit den siebziger Jahren vor den Folgen des Bevölkerungsrückgangs gewarnt und ihn mit den Entwicklungstendenzen der Wohlfahrts- und Konsumgesellschaft in Beziehung gesetzt. Seine Argumentation zielte nicht auf kurzfristige Abhilfe, sondern auf eine prinzipielle Korrektur.
Damit stand Hepp weitgehend allein. Als konservativer Intellektueller der mittleren Generation konnte er in seiner Altersgruppe keine Verbündeten finden. Wer aus dieser Kohorte die akademische Laufbahn eingeschlagen hatte und nicht dem linken Mainstream oder den Parteibuchbürgerlichen zuzurechnen war, der bemühte sich um Unauffälligkeit, und genau das lehnte Hepp ab.
Wahrscheinlich war das eine Temperamentsfrage, denn seit seinen Anfängen in der „Katholischen“ bzw. „Konservativen Front“ der sechziger Jahre, einer Art Gegen-APO, neigte er dazu, jenes Maß an Provokationsspielraum für die Rechte in Anspruch zu nehmen, das die Linke selbstverständlich verlangte. Die Folge waren Vorstöße, denen es an der sonst im konservativen Milieu üblichen Betulichkeit mangelte. Und das erklärt auch den besonderen Tonfall seines 1988 erschienenen Buches „Die Endlösung der Deutschen Frage“.
Anders als viele Bevölkerungswissenschaftler trieb Hepp ausdrücklich „politische Demographie“, die nicht nur Statistisches sammelte, verglich und distanziert auswertete, sondern aus dem Datenmaterial eine unmißverständliche Folgerung zog: Bevölkerungsschwund ist ein Ausdruck kollektiver Todessehnsucht, und wer dem als Politiker nicht entgegentritt, verrät seine Pflicht gegenüber dem Volk, dem er zu dienen hat. Einwanderung, so Hepp, könne durchaus ein Gewinn sein, aber nur, wenn die Einwanderer tatsächlich die autochthone Kultur bereicherten oder an eine dauerhafte Unterschichtung der Heimischen gedacht sei. Daß Hepp es wagte, solche Gedanken zu äußern – und unter Hinweis auf die bêtes noires der Soziologenzunft zu begründen – hat sofort die Zensur auf den Plan gerufen.
Die trat vor allem in Gestalt der meinungsführenden Presse auf, erreichte aber auch die Universitätsleitung Osnabrück und Hepps Disziplinarvorgesetzte. Das kampagnenartige Kesseltreiben genügte, um ihn künftig von jeder Breitenwirkung abzuschneiden. Das ist um so bitterer, als Hepp seine Gegner intellektuell um Haupteslängen überragte, aber es ist auch symptomatisch insofern, als gerade seine Prognosefähigkeit ihn so unbeliebt machte.
Mittlerweile pfeifen die Spatzen vieles von den Dächern, was Hepp schon in den achtziger Jahren sagte, aber manche Wahrheit findet nach wie vor kein Gehör. Die erste dieser Wahrheiten ist die von der fatalen Wirkung des hierzulande gepflegten Liberalismus, der mit seiner Verachtung des Volkes und seinem Minderheitenfetischismus die staatlichen Grundlagen zerstört: „Spätestens in der ‘Konkordanzdemokratie’ oder Militärdiktatur der Zukunft werden die Deutschen erfahren, daß die Liberalen sie um ihre Demokratie gebracht haben“; die zweite Wahrheit ist die vom nur bedingten Lebenswert der Völker: „Es gibt auch bei Völkern ein Stadium der Hinfälligkeit, wo man sich sagen muß, sie sollten lieber ‘raschen Tod erwerben, als, so verschmachtend, lebenslang zu sterben’“.
Das war selbst für Hepp ein besonders bitteres Wort, nicht unähnlich demjenigen Luthers, das eingangs zitiert wurde. Aber solche Bitterkeit speist sich zuletzt immer aus dem Wunsch, daß der Beschimpfte sich ermannen möge und angesichts des Abgrunds seine Kraft wiederfinde, um ein großes Leben zu führen. Was Hepp vor fast zwanzig Jahren schrieb, gilt nach wie vor: „Wenn ich um mich blicke, sehe ich ein recht morbides Völkchen mit einer ziemlich befremdenden ‘Kultur’. Da gibt es nicht viel, was ich partout bewahrt und gegen eine ‘Überfremdung’ verteidigt wissen möchte. Nicht ob die Bundesrepublikaner ‘sich über Wasser halten’ können, ist deshalb für mich die Frage, sondern ob sie noch den Willen und den Elan haben, wieder etwas aus sich zu machen.“
Manastirli Hamdi
12.04.06, 11:15
War nur so ’ne Idee
Multikulti ist passé, die Multikulturalisten bleiben: Wie ein verhängnisvolles utopisches Experiment in Deutschland Karriere machte
Kurt Zach
Tschuldigung Jungs, war nur so ’ne Idee von mir“ – vergleicht man die fröhliche Multikulti-Euphorie der Meinungsmacher und Diskursideologen aus den Achtzigern mit den düsteren Tönen, die heute angeschlagen werden, fühlt man sich an diesen Karl-Marx-Cartoon der Wendezeit erinnert. Daß es inzwischen salonfähig ist, den Multikulturalismus für gescheitert zu erklären, heißt freilich noch lange nicht, daß seine Vordenker und Propagandisten schon die Fahnen gestrichen hätten.
Der erste Chefideologe der „multikulturellen Gesellschaft“ war der Kirchenrat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für Ausländerfragen, Jürgen Miksch. Miksch gilt als „Erfinder“ – in Anbetracht der langen angelsächsischen Vorgeschichte wohl eher als Importeur – des Multikulturalismus für Deutschland. Eingeführt hat er den Begriff offenbar erstmals im Jahr 1978 als Redenschreiber des damaligen hessischen Ministerpräsidenten Holger Börner.
Einer breiteren Öffentlichkeit wird der Multikulturalismus am 24. September 1980 verkündet. An diesem Tag veröffentlichte der „Ökumenische Vorbereitungsausschuß für den Tag des ausländischen Mitbürgers“ Thesen für den Ausländertag 1980, die mit dem Satz begannen: „Wir leben in der Bundesrepublik Deutschland in einer multikulturellen Gesellschaft.“ Um die EKD, die eine Vorreiterrolle übernahm, formierte sich eine Multikulturalismus-Lobby, in der Gewerkschaften, Wirtschaftskreise, „Achtundsechziger“ und vorhandene wie neuentstandene linke und liberale Gruppen das Wort führten.
Multikulti-Bürokratie ist perfekt eingespielt
„Achtundsechziger“ wie Daniel Cohn-Bendit entdeckten den Multikulturalismus rasch als nützliches Vehikel für den „Marsch durch die Institutionen“ und die eingewanderte neue Unterschicht als Ersatzproletariat für die Aufpolierung der eigenen marxistischen Vorurteile. Bald erkannte man, daß die Schaffung neuer, nur für Gesinnungsgenossen reservierter Institutionen noch effektiver ist als die Besetzung vorhandener. Spätestens mit dem Aufstieg der Grünen, die sich auch der gutorganisierten Netzwerke der Multikultur-Lobby bedienen konnten, wird Multikulturalismus zum Karrierevorteil. 1989 wird Daniel Cohn-Bendit in Frankfurt Deutschlands erster „Dezernent für multikulturelle Angelegenheiten“; weitere Großstädte zogen nach.
Posten bringen Macht, und Macht bringt den Zugriff auf Staatsknete, die noch mehr Einfluß schafft. Öffentliches Geld wurde in den Neunzigern nicht nur inflationär für die Propagierung einwanderungsfreundlicher Haltungen und die Diffamierung kritischer Stimmen ausgegeben, sondern auch für die Schaffung von Stellen und Apparaten für Ausländerbeauftragte, Sozialarbeiter, Migrationsforscher usw., die sich gegenseitig die Notwendigkeit einer Ausweitung ihrer Aktivitäten bescheinigen.
Diese Multikulti-Bürokratie ist inzwischen so umfangreich herangewachsen und perfekt eingespielt, daß sie selbst aus dem Scheitern der zugrunde liegenden Ideologie noch Profit ziehen kann: Wo die Risiken und Nebenwirkungen der multikulturellen Gesellschaft unübersehbar werden, ertönt als erstes der Ruf nach neuen Studien und mehr Sozialarbeitern. Der Mechanismus funktioniert bis heute.
Während die linksgestrickte Meinungselite samt der am zähen Beharrungsvermögen des CDU-Kanzlers aus der Pfalz verzweifelnden rot-grünen Opposition sich mit dem Ausbau dieser Bürokratie über die Schmach der ungewollten Wiedervereinigung trösten konnte und den Traum vom „Nie wieder Deutschland“ auf dem Umweg über die Auflösung des verfassungtragenden Staatsvolkes in einer multikulturellen Mischbevölkerung zu realisieren trachtete, blieben die gemeinhin als „konservativ“ angesehenen Unionsparteien eine fundierte Gegenposition zum Multikulturalismus ebenso schuldig wie die zu Oppositionszeiten einst im Wahlkampf versprochene „geistig-moralische Wende“. Das nimmt kaum wunder: Mit Heiner Geißler und Rita Süssmuth hatte die CDU schließlich zwei profilierte Aushängeschilder des Multikulturalismus in ihren eigenen Reihen. Ex-Generalsekretär Geißler malte sich in seinem Buch „Zugluft – Politik in stürmischer Zeit“ im Wendejahr 1990 die erhoffte „kulturelle Bereicherung“ in den leuchtendsten Farben aus: ein buntes, friedliches Nebeneinander der „Kulturen“, wo jeder mit jedem oder jeder könne. Die einstige Bundestagspräsidentin Süssmuth dagegen symbolisierte als Vorsitzende der von Kanzler Schröder eingerichteten Zuwanderungskommission die Große Koalition der Einwanderungsbefürworter.
Kritische Stimmen zu Einwanderung und Multikulturalismus waren unter dem geballten Druck von Lichterketten und „Aufstand der Anständigen“ während der Neunziger weitgehend neutralisiert und marginalisiert worden. Rot-Grün konnte daher das Thema mit nahezu uneingeschränkter Lufthoheit angehen, die auch von einzelnen Profilierungsversuchen der Unionsparteien zu Wahlkampfzeiten nicht ernsthaft beeinträchtigt werden konnte. Die grüne Parteichefin und „Bundesbetroffenheitsbeauftrag te“ Claudia Roth und ihr Kollege Volker Beck hatten freies Schußfeld. Letzterer wurde zwar beim Aushandeln des „Zuwanderungsgesetzes“ mit der Union durch Innenminister Otto Schily in seinem Reformeifer gebremst, doch wurde die grüne Seite mit einer milliardenschweren Subvention der eigenen Klientel in der Multikultur-Bürokratie über sogenannte „Integrations“- und Sprachkurse großzügig entschädigt. Marieluise Beck als Ausländerbeauftragte durfte flankierend in ihren Berichten regelmäßig weitere Integrationsbemühungen von staatlicher Seite anmahnen – und damit noch mehr Mittel für die Multikulturalismusbürokratie.
Das hätte immer so weitergehen können, wäre nicht zu guter Letzt doch noch die Realität in Form von islamistischen Attentaten, von Gewaltausbrüchen in den Vorstadt-Ghettos unserer Nachbarländer, Pisa-Schock und vor der Integrationsverweigerung eingewanderter Parallelgesellschaften kapitulierenden Hauptschulen so massiv dazwischengekommen, daß es sich nicht mehr ignorieren ließ. Bestürzt mußten Feministinnen wie Alice Schwarzer und Homosexuellen-Lobbyisten wie Volker Beck feststellen, daß ihre emanzipatorischen Vorstellungen von vielen der gehätschelten Einwanderer abgelehnt und angegriffen werden.
Gegenwind erfahren die Multikulturalisten zu Beginn des 21. Jahrhunderts zunehmend aus Milieus, derer sie sich bisher sicher glaubte: von Praktikern wie dem Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, Heinz Buschkowsky, der den Multikulturalismus für „gescheitert“ erklärt (JF-Interview 11/05), oder von aufgeklärten Einwanderern wie der Türkin Necla Kelek, die von spezifisch deutschen Denkverboten unbeeindruckt bleiben.
Die Tonlage hat sich geändert: Wer von der multikulturellen Utopie nicht lassen will, mischt jetzt nachdenkliche Wermutstropfen in den vormals so gepriesenen Wein. Multikultur bedeute auch „Streß, den wir aushalten müssen“, sagt neuerdings der Grünen-Vorsitzende Fritz Kuhn; und Alt-Multikulturalist Cohn-Bendit malt nicht mehr fröhliche Visionen von bunter Eintracht an die Wand, sondern raunt: „Die multikulturelle Gesellschaft ist hart, schnell, grausam und wenig solidarisch, sie ist von beträchtlichen sozialen Ungleichgewichten geprägt (…) Sie hat die Tendenz, in eine Vielfalt von Gruppen und Gemeinschaften auseinanderzustreben und ihren Zusammenhalt sowie die Verbindlichkeit ihrer Werte einzubüßen.“
Wer so redet, verläßt sich darauf, daß der Multikulturalismus, den man den Deutschen bei seiner Einführung als unausweichliche Notwendigkeit schmackhaft machen wollte, nach Art einer sich selbst erfüllenden Vorhersage inzwischen tatsächlich dazu geworden ist. So läßt sich trefflich philosophieren, solange man die Folgen nicht am eigenen Leibe spürt. Es liegt an den stärker und zahlreicher werdenden Gegnern des Multikulturalismus, ob sie dessen geistige Brandstifter, Schreibtischtäter und Mitläufer in dieser diskursiven Auffangposition ausruhen lassen wollen. Wenigstens mit der Dreistigkeit, als Reaktion auf das selbstgemachte Desaster noch mehr Subventionen für die eigene Multikultur-Bürokratie zu fordern, sollten sie nicht davonkommen.
Ausländer in Deutschland
1960 750.000
1970 2,9 Mio
1980 4,5 Mio
1990 5,4 Mio
2000 7,2 Mio
2004 7,3 Mio
Seit dem Jahr 2000 gilt in Deutschland ein neues Staatsangehörigkeitsrecht, das Einbürgerungen erleichtert und hier geborenen Ausländerkindern praktisch ein Anrecht auf Einbürgerung bringt. Allein zwischen 2002 und 2004 wurden 422.431 Ausländer eingebürgert.
Multikulturalisten
– Geißler/Süssmuth-Gruppe –
Wegen Beteiligung an der Verharmlosung und dem Gesundbeten der Folgen der unge-bremsten Masseneinwanderung nach Deutschland müssen sich politisch vor den Wählern oder wenigstens durch vorläufigen Talkshow-Verzicht verantworten:
Heiner GEISSLER, Rita SÜSSMUTH, Heribert prantl, Claudia ROTH, Joseph FISCHER, D. COHN-BENDIT, Jürgen HABERMAS, Friedbert PFLÜGER, Jürgen SCHMUDE, Dieter OBERNDÖRFER, S. Leutheusser-Schnarrenberger, Barbara John
Vorsicht! Sie haben es gut gemeint!
Manastirli Hamdi
12.04.06, 11:20
"'Liberale' Gesinnung galt mehr als Gemeinwohl"1
"'Liberale' Gesinnung galt mehr als Gemeinwohl"
Im Gespräch: Der Soziologe Robert Hepp warnte schon vor Jahrzehnten vor den Folgen von Geburtenschwund und Zuwanderung. Er verfiel der Acht, nach Jahren bricht er erstmals sein Schweigen
Moritz Schwarz
Herr Professor Hepp, in letzter Zeit hat ein atemberaubender Wandel in der Debatte um Zuwanderung und Integration, „multikulturelle Gesellschaft“ und die demographische Katastrophe stattgefunden. Die meisten Debattenteilnehmer aus Politik, Öffentlichkeit und Medien erwecken allerdings den Eindruck, als hätte man nicht ahnen können, welche Folgen die über Jahrzehnte verfolgten gesellschaftlichen und politischen Konzepte einmal haben würden. Man tut so, als hätte es Warner wie Sie nicht gegeben.
Hepp: Es ist in der Tat erstaunlich, plötzlich sprechen alle von diesen Problemen. Man hat fast den Ein**druck, es gebe nichts, was unsere Lands*leute mehr be*küm*mert. Beispiel Geburtenrückgang: Nach einer Um*fra*ge des Bundes*instituts für Be*völ*ker*ungs****for*schung mit dem Titel „Population Policy Acceptance Study“ sind 84 Prozent der Deut*schen vom Rück****gang der Ge*burten*zahlen alles andere als entzückt.
Ausgerechnet Sie sagen heute: „Das ist doch kein Thema mehr!“
Hepp: Daß heute alle Welt davon redet, wäre für mich schon Grund genug, nicht mehr davon zu sprechen Ich überlasse es gern an*de*ren, Eulen nach Athen zu tragen, zumal in der Dämmerung, wenn die Eule der Minerva ihren Flug beginnt. Dann ist es bekanntlich zum Handeln immer schon zu spät.
Ist der Geburtenrückgang etwa zu spät erkannt worden?
Hepp: Heute hört man in der Tat oft, der Geburtenrückgang sei leider zu spät bemerkt worden. In Wirklichkeit wurde er durchaus rechtzeitig bemerkt, man hat daraus nur keine Konsequenzen gezogen. Als sich der demographische Niedergang der Bundesrepublik abzuzeichnen begann – seit 1971 wurde bei der deutschen Be*völkerung ein Geburtendefizit registriert, und seit 1975 lag ihre Geburtenziffer mit weniger als 1,4 Geburten pro Frau durchweg um ein Drittel unter dem erforderlichen Reproduktionsniveau von durch*schnittlich 2,1 Geburten –, erschien eine ganze Reihe von Schriften, die vor den fatalen sozialen Folgen des Geburten*rückgangs warnten. Etliche schockierten die Öffentlichkeit damals schon mit Titeln, die mit der rhetorisch gemeinten Frage aufwarteten, ob die Deutschen zum Aus*sterben verurteilt seien. Der Ge*burten*rückgang wurde schließlich sogar zum Aus*löser einer Wiederbelebung der Be*völkerungs*wissenschaft in Deutsch**land, die nach 1945 einer blindwütigen Ent-nazifi*zierung zum Opfer gefallen war.
„Der Regierung ging es darum, die Situation zu bagatellisieren“
Bitte? Sie haben die Tabuisierung einer Bevölkerungspolitik in den siebziger und achtziger Jahren doch immer wieder beklagt!
Hepp: Schon im Februar 1973 wurde zum Beispiel auf Initiative der Deutschen Gesellschaft für Bevölkerungswissen*schaft, die dem Thema mehrere ihrer Jahres*tagungen widmete, vom FDP-Innen*minister Werner Mai*hofer unter ausdrücklicher Be*rufung auf die Not*wendigkeit der Erforschung von Ursachen und Folgen des Geburtenrückgangs ein Bundes*institut für Be*völkerungs*forschung eingerichtet, das die Regierung beraten sollte. Und seit Anfang 1975 gab dieses Institut auch eine eigene Zeitschrift für Be*völkerungs**wissenschaft heraus, in der das Thema einen breiten Raum einnahm. In der Ansprache zur Eröffnung des Bundes*in*stituts sagte sein Direktor, die Tatsache, daß die Bundesrepublik die niedrigste Geburten*ziffer ihrer Geschichte und wohl auch die niedrigste der Welt aufweise, habe in der Öffentlichkeit eine breite Diskussion ausgelöst. Er meinte jedoch, unter Hinweis auf die Schreckens*rufe aus den ersten Jahrzehnten des 20. Jahr*hunderts, in denen uns ver*meintlich schon einmal ein Volkstod gedroht habe, unbe*dingt vor „überhöhten Äußer*ungen“ und „wilden Speku*lationen“ warnen zu müssen. Das ist für die Behandlung des Themas in diesen Jahren bezeichnend! Und tatsächlich war dem Institut von der Regierung offenbar vor allem die Funktion zugedacht, die Öffentlichkeit zu beruhigen und die Situation zu baga*tellisieren. Tatsächlich antwortete die sozialliberale Re*gierung in den Jahren 1975 und 1977 auf wiederholte An*fragen der Opposition, sie sei nicht der Meinung, daß die deutsche Be*völkerungsent*wicklung einen Anlaß zu größten Besorgnissen gebe. In ihrer Antwort auf eine Umfrage der Vereinten Nationen räumte sie im Jahr 1976 zwar ein, daß die Wachstumsrate der deutschen Be*völkerung und ihr Fruchtbarkeitsniveau „nicht zufrieden*stellend“ seien, verneinte aber gleichzeitig die Frage, ob sie eine „formulierte Politik“ mit dem Ziel habe, „die Auswirkungen der Fruchtbarkeit auf die Wachs*tumsrate der Bevölkerung zu beeinflussen“.
Was war der Grund, daß unsere Regierungen sich so beharrlich weigerten, etwas zu unternehmen?
Hepp: Die Hauptgründe waren rein ideologischer Natur, in erster Linie eine vage „liberale“ Gesinnung, die man für demokratisch hielt. Der Staat, hieß es allge*mein, dürfe nicht „in die Schlaf*zimmer hinein*regieren“; das „generative Ver*halten“ der Bürger sei ihre höchst private Angelegen*heit. Der damalige Leiter der Planungsabteilung des Bundes*kanzleramtes unter Helmut Schmidt, ein gewisser Albrecht Müller, für den „‘Bestandserhaltung’ ein Begriff aus der Viehhaltungs*statistik“ war, pflegte den Befürwortern bevölkerungs*politischer Maßnahmen vorzuwerfen, sie seien noch in „völkisch-kollektivistischen Vorstellungen“ befangen. Für diese Leute gab es in der Tat kein Gemeinwohl und kein nationales Interesse, sie meinten, die Politik habe nur für die maximale Entfaltungsfreiheit der Bürger zu sorgen. In der zitierten Antwort auf die Uno-Umfrage begründete die sozialliberale Regierung ihre bevölkerungspolitische Zurückhaltung damit, daß das niedrige Frucht*barkeits*niveau gegenwärtig im allge*meinen zum Wohl der Familie beitrage, indem es das Erreichen der gewünschten Kinder*zahl ermögliche und „partnerschaftliche Ehe-struk*turen“ sowie „die Wahr*nehmung eigenen Lebenschancen der Frau“ begünstige. Die Regierung spielte damit auf ihre Reform des Ehe- und Familienrechts und auf die Reform des Paragraphen 218 an. Da damit die Hauptursachen des deutschen Geburtenrückgangs benannt sind, kann man sagen, daß die deutsche Regierung den Geburtenrückgang aus ideologischen Gründen begrüßte. Und da es in dieser Zeit noch möglich gewesen wäre, den Geburtenrückgang „rückgängig“ zu machen, mache ich die sozialliberale Ideo*logie hauptsächlich für das Desaster verantwortlich. Ich erinnere an meine Kritik, die ich mit der Formel vom „sozialen Aufstieg in die nationale Dekadenz“ zusammenfaßte.
„Die heutige Elterngeneration könnte ein Drittel stärker sein“
Sie haben zum Beispiel 1982 kritisiert, daß in der Regierungserklärung Helmut Kohls kein Hinweis auf eine Bevölkerungspolitik zu finden war. Was hätte man damals tun können, um die Katastrophe abzuwenden?
Hepp: Unter denen, die sich an den Diskussionen über Maßnahmen zur Bekämpfung des Geburtenrückgangs beteiligen, war ich einer der wenigen – es dürften nicht viel mehr als eine Handvoll gewesen sein –, die für eine „pro*nata*listi*sche“ Be*völke*rungs**politik ein*traten. Damit ist eine Politik gemeint, die eine Veränderung des genera*tiven Verhaltens der Deutschen, eine Anhebung ihrer Frucht*barkeit auf das zur Selbster*haltung erforderliche Niveau, bewirken sollte. Wenn dies damals gelungen wäre, wäre die heutige Elterngeneration um ein gutes Drittel stärker, und es würde auf absehbare Zeit keine ernstlichen Rentenversicherungs-, Krankenver*sicherungs- und Pflege*ver*sicherungspro*bleme geben. Wir hätten auch weitgehend auf die teure Einfuhr und Integration von Ausländern verzichten können.
Mußten Sie nicht fürchten, daß eine pronatalistische Politik durch die Bevölkerungspolitik des Dritten Reiches, die ja auch nicht besonders erfolgreich war, als diskreditiert gelten würde?
Hepp: Die bloße Tatsache, daß Adolf Hitler etwas für richtig hielt, war für mich noch nie ein Grund, es unbesehen für falsch zu halten. Im übrigen will ich hier nicht erörtern, ob die Legende von der Wirkungslosigkeit der natio*nal*sozia*listi-schen Be*völkerungspolitik einer un*be*fangenen Untersuchung standhalten würde. Ich halte sie für falsch. Im Unterschied zu dem demographischen Star*berater der sozial*liberalen Bundes*regierungen jener Jahre, einem gewissen Dr. Hermann Schubnell, der seinen Doktortitel im „Tausend*jährigen Reich“ mit einer linientreuen pro*nata*listischen Arbeit er*worben hatte und daher in der Bundesrepublik von einer solchen Bevöl*kerungs*politik nur abraten konnte, weil er sonst schnell als „Altnazi“ dekuvriert und als Re*gierungs*berater abserviert worden wäre, hatte ich als Nachkriegsdeutscher gegenüber einer solchen Be*völkerungs***politik zwar keine Berührungsängste, aus meiner Sicht mußten die Mittel, die im Deutschen Reich der dreißiger Jahre noch mit Erfolg eingesetzt werden konnten, vierzig Jahre später in der ganz anderen sozialen Konstellation der Bundesrepublik allerdings weitgehend versagen.
„Ohne Abtreibungen kein Geburtendefizit“
Gab es für Sie andere erfolgreiche Modelle?
Hepp: Ich wies vor allem auf das Beispiel der erfolgreichen Bevölkerungs*politik Frankreichs hin, dessen Geburten*ziffern nur wenig unter dem Reproduktionsniveau lagen. Ich hatte meine demo*graphischen Kennt*nisse während eines Studiums in Frank*reich erworben. Da flo*rierte die Demo*graphie als Hilfs*wissenschaft einer Politik, die das Land aus dem demo*graphischen Nieder*gang herausgeführt hatte, der mit wiederholten Geburten*defiziten bereits ge*gen Ende des 19. Jahrhunderts begon*nen hatte und dem man die militärische Nieder**lage im Zweiten Weltkrieg zu*schrieb. Da es den Franzosen tat*säch*lich mit einem Bündel pro*natalistischer Maß*nahmen ge*lun*gen war, eine Wende in ihrer Bevölkerungs*entwicklung herbeizu*führen, die zu Beginn des Jahr*hunderts niemand für möglich gehalten hätte, gab ich mich eine Zeit lang der Hoffnung hin, daß vielleicht auch in Deutschland noch ein solcher Umschwung zu schaffen sei, wenn man dafür nur tüchtig die Werbetrommel rührte.
Sie begannen damals für diese Sache „durch die Lande zu ziehen“ und malten, wie Sie einmal gesagt haben, „die drohende Be*völkerungs*schrumpfung und Überalterung anhand statistischer Modellrechnun*gen im Stil eines alt*testamentarischen Unheils**pro*pheten an die Wand“.
Hepp: Ich habe versucht, die Leute davon zu über*zeugen, daß es nur ein aussichts*reiches Rezept gäbe: die An*hebung der Frucht*barkeit auf 2,1 Geburten pro Frau. Ich wollte zu diesem Zweck auch eine Verschärfung des Paragraphen 218 – natürlich in Abstimmung mit den benachbarten europäischen Staaten – nicht ausschließen, falls die ande*ren in Frank*reich mit Erfolg angewandten pronata*listi*schen Maß*nahmen, besondere Prämien für dritte und weite*re Kinder, Steuertarife nach Kinderzahl etc., in Deutsch***land nicht greifen sollten. Irland mit seinem rigo*rosen Abtreibungs*verbot war schließlich schon in den acht*ziger Jahren das einzige Land der EG mit Geburten*ziffern, die sich noch sehen lassen konnten. Und wenn man bei uns die Abtreibungen und die Geburten addierte, gab es auch in Deutschland statistisch kein Geburten*defizit mehr.
Manastirli Hamdi
12.04.06, 11:21
Teil2
Statt zu mehr Geburten kam es aber zu mehr Einwanderung.
Hepp: Rein statistisch betrachtet konnten die Lücken, die der Geburtenrückgang hinterließ, ebensogut durch die Anlockung Fremder geschlossen werden wie durch den „natürlichen“ Zuwachs eigener Geburten. Und da sich die Bundesregierung für diese Alterna*tive ent*schieden hatte, mußte ich mich notgedrungen auch mit ihrer „Wanderungspolitik“ ausein*ander*setzen. Im End*effekt spitzte sich also meine Argumentation auf die Demonstration der Überlegenheit einer pronata*listischen Bevölkerungspolitik über die Wanderungs*politik zu.
„Es hagelte faule Eier und Tomaten“
Was Sie allerdings erst recht in Verruf gebracht hat.
Hepp: Über die Reaktion des linksliberalen Establishments brauche ich mich wohl nicht auszulassen. Im akademischen Raum blies mir von Anfang an ein scharfer Gegen**wind ins Gesicht. Das Konzil der Uni*versität Osnabrück etwa war nur durch einen Gerichtsbeschluß daran zu hindern, meine „frauen- und ausländerfeind*lichen Irrlehren“ anzuprangern. Einzelne Kollegen veran*stalteten Kollo*quien und Pres*se*konferenzen, in denen sie sich von mir distanzierten. Mein Dienst*herr meinte mich zur Verfas*sungs*treue er*mah*nen zu müssen und ließ mich per Zeitung wissen, daß er meine Aktivitäten „auf das genaueste“ ob*serviere. Wenn ich zu Gastvor*lesungen an anderen Uni*ver*si*täten einge*laden war, wurde ich gewöhnlich von einem Pulk von Cha**oten in Empfang genommen und mit Ge*walt am Vor*trag gehindert. Da hagelte es faule Eier und To*ma*ten. Das war zwar recht lustig, aber effektiv war es nicht.
Wie war das Echo auf der anderen Seite des politischen Spektrums?
Hepp: Das Ziel einer Änderung des genera*tiven Verhaltens wur*de allen*falls von einigen alten Kon*serva*tiven, die sich selber nicht mehr davon betroffen fühlten, mit Beifall aufge*nommen. Die elitäre Rechte hat sich allerdings über den „Gebär*predi*ger“ Hepp eher lustig gemacht. Die Verächter der Masse brachten unverhohlen ihre Freude darüber zum Ausdruck, daß nach Jahrhunder*ten eines hemmungslosen prole*tarischen Bevölke*rungs*wachs*tums endlich die Zeit des „Ge*sund***schrumpfens“ ange*brochen sei. Auch die Be*funde des Etho*logen Paul Leyhausen – über das mit steigender Be*völke*rungsdichte zunehmende asoziale Verhalten wil*der Tiere – wurden mir in diesen Kreisen oft unter die Nase gerieben. Und schließlich spielten dort auch ökolo*gische Argumente eine große Rolle. Das Null*wachs**tum war nicht nur die Lieb*lingsidee der Linken. Im Bür*ger*tum war die vor*herrschende Grund*stimmung ohne*hin malthusia*nisch. Es mag sein, daß ich mich irrte, aber ich hatte bei den Diskussionen über meine Vorschläge immer den Ein*druck, daß ich es mit einer Gesell*schaft zu tun hatte, die sich zur Ruhe begeben wollte. Daß sich das Land vor der Alterna*tive „wach*sen oder altern“ – und etwas anderes gibt es für eine Bevölkerung nicht – letztlich für das Altern ent*schieden hat, war meines Erach*tens in der morosen Mentali*tät dieser Jahre schon vor*ge*zeichnet. Von einer Revitali*sierung der Deut*schen, wie sie mir vorschwebte, konnte unter diesen Umständen nicht mehr die Rede sein.
Dennoch beunruhigten einige Menschen immerhin Ihre Prognosen zur Einwanderung.
Hepp: Wirklich angekommen bin ich beim Publikum nur mit meinen Argumenten gegen die Wanderungs*politik, die ich ur***sprünglich lediglich als Kontrast*mittel zur Unter*stützung meiner Haupt*forderung in mein Repertoire auf*ge****nom***men hatte. Das Thema machte sich aber selb*ständig. Wenn ich zu Diskussionen im Fern*sehen einge*laden wurde, bei denen es um Probleme der deutschen Bevöl*kerungs*ent*wicklung gehen sollte, wurde unter der still*schweigend von allen akzeptierten Prämisse, daß gegen den Geburtenrückgang nichts mehr zu machen sei, immer nur über die mit der Wanderungspolitik zusam*menhängenden Ausländer*probleme und über die „Aus*länder*feind*lich**keit“ der Deutschen diskutiert.
„In einer NDR-Sendung platzte mir der Kragen“
Immerhin wurden Sie in den achtziger Jahren recht häufig ins Fernsehen eingeladen.
Hepp: Ja, ich diente dort aber nur als Anheizer, der die übri*gen Teilnehmer – lauter handverlesene Gut*men*schen, unter denen der Streitgegenstand im Grunde un*strittig war – in Rage versetzen sollte, damit sie keine gar zu lang**weilige Show ablieferten. Ich habe die Posse lange mit*gespielt. Als mir schließlich bei einer Runde im NDR der Kragen platzte, haben alle Sendean*stalten wie auf Kom*mando auf weitere Gastspiele ver*zichtet. Ich war darüber nicht un*glück*lich, denn das immer gleiche Stück hatte allmäh*lich, wie der Berliner sagt, „einen Bart mit Dauerwellen“. Und der politische Effekt war gleich Null.
Warum aber sagen Sie heute, der Geburtenrückgang sei für Sie kein Thema mehr? Vielleicht könnten Sie mit neuen Vorschlägen nun eine bessere Wirkung erzielen?
Hepp: Sie meinen, ich sollte ebenfalls kostenlose Kinderkrippenplätze und steuerfreie Tagesmütter für die Einzelkinder aka*demischer Doppelverdiener fordern?
Damals warben Sie dafür, daß der Staat potentielle Eltern mit materiellen Anreizen zum Kinder*kriegen animiert. Die Wirkung dieser Anreize ist allerdings von der Bedürfnisstruktur und dem Leben*s*standard der Adressaten abhängig. Könnte es also nicht durchaus gelingen, mit Hilfe unentgeltlicher Kinderkrippen und steuer*lich absetzbarer Tagesmütter kinder*lose Akademikerinnen auf andere Gedanken zu bringen?
Hepp: In den siebziger und achtziger Jahren war die Verein*barkeit von Familie und Beruf noch kein aktuelles Pro*blem. Diese Frage ist überhaupt erst mit der späteren Haus**haltsrevolution virulent geworden, die durch die Kumulation mehrerer Einkommen in einem Haushalt völlig neue Aufstiegschancen und Abstiegsrisiken eröffnete. Ich bezweifle im übrigen auch, daß die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf heute der Königsweg zu einer höheren Ferti*lität ist. Die Makrostatistik spricht jedenfalls nicht unbe*dingt dafür. In Schweden, das immer noch als Pa*rade*beispiel gilt, weil die Ge*burtenziffer dort im Jahr 1990 trotz einer hohen Frauen*erwerbsquote – über 80 Prozent der 25- bis 50jährigen – bei 2,14 Kindern ange**kom**men war, ist die Ziffer inzwischen auf 1,5 herun*ter**ge*gangen. Frankreich hat bei einer vergleich*baren Be*treuungs*infra*struktur eine niedrigere Frauener*werbs*quote und trotzdem eine höhere Fertilität. Oder, um im Lande zu bleiben: Brandenburg kann mit einem deut*lich besseren Krippen*angebot aufwarten als Bayern, aber in Bayern liegt die Geburtenziffer trotzdem noch um einiges höher. Ich will nicht ausschließen, daß das Mo*dell unter be*stimmten Umständen funktionieren könnte. In Is*land beispiels*weise mit einer – anno 2000 – Frau*en*er*werbs**quote von 80 Prozent und stolzen 2,08 Kindern pro Frau (im Jahr 2003 noch 1,99) scheint es zu funktio*nieren. Die Zusammen*hänge sind aber jedenfalls kom*plexer, als Lies*chen Müller – oder Ursula von der Leyen – meint.
„Kinder, die nicht geboren werden, fehlen als Eltern“
Diese Zusammenhänge könnten Sie ja berücksichtigen und so eine überzeugende Alternative zu Konzepten à la von der Leyen ins Spiel bringen.
Hepp: Als ich mich noch für eine geburtenfördernde Politik stark machte, lag der durchschnittliche Kinderwunsch noch über dem Reproduktionsniveau und weit über den realisierten Geburten. Und die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit war aus sozialer Per*spektive die beste Rechtfertigung einer pronatalistischen Bevölkerungspolitik, die die Barrieren zu beseitigen versprach, die der Verwirklichung des Kinder*wunsches der Bürger entgegenstanden. Heute liegt der durchschnittliche Kinderwunsch der 18- bis 39jährigen Deutschen nach einer Eurobaro*meter-Umfrage von 1999/2000 weit unter dem Repro*duktions*niveau, ziemlich dicht bei der tatsächlich realisierten Zahl der Geburten. Bei den deutschen Frauen im Alter von 18 bis 39 Jahren ist der durchschnittliche Kinderwunsch mit 1,52 einer der niedrigsten in Europa! Und auch bei den deutschen Männern unter 35 Jahren ist er mit 1,31 der mit Abstand niedrigste. Unter solchen Umständen dürfte jede noch so gut gemeinte „Familienpolitik“ zum Scheitern verurteilt sein.
Es wäre ja immerhin denkbar, daß das Kinderwunsch einmal wieder auf ein höheres Niveau ansteigt.
Hepp: Das ist natürlich nicht völlig auszuschließen, aber bisher ist immer behauptet worden, daß eine pro*natalistische Bevölkerungspolitik den Kinderwunsch an sich kaum beeinflussen könne, sondern allenfalls dessen Erfüllbarkeit beziehungsweise den Zeitpunkt seiner Realisierung. Zur Zeit wird in der Fachliteratur schon diskutiert, ob der niedrige Kinderwunsch der Deutschen eine neue Etappe des Geburtenrückgangs ankündige.
Fazit: Es ist für jede Beeinflussung des generativen Verhaltens durch materielle Anreize definitiv zu spät?
Hepp: Es gibt noch andere Grunde, die dafür sprechen, daß der Geburtenrückgang nicht mehr „rückgängig“ zu machen ist, ja daß es nicht einmal mehr zu wünschen wäre, ihn „rückgängig“ zu machen. Bei einer Geburten*ziffer, die seit nunmehr über dreißig Jahren unter 1,4 Geburten pro Frau liegt, sind alle Kohorten der heute unter Dreißigjährigen – gemes*sen an den durch*schnittlich 2,1 Ge*burten –, die zur Re*produktion der Eltern*gene*ration erforderlich wären, bereits um ein gutes Drittel zu gering ausgefallen. Da die Kinder, die in den siebziger und achtziger Jahren nicht ge*boren wurden, heute als Eltern fehlen, könnte auch ein künftiger Anstieg der Fruchtbarkeit auf das Repro*duktions*niveau – mit dem im Ernst niemand rechnet – die fatalen Folgen des demo*graphischen Regimes der letzten Jahrzehnte nicht verhindern. Nach den Modellrechnungen des Statisti*schen Bundesamtes wäre auch unter dieser Voraus*setzung in Deutsch*land – selbst bei einer jährlichen Nettoein*wanderung von 150.000 Ausländern – bis zur Jahr*hun*dert*mitte noch ein Geburtendefizit und damit eine ständige Abnahme der Bevölkerung zu ver*zeich**nen.
Wobei der Begriff „Bevölkerungsabnahme“ nur die eine Hälfte des Problems beschreibt. Damit einher geht schließlich automatisch eine „Überalterung“.
Hepp: Ja, und die ließe sich selbst bei einem sofortigen Anstieg der Fruchtbarkeit auf das Reproduktions*niveau nicht mehr verhindern. Es handelt sich dabei um eine unvermeidliche Konsequenz der unzureichen*den Frucht*barkeit der letzten drei Jahrzehnte. Nach der zitierten Modellrechnung des Statistischen Bundesamtes wird der sogenannte Altenquotient, der das Verhältnis der über 60jährigen zu den 20- bis 60jährigen angibt, bei der deutschen Be*völkerung – wenn man von weiteren Einwanderun*gen absieht – bis zum Jahr 2050 von heute 43 Prozent auf 83 Prozent steigen. Bei einer geringen Steigerung der Lebens*erwartung könnte er sich sogar auf 100 Prozent erhöhen, so daß also auf jeden potentiellen Erwerbstätigen ein potentieller Rentner käme! Ich brauche nicht aus*zumalen, was das für die Renten- und Kranken*ver*sicherungen bedeutet.
Der Bevölkerungswissenschaftler Herwig Birg hat ausgerechnet, daß die Frucht*barkeits*rate auf den extremen Wert von 3,8 Kindern pro Frau steigen müß*te, um die Zunahme des Altenquotienten zu verhindern.
Hepp: Und das wäre eine Reproduktionsrate so hoch wie in Nicaragua und Paraguay! Hinzu kommt, daß bei einem Fruchtbarkeitsanstieg der Jugend*quo*ti*ent, der das Verhältnis der unter 20jährigen zu den 20- bis 60jährigen angibt und der nach der zitierten Modellrechnung bei gleichbleibend niedriger Fruchtbarkeit bis zum Jahr 2050 von 38 Prozent auf 33 Prozent fallen würde, bei einer Erhöhung der Fruchtbarkeit ebenfalls ansteigen würde. Somit würde auf den „Tragkörper“ der „mittleren Generation“, der durch den vorangegangenen Geburteneinbruch ge*schwächt ist, nicht nur eine höhere Belastung durch Alte, sondern gleich*zeitig auch noch eine steigende Belastung durch Kinder und Jugendliche zukommen. Es ist unvorstellbar, daß er dieser Doppelbelastung standhalten würde.
Es ist also wirklich und wahrhaftig zu spät!
Hepp: Hier zeigt sich ein fatales Phänomen, das man in der Demographie als das „Gesetz der Trägheit“ bezeichnet. Die Zahl der Geburten hängt eben nicht nur von der Fruchtbarkeit der Eltern ab, sondern auch von der Zahl der Personen, die jeweils als Eltern in Betracht kommen. Selbst ein Anstieg der Geburtenziffer auf die ideale Zahl von zwei Kindern je Frau könnte daher nicht verhindern, daß die Bevölkerung noch jahrzehntelang abnimmt und immer älter wird. Man kann eben auf diesem Feld eine politische Fehlent*scheidung nicht einfach revidieren. Hier gilt wirklich, was für die sogenannte „Vergangenheits*be*wältigung“ nicht unbedingt geltenmüßte, daß der Herr „der Väter Missetaten heimsucht an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied“, wie es in der Bibel heißt.
„Rentenalter mit 77 und 458.000 Ausländer jährlich“
Das klingt nun aber gar nicht österlich. Was bleibt uns denn dann noch zu tun? Sie werden uns doch nun nicht auch noch das Sauerbier der „Bestanderhaltungsmigration“ als die einzig mögliche Lösung der Probleme einer schrumpfenden und alternden Bevölkerung anbieten wollen?
Hepp: Sie spielen auf die verrückte Uno-Studie an, die keine andere Möglichkeit sieht, in Deutschland auf lange Sicht die Anhebung des Rentenalters auf 77 Jahre und den Rückgang der Bevölkerung zu vermeiden, als die Aufnahme von jährlich 458.000 Ausländern, womit der Ausländeranteil bis 2050 auf 36 Prozent ansteigen würde. Es tut mir leid, aber wir haben tatsächlich nur noch die Wahl zwischen der Pest, der Cholera und dem Typhus! Meinhard Miegel und Stephanie Wahl haben das bevölkerungspolitische Trilemma, vor dem wir stehen, schon vor dreizehn Jahren in einem Buch mit dem schönen Titel „Das Ende des Individualismus – Die Kultur des Westens zerstört sich selbst“ schonungslos dargelegt.
„Die Deutschen wollen alles zugleich – das geht nicht“
Danach haben wir grundsätzlich nur noch drei Optionen ...
Hepp: ... die alle mit Nachteilen verbunden sind. Erstens: Wenn wir die Bevölkerungszahl Deutschlands bis 2050 bei 80 Millionen konstant halten wollen, müssen wir den Anteil der Eingewanderten von 10 Prozent auf etwa 30 Prozent und den Anteil der über 60jährigen von 20 Prozent auf ebenfalls etwa 30 Prozent anheben. Zweitens: Wenn wir den Ausländeranteil bei 10 Prozent konstant halten wollen, müssen wir bereit sein, eine Abnahme der Bevölkerungsgröße um 25 Prozent und eine Verdoppelung der über 60jährigen von 20 Prozent auf 40 Prozent hinzunehmen. Drittens: Wenn wir den Anteil der über 60jährigen bei 20 Prozent konstant halten wollen, müssen wir uns auf den Anstieg des Ausländeranteils von 10 Prozent auf etwa 50 Prozent und eine Zunahme der Bevölkerungsgröße auf über 100 Millionen akzeptieren.
Zu welcher Option raten Sie?
Hepp: Das ist nicht die Frage, sondern, für welche werden sich die Deutschen entscheiden? Das Dumme dabei ist, daß die Mehrheit der Deutschen alle drei Größen konstant halten möchte. Nach den Ergeb*nissen der „Population Policy Acceptance Study“ des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung finden 84 Prozent den Rückgang des Anteils der Jungen, also die Über*alterung, schlecht; 82 Prozent sind für eine Begrenzung des Ausländerzuzugs. Und nach einer von Miegel und Wahl zitierten Umfrage aus dem Jahr 1989 war die Mehrheit der Befragten sowohl gegen eine Zunahme als auch gegen eine Abnahme der Bevölkerung. Alles zugleich geht aber nicht. Man kann nicht den Kuchen essen und das Ei behalten.
Also bitte: Ihre Lösung! Ihren Ratschlag! Ihre Empfehlung!
Hepp: Es wird langsam Zeit, daß wir uns von luftigen Illusionen verabschieden. Politik ist nach Bismarck die Fähigkeit, in jedem wechselnden Moment der Situation das am wenigsten Schädliche zu wählen. Wenn Sie’s unbedingt wissen wollen: Ich bin für die Cholera.
Prof. Dr. Robert Hepp gilt seit Mitte der siebziger Jahre als der eindringlichste Warner vor demographischer Katastrophe und den Folgen der Einwanderung. Nachdem er zunächst eine erhebliche Medienresonanz erlebte, fiel er zunehmend der aufkommenden Political Correct-ness zum Opfer. In zahlreichen Veröffentlichungen prognostizierte Hepp die schon damals absehbaren Folgen einer verweigerten Bevölkerungs- und statt dessen betriebenen Einwanderungspolitik. Am bekanntesten wurde sein Buch mit dem provozierenden Titel: „Die Endlösung der deutschen Frage. Grundlinien einer politischen Demographie in der Bundesrepublik Deutschland“ (Hohenrain, 1988). Bis Ende 1994 lehrte er als Professor für Soziologie an der Universität Osnabrück, dann bis zu seiner Emeritierung am 1. April dieses Jahres an der Hochschule Vechta. Geboren wurde er 1938 in Oberschwaben bei Riedlingen an der Donau.
Pessimismus und Pankikmache haben Hochkonjunktur in Deutschland!!!! Das ist zur Zeit eine Masche der Presse!!!!! Kommt gut an:rolleyes:
Manastirli Hamdi
01.05.06, 01:50
© JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. 18/06 28. April 2006
Der Gegenschlag
Eine Gewalttat wird zu einem nationalen Ereignis aufgebauscht – weil es ins politische Konzept passt
Doris Neujahr
In Potsdam hat in der vergangenen Woche ein Gewaltverbrechen stattgefunden, bei dem ein deutscher Staatsbürger äthiopischer Herkunft lebensbedrohlich verletzt wurde. Die beiden Täter – zu diesem Zeitpunkt ist hinzuzufügen: die mutmaßlichen – wurden dank professioneller Ermittlungsarbeit rasch dingfest gemacht. Das auf einer Mailbox festgehaltene Wort „Scheiß-Nigger“, mit dem das Opfer während der Tat beschimpft wurde und das reflexhaft als Beweis für einen ursächlichen Rassismus gewertet wurde, war anscheinend die auf Distinktion abgestellte Begleitmusik zu einem Kneipenstreit, vergleichbar Ausdrücken wie „deutsches Schwein“ oder „Christenschwein“ aus dem Mund muslimischer Mitbürger.
Wie dem auch sei, alle rechtlich denkenden Bürger erwarten eine entsprechend ihrer Schuld harte Bestrafung der Täter. Es ist ein empörender Mißstand in Deutschland, daß Körperverletzungen, selbst schwere, häufig nur als Bagatellvergehen geahndet werden. Das gilt ganz unabhängig davon, ob die Opfer und Täter rechts, links oder unpolitisch sind, ob Deutsche oder Ausländer.
Durch ihre öffentliche Behandlung hat die Untat zusätzlich eine staatspolitische Dimension erhalten, die noch in ganz anderer Hinsicht zum Nachdenken anregen muß. Das Hysterisierungspotential in Medien und Politik ist so groß, daß es zwei Kleiderschränken aus der Türsteherszene mit einem einzigen Faustschlag gelingt, im größten Land der EU eine Woche lang die politischen Debatten zu bestimmen. Das eröffnet für Verrückte aller Art ungeheure Möglichkeiten, politische Entscheidungen in Deutschland zu manipulieren, und wirft die Frage auf, ob es bei früheren Verbrechen, die als Zeugnisse neonazistischer Niedertracht in die Annalen eingegangen sind, nicht auch in ganz anderer Weise mit unrechten Dingen zugegangen ist als allgemein angenommen.
Den deutschen Medien kam es – von Ausnahmen abgesehen – gar nicht darauf an, was in Potsdam passiert war, sondern welches politische Kapital sich daraus schlagen ließ. Mit wahrer Wollust wurde das Verbrechen als „ausländerfeindliche“, „rechtsradikale“ oder „rechte“ Tat politisch aufgeladen und zur Gefahr für den inneren Frieden erklärt. Der Generalbundesanwalt machte sich diese Auffassung zu eigen und zog das Ermittlungsverfahren an sich.
Bei aller Abscheu über diese Tat: Man muß die Proportionen wahren! „Ausländerfeindliche“ Gewalt, sei sie tatsächlich oder vermeintlich, macht nur einen Bruchteil der Gewaltkriminalität in Deutschland aus. In Berlin liest man mehrmals in der Woche von ähnlichen Verbrechen mit ebenfalls schlimmen Folgen für die Opfer. Nur gelangen die Meldungen über eine Kurzmeldung im Lokalteil nie hinaus. Die Betreuung der Opfer überläßt der Staat, der jetzt in Potsdam omnipräsent ist, privaten Vereinen wie dem Weißen Ring.
Der Grund für die losgetretene politische Kampagne liegt auf der Hand: Seitdem das Desaster an der Berliner Rütli-Schule öffentlich wurde, sind Multikulti und alle angrenzenden, politisch korrekten Ideologeme in einem Maße delegitimiert, daß nicht mehr ihre Kritiker, sondern ihre Verfechter unter Rechtfertigungsdruck stehen. Und dieser Druck wird steigen, je mehr die Folgen ihrer Politik hervortreten. Eine Verschiebung der Kräfteverhältnisse zunächst im vorpolitischen Raum erscheint möglich. Dem bedrohten Meinungskartell bot das Verbrechen von Potsdam die Gelegenheit zum propagandistischen Gegenschlag, inklusive der Demonstration staatlicher Macht: Die Delinquenten wurden gefesselt, im orangefarbenen Dreß, mit verbundenen Augen und verstopften Ohren zum Verhör geleitet. Guantánamo ließ grüßen!
Wie weit indes der Herdentrieb der Journalisten den Geist der Presse beherrscht, zeigte die Reaktion auf ein Interview Wolfgang Schäubles. Seine Einlassung, es würden auch blonde, blauäugige Menschen von Tätern heimgesucht, die möglicherweise keine deutsche Staatsangehörigkeit besäßen, was auch nicht besser sei, war die vornehme Umschreibung der Tatsache, daß weitaus mehr Deutsche Opfer von Gewaltverbrechen durch Ausländer werden als umgekehrt und daß die angelaufene Kampagne genau davon ablenken sollte. Das FAZ-Feuilleton, unfähig bzw. unwillig, den politischen Kern der Aussage zu identifizieren, übte sich in subtiler Sprachkritik, während die Berliner Zeitung titelte: „Schäuble isoliert sich“. Deutlicher kann man nicht ausdrücken, daß es gar nicht um Wahr oder Falsch geht, sondern um die Befestigung von Machtverhältnissen.
Statt die Probleme auch nur zu erkennen, werden sie durch eigennütziges, ideologisches, auf jeden Fall falsches Handeln verschlimmert. Es ist ja unbestreitbar, daß in bestimmten Gegenden der ehemaligen DDR für Ausländer die Gefahr besteht, als solche angegriffen zu werden. Die Abschottung der DDR spielt gewiß eine Rolle, 16 Jahre nach dem Mauerfall allerdings eine nachrangige.
Bedeutsamer sind wohl die Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur. Es gibt überproportional viele „Einheitsverlierer“ – eine spezifische Nebengattung der „Modernisierungsverlierer“ –, die ihren sozialen und gesellschaftlichen Prestigeverlust dem Westen anlasten und die Übertragung bundesdeutscher Strukturen auf ihre Lebenswelt als Überwältigung erlebten.
Am heftigsten wurde sie in der Aufforderung empfunden, sich der westdeutschen „Ausländerfreundlichkeit“ als dem Symbol sittlich-moralischer Höherwertigkeit zu unterwerfen – und zwar zack, zack! –, obwohl diese Geisteshaltung eindeutig neurotische Züge trägt.
Die Übertragung der Westneurosen auf den sozial gestreßten Osten mußte dort zu furchtbaren Eruptionen führen, die selbst von der PDS nicht aufgefangen werden konnten. Erstens, weil die PDS ideologisch im proletarischen Internationalismus wurzelt, zweitens, weil sie sich selbst durch forcierte „Ausländerfreundlichkeit“ der Westlinken als Bündnispartner empfehlen wollte. Die Ausländer sind Objekte und letztlich Opfer dieses zynischen Kalküls. Die Anti-Rechts- und -Rassismus-Programme, deren Weiterfinanzierung jetzt von einschlägigen politischen Kreisen gefordert wird, sind daher nicht bloß Geldverschwendung, sie sind auch kontraproduktiv, weil sie das Gefühl der Demütigung in der Ex-DDR verstärken und die Aggressivität steigern.
Als positiver Ertrag der Kampagne kann festgehalten werden, daß die Initiatoren ihr Ziel, die Debatten- und Bewußtseinslage in den Vor-Rütli-Zustand zurückzustoßen, nicht erreicht haben. Der Problemdruck ist zu real, als daß die Bürger sich mit durchsichtigen Manövern davon überzeugen ließen, er existiere nur in ihrem falschen Bewußtsein.
Bedeutsamer sind wohl die Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur. Es gibt überproportional viele „Einheitsverlierer“ – eine spezifische Nebengattung der „Modernisierungsverlierer “ –, die ihren sozialen und gesellschaftlichen Prestigeverlust dem Westen anlasten und die Übertragung bundesdeutscher Strukturen auf ihre Lebenswelt als Überwältigung erlebten.
Das ist immer wieder die gleiche Methode, um bestimmte rassistische Gewalttaten in Deutschland zu relativieren, wenn Menschen auf Grund ihrer Herkunft geschlagen, erniedrigt und ermordet werden. Diese Methode nenne ich fragwürdig, dumm und lächerlich. Hallo, Nazis gibt es auch im Westen dieser Republik.
Ende der Fahnenstange erreicht“
Der Soziologe Peter Stiegnitz über das Ende der „Multikultur“ und die Wiederentdeckung Europas als Abendland
Moritz Schwarz
Hier eine schöne Adresse über die neuen bzw. zukünftigen Deutschen!
http:/www.taz.de/pt/2005/10/12/a0183.1/textdruck
Habe auch gehört, daß sie auch schon die Türkei bevölkern. :lach:
Manastirli Hamdi
05.05.06, 00:39
www.jungefreiheit.de
© JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. 19/06 05. Mai 2006
Die Karawane zieht weiter
„Fall Potsdam“: Die meisten Medien haben vorschnell geurteilt, doch von Selbstkritik fehlt jede Spur
Kurt Zach
Der Generalbundesanwalt ist zurückgetreten. Durch sein vorschnelles Handeln, mit dem er, ohne die näheren Umstände kennen zu können, die Potsdamer Ermittlungen an sich gezogen und so eine nächtliche Gewalttat in den Rang einer Staatsaffäre erhoben habe, habe er selbst die Stabilität und das innere Gefüge des Rechtsstaates in unverantwortlicher Weise gefährdet, erklärte ein sichtlich zerknirschter Kay Nehm vor den Kameras und Mikrofonen der deutschen Presse
Ausdrücklich entschuldigte sich Nehm beim brandenburgischen Innenminister Jörg Schönbohm, dessen frühe Mahnung zur Mäßigung er ignoriert habe. Der zu Unrecht Gescholtene ist inzwischen gefragter Interviewgast bei allen Sendern. Bei Christiansen, Illner und im Presseclub diskutieren Programmverantwortliche und Chefredakteure seit Wochen schonungslos über ihr eigenes Versagen bei der fortgesetzten einseitigen Berichterstattung über „fremdenfeindliche Gewalt“ in Deutschland. Die Aufklärungskampagne des Bundesinnenministers über Ursachen und Ausmaß des inländerfeindlichen Rassismus bei einzelnen Einwanderergruppen beherrscht derweil die Schlagzeilen, der Ruf nach einem gutdotierten Sofortprogramm der Bundesregierung wird lauter.
Das alles ist nicht passiert, und niemand wundert sich, daß nichts dergleichen geschieht. Erst recht stellt niemand die einzig sich aufdrängende Frage: Was läuft tatsächlich falsch in einem Land, in dem eine – nach derzeitigem Kenntnisstand – gewalttätige Auseinandersetzung zwischen Alkoholisierten mit tragischem Ausgang tagelang die Aufmacher der Leitmedien bestimmen kann?
Die Frage ist um so drängender, als die aktuelle „Potsdam“-Hysterie kein Einzelfall ist. Reminiszenzen an den Fall Sebnitz werden wach, als Politik und Meinungsmacher bereitwillig auf die Geschichte einer geistig Verwirrten hereinfielen, „Nazis“ hätten am hellichten Tage vor aller Augen ein Kleinkind im Schwimmbad ertränkt. Die Reaktionen des medial vorgeprägten Publikums nach Bekanntwerden der wahren Umstände ähnelten einander: Gut, es war nicht so, aber es hätte so sein können, außerdem gebe es noch andere schlimme Fälle, und daher war die Aufregung irgendwie schon berechtigt. Selbst der Generalbundesanwalt, der im Fall Potsdam so peinlich überreagiert hat, kann für sich in Anspruch nehmen, es ja gut gemeint zu haben.
„Gut gemeint“ in des Wortes schlimmster Bedeutung war auch Kanzler Schröders „Aufstand der Anständigen“ gewesen. Daß – wie sich nach dem seinerzeitigen Kundgebungsmarathon herausstellte – der anlaßgebende Anschlag auf eine Düsseldorfer Synagoge nicht von glatzköpfigen Neonazis, sondern von fanatisierten arabischen Jungmigranten ausgeführt worden war, führte keineswegs dazu, daß der „Aufstand“ in Frage gestellt wurde.
Die spektakuläre Enthüllung führte auch nicht zu einer neuen Kampagne mit geänderter Stoßrichtung, die etwa das tatsächlich vorhandene Problem des via Einwanderung importierten Antisemitismus ins Visier genommen hätte. Ein Problem, das nicht zuletzt auch den hier lebenden Juden größte Kopfschmerzen bereiten müßte. Wer allerdings dieser Tage die zahlreichen Nachrufe auf den verstorbenen Präsidenten des Zentralrats der Juden gehört und gelesen hat, vernahm zum wiederholten Male, daß damals der Neonazismus abermals sein kahles Haupt erhoben und Paul Spiegel bei dessen Bekämpfung ganz vorne gestanden habe. Die störenden Tatsachen, damals kurz erwähnt, waren wieder verschwunden, als hätte es sie nie gegeben.
Hat man also aus Sebnitz und Potsdam, hat man aus dem auf untauglicher Faktenbasis angezettelten „Aufstand der Anständigen“ nichts gelernt? Die Frage ist falsch gestellt. Längst hat der „Kampf gegen Rechts“ für die politischen und medialen Eliten der neuen gesellschaftlichen Mitte den Rang der Staatsräson erreicht. Betriebsunfälle à la Sebnitz und Potsdam hindern die Karawane nicht am Weiterziehen und sind erst recht kein Anlaß, die einseitig gefärbte Brille abzusetzen.
Also steht weiterhin in jeder Meldung über die Potsdamer Gewalttat die Wendung „rassistischer Überfall“, wenn auch inzwischen mit dem Epitheton „mutmaßlich“. Als dies angebracht gewesen wäre, als nämlich von den näheren Umständen der Tat noch so gut wie nichts bekannt war, fehlte das „mutmaßlich“ – die Vorverurteilung durch wertende Adjektive war kein Versehen, sondern Gutmenschenpflicht. Im Bestreben, die voreilig vertretene Tatversion nachträglich zu erhärten, wurden selbst schludrig recherchierende „Antifaschisten“ herumge-reicht, als wären sie wissenschaftliche Autoritäten. Die Propagandisten verstehen ihr Handwerk; manche haben die Spielregeln so verinnerlicht, daß sie sich dessen gar nicht mehr bewußt sein mögen.
Selektive und isolierte Faktenauswahl ist so ein Mittel, mit dem sich trefflich manipulieren läßt, ohne die Regeln objektiver Berichterstattung formal zu verletzen. In manchen ländlichen Gegenden Mitteldeutschlands leben Ausländer gefährlicher als anderswo – stimmt. In vielen Vierteln vieler Städte ist es umgekehrt – stimmt auch, ist aber kein Thema für die Medien und auch nicht für den Generalbundesanwalt. Wollte der jeden Fall an sich ziehen, in dem Deutsche Opfer von Gewalttaten werden, weil sie Deutsche sind, hätte er viel zu tun; und käme jeder solche Fall regelmäßig mit entsprechender Kommentierung in die Tagesschau statt unscheinbar in die Lokalnachrichten, wäre der Ruf nach Lichterketten gegen Ausländergewalt wohl nicht mehr weit. Aber Rassisten können ja immer nur die einen sein, und Opfer immer nur die anderen.
Den kritischen Zeitungsleser befallen da mitunter spätsowjetische Stimmun-gen. So muß es sich angefühlt haben, einen Prawda-Leitartikel zur Breschnjew-Zeit zu lesen, in dem unbeirrt die Parteilinie bejubelt wurde, während doch mitdenkenden Zeitgenossen klar sein mußte, daß die Realität anders aussieht. Wer heute in unserer gespaltenen Informationsgesellschaft tatsächlich informiert sein will, muß sich anstrengen und darf nicht alles glauben – eine Haltung, die an die von Dissidenten in autoritären Regimen erinnert.
Hier enden freilich die Parallelen. Niemand zwingt die Massenmedien, in einer bestimmten Weise zu berichten oder etwas zu verschweigen. Sie sind frei, aber sie haben versagt. Statt zu filtern und zu hinterfragen, was Politiker und Lobbyisten, „Antifaschisten“ und Agitatoren mit ihrer Hilfe transportieren möchten, haben sie Partei ergriffen oder sich instrumentalisieren lassen. Die Freiheit zur Selbstkritik ist ihnen aber unbenommen. Sie zu nutzen und sich der Verantwortung zu stellen, die der freien Presse in einer Demokratie zukommt, ist überfällig. Schließlich leben wir ja nicht in der Sowjetunion
Manastirli Hamdi
17.05.06, 22:59
© JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. 21/06 19. Mai 2006
Die Wiederkehr der Inquisition
Gleichstellungsgesetz: Entwurf sieht Einrichtung einer „Antidiskriminierungsstelle“ vor / Verfassungsrechtliche Bedenken
Wolfgang Philipp
In dem Entwurf des „Allgemeinen Gesetzes zur Gleichbehandlung (AGG)“ (ehemals Antidiskriminierungsgesetz) ist auch eine „Antidiskriminierungsstelle des Bundes“ vorgesehen. Das AGG soll „Benachteiligungen aus Gründen der Rasse, der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität verhindern oder beseitigen“.
Dafür zerstört der Gesetzentwurf die Vertragsfreiheit auf allen wesentlichen Gebieten. Um „Gleichheit“ durchzusetzen, erhalten private „Antidiskriminierungsverbände“ das Recht, „Benachteiligte auch vor Gericht zu vertreten“. Ihre eigentliche Aufgabe besteht aber nach Paragraph 29 AGG darin, eng mit der „Antidiskriminierungsstelle“ zusammenzuarbeiten. Sie sollen dieser „vor Ort“ zur Verfügung stehen, also Spitzeldienste leisten.
Die „Stelle“ ist schon staatsrechtlich unhaltbar. Sie wird beim Bundesfamilienministerium „angesiedelt“, soll aber „in Ausübung ihres Amtes unabhängig und nur dem Gesetz unterworfen“ sein: eine Position, wie sie in Artikel 97 des Grundgesetzes ausdrücklich nur den Richtern vorbehalten ist. Die „Stelle“ soll aber als Verwaltung aktiv tätig werden, informieren, Beratung vermitteln, Öffentlichkeitsarbeit betreiben und vor allem „Maßnahmen zur Verhinderung von Benachteiligungen“ ergreifen.
Die „Unabhängigkeit“ der Behörde wird dadurch gesichert, daß sie ihre eigenen Rechtsverhältnisse einschließlich der Rechtsaufsicht über sich durch Vertrag mit dem Familienministerium regelt, diesem also ebenbürtig ist. Eine solche Konstruktion ist verfassungsrechtlich nicht gedeckt: Es gibt keine staatliche Stelle, Behörde oder Gericht, die ihre Rechtsverhältnisse nicht vollständig aus dem Gesetz ableitet. Die „Stelle“ ist damit parlamentarischer Verantwortung, welcher nur Minister unterliegen, entzogen; sie ist niemandem verantwortlich, ein Staat im Staat.
Ihre Zielsetzung kann die „Stelle“ nur realisieren, wenn sie in engster Zusammenarbeit mit den Nichtregierungsorganisationen in den Bundesländern bis ins letzte Dorf hinein feststellt, was die Menschen denken und äußern. Jeder Verstoß gegen die einschlägige „political correctness“ wird wie in totalitären Staaten zur Existenzfrage. Die Ketzer werden ausgemacht und nach „oben“ gemeldet.
Ein Beispiel: Ein Arbeitgeber hat sich im Rahmen seiner Meinungsfreiheit oder politischer Tätigkeit gegen den Beitritt der Türkei zur Europäischen Union, gegen die weitere Einwanderung in unsere Sozialsysteme, gegen den unkontrollierten Zuzug von Muslimen und Islamisten oder gegen die sogenannte Homo-Ehe ausgesprochen.
Gesetz liegt Aufforderung zur Denunziation zugrunde
Diese Äußerungen werden infolge der dem Gesetz zugrunde liegenden Aufforderung zur Denunziation alsbald in einem Dossier bei der „Stelle“ dokumentiert sein. Will dieser Arbeitgeber einen Arbeitnehmer einstellen und finden sich unter den Bewerbern Türken, Islamisten oder Homosexuelle, so haben nur noch diese Bewerber, wenn sie sonst einigermaßen passen, eine Chance, eingestellt zu werden: Im Falle ihrer Ablehnung werden sie sich über den Inhalt des „Dossiers“ unterrichten und den Schluß ziehen, der Arbeitgeber sei Türken-feindlich, Muslim-feindlich und ein Gegner der Homosexuellen. Die Bewerber müssen eine solche Vermutung nur „glaubhaft machen“: Dann kehrt sich die Beweislast um. Der Arbeitgeber muß beweisen, daß er den Türken, den Muslim oder den Homosexuellen nicht gerade wegen dieser speziellen Eigenschaften abgelehnt hat: ein aussichtsloses Unterfangen.
Beugen sich die Arbeitgeber diesen Zwängen, so haben Deutsche, Christen oder „Heteros“ weit geringere Chancen als Ausländer, Muslime oder Homosexuelle. Keiner von ihnen wird es schaffen, seinerseits wegen „Diskriminierung“ Schadensersatz deshalb durchzusetzen, weil etwa statt seiner ein Türke, ein Muslim oder ein Homosexueller eingestellt wurde. Sie sind die grundsätzlich Diskriminierten. Diese Entwicklung wird von der „Stelle“ mit Hilfe ihrer Spitzel in den (wiederum politisch beeinflußten) Antidiskriminierungsverbänden gesteuert werden.
Eine solche Organisation entspricht dem Bild der mittelalterlichen Inquisition. Deren Aufgabe war es, mit Hilfe von Denunzianten „unabhängig“ Ketzer und seit dem „Hexenhammer“ von 1489 Hexen zu verfolgen.
Durch das AGG wird nicht nur die Vertragsfreiheit zerstört, sondern auch die Meinungsfreiheit: Wer Risiken vermeiden will, muß wie in jeder Diktatur seine Meinung zu zahlreichen Fragen des Lebens für sich behalten und sollte sich weder an privaten noch gar öffentlichen Diskussionen beteiligen: Auf die-se Weise wird der demokratische Prozeß gleich mit erledigt.
Aus Frankreich liegen mit einer ähnlichen „Stelle“, dort „Hohe Autorität“ genannt, schon Erfahrungen vor. Die von Klagen bedrohten Franzosen sehen sich als Vermieter, Verkäufer oder Arbeitgeber einer „wahren Hexenjagd“ ausgesetzt.
Gegen den fast wortgleichen Entwurf der rot-grünen Koalition ist die CDU/CSU früher Sturm gelaufen. Am 15. März 2005 hatte die Union in Berlin zu einer Veranstaltung mit dem Titel „Die Vertragsfreiheit: Grundlage unserer gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Ordnung“ geladen. In der von der damaligen Fraktionsvorsitzenden Angela Merkel und CSU-Landesgruppenchef Michael Glos unterzeichneten Einladung heißt es, das rot-grüne Antidiskriminierungsgesetz beschränke die Vertragsfreiheit, die „ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Freiheitsrechte und unserer Verfassung ist“.
Mit ihrer Zustimmung zum Gleichstellungsgesetz macht sich die Union eines Verfassungsbruchs schuldig. Es ist in der Geschichte dieser Republik einmalig, daß eine Partei offen „unverzichtbare Verfassungsgrundsätze“ verhandelbar macht. Wer diesen Weg geht, will eine andere Republik, in welche dann allerdings Institutionen wie „die heilige Inquisition“ gut passen.
Manastirli Hamdi
07.06.06, 10:23
http://www.jungefreiheit.de
© JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. 23/06 02. Juni 2006 (http://www.politikcity.de/forum/)
„Sagen wir Nationalstolz“
Karlheinz Weißmann über linken Selbsthaß, die Trendwende zum Patriotismus und die Pflicht, sich nicht zufriedenzugeben
Dieter Stein
AUSZUG aus dem Interview mit dem Rechtsintellektuellen Weißmann:
Wahrscheinlich werden Sie auch das neue Buch des „Spiegel“-Kulturchefs Matthias Matussek in diesen Zusammenhang einordnen. Der hat allerdings über das Gesagte hinaus auf die Nationalneurose der Deutschen hingewiesen, ihre masochistische Neigung zu Selbstverkleinerung und Schuldfixierung.
Weißmann: Na, das ist ja großartig, daß Herr Matussek endlich da angekommen ist, wo die intellektuelle Rechte schon vor dreißig Jahren angekommen war. Das Elend ist nur, daß Matussek kaum jemals Armin Mohler, Bernhard Willms, Hellmut Diwald oder Robert Hepp seine Reverenz erweisen wird, die immer wieder auf die Anomalie und Gefährlichkeit der deutschen Pathologie hingewiesen haben und auf die damit verbundene Möglichkeit der politisch-moralischen Erpressung.
Besser eine späte Einsicht als keine.
Weißmann: Selbst wenn ich vom Aspekt der Gerechtigkeit absehe, möchte ich doch darauf hinweisen, daß es nicht gleichgültig ist, wann man zu einer Einsicht kommt. Wenn man den Patriotismus früher als entscheidenden Bezugspunkt aufgefaßt hätte, in den siebziger, achtziger oder wenigstens in den neunziger Jahren, wäre uns viel erspart geblieben und müßten wir uns nicht mit dieser Art von Substanzverlust abfinden, der überall mit Händen zu greifen ist.
Was meinen Sie genau mit „Substanzverlust“?
Weißmann: Zuerst einmal den Verlust an Volkssubstanz durch Geburtenrückgang und Massenabtreibung, dann den Verlust an kultureller Substanz durch das willkürliche Abreißen der Überlieferung und schließlich den Verlust an staatlicher Substanz durch das Wuchern des Parteiensystems und die systematische Zerstörung der öffentlichen Debatte, vor allem das Zensieren aller Auffassungen, die eben das vertraten, was jetzt eingefordert wird: Patriotismus.
„Leitkultur“ ist auch so eine unbrauchbare Ersatzvokabel
Wenn Ihnen der neudeutsche Patriotismus nicht behagt, was schwebt Ihnen denn als Alternative vor?
Weißmann: Legen wir zuerst einmal den Begriff beiseite. Der klingt doch zu sehr nach Schwundstufe. Sagen wir Nationalstolz. Denn vor allem anderen muß verbürgt sein, was Max Weber das „spezifische Pathos“ nannte, die Grundvoraussetzung jeder Bezugnahme auf die eigene Nation. Das heißt die Harmlosigkeit muß aufhören, das Muntere, Aufgesetzt-Optimistische, Orangefarbene. Wenn man sich jetzt auf das Vaterland beruft, dann, weil das Vaterland in Gefahr ist, und die größte Gefahr ist der endgültige Geschichtsverlust. Viele Agenten des neuen Patriotismus sprechen von Deutschland, als ob das erst 1989 zu existieren begonnen habe oder 1968, äußerstenfalls 1945. Was davor stattfand, taugt nur als Kontrastmittel, als dunkle Folie, von der sich die lichte Gegenwart abhebt. Diese Art, das Vaterland zu „konstruieren“, kann man schlau finden, aber es fehlt die historische Tiefendimension, die notwendig ist, um ein Gefühl hervorzubringen, das man Liebe zum Vaterland nennen darf.
Es geht hier nicht um die Frage, welche Produkte wir herstellen oder wie gekonnt man bei uns kocht, es geht nicht einmal um unsere industriellen Standards oder die Attraktivität des deutschen Frolleins, sondern um die Rückgewinnung unserer Identität. Identität ist ein politischer Faktor ersten Ranges und wird in den politischen Auseinandersetzungen des 21. Jahrhunderts eine entscheidende Größe sein, Fehlen oder Vorhandensein wird mit darüber entscheiden, welche Stellung eine Nation einnimmt, welche Bindungskräfte sie entfaltet oder in welchem Maß Erosion um sich greift, welche Chance zur Verteidigung der eigenen Interessen sie hat und welche nicht. Das heißt, das Nationale ist nichts Dekoratives, sondern etwas Politisches, es gewinnt die Schärfe seiner Konturen durch Entgegensetzung: „Wir“ – „Nicht-Wir“. Dem versucht man natürlich auszuweichen, die FAZ brachte letztens schon einen Leitartikel mit der Überschrift „Deutsche Interessen: keine“.
Identitätspolitik wird gegenwärtig vor allem als Frage der Innenpolitik betrachtet, im Zusammenhang der Leitkulturdebatte.
Weißmann: „Leitkultur“ ist auch so eine Ersatzvokabel, deren Unbrauchbarkeit sich in der Praxis sofort zeigt. Da wird dann irgendein Wertekanon geschaffen, für den man sich etwas hübsch Unverbindliches ausdenkt, ohne Bezug zu dem, was ich oben schon als das Historisch-Konkrete charakterisiert hatte. Wer wenigstens einen Teil der hier lebenden Einwanderer integrieren will, darf die Hürden nicht an der falschen Stelle aufbauen und nicht zu niedrig halten. Er muß dem Ankömmling Anpassung abverlangen und ihm mit dem Selbstbewußtsein entgegentreten, das einem großen Volk und einer alten Kulturnation gebührt. Dann sehe ich durchaus Möglichkeiten des Gelingens. Jemand hat das einmal auf das anschauliche Beispiel gebracht, daß zu den erfolgreichsten U-Boot-Kommandanten der kaiserlichen Marine ein Mann mit dem klangvollen, aber nicht sehr deutschen Namen Lothar Ar-nauld de la Périère gehörte. Warum sollte sich nicht zukünftig ein deutscher Truppenkommandeur auszeichnen, der Peter Orhan Acar heißt? Bei alldem bin ich nicht zu pessimistisch.
Manastirli Hamdi
12.10.06, 17:49
http://www.jungefreiheit.de
Europa unter Druck
EU-Beitritt: Die Verhandlungen mit der Türkei führen in eine gefährliche Sackgasse
Claudia Hansen
Die EU-Gespräche mit der Türkei quälen sich dahin. Seit nun einem Jahr sind die Verhandlungen „mit dem Ziel der Beitritts“ eröffnet, und bis heute weigert sich Ankara, das Zollabkommen auch mit der Republik Zypern vollständig umzusetzen. Bislang haben die EU-Staaten den Affront hingenommen, daß der Beitrittskandidat einem Mitgliedsstaat die völkerrechtliche Anerkennung verweigert. Nach wie vor dürfen zypriotische Schiffe und Flugzeuge die Türkei nicht anlaufen.
Im November legt die Kommission ihren „Fortschrittsbericht“ vor, in dem das „Problem Zypern“ an zentraler Stelle stehen wird. Zwar warnt Zyperns Außenminister Georgios Lillikas, man werde der Türkei keine weiteren Kompromisse „wie auf einem anatolischen Basar“ anbieten, doch steht genau das zu erwarten. Die finnische Ratspräsidentschaft bastelt derzeit an einer Konstruktion, die Ankara mit der Öffnung des Hafens Famagusta im türkisch besetzten nördlichen Teil von Zypern entgegenkäme.
Brüssel scheint auch bereit, die gewährte Frist zur Umsetzung des Zollabkommens noch einmal zu verlängern. Erweiterungskommissar Olli Rehn möchte eine Aussetzung der Verhandlungen verhindern, denn würde der Prozeß einmal angehalten, wäre es schwierig, ihn wieder in Gang zu bringen, fürchten die Beitrittsbefürworter.
Der Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre Reden in der Türkei haben vor allem eines deutlich gemacht: Die deutschen CDU-Wähler wurden vergangenes Jahr massiv getäuscht! Das im Wahlkampf 2005 propagierte Konzept der „privilegierten Partnerschaft“ scheint Merkel längst aufgegeben zu haben. Zwar setze sie „als CDU-Vorsitzende“ weiterhin auf diese Option, doch „als Kanzlerin“ halte sie sich an das, was die rot-grüne Vorgängerregierung ausgemacht hat, nämlich „Verhandlungen mit dem Ziel des Beitritts“. Leidet Merkel an einer politisch gespaltenen Persönlichkeit? Offenbar ist sie – allen Dementis zum Trotz – umgekippt.
Jüngst erst stellte das Europäische Parlament der Türkei ein denkbar schlechtes Zeugnis aus. In dem Bericht wird eine „Verlangsamung des Reformprozesses“ beklagt. Die Formulierung, es gebe noch „andauernde Mängel“ in Bereichen wie Meinungs- und Religionsfreiheit sowie Minderheiten- und Frauenrechte, umschreibt diplomatisch, daß es – zumal vor den 2007 anstehenden türkischen Wahlen – nur noch Stillstand, in mancher Hinsicht sogar Rückschritte gibt. Die Verfolgung von mißliebigen Publizisten und der Druck auf Christen haben zugenommen. Auf dem Papier hat die Regierung von Recep Tayyip Erdogan wohl einige Reformen angestoßen, deren materielle Umsetzung bleibt aber ungenügend.
Im EU-Parlament verschaffen sich die kritischen Stimmen nun zwar mehr Gehör als noch vor einem Jahr. Doch auch diese wagen nicht klar auszusprechen, daß es sich bei der Türkei um ein islamisch-kleinasiatisches Land handelt, das noch weit von demokratisch-europäischen Standards entfernt ist.
Nur wenige in Brüssel sind bereit einzugestehen, daß im Fall der Türkei das Muster der parallelen „Demokratisierung“ und „Verwestlichung“ nicht funktionieren kann. Wird der Einfluß des Militärs zurückgedrängt, das bislang Garant des kemalistischen Staatssystems war, so bricht die noch kontrollierte islamische Welle aus der Bevölkerung und der Regierungspartei AKP voll durch.
Ohnehin kann man bei der Türkei allenfalls von einem Pseudolaizismus sprechen, bedenkt man, daß es ein staatliches Religionsministerium gibt, das den sunnitischen Mehrheitsislam lenkt und fördert, während andere Glaubensgemeinschaften, etwa die rund 15 Prozent Aleviten und die verbliebenen wenigen Christen, erheblich diskriminiert werden. Jüngst bekräftigte das Präsidialamt, nicht-muslimische Türken seien gar keine echten Türken und hätten folglich weniger Rechte.
Werden die autoritären Hüter des Kemalismus nun zurückgestutzt, wie es die EU-„Demokratisierung“ verlangt, so ist eine verstärkte Islamisierung der Türkei absehbar. Dieses Ziel steuert Erdogan an. Seine Doppelstrategie – Annäherung an die EU und zugleich Islamisierung – hat die erweiterungsfixierte Kommission nie klar sehen wollen. Sie ist befangen in der irrigen Vorstellung, die Türkei werde eine Brücke zwischen Ost und West bilden. Die erhoffte Verständigung zwischen westlicher und islamischer Welt könnte ein EU-Beitritt der Türkei aber nicht befördern, da diese im arabischen Raum aufgrund der Erinnerung an osmanische Besatzungszeiten und ihrer heutige Bindung an die USA nur wenig beliebt ist.
Gegen den Beitritt sprechen nicht bloß die zu erwartende massenhafte Migration (der SPD-Außenpolitiker Hans-Ulrich Klose erwartet etwa fünf Millionen türkische Einwanderer allein nach Deutschland) sowie immense Kosten (Schätzungen gehen von bis zu 28 Milliarden Euro jährlich aus). Ohne Zweifel müßte es die EU überdehnen und sprengen, wenn ein islamisches Schwellenland von heute 75 Millionen, in zwanzig Jahren schon über 90 Millionen Einwohnern an die Brüsseler Futtertröge drängen würde. Die EU hätte zudem gefährliche Außengrenzen mit Iran, Irak und Syrien und würde noch mehr in die dortigen Konflikte hineingezogen. Eine Aufnahme der Türkei würde Europa also nicht mehr Stabilität bringen, sondern es destabilisieren.
Für den Fall eines Abbruchs der Verhandlungen wird häufig ein Abgleiten der Türkei in politisches Chaos vorhergesagt. Aus Angst davor möchte die EU weiter verhandeln. Am Ende des mühseligen Prozesses könnte Ankara dem „Ziel des Beitritts“ nahekommen. Bevor sich aber die Tore zu Europa öffnen, haben – wenigsten in Frankreich und Österreich – noch zwei europäische Völker das Wort. Angesichts der zunehmend skeptischen Stimmung (nach Umfragen sind bis zu 90 Prozent der Österreicher gegen einen Türkei-Beitritt) ist anzunehmen, daß die Abstimmungen dem türkischen Vormarsch nach Europa eine Absage erteilen und damit zugleich ein mittleres politisches Erdbeben in Kleinasien auslösen werden. Die Folgen wären schwer abschätzbar.
Die im vergangenen Herbst unter amerikanischem Druck gefällte Entscheidung, mit Beitrittsverhandlungen zu beginnen, führt in eine gefährliche Sackgasse. Wie lange soll man sich auf diesem Weg weiterquälen? Es wäre ein Gebot außenpolitischer Klugheit, schon frühzeitig nach Alternativen zu suchen, die den Türken einen Ausstieg ohne Gesichtsverlust und Europa eine europäische Zukunft ermöglichten.
Manastirli Hamdi
12.10.06, 17:50
Integration
Dietzenbach ist Deutschland
von Dieter Stein
Verweht sind die Fahnen der Fußball-WM. Die Tage werden kürzer, der Wind treibt die ersten gefallenen Blätter durch die Straßen ... es wird Herbst. Was bleibt von der schwarzrotgoldenen Welle, dem deutschen „Sommermärchen“, wie Sönke Wortmann historisierend seinen Kinofilm genannt hat? Viele sind skeptisch. Der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober wurde nicht anders begangen als in den Vorjahren. Routinierte Langeweile zeichnet diesen Tag aus. Lieblose Würstchenbuden-Veranstaltungen mit albern schunkelnden Politikern in Kiel – so würdigt die europäische Mittelmacht ihre Wiedergeburt als politisches Subjekt durch die Wiedervereinigung. Blamabel.
Der heißdiskutierte WDR-Film „Wut“ zeigte kürzlich auf erschütternde Weise das Morsche, Zerrüttete, Ehrlose an der deutschen Gesellschaft. Jugendliche mit „Migrationshintergrund“ sehnen sich nach Autorität, Stolz, Selbstbewußtsein. Sie treffen auf deutsche Repräsentanten – in Gestalt von Politikern, Journalisten, Lehrern, Pfarrern –, die unfähig sind, zu benennen und vorzuleben, was es heißt, Deutscher zu sein. Wer einen Rest Selbstwertgefühl behalten will, zieht sich auf seine Tradition, seine Kultur, seine Religion zurück.
In Dietzenbach, einer hessischen Kreisstadt bei Offenbach, bemüht man sich nun, auf die selbstverständlichste Weise Integration deutscher und ausländischer Kinder zu befördern. Der Stadtrat beschloß in der vergangenen Woche mit den Stimmen von CDU, Freien Wählern und Republikanern, in den städtischen Kindergärten nur noch Deutsch als Umgangssprache zuzulassen und außerdem ein Bild des Bundespräsidenten und eine Deutschlandfahne aufzuhängen.
Ziel dieser Initiative, so der CDU-Fraktionsvorsitzende Helmut Butterweck gegenüber dieser Zeitung, sei die stärkere Bindung insbesondere der Ausländerkinder an das deutsche Gemeinwesen. Der Ausländeranteil der 35.000-Einwohner-Stadt liegt bei über 30 Prozent. Unter Kindern und Jugendlichen nähert sich der Anteil derjenigen mit „Migrationshintergrund“ der 50-Prozent-Marke. Dietzenbach ist ein Beispiel für die Verhältnisse, die ins Rutschen geraten. Die Lokalpolitiker warnen, daß viele Ausländerkinder wegen mangelnder Deutschkenntnisse und Integrationsproblemen auf dem Arbeitsmarkt chancenlos seien.
Und jetzt? Die Aufregung über diesen harmlosen Beschluß ist groß. Viele überregionale Medien kommentieren ihn blasiert als Provinzposse, indes geht es in vielen städtischen Bezirken ganz Deutschlands integrationspolitisch ans Eingemachte.
CDU-Mann Butterweck nun räumt ein, daß die Entscheidung für Fahne und Köhler-Bild von der WM-Euphorie beflügelt wurde: „Wir haben doch erlebt, wie gerade viele türkische Jugendliche begeistert die deutsche Fahne geschwenkt haben!“ Er bekomme auch von den ausländischen Eltern überwiegend positive Reaktionen, während deutsche Journalisten und Politiker der Linken eher ablehnend reagierten. Ein türkischer Unternehmer aus der Region erklärt, man sei das doch aus der Türkei gewohnt, daß in jedem Klassenzimmer der Staatsgründer Atatürk und die Nationalfahne hingen: „Wir leben doch in Deutschland! Das sollen doch die Kinder ruhig merken!“ Allen deutschen Politikern scheint dies nicht klar zu sein
Powered by vBulletin® Copyright ©2012 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.
SEO by
vBSEO 3.6.0