Refa
11.03.06, 01:32
Protektionistischer Affront
Die sechs amerikanischen Häfen werden nun doch nicht an eine arabische Firma verkauft. Der schwächelnde US-Präsident musste sich einem republikanischem Aufstand beugen. Von Adrian Pohr
http://zelos.zeit.de/bilder/2006/11/aktuell_online/teaser_artikel/baltimorehafen_410.jpgDie Hafenstadt Baltimore im US-Bundesstaat Maryland
© dpa
Erst waren sie ganz leise. Als vor einigen Wochen in Washington bekannt wurde, dass ein Unternehmen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (Dubai Ports World) sechs amerikanische Häfen kaufen wollte, kam von den Demokraten kaum Einspruch. Der Protest entzündete sich eher – und das eigentlich erstaunlicherweise – bei den republikanischen Abgeordneten. Der drohende Verkauf der Schiffsanlagen erzeugte einen Aufruhr im Kongress gegen den Präsidenten. Die Republikaner fürchten, bei den Wahlen in acht Monaten auf ihrem ureigenen Terrain geschlagen zu werden: der nationalen Sicherheit. Diese sei durch eine ausländische Übernahme dieser Logistikzentren gefährdet, so die Argumentation. Der Terrorismus lauert an allen Ecken – und neuerdings in Schiffen.
Ob von einem Seehandel in ausländischem Besitz Amerikanern Gefahr droht, ist fraglich. Demnach spielt es anscheinend keine Rolle, dass der US-Seehandel schon seit Jahren von ausländischen Firmen dominiert wird. Ausländerfeindliche Ressentiments werden geschürt, die nicht nur gesellschaftlich gesehen verhärtete Fronten in „the land of the free“ ziehen könnten. Auch Ökonomen haben berechtigte Sorgen vor diesen protektionistischen Tönen. Das US-Handelsdefizit wächst kontinuierlich; es erscheint wirtschaftlich betrachtet wenig sinnvoll, Investoren – egal welcher Herkunft - zu vertreiben.
Ökonomen fürchten vor allem den außenpolitischen Schaden in der arabischen Welt, die sich zurecht verprellt fühlen darf - was in den arabischen Medien auch als politischer Affront dargestellt wird. „Dies wird das schon beschädigte Image der USA weiter verschlechtern“, wird Youssef M. Ibrahim von der Strategic Energy Investment Group in Dubai in der Washington Post zitiert. Während Bush die gute Zusammenarbeit mit den Vereinigten Arabischen Emiraten im Anti-Terror-Kampf hervorhob, kritisieren die Republikaner die Verstrickung des Landes gerade eben in seiner Unterstützung des Terrors.
Inzwischen hat Dubai Ports World die geplante Übernahme der Häfen aufgegeben zugunsten einer ungenannten amerikanischen Firma – offenbar unter massiven Druck von Bushs Gefolgsleuten bei der politischen Führung der Vereinigte Arabische Emirate. Denn der US-Präsident sah in diesem Streit überhaupt nicht gut aus. Nicht nur dass Bush den Rückhalt an der Basis und im Kongress verliert, der Haushaltsausschuss hat sich am Donnerstag in offener Opposition zu ihm mit 62 zu 2 Stimmen gegen das Geschäft ausgesprochen. Die Drohung mit einem Veto (Bushs erstem) hat die Republikaner zusätzlich gegen ihren Präsidenten aufgebracht.
Dessen Umfragewerte liegen seit Wochen in einem Tief, aus dem er gar nicht mehr herauszukommen scheint. Auch der Verlust konservativen Vertrauens hat sich bereits abgezeichnet. Die Republikaner kritisierten vergangenes Jahr Bushs Sozialversicherungsplan, bemängelten seine langsame Reaktion beim Sturm Katrina und erwirkten den Rücktritt der Supreme Court-Kandidatin Harriet Myers. Doch die Krise um die „feindliche Übernahme“ von US-Häfen war bislang der Höhepunkt im innerparteilichen Ansehensverlust des Präsidenten.
Doch selbst angesichts dieser guten Aussichten für die Demokraten bei den kommenden Wahlen kann die Vorfreude nicht allzu groß sein: Bislang ist die Opposition eher dadurch aufgefallen, ihrem Erfolg selbst im Weg zu stehen.
© ZEIT online 10.3.2006 (http://www.zeit.de/online/2006/11/us_hafen)
Die sechs amerikanischen Häfen werden nun doch nicht an eine arabische Firma verkauft. Der schwächelnde US-Präsident musste sich einem republikanischem Aufstand beugen. Von Adrian Pohr
http://zelos.zeit.de/bilder/2006/11/aktuell_online/teaser_artikel/baltimorehafen_410.jpgDie Hafenstadt Baltimore im US-Bundesstaat Maryland
© dpa
Erst waren sie ganz leise. Als vor einigen Wochen in Washington bekannt wurde, dass ein Unternehmen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (Dubai Ports World) sechs amerikanische Häfen kaufen wollte, kam von den Demokraten kaum Einspruch. Der Protest entzündete sich eher – und das eigentlich erstaunlicherweise – bei den republikanischen Abgeordneten. Der drohende Verkauf der Schiffsanlagen erzeugte einen Aufruhr im Kongress gegen den Präsidenten. Die Republikaner fürchten, bei den Wahlen in acht Monaten auf ihrem ureigenen Terrain geschlagen zu werden: der nationalen Sicherheit. Diese sei durch eine ausländische Übernahme dieser Logistikzentren gefährdet, so die Argumentation. Der Terrorismus lauert an allen Ecken – und neuerdings in Schiffen.
Ob von einem Seehandel in ausländischem Besitz Amerikanern Gefahr droht, ist fraglich. Demnach spielt es anscheinend keine Rolle, dass der US-Seehandel schon seit Jahren von ausländischen Firmen dominiert wird. Ausländerfeindliche Ressentiments werden geschürt, die nicht nur gesellschaftlich gesehen verhärtete Fronten in „the land of the free“ ziehen könnten. Auch Ökonomen haben berechtigte Sorgen vor diesen protektionistischen Tönen. Das US-Handelsdefizit wächst kontinuierlich; es erscheint wirtschaftlich betrachtet wenig sinnvoll, Investoren – egal welcher Herkunft - zu vertreiben.
Ökonomen fürchten vor allem den außenpolitischen Schaden in der arabischen Welt, die sich zurecht verprellt fühlen darf - was in den arabischen Medien auch als politischer Affront dargestellt wird. „Dies wird das schon beschädigte Image der USA weiter verschlechtern“, wird Youssef M. Ibrahim von der Strategic Energy Investment Group in Dubai in der Washington Post zitiert. Während Bush die gute Zusammenarbeit mit den Vereinigten Arabischen Emiraten im Anti-Terror-Kampf hervorhob, kritisieren die Republikaner die Verstrickung des Landes gerade eben in seiner Unterstützung des Terrors.
Inzwischen hat Dubai Ports World die geplante Übernahme der Häfen aufgegeben zugunsten einer ungenannten amerikanischen Firma – offenbar unter massiven Druck von Bushs Gefolgsleuten bei der politischen Führung der Vereinigte Arabische Emirate. Denn der US-Präsident sah in diesem Streit überhaupt nicht gut aus. Nicht nur dass Bush den Rückhalt an der Basis und im Kongress verliert, der Haushaltsausschuss hat sich am Donnerstag in offener Opposition zu ihm mit 62 zu 2 Stimmen gegen das Geschäft ausgesprochen. Die Drohung mit einem Veto (Bushs erstem) hat die Republikaner zusätzlich gegen ihren Präsidenten aufgebracht.
Dessen Umfragewerte liegen seit Wochen in einem Tief, aus dem er gar nicht mehr herauszukommen scheint. Auch der Verlust konservativen Vertrauens hat sich bereits abgezeichnet. Die Republikaner kritisierten vergangenes Jahr Bushs Sozialversicherungsplan, bemängelten seine langsame Reaktion beim Sturm Katrina und erwirkten den Rücktritt der Supreme Court-Kandidatin Harriet Myers. Doch die Krise um die „feindliche Übernahme“ von US-Häfen war bislang der Höhepunkt im innerparteilichen Ansehensverlust des Präsidenten.
Doch selbst angesichts dieser guten Aussichten für die Demokraten bei den kommenden Wahlen kann die Vorfreude nicht allzu groß sein: Bislang ist die Opposition eher dadurch aufgefallen, ihrem Erfolg selbst im Weg zu stehen.
© ZEIT online 10.3.2006 (http://www.zeit.de/online/2006/11/us_hafen)